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Full text of "Adolf Hitler - Mein Kampf - Band 1 und 2 (855. Auflage 1943, 818 S.)"

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ADOLF HITLER / MEIN KAMPF 



ADOLF HITLER 



MEIN KAMPF 



Zwei Bände in einem Band 
Ungekürzte Ausgabe 




Zentralverlag der NSDAP., Frz. EherNachf., G.m.b.H., München 



851.-855. Auflage 1943 

Alle Rechte vorbehalten 

Copyright Band I 1925, Band II 1927 by Verlag Franz Eher Nachf. 

G.m.b.H., München 

Printed in Germany 



Gesamtauflage 
sämtlicher Ausgaben 10 240 000 Exemplare 



Druck der August Pries GmbH, in Leipzig 



Inhaltsverzeichnis 



Seite 

Personen- und Sachverzeichnis VII 

Vorwort XXVII 

Widmung XXIX 

Erster Band: 

Eine Abrechnung 

Im Elternhaus 1 

Wiener Lehr- und Leidensjahre 18 

Allgemeine politische Betrachtungen aus meiner 

Wiener Zeit 71 

München 138 

Der Weltkrieg 172 

Kriegspropaganda 193 

Die Revolution 205 

Beginn meiner politischen Tätigkeit 226 

Die „Deutsche Arbeiterpartei" 236 

Ursachen des Zusammenbruchs 245 

Volk und Rasse 311 

Die erste Entwicklungszeit der Nationalsoziali- 
stischen Deutschen Arbeiterpartei 363 

Zweiter Band: 

Die nationalsozialistische Bewegung 

1. Kapitel: Weltanschauung und Partei 409 

2. Kapitel: Der Staat 425 

3. Kapitel: Staatsangehöriger und Staatsbürger 488 

4. Kapitel: Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke 492 

5. Kapitel: Weltanschauung und Organisation 504 

6. Kapitel: Der Kampf der ersten Zeit - Die Bedeutung 

der Rede 518 



1. 


Kapitel: 


2. 


Kapitel: 


3. 


Kapitel: 


4. 


Kapitel: 


5. 


Kapitel: 


6. 


Kapitel: 


7. 


Kapitel: 


8. 


Kapitel: 


9. 


Kapitel: 


10. Kapitel 


li 


f . Kapitel 


i: 


1. Kapitel 



VI 



Inhaltsverzeichnis 



7. 


Kapitel: 


8. 


Kapitel: 


9. 


Kapitel: 


10 


Kapitel: 


11 


Kapitel: 


12 


Kapitel: 


13 


Kapitel: 


14 


Kapitel: 


15 


Kapitel: 


Sc 


tilußwort 



Das Ringen mit der roten Front 

Der Starke ist am mächtigsten allein 

Grundgedanken über Sinn und Organisation 

der SA 

Der Föderalismus als Maske 

Propaganda und Organisation 

Die Gewerkschaftsfrage 

Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege... 

Ostorientierung oder Ostpolitik 

Notwehr als Recht 



Seite 
538 
568 

579 
621 
649 
670 
684 
726 
759 
782 



Personen- und Sachverzeichnis 

Fettgedruckte Ziffern bedeuten, daß dem Gegenstand ein ganzes Kapitel ge- 
widmet ist. - Durch s. (=siehe) und vgl. (=vergleiche) wird auf andere 
Stichworte des Verzeichnisses verwiesen. - Die Seitenbezeichnung gibt viel- 
fach nicht den Ort, wo das Stichwort im Text erscheint, sondern den An- 
fang zusammenhängender Ausführungen über das Stichwort an. Es emp- 
fiehlt sich daher, nicht nur die angegebene Seite, sondern den ganzen 
Abschnitt nachzulesen. 

Adel: Entartung 270 

Ägypten, englische Herrschaft in Ä. 747 

Aktiengesellschaften: eine schwere Verfallserscheinung 256. - 
Mittel zum jüdischen Eindringen 344. - Internationalisierung 
der deutschen Wirtschaft durch die A. 257 

Alldeutsche Bewegung: in Österreich 102. - Verdienst 104, 106. 
- Ursache des Zusammenbruchs 110, 127. - Fehler 133. - im 
Parlament 112. - Vgl. Schönerer 

Amann, Max, Generalgeschäftsführer der NSDAP., 665 

Amerika s. Vereinigte Staaten 

Anhänger einer Bewegung im Gegensatz zu Mitglied 651. - 
Vgl. Organisation 

Antike im Geschichtsunterricht 470 

Antisemitismus: falscher (auf religiöser Grundlage) 130. - 
Schutz- und Trutzbund 628. - Jüdische Gegenwehr 629, 632 

Arbeit: Wertung im völkischen Staat 482. - Doppelter Wert 
jeder A. 483 

Arbeiter: Fabrikarbeiter 347. - Arbeiterschicksal 24 f. - Arbeits- 
losigkeit im Vorkriegs-Wien 23. - Wohnungselend 28. - 
Leidensweg des Arbeiterkindes und seine Folgen 32. - Weg 
zur Besserung 29. - Vgl. Gewerkschaften, Soziale Fragen 

Arbeitsgemeinschaft: politischer Verbände 577. - deutschvölki- 
scher Verbände 568 

Arbeitslosigkeit im Vorkriegs-Wien 23 

Arier: Kulturbegründer 317, 421. - Entwicklungsbild der ari- 
schenKulturschöpfung 319 f. - Eroberer 324. - Rassen- 
mischung 324. - Gemeinschaftsdienst des A. 326. - A. und 
Jude 329 f. - Vgl. Rasse 

Aristokratisches Führerprinzip: im völkischen Staat 492 f. - in 
der NSDAP. 493 

Auslese der Tüchtigen im völkischen Staat 477 

Außenpolitik, deutsche. 1. Grundsätzliches: Politisches Testa- 
ment 754. - Aufgabe jeder A. 735. - Zweck 687, 728. - 
Raumgröße und Weltmacht 728. - Voraussetzung für Wieder- 
gewinnung verlorener Gebiete 688, 711. - Voreingenommen- 
heiten 727. - Keine Sentimentalität (richtige Einschätzung 



VIII Personen- und Sachverzeichnis 

der „Deutschfreundlichkeit") 697, 740. - 2. Vorkriegspolitik: 
Aufgabe und Ziel 687. - Ziellosigkeit 295, 691. - Vier 
Möglichkeiten 144. - die richtige 689. - „Wirtschaftsfried- 
liche Eroberung" 158, 693. - Kolonialpolitik 730. - Mili- 
tärgeographische Lage Deutschlands 695. - Polenpolitik 297, 
429. - 3. Nachkriegspolitik 691. - Aufgabe und Ziel 687. - 
Grundfrage deutscher Gegenwartspolitik 365. - Wiedergewin- 
nung der politischen Macht 366. - Ruf nach den alten Gren- 
zen 736. - Versäumte Auswertung des Friedensvertrages 714. 

- Vertrag von Locarno 761. - Notwehr als Recht 759. - 
Verhältnis zu Rußland 726. - 4a. Bündnispolitik vor dem 
Krieg: falsche 139, 297, 689, 745, 752. - Unsinn des Bünd- 
nisses mit Österreich 155, 157, 160. - Gefahren 161. - 
Schwäche des Dreibundes 160. - Mit England gegen Ruß- 
land 154. - 4b. Bündnispolitik nach dem Krieg: 684. - 
Gründe des Versagens 685. - Anbiederung an Frankreich 705. 

- Ziel 711, 741. - Möglichkeiten 697. - Drei Fragen 712. - 
Bündnisfähigkeit Deutschlands 366, 367, 700, 712. - Bund 
unterdrückter Nationen 745. - Ostorientierung oder Ostpolitik 
726. - Ostpolitik 742, 757. - Rußland und Deutschland 726. 

- Bündnis mit Rußland? 748. - Bündnis mit England und 
Italien 699, 705. - Militärische Bedeutung 755. - Vgl. Eng- 
land, Frankreich, Italien, Japan, Judentum (Politik), Rußland, 
Vereinigte Staaten 

Autorität: Grundlagen 579. - Verächter der A. 34. - Vgl. 
Staatsautorität 

Bauernstand: Grundlage der Nation 151. - Schwächung vor 

dem Krieg 255 
Bayerische Volkspartei: marxistenfreundlich 402; - partikula- 

ristisch 644 
Beamtentum des alten Reiches unvergleichlich 308. - Jüdische 

Einflüsse auf das B. 352 
Berlin: Ausdruck unserer Zeit 291 
Berliner Tageblatt 268 
Bethmann Hollweg, Reichskanzler: Schwäche 301, 481; - als 

Redner 533 
Bildung: Halbbildung 267. - Wert humanistischer B. 469. - 

Wissenschaftliche Schuldbildung im völkischen Staat 464 
Bismarck: Bündnis mit Österreich 160. - Kampf gegen den 

Marxismus 170. - Sozialistengesetz 189. - Politik „Kunst 

des Möglichen" 230, 295. - Verkennung der Gefahr des 

Kapitals 256. - Bürgertum und B. 367. - Bundesstaatliche 

Grundsätze 636. - Rußlandpolitik 743 
Börse: Internationales Börsenkapital 233. - B. und Judentum 

345. - Ziele des Börsenjudentums 702. - Übereinstimmung 

mit Frankreichs Interessen 704 



Personen- und Sachverzeichnis IX 

Bolschewismus in Deutschland 277; - in der Kunst 283. - Gei- 
stige Vorbereitung 287. - Diktatur des Proletariats 357. - 
Bolschewisierung Deutschlands als Mittel jüdischer Weltherr- 
schaft 703. - Rußland und die jüdischen Weltherrschafts- 
pläne 75 1 

Braunau am Inn: Hitlers Geburtsort 1. - Johannes Palm in B. 
hingerichtet 2 

Brest-Litowsk s. Friedensverträge 

Bundesstaat: Wesen des B. 634. - B. oder Einheitsstaat 633. - 
USA. ein Bundesstaat? 634. - Das Bismarckreich ein B. 634. 

- Seine bundesstaatliche Verfassung 635 
Bündnispolitik s. Außenpolitik 

Bürgertum: Bürgerliche Klassenparteien 190. - Parteipro- 
gramme 409. - Versagen in der Revolution 595. - Versamm- 
lungen 538, 548. - B. am Ende seiner Mission 774. - Energie- 
losigkeit 450. - Mangel an Nationalstolz 3 1. - Unzulängliche 
Nationalgesinnung 367. - Hurrapatriotismus 735. - Soziale 
Sünden 47, 52. - Kleinbürgertum und Handarbeiter 22. - 
Pazifistisch 110. - Vergißt die Politik über der Wirtschaft 
681. - Versagen in der Revolution 609. - Von der Revo- 
lution eingefangen 591. - Versagen in der Aufklärung über 
die Friedensverträge 519. - B. und Bismarck 367. - B. und 
Judentum 353. - B. und Rassenreinheit 449. - Vgl. Intelli- 
genz 

Byzantinismus der Wiener Weltpresse 56 

Chamberlain, Houston-Stewart, völkischer Schriftsteller 296 

Chauvinismus: falsche Angst vor Ch. 475. - Vgl. National- 
erziehung 

Clausewitz, berühmter preußischer General: über die Folgen 
feiger Unterwerfung 759 

Christlich-soziale Partei im alten Österreich 58, 106, 130. - 
Mangelhafte Vertretung des Deutschtums 132. - Fehler 133. 

- Vgl. Lueger 

Clemenceau, französischer Minister 765 

Cuno, Reichskanzler: Ruhrpolitik 768, 769, 775. - Retter der 
Gewerkschaften 679 

Dadaismus: Bolschewismus in der Kunst 283 

Demokratie: germanische 99; - jüdische 99. - Westliche D. 
Vorläufer des Marxismus 85. - D. und Marxismus 412. - 
D. Teilziel des Judentums 347. - Jüdische Verfechtung des 
Gleichheitsprinzips 478. - Verfechtung des Mehrheitsprin- 
zips 498. - Vgl. Parlamentarismus 

Deutsche Arbeiterpartei, Vorläufer der NSDAP. 236, 388. - 
Erste Erörterungen 227. - „Ausschußsitzung" 240. - Vgl. 
Drexler, Harrer 



X Personen- und Sachverzeichnis 

Deutscher Schulverein in Österreich 10 

Deutsches Reich: Gründung 245 

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71: Eine Volksausgabe weckt 
Hitlers Liebe für Krieg und Soldatentum 4 

Diktatur des Proletariats: eine jüdische Waffe 357 

Doktrinarismus, deutscher 120 f. 

Dorten, Separatist, 626 

Dreibund: innere Schwäche 160. - Vgl. Außenpolitik (Bünd- 
nispolitik) 

Drexler, Anton, Ortsgruppenvorsitzender der Deutschen Arbeiter- 
partei 391, 401 

Ebert, Friedrich, erster Reichspräsident 286 

Eckart, Dietrich, völkischer Dichter und Märtyrer 781 

Eduard VII., König von England: Einkreisungspolitik 162, 756 

Ehe: Ehefragen 274. - Ziel der E. 275. - Mißbrauch der 
natürlichen E. -Voraussetzungen 270. - Frühheirat 274. - 
E. im völkischen Staat 444. - Vgl. Rassenhygiene 

Einheitsstaat oder Bundesstaat 633 

Einjahrig-Freiwilligen-Einrichtung des alten Heeres 307 

Einkreisungspolitik Eduards VII. 162, 756 

Eisner, Kurt, Revolutionsführer in München, 226. - Partiku- 
larist 623 

Elisabeth, Königin von England 691 

Elsaß-lothringische Frage vor dem Krieg 297. - Vgl. Wetterle 

Emanzipation der Juden 343 

England: Staatskunst 158. - Politik des europäischen Gleich- 
gewichts 691, 696. - Umstellung gegen Deutschland 692. - 
Falsche Einschätzung durch uns 158. - über Ägypten 747. - 
Deutschland mit England gegen Rußland 154. - Bündnis 
mit E. erwünscht 699. - Militärische Bedeutung 755. - E. 
und Frankreich 699. - E. und jüdische Politik 721. - Aus- 
einandergehen britischer und jüdischer Interessen 702. - E. in 
deutscher Karikatur 159. - Englische Propaganda im Krieg 201 

Enver Pascha, türkischer Staatsmann 768 

Entdeutschungspolitik im alten Österreich 100 f., 118. - E. und 
katholische Geistlichkeit 119, 120 

Erbfehler, der deutsche: Mangel an Nationalstolz, „Objektivi- 
tät" 122 

Erfüllungspolitik: und deutsche Republik 472. - Unitarismus 
ein Mittel zur E. 637 

Erziehung: 1. Fehler der früheren Erziehung: Mangel an Natio- 
nalerziehung 122, 471. - „Objektivität" 123/124. - „Patrio- 
tische" Erziehung 471. - International, rein staatlich 593. 
- Pazifistisch-demokratisch 605. - Devotheit 261. - Über- 
mäßige Betonung der geistigen Ausbildung 258, 277. - Über- 



Personen- und Sachverzeichnis XI 

lastung 464. - Mangel an Verantwortungsfreudigkeit 262. - 
Mangel an Willens- und Entschlußkraft 463. - 2. Erziehungs- 
grundsätze des völkischen Staates 451. - Rangordnung der 
E. -Gegenstände 452. - 1. körperliche Ertüchtigung 451, 453. 
Selbstvertrauen 455/456. - 2. Charakterbildung 460. Schweig- 
samkeit 460. - 3. Willens- und Entschlußkraft, Verantwortungs- 
freudigkeit 462. - 4. Wissenschaftliche Schulbildung 464. 
Fremdsprachen 465. Geschichtsunterricht s. diesen. Humani- 
stische Allgemeinbildung 469. - Förderung des Nationalstolzes 
473. - 5. Rassesinn und -gefühl 475. - Körperliche Ertüchti- 
gung im allgemeinen 276, 453; - in der Schule 454. - Militär- 
dienst als Abschluß der E. 459, 476. - Mädchenerziehung 459. 

- Außerschulische E. 264 

Esperanto: die jüdische Universalsprache 337 
Esser, Hermann, Pg., 567 

Europäisches Gleichgewicht: Grundlage englischer Politik 691, 
696. - Verschiebung nach dem Krieg 694 

Fabrikarbeiter 347 f. - Vgl. Arbeiter 

Feder Gottfried, Pg.: Bekanntschaft Hitlers mit F. 228. - 
Brechung der Zinsknechtschaft 232. - Vortrag F.s 237 

Fememorde 610 

Flagge: Nationalflagge 552, 640; - nationalsozialistische 554. - 
Vgl. Schwarz-Weiß-Rot, Schwarz-Rot-Gold 

Flottenbaupolitik, falsche 298. - Risikogedanke 300 

Flugblatt: F. -Propaganda 206. - Ähnlichkeit mit dem gespro- 
chenenWort 535 

Föderalismus 626; - als Maske 621. - „Föderative" Tätig- 
keit 626. - Föderalisten 627. - F. und Unitarismus 633. - 
Kulturelle Aufgaben der Länder 646. - Vgl. Einheitsstaat, 
Unitarismus, Verreichlichung, Zentralisation 

Frankfurter Zeitung 267 

Frankreich: Deutschlands Todfeind 699. - Ziel 696, 699, 765. - 
Kriegsziel 763. - Französische Herrschaft das Kriegsergebnis 
696. - Übereinstimmung fr. und jüdischer Interessen 704. - 
Endgültige Auseinandersetzung mit Fr. 766. - Militärgeo- 
graphische Lage Fr.s 695. - Fr. und England 699. - Afri- 
kanischer Staat auf europäischem Boden 730. - Frankreich- 
kult der Wiener Weltpresse 58 

Franz Ferdinand, österreichischer Thronfolger: Feind des Deutsch- 
tums 13. - Tschechisierungspolitik 101. - Ermordung 173 

Franz Joseph, österreichischer Kaiser, 174 

Freiheitskampf des deutschen Volkes: Voraussetzungen 686. - 
Voraussetzung für die Befreiung verlorener Gebiete 688 

Freikorps: Entstehungsursache 585 

Freimaurerei: jüdisches Instrument 345; in Italien verboten 721. 

- Vgl. Judentum (Weltherrschaftspläne) 



XII Personen- und Sachverzeichnis 

Fremdsprachen 465 

Frick, bayr. Oberamtmann, Staatsminister, Pg., 403 

Friedensverträge von Versailles und Brest-Litowsk: Aufklärungs- 
arbeit der NSDAP. 518, 523. - Versailles: Versklavung 637. 
Entwaffnung 368. - Versäumte Auswertung 714. - Bruch des 
V. Vertrages durch die Ruhrbesetzung 769 

Friedrich der Große 286 

Führertum: Führereigenschaften 650. - Aristokratisches Führer- 
prinzip im völkischen Staat 493, 502. - Führerverantwort- 
lichkeit in der NSDAP. 661. - „Führer" 89 

Führung: F. und Gefolgschaft einer Partei 510. - Das Ringen 
um die F. 569. - Führerehrgeiz 573. - F. in den Gewerk- 
schaften 679 

Geburtenbeschränkung: Mittel gegen Übervölkerung 144 

Gefühl: Triebkraft der Masse 371 

Gehorsam 593 

Genie und Rasse 321 

Germanisation: falsche Vorstellung von G. 428 f. 

Geschichte: Überblick über die deutsche G. 733. - Erziehung 
durch G. 11 - Geschichtsschreibung: Fehler 734. - Aufgabe 
734. - Geschichtsstudium: Zweck 129. - Geschichtsunterricht: 
Allgemeine Bemerkungen 467. Ziel 12. Abwägung der Ereig- 
nisse nach nationalpolitischen Gesichtspunkten 735. Antike im 
Geschichtsunterricht 470. - Geschichtswissenschaft: Aufgabe 
320. Rassenforschung vorherrschend 468 

Gewerkschaften 48 f., 670. - Mittel zur Verteidigung sozialer 
Rechte 47. - Mittel des politischen Klassenkampfes 48. - Po- 
litisierung: im Bann der Sozialdemokraten 51. - Einrichtung 
des Klassenkampfes 675, 679. - Streik 676. - Jüdische 
Führung 352. - Was sie im Krieg hätten sein können 370. - 
Wegbereiter für den nationalsozialistischen Staat 672. - Natio- 
nalsozialistische Gewerkschaften? 673. - Ihre Aufgabe 675. 

- Gewerkschaften im nationalsozialistischen Sinne 675, 681. - 
Gewerkschaft und Führerfrage 679 

Glaube: Wert des apodiktischen G. 417 

Goethe und die Juden 341 

Großstadt: kulturlose Menschenansiedlung 288. - Gr. zur Zeit 

der Befreiungskriege 289. - „Wahrzeichen" einst und jetzt 

290. - Vgl. Berlin, München, Wien 
Grund und Boden: Erwerb von neuem Gr. durch ein Volk 151; 

- durch Deutschland in Europa 153. - Vgl. Ostpolitik 

Habsburger: deutschfeindlich 13, 118. - Politik seit 1866 102. - 
Sünden an Italien 142. - Vgl. Franz Ferdinand, Franz 
Joseph, Joseph II. 



Personen- und Sachverzeichnis XIII 

Halbbildung 267 

Harrer, erster Vorsitzender der Deutschen Arbeiterpartei (s. diese) 

390, 391, 401 
Heer, das alte deutsche: Wert 182, 306. - Einjährig-Freiwil- 

ligen-Dienst 307. - H. und Reichstag 297. - Kampf der 

Juden gegen das H. 298 
Hitler: 1. Äußere Lebensgeschichte: Jugend 1. - Eltern 2. - 

Realschüler 5, 7. - Tod des Vaters 15. - Tod der Mutter 17. 

- Wiener Lehr- und Leidensjahre 18. - Hilfsarbeiter 20. - 
Maler 20. - Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter 24. - Zeichner 
und Aquarellist 35. - München 138. - Kriegsfreiwilliger beim 
Regiment List 179. - Feuertaufe 180. - „Der alte Soldat" 
181. - Verwundet 209. - Gasvergiftet 221. - Revolution 
221. - Entschluß, Politiker zu werden 225. - Beginn der 
politischen Tätigkeit 226. - Bildungsoffizier 235. - Deutsche 
Arbeiterpartei 244. - Rednerische Erfahrung 522. - Pro- 
pagandachef der NSDAP. 649. - Gesamtleiter der NSDAP. 
659. - 2. Innere Entwicklung: Rednertalent 3. - Der kleine 
Rädelsführer 3. - Begeisterung für den Deutsch-Französi- 
schen Krieg 4. - Abneigung gegen Beamtenlaufbahn 6. - 
Neigung zum Kunstmaler 7. - Lieblingsfächer 8, 12. - „Natio- 
nalist" 8. - Fanatischer Deutschnationaler 10. - H.s Ge- 
schichtslehrer 12. - Revolutionär Österreich gegenüber 13/14. 

- Wagnerbegeisterung 15. - Interesse für Baukunst 18, 19, 
35. - Weltgeschichte als Quelle politischen Verständnisses 14. - 
Leseeifer 21. - Gewinnung einer Weltanschauung 21. - 
Ablegung kleinbürgerlicher Scheuklappen 22. - Soziale Er- 
kenntnisse 24 f. - Studium der sozialen Frage 35. - Erstes 
Zusammentreffen mit Sozialdemokraten 40. - Der erste Terror 
42. - Eindrücke einer sozialistischen Massendemonstration 43. 

- Studium des sozialistischen Schrifttums 53, 68. - Bekannt- 
schaft mit der Judenfrage 54. - Bekanntschaft mit der christ- 
lich-sozialen Partei 58. - Wandlung zum Antisemiten 59, 69. 

- Bekanntschaft mit dem Parlamentarismus und dessen Ab- 
lehnung 81, 84. - Stellung zum österreichischen Staat 134. - 
Gegen Bündnis Deutschland-Österreich 163. - Kriegslust 172, 
177. - Erster Gedanke an politische Betätigung 192. - Inter- 
esse für Propaganda 193. - Kampf gegen Preußenhetze 625. 

- Südtiroler Frage 707, 710. - Vgl. Deutsche Arbeiterpartei, 
Nationalsozialismus 

Hofbräuhausfestsaal: die ersten großen Versammlungen der 
NSDAP. Im H. 518. - Vergeblicher Sprengungsversuch 
5 62 f. 

Hohenzollern: die Organisation des brandenburgisch-preußischen 
Staates733. - Vgl. Friedrich d. Gr., Wilhelm II. 

Humanistische Bildung: Wert 469 

Humanität: falsche 279 



XIV Personen- und Sachverzeichnis 

Idealismus: sein Wesen 327. - I. und Erkenntnisse 328. - Ideal 
und Wirklichkeit 487. - Ohne Idee keine Kampfkraft 597 

Indien: Englands Herrschaft in I. 746 

Inflation s. Ruhrbesetzung 

Intelligenz: verkalkt 480. - Erneuerung 481. - Bildungshoch- 
mut 243. - Verkennung der Rede 533. - Feigheit 288. - Wer 
von ihr ist bei der NSDAP. Erwünscht? 374, - wer nicht? 377. 

- Jüdische „Intelligenzpresse" 268. - Vgl. Bürgertum 
Internationalisierung der deutschen Wirtschaft durch die Aktien- 
gesellschaften 257 

Italien: Politik 700. - Stellung zu Österreich 142. - Sünden 
der Habsburger gegen I. 143. - Deutschfreundlich, österreich- 
feindlich 162. - Hintertreibung deutsch-italienischer Verstän- 
digung durch die Juden 709. - Bündnis mit Italien erwünscht 
699. - Militärische Bedeutung 755. - Faschismus und jüdische 
Politik 720. - Freimaurerei verboten 721 

Japan: Europäisierung 3 18. - Flottenbaupolitik 300. - J. und 
jüdische Weltpolitik 723 

Jesus 336 

Joseph II. der Deutsche, österreichischer Kaiser: Nationalitäten- 
prinzip in Österreich seit seinem Tod 77, 79. - Versuchte 
Germanisation 429 

Judentum: Gegensatz zum Arier (s. diesen) 329, 596. - Werde- 
gang des J. 338 f. - Judenfrage 54. - „Religion?" 165. - 
Der j. Staat 165, 331. - Staat im Staat 334. - Keine Noma- 
den 338. - Gegenwehr gegen den Antisemitismus 629, 632. 

- Gefahr jüdischer Bastardierung 629. - Wahrung der Blut- 
reinheit des J. 751. - Christus 336. - Jüdische Demokratie 99. 

- Dialektik 66. - Einflüsse auf die Beamten 352. - Einflüsse 
auf Amerika 723. - Emanzipation 343. - Esperanto als 
jüdische Universalsprache 337. - Goethes Stellung zum J. 211. 

- Kampf gegen das Heer 298. - Das J. im Krieg 211; in 
den Kriegsgesellschaften 212, 622. - Preußenhetze als Ablen- 
kungsmanöver 623. - Jüdische Gefahr und Zusammenbruch 
1918 359. - Internationale Weltfinanz 163. - Aktiengesell- 
schaften 344. - Börse 345, 723. - Ziel des Börsenj. 702. - 
Mangel eigener Kultur 331. - „Meister der Lüge" (Schopen- 
hauer) 253, 335. - J. im öffentlichen Leben 61. - Juden- 
presse und ihre Taktik 226, 332, 345, 354, 706. - „Intelligenz- 
presse" 268. - Weltpresse 56. - Gute Propagandisten 332, 
387. - Prostitution und Mädchenhandel 63. - Protokolle der 
Weisen von Zion 337. - Revolutionäre 350. - Drahtzieher 
der deutschen Revolution 585. - Väter der Weimarer Verfas- 
sung 627. - Einrücken in Reichsverwaltung und Wirtschafts- 
betriebe nach der Revolution 644. - Religionslehre, Talmud 
336. - Schauspieler 332. - Schmarotzer 334. - Taktik 338, 



Personen- und Sachverzeichnis XV 

350, 596. - Verhetzungstaktik 627. - Tricks 212. - Welt- 
herrschaftspläne 343, 351, 703, 738, 751. Mittel zur Verwirk- 
lichung: Bolschewismus 751. Diktatur des Proletariats 357. 
Demokratie als Teilziel 347. Verfechtung des Gleichheitsprin- 
zips 478; des Mehrheitsprinzips 498. Organisation des Mar- 
xismus 350, 352. Führer der Sozialdemokraten 64. Frei- 
maurerei 345. - Weltpolitik: Leitung deutscher Geschicke seit 
Kriegsende 760. - Auseinandergehen jüdischer und britischer 
Interessen 702. - Beherrschung Englands 721. - Überein- 
stimmung jüdischer und französischer Interessen 704. - Hin- 
tertreibung deutsch-italienischer Verständigung 709. - J. und 
Faschismus 720. - J. und Japan 723. - J. und Rußland 743. 

- J. und Ostlandpolitik 743. - Welthetze gegen Deutsch- 
land 702. - Zionismus 60, 356. - Vgl. Antisemitismus, Schutz- 
und Trutzbund 

Kapital: zweierlei 228. - Internationales Börsenk. 233, 345. 

- Aktiengesellschaften 256, 344. - Vgl. Brechung der Zins- 
knechtschaft 

Karthago: selbstverschuldeter Untergang 759 

Katholische Kirche: ein Beispiel von Volksverbundenheit 481. - 
Ein Beispiel unverrückbaren Festhaltens an Dogmen 512. - 
Kath. Geistlichkeit in Österreich und Entdeutschungspolitik 
119, 120. - Vgl. Los-von-Rom-Bewegung 

Kirchen: Neutralität der NSDAP. 632. - Konfessionelle Zwie- 
tracht 629 f., eine Gefahr für das deutsche Volk 630. - K. und 
Rassenhygiene 445. - Vgl. Katholische Kirche, Religion 

Klassenkampf: Gewerkschaften, ein Mittel zum Kl. 679 

Kleidung der Jugend 457 

Koburg: Zug der NSDAP, nach K. 614 

Kolonialpolitik s. Außenpolitik (deutsche vor dem Krieg) 

Kolonisation: innere K. als Weg deutscher Vorkriegspolitik 146. 

- K. der Ostmark, eine geschichtliche Tat 733 
Körperliche Ertüchtigung im völkischen Staat s. Erziehung 
Kriegsgesellschaften: Juden in Kr. 612, 622. - Kr. und preu- 
ßenfeindliche Stimmung 622 

Kriegsschuld Deutschlands 156, 176. - Aufklärungsarbeit der 

NSDAP. 518 f. 
Kubismus 283 
Kultur: geschichtliche Entwicklung 494. - Die ersten K.n 323. 

- Drei kulturbestimmende Faktoren 322. - Gesinnungsmäßige 
Voraussetzung 326. - Rassische Voraussetzung 431. - Entwick- 
lung durch Persönlichkeiten 495. - Bedeutung des Staates 
für die K. 431. - K. -Aufgaben der deutschen Länder 646. - 
Judentum ohne eigene K. 331. - Herabsinken der K.-Höhe im 
Vorkriegsdeutschland 282. - Marxismus kulturzerstörend 69 



XVI Personen- und Sachverzeichnis 

Legalität 104, 105 

Legitimisten, die Wiener L.: und Südtirol 709. - Hintertrei- 
bung deutsch-italienischer Verständigung 709 

Legitimätsprinzip 426 

Lenin, bolschewistischer Revolutionär und Diktator 532 

Lesen eine Kunst 36 

Lloyd George, englischer Ministerpräsident, während des Krieges, 
als Redner 533. - Ausspruch über Reichsminister Simon 
771 

Locarno, Vertrag von L. (Verzicht Deutschlands auf Wieder- 
erwerb Elsaß-Lothringen) 761 

Los-von-Rom-Bewegung 120. - Ursachen 118. - Unterschied 
gegen die Reformation 128. - Vgl. Schönerer 

Ludendorff: Denkschrift 161. - Seine moralische Entwaffnung 
252. - Kampf gegen den Reichstag 301 

Ludwig I. von Bayern 646 

Ludwig III. von Bayern: Gesuch Hitlers an L. 179 

Lueger, Dr. Karl, Begründer der Christlich-sozialen Partei (s. 
diese): L. und die Christlich-soziale Partei 58. - Bürger- 
meister von Wien 74, 107, 108, 133 

Mädchenerziehung im völkischen Staat 454. - Vgl. Erziehung 

Mädchenhandel und Judentum 63 

Marx, Karl, Begründer des Marxismus 234, 420, 532. - Staats- 
lehre 434 

Marxismus: Verkennen 184. - Kern 351. - Kulturzerstörer 
69. - Von der westlichen Demokratie gefördert 85. - M. und 
Demokratie 412. - M. und Judentum 350 f., 352, 498. - 
Staatsauffassung 420. - Verkennung der Rasse 419. - Unter- 
bewertung der Persönlichkeit 420. - Massentheorie 499. - 
Presse 265, 354. - Versammlungstechnik 547. - Rednerische 
Erfolge 528. - M. und Gewerkschaften 675, 679. - Taktik 
den Nationalsozialisten gegenüber 542, 601. - Kampf Bis- 
marcks gegen den M. 170. - Der M., die Ursache der Ver- 
fallserscheinungen im Vorkriegsdeutschland 169. - Was die 
Regierung 1914 hätte tun müssen 185. - Versäumte Abrech- 
nung während der Ruhrbesetzung 771 

Masse, die breite Masse: Bedeutung für eine Volksbewegung 
108, 110, 112, 117. - M. als Trägerin des revolutionären 
Widerstandes 118. - Bedeutung für eine Organisation 509. 
- Massentheorie des Marxismus 499. - Gefühl als Trieb- 
kraft der M. 371. - M. und Propaganda 196, 376. - M. und 
gesprochenes Wort 116. - Gewinnung der M. durch die 
NSDAP. 366 f. - Nationalisierung der M. Aufgabe der 
NSDAP. 369. - Bedeutung der Religion für die M. 293 

Massenversammlung: Bedeutung 113, 115, 535. - Bürgerliche 
M.n 538. - Nationalsozialistische M.n 541. - Vgl. 400, 518. - 



Personen- und Sachverzeichnis XVII 

Versammlungstechnik: bürgerliche 548, marxistische 547, natio- 
nalsozialistische 549. - Versammlungsschutz 545, 546, 549, 599 

Mehrheitsprinzip: Gegensatz zum Persönlichkeitprinzip 498. - 
Kritik 95. - M. ein jüdisches Zersetzungsmittel 498 

Militärdienst: Abschluß der Erziehung im völkischen Staat 476 

Militärgeographische Lage: Deutschlands 695, Frankreichs 695 

Minderheiten: Weltgeschichte wird von M. gemacht 441 

Mission s. Sendung 

Mitglieder einer Bewegung 651, 655. - Beschränkung in der 
Aufnahme 654. - Mitgliederzahl und Stoßkraft 653, 655. - 
Wie erweist sich die Gesinnung der M.? 666. - Vgl. Organi- 
sation 

Moltke, Generalfeldmarschall Graf von 195 

Monarchie: Wert und Bedeutung 259. - Kulturwert 305. - 
M. im Vorkriegsdeutschland 303 

München 138. - Hitler in M. 138 

Munitionsarbeiterstreik während des Kriegs 203, 216, 217 

Mussolini 774 

Nationalerziehung: Mangel an deutscher N. 123. - Vorbedin- 
gung zur Nationalisierung 34. - N. in der wissenschaftlichen 
Ausbildung 473. - Französische N. 3 1. - Vgl. Nationalisie- 
rung, Nationalstolz 

Nationalisierung: Vorbedingung für die N. eines Volkes 34; Vgl. 
Nationalerziehung, Nationalstolz 

Nationalitätenprinzip: Wirkung auf Österreich 76 

Nationalsozialismus: 1. Geschichte: Deutsche Arbeiterpartei s. 
diese. - Erste Entwicklungszeit 363, 388. - Erste Versamm- 
lung 390, zweite Versammlung 393. - Erste Massenversamm- 
lung 400, 518. - Kampf der ersten Zeit 518. - Das Ringen 
mit der roten Front 538. - Massenversammlungen 541. - 
Versammlungsschutz 545, 546, 549, 599. - Erste Zirkusver- 
sammlung 557. - Vergeblicher Sprengungsversuch 562. - 
Erster SA. -Aufmarsch 613. - Zug nach Koburg 614. - Fol- 
gen der Ruhrbesetzung 619. - Neuaufbau 659, 662. - Partei- 
lokal 662. - Völkischer Beobachter 664. - 8. November 1923 
780. - Auflösung 1923 669, 782. - Neugründung 620. - 
2. Grundsätze und Organisation: Antiparlamentarisch 378. - 
Teilnahme am Parlament nur taktisch 379. - Aristokratisches 
Führerprinzip 493. - Innerer Aufbau 382. - Aufgabe 369, 
380, 719, 731. - Nationalisierung der Massen 366 f., daraus 
sich ergebende Taktik 369 f. - Notwendigkeit außenpolitischer 
Stellungnahme 686. - Außenpolitische Abstempelung 757. - 
Politik auf weite Sicht 521. - Bodenpolitik: Ostlandpolitik 
742. - Stellung zur Ruhrpolitik 779. - Erziehung zum 
Kampf 385, 386. - Unduldsamer Fanatismus 384. - Wie 



XVIII Personen- und Sachverzeichnis 

beweist sich die Gesinnung eines Mitgliedes? 666. - Flagge 
554. - Hakenkreuzfahne 556. - Standarte 557. - Name 399. 

- Warum nicht „völkisch"? 397. - N. und öffentliche Mei- 
nung 520. - Organisation (s. diese) 380, 649. - Autorität 
der Zentrale 382. - Aufhebung des Parlamentarismus 659 f. 

- Führerverantwortlichkeit 378, 661. - Heranbildung der 
Führer 383. - Achtung vor der Persönlichkeit 387, 421. - 
Programm 404, 422. - Die 25 Leitsätze 511. - Propaganda 
649. - An wen wendet sich die Partei in erster Linie? 364, 
371. - Wer von der Intelligenz ist erwünscht? 374, wer 
nicht? 377. Vgl. Anhänger, Mitglieder. - Religiöse Neutra- 
lität 379, 632. - SA.: Grundgedanken über Sinn und 
Organisation der SA. 579, 601. - Warum kein Wehrverband? 
603. Kein Geheimverband 608. Ausbildung 611. - Folgen 
der Ruhrbesetzung 619. - Sendung des N.: Blickrichtung auf 
die Hauptsache 719. - Staat s. Völkischer Staat. Vorbereitung 
auf den völkischen Staat 673. - Staatsform 380. - Völkische 
Idee 514. - Weltanschauung: Die NSDAP, ein Instrument 
der völkischen Weltanschauung (s. diese) 423. - Kampf gegen 
das Zentrum 633; - gegen Zentralisierung als Erfüllungs- 
politik 643. - Ziel des N. 234, 366, 380. - Außenpolitisches 
Ziel 739, 741. - 3. Männer der Bewegung: Amann 665. - 
Drexler 391, 401. - Esser 567. - Feder 228, 232, 237. - 
Frick 403. - Harrer 390, 391, 401. - Pöhner 403, 602. - 
Schüßler 663. - Streicher 575. - Vgl. Anhänger, Deutsche 
Arbeiterpartei, Mitglieder, Organisation, Völkischer Staat, 
Völkische Weltanschauung 

Nationalstolz: Gründe des Mangels an N. 31. - Vgl. Objek- tivität. 

- Vorbedingungen; Kenntnisse 31. - Schaffung ge- sunder 
sozialer Verhältnisse 34. - Erziehung zum N. 3 1; im völkischen 
Staat 473. - Vgl. Nationalerziehung, Nationali-sierung 

Notwehr (nationale) als Recht 759 

Objektivität, deutsche: Mangel an Nationalbewußtsein 120, 124. 

- Falsche O. in der Kriegspropaganda 200 

Öffentliche Meinung 92. - Ö. M. und Presse 93. - Ö. M. und 
Judentum 345. - Ö. M. und NSDAP. 520 

Österreich, das alte: Wesen des ö. Staates 134. - Gehört ins 
Deutsche Reich 1. - Verbundenheit mit der deutschen Ge- 
schichte 11. - Deutsch im Kern 73, 75. - Nationalstaat 9. - 
Wirkung des Nationalitätenprinzips 76. - Irrtümliche Be- 
urteilung durch Deutschland 139. - Wesen der 48er Revo- 
lution 80. - Zentrifugale Kräfte 76. - Zentralisierung not- 
wendig 77. - Innere Auflösung 100. - Die Revolution, eine 
Rebellion der Deutschen gegen die Tschechisierungspolitik 103. 

- Entdeutschung unter dem Schutz des Bündnisses mit 
Deutschland 141. - Ö. Sozialdemokraten deutschtumsfeindlich 



Personen- und Sachverzeichnis XIX 

82. - Katholische Geistlichkeit und Entdeutschungspolitik 119, 
120. - Die deutsche Ostmark im Kampf 9. - Sprachenkampf 
10. - Deutscher Schulverein 10. - Politisches Denken im 
alten Ö. 73 f. - Dualismus mit Preußen 572. - Stellung 
zu Deutschland 140. - Unzuverlässigkeit im Krieg 177. - 
Stellung zu Italien 142. - Parlament 80. - Parlamentaris- 
mus 91. - Ultimatum an Serbien 174. - s. auch Alldeutsche 
Bewegung, Christlich-soziale Partei, Habsburger, Los-von- 
Rom-Bewegung, Lueger, Politik (Deutschland, falsche Bünd- 
nispolitik), Schönerer, Wien 

Organisation: Wesen 326, 509, 652. - Bedeutung für eine 
Weltanschauung 422. - Aufgaben 654, 655. - Bedeutung 
eines Sinnbildes 551. - Anhänger und Mitglieder 651. - 
Abschreckung der Lauen 658. - O. der NSDAP. 380, 649. - 
O. der Sozialdemokraten 509. - Vgl. Anhänger, Mitglieder, 
Propaganda 

Ostkolonisation s. Ostlandpolitik 

Ostlandpolitik: Ostorientierung oder O. 726. - Wiederaufnahme 
der O. durch die NSDAP. 742. - O. und Judentum 743. - 
Geschichtsschreibung der O., eine Forderung 734. - O. im 
Mittelalter 733 

Ostmark, die deutsche: ihre Kolonisation 733. - Vgl. Ostland- 
politik 

Oxenstierna, Axel, schwedischer Kanzler, 296 

Palm, Johannes, Herausgeber der Schrift „Deutschland in sei- 
ner tiefen Erniedrigung", dafür auf Befehl Napoleons in 
Braunau erschossen 2 

Parlamentarismus: P. und Marxismus 85. - Wegbereiter des 
Marxismus 85. - Teilziel des Judentums 347. - Mängel: 
Mangel an Verantwortung 85, 262. Ausschaltung von Köp- 
fen 85. - Mehrheitsprinzip 95. - Abhängigkeit der Regie- 
rung vom Parlament 95. - Erste Erfahrungen Hitlers 81, 83. 
- P. in Österreich 80, 91. - P. in der NSDAP, und seine 
Überwindung 659. - „Parlamentarier" 57, 84. - Vgl. Demo- 
kratie, Mehrheitsprinzip, Öffentl. Meinung, Partei, Reichstag 

Partei: Versagen der nationalen P.n der Revolution gegenüber 
595. - Parteibildung notwendig zur Durchsetzung einer Welt- 
anschauung 422. - Parteiprogramme: bürgerliche 409. - 
Wesen 422. - Psychologie 510 f. - Unabänderlichkeit eine 
Forderung 511. - Vgl. Marxismus, Nationalsozialismus, 
Sozialdemokratie, Zentrum 

Passiver Widerstand s. Ruhrbesetzung 

Pazifismus 143, 156 

Pazifistisch-humane Idee 3 15 

Persönlichkeit: Wert 495 f. - Erfindungen 496. - Unterbewer- 
tung durch den Marxismus 420. - Hochschätzung durch die 



XX Personen- und Sachverzeichnis 

völkische Weltanschauung 421. - Achtung des Nationalsozia- 
lismus vor der P. 387. - Förderung der P. im völkischen 
Staat 492. - Die beste Staatsverfassung 500. - Persönlich- 
keitsprinzip im Gegensatz zum Mehrheitsprinzip 498 

Pflichtbewußtsein, Pflichterfüllung 593 

Pöhner, Pg., Polizeipräsident von München nach der Revolution 
403, 602 

Polenpolitik 297, 429 

Politik: Kunst des Möglichen 230, 295. - Elsaß-lothringische 
Frage vor dem Krieg 297. - Mißbrauch der Religion zur P. 125, 
127; durch das Zentrum 294. - s. Außenpolitik. 

Politiker: Aufgabe 229. - „Politiker" 72 

Politische Betätigung in der Öffentlichkeit nicht vor dem 
dreißigsten Jahr 71 

Politischer Mord 609 

Presse: Staat und Presse 264. - Pressefreiheit 264. - P. als 
Mittel der Volkserziehung 264. - P. und öffentliche Mei- 
nung 93. - Drei Zeitungslesergruppen 262. - Versagen der 
P. vor dem Kriege 264. - Versagen im Krieg 205. - Künst- 
liche Dämpfung der Kriegsbegeisterung 183. - P. und Juden- 
tum 266, 332, 345. - Marxistische P. 265. - Sozialdemo- 
kratische P. 43, 529. - Von Juden geleitet 65. - Wiener 
„Weltpresse" 56. - Byzantinismus 57. - Frankreichkult 58. 

- Berliner Tageblatt 268. - Frankfurter Zeitung 267. - 
Völkischer Beobachter 664. - Vorwärts 248 

Preußen: Beispiel ideeller Staatenbildung 167. - Preußischer 
Staatsgedanke 734. - Organisation durch die Hohenzollern 
733. - Dualismus mit Österreich 572. - Vorherrschaft in 
Deutschland 635 

Preußenhetze während des Krieges 621, 627. - Jüdische Ab- 
lenkungsmanöver 212, 623, 627. - P. der feindlichen Flug- 
blattpropaganda 207. - P. unter der Maske des Föderalis- 
mus 626. - Lostrennung „Bayerns" von Preußen 238 

Programmatiker: Aufgabe 229. - Verhältnis zum Politiker 229 

Proletariat: Anwachsen des P. eine Verfallserscheinung 255, 
288. - Diktatur des P. eine jüdische Waffe 357 

Propaganda: 194 f. - Aufgabe 197, 654. - Zweck 194. - Psy- 
chologische Bedingungen 198, 532. - Wert 302. - Kunst der 
P. 197. - Konzentration auf einen Gegner 128, 273, 718. - 
P. nur für die Masse 196. - Einstellung auf die Masse 376. 

- P. und Organisation 649, 652. - Kriegspropaganda 193, 
198; feindliche 193, 199, 203, deutsche 194, 198, 199. - Flug- 
blätter 206. - Umstellung der feindlichen Propaganda nach 
dem Krieg 701, 716. - Umstellung eines Volkes 717. - 
Jüdische P. 332, 387. - P. der NSDAP, s. Nationalsozialis- 
mus. - Vgl. Flugblatt, Massenversammlung, Wort 



Personen- und Sachverzeichnis XXI 

Prostitution und Judentum 63. - Vorbedingung der Beseiti- 
gung 275. - Seelische P. des Volkes 282 
Protestantismus und Verteidigung deutscher Belange 123 
Protokolle der Weisen von Zion 337 

Rasse: Wert 272. - R. und Kultur 432. - Volk und R. 311. 

- R. liegt nicht in der Sprache, sondern im Blut 428. - 
Naturtrieb zur Rassenreinheit 3 12. - Gefahren der Mischung 
444. - Gefahr jüdischer Bastardierung 629. - Folgen ras- 
sischer Verschmelzung 313, 314, 316, 324. - Die Unterlegen- 
heit des Bastards 441, 629. - Folgen der rassischen Zerrissen- 
heit des deutschen Volkes 436. - Verfallserscheinungen der 
Vorkriegszeit rassisch bedingt 360. - Tiefste Ursache des deut- 
schen Zusammenbruchs rassischer Art 310. - Regeneration 
443. - Erneuerung der geistigen Schichten 481. - Förderung 
rassisch Wertvoller 493. - Aufgabe des Staates: Erhaltung 
und Steigerung der R. 430, 434. - R. und Geschichtswissen- 
schaft 468. - Rasse als Aufgabe künftiger Kultur- und Welt- 
geschichte 320. - R. und Boden 316. - R. und Genie 321. - 
Folgen rassischer Verschiedenheit im Nationalitätenstaat 78. 

- Der „Bund der unterdrückten Nationen" vom Standpunkt 
der R. aus 747. - Blutreinheit der Juden 751. - Rassen- 
reine Randkolonien des völkischen Staates 448. - R. vom 
Marxismus verkannt 419. - s. auch Arier 

Rassenhygiene im völkischen Staat 444, 446. - Kirchen und 
R. 445 

Rassenstreit: Wesen der 48er Revolution in Österreich 80 

Rassesinn: Weckung durch Erziehung 475 

Räterepublik in Bayern: taktische Hetze gegen Preußen 624 

Rede s. Wort, gesprochenes 

Regeneration der Rasse 443 

Reichsfarben: Schwarz-Rot-Gold 552, 640. - Schwarz-Weiß- 
Rot 553 

Reichstag, vor dem Krieg 296. - Kampf des R. gegen Wil- 
helm II. 57. - Kampf Ludendorffs gegen den R. 301 

Reichswehr 597. - Zentralisation notwendig 647 

Religion: Bedeutung für die Masse 293. - Politischer Miß- 
brauch mit der R. 125, 127; durch das Zentrum 294. - Religion 
und Nationalsozialismus 379. - Religiöse Zwietracht eine Ge- 
fahr für das deutsche Volk 630. - Religiöse Verhältnisse vor 
dem Krieg 292. - Judentum keine R. 165, 334. - Jüdische 
Religionslehre, Talmud 336 

Repington, englischer Oberst, Ausspruch 251 

Republik, die Weimarer: auf Tributleistung und Landesverzicht 
aufgebaut 472. - Internationale Sklavenkolonie 640 

Republikschutzgesetz 286, 595, 639. - Demonstration gegen das 
R. 613 



XXII Personen- und Sachverzeichnis 

Revolution, die deutsche 1918: 204, 579, 582 f., 592, 680. - Vor- 
bedingungen 583. - Vorbereitung durch das gesprochene 
Wort 532. - Munitionarbeiterstreik 203, 216, 217. - Grund 
des Gelingens 593. - Ursachen: Versagen der Presse 203. 
Feindliche Flugblätter 206. - Jammerbriefe aus der Heimat 
208. Rühmen der Feigheit 210. Drückebergerei 211. Zunahme 
der Zersetzungserscheinungen 218. Minderwertigkeit des Nach- 
schubs 219. Deserteure 586. Unangebrachte Milde gegen sie 
587. - Jüdische Drahtzieher der R. 585. - Lage nach der 
R. 364. - Angst vor dem Frontsoldaten 588. - Einfangen 
und Kapitulation der Bürgerlichen 591. - Versagen der 
nationalen Organisationen 595 

Revolutionen: Sinn und Zweck 286 

Risikogedanke s. Flottenbaupolitik 

Ruhrbesetzung 1923 619, 767. - Versäumnisse 770. - Einheits- 
front 776. - Passiver Widerstand 777. - Inflation 777. - 
Stellungnahme der NSDAP 779. - Vgl. Cuno 

Rußland: Zusammenbruch im Krieg 214. - Bolschewistische Re- 
volution 586, und Judentum 751. - Beispiel jüdischer Herr- 
schaft 358, 743. - Deutschland und Rußland 726; vor dem 
Krieg 753. - Sozialdemokratische Hetze gegen R. 176. - Mit 
England gegen R. 154. - Bündnis mit R.? 748. - Deutscher 
Bodenerwerb in Europa nur auf Kosten R. möglich 154. - 
Ostlandpolitik 742 

SA. s. Nationalsozialismus 

Schlageter, Leo, deutscher Freiheitsheld: durch einen Regierungs- 
vertreter an Frankreich verraten 2 

Schönerer, Georg von, Begründer der Alldeutschen und Los-von- 
Rom-Bewegung in Österreich 107 f., 120 

Schönheitsideal, griechisches 453 

Schopenhauer, deutscher Philosoph, über die Juden 335 (253) 

Schüßler, erster Geschäftsführer der NSDAP., 663 

Schule s. Erziehung 

Schulbildung, wissenschaftliche, im völkischen Staat: allgemeine 
Richtlinien464. - Humanistische Seh. 469. - Fremdsprachen 
465. - Geschichtsunterricht 467. - Weckung des National- 
stolzes 473. - Vgl. Erziehung 

Schutzparagraph gegen Syphilis 281 

Schutz- und Trutzbund gegen die Juden 628 - s. Antisemitismus 

Schwarz-Rot-Gold 552, 640. - Schwarz-Weiß-Rot 553 

Sechsundsechziger Krieg: Habsburger Politik danach 102 

Selbstvertrauen: Suggestivkraft des S. 456 

Sendung des deutschen Volkes 439 

Simon, Reichsminister, 771 

Skagerrak, Seeschlacht am 300 

Sklavenstaat: Deutschland, ein internationaler S. 640 



Personen- und Sachverzeichnis XXIII 

Sozialdemokratie: Wesen ihrer Lehre 53. - Ursachen des Er- 
folgs 44. - Werbekraft 376. - Organisation 509. - Juden 
ihre Führer 64. - Presse 43, 529; von Juden geleitet 65. - 
Taktik: Terror 45, 46. - Verbürgerlicht 589. - Spaltung 
im Krieg (Unabhängige und Spartakusbund) 590. - Unab- 
hängige soz.-dem. Partei 590. - In Österreich deutschtum- 
feindlich 82. - Hetze gegen Rußland 176. - Bismarcks Kampf 
gegen die S. 170. - Sozialistengesetze 189. - s. Marxismus 

Soziale Frage: Unsicherheit des Verdienstes und seine Fol- 
gen 25. - Soziale Hebung der Massen Vorbedingung für 
ihre nationale Erziehung 370. - Soziale Gerechtigkeit: enge 
Verbindung mit dem Nationalsozialismus 474. - Lügen- 
hafte Auffassung von „Volksgemeinschaft" 374. - Richtige 
soziale Tätigkeit 30 

Sozialistengesetzgebung 189. - Vgl. Bismrack 

Spartakusbund 590 

Sport: Zweck 455. - Wert des Boxens 454. - Vgl. Erziehung 

Sprache: Falsche Auffassung über Staatssprache 427. - Spr. 
Und Eroberervolk 428. - Rasse liegt nicht in der Spr., son- 
dern im Blut 428. - Fremdsprachen im völkischen Staat 465 

Sprachgrenze gegen Frankreich: ihr Wandern 766 

Staat 425. - Drei Auffassungen vom Wesen des Staates 426. 
Marxistische 419, nationalsozialistische 433, 434, 436. - St. 
nicht Selbstzweck 43 1. - Menschenrecht bricht Staatsrecht 
105. - Zweck des St. 164, 421, 434. - Aufgabe 430, 436, 439. 
Bewertung 435. - Staatsbildende und staatserhaltende 
Kräfte 166, 167. - Beste Verfassung 500. - Parlament 501. 
- Staatsbürgerrechte: Staatsangehöriger und Staatsbür- 
ger 488. - St. und Wirtschaft 164. - St. und Presse 264. - 
St. und Sprache 427. - Bundesstaat oder Einheitsstaat? 
633 f. - Bildung des preußischen St., der preußische Staats- 
gedanke 734. - Jüdischer Staat 165. - Schwäche des St. 
gegenüber einer Weltanschauung 598. - Vgl. Flagge, Uni- 
tarismus, Völkischer Staat 

Staatsautorität nicht Selbstzweck 104, 309, 426, 440. - Vgl. 
Autorität, Staat 

„Staatsmann" 87, 762 

Stadt im Mittelalter 290 - s. Großstadt 

Ständekammern im völkischen Staat 672, 677 - s. Gewerkschaf- 
ten, Völkischer Staat 

Sterilisation s. Unfruchtbarmachung 

Sterneckerbräu, Leiberzimmer: Gründung der Deutschen Ar- 
beiterpartei 237 

Stinnes, Großindustrieller, 257 

Streicher, Julius, Pg., Lehrer in Nürnberg, 575 

Streik: Stellung der nationalsozialistischen Gewerkschaften zum 
St. 676 



XXIV Personen- und Sachverzeichnis 

Südtiroler Frage 520 (688), 707. - Wer hat Südtirol verraten? 

710. - Hitler und Südtirol 707, 710. - Wiener Legitimisten 

und Südtirol 709 
Syphilis 269. - Schutzparagraph 281 

Talmud, jüdische Religionslehre, 336 
Theater: Verfall 284 
Tirpitz: Kritik an T. 301 
Tuberkulose 269 

Ultimatum, das österreichische an Serbien, 174 

Ultramontanismus: Jüdischer Schachzug gegen Antisemitismus 

629 f. 
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands 590 
Unfruchtbarmachung (Sterilisation) Unheilbarer 279 
Unitarismus: aus Erfüllungspolitik 637. - Kampf gegen den 

U. 643. - Parteiwirtschaft und U. 644 

Verantwortungsgefühl: soziales 29. - Mangel an V. im Parla- 
mentarismus 85, 262 

Verantwortlichkeit des Führers: in der NSDAP. 661, im völki- 
schen Staat 502, 661 

Vereinigte Staaten von Amerika, USA.: Bundesstaat 634. - 
Jüdischer Einfluß 723. - Wilson 3 15 

Verfallserscheinungen im Vorkriegsdeutschland 169, 254. - Ur- 
sachen: Marxismus 169. - Letzte Ursache 360. - Scheinblüte 
360. - Die Niederlage eine V. 250. - Wirtschaftliche V. 255. - 
Herrschaft des Geldes 256. - Halbheit in allen Dingen 258, 
280, 297. - Erziehungsfehler 258 (vgl. Erziehung). - Krie- 
cherei 258. - Herabsinken der allgemeinen Kulturhöhe 282. - 
Schmähung großer Vergangenheit 285. - Feigheit 287 

Verfassung: Weimarer: ihre Väter 627. - V. des alten Reiches: 
bundesstaatlich 635 

Verreichlichung nach der Revolution 636, 637. - Vereinheit- 
lichungstendenzen 641. - Vgl. Unitarismus 

Versailles s. Friedensvertrag 

Versammlungen s. Massenversammlungen 

„Verwirtschaftung" des deutschen Volkes 257 

Volk und Rasse 311 

Völkisch: Was ist v.? 419. - Der Begriff v. zu wenig faßbar 
397, 415, 417. - Deutsch-völkische Wanderscholaren 195. - 
V. in Parteinamen 515. - Ursachen der völkischen Zersplit- 
terung 573 

Völkischer Beobachter 664 

Völkischer Staat: Germanischer Staat deutscher Nation 362. - 
Aristokratisches Prinzip 492 f. - Führerverantwortlichkeit 
502, 661. - Persönlichkeit und V. St. 492. Förderung der 
Persönlichkeit 496. - Parlamente als Beratungskörper 501. 



Personen- und Sachverzeichnis XXV 

- Wirtschaftsparlamente 672, 677. - Ständekammern 672, 677. 

- Nationalgerichtshof 610. - Rassenhygiene 444, 446. - Ge- 
sundheitsbescheinigung 459. - Staatsangehörigkeit 490. 
Staatsbürgerrecht 491. - Staatsbürgerdiplom 459. - Er- 
ziehungsfragen 451 f., s. Erziehung. - Heer 459, 476. Zen- 
tralisation des Heeres 647. - Auslese 477. - Wertung der 
Arbeit 482. - Staffelung der Verdienste 486. - Zweck der 
Außenpolitik des V. St. 728. - Rassenreine Randkolonien 448. 

- Staatshoheit des Reiches 645. - Über Aufgabe, Wesen, 
Zweck vgl. auch Staat 

Völkische Weltanschauung: Staatsauffassung 421. - Schätzung 
der Persönlichkeit 421. Aristokratisch 492. - NSDAP, ein 
Instrument der V. W. 423, 514. - V. W. und NSDAP. -Pro- 
gramm 423. - V. W. von der NSDAP, geistig zu vertreten 598. 

- Vgl. auch Nationalsozialismus 
Volksgemeinschaft: Lügenhafte Auffassung von V. 374 
Volksgesundheit 278. - Unfruchtbarmachung Unheilbarer 279. 

- Schutzparagraph gegen Syphilis 281 

Volkskörper: Drei Menschenklassen im V. 580. - Das Opfer 
der Besten im Krieg 581. - Überwuchern der Schlechten als 
Folge davon 582 

Volksversammlung s. Massenversammlung 

„Volksvertreter" 96, 113, 411 

Vorkriegsdeutschland: Scheinblüte 360. - Schwächung des 
Bauernstandes 255. - Religiöse Zustände 292. - Deutsche 
Vorzüge 302 f. - Unvergleichliches Beamtentum 308. - Vgl. 
Verfallserscheinungen, Zusammenbruch 

Vorwärts, führende sozialdemokratische Zeitung: das Zentral- 
organ aller Landesverräter 248 

Wagner, Richard, Komponist: Hitlers Begeisterung für W. 15 

Wehrverbände: ihre Mängel 603 

Weimarer Verfassung s. Verfassung 

Weltanschauung: W.skampf vordringlich gegenüber Wirtschafts- 
kampf 680. - Unduldsamkeit 506, 678. - Mangel einer all- 
gemein anerkannten W. 292. - W. im Angriff 189. - W. 
und Gewalt 186 f. - Schwäche des Staates gegenüber einer 
W. 598. - Bedeutung der Organisation für eine W. 422. - 
W. und Partei 409, 422. - Vgl. Nationalsozialismus. Völkische 
Weltanschauung 

Weltfinanz, internationale jüdische: Ziel 163. - s. Börse, 
Judentum 

Weltherrschaftspläne des Judentums 343, 351, 703, 738, 751. - 
Vgl. Judentum 

Weltkrieg 172 f. - Sinn für Deutschland 178. - Frankreichs 
Kriegsziel 763. - Das deutsche Heer 182. - Das Opfer der 
Besten, Überwuchern der Schlechten 581/582. - Propaganda 193, 



XXVI Personen- und Sachverzeichnis 

deutsche 194, 198, 199; feindliche 193, 199, 203; englische 201. 
Greuelpr. 201; Flugblätter 206. - Österreichisches Ultimatum 
an Serbien 174. - Skagerrak 300. - Rußlands Zusammen- 
bruch 214. - Munitionsstreik 203, 216, 217. - Zersetzung des 
Heeres 218. - s. auch Friedensverträge, Kriegsgesellschaften, 
Kriegsschuld, Preußenhetze, Revolution, Verfallserscheinungen 
im Vorkriegsdeutschland. Zusammenbruch 

Wetterle, lothringischer Deutschenhetzer 297 

Wiedergeburt: Anzeichen deutscher W. 712 

Wien: Mittelpunkt Österreichs 74. - Bürgermeister Lueger 74. 

- Soziale Gegensätze 22. - Arbeitslosigkeit 23. - Wohnungs- 
elend 28. - W. und München 138. - Kaiserinsignien 11. - 
Wiener Weltpresse Byzantinismus 56. - Frankreichkult 58 

Wilhelm IL, Deutscher Kaiser. Kampf des Reichstages gegen 
ihn 57. - Fördert die Herrschaft des Geldes 256 

Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten, 315 

Wirtschaft: Verhältnis zum Staat 164. - Keine staatsbildende 
und staatserhaltende Kraft 167. - Aktiengesellschaften eine 
Verfallserscheinung 256. - Internationalisierung der deut- 
schen W. 257. - „Verwirtschaftung" des deutschen Volkes 257. 

- Erst Weltanschauungskampf, dann W.skampf 680. - W. 
und Bürgertum 681 

„Wirtschaftsfriedliche Eroberung" als Grundsatz deutscher Vor- 
kriegspolitik 158, 693 

Wirtschaftsparlamente im völkischen Staat 672, 677 

Wissenserwerb eine Kunst 36 

Wohnungselend in Wien 28 

Wort, das gesprochene: Bedeutung 518. - Wirkung 116, 525 f. - 
Psychologie 530. - Massenversammlung 535. - Flugblatt 
535. - Erfolge des Marxismus durch das gespr. W. 528. - 
Vorbereitung der Revolution durch das gespr. W. 532. - 
Lloyd George und Bethmann Hollweg als Redner 533 

Zeitung s. Presse. - Zeitungsleser, drei Gruppen 262 
Zentralisation: Unaufrichtiges Geschrei gegen die Z. 642. - 
Kampf der NSDAP, gegen die Z. 643. - Z. und Günstlings- 
wirtschaft 644. - Z. des Heeres notwendig 647. - s. Ver- 
reichlichung 
Zentrum: Hinneigung zu Österreich aus religiösen Gründen 176. 

- Verbindung von Religion und Politik 294. - Landesver- 
räter im Z. 297. - Kampf der NSDAP, gegen das Z. 632 

Zinsknechtschaft: Brechung der Z. 232, 233. - Vgl. Feder 
Zionismus 60, 356. - Protokolle der Weisen von Zion 337 
Zusammenbruch, der deutsche, 1918: Ursachen 245. Liefste Ur- 
sachen: rassisch 310. Jüdische Gefahr 359. - Nicht: der Verlust 
des Krieges 247. - Die Schuldigen 249. - Ziellosigkeit der 
deutschen Politik 295. - Psychologische Fehler der Regierung 
304. - Vgl. Verfallserscheinungen. 



Vorwort 

Am 1. April 1924 hatte ich, auf Grund des Urteils- 
spruches des Münchner Volksgerichts von diesem Tage, 
meine Festungshaft zu Landsberg am Lech anzutreten. 

Damit bot sich mir nach Jahren ununterbrochener Arbeit 
zum ersten Male die Möglichkeit, an ein Werk heran- 
zugehen, das von vielen gefordert und von mir selbst als 
zweckmäßig für die Bewegung empfunden wurde. So habe 
ich mich entschlossen, in zwei Bänden nicht nur die Ziele 
unserer Bewegung klarzulegen, sondern auch ein Bild der 
Entwicklung derselben zu zeichnen. Aus ihr wird mehr zu 
lernen sein als aus jeder rein doktrinären Abhandlung. 
Ich hatte dabei auch die Gelegenheit, eine Darstellung 
meines eigenen Werdens zu geben, soweit dies zum Ver- 
ständnis sowohl des ersten als auch des zweiten Bandes 
nötig ist und zur Zerstörung der von der jüdischen Presse 
betriebenen üblen Legendenbildung über meine Person 
dienen kann. 

Ich wende mich dabei mit diesem Werk nicht an Fremde, 
sondern an diejenigen Anhänger der Bewegung, die mit 
dem Herzen ihr gehören und deren Verstand nun nach 
innigerer Aufklärung strebt. 

Ich weiß, daß man Menschen weniger durch das ge- 
schriebene Wort als vielmehr durch das gesprochene zu 
gewinnen vermag, daß jede große Bewegung auf dieser 
Erde ihr Wachsen den großen Rednern und nicht den 
großen Schreibern verdankt. 

Dennoch muß zur gleichmäßigen und einheitlichen Ver- 
tretung einer Lehre das Grundsätzliche derselben nieder- 
gelegt werden für immer. Hierbei sollen diese beiden Bände 
als Bausteine gelten, die ich dem gemeinsamen Werke 
beifüge. 

Landsberg am Lech, 
Festungshaftanstalt. 

Der Verfasser 



Am 9. November 1923, 12 Uhr 30 Minuten nachmittags, fielen vor der 
Feldherrnhalle sowie im Hofe des ehemaligen Kriegsministeriums 
zu München folgende Männer im treuen Glauben an die Wieder- 
auferstehung ihres Volkes. 



Alfarth, Felix, Kaufmann, geb. 5. Juli 1901 
Bauriedl, Andreas, Hutmacher, geb. 4. Mai 1879 
Casella, Theodor, Bankbeamter, geb. 8. Aug. 1900 
Ehrlich, Wilhelm, Bankbeamter, geb. 19. Aug. 1894 
Faust, Martin, Bankbeamter, geb. 27. Januar 1901 
Hechenberger, Ant, Schlosser, geb. 28. Sept. 1902 
Körner, Oskar, Kaufmann, geb. 4. Januar 1875 
Kuhn, Karl, Oberkellner, geb. 26. Juli 1897 
Laforce, Karl, stud. ing., geb. 28. Oktober 1904 
Neubauer, Kurt, Diener, geb. 27. März 1899 
Pape, Claus von, Kaufmann, geb. 16. Aug. 1904 
Pfordten, Theodor von der, Rat am obersten Lan- 
desgericht, geb. 14. Mai 1873 
Rickmers, Joh., Rittmeister a.D., geb. 7. Mai 1881 
Scheubner-Richter, Max Erwin von, Dr. ing., 

geb. 9. Januar 1884 
Stransky, Lorenz, Ritter von, Ingenieur, 

geb. 14. März 1899 
Wolf, Wilhelm, Kaufmann, geb. 19. Oktober 1898 

Sogenannte nationale Behörden 
verweigerten den toten Helden 
ein gemeinsames Grab. 

So widme ich ihnen zur gemeinsamen Erinnerung den ersten Band 
dieses Werkes, als dessen Blutzeugen sie den Anhängern unserer 
Bewegung dauernd voranleuchten mögen. 

Landsberg a.L., Festungshaftanstalt, 16. Oktober 1924 

Adolf Hitler 



Erster Band 



EINE ABRECHNUNG 



1. Kapitel 
Im Elternhaus 

Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, daß das 
Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn 
zuwies. Liegt doch dieses Städtchen an der Grenze jener 
zwei deutschen Staaten, deren Wiedervereinigung minde- 
stens uns Jüngeren als eine mit allen Mitteln durchzu- 
führende Lebensaufgabe erscheint! 

Deutschösterreich muß wieder zurück zum großen deut- 
schen Mutterlande, und zwar nicht aus Gründen irgendwel- 
cher wirtschaftlichen Erwägungen heraus. Nein, nein: Auch 
wenn diese Vereinigung, wirtschaftlich gedacht, gleichgültig, 
ja selbst wenn sie schädlich wäre, sie müßte dennoch statt- 
finden. Gl e iche s Blut gehört in ein gemeinsames 
Reich. Das deutsche Volk besitzt solange kein moralisches 
Recht zu kolonialpolitischer Tätigkeit, solange es nicht ein- 
mal seine eigenen Söhne in einem gemeinsamen Staat zu 
fassen vermag. Erst wenn des Reiches Grenze auch den letz- 
ten Deutschen umschließt, ohne mehr die Sicherheit seiner 
Ernährung bieten zu können, ersteht aus der Not des 
eigenen Volkes das moralische Recht zur Erwerbung frem- 
den Grund und Bodens. Der Pflug ist dann das Schwert, 
und aus den Tränen des Krieges erwächst für die Nach- 
welt das tägliche Brot. So scheint mir dieses kleine Grenz- 
städtchen das Symbol einer großen Aufgabe zu sein. Allein 
auch noch in einer anderen Hinsicht ragt es mahnend in 
unsere heutige Zeit. Vor mehr als hundert Jahren hatte 
dieses unscheinbare Nest, als Schauplatz eines die ganze 
deutsche Nation ergreifenden tragischen Unglücks, den Vor- 
zug, für immer in den Annalen wenigstens der deutschen 
Geschichte verewigt zu werden. In der Zeit der tiefsten Er- 



2 Hitler, Mein Kampf 



Im Elternhaus 



niedrigung unseres Vaterlandes fiel dort für sein auch im 
Unglück heißgeliebtes Deutschland der Nürnberger Johan- 
nes Palm, bürgerlicher Buchhändler, verstockter „Nationa- 
list" und Franzosenfeind. Hartnäckig hatte er sich geweigert, 
seine Mit-, besser Hauptschuldigen anzugeben. Also wie Leo 
Schlageter. Er wurde allerdings auch, genau wie dieser, 
durch einen Regierungsvertreter an Frankreich denunziert. 
Ein Augsburger Polizeidirektor erwarb sich diesen traurigen 
Ruhm und gab so das Vorbild neudeutscher Behörden 
im Reiche des Herrn Severing. 

In diesem von den Strahlen deutschen Märtyrertums 
vergoldeten Innstädtchen, bayerisch dem Blute, österreichisch 
dem Staate nach, wohnten am Ende der achtziger Jahre 
des vergangenen Jahrhunderts meine Eltern; der Vater 
als pflichtgetreuer Staatsbeamter, die Mutter im Haus- 
halt aufgehend und vor allem uns Kindern in ewig gleicher 
liebevoller Sorge zugetan. Nur wenig haftet aus dieser 
Zeit noch in meiner Erinnerung, denn schon nach wenigen 
Jahren mußte der Vater das liebgewonnene Grenzstädtchen 
wieder verlassen, um innabwärts zu gehen und in Passau 
eine neue Stelle zu beziehen; also in Deutschland selber. 

Allein das Los eines österreichischen Zollbeamten hieß 
damals häufig „wandern". Schon kurze Zeit später kam der 
Vater nach Linz und ging endlich dort auch in Pension. 
Freilich „Ruhe" sollte dies für den alten Herrn nicht be- 
deuten. Als Sohn eines armen, kleinen Häuslers hatte es 
ihn schon einst nicht zu Hause gelitten. Mit noch nicht ein- 
mal dreizehn Jahren schnürte der damalige kleine Junge 
sein Ränzlein und lief aus der Heimat, dem Waldviertel, 
fort. Trotz des Abratens „erfahrener" Dorfinsassen war er 
nach Wien gewandert, um dort ein Handwerk zu lernen. 
Das war in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahr- 
hunderts. Ein bitterer Entschluß, sich mit drei Gulden Weg- 
zehrung so auf die Straße zu machen ins Ungewisse hinein. 
Als der Dreizehnjährige aber siebzehn alt geworden war, 
hatte er seine Gesellenprüfung abgelegt, jedoch nicht die 
Zufriedenheit gewonnen. Eher das Gegenteil. Die lange 
Zeit der damaligen Not, des ewigen Elends und Jammers 



Der kleine Rädelsführer 



festigte den Entschluß, das Handwerk nun doch wieder auf- 
zugeben, um etwas „Höheres" zu werden. Wenn einst dem 
armen Jungen im Dorfe der Herr Pfarrer als Inbegriff 
aller menschlich erreichbaren Höhe erschien, so nun in der 
den Gesichtskreis mächtig erweiternden Großstadt die Würde 
eines Staatsbeamten. Mit der ganzen Zähigkeit eines durch 
Not und Harm schon in halber Kindheit „alt" Gewordenen 
verbohrte sich der Siebzehnjährige in seinen neuen Entschluß 
- und wurde Beamter. Nach fast dreiundzwanzig Jahren, 
glaube ich, war das Ziel erreicht. Nun schien auch die Vor- 
aussetzung zu einem Gelübde erfüllt, das sich der arme 
Junge einst gelobt hatte, nämlich nicht eher in das liebe 
väterliche Dorf zurückzukehren, als bis er etwas geworden 
wäre. 

Jetzt war das Ziel erreicht, allein aus dem Dorfe konnte 
sich niemand mehr des einstigen kleinen Knaben erinnern, 
und ihm selber war das Dorf fremd geworden. 

Da er endlich als Sechsundfünfzigjähriger in den Ruhe- 
stand ging, hätte er doch diese Ruhe keinen Tag als „Nichts- 
tuer" zu ertragen vermocht. Er kaufte in der Nähe des ober- 
österreichischen Marktfleckens Lambach ein Gut, bewirtschaf- 
tete es und kehrte so im Kreislauf eines langen, arbeits- 
reichen Lebens wieder zum Ursprung seiner Väter zurück. 

In dieser Zeit bildeten sich mir wohl die ersten Ideale. 
Das viele Herumtollen im Freien, der weite Weg zur 
Schule, sowie ein besonders die Mutter manchmal mit bit- 
terer Sorge erfüllender Umgang mit äußerst robusten Jun- 
gen, ließ mich zu allem anderen eher werden als zu einem 
Stubenhocker. Wenn ich mir also auch damals kaum ernst- 
liche Gedanken über meinen einstigen Lebensberuf machte, 
so lag doch von vornherein meine Sympathie auf keinen 
Fall in der Linie des Lebenslaufes meines Vaters. Ich 
glaube, daß schon damals mein rednerisches Talent sich in 
Form mehr oder minder eindringlicher Auseinandersetzun- 
gen mit meinen Kameraden schulte. Ich war ein kleiner 
Rädelsführer geworden, der in der Schule leicht und da- 
mals auch sehr gut lernte, sonst aber ziemlich schwierig zu 
behandeln war. Da ich in meiner freien Zeit im Chor- 



Kriegsbegeisterung 



herrenstift zu Lambach Gesangsunterricht erhielt, hatte ich 
beste Gelegenheit, mich oft und oft am feierlichen Prunke 
der äußerst glanzvollen kirchlichen Feste zu berauschen. Was 
war natürlicher, als daß, genau so wie einst dem Vater 
der kleine Herr Dorfpfarrer nun mir der Herr Abt als 
höchst erstrebenswertes Ideal erschien. Wenigstens zeitweise 
war dies der Fall Nachdem aber der Herr Vater bei sei- 
nem streitsüchtigen Jungen die rednerischen Talente aus 
begreiflichen Gründen nicht so zu schätzen vermochte, um 
aus ihnen etwas günstige Schlüsse für die Zukunft seines 
Sprößlings zu ziehen, konnte er natürlich auch ein Ver- 
ständnis für solche Jugendgedanken nicht gewinnen. Be- 
sorgt beobachtete er wohl diesen Zwiespalt der Natur. 

Tatsächlich verlor sich denn auch die zeitweilige Sehnsucht 
nach diesem Berufe sehr bald, um nun meinem Tempera- 
mente besser entsprechenden Hoffnungen Platz zu machen. 
Beim Durchstöbern der väterlichen Bibliothek war ich über 
verschiedene Bücher militärischen Inhalts gekommen, dar- 
unter eine Volksausgabe des Deutsch-Französischen Krieges 
1870/71. Es waren zwei Bände einer illustrierten Zeit- 
schrift aus diesen Jahren, die nun meine Lieblingslektüre 
wurden. Nicht lange dauerte es, und der große Helden- 
kampf war mir zum größten inneren Erlebnis geworden. 
Von nun an schwärmte ich mehr und mehr für alles, was 
irgendwie mit Krieg oder doch mit Soldatentum zusammen- 
hing. 

Aber auch in anderer Hinsicht sollte dies von Bedeutung 
für mich werden. Zum ersten Male wurde mir, wenn auch 
in noch so unklarer Vorstellung, die Frage aufgedrängt, ob 
und welch ein Unterschied denn zwischen den diese Schlach- 
ten schlagenden Deutschen und den anderen sei? Warum 
hat denn nicht auch Österreich mitgekämpft in diesem 
Kriege, warum nicht der Vater und nicht all die anderen 
auch? 

Sind wir denn nicht auch dasselbe wie eben alle anderen 
Deutschen? 

Gehören wir denn nicht alle zusammen? Dieses Problem 
begann zum ersten Male in meinem kleinen Gehirn zu 



Berufs-„Wahl" 



wühlen. Mit innerem Neide mußte ich auf vorsichtige Fra- 
gen die Antwort vernehmen, daß nicht jeder Deutsche das 
Glück besitze, dem Reich Bismarcks anzugehören. 
Ich konnte dies nicht begreifen. 

Ich sollte studieren. 

Aus meinem ganzen Wesen und noch mehr aus meinem 
Temperament glaubte der Vater den Schluß ziehen zu kön- 
nen, daß das humanistische Gymnasium einen Widerspruch 
zu meiner Veranlagung darstellen würde. Besser schien ihm 
eine Realschule zu entsprechen. Besonders wurde er in dieser 
Meinung noch bestärkt durch eine ersichtliche Fähigkeit 
zum Zeichnen; ein Gegenstand, der in den österreichischen 
Gymnasien seiner Überzeugung nach vernachlässigt wurde. 
Vielleicht war aber auch seine eigene schwere Lebensarbeit 
noch mitbestimmend, die ihn das humanistische Studium, 
als in seinen Augen unpraktisch, weniger schätzen ließ. 
Grundsätzlich war er aber der Willensmeinung, daß, so wie 
er, natürlich auch sein Sohn Staatsbeamter werden würde, 
ja müßte. Seine bittere Jugend ließ ihm ganz natürlich das 
später Erreichte um so größer erscheinen, als dieses doch 
nur ausschließliches Ergebnis seines eisernen Fleißes und 
eigener Tatkraft war. Es war der Stolz des Selbstgewor- 
denen, der ihn bewog, auch seinen Sohn in die gleiche, 
wenn möglich natürlich höhere Lebensstellung bringen zu 
wollen, um so mehr, als er doch durch den Fleiß des eigenen 
Lebens seinem Kinde das Werden um so viel zu erleichtern 
vermochte. 

Der Gedanke einer Ablehnung dessen, was ihm einst zum 
Inhalt eines ganzen Lebens wurde, erschien ihm doch als 
unfaßbar. So war der Entschluß des Vaters einfach, be- 
stimmt und klar, in seinen eigenen Augen selbstverständlich. 
Endlich wäre es seiner in dem bitteren Existenzkampfe 
eines ganzen Lebens herrisch gewordenen Natur aber auch 
ganz unerträglich vorgekommen, in solchen Dingen etwa die 
letzte Entscheidung dem in seinen Augen unerfahrenen und 
damit eben noch nicht verantwortlichen Jungen selber zu 



Niemals Staatsbeamter 



überlassen. Es würde dies auch als schlecht und verwerf- 
liche Schwäche in der Ausübung der ihm zukommenden 
väterlichen Autorität und Verantwortung für das spätere 
Leben seines Kindes unmöglich zu seiner sonstigen Auffas- 
sung von Pflichterfüllung gepaßt haben. 

Und dennoch sollte es anders kommen. 

Zum ersten Male in meinem Leben wurde ich, als da- 
mals noch kaum Elfjähriger, in Opposition gedrängt. So 
hart und entschlossen auch der Vater sein mochte in der 
Durchsetzung einmal ins Auge gefaßter Pläne und Ab- 
sichten, so verbohrt und widerspenstig war aber auch sein 
Junge in der Ablehnung eines ihm nicht oder nur wenig 
zusagenden Gedankens. 

Ich wollte nicht Beamter werden. 

Weder Zureden noch „ernste" Vorstellungen vermochten 
an diesem Widerstände etwas zu ändern. Ich wollte nicht 
Beamter werden, nein und nochmals nein. Alle Versuche, 
mir durch Schilderungen aus des Vaters eigenem Leben 
Liebe oder Lust zu diesem Berufe erwecken zu wollen, 
schlugen in das Gegenteil um. Mir wurde gähnend übel 
bei dem Gedanken, als unfreier Mann einst in einem Bureau 
sitzen zu dürfen; nicht Herr sein zu können der eigenen 
Zeit, sondern in auszufüllende Formulare den Inhalt eines 
ganzen Leben zwängen zu müssen. 

Welche Gedanken konnte dies auch erwecken bei einem 
Jungen, der wirklich alles andere war, aber nur nicht 
„brav" im landläufigen Sinne! Das lächerliche leichte Ler- 
nen in der Schule gab mir so viel freie Zeit, daß mich 
mehr die Sonne als das Zimmer sah. Wenn mir heute 
durch meine politischen Gegner in liebevoller Aufmerksam- 
keit mein Leben durchgeprüft wird bis in die Zeit meiner 
damaligen Jugend, um endlich mit Erleichterung feststellen 
zu können, welch unerträgliche Streiche dieser „Hitler" 
schon in seiner Jugend verübt hatte, so danke ich dem Him- 
mel, daß er mir so auch jetzt noch etwas abgibt aus den 
Erinnerungen dieser glückseligen Zeit. Wiese und Wald 
waren damals der Fechtboden, auf dem die immer vorhan- 
denen „Gegensätze" zur Austragung kamen. 



Sondern Kunstmaler 



Auch der nun erfolgende Besuch der Realschule konnte 
dem wenig Einhalt tun. 

Freilich mußte nun aber auch ein anderer Gegensatz aus- 
gefochten werden. 

Solange der Absicht des Vaters, mich Staatsbeamter 
werden zu lassen, nur meine prinzipielle Abneigung zum 
Beamtenberuf an sich gegenüber stand, war der Konflikt 
leicht erträglich. Ich konnte solange auch mit meinen inne- 
ren Anschauungen etwas zurückhalten, brauchte ja nicht 
immer gleich zu widersprechen. Es genügte mein eigener 
fester Entschluß, später einmal nicht Beamter zu werden, 
um mich innerlich vollständig zu beruhigen. Diesen Ent- 
schluß besaß ich aber unabänderlich. Schwerer wurde die 
Frage, wenn dem Plane des Vaters ein eigener gegen- 
übertrat. Schon mit zwölf Jahren traf dies ein. Wie es 
nun kam, weiß ich heute selber nicht, aber eines Tages 
war mir klar, daß ich Maler werden würde, Kunstmaler. 
Mein Talent zum Zeichnen stand allerdings fest, war es 
doch sogar mit ein Grund für den Vater, mich auf die 
Realschule zu schicken, allein nie und niemals hätte dieser 
daran gedacht, mich etwa beruflich in einer solchen Rich- 
tung ausbilden zu lassen. Im Gegenteil. Als ich zum ersten 
Male, nach erneuter Ablehnung des väterlichen Lieblings- 
gedankens, die Frage gestellt bekam, was ich denn nun 
eigentlich selber werden wollte und ziemlich unvermittelt 
mit meinem unterdessen fest gefaßten Entschluß heraus- 
platzte, war der Vater zunächst sprachlos. 

„Maler? Kunstmaler?" 

Er zweifelte an meiner Vernunft, glaubte vielleicht auch 
nicht recht gehört oder verstanden zu haben. Nachdem er 
allerdings darüber aufgeklärt war und besonders die Ernst- 
haftigkeit meiner Absicht fühlte, warf er sich denn auch mit 
der ganzen Entschlossenheit seines Wesens dagegen. Seine 
Entscheidung war hier nur sehr einfach, wobei irgendein 
Abwägen meiner etwa wirklich vorhandenen Fähigkeiten 
gar nicht in Frage kommen konnte. 

„Kunstmaler, nein, solange ich lebe, niemals." Da nun 
aber sein Sohn eben mit verschiedenen sonstigen Eigen- 



8 Der junge Nationalist 

Schäften wohl auch die einer ähnlichen Starrheit geerbt 
haben mochte, so kam auch eine ähnliche Antwort zurück. 
Nur natürlich umgekehrt den Sinne nach. 

Auf beiden Seiten blieb es dabei bestehen. Der Vater 
verließ nicht sein "Niemals" und ich verstärkte mein 
„Trotzdem". 

Freilich hatte dies nun nicht sehr erfreuliche Folgen. Der 
alte Herr ward verbittert und, so sehr ich ihn auch liebte, 
ich auch. Der Vater verbat sich jede Hoffnung, daß ich je- 
mals zum Maler ausgebildet werden würde. Ich ging einen 
Schritt weiter und erklärte, daß ich dann überhaupt nicht 
mehr lernen wollte. Da ich nun natürlich mit solchen „Er- 
klärungen" doch den Kürzeren zog, insofern der alte Herr 
jetzt seine Autorität rücksichtslos durchzusetzen sich an- 
schickte, schwieg ich künftig, setzte meine Drohung aber in 
die Wirklichkeit um. Ich glaubte, daß, wenn der Vater erst 
den mangelnden Fortschritt in der Realschule sähe, er gut 
oder übel eben doch mich meinem erträumten Glück würde 
zugehen lassen. 

Ich weiß nicht, ob diese Rechnung gestimmt hätte. Sicher 
war zunächst nur mein ersichtlicher Mißerfolg in der Schule. 
Was mich freute, lernte ich, vor allem auch alles, was ich 
meiner Meinung nach später als Maler brauchen würde. 
Was mir in dieser Hinsicht bedeutungslos erschien, oder 
mich auch sonst nicht so anzog, sabotierte ich vollkommen. 
Meine Zeugnisse dieser Zeit stellten, je nach dem Gegen- 
stande und seiner Einschätzung, immer Extreme dar. Neben 
„lobenswert" und „vorzüglich" „genügend" oder auch „nicht 
genügend". Am weitaus besten waren meine Leistungen in 
Geographie und mehr noch in Weltgeschichte. Die beiden 
Lieblingsfächer, in denen ich der Klasse vorschoß. 

Wenn ich nun nach so viel Jahren mir das Ergebnis die- 
ser Zeit prüfend vor Augen halte, so sehe ich zwei hervor- 
stechende Tatsachen als besonders bedeutungsvoll an: 

Erstens: ich wurde Nationalist. 

Zweitens: ich lernte Geschichte ihrem Sinne 
nach verstehen und begreifen. 



Die deutsche Ostmark 



Das alte Österreich war ein „Nationalitäten- 
staat". 

Der Angehörige des Deutschen Reiches konnte im Grunde 
genommen, wenigstens damals, gar nicht erfassen, welche 
Bedeutung dies Tatsache für das alltägliche Leben des ein- 
zelnen in einem solchen Staate besitzt. Man hatte sich nach 
dem wundervollen Siegeszuge der Heldenheere im Deutsch- 
Französischen Kriege allmählich immer mehr dem Deutsch- 
tum des Auslandes entfremdet, zum Teil dieses auch gar 
nicht mehr zu würdigen vermocht oder wohl auch nicht 
mehr gekonnt. Man verwechselte besonders in bezug auf 
den Deutschösterreicher nur zu leicht die verkommene Dy- 
nastie mit dem im Kerne urgesunden Volke. 

Man begriff nicht, daß, wäre nicht der Deutsche in Öster- 
reich wirklich noch von bestem Blute, er niemand die Kraft 
hätte besitzen können, einem 52-Millionen-Staate so sehr 
seinen Stempel aufzuprägen, daß ja gerade in Deutschland 
sogar die irrige Meinung entstehen konnte, Österreich wäre 
ein deutscher Staat. Ein Unsinn von schwersten Folgen, aber 
ein doch glänzendes Zeugnis für die zehn Millionen Deut- 
schen der Ostmark. Von dem ewigen unerbittlichen Kampfe 
um die deutsche Sprache, um deutsche Schule und deutsches 
Wesen hatten nur ganz wenige Deutsche aus dem Reiche 
eine Ahnung. Erst heut, da diese traurige Not vielen Mil- 
lionen unseres Volkes aus dem Reiche selber aufgezwungen 
ist, die unter fremder Herrschaft vom gemeinsamen Vater- 
lande träumen und, sich sehnend nach ihm, wenigstens das 
heilige Anspruchsrecht der Muttersprache zu erhalten ver- 
suchen, versteht man in größerem Kreise, was es heißt, für 
sein Volkstum kämpfen zu müssen. Nun vermag auch viel- 
leicht der eine oder andere die Größe des Deutschtums aus 
der alten Ostmark des Reiches zu messen, das, nur auf sich 
selbst gestellt, Jahrhunderte lang das Reich erst nach Osten 
beschirmte, um endlich in zermürbendem Kleinkrieg die 
deutsche Sprachgrenze zu halten, in einer Zeit, da das 
Reich sich wohl für Kolonien interessierte, aber nicht für 
das eigene Fleisch und Blut vor seinen Toren. 

Wie überall und immer, in jeglichem Kampf, gab es 



10 Der Kampf ums Deutschtum 

auch im Sprachenkampf des alten Österreich drei Schichten: 
die Kämpfer, die Lauen und die Verräter. 

Schon in der Schule begann diese Siebung einzutreten. 
Denn es ist das Bemerkenswerte des Sprachenkampfes wohl 
überhaupt, daß seine Wellen vielleicht am schwersten gerade 
die Schule, als Pflanzstätte der kommenden Generation, 
umspülen. Um das Kind wird dieser Kampf geführt, und 
an das Kind richtet sich der erste Appell dieses Streites: 

„Deutscher Knabe, vergiß nicht, daß du ein Deutscher 
bist", und „Mädchen, gedenke, daß du eine deutsche 
Mutter werden sollst!" 

Wer der Jugend Seele kennt, der wird verstehen können, 
daß gerade sie am freudigsten die Ohren für einen solchen 
Kampfruf öffnet. In hunderterlei Formen pflegt sie diesen 
Kampf dann zu führen, auf ihre Art und mit ihren Waffen. 
Sie lehnt es ab, undeutsche Lieder zu singen, schwärmt um 
so mehr für deutsche Heldengröße, je mehr man versucht, 
sie dieser zu entfremden; sammelt an vom Munde abge- 
sparten Hellern zu Kampfschatz der Großen; sie ist un- 
glaublich hellhörig dem undeutschen Lehrer gegenüber und 
widerhaarig zugleich; trägt die verbotenen Abzeichen des 
eigenen Volkstums und ist glücklich, dafür bestraft oder gar 
geschlagen zu werden. Sie ist also im kleinen ein getreues 
Spiegelbild der Großen, nur oft in besserer und aufrich- 
tigerer Gesinnung. 

Auch ich hatte so einst die Möglichkeit, schon in verhält- 
nismäßig früher Jugend am Nationalitätenkampf des alten 
Österreich teilzunehmen. Für Südmark und Schulverein 
wurde da gesammelt, durch Kornblumen und schwarzrot- 
goldne Farben die Gesinnung betont, mit „Heil" begrüßt, 
und statt des Kaiserliedes lieber „Deutschland über alles" 
gesungen, trotz Verwarnung und Strafen. Der Junge ward 
dabei politisch geschult in einer Zeit, da der Angehörige 
seines sogenannten Nationalstaates meist noch von seinem 
Volkstum wenig mehr als die Sprache kennt. Daß ich da- 
mals schon nicht zu den Lauen gehört habe, versteht sich 
von selbst. In kurzer Zeit war ich zum fanatischen „Deutsch- 



Der Kampf ums Deutschtum 11 

nationalen" geworden, wobei dies allerdings nicht identisch 
ist mit unserem heutigen Parteibegriff. 

Diese Entwicklung machte bei mir sehr schnelle Fort- 
schritte, so daß ich schon mit fünfzehn Jahren zum Verständ- 
nis des Unterschiedes von dynastischem „Patriotis- 
mus" und völkischem „Nationalismus" gelangte; und 
ich kannte damals schon nur mehr den letzteren. 

Für den, der sich niemals die Mühe nahm, die inneren 
Verhältnisse der Habsburgermonarchie zu studieren, mag 
ein solcher Vorgang vielleicht nicht ganz erklärlich sein. Nur 
der Unterricht in der Schule über die Weltgeschichte mußte 
in diesem Staate schon den Keim zu dieser Entwicklung 
legen, gibt es doch eine spezifisch österreichische Geschichte 
nur in kleinsten Maße. Das Schicksal dieses Staates ist so 
sehr mit dem Leben und Wachsen des ganzen Deutschtums 
verbunden, daß eine Scheidung der Geschichte etwa in eine 
deutsche und österreichische gar nicht denkbar erscheint. Ja, 
als endlich Deutschland sich in zwei Machtbereiche zu tren- 
nen begann, wurde eben diese Trennung zur deutschen 
Geschichte. 

Die zu Wien bewahrten Kaiserinsignien einstiger Reichs- 
herrlichkeit scheinen als wundervoller Zauber weiter zu 
wirken als Unterpfand einer ewigen Gemeinschaft. 

Der elementare Aufschrei des deutschösterreichischen Vol- 
kes in den Tagen des Zusammenbruches des Habsburger- 
staates nach Vereinigung mit dem deutschen Mutterland 
war ja nur das Ergebnis eines tief im Herzen des ge- 
samten Volkes schlummernden Gefühls der Sehnsucht nach 
dieser Rückkehr in das nie vergessene Vaterhaus. Niemals 
aber würde dies erklärlich sein, wenn nicht die geschichtliche 
Erziehung des einzelnen Deutschösterreichers Ursache einer 
solchen allgemeinen Sehnsucht gewesen wäre. In ihr liegt 
ein Brunnen, der nie versiegt; der besonders in Zeiten des 
Vergessens als stiller Mahner, über augenblickliches Wohl- 
leben hinweg, immer wieder durch die Erinnerung an die 
Vergangenheit von neuer Zukunft raunen wird. 

Der Unterricht über Weltgeschichte in den sogenannten 
Mittelschulen liegt nun freilich auch heute noch sehr im 



12 Geschichtsunterricht 

argen. Wenige Lehrer begreifen, daß das Ziel gerade des 
geschichtlichen Unterrichtes nie und nimmer im Auswendig- 
lernen und Herunterhaspeln geschichtlicher Daten und Er- 
eignisse liegen kann; daß es nicht darauf ankommt, ob der 
Junge nun genau weiß, wann dies oder jene Schlacht ge- 
schlagen, ein Feldherr geboren wurde, oder gar ein (mei- 
stens sehr unbedeutender) Monarch die Krone seiner Ahnen 
auf das Haupt gesetzt erhielt. Nein, wahrhaftiger Gott, 
daraufkommt es wenig an. 

Geschichte „lernen" heißt die Kräfte suchen und finden, 
die als Ursachen zu jenen Wirkungen führen, die wir dann 
als geschichtliche Ereignisse vor unseren Augen sehen. 

Die Kunst des Lesens wie des Lernens ist auch hier: 
Wesentliches behalten, Unwesentliches ver- 
gessen. 

Es wurde vielleicht bestimmend für mein ganzes späteres 
Leben, daß mir das Glück einst gerade für Geschichte einen 
Lehrer gab, der es als einer der ganz wenigen verstand, 
für Unterricht und Prüfung diesen Gesichtspunkt zum be- 
herrschenden zu machen. In meinem damaligen Professor 
Dr. Leopold Pötsch, an der Realschule zu Linz, war diese 
Forderung in wahrhaft idealer Weise verkörpert. Ein alter 
Herr, von ebenso gütigem als aber auch bestimmten Auf- 
treten, vermocht er besonders durch eine blendende Bered- 
samkeit uns nicht nur zu fesseln, sondern wahrhaft mitzu- 
reißen. Noch heute erinnere ich mich mit leiser Rührung an 
den grauen Mann, der uns im Feuer seiner Darstellung 
manchmal die Gegenwart vergessen ließ, uns zurückzauberte 
in vergangene Zeiten und aus dem Nebelschleier der Jahr- 
tausende die trockene geschichtliche Erinnerung zur leben- 
digen Wirklichkeit formte. Wir saßen dann da, oft zu heller 
Glut begeistert, mitunter sogar zu Tränen gerührt. 

Das Glück ward um so größer, als dieser Lehrer es ver- 
stand, aus Gegenwart Vergangenes zu erleuchten, aus Ver- 
gangenheit aber die Konsequenzen für die Gegenwart zu 
ziehen. So brachte er denn auch, mehr als sonst einer, Ver- 
ständnis für all die Tagesprobleme, die uns damals 
in Atem hielten. Unser kleiner nationaler Fanatismus 



Geschichte Lieblingsfach 13 

ward ihm ein Mittel zu unserer Erziehung, indem er, öfter 
als einmal an das nationale Ehrgefühl appellierend, da- 
durch allein uns Rangen schneller in Ordnung brachte, als 
dies durch andere Mittel je möglich gewesen wäre. 

Mir hat dieser Lehrer Geschichte zum Lieblingsfach ge- 
macht. 

Freilich wurde ich, wohl ungewollt von ihm, auch damals 
schon zum jungen Revolutionär. 

Wer konnte auch unter einem solchen Lehrer deutsche Ge- 
schichte studieren, ohne zum Feinde des Staates zu werden, 
der durch sein Herrscherhaus in so unheilvoller Weise die 
Schicksale der Nation beeinflußte? 

Wer endlich konnte noch Kaisertreue bewahren einer 
Dynastie gegenüber, die in Vergangenheit und Gegenwart 
die Belange des deutschen Volkes immer und immer wieder 
um schmählicher eigener Vorteile wegen verriet? 

Wußten wir nicht als Jungen schon, daß dieser österrei- 
chische Staat keine Liebe zu uns Deutschen besaß, ja über- 
haupt gar nicht besitzen konnte? 

Die geschichtliche Erkenntnis des Wirkens des Habsbur- 
gerhauses wurde noch unterstützt durch die tägliche Erfah- 
rung. Im Norden und im Süden fraß das fremde Völker- 
gift am Körper unseres Volkstums, und selbst Wien wurde 
zusehends mehr und mehr zur undeutschen Stadt. Das „Erz- 
haus" tschechisierte, wo immer nur möglich, und es war die 
Faust der Göttin ewigen Rechtes und unerbittlicher Ver- 
geltung, die den tödlichsten Feind des österreichischen 
Deutschtums, Erzherzog Franz Ferdinand, gerade durch die 
Kugeln fallen ließ, die er selber mithalf zu gießen. War er 
doch der Patronatsherr der von oben herunter betätigten 
Slawisierung Österreichs. 

Ungeheuer waren die Lasten, die man dem deutschen 
Volke zumutete, unerhört seine Opfer an Steuern und an 
Blut, und dennoch mußte jeder nicht gänzlich Blinde erken- 
nen, daß dieses alles umsonst sein würde. Was uns dabei 
am meisten schmerzte, war noch die Tatsache, daß dieses 
ganze System moralisch gedeckt wurde durch das Bündnis 
mit Deutschland, womit der langsamen Ausrottung des 



14 Geschichtliche Erkenntnisse 

Deutschtums in der alten Monarchie auch noch gewisser- 
maßen von Deutschland aus selber die Sanktion erteilt 
wurde. Die habsburgische Heuchelei, mit der man es ver- 
stand, nach außen den Anschein zu erwecken, als ob Öster- 
reich noch immer ein deutscher Staat wäre, steigerte den 
Haß gegen dieses Haus zur hellen Empörung und Verach- 
tung zugleich. 

Nur im Reiche selber sahen die auch damals schon allein 
„Berufenen" von all dem nichts. Wie mit Blindheit ge- 
schlagen wandelten sie an der Seite eines Leichnams und 
glaubten in den Anzeichen der Verwesung gar noch Merk- 
male „neuen" Lebens zu entdecken. 

In der unseligen Verbindung des jungen Reiches mit 
dem österreichischen Scheinstaat lag der Keim zum späteren 
Weltkrieg, aber auch zum Zusammenbruch. 

Ich werde im Verlaufe dieses Buches mich noch gründlich 
mit diesem Problem zu beschäftigen haben. Es genügt hier, 
nur festzustellen, daß ich im Grunde genommen schon in der 
frühesten Jugend zu einer Einsicht kam, die mich niemals 
mehr verließ, sondern sich nur noch vertiefte: 

Daß nämlich die Sicherung des Deutsch- 
tums die Vernichtung Österreichs voraus- 
setzte, und daß weiter N a t i o n a 1 g e f ü h 1 in 
nicht identisch ist mit dynastischem 
Patriotismus; daß vor allem das habs- 
burgische Erzhaus zum Unglück der 
deutschen Nation bestimmt war. 

Ich hatte schon damals die Konsequenzen aus dieser Er- 
kenntnis gezogen: heiße Liebe zu meiner deutsch-österreichi- 
schen Heimat, tiefen Haß gegen den österreichischen Staat. 

Die Art des geschichtlichen Denkens, die mir so in der 
Schule beigebracht wurde, hat mich in der Folgezeit nicht 
mehr verlassen. Weltgeschichte ward mir immer mehr zu 
einem unerschöpflichen Quell des Verständnisses für das 
geschichtliche Handeln der Gegenwart, also für Politik. Ich 
will sie dabei nicht „lernen", sondern sie soll mich lehren. 



Wagner-Verehrung 15 



War ich so frühzeitig zum politischen „Revolutionär" ge- 
worden, so nicht minder früh auch zum künstlerischen. 

Die österreichische Landeshauptstadt besaß damals 
ein verhältnismäßig nicht schlechtes Theater. Gespielt wurde 
so ziemlich alles. Mit zwölf Jahren sah ich da zum ersten 
Male „Wilhelm Teil", wenige Monate darauf als erste 
Oper meines Lebens „Lohengrin". Mit einem Schlage war 
ich gefesselt. Die jugendliche Begeisterung für den Bay- 
reuther Meister kannte keine Grenzen. Immer wieder zog 
es mich zu seinen Werken, und ich empfinde es heute als 
besonderes Glück, daß mir durch die Bescheidenheit der 
provinzialen Aufführung die Möglichkeit einer späteren 
Steigerung erhalten blieb. 

Dies alles festigte, besonders nach Überwindung der Fle- 
geljahre (was bei mir sich nur sehr schmerzlich vollzog), 
meine tiefinnere Abneigung gegen einen Beruf, wie ihn 
der Vater für mich erwählt hatte. Immer mehr kam ich 
zur Überzeugung, daß ich als Beamter niemals glücklich 
werden würde. Seit nun auch in der Realschule meine 
zeichnerische Begabung anerkannt wurde, stand mein Ent- 
schluß nur noch fester. 

Daran konnte weder Bitten noch Drohungen mehr 
etwas ändern. 

Ich wollte Maler werden und um keine Macht der 
Welt Beamter. 

Eigentümlich war es nur, daß mit steigenden Jahren sich 
immer mehr Interesse für Baukunst einstellte. 

Ich hielt dies damals für die selbstverständliche Ergän- 
zung meiner malerischen Befähigung und freute mich nur 
innerlich über die Erweiterung meines künstlerischen 
Rahmens. 

Daß es einmal anders kommen sollte, ahnte ich nicht. 

Die Frage meines Berufes sollte nun doch schneller ent- 
schieden werden, als ich vorher erwarten durfte. 

Mit dem dreizehnten Lebensjahr verlor ich urplötzlich den 
Vater. Ein Schlaganfall traf den sonst noch so rüstigen Herrn 



16 Tod der Eltern 



und beendete auf schmerzloseste Weise seine irdische Wan- 
derung, uns alle in tiefstes Leid versenken. Was er am 
meisten ersehnte, seinem Kinde die Existenz mitzuschaffen, 
um es so vor dem eigenen bitteren Werdegang zu bewahren, 
schien ihm damals wohl nicht gelungen zu sein. Allein er 
legte, wenn auch gänzlich unbewußt, die Keime für eine 
Zukunft, die damals weder er noch ich begriffen hätte. 

Zunächst änderte sich ja äußerlich nichts. 

Die Mutter fühlte sich wohl verpflichtet, gemäß dem 
Wunsche des Vaters meine Erziehung weiter zu leiten, d.h. 
also mich für die Beamtenlaufbahn studieren zu lassen. Ich 
selber war mehr als je zuvor entschlossen, unter keinen Um- 
ständen Beamter zu werden. In eben dem Maße nun, in 
dem die Mittelschule sich in Lehrstoff und Ausbildung von 
meinem Ideal entfernte, wurde ich innerlich gleichgültiger. 
Da kam mir plötzlich eine Krankheit zu Hilfe und entschied 
die Streitfrage des väterlichen Hauses. Mein schweres Lungen- 
leiden ließ einen Arzt der Mutter auf das dringendste an- 
raten, mich später einmal unter keinen Umständen in ein 
Bureau zu geben. Der Besuch der Realschule mußte eben- 
falls auf mindestens ein Jahr eingestellt werden. Was ich 
so lange im stillen ersehnt, für was ich immer gestritten 
hatte, war nun durch dieses Ereignis mit einem Male fast 
von selber zur Wirklichkeit geworden. 

Unter dem Eindruck meiner Erkrankung willigte die 
Mutter endlich ein, mich später aus der Realschule nehmen 
zu wollen und die Akademie besuchen zu lassen. 

Es waren die glücklichsten Tage, die mir nahezu als ein 
schöner Traum erschienen; und ein Traum sollte es ja auch 
nur sein. Zwei Jahre später machte der Tod der Mutter 
all den schönen Plänen ein jähes Ende. 

Es war der Abschluß einer langen, schmerzhaften Krank- 
heit, die von Anfang an wenig Aussicht auf Genesung ließ. 
Dennoch traf besonders mich der Schlag entsetzlich. Ich hatte 
den Vater verehrt, die Mutter jedoch geliebt. 

Not und harte Wirklichkeit zwangen mich nun, einen 
schnellen Entschluß zu fassen. Die geringen väterlichen 



Übersiedlung nach Wien 17 

Mittel waren durch die schwere Krankheit der Mutter zum 
großen Teile verbraucht worden; die mir zukommende 
Waisenpension genügte nicht, um auch nur leben zu können, 
als war ich nun angewiesen, mir irgendwie mein Brot 
selber zu verdienen. 

Einen Koffer mit Kleidern und Wäsche in den Händen, 
mit einem unerschütterlichen Willen im Herzen, fuhr ich so 
nach Wien. Was dem Vater 50 Jahre vorher gelungen, 
hoffte auch ich dem Schicksal abzujagen; auch ich wollte 
„etwas" werden, allerdings - auf keinen Fall Beamter. 



2. Kapitel 
Wiener Lehr- und Leidensjahre 

Als die Mutter starb, hatte das Schicksal in einer Hin- 
sicht bereits seine Entscheidung getroffen. 

In deren letzten Leidensmonaten war ich nach Wien 
gefahren, um die Aufnahmeprüfung in die Akademie zu 
machen. Ausgerüstet mit einem dicken Pack von Zeichnun- 
gen, hatte ich mich damals auf den Weg gemacht, überzeugt, 
die Prüfung spielend leicht bestehen zu können. In der 
Realschule war ich schon weitaus der beste Zeichner meiner 
Klasse gewesen; seitdem war meine Fähigkeit noch ganz 
außerordentlich weiter entwickelt worden, so daß meine 
eigene Zufriedenheit mich stolz und glücklich das Beste 
hoffen ließ. 

Eine einzige Trübung trat manchmal ein: mein male- 
risches Talent schien übertroffen zu werden von meinem 
zeichnerischen, besonders auf fast allen Gebieten der Archi- 
tektur. Ebenso aber wuchs auch mein Interesse für die Bau- 
kunst an und für sich immer mehr. Beschleunigt wurde dies 
noch, seit ich, noch nicht 16 Jahre alt, zum ersten Male 
zu einem Besuche auf zwei Wochen nach Wien fahren durfte. 
Ich fuhr hin, um die Gemäldegalerie des Hofmuseums zu 
studieren, hatte aber fast nur Augen für das Museum sel- 
ber. Ich lief die Tage vom frühen Morgen bis in die späte 
Nacht von einer Sehenswürdigkeit zu anderen, allein es 
waren immer nur Bauten, die mich in erster Linie fessel- 
ten. Stundenlang konnte ich so vor der Oper stehen, stun- 
denlang das Parlament bewundern; die ganze Ringstraße 
wirkte auf mich wie ein Zauber aus Tausendundeiner 
Nacht. 

Nun also war ich zum zweiten Male in der schönen Stadt 
und wartete mit brennender Ungeduld, aber auch stolzer 



Befähigung zum Baumeister 19 

Zuversicht auf das Ergebnis meiner Aufnahmeprüfung. Ich 
war vom Erfolge so überzeugt, daß die mir verkündete Ab- 
lehnung mich wie ein jäher Schlag aus heiterem Himmel 
traf. Und doch war es so. Als ich mich dem Rektor vor- 
stellen ließ und die Bitte um Erklärung der Gründe wegen 
meiner Nichtaufnahme in die allgemeine Malerschule der 
Akademie vorbrachte, versicherte mir der Herr, daß aus 
meinen mitgebrachten Zeichnungen einwandfrei meine Nicht- 
eignung zum Maler hervorgehe, sondern meine Fähigkeit 
doch ersichtlich auf dem Gebiete der Architektur liege; für 
mich käme niemals die Malerschule, sondern nur die Archi- 
tekturschule der Akademie in Frage. Daß ich bisher 
weder eine Bauschule besucht noch sonst einen Unterricht in 
Architektur erhalten hatte, konnte man zunächst gar nicht 
verstehen. 

Geschlagen verließ ich den Hansenschen Prachtbau am 
Schillerplatz, zum ersten Male in meinem jungen Leben 
uneins mit mir selber. Denn was ich über meine Fähigkeit 
gehört hatte, schien mir nun auf einmal wie ein greller 
Blitz einen Zwiespalt aufzudecken, unter dem ich schon 
längst gelitten hatte, ohne bisher mir eine klare Rechen- 
schaft über das Warum und Weshalb geben zu können. 

In wenigen Tagen wußte ich nun auch selber, daß ich 
einst Baumeister werden würde. 

Freilich war der Weg unerhört schwer; denn was ich bis- 
her aus Trotz in der Realschule versäumt hatte, sollte sich nun 
bitter rächen. Der Besuch der Architekturschule der 
Akademie war abhängig vom Besuch der Bauschule der 
Technik, und den Eintritt in diese bedingte eine vorher 
abgelegte Matura an einer Mittelschule. Dieses alles fehlte 
mir vollständig. Nach menschlichem Ermessen also war eine 
Erfüllung meines Künstlertraumes nicht mehr möglich. 

Als ich nun nach dem Tode der Mutter zum dritten Male 
nach Wien und dieses Mal für viele Jahre zog, war bei mir 
mit der unterdessen verstrichenen Zeit Ruhe und Entschlos- 
senheit zurückgekehrt. Der frühere Trotz war wieder gekom- 
men, und mein Ziel endgültig ins Auge gefaßt. Ich wollte 
Baumeister werden, und Widerstände sind nicht da, daß 



20 Fünf Jahre Elend 



man vor ihnen kapituliert, sondern daß man sie bricht. Und 
brechen wollte ich diese Widerstände, immer das Bild des 
Vaters vor Augen, der sich einst vom armen Dorf- und 
Schusterjungen zum Staatsbeamten emporgerungen hatte. 
Da war mein Boden doch schon besser, die Möglichkeit des 
Kampfes um so viel leichter; und was damals mir als 
Härte des Schicksals erschien, preise ich heute als Weisheit 
der Vorsehung. Indem mich die Göttin der Not in ihre 
Arme nahm und mich oft zu zerbrechen drohte, wuchs 
der Wille zum Widerstand, und endlich blieb der Wille 
Sieger. 

Das danke ich der damaligen Zeit, daß ich hart geworden 
bin und hart sein kann. Und mehr noch als dieses preise 
ich sie dafür, daß sie mich losriß von der Hohlheit des ge- 
mächlichen Lebens, daß sie das Muttersöhnchen aus den 
weichen Daunen zog und ihm Frau Sorge zur neuen Mut- 
ter gab, daß sie den Widerstrebenden hineinwarf in die 
Welt des Elends und der Armut und ihn so die kennen- 
lernen ließ, für die er später kämpfen sollte. 

In dieser Zeit sollte mir auch da Auge geöffnet werden 
für zwei Gefahren, die ich beide vordem kaum dem Namen 
nach kannte, auf keinen Fall aber in ihrer entsetzlichen 
Bedeutung für die Existenz des deutschen Volkes begriff: 
Marxismus und Judentum. 

Wien, die Stadt, die so vielen als Inbegriff harmloser 
Fröhlichkeit gilt, als festlicher Raum vergnügter Menschen, 
ist für mich leider nur die lebendige Erinnerung an die 
traurigste Zeit meines Lebens. 

Auch heute noch kann diese Stadt nur trübe Gedanken in 
mir erwecken. Fünf Jahre Elend und Jammer sind im Na- 
men dieser Phäakenstadt für mich enthalten. Fünf Jahre, in 
denen ich erst als Hilfsarbeiter, dann als kleiner Maler mir 
mein Brot verdienen mußte; mein wahrhaft kärglich Brot, 
das doch nie langte, um auch nur den gewöhnlichen Hunger 
zu stillen. Er war damals mein getreuer Wächter, der mich 
als einziger fast nie verließ, der in allem redlich mit mir 



Bildung der Weltanschauung 21 

teilte. Jedes Buch, das ich mir erwarb, erregte seine Teil- 
nahme; ein Besuch der Oper ließ ihn mir dann wieder 
Gesellschaft leisten auf Tage hinaus; es war ein dauernder 
Kampf mit meinem mitleidslosen Freunde. Und doch habe 
ich in dieser Zeit gelernt, wie nie zuvor. Außer meiner 
Baukunst, dem seltenen, vom Munde abgesparten Besuch 
der Oper, hatte ich als einzige Freude nur mehr Bücher. 

Ich las damals unendlich viel, und zwar gründlich. Was mir 
so an freier Zeit von meiner Arbeit übrig blieb, ging restlos für 
mein Studium auf. In wenigen Jahren schuf ich mir damit die 
Grundlagen meines Wissens, von denen ich auch heute noch 
zehre. 

Aber mehr noch als dieses. 

In dieser Zeit bildete sich mir ein Weltbild und eine 
Weltanschauung, die zum granitenen Fundament meines 
derzeitigen Handelns wurden. Ich habe zu dem, was ich 
mir so einst schuf, nur weniges hinzulernen müssen, zu 
ändern brauchte ich nichts. 

Im Gegenteil. 

Ich glaube heute fest daran, daß im allgemeinen sämt- 
liche schöpferischen Gedanken schon in der Jugend grundsätz- 
lich erscheinen, soferne solche überhaupt vorhanden sind. Ich 
unterscheide zwischen der Weisheit des Alters, die nur in 
einer größeren Gründlichkeit und Vorsicht als Ergebnis der 
Erfahrungen eines langen Lebens gelten kann, und der 
Genialität der Jugend, die in unerschöpflicher Fruchtbarkeit 
Gedanken und Ideen ausschüttet, ohne sie zunächst auch nur 
verarbeiten zu könne, infolge der Fülle ihrer Zahl. Sie 
liefert die Baustoffe und Zukunftspläne, aus denen das 
weisere Alter die Steine nimmt, behaut und den Bau auf- 
führt, soweit nicht die sogenannte Weisheit des Alters die 
Genialität der Jugend erstickt hat. 

Das Leben, das ich bis dorthin im väterlichen Hause 
geführt hatte, unterschied sich eben wenig oder in nichts von 
dem all der anderen. Sorgenlos konnte ich den neuen Tag 
erwarten, und ein soziales Problem gab es für mich nicht. 



22 Ablegen kleinbürgerlicher Scheuklappen 

Die Umgebung meiner Jugend setzte sich zusammen aus 
den Kreisen kleinen Bürgertums, also aus einer Welt, die 
zu dem reinen Handarbeiter nur sehr wenig Beziehungen 
besitzt. Denn so sonderbar es auch auf den ersten Blick schei- 
nen mag, so ist doch die Kluft gerade zwischen diesen durch- 
aus wirtschaftlich nicht glänzend gestellten Schichten und 
dem Arbeiter der Faust oft tiefer, als man denkt. Der 
Grund dieser, sagen wir fast Feindschaft, liegt in der Furcht 
einer Gesellschaftsgruppe, die sich erst ganz kurze Zeit aus 
dem Niveau der Handarbeiter herausgehoben hat, wieder 
zurückzusinken in den alten, wenig geachteten Stand, oder 
wenigstens noch zu ihm gerechnet zu werden. Dazu kommt 
noch bei vielen die widerliche Erinnerung an das kulturelle 
Elend dieser unteren Klasse, die häufige Roheit des Um- 
gangs unter einander, wobei die eigene, auch noch so geringe 
Stellung im gesellschaftlichen Leben jede Berührung mit 
dieser überwundenen Kultur- und Lebensstufe zu einer 
unerträglichen Belastung werden läßt. 

So kommt es, daß häufig der Höherstehende unbefangener 
zu seinem letzten Mitmenschen herabsteigt, als es dem 
„Emporkömmling" auch nur möglich erscheint. 

Denn Emporkömmling ist nun einmal jeder, der sich 
durch eigene Tatkraft aus einer bisherigen Lebensstellung 
in eine höhere emporringt. 

Endlich aber läßt dieser häufig sehr herbe Kampf das 
Mitleid absterben. Das eigene schmerzliche Ringen um das 
Dasein tötet die Empfindung für das Elend der Zurück- 
gebliebenen. 

Mit mir besaß das Schicksal in dieser Hinsicht Erbarmen. 
Indem es mich zwang, wieder in diese Welt der Armut und 
der Unsicherheit zurückzukehren, die einst der Vater im 
Laufe seines Lebens schon verlassen hatte, zog es mir die 
Scheuklappen einer beschränkten kleinbürgerlichen Erzie- 
hung von den Augen. Nun erst lernte ich die Menschen 
kennen; lernte unterscheiden zwischen hohlem Scheine oder 
brutalem Äußeren und ihrem inneren Wesen. 

Wien gehörte nach der Jahrhundertwende schon zu den 
sozial ungünstigsten Städtchen. 



Soziale Gegensätze Wiens 23 

Strahlender Reichtum und abstoßende Armut lösten 
einander in schroffem Wechsel ab. Im Zentrum und in den 
inneren Bezirken fühlte man so recht den Pulsschlag des 
52-Millionen-Reiches, mit all dem bedenklichen Zauber des 
Nationalitätenstaates. Der Hof in seiner blendenden Pracht 
wirkte ähnlich einem Magneten auf Reichtum und Intelli- 
genz des übrigen Staates. Dazu kam noch die starke Zen- 
tralisierung der Habsburgermonarchie an und für sich. 

In ihr bot sich die einzige Möglichkeit, diesen Völkerbrei 
in fester Form zusammenzuhalten. Die Folge davon aber 
war eine außerordentliche Konzentration von hohen und 
höchsten Behörden in der Haupt- und Residenzstadt. 

Doch Wien war nicht nur politisch und geistig die Zen- 
trale der alten Donaumonarchie, sondern auch wirtschaftlich. 
Dem Heer von hohen Offizieren, Staatsbeamten, Künstlern 
und Gelehrten stand eine noch größere Armee von Arbei- 
tern gegenüber, dem Reichtum der Aristokratie und des 
Handels eine blutige Armut. Vor den Palästen der Ring- 
straße lungerten Tausende von Arbeitslosen, und unter 
dieser via triumphalis des alten Österreich hausten im 
Zwielicht und Schlamm der Kanäle die Obdachlosen. 

Kaum in einer deutschen Stadt war die soziale Frage 
besser zu studieren als in Wien. Aber man täusche sich nicht. 
Dieses „Studieren" kann nicht von oben herunter geschehen. 
Wer nicht selber in den Klammern dieser würgenden Nat- 
ter sich befindet, lernt ihre Giftzähne niemals kennen. Im 
anderen Falle kommt nichts heraus als oberflächliches 
Geschwätz oder verlogene Sentimentalität. Beides ist von 
Schaden. Das eine, weil nie bis zum Kerne des Pro- 
blems zu dringen vermag, das andere, weil es an ihm vor- 
übergeht. Ich weiß nicht, was verheerender ist: die Nicht- 
beachtung der sozialen Not, wie dies die Mehrzahl der vom 
Glück Begünstigten oder auch durch eigenes Verdienst Ge- 
hobenen tagtäglich sehen läßt, oder jene ebenso hochnäsige 
wie manchmal wieder zudringlich taktlose, aber immer gnä- 
dige Herablassung gewisser mit dem „Volk empfindender" 
Modeweiber in Röcken und Hosen. Diese Menschen sündigen 
jedenfalls mehr, als sie in ihrem instinktlosen Verstände 



24 Der Hilfsarbeiter 



überhaupt nur zu begreifen vermögen. Daher ist dann zu 
ihrem eigenen Erstaunen das Ergebnis einer durch sie be- 
tätigten sozialen "Gesinnung" immer null, häufig aber 
sogar empörte Ablehnung; was dann freilich als Beweis 
der Undankbarkeit des Volkes gilt. 

Daß eine soziale Tätigkeit damit gar 
nichts zu tun hat, vor allem auf Dank 
überhaupt keinen Anspruch erheben darf, 
da sie ja nicht Gnaden verteilen, sondern 
Rechte herstellen soll, leuchtet einer sol- 
chen Art von Köpfen nur ungern ein. 

Ich wurde bewahrt davor, die soziale Frage in solcher 
Weise zu lernen. Indem sie mich in den Bannkreis ihres 
Leidens zog, schien sie mich nicht zum „Lernen" einzuladen, 
als vielmehr sich an mir selber erproben zu wollen. Es 
war nicht ihr Verdienst, daß das Kaninchen dennoch heil 
und gesund die Operationen überstand. 

Wenn ich nun versuchen will, die Reihe meiner da- 
maligen Empfindungen heute wiederzugeben, so kann dies 
niemals auch nur annähernd vollständig sein; nur die 
wesentlichsten und für mich oft erschütterndsten Eindrücke 
sollen hier dargestellt werden mit den wenigen Lehren, 
wie ich sie in dieser Zeit schon zog. 

Es wurde mir damals meist nicht sehr schwer, Arbeit an 
sich zu finden, da ich ja nicht gelernter Handwerker war, 
sondern nur als sogenannter Hilfsarbeiter und manches 
Mal als Gelegenheitsarbeiter versuchen mußte, mir das 
tägliche Brot zu schaffen. 

Ich stellte mich dabei auf den Standpunkt aller jener, die 
den Staub Europas von den Füßen schütteln, mit dem un- 
erbittlichen Vorsatz, sich in der Neuen Welt auch eine neue 
Existenz zu gründen, eine neue Heimat zu erobern. Losge- 
löst von allen bisherigen lähmenden Vorstellungen des Be- 



Die Unsicherheit des Brotverdienstes 25 

rufes und Standes, von Umgebung und Tradition, grei- 
fen sie nun nach jedem Verdienst, der sich ihnen bietet, 
packen jede Arbeit an, sich so immer mehr zur Auffassung 
durchringend, daß ehrliche Arbeit niemals schändet, ganz 
gleich, welcher Art sie auch sein möge. So war auch ich 
entschlossen, mit beiden Füßen in die für mich neue Welt 
hineinzuspringen und mich durchzuschlagen. 

Daß es da irgendeine Arbeit immer gibt, lernte ich bald 
kennen, allein ebenso schnell auch, wie leicht sie wieder zu 
verlieren ist. 

Die Unsicherheit des täglichen Brotverdienstes erschien 
mir in kurzer Zeit als eine der schwersten Schattenseiten 
des neuen Lebens. 

Wohl wird der „gelernte" Arbeiter nicht so häufig auf 
die Straße gesetzt sein, als dies beim ungelernten der Fall 
ist; allein ganz ist doch auch er nicht vor diesem Schicksal 
gefeit. Bei ihm tritt eben an Stelle des Brotverlustes aus 
Arbeitsmangel die Aussperrung oder sein eigener Streik. 

Hier rächt sich die Unsicherheit des täglichen Verdienstes 
schon auf das bitterste an der ganzen Wirtschaft selber. 

Der Bauernbursche, der in die Großstadt wandert, an- 
gezogen von der vermeintlich oder wohl auch wirklich leich- 
teren Arbeit, der kürzeren Arbeitszeit, am meisten aber durch 
das blendende Licht, das die Großstadt nun einmal auszu- 
strahlen vermag, ist noch an eine gewisse Sicherheit des Ver- 
dienstes gewähnt. Er pflegt den alten Posten auch nur dann 
zu verlassen, wenn ein neuer mindestens in Aussicht steht. 
Endlich ist der Mangel an Landarbeitern groß, die Wahr- 
scheinlichkeit eines längeren Arbeitsmangels also an und 
für sich sehr gering. Es ist nun ein Fehler, zu glauben, daß 
der sich in die Großstadt begebende junge Bursche etwa schon 
von vornherein aus schlechterem Holze geschnitzt wäre als 
der sich auch weiter redlich auf der bäuerlichen Scholle er- 
nährende. Nein, im Gegenteil: die Erfahrung zeigt, daß 
alle auswandernden Elemente eher aus den gesündesten 
und tatkräftigsten Naturen bestehen, als etwa umgekehrt. 
Zu diesen „Auswanderern" aber zählt nicht nur der 
Amerikawanderer, sondern auch schon der junge Knecht, der 



26 Das Schicksal des Arbeiters 

sich entschließt, das heimatliche Dorf zu verlassen, um nach 
der fremden Großstadt zu ziehen. Auch er ist bereit, ein 
ungewisses Schicksal auf sich zu nehmen. Meist kommt er mit 
etwas Geld in die große Stadt, braucht also nicht schon am 
ersten Tage zu verzagen, wenn das Unglück ihn längere 
Zeit keine Arbeit finden läßt. Schlimmer aber wird es, 
wenn er eine gefundene Arbeitsstelle in kurzer Zeit wieder 
verliert. Das Finden einer neuen ist besonders im Winter 
häufig schwer, wenn nicht unmöglich. Die ersten Wochen 
geht es dann noch. Er erhält Arbeitslosenunterstützung aus 
den Kassen seiner Gewerkschaft und schlägt sich durch so 
gut als eben möglich. Allein, wenn der letzte eigene Heller und 
Pfennig verbraucht ist, die Kasse infolge der langen Dauer 
der Arbeitslosigkeit die Unterstützung auch einstellt, kommt 
die große Not. Nun lungert er hungernd herum, versetzt 
und verkauft oft noch das Letzte, kommt so in seiner Klei- 
dung immer mehr herunter und sinkt damit auch äußerlich 
in eine Umgebung herab, die ihn nun zum körperlichen 
Unglück noch seelisch vergiftet. Wird er dann noch obdachlos, 
und ist dies (wie es oft der Fall zu sein pflegt) im Winter, 
so wird der Jammer schon sehr groß. Endlich findet er 
wieder irgendeine Arbeit. Allein, das Spiel wiederholt sich. 
Ein zweites Mal trifft es ihn ähnlich, ein drittes Mal 
vielleicht noch schwerer, so daß er das ewig Unsichere nach 
und nach gleichgültiger ertragen lernt. Endlich wird die 
Wiederholung zur Gewohnheit. 

So lockert sich der sonst fleißige Mensch in seiner ganzen 
Lebensauffassung, um allmählich zum Instrument jener 
heranzureifen, die sich seiner nur bedienen um niedriger 
Vorteile willen. Er war so oft ohne eigenes Verschulden 
arbeitslos, daß es nun auf einmal mehr oder weniger auch 
nicht ankommt, selbst wenn es sich dabei nicht mehr um das 
Erkämpfen wirtschaftlicher Rechte, sondern um das Ver- 
nichten staatlicher, gesellschaftlicher oder allgemein kul- 
tureller Werte handelt. Er wird, wenn schon nicht streik- 
lustig, so doch streikgleichgültig sein. 

Diesen Prozeß konnte ich an tausend Beispielen mit offe- 
nen Augen verfolgen. Je länger ich das Spiel sah, um so 



Das Schicksal des Arbeiters 27 

mehr wuchs meine Abneigung gegen die Millionenstadt, 
die die Menschen erst gierig an sich zog, um sie dann so 
grausam zu zerreiben. 

Wenn sie kamen, zählten sie noch immer zu ihrem Volke; 
wenn sie blieben, gingen sie ihm verloren. 

Auch ich war so vom Leben in der Weltstadt herum- 
geworfen worden und konnte also am eigenen Leibe die 
Wirkungen dieses Schicksals erproben und seelisch durch- 
kosten. Ich sah da noch eines: der schnelle Wechsel von 
Arbeit zur Nichtarbeit und umgekehrt, sowie die dadurch 
bedingte ewige Schwankung des Ein- und Auskommens, 
zerstört auf die Dauer bei vielen das Gefühl für Sparsam- 
keit ebenso wie das Verständnis für eine kluge Lebens- 
einteilung. Der Körper gewöhnt sich scheinbar langsam 
daran, in guten Zeiten aus dem Vollen zu leben und in 
schlechten zu hungern. Ja, der Hunger wirft jeden Vorsatz 
für spätere vernünftige Einteilung in der besseren Zeit des 
Verdienstes um, indem er dem von ihm Gequälten in einer 
dauernden Fata Morgana die Bilder eines satten Wohl- 
lebens vorgaukelt und diesen Traum zu einer solchen Sehn- 
sucht zu steigern versteht, daß solch ein krankhaftes Verlan- 
gen zum Ende jeder Selbstbeschränkung wird, sobald Ver- 
dienst und Lohn dies irgendwie gestatten. Daher kommt es, 
daß der kaum eine Arbeit Erlangende sofort auf das unver- 
nünftigste jede Einteilung vergißt, um statt dessen aus vollen Zügen in 
den Tag hinein zu leben. Dies führt selbst bis zur Um- 
stoßung des kleinen Wochenhaushaltes, da sogar hier die 
kluge Einteilung ausbleibt; es langt anfangs noch für fünf 
Tage statt für sieben, später nur mehr für drei, endlich 
für kaum noch einen Tag, um am Schlüsse in der ersten 
Nacht schon verjubelt zu werden. 

Zu Hause sind dann oft Weib und Kinder. Manches Mal 
werden auch sie von diesem Leben angesteckt, besonders 
wenn der Mann zu ihnen an und für sich gut ist, ja sie auf 
seine Art und Weise sogar liebt. Dann wird der Wochen- 
lohn in zwei, drei Tagen zu Hause gemeinsam vertan; es 
wird gegessen und getrunken, solange das Geld hält, und 
die letzten Tage werden ebenso gemeinsam durchgehungert. 



28 Das Schicksal des Arbeiters 

Dann schleicht die Frau in die Nachbarschaft und Umgebung, 
borgt sich ein weniges aus, macht kleine Schulden beim 
Krämer und sucht so die bösen letzten Tage der Woche durch- 
zuhalten. Mittags sitzen sie alle beisammen vor mageren 
Schüsseln, manchmal auch vor nichts, und warten auf den 
kommenden Lohntag, reden von ihm, machen Pläne, und 
während sie hungern, träumen sie schon wieder vom kom- 
menden Glück. 

So werden die kleinen Kinder in ihrer frühesten Jugend 
mit diesem Jammer vertraut gemacht. 

Übel aber endet es, wenn der Mann von Anfang an 
seine eigenen Wege geht und das Weib, gerade den Kindern 
zuliebe, dagegen auftritt. Dann gibt es Streit und Hader, 
und in dem Maße, in dem der Mann der Frau nun 
fremder wird, kommt er dem Alkohol näher. Jeden Sams- 
tag ist er nun betrunken, und im Selbsterhaltungstrieb für 
sich und ihre Kinder rauft sich das Weib und die wenigen 
Groschen, die sie ihm, noch dazu meistens auf dem Wege von 
der Fabrik zur Spelunke, abjagen muß. Kommt er endlich 
Sonntag oder Montag nachts selber nach Hause, betrunken 
und brutal, immer aber befreit vom letzten Heller und 
Pfennig, dann spielen sich oft Szenen ab, daß Gott erbarm. 

In Hunderten von Beispielen habe ich dieses alles mit- 
erlebt, anfangs angewidert oder wohl auch empört, um 
später die ganze Tragik dieses Leides zu begreifen, die 
tieferen Ursachen zu verstehen. Unglückliche Opfer schlech- 
ter Verhältnisse. 

Fast trüber noch waren damals die Wohnungsverhält- 
nisse, das Wohnungselend des Wiener Hilfsarbeiters war 
ein entsetzliches. Mich schaudert noch heute, wenn ich an 
diese jammervollen Wohnhöhlen denke, an Herberge und 
Massenquartier, an dies düsteren Bilder von Unrat, 
widerlichem Schmutz und Ärgerem. 

Wie mußte und wie muß dies einst werden, wenn aus 
diesen Elendshöhlen der Strom losgelassener Sklaven über 
die andere, so gedankenlose Mitwelt und Mitmenschen sich 
ergießt! 

Denn gedankenlos ist diese andere Welt. 



Der Weg zur Besserung 29 

Gedankenlos läßt sie die Dinge eben treiben, ohne in 
ihrer Instinktlosigkeit auch nur zu ahnen, daß früher oder 
später das Schicksal zur Vergeltung schreiten muß, wenn 
nicht die Menschen zur Zeit noch das Schicksal versöhnen. 

Wie bin ich heute dankbar jener Vorsehung, die mich in 
diese Schule gehen ließ. In ihr konnte ich nicht mehr sabo- 
tieren, was mir nicht gefiel. Sie hat mich schnell und 
gründlich erzogen. 

Wollte ich nicht verzweifeln an den Menschen meiner 
Umgebung von damals, mußte ich unterscheiden lernen 
zwischen ihrem äußeren Wesen und Leben und den Grün- 
den ihrer Entwicklung. Nur dann ließ sich dies alles er- 
tragen, ohne verzagen zu müssen. Dann wuchsen aus all 
dem Unglück und Jammer, aus Unrat und äußerer Ver- 
kommenheit nicht mehr Menschen heraus, sondern traurige 
Ergebnisse trauriger Gesetze; wobei mich die Schwere des 
eigenen, doch nicht leichteren Lebenskampfes davor be- 
wahrte, nun etwa in jämmerlicher Sentimentalität vor 
den verkommenen Schlußprodukten dieses Entwicklungs- 
prozesses zu kapitulieren. 

Nein, so soll dies nicht verstanden werden. 

Schon damals ersah ich, daß hier nur ein doppelter 
Weg zum Ziele einer Besserung dieser Zustände führen 
könne: 

Tiefstes soziales Verantwortungsgefühl 
zur Herstellung besserer Grundlagen un- 
serer Entwicklung, gepaart mit brutaler 
Entschlossenheit in der N i e d e r b r e c h u n g 
unverbesserlicher A u s w ü c h s 1 i n g e . 

So wie die Natur ihre größte Aufmerksamkeit nicht auf 
die Erhaltung des Bestehenden, sondern auf die Züchtung 
des Nachwuchses, als des Trägers der Art, konzentriert, so 
kann es sich auch im menschlichen Leben weniger darum 
handeln, bestehendes Schlechtes künstlich zu veredeln, was 
bei der Veranlagung des Menschen zu neunundneunzig 
Prozent unmöglich ist, als darum, einer kommenden Ent- 
wicklung gesündere Bahnen von Anfang an zu sichern. 



30 Das Wesen sozialer Tätigkeit 

Schon währen meines Wiener Existenzkampfes war mir 
klar geworden, daß 

die soziale Tätigkeit nie und nimmer in 
ebenso lächerlichen wie zwecklosen Wohl- 
fahr t s d u s e 1 e i e n ihre Aufgabe zu erblicken 
hat, als vielmehr in der Beseitigung sol- 
cher grundsätzlicher Mängel in der Or- 
ganisation unseres Wirtschafts- und Kul- 
turlebens, die zu Entartungen einzelner 
führen müssen oder wenigstens verleiten 
können. 

Die Schwierigkeit des Vorgehens mit letzten und bru- 
talsten Mitteln gegen das staatsfeindliche Verbrechertum 
liegt ja nicht zu wenigsten gerade in der Unsicherheit des 
Urteils über die inneren Beweggründe oder Ursachen solcher 
Zeiterscheinungen. 

Diese Unsicherheit ist nur zu begründet im Gefühl einer 
eigenen Schuld an solchen Tragödien der Verkommenheit; 
sie lähmt aber nun jeden ernsten und festen Entschluß und 
hilft so mit an der, weil schwankend, auch schwachen und 
halben Durchführung selbst der notwendigsten Maßnahmen 
der Selbsterhaltung. 

Erst wenn einmal eine Zeit nicht mehr von den Schatten 
des eigenen Schuldbewußtseins umgeistert ist, erhält sie mit 
der inneren Ruhe auch die äußere Kraft, brutal und rück- 
sichtslos die wilden Schößlinge herauszuschneiden, das Un- 
kraut auszujäten. 

Da der österreichische Staat eine soziale Rechtsprechung 
und Gesetzgebung überhaupt so gut als gar nicht kannte, 
war auch seine Schwäche in der Niederkämpfung selbst 
böser Auswüchse in die Augen springend groß. 

Ich weiß nicht, was mich nun zu dieser Zeit am meisten 
entsetzte: das wirtschaftliche Elend meiner damaligen Mit- 
gefährten, dies sittliche und moralische Rohheit oder der Tief- 
stand ihrer geistigen Kultur. 



Der Mangel an „Nationalstolz" 31 

Wie oft fährt nicht unser Bürgertum in aller moralischen 
Entrüstung empor, wenn es aus dem Munde irgendeines 
jämmerlichen Landstreichers die Äußerung vernimmt, daß 
es sich ihm gleich bleibe, Deutscher zu sein oder auch nicht, 
daß er sich überall gleich wohl fühle, sofern er nur sein 
nötiges Auskommen habe. 

Dieser Mangel an „Nationalstolz" wird dann auf das 
tiefste beklagt und dem Abscheu vor einer solchen Gesin- 
nung kräftig Ausdruck gegeben. 

Wie viele haben sich aber schon die Frage vorgelegt, was 
denn nun eigentlich bei ihnen selber die Ursache ihrer 
besseren Gesinnung bildet? 

Wie viele begreifen denn die Unzahl einzelner Erinne- 
rungen an die Größe des Vaterlandes, der Nation, auf 
allen Gebieten des kulturellen und künstlerischen Lebens, 
die ihnen als Sammelergebnis eben den berechtigten Stolz 
vermitteln, Angehörige eines so begnadeten Volkes sein zu 
dürfen? 

Wie viele ahnen denn, wie sehr der Stolz auf das Vater- 
land abhängig ist von der Kenntnis der Größe desselben 
auf allen diesen Gebieten? 

Denken nun unsere bürgerlichen Kreise darüber nach, in 
welch lächerlichem Umfange diese Voraussetzung zum Stolz 
auf das Vaterland dem „Volke" vermittelt wird? 

Man rede sich nicht darauf hinaus, daß in „anderen 
Ländern dies ja auch nicht anders" sei, der Arbeiter dort 
aber „dennoch" zu seinem Volkstum stände. Selbst wenn 
dies so wäre, würde es nicht zur Entschuldigung eigener 
Versäumnisse dienen können. Es ist aber nicht so. Denn 
was wir immer mit einer „chauvinistischen" Erziehung 
z.B. des französischen Volkes bezeichnen, ist doch nichts 
anderes, als das übermäßige Herausheben der Größe 
Frankreichs auf allen Gebieten der Kultur, oder wie der 
Franzose zu sagen pflegt, der „Zivilisation". Der junge 
Franzose wird eben nicht zur Objektivität erzogen, sondern 
zur subjektivsten Ansicht, die man sich nur denken kann, 
soferne es sich um die Bedeutung der politischen oder 
kulturellen Größe seines Vaterlandes handelt. 



32 Der Leidensweg des Arbeiterkindes 

Diese Erziehung wird sich dabei immer auf allgemeine, 
ganz große Gesichtspunkte zu beschränken haben, die, wenn 
nötig, in ewiger Wiederholung dem Gedächtnis und dem 
Empfinden des Volkes einzuprägen sind. 

Nun kommt aber bei uns zur negativen Unterlassungs- 
sünde noch die positive Zerstörung des Wenigen, das der 
einzelne das Glück hat, in der Schule zu lernen. Die Ratten 
der politischen Vergiftung unseres Volkes fressen auch die- 
ses Wenige noch aus dem Herzen und der Erinnerung der 
breiten masse heraus, soweit nicht Not und Jammer schon 
das ihrige besorgten. 

Man stelle sich doch einmal folgendes vor: 

In einer Kellerwohnung, aus zwei dumpfen Zimmern 
bestehend, haust eine siebenköpfige Arbeiterfamilie. Unter 
den fünf Kindern auch ein Junge von, nehmen wir an, 
drei Jahren. Es ist dies das Alter, in dem die ersten Ein- 
drücke einem Kinde zum Bewußtsein kommen. Bei Begab- 
ten finden sich noch bis in das hohe Alter Spuren der Er- 
innerung aus dieser Zeit. Schon die Enge und Überfüllung 
des Raumes führt nicht zu günstigen Verhältnissen. Streit 
und Hader werden sehr häufig schon auf diese Weise ent- 
stehen. Die Menschen leben ja so nicht miteinander, sondern 
drücken aufeinander. Jede, wenn auch kleinste Auseinander- 
setzung, die in geräumiger Wohnung schon durch ein leichtes 
Absondern ausgeglichen werden kann, sich so von selbst 
wieder löst, führt hier zu einem nicht mehr ausgehenden 
widerlichen Streit. Bei den Kindern ist dies natürlich 
noch erträglich; sie streiten in solchen Verhältnissen ja 
immer und vergessen es untereinander wieder schnell und 
gründlich. Wenn dieser Kampf unter den Eltern selber 
ausgefochten wird, und zwar fast jeden Tag, in Formen, 
die an innerer Roheit oft wirklich nichts zu wünschen übrig- 
lassen, dann müssen sich, wenn auch noch so langsam, end- 
lich die Resultate eines solchen Anschauungsunterrichtes 
bei den Kleinen zeigen. Welcher Art sie sein müssen, 
wenn dieser gegenseitige Zwist die Form roher Aus- 
schreitungen des Vaters gegen die Mutter annimmt, zu 
Mißhandlungen in betrunkenem Zustande führt, kann sich 



Junge Autoritätsverächter 33 

der ein solches Milieu eben nicht Kennende nur schwer 
vorstellen. Mit sechs Jahren ahnt der kleine, zu bedauernde 
Junge Dinge, vor denen auch ein Erwachsener nur Grauen 
empfinden kann. Moralisch angegiftet, körperlich unter- 
ernährt, das arme Köpfchen verlaust, so wandert der junge 
„Staatsbürger" in die Volksschule. Das es mit Ach und 
Krach bis zum Lesen und Schreiben kommt, ist auch so 
ziemlich alles. Von einem Lernen zu Hause kann keine 
Rede sein. Im Gegenteil. Mutter und Vater reden ja selbst, 
und zwar den Kindern gegenüber, in nicht wiederzugeben- 
der Weise über Lehrer und Schule, sind viel eher bereit, 
jenen Grobheiten zu sagen, als etwa ihren kleinen Spröß- 
ling über da Knie zu legen und zur Vernunft zu bringen. 
Was der kleine Kerl sonst noch alles zu Hause hört, führt 
auch nicht zu einer Stärkung der Achtung vor der lieben 
Mitwelt. Nichts Gutes wird hier an der Menschheit ge- 
lassen, keine Institution bleibt unangefochten; vom Lehrer 
angefangen bis hinauf zur Spitze des Staates. Mag es sich 
um Religion handeln oder um Moral an sich, um den Staat 
oder die Gesellschaft, einerlei, es wird alles beschimpft, in 
der unflätigsten Weise in den Schmutz einer niedrigsten 
Gesinnung gezerrt. Wenn der junge Mensch nun mit vier- 
zehn Jahren aus der Schule entlassen wird, ist es schon 
schwer mehr zu entscheiden, was größer ist an ihm: die un- 
glaubliche Dummheit, insofern es sich um wirkliches Wissen 
und Können handelt, oder die ätzende Frechheit seines 
Auftretens, verbunden mit einer Unmoral schon in diesem 
Alter, daß einem die Haare zu Berge stehen könnten. 

Welche Stellung aber kann dieser Mensch, dem jetzt schon 
kaum mehr etwas heilig ist, der eben so sehr nichts Großes 
kennen gelernt hat, wie er umgekehrt jede Niederung des 
Lebens ahnt und weiß, im Leben einnehmen, in das er ja 
nun hinauszutreten sich anschickt? 

Aus dem dreijährigen Kinde ist ein fünfzehnjähriger Ver- 
ächter jeder Autorität geworden. Der junge Mensch ist nur 
mit Schmutz und Unrat in Berührung gekommen und hat 
noch nichts kennengelernt, das ihn zu irgendeiner höheren 
Begeisterung anzuregen vermöchte. 



34 Die Vorbedingung der „Nationalisierung" 

Jetzt aber kommt er erst noch in die hohe Schule dieses 
Daseins. 

Nun setzt das gleiche Leben ein, daß er vom Vater die 
Jahre der Kindheit entlang in sich aufgenommen hatte. Er 
streunt herum und kommt weiß Gott wann nach Hause, 
prügelt zur Abwechslung auch noch selber das zusammen- 
gerissene Wesen, das einst seine Mutter war, flucht über 
Gott und die Welt und wird endlich aus irgendeinem be- 
sonderen Anlaß verurteilt und in ein Jugendlichengefäng- 
nis verbracht. 

Dort erhält er den letzten Schliff. 

Die liebe bürgerliche Mitwelt aber ist ganz erstaunt über 
die mangelnde „nationale Begeisterung" dieses jungen 
„Staatsbürgers". 

Sie sieht, wie in Theater und Kino, in Schundliteratur 
und Schmutzpresse Tag für Tag das Gift kübelweise in das 
Volk hineingeschüttet wird und staunt dann über den 
geringen „sittlichen Gehalt", die „nationale Gleichgültig- 
keit" der Massen dieses Volkes. Als ob Kinokitsch, Schund- 
presse und Ähnliches die Grundlagen der Erkenntnis vater- 
ländischer Größe abgeben würden. Von der früheren Er- 
ziehung des einzelnen ganz abgesehen. 

Was ich ehedem nie geahnt hatte, lernte ich damals 
schnell und gründlich verstehen: 

Die Frage der „Nationalisierung" eines 
Volkes ist mit in erster Linie eine Frage 
der Schaffung gesunder sozialer Verhält- 
nisse als Fundament einer Erziehungs- 
möglichkeit des einzelnen. Denn nur wer 
durch Erziehung und Schule die kultu- 
relle, wirtschaftliche, vor allem aber 
politische Größe des eigenen Vaterlan- 
des kennen lernt, vermag und wird auch 
jenen inneren Stolz gewinnen, Angehö- 
riger eines solchen Volkes sein zu dür- 
fen. Und kämpfen kann ich nur für 
etwas, das ich liebe, lieben nur, was ich 



Zeichner und Aquarellist 35 

achte, und achten, was ich mindestens 
kenne. 

Soweit mein Interesse für die soziale Frage erweckt war, 
begann ich sie auch mit aller Gründlichkeit zu studieren. 
Es war eine neue, bisher unbekannte Welt, die sich mir 
so erschloß. 

In den Jahren 1909 auf 1910 hatte sich auch meine eigene 
Lage insofern etwas geändert, als ich nun selber nicht 
mehr als Hilfsarbeiter mir mein tägliches Brot zu ver- 
dienen brauchte. Ich arbeitete damals schon selbständig als 
kleiner Zeichner und Aquarellist. So bitter dies in bezug 
auf den Verdienst war - es langte wirklich kaum zum 
Leben - so gut war es aber für meinen erwählten Beruf. 
Nun war ich nicht mehr wie früher des Abends nach der 
Rückkehr von der Arbeitsstelle todmüde, unfähig, in ein 
Buch zu sehen, ohne in kurzer Zeit einzunicken. Meine jetzige 
Arbeit verlief ja parallel meinem künftigen Berufe. Auch 
konnte ich nun als Herr meiner eigenen Zeit mir diese 
wesentlich besser einteilen, als dies früher möglich war. 

Ich malte zum Brotverdienen und lernte zur Freude. 

So war es mir auch möglich, zu meinem Anschauungs- 
unterricht über das soziale Problem die notwendige theore- 
tische Ergänzung gewinnen zu können. Ich studierte so 
ziemlich alles, was ich über dieses ganze Gebiet an Büchern 
erhalten konnte, und vertiefte mich im übrigen in meine 
eigenen Gedanken. 

Ich glaube, meine Umgebung von damals hielt mich 
wohl für einen Sonderling. 

Daß ich dabei mit Feuereifer meiner Liebe zur Baukunst 
diente, war natürlich. Sie erschien mir neben der Musik 
als die Königin der Künste: meine Beschäftigung mit ihr 
war unter solchen Umständen auch keine „Arbeit", sondern 
höchstes Glück. Ich konnte bis in die späte Nacht hinein 
lesen oder zeichnen, müde wurde ich da nie. So verstärkte 
sich mein Glaube, daß mir mein schöner Zukunftstraum, 
wenn auch nach langen Jahren, doch Wirklichkeit werden 



36 Die Kunst des Lesens 

würde. Ich war fest überzeugt, als Baumeister mir dereinst 
einen Namen zu machen. 

Daß ich nebenbei auch das größte Interesse für alles, was 
mit Politik zusammenhing, besaß, schien mir nicht viel zu 
bedeuten. Im Gegenteil: dies war in meinen Augen ja die 
selbstverständliche Pflicht jedes denkenden Menschen über- 
haupt. Wer dafür kein Verständnis besaß, verlor eben das 
Recht zu jeglicher Kritik und jeglicher Beschwerde. 

Auch hier las und lernte ich also viel. 

Freilich verstehe ich unter „lesen" vielleicht etwas an- 
deres als der große Durchschnitt unserer sogenannten „In- 
telligenz". 

Ich kenne Menschen, die unendlich viel „lesen", und zwar 
Buch für Buch, Buchstaben um Buchstaben, und die ich doch 
nicht als „belesen" bezeichnen möchte. Sie besitzen freilich 
eine Unmenge von „Wissen", allein ihr Gehirn versteht 
nicht, eine Einteilung und Registratur dieses in sich auf- 
genommenen Materials durchzuführen. Es fehlt ihnen die 
Kunst, im Buche das für sie Wertvolle vom Wertlosen zu 
sondern, das eine dann im Kopfe zu behalten für immer, 
das andere, wenn möglich, gar nicht zu sehen, auf jeden 
Fall aber nicht als zwecklosen Ballast mitzuschleppen. Auch 
das Lesen ist ja nicht Selbstzweck, sondern Mittel zu einem 
solchen. Es soll in erster Linie mithelfen, den Rahmen zu 
füllen, den Veranlagung und Befähigung jedem ziehen; 
mithin soll es Werkzeug und Baustoffe liefern, die der ein- 
zelne in seinem Lebensberuf nötig hat, ganz gleich, ob 
dieser nur dem primitiven Broterwerb dient oder die Be- 
friedigung einer höheren Bestimmung darstellt; in zweiter 
Linie aber soll es ein allgemeines Weltbild vermitteln. 
In beiden Fällen ist es aber nötig, daß der Inhalt des 
jeweilig Gelesenen nicht in der Reihenfolge des Buches 
oder gar der Bücherfolge dem Gedächtnis zur Aufbewah- 
rung übergeben wird, sondern als Mosaiksteinchen in dem 
allgemeinen Weltbilde seinen Platz an der ihm zukommen- 
den Stelle erhält und so eben mithilft, dieses Bild im 
Kopfe des Lesers zu formen. Im anderen Falle entsteht ein 
wirres Durcheinander von eingelerntem Zeug, das ebenso 



Die Kunst des Lesens 37 

wertlos ist, wie es andererseits den unglücklichen Besitzer 
eingebildet macht. Denn dieser glaubt nun wirklich allen 
Ernstes, „gebildet" zu sein, vom Leben etwas zu verstehen, 
Kenntnisse zu besitzen, während er mit jedem neuen Zu- 
wachs dieser Art von „Bildung" in Wahrheit der Welt sich 
mehr und mehr entfremdet, bis er nicht selten entweder in 
einem Sanatorium oder als „Politiker" in einem Parla- 
ment endet. 

Niemals wird es so einem Kopfe gelingen, aus dem 
Durcheinander seines „Wissens" das für die Forderung 
einer Stunde Passende herauszuholen, da ja sein geistiger 
Ballast nicht in den Linien des Lebens geordnet liegt, son- 
dern in der Reihenfolge der Bücher, wie er sie las und wie 
ihr Inhalt ihm nun im Kopf sitzt. Würde das Schicksal 
bei seinen Anforderungen des täglichen Lebens ihn immer 
an die richtige Anwendung des einst Gelesenen erinnern, 
so müßte es aber auch noch Buch und Seitenzahl erwähnen, 
da der arme Tropf sonst in aller Ewigkeit das Richtige 
nicht finden würde. Da es dies nun aber nicht tut, geraten 
diese neunmal Klugen bei jeder kritischen Stunde in die 
schrecklichste Verlegenheit, suchen krampfhaft nach ana- 
logen Fällen und erwischen mit tödlicher Sicherheit natür- 
lich die falschen Rezepte. 

Wäre es nicht so, könnte man die politischen Leistungen 
unserer gelehrten Regierungsheroen in höchsten Stellen 
nicht begreifen, außer man entschlösse sich, anstatt patho- 
logischer Veranlagung schurkenhaft Niedertracht anzu- 
nehmen. 

Wer aber die Kunst des richtigen Lesens inne hat, den 
wird das Gefühl beim Studieren jedes Buches, jeder Zeit- 
schrift oder Broschüre augenblicklich auf all das aufmerk- 
sam machen, was seiner Meinung nach für ihn zur dauern- 
den Festhaltung geeignet ist, weil entweder zweckmäßig 
oder allgemein wissenswert. Sowie das auf solche Weise 
Gewonnene seine sinngemäße Eingliederung in das immer 
schon irgendwie vorhandene Bild, das sich die Vorstel- 
lung von dieser oder jener Sache geschaffen hat, findet, 
wird es entweder korrigierend oder ergänzend wirken, also 



38 Die Kunst des Lesens 

entweder die Richtigkeit oder Deutlichkeit desselben er- 
höhen. Legt nun das Leben plötzlich irgendeine Frage zur 
Prüfung oder Beantwortung vor, so wird bei einer solchen 
Art des Lesens das Gedächtnis augenblicklich zum Maß- 
stabe des schon vorhandenen Anschauungsbildes greifen und 
aus ihm alle die in Jahrzehnten gesammelten einzelnen 
diese Fragen betreffenden Beiträge herausholen, dem Ver- 
stände unterbreiten zur Prüfung und neuen Einsichtnahme, 
bis die Frage geklärt oder beantwortet ist. 

Nur so hat das Lesen dann Sinn und Zweck. 

Ein Redner zum Beispiel, der nicht auf solche Weise 
seinem Verstände die nötigen Unterlagen liefert, wird nie 
in der Lage sein, bei Widerspruch zwingend seine Ansicht 
zu vertreten, mag sie auch tausendmal der Wahrheit oder 
Wirklichkeit entsprechen. Bei jeder Diskussion wird ihn das 
Gedächtnis schnöde im Stiche lassen: er wird weder Gründe 
zur Erhärtung des von ihm Behaupteten, noch solche 
zur Widerlegung des Gegners finden. Solange es sich 
dabei, wie bei einem Redner, in erster Linie nur um die 
Blamage der eigenen Person handelt, mag dies noch hin- 
gehen, böse aber wird es, wenn das Schicksal einen solchen 
Vielwisser aber Nichtskönner zum Leiter eines Staates 
bestellt. 

Ich habe mich seit früher Jugend bemüht, auf richtige 
Art zu lesen und wurde dabei in glücklichster Weise von 
Gedächtnis und Verstand unterstützt. Und in solchem Sinne 
betrachtet, war für mich besonders die Wiener Zeit frucht- 
bar und wertvoll. Die Erfahrungen des täglichen Lebens 
bildeten die Anregung zu immer neuem Studium der ver- 
schiedensten Probleme. Indem ich endlich so in der Lage 
war, die Wirklichkeit theoretisch zu begründen, die Theorie 
an der Wirklichkeit zu prüfen, wurde ich davor bewahrt, 
entweder in der Theorie zu ersticken oder in der Wirklich- 
keit zu verflachen. 

So wurde in dieser Zeit in zwei wichtigsten Fragen, 
außer der sozialen, die Erfahrung des täglichen Lebens 
bestimmend und anregend für gründlichstes theoretisches 
Studium. 



Die Sozialdemokratie 39 

Wer weiß, wann ich mich in die Lehren und das Wesen 
des Marxismus einmal vertieft hätte, wenn mich nicht die 
damalige Zeit förmlich mit dem Kopfe auf dieses Problem 
gestoßen hätte! 

Was ich in meiner Jugend von der Sozialdemokratie 
wußte, war herzlich wenig und reichlich unrichtig. 

Daß sie den Kampf um das allgemeine und geheime 
Wahlrecht führte, freute mich innerlich. Sagte mir doch 
mein Verstand schon damals, daß dies zu einer Schwächung 
des mir so sehr verhaßten Habsburgerregiments führen 
müßte. In der Überzeugung, daß der Donaustaat, außer 
unter Opferung des Deutschtums, doch nie zu halten sein 
werde, daß aber selbst der Preis einer langsamen Slawi- 
sierung des deutschen Elements noch keineswegs die Garan- 
tie eines dann auch wirklich lebensfähigen Reiches bedeu- 
tet hätte, da die staatserhaltende Kraft des Slawentums 
höchst zweifelhaft eingeschätzt werden muß, begrüßte ich 
jede Entwicklung, die meiner Überzeugung nach zum Zu- 
sammenbruch dieses unmöglichen, das Deutschtum in zehn 
Millionen Menschen zum Tode verurteilenden Staates 
führen mußte. Je mehr das Sprachentohuwabohu auch das 
Parlament zerfraß und zerfetzte, mußte die Stunde des 
Zerfalles dieses babylonischen Reiches näherrücken und 
damit aber auch die Stunde der Freiheit meines deutsch- 
österreichischen Volkes. Nur so konnte dann dereinst der 
Anschluß an das alte Mutterland wieder kommen. 

So war mir also diese Tätigkeit der Sozialdemokratie 
nicht unsympathisch. Daß sie endlich, wie mein damaliges 
harmloses Gemüt noch dumm genug war zu glauben, die 
Lebensbedingungen des Arbeiters zu heben trachtete, schien 
mir ebenfalls eher für sie als gegen sie zu sprechen. Was 
mich am meisten abstieß, war ihre feindselige Stellung 
gegenüber dem Kampf um die Erhaltung des Deutschtums, 
das jämmerliche Buhlen um die Gunst der slawischen „Ge- 
nossen", die diese Liebeswerbung, sofern sie mit prak- 
tischen Zugeständnissen verbunden war, wohl entgegen- 



40 Erstes Zusammentreffen mit Sozialdemokraten 

nahmen, sonst sich aber arrogant hochnäsig zurückhielten, 
den zudringlichen Bettlern auf diese Weise den verdienten 
Lohn gebend. 

So war mir im Alter von siebzehn Jahren das Wort 
„Marxismus" noch wenig bekannt, während mir „Sozial- 
demokratie" und Sozialismus als identische Begriffe er- 
schienen. Es bedurfte auch hier erst der Faust des Schick- 
sals, um mir das Auge über diesen unerhörtesten Völker- 
betrug zu öffnen. 

Hatte ich bis dorthin die sozialdemokratische Partei nur 
als Zuschauer bei einigen Massendemonstrationen kennen- 
gelernt, ohne auch nur den geringsten Einblick in die Men- 
talität ihrer Anhänger oder gar in das Wesen der Lehre zu 
besitzen, so kam ich nun mit einem Schlage mit den Produk- 
ten ihrer Erziehung und „Weltanschauung" in Berührung. 
Und was sonst vielleicht erst nach Jahrzehnten eingetreten 
wäre, erhielt ich jetzt im Laufe weniger Monate: das Ver- 
ständnis für eine unter der Larve sozialer Tugend und 
Nächstenliebe wandelnde Pestilenz, von der möglichst die 
Menschheit schnell die Erde befreien möge, da sonst gar 
leicht die Erde von der Menschheit frei werden könnte. 

Am Bau fand mein erstes Zusammentreffen mit Sozial- 
demokraten statt. 

Es war schon von Anfang an nicht sehr erfreulich. Meine 
Kleidung war noch etwas in Ordnung, meine Sprache ge- 
pflegt und mein Wesen zurückhaltend. Ich hatte mit meinem 
Schicksal noch so viel zu tun, daß ich mich um meine Um- 
welt nur wenig zu kümmern vermochte. Ich suchte nur nach 
Arbeit, um nicht zu verhungern, um damit die Möglichkeit 
einer, wenn auch noch so langsamen, Weiterbildung zu er- 
halten. Ich würde mich um meine neue Umgebung viel- 
leicht überhaupt nicht gekümmert haben, wenn nicht schon 
am dritten oder vierten Tage ein Ereignis eingetreten 
wäre, das mich sofort zu einer Stellungnahme zwang. Ich 
wurde aufgefordert, in die Organisation einzutreten. 

Meine Kenntnisse der gewerkschaftlichen Organisation 
waren damals noch gleich Null. Weder die Zweckmäßigkeit 
noch die Unzweckmäßigkeit ihres Bestehens hätte ich zu be- 



Erstes Zusammentreffen mit Sozialdemokraten 41 

weisen vermocht. Da man mir erklärte, daß ich eintreten 
müsse, lehnte ich ab. Ich begründete dies damit, daß ich die 
Sache nicht verstünde, mich aber überhaupt zu nichts zwin- 
gen lasse. Vielleicht war das erstere der Grund, warum man 
mich nicht sofort hinauswarf. Man mochte vielleicht hoffen, 
mich in einigen Tagen bekehrt oder mürbe gemacht zu 
haben. Jedenfalls hatte man sich darin gründlich getäuscht. 
Nach vierzehn Tagen konnte ich dann aber nicht mehr, 
auch wenn ich sonst noch gewollt hätte. In diesen vierzehn 
Tagen lernte ich meine Umgebung näher kennen, so daß 
mich keine Macht der Welt mehr zum Eintritt in eine 
Organisation hätte bewegen können deren Träger mir in- 
zwischen in so ungünstigem Lichte erschienen waren. 

Die ersten Tage war ich ärgerlich. 

Mittags ging ein Teil in die zunächst gelegenen Wirts- 
häuser, während ein anderer am Bauplatz verblieb und 
dort ein meist sehr ärmliches Mittagsmahl verzehrte. Es 
waren dies die Verheirateten, denen ihre Frauen in arm- 
seligen Geschirren die Mittagssuppe brachten. Gegen Ende 
der Woche wurde diese Zahl immer größer; warum, begriff 
ich erst später. Nun wurde politisiert. 

Ich trank meine Flasche Milch und aß mein Stück Brot 
irgendwo seitwärts und studierte vorsichtig meine neue 
Umgebung oder dachte über mein elendes Los nach. Dennoch 
hörte ich mehr als genug; auch schien es mir oft, als ob 
man mit Absicht an mich heranrückte, um mich so vielleicht 
zu einer Stellungnahme zu veranlassen. Jedenfalls war das, 
was ich so vernahm, geeignet, mich aufs äußerste aufzu- 
reizen. Man lehnte da alles ab: die Nation, als eine 
Erfindung der „kapitalistischen" - wie oft mußte ich nur 
allein dieses Wort hören! - Klassen; das Vaterland, als 
Instrument der Bourgeoisie zur Ausbeutung der Arbeiter- 
schaft; die Autorität des Gesetzes als Mittel zur Unter- 
drückung des Proletariats; die Schule, als Institut zur 
Züchtung des Sklavenmaterials, aber auch der Sklaven- 
halter; die Religion, als Mittel der Verblödung des zur 
Ausbeutung bestimmten Volkes; die Moral, als Zeichen 
dummer Schafsgeduld usw. Es gab da aber rein gar nichts, 



42 Der erste Terror 



was nicht in den Kot einer entsetzlichen Tiefe gezogen 
wurde. 

Anfangs versuchte ich zu schweigen. Endlich ging es aber 
nicht mehr. Ich begann Stellung zu nehmen, begann zu 
widersprechen. Da mußte ich allerdings erkennen, daß dies 
so lange vollkommen aussichtslos war, solange ich nicht 
wenigstens bestimmte Kenntnisse über die nun einmal um- 
strittenen Punkte besaß. So begann ich in den Quellen zu 
spüren, aus denen sie ihre vermeintliche Weisheit zogen. 
Buch um Buch, Broschüre um Broschüre kam jetzt an die 
Reihe. 

Am Bau aber ging es nun oft heiß her. Ich stritt, von 
Tag zu Tag besser auch über ihr eigenes Wissen informiert 
als meine Widersacher selber, bis eines Tages jenes Mittel 
zur Anwendung kam, das freilich die Vernunft am leichtesten 
besiegt: der Terror, die Gewalt. Einige der Wortführer 
der Gegenseite zwangen mich, entweder den Bau sofort zu 
verlassen oder vom Gerüst hinunterzufliegen. Da ich allein 
war, Widerstand aussichtslos erschien, zog ich es, um eine 
Erfahrung reicher, vor, dem ersten Rat zu folgen. 

Ich ging, von Ekel erfüllt, aber zugleich doch so ergriffen, 
daß es mir ganz unmöglich gewesen wäre, der ganzen 
Sache nun den Rücken zu kehren. Nein, nach dem Auf- 
schießen der ersten Empörung gewann die Halsstarrigkeit 
wieder die Oberhand. Ich war fest entschlossen, dennoch 
wieder auf einen Bau zu gehen. Bestärkt wurde ich in die- 
sem Entschlüsse noch durch die Not, die einige Wochen spä- 
ter, nach dem Verzehren des geringen ersparten Lohnes, 
mich in ihre herzlosen Arme schloß. Nun mußte ich, ob ich 
wollte oder nicht. Und das Spiel ging denn auch wieder 
von vorne los, um ähnlich wie beim ersten Male zu enden. 

Damals rang ich in meinem Innern: Sind dies noch 
Menschen, wert, einem großen Volke anzugehören? 

Eine qualvolle Frage; denn wird sie mit Ja beantwortet, 
so ist der Kampf um ein Volkstum wirklich nicht mehr der 
Mühen und Opfer wert, die die Besten für einen solchen 
Auswurf zu bringen haben; heißt die Antwort aber Nein, 
dann ist unser Volk schon arm an Menschen. 



Die sozialdemokratische Presse 43 

Mit unruhiger Beklommenheit sah ich in solchen Tagen 
des Grübelns und Hineinbohrens die Masse der nicht mehr 
zu ihrem Volke zu Rechnenden anschwellen zu einem be- 
drohlichen Heere. 

Mit welch anderen Gefühlen starrte ich nun in die 
endlosen Viererreihen einer eines Tages stattfindenden 
Massendemonstration Wiener Arbeiter! Fast zwei Stunden 
lang stand ich so da und beobachtete mit angehaltenem 
Atem den ungeheuren menschlichen Drachenwurm, der sich 
da langsam vorbeiwälzte. In banger Gedrücktheit verließ ich 
endlich den Platz und wanderte heimwärts. Unterwegs 
erblickte ich in einem Tabakladen die „Arbeiterzeitung", 
das Zentralorgan der alten österreichischen Sozialdemokratie. 
In einem billigen Volkscafe, in das ich öfters ging, um 
Zeitungen zu lesen, lag sie auch auf; allein ich konnte es 
bisher nicht über mich bringen, in das elende Blatt, dessen 
ganzer Ton auf mich wie geistiges Vitriol wirkte, länger als 
zwei Minuten hineinzusehen. Unter dem deprimierenden 
Eindruck der Demonstration trieb mich nun eine innere 
Stimme an, das Blatt einmal zu kaufen und es dann gründ- 
lich zu lesen. Abends besorgte ich dies denn auch unter 
Überwindung des in mir manchmal aufsteigenden Jähzorns 
über diese konzentrierte Lügenlösung. 

Mehr als aus aller theoretischen Literatur konnte ich 
nun aus dem täglichen Lesen der sozialdemokratischen Presse 
das innere Wesen dieser Gedankengänge studieren. 

Denn welch ein Unterschied zwischen den in der theore 
tischen Literatur schillernden Phrasen von Freiheit, Schön- 
heit und Würde, dem irrlichternden, scheinbar tiefste Weis- 
heit mühsam ausdrückenden Wortgeflunker, der widerlich 
humanen Moral - alles mit der eisernen Stirne einer 
prophetischen Sicherheit hingeschrieben - und der bruta- 
len, vor keiner Niedertracht zurückschreckenden, mit jedem 
Mittel der Verleumdung und einer wahrhaft balkenbiegen- 
den Lügenvirtuosität arbeitenden Tagespresse dieser Heils- 
lehre der neuen Menschheit! Das eine ist bestimmt für die 
dummen Gimpel aus mittleren und natürlich auch höheren 
„Intelligenzschichten", das andere für die Masse. 



44 Die Psyche der Masse 

Für mich bedeutete das Vertiefen in Literatur und Presse 
dieser Lehre und Organisation das Wiederfinden zu mei- 
nem Volke. 

Was mir erst als unüberbrückbare Kluft erschien, sollte 
nun Anlaß zu einer größeren Liebe als jemals zuvor 
werden. 

Nur ein Narr vermag bei Kenntnis dieser ungeheuren 
Vergiftungsarbeit das Opfer auch noch zu verdammen. Je 
mehr ich mich in den nächsten Jahren selbständig machte, 
um so mehr wuchs mit steigender Entfernung der Blick für 
die inneren Ursachen der sozialdemokratischen Erfolge. Nun 
begriff ich die Bedeutung der brutalen Forderung, nur rote 
Zeitungen zu halten, nur rote Versammlungen zu besuchen, 
rote Bücher zu lesen usw. In plastischer Klarheit sah ich 
das zwangsläufige Ergebnis dieser Lehre der Unduldsam- 
keit vor Augen. 

Die Psyche der breiten Masse ist nicht empfänglich für 
alles Halbe und Schwache. 

Gleich dem Weibe, dessen seelisches Empfinden weniger 
durch Gründe abstrakter Vernunft bestimmt wird als durch 
solche einer undefinierbaren, gefühlsmäßigen Sehnsucht nach 
ergänzender Kraft, und das sich deshalb lieber dem Star- 
ken beugt als den Schwächling beherrscht, liebt auch die 
Masse mehr den Herrscher als den Bittenden und fühlt 
sich im Innern mehr befriedigt durch eine Lehre, die keine 
andere neben sich duldet, als durch die Genehmigung libe- 
raler Freiheit; sie weiß mit ihr auch meist nur wenig an- 
zufangen und fühlt sich sogar leicht verlassen. Die Unver- 
schämtheit ihrer geistigen Terrorisierung kommt ihr ebenso- 
wenig zum Bewußtsein wie die empörende Mißhandlung 
ihrer menschlichen Freiheit, ahnt sie doch den inneren Irr- 
sinn der ganzen Lehre in keiner Weise. So sieht sie nur 
die rücksichtslose Kraft und Brutalität ihrer zielbewußten 
Äußerungen, der sie sich endlich immer beugt. 

Wird der Sozialdemokratie eine Lehre 
von besserer Wahrhaftigkeit, aber gleicher 
Brutalität der Durchführung entgegen- 



Die Taktik der Sozialdemokratie 45 

gestellt, wird diese siegen, wenn auch nach 
schwerstem Kampfe. 

Ehe nur zwei Jahre vergangen waren, war mir sowohl 
die Lehre als auch das technische Werkzeug der Sozial- 
demokratie klar. 

Ich begriff den infamen geistigen Terror, den diese Be- 
wegung vor allem auf das solchen Angriffen weder mora- 
lisch noch seelisch gewachsene Bürgertum ausübt, indem sie 
auf ein gegebenes Zeichen immer ein förmliches Trommel- 
feuer von Lügen und Verleumdungen gegen den ihr am 
gefährlichsten erscheinenden Gegner losprasseln läßt, so 
lange, bis die Nerven der Angegriffenen brechen und sie, 
um nur wieder Ruhe zu haben, den Verhaßten opfern. 

Allein die Ruhe erhalten diese Toren dennoch nicht. 

Das Spiel beginnt von neuem und wird so oft wieder- 
holt, bis die Furcht vor dem wilden Köter zur suggestiven 
Lähmung wird. 

Da die Sozialdemokratie den Wert der Kraft aus eigener 
Erfahrung am besten kennt, läuft sie auch am meisten 
Sturm gegen diejenigen, in deren Wesen sie etwas von 
diesem ohnehin so seltenen Stoffe wittert. Umgekehrt lobt 
sie jeden Schwächling der anderen Seite, bald vorsichtig, 
bald lauter, je nach der erkannten oder vermuteten gei- 
stigen Qualität. 

Sie fürchtet ein ohnmächtiges, willenloses Genie weniger 
als eine Kraftnatur, wenn auch bescheidenen Geistes. 

Am eindringlichsten empfiehlt sie Schwächlinge an Geist 
und Kraft zusammen. 

Sie versteht den Anschein zu erwecken, als ob nur so 
die Ruhe zu erhalten wäre, während sie dabei in kluger 
Vorsicht, aber dennoch unentwegt, eine Position nach der 
anderen erobert, bald durch stille Erpressung, bald durch 
tatsächlichen Diebstahl in Momenten, da die allgemeine 
Aufmerksamkeit anderen Dingen zugewendet, entweder 
nicht gestört sein will oder die Angelegenheit für zu klein 
hält, um großes Aufsehen zu erregen und den bösen 
Gegner neu zu reizen. 

Es ist eine unter genauer Berechnung aller menschlichen 



46 Die Taktik der Sozialdemokratie 

Schwächen gefundene Taktik, deren Ergebnis fast mathe- 
matisch zum Erfolge führen muß, wenn eben nicht auch die 
Gegenseite lernt, gegen Giftgas mit Giftgas zu kämpfen. 

Schwächlichen Naturen muß dabei gesagt werden, daß es 
sich hierbei eben um Sein oder Nichtsein handelt. 

Nicht minder verständlich wurde mir die Bedeutung des 
körperlichen Terrors dem einzelnen, der Masse gegenüber. 

Auch hier genaue Berechnung der psychologischen Wir- 
kung. 

Der Terror auf der Arbeitsstätte, in der 
Fabrik, im Versammlungslokal und an- 
läßlich von Massenkundgebung wird immer 
von Erfolg begleitet sein, solange ihm nicht 
ein gleich großer Terror entgegentritt. 

Dann freilich wird die Partei in entsetzlichem Geschrei 
Zeter und Mordio jammern, wird als alte Verächterin 
jeder Staatsautorität kreischend nach dieser rufen, um in 
den meisten Fällen in der allgemeinen Verwirrung tat- 
sächlich das Ziel zu erreichen - nämlich: sie wird das 
Hornvieh eines höheren Beamten finden, der, in der blöd- 
seligen Hoffnung, sich vielleicht dadurch für später den 
gefürchteten Gegner geneigt zu machen, den Widersacher 
dieser Weltpest brechen hilft. 

Welchen Eindruck ein solcher Schlag auf die Sinne der 
breiten Masse sowohl der Anhänger als auch der Gegner 
ausübt, kann dann nur der ermessen, der die Seele eines 
Volkes nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben kennt. 
Denn während in den Reihen ihrer Anhänger der er- 
langte Sieg nunmehr als ein Triumph des Rechtes der 
eigenen Sache gilt, verzweifelt der geschlagene Gegner in 
den meisten Fällen am Gelingen eines weiteren Wider- 
standes überhaupt. 

Je mehr ich vor allem die Methoden des körperlichen 
Terrors kennenlernte, um so größer wurde meine Abbitte 
den Hunderttausenden gegenüber, die ihm erlagen. 

Das danke ich am inständigsten meiner damaligen 
Lebenszeit, daß sie allein mir mein Volk wiedergegeben 



Die Sünden des Bürgertums 47 

hat, daß ich die Opfer unterscheiden lernte von den Ver- 
führern. 

Anders als Opfer sind die Ergebnisse dieser Menschen- 
verführung nicht zu bezeichnen. Denn wenn ich nun in 
einigen Bildern mich bemühte, das Wesen dieser „unter- 
sten" Schichten aus dem Leben heraus zu zeichnen, so würde 
dies nicht vollständig sein, ohne die Versicherung, daß ich 
aber in diesen Tiefen auch wieder Lichter fand in den 
Formen einer oft seltenen Opferwilligkeit, treuester Kame- 
radschaft, außerordentlicher Genügsamkeit und zurückhal- 
tender Bescheidenheit, besonders soweit es die damals ältere 
Arbeiterschaft betraf. Wenn auch diese Tugenden in der 
jungen Generation mehr und mehr, schon durch die allge- 
meinen Einwirkungen der Großstadt, verloren wurden, so 
gab es selbst hier noch viele, bei denen das vorhandene 
kerngesunde Blut über die gemeinen Niederträchtigkeiten 
des Lebens Herr wurde. Wenn dann diese oft seelenguten, 
braven Menschen in ihrer politischen Betätigung dennoch 
in die Reihen der Todfeinde unseres Volkstums eintraten 
und diese so schließen halfen, dann lag dies daran, daß sie 
ja die Niedertracht der neuen Lehre weder verstanden noch 
verstehen konnten, daß niemand sonst sich die Mühe nahm, 
sich um sie zu kümmern, und daß endlich die sozialen Ver- 
hältnisse stärker waren als aller sonstige etwa vorhan- 
dene gegenteilige Wille. Die Not, der sie eines Tages so 
oder so verfielen, trieb sie in das Lager der Sozialdemo- 
kratie doch noch hinein. 

Da nun das Bürgertum unzählige Male in 
der ungeschicktesten, aber auch unmoralisch- 
sten Weise gegen selbst allgemein mensch- 
lich berechtigte Forderungen Front machte, 
ja oft ohne einen Nutzen aus einer solchen 
Haltung zu erlangen oder gar überhaupt 
erwarten zu dürfen, wurde selbst der an- 
ständigste Arbeiter aus der gewerkschaft- 
lichen Organisation in die politische Tä- 
tigkeit hineingetrieben. 

Millionen von Arbeitern waren sicher in ihrem Inneren 



48 Die Gewerkschaftsfrage 

anfangs Feinde der sozialdemokratischen Partei, wurden 
aber in ihrem Widerstände besiegt durch eine manches Mal 
denn doch irrsinnige Art und Weise, in der seitens der bür- 
gerlichen Parteien gegen jede Forderung sozialer Art Stel- 
lung genommen wurde. Die einfach bornierte Ablehnung 
aller Versuche einer Besserung der Arbeitsverhältnisse, der 
Schutzvorrichtungen an Maschinen, der Unterbindung von 
Kinderarbeit sowie des Schutzes der Frau wenigstens in 
den Monaten, da sie unter dem Herzen schon den kom- 
menden Volksgenossen trägt, half mit, der Sozialdemokra- 
tie, die dankbar jeden solchen Fall erbärmlicher Gesinnung 
aufgriff, die Massen in das Netz zu treiben. Niemals kann 
unser politisches „Bürgertum" wieder gut machen, was so 
gesündigt wurde. Denn indem es gegen alle Versuche einer 
Beseitigung sozialer Mißstände Widerstand leistete, säte es 
Haß und rechtfertigte scheinbar selber die Behauptungen 
der Todfeinde des ganzen Volkstums, daß nur die sozial- 
demokratische Partei allein die Interessen des schaffenden 
Volkes verträte. 

Es schuf so in erster Linie die moralische Begründung 
für den tatsächlichen Bestand der Gewerkschaften, der Or- 
ganisation, die der politischen Partei die größten Zutreiber- 
dienste von jeher geleistet hat. 

In meinen Wiener Lehrjahren wurde ich gezwungen, ob 
ich wollte oder nicht, auch zur Frage der Gewerkschaften 
Stellung zu nehmen. 

Da ich sie als einen unzertrennlichen Bestandteil der 
sozialdemokratischen Partei an sich ansah, war meine Ent- 
scheidung schnell und - falsch. 

Ich lehnte sie selbstverständlich glatt ab. 

Auch in dieser so unendlich wichtigen Frage gab mir das 
Schicksal selber Unterricht. 

Das Ergebnis war ein Umsturz meines ersten Urteils. 

Mit zwanzig Jahren hatte ich unterscheiden gelernt zwi- 
schen der Gewerkschaft als Mittel zur Verteidigung allge- 
meiner sozialer Rechte des Arbeitnehmers und zur Erkämp- 
fung besserer Lebensbedingungen desselben im einzelnen 



Die Gewerkschaftsfrage 49 

und der Gewerkschaft als Instrument der Partei des poli- 
tischen Klassenkampfes. 

Daß die Sozialdemokratie die enorme Bedeutung der ge- 
werkschaftlichen Bewegung begriff, sicherte ihr das Instru- 
ment und damit den Erfolg; daß das Bürgertum dies nicht 
verstand, kostete es seine politische Stellung. Es glaubte, 
mit einer naseweisen „Ablehnung" einer logischen Entwick- 
lung den Garaus machen zu können, um in Wirklichkeit 
dieselbe nun in unlogische Bahnen zu zwingen. Denn daß 
die Gewerkschaftsbewegung etwa an sich vaterlandsfeindlich 
sei, ist ein Unsinn und außerdem eine Unwahrheit. Richtig 
ist eher das Gegenteil. Wenn eine gewerkschaftliche Betäti- 
gung als Ziel die Besserstellung eines mit zu den Grund- 
pfeilern der Nation gehörenden Standes im Auge hat und 
durchführt, wirkt sie nicht nur nicht Vaterlands- oder staats- 
feindlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „natio- 
nal". Hilft sie doch so mit, die sozialen Voraussetzungen zu 
schaffen, ohne die eine allgemeine nationale Erziehung gar 
nicht zu denken ist. Sie erwirbt sich höchstes Verdienst, in- 
dem sie durch Beseitigung sozialer Krebsschäden sowohl 
geistigen als aber auch körperlichen Krankheitserregern 
an den Leib rückt und so zu einer allgemeinen Gesundheit 
des Volkskörpers mit beiträgt. 

Die Frage nach ihrer Notwendigkeit also ist wirklich 
überflüssig. 

Solange es unter Arbeitgebern Menschen mit geringem 
sozialen Verständnis oder gar mangelndem Rechts- und 
Billigkeitsgefühl gibt, ist es nicht nur das Recht, sondern 
die Pflicht der von ihnen Angestellten, die doch einen Teil 
unseres Volkstums bilden, die Interessen der Allgemein- 
heit gegenüber der Habsucht oder der Unvernunft eines 
einzelnen zu schützen; denn die Erhaltung von Treu und 
Glauben an einem Volkskörper ist im Interesse der Nation 
genau so wie die Erhaltung der Gesundheit des Volkes. 

Beides wird durch unwürdige Unternehmer, die sich nicht 
als Glied der ganzen Volksgemeinschaft fühlen, schwer be- 
droht. Aus dem üblen Wirken ihrer Habsucht oder Rück- 
sichtslosigkeit erwachsen tiefe Schäden für die Zukunft. 



50 Die Gewerkschaftsfrage 

Die Ursachen einer solchen Entwicklung beseitigen, heißt 
sich ein Verdienst um die Nation erwerben, und nicht etwa 
umgekehrt. 

Man sage dabei nicht, daß es ja jedem einzelnen frei- 
stünde, die Folgerungen aus einem ihm tatsächlich oder ver- 
meintlich zugefügten Unrecht zu ziehen, also zu gehen. Nein! 
Dies ist Spiegelfechterei und muß als Versuch angesehen 
werden, die Aufmerksamkeit abzulenken. Entweder ist die 
Beseitigung schlechter, unsozialer Vorgänge im Interesse der 
Nation gelegen oder nicht. Wenn ja, dann muß der Kampf 
gegen sie mit den Waffen aufgenommen werden, die die 
Aussicht auf Erfolg bieten. Der einzelne Arbeiter aber ist 
niemals in der Lage, sich gegenüber der Macht des großen 
Unternehmers durchzusetzen, da es sich hier nicht um eine 
Frage des Sieges des höheren Rechtes handeln kann - da 
ja bei Anerkennung desselben der ganze Streit infolge des 
Mangels jeder Veranlassung gar nicht vorhanden wäre -, 
sondern um die Frage der größeren Macht. Im anderen 
Falle würde das vorhandene Rechtsgefühl allein schon den 
Streit in ehrlicher Weise beenden, oder richtiger, es könnte 
nie zu einem solchen kommen. 

Nein, wenn unsoziale oder unwürdige 
Behandlung von Menschen zum Wider- 
stände auffordert, dann kann dieser Kampf, 
solange nicht gesetzliche, richterliche Be- 
hörden zur Beseitigung dieser Schäden ge- 
schaffen werden, nur durch die größere 
Macht zur Entscheidung kommen. Damit 
aber ist es selbstverständlich, daß der Ein- 
zelperson und mithin konzentrierten Kraft 
des Unternehmens allein die zur Einzel- 
person zusammengefaßte Zahl der Arbeit- 
nehmer g e g e n ü b e r t r e t e n kann, um nicht 
von Anbeginn schon auf die Möglichkeit 
des Sieges verzichten zu müssen. 

So kann die gewerkschaftliche Organisation zu einer Stär- 
kung des sozialen Gedankens in dessen praktischer Auswir- 
kung im täglichen Leben führen und damit zu einer Be- 



Die Politisierung der Gewerkschaften 51 

seitigung von Reizursachen, die immer wieder die Veran- 
lassung zur Unzufriedenheit und zu Klagen geben. 

Daß es nicht so ist, kommt zu einem sehr großen Teil 
auf das Schuldkonto derjenigen, die jeder gesetzlichen Rege- 
lung sozialer Mißstände Hindernisse in den Weg zu legen 
verstanden oder sie mittels ihres politischen Einflusses 
unterbanden. 

In eben dem Maße, in dem das politische Bürgertum 
dann die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation 
nicht verstand oder, besser, nicht verstehen wollte und sich 
zum Widerstand dagegen stemmte, nahm sich die Sozial- 
demokratie der umstrittenen Bewegung an. Sie schuf da- 
mit weitschauend eine feste Unterlage, die sich schon einige- 
mal in kritischen Stunden als letzte Stütze bewährte. Frei- 
lich ging damit der innere Zweck allmählich unter, um 
neuen Zielen Raum zu geben. 

Die Sozialdemokratie dachte nie daran, die von ihr um- 
faßte Berufsbewegung der ursprünglichen Aufgabe zu er- 
halten. 

Nein, so meinte sie dies allerdings nicht. 

In wenigen Jahrzehnten war unter ihrer kundigen Hand 
aus dem Hilfsmittel einer Verteidigung sozialer Menschen- 
rechte das Instrument zur Zertrümmerung der nationalen 
Wirtschaft geworden. Die Interessen der Arbeiter sollten 
sie dabei nicht im geringsten behindern. Denn auch poli- 
tisch gestattet die Anwendung wirtschaftlicher Druckmittel, 
jederzeit Erpressungen auszuüben, sowie nur die nötige Ge- 
wissenlosigkeit auf der einen und dumme Schafsgeduld auf 
der anderen Seite in ausreichendem Maße vorhanden ist. 

Etwas, das in diesem Falle beiderseits zutrifft. 

Schon um die Jahrhundertwende hatte die Gewerkschafts- 
bewegung längst aufgehört, ihrer früheren Aufgabe zu die- 
nen. Von Jahr zu Jahr war sie mehr und mehr in den 
Bannkreis sozialdemokratischer Politik geraten, um endlich 
nur noch als Ramme des Klassenkampfes Anwendung zu 
finden. Sie sollte den ganzen, mühselig aufgebauten Wirt- 



52 Die Politisierung der Gewerkschaften 

Schaftskörper durch dauernde Stöße endlich zum Einsturz 
bringen, um so dem Staatsbau, nach Entzug seiner wirt- 
schaftlichen Grundmauern, das gleiche Schicksal leichter zu- 
fügen zu können. Die Vertretung aller wirklichen Bedürf- 
nisse der Arbeiterschaft kam damit immer weniger in 
Frage, bis die politische Klugheit es endlich überhaupt 
nicht mehr als wünschenswert erscheinen ließ, die sozialen 
und gar kulturellen Nöte der breiten Masse zu beheben, 
da man sonst ja Gefahr lief, diese, in ihren Wünschen 
befriedigt, nicht mehr als willenlose Kampftruppe ewig 
weiterbenützen zu können. 

Eine derartige, ahnungsvoll gewitterte Entwicklung jagte 
den klassenkämpferischen Führern solche Furcht ein, daß 
sie endlich kurzerhand jede wirklich segensvolle soziale 
Hebung ablehnten, ja auf das entschlossenste dagegen Stel- 
lung nahmen. 

Um eine Begründung eines vermeintlich so unverständ- 
lichen Verhaltens brauchte ihnen dabei nie bange zu sein. 

Indem man die Forderungen immer höher spannte, er- 
schien die mögliche Erfüllung derselben so klein und unbe- 
deutend, daß man der Masse jederzeit einzureden ver- 
mochte, es handle sich hierbei nur um den teuflischen Ver- 
such, durch solch eine lächerliche Befriedigung heiligster 
Anrechte die Stoßkraft der Arbeiterschaft auf billige Weise 
zu schwächen, ja wenn möglich lahmzulegen. Bei der ge- 
ringen Denkfähigkeit der breiten Masse wundere man sich 
nicht über den Erfolg. 

Im bürgerlichen Lager war man empört über solche er- 
sichtliche Unwahrhaftigkeit sozialdemokratischer Taktik, 
ohne daraus aber auch nur die geringsten Schlüsse zu ziehen 
für die Richtlinien eines eigenen Handelns. Gerade die 
Furcht der Sozialdemokratie vor jeder tatsächlichen Hebung 
der Arbeiterschaft aus der Tiefe ihres bisherigen kulturellen 
und sozialen Elends hätte zu größten Anstrengungen eben 
in dieser Zielrichtung führen müssen, um nach und nach 
den Vertretern des Klassenkampfes das Instrument aus der 
Hand zu winden. 

Dies geschah jedoch nicht. 



Der Schlüssel zur Sozialdemokratie 53 

Statt in eigenem Angriff die gegnerische Stellung zu 
nehmen, ließ man sich lieber drücken und drängen, um end- 
lich zu gänzlich unzureichenden Aushilfen zu greifen, die, 
weil zu spät, wirkungslos blieben, weil zu unbedeutend, 
auch noch leicht abzulehnen waren. So blieb in Wahrheit 
alles beim alten, nur die Unzufriedenheit war größer als 
vorher. 

Gleich einer drohenden Gewitterwolke hing schon damals 
die „freie Gewerkschaft" über dem politischen Horizont 
und über dem Dasein des einzelnen. 

Sie war eines jener fürchterlichen Terrorinstrumente 
gegen die Sicherheit und Unabhängigkeit der nationalen 
Wirtschaft, die Festigkeit des Staates und die Freiheit der 
Person. 

Sie war es vor allem, die den Begriff der Demokratie 
zu einer widerlich-lächerlichen Phrase machte, die Freiheit 
schändete und die Brüderlichkeit in dem Satze „Und willst 
du nicht Genosse sein, so schlagen wir dir den Schädel ein" 
unsterblich verhöhnte. 

So lernte ich damals diese Menschheitsfreundin kennen. 
Im Laufe der Jahre hat sich meine Anschauung über sie 
erweitert und vertieft, zu ändern brauchte ich sie nicht. 

Je mehr ich Einblick in das äußere Wesen der Sozial- 
demokratie erhielt, um so größer wurde die Sehnsucht, den 
inneren Kern dieser Lehre zu erfassen. 

Die offizielle Parteiliteratur konnte hierbei freilich nur 
wenig nützen. Sie ist, soweit es sich um wirtschaftliche Fra- 
gen handelt, unrichtig in Behauptung und Beweis; soweit 
die politischen Ziele behandelt werden, verlogen. Dazu 
kam, daß ich mich besonders von der neueren rabulistischen 
Ausdrucksweise und der Art der Darstellung innerlich ab- 
gestoßen fühlte. Mit einem ungeheueren Aufwand von 
Worten unklaren Inhalts oder unverständlicher Bedeutung 
werden da Sätze zusammengestammelt, die ebenso geistreich 
sein sollen, wie sie sinnlos sind. Nur die Dekadenz unserer 
Großstadtboheme mag sich in diesem Irrgarten der Ver- 



54 Die Judenfrage 



nunft wohlig zu Hause fühlen, um aus dem Mist dieses 
literarischen Dadaismus „inneres Erleben" herauszuklau- 
ben, unterstützt von der sprichwörtlichen Bescheidenheit 
eines Teiles unseres Volkes, die im persönlich Unverständ- 
lichsten immer um so tiefere Weisheit wittert. 

Allein, indem ich so theoretische Unwahrheiten und Unsinn 
dieser Lehre abwog mit der Wirklichkeit ihrer Erscheinung, 
bekam ich allmählich ein klares Bild ihres inneren Wollens. 

In solchen Stunden beschlichen mich trübe Ahnungen und 
böse Furcht. Ich sah dann eine Lehre vor mir, bestehend 
aus Egoismus und Haß, die nach mathematischen Gesetzen 
zum Siege führen kann, der Menschheit aber damit auch 
das Ende bringen muß. 

Ich hatte ja unterdessen den Zusammenhang zwischen 
dieser Lehre der Zerstörung und dem Wesen eines Volkes 
verstehen gelernt, das mir bis dahin so gut wie unbekannt 
war. 

Nur die Kenntnis des Judentums allein 
bietet den Schlüssel zum Erfassen der inne- 
ren und damit wirklichen Absichten der 
Sozialdemokratie. 

Wer diese Volk kennt, dem sinken die Schleier irriger 
Vorstellungen über Ziel und Sinn dieser Partei vom Auge, 
und aus dem Dunst und Nebel sozialer Phrasen erhebt sich 
grinsend die Fratze des Marxismus. 

Es ist für mich heute schwer, wenn nicht unmöglich, zu 
sagen, wann mir zum ersten Mal das Wort „Jude" An- 
laß zu besonderen Gedanken gab. Im väterlichen Hause er- 
innere ich mich überhaupt nicht, zu Lebzeiten des Vaters 
das Wort auch nur gehört zu haben. Ich glaube, der alte 
Herr würde schon in der besonderen Betonung dieser Be- 
zeichnung eine kulturelle Rückständigkeit erblickt haben. 
Er war im Laufe seines Lebens zu mehr oder minder welt- 
bürgerlichen Anschauungen gelangt, die sich bei schroffster 
nationaler Gesinnung nicht nur erhalten hatten, sondern auch 
auf mich abfärbten. 



Die Judenfrage 55 



Auch in der Schule fand sich keine Veranlassung, die bei 
mir zu einer Veränderung diese übernommenen Bildes 
hätte führen können. 

In der Realschule lernte ich wohl einen jüdischen Knaben 
kennen, der von uns allen mit Vorsicht behandelt wurde, 
jedoch nur, weil wir ihm in bezug auf seine Schweigsam- 
keit, durch verschiedene Erfahrungen gewitzigt, nicht sonder- 
lich vertrauten; irgendein Gedanke kam mir dabei so wenig 
wie den anderen. 

Erst in meinem vierzehnten bis fünfzehnten Jahre stieß 
ich öfters auf das Wort Jude, zum Teil im Zusammen- 
hange mit politischen Gesprächen. Ich empfand dagegen eine 
leichte Abneigung und konnte mich eines unangenehmen 
Gefühls nicht erwehren, das mich immer beschlich, wenn 
konfessionelle Stänkereien vor mir ausgetragen wurden. 

Als etwas anderes sah ich aber damals die Frage 
nicht an. 

Linz besaß nur sehr wenig Juden. Im Laufe der Jahr- 
hunderte hatte sich ihr Äußeres europäisiert und war 
menschlich geworden; ja, ich hielt sie sogar für Deutsche. 
Der Unsinn dieser Einbildung war mir wenig klar, weil ich 
das einzige Unterscheidungsmerkmal ja nur in der 
fremden Konfession erblickte. Daß sie deshalb verfolgt 
worden waren, wie ich glaubte, ließ manchmal meine Ab- 
neigung gegenüber ungünstigen Äußerungen über sie fast 
zum Abscheu werden. 

Vom Vorhandensein einer planmäßigen Judengegner- 
schaft ahnte ich überhaupt noch nichts. 

So kam ich nach Wien. 

Befangen von der Fülle der Eindrücke auf architektoni- 
schem Gebiete, niedergedrückt von der Schwere des eigenen 
Loses, besaß ich in der ersten Zeit keinen Blick für die 
innere Schichtung des Volkes in der Riesenstadt. Trotzdem 
Wien in diesen Jahren schon nahe an die zweihundert- 
tausend Juden unter seinen zwei Millionen Menschen 
zählte, sah ich diese nicht. Mein Auge und mein Sinn 
waren dem Einstürmen so vieler Werte und Gedanken 
in den ersten Wochen noch nicht gewachsen. Erst als all- 



56 Die sogenannte Weltpresse 

mählich die Ruhe wiederkehrte und sich das aufgeregte Bild 
zu klären begann, sah ich mich in meiner neuen Welt 
gründlicher um und stieß nun auch auf die Judenfrage. 

Ich will nicht behaupten, daß die Art und Weise, in der 
ich sie kennenlernen sollte, mir besonders angenehm er- 
schien. Noch sah ich im Juden nur die Konfession und 
hielt deshalb aus Gründen menschlicher Toleranz die Ab- 
lehnung religiöser Bekämpfung auch in diesem Falle auf- 
recht. So erschien mir der Ton, vor allem der, den die 
antisemitische Wiener Presse anschlug, unwürdig der kul- 
turellen Überlieferung eines großen Volkes. Mich bedrückte 
die Erinnerung an gewisse Vorgänge des Mittelalters, die 
ich nicht gerne wiederholt sehen wollte. Da die betref- 
fenden Zeitungen allgemein als nicht hervorragend galten 
- woher dies kam, wußte ich damals selber nicht genau -, 
sah ich in ihnen mehr die Produkte ärgerlichen Neides 
als Ergebnisse einer grundsätzlichen, wenn auch falschen 
Anschauung überhaupt. 

Bestärkt wurde ich in dieser meiner Meinung durch die, 
wie mir schien, unendlich würdigere Form, in der die wirk- 
lich große Presse auf all diese Angriffe antwortete oder sie, 
was mir noch dankenswerter vorkam, gar nicht erwähnte, 
sondern einfach totschwieg. 

Ich las eifrig die sogenannte Weltpresse („Neue Freie 
Presse", „Wiener Tagblatt" usw.) und erstaunte über den 
Umfang des in ihr dem Leser Gebotenen sowie über die 
Objektivität der Darstellung im einzelnen. Ich würdigte 
den vornehmen Ton und war eigentlich nur von der Über- 
schwenglichkeit des Stils manches Mal innerlich nicht recht 
befriedigt oder selbst unangenehm berührt. Doch mochte 
dies im Schwünge der ganzen Weltstadt liegen. 

Da ich Wien damals für eine solche hielt, glaubte ich 
diese mir selbst gegebene Erklärung wohl aus Entschuldi- 
gung gelten lassen zu dürfen. 

Was mich aber wiederholt abstieß, war die unwürdige 
Form, in der diese Presse den Hof umbuhlte. Es gab kaum 
ein Ereignis in der Hofburg, das da nicht dem Leser ent- 
weder in Tönen verzückter Begeisterung oder klagender 



Die Kritik an Wilhelm II. 57 

Betroffenheit mitgeteilt wurde, ein Getue, das besonders, 
wenn es sich um den „weisesten Monarchen" aller Zeiten 
selber handelte, fast dem Balzen eines Auerhahnes glich. 

Mir schien die Sache gemacht. 

Damit erhielt die liberale Demokratie in meinen Augen 
Flecken. 

Um die Gunst dieses Hofes buhlen und in so unanstän- 
digen Formen, hieß die Würde der Nation preisgeben. 

Dies war der erste Schatten, der mein geistiges Ver- 
hältnis zur „großen" Wiener Presse trüben sollte. 

Wie vorher schon immer, verfolgte ich auch in Wien alle 
Ereignisse in Deutschland mit größtem Feuereifer, ganz 
gleich, ob es sich dabei um politische oder kulturelle Fragen 
handeln mochte. In stolzer Bewunderung verglich ich den 
Aufstieg des Reiches mit dem Dahinsiechen des österreichi- 
schen Staates. Wenn aber die außenpolitischen Vorgänge 
meist ungeteilte Freude erregten, dann die nicht so erfreu- 
lichen des innerpolitischen Lebens oft trübe Bekümmernis. 
Der Kampf, der zu dieser Zeit gegen Wilhelm II. geführt 
wurde, fand damals nicht meine Billigung. Ich sah in 
ihm nicht nur den Deutschen Kaiser, sondern in erster 
Linie den Schöpfer einer deutschen Flotte. Die Redeverbote, 
die dem Kaiser vom Reichstag auferlegt wurden, ärgerten 
mich deshalb so außerordentlich, weil sie von einer Stelle 
ausgingen, die in meinen Augen dazu aber auch wirklich 
keine Veranlassung besaß, sintemalen doch in einer ein- 
zigen Sitzungsperiode diese parlamentarischen Gänseriche 
mehr Unsinn zusammenschnatterten, als dies einer ganzen 
Dynastie von Kaisern in Jahrhunderten, eingerechnet ihre 
allerschwächsten Nummern, je gelingen konnte. 

Ich war empört, daß in einem Staat, in dem jeder Halb- 
narr nicht nur das Wort zu seiner Kritik für sich in An- 
spruch nahm, ja im Reichstag sogar als „Gesetzgeber" auf 
die Nation losgelassen wurde, der Träger der Kaiserkrone 
von der seichtesten Schwätzerinstitution aller Zeiten „Ver- 
weise" erhalten konnte. 

Ich war aber noch mehr entrüstet, daß die gleiche Wiener 
Presse, die doch vor dem letzten Hofgaul noch die ehr- 



58 Frankreichkult der Presse 

erbietigste Verbeugung riß und über ein zufälliges Schweif- 
wedeln außer Rand und Band geriet, nun mit scheinbar 
besorgter Miene, aber, wie mir schien, schlecht verhehlter 
Boshaftigkeit ihren Bedenken gegen den Deutschen Kaiser 
Ausdruck verlieh. Es läge ihr ferne, sich etwa in die Ver- 
hältnisse des Deutschen Reiches einmischen zu wollen - 
nein, Gott bewahre -, aber indem man in so freundschaft- 
licher Weise die Finger auf diese Wunden lege, erfülle 
man ebensosehr die Pflicht, die der Geist des gegenseitigen 
Bündnisses auferlege, wie man umgekehrt auch der jour- 
nalistischen Wahrheit genüge usw. Und nun bohrte dann 
dieser Finger in der Wunde nach Herzenslust herum. 

Mir schoß in solchen Fällen das Blut in den Kopf. 

Das war es, was mich die große Presse schon nach und 
nach vorsichtiger betrachten ließ. 

Daß eine der antisemitischen Zeitungen, das „Deutsche 
Volksblatt", anläßlich einer solchen Angelegenheit sich an- 
ständiger verhielt, mußte ich einmal anerkennen. 

Was mir weiter auf die Nerven ging, war der doch wider- 
liche Kult, den die große Presse schon damals mit Frank- 
reich trieb. Man mußte sich geradezu schämen, Deutscher zu 
sein, wenn man diese süßlichen Lobeshymnen auf die „große 
Kulturnation" zu Gesicht bekam. Dieses erbärmliche Fran- 
zöseln ließ mich öfter als einmal eine dieser „Welt- 
zeitungen" aus der Hand legen. Ich griff nun überhaupt 
manchmal nach dem „Volksblatt", das mir freilich viel 
kleiner, aber in diesen Dingen etwas reinlicher vorkam. 
Mit dem scharfen antisemitischen Tone war ich nicht ein- 
verstanden, allein ich las auch hin und wieder Begrün- 
dungen, die mir einiges Nachdenken verursachten. 

Jedenfalls lernte ich aus solchen Anlässen langsam den 
Mann und die Bewegung kennen, die damals Wiens 
Schicksal bestimmten: Dr. Karl Lueger und die christlich- 
soziale Partei. 

Als ich nach Wien kam, stand ich beiden feindselig gegen- 
über. 

Der Mann und die Bewegung galten in meinen Augen 
als „reaktionär". 



Wandlung zum Antisemiten 59 

Das gewöhnliche Gerechtigkeitsgefühl aber mußte dieses 
Urteil in eben dem Maße abändern, in dem ich Gelegen- 
heit erhielt, Mann und Werk kennenzulernen; und lang- 
sam wuchs die gerechte Beurteilung zur unverhohlenen 
Bewunderung. Heute sehe ich in dem Manne mehr noch 
als früher den gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller 
Zeiten. 

Wie viele meiner vorsätzlichen Anschauungen wurden 
aber durch eine solche Änderung meiner Stellungnahme 
zur christlich-sozialen Bewegung umgeworfen! 

Wenn dadurch langsam auch meine Ansichten in bezug 
auf den Antisemitismus dem Wechsel der Zeit unterlagen, 
dann war dies wohl meine schwerste Wandlung überhaupt. 

Sie hat mir die meisten inneren seelischen Kämpfe ge- 
kostet, und erst nach monatelangem Ringen zwischen Ver- 
stand und Gefühl begann der Sieg sich auf die Seite des 
Verstandes zu schlagen. Zwei Jahre später war das Ge- 
fühl dem Verstände gefolgt, um von nun an dessen treuester 
Wächter und Warner zu sein. 

In der Zeit dieses bitteren Ringens zwischen seelischer 
Erziehung und kalter Vernunft hatte mir der Anschauungs- 
unterricht der Wiener Straße unschätzbare Dienste geleistet. 
Es kam die Zeit, da ich nicht mehr wie in den ersten Tagen 
blind durch die mächtige Stadt wandelte, sondern mit 
offenem Auge außer den Bauten auch die Menschen besah. 

Als ich einmal so durch die innere Stadt strich, stieß 
ich plötzlich auf eine Erscheinung in langem Kaftan mit 
schwarzen Locken. 

Ist dies auch ein Jude? war mein erster Gedanke. 

So sahen sie freilich in Linz nicht aus. Ich beobachtete 
den Mann verstohlen und vorsichtig, allein je länger ich 
in dieses fremde Gesicht starrte und forschend Zug um Zug 
prüfte, um so mehr wandelte sich in meinem Gehirn die 
erste Frage zu einer anderen Frage: 

Ist dies auch ein Deutscher? 

Wie immer in solchen Fällen begann ich nun zu ver- 
suchen, mir die Zweifel durch Bücher zu beheben. Ich kaufte 
mir damals um wenige Heller die ersten antisemitischen 



60 Wandlung zum Antisemiten 

Broschüren meines Lebens. Sie gingen leider nur alle von 
dem Standpunkt aus, daß im Prinzip der Leser wohl schon 
die Judenfrage bis zu einem gewissen Grade mindestens 
kenne oder gar begreife. Endlich war die Tonart meistens 
so, daß mir wieder Zweifel kamen infolge der zum Teil 
so flachen und außerordentlich unwissenschaftlichen Beweis- 
führung für die Behauptung. 

Ich wurde dann wieder rückfällig auf Wochen, ja einmal 
auf Monate hinaus. 

Die Sache schien mir so ungeheuerlich, die Bezichtigung 
so maßlos zu sein, daß ich, gequält von der Furcht, Unrecht 
zu tun, wieder ängstlich und unsicher wurde. 

Freilich daran, daß es sich hier nicht um Deutsche einer 
besonderen Konfession handelte, sondern um ein Volk für 
sich, konnte auch ich nicht mehr gut zweifeln; denn seit ich 
mich mit dieser Frage zu beschäftigen begonnen hatte, auf 
den Juden erst einmal aufmerksam wurde, erschien mir 
Wien in einem anderen Lichte als vorher. Wo immer ich 
ging, sah ich nun Juden, und je mehr ich sah, um so schär- 
fer sonderten sie sich für das Auge von den anderen Men- 
schen ab. Besonders die innere Stadt und die Bezirke 
nördlich des Donaukanals wimmelten von einem Volke, 
das schon äußerlich eine Ähnlichkeit mit dem deutschen nicht 
mehr besaß. 

Aber wenn ich daran noch gezweifelt hätte, so wurde das 
Schwanken endgültig behoben durch die Stellungnahme 
eines Teiles der Juden selber. 

Eine große Bewegung unter ihnen, die in Wien nicht 
wenig umfangreich war, trat auf das schärfste für die 
Bestätigung des völkischen Charakters der Judenschaft ein: 
der Zionismus. 

Wohl hatte es den Anschein, als ob nur ein Teil der 
Juden diese Stellungnahme billigen würde, die große 
Mehrheit aber eine solche Festlegung verurteile, ja inner- 
lich ablehne. Bei näherem Hinsehen zerflatterte aber dieser 
Anschein in einen üblen Dunst von aus reinen Zweck- 
mäßigkeitsgründen vorgebrachten Ausreden, um nicht zu 
sagen Lügen. Denn das sogenannte Judentum liberaler 



Wandlung zum Antisemiten 61 

Denkart lehnte ja die Zionisten nicht als NichtJuden ab, 
sondern nur als Juden von einem unpraktischen, ja viel- 
leicht sogar gefährlichen öffentlichen Bekenntnis zu ihrem 
Judentum. 

An ihrer inneren Zusammengehörigkeit änderte sich gar 
nichts. 

Dieser scheinbare Kampf zwischen zionistischen und libe- 
ralen Juden ekelte mich in kurzer Zeit schon an; war er 
doch durch und durch unwahr, mithin verlogen und dann 
aber wenig passend zu der immer behaupteten sittlichen 
Höhe und Reinheit dieses Volkes. 

Überhaupt war die sittliche und sonstige Reinlichkeit 
dieses Volkes ein Punkt für sich. Daß es sich hier um keine 
Wasserliebhaber handelte, konnte man ihnen ja schon am 
Äußeren ansehen, leider sehr oft sogar bei geschlossenem 
Auge. Mir wurde bei dem Gerüche dieser Kaftanträger 
später manchmal übel. Dazu kam noch die unsaubere 
Kleidung und die wenig heldische Erscheinung. 

Dies alles konnte schon nicht sehr anziehend wirken; ab- 
gestoßen mußte man aber werden, wenn man über die 
körperliche Unsauberkeit hinaus plötzlich die moralischen 
Schmutzflecken des auserwählten Volkes entdeckte. 

Nichts hatte mich in kurzer Zeit so nachdenklich gestimmt 
als die langsam aufsteigende Einsicht in die Art der Be- 
tätigung der Juden auf gewissen Gebieten. 

Gab es denn da einen Unrat, eine Schamlosigkeit in 
irgendeiner Form, vor allem des kulturellen Lebens, an 
der nicht wenigstens ein Jude beteiligt gewesen wäre? 

Sowie man nur vorsichtig in eine solche Geschwulst 
hineinschnitt, fand man, wie die Made im faulenden Leibe, 
oft ganz geblendet vom plötzlichen Lichte, ein Jüdlein. 

Es war eine schwere Belastung, die das Judentum in 
meinen Augen erhielt, als ich seine Tätigkeit in der Presse, 
in Kunst, Literatur und Theater kennenlernte. Da konnten 
nun alle salbungsvollen Beteuerungen wenig oder nichts 
mehr nützen. Es genügte schon, eine der Anschlagsäulen zu 
betrachten, die Namen der geistigen Erzeuger dieser gräß- 
lichen Machwerke für Kino und Theater, die da ange- 



62 Wandlung zum Antisemiten 

priesen wurden, zu studieren, um auf längere Zeit hart zu 
werden. Das war Pestilenz, geistige Pestilenz, schlimmer 
als der schwarze Tod von einst, mit der man da das Volk 
infizierte. Und in welcher Menge dabei dieses Gift erzeugt 
und verbreitet wurde! Natürlich, je niedriger das geistige 
und sittliche Niveau eines solchen Kunstfabrikanten ist, um 
so unbegrenzter aber seine Fruchtbarkeit, bis so ein Bursche 
schon mehr wie eine Schleudermaschine seinen Unrat der 
anderen Menschheit ins Antlitz spritzt. Dabei bedenke man 
noch die Unbegrenztheit ihrer Zahl; man bedenke, daß 
auf einen Goethe die Natur immer noch leicht zehntau- 
send solcher Schmierer der Mitwelt in den Pelz setzt, 
die nun als Bazillenträger schlimmster Art die Seelen 
vergiften. 

Es war entsetzlich, aber nicht zu übersehen, daß gerade 
der Jude in überreichlicher Anzahl von der Natur zu dieser 
schmachvollen Bestimmung auserlesen schien. 

Sollte seine Auserwähltheit darin zu suchen sein? 

Ich begann damals sorgfältig die Namen all der Er- 
zeuger dieser unsauberen Produkte des öffentlichen Kunst- 
lebens zu prüfen. Das Ergebnis war ein immer böseres für 
meine bisherige Haltung der Juden gegenüber. Mochte sich 
da das Gefühl auch noch tausendmal sträuben, der Verstand 
mußte seine Schlüsse ziehen. 

Die Tatsache, daß neun Zehntel alles literarischen 
Schmutzes, künstlerischen Kitsches und theatralischen Blöd- 
sinns auf das Schuldkonto eines Volkes zu schreiben sind, 
das kaum ein Hundertstel aller Einwohner im Lande be- 
trägt, ließ sich einfach nicht wegleugnen; es war eben so. 

Auch meine liebe „Weltpresse" begann ich nun von 
solchen Gesichtspunkten aus zu prüfen. 

Je gründlicher ich aber hier die Sonde anlegte, um so 
mehr schrumpfte der Gegenstand meiner einstigen Bewun- 
derung zusammen. Der Stil war immer unerträglicher, 
den Inhalt mußte ich als innerlich seicht und flach ab- 
lehnen, die Objektivität der Darstellung schien mir nun 
mehr Lüge zu sein als ehrliche Wahrheit; die Verfasser 
aber waren - Juden. 



Wandlung zum Antisemiten 63 

Tausend Dinge, die ich früher kaum gesehen, fielen mir 
nun als bemerkenswert auf, andere wieder, die mir schon 
einst zu denken gaben, lernte ich begreifen und verstehen. 

Die liberale Gesinnung dieser Presse sah ich nun in 
einem anderen Lichte, ihr vornehmer Ton im Beantworten 
von Angriffen sowie das Totschweigen derselben enthüllte 
sich mir jetzt als ebenso kluger wie niederträchtiger Trick; 
ihre verklärt geschriebenen Theaterkritiken galten immer 
dem jüdischen Verfasser, und nie traf ihre Ablehnung je- 
mand anderen als den Deutschen. Das leise Sticheln gegen 
Wilhelm II. ließ in der Beharrlichkeit die Methode er- 
kennen, genau so wie das Empfehlen französischer Kultur 
und Zivilisation. Der kitschige Inhalt der Novelle wurde 
nun zur Unanständigkeit, und aus der Sprache vernahm ich 
Laute eines fremden Volkes; der Sinn des Ganzen aber 
war dem Deutschtum so ersichtlich abträglich, daß dies nur 
gewollt sein konnte. 

Wer aber besaß daran ein Interesse? 

War dies alles nur Zufall? 

So wurde ich langsam unsicher. 

Beschleunigt wurde die Entwicklung aber durch Einblicke, 
die ich in eine Reihe anderer Vorgänge erhielt. Es war 
dies die allgemeine Auffassung von Sitte und Moral, wie 
man sie von einem großen Teil des Judentums ganz offen 
zur Schau getragen und betätigt sehen konnte. 

Hier bot wieder die Straße einen manchmal wahrhaft 
bösen Anschauungsunterricht. 

Das Verhältnis des Judentums zur Prostitution und 
mehr noch zum Mädchenhandel selber konnte man in Wien 
studieren wie wohl in keiner sonstigen westeuropäischen 
Stadt, südfranzösische Hafenorte vielleicht ausgenommen. 
Wenn man abends so durch die Straßen und Gassen der 
Leopoldstadt lief, wurde man auf Schritt und Tritt, ob 
man wollte oder nicht, Zeuge von Vorgängen, die dem 
Großteil des deutschen Volkes verborgen geblieben waren, 
bis der Krieg den Kämpfern an der Ostfront Gelegenheit 
gab, Ähnliches ansehen zu können, besser gesagt, ansehen 
zu müssen. 



64 Der Jude als Führer der Sozialdemokratie 

Als ich zum ersten Male den Juden in solcher Weise als 
den ebenso eisig kalten wie schamlos geschäftstüchtigen 
Dirigenten dieses empörenden Lasterbetriebes des Aus- 
wurfes der Großstadt erkannte, lief mir ein leichtes Frö- 
steln über den Rücken. 

Dann aber flammte es auf. 

Nun wich ich der Erörterung der Judenfrage mich nicht mehr 
aus, nein, nun wollte ich sie. Wie ich aber so in allen Rich- 
tungen des kulturellen und künstlerischen Lebens und seinen 
verschiedenen Äußerungen nach dem Juden suchen lernte, 
stieß ich plötzlich an einer Stelle auf ihn, an der ich ihn am 
wenigsten vermutet hätte. 

Indem ich den Juden als Führer der Sozialdemokratie 
erkannte, begann es mir wie Schuppen von den Augen zu 
fallen. Ein langer innerer Seelenkampf fand damit seinen 
Abschluß. 

Schon im tagtäglichen Verkehr mit meinen Arbeits- 
genossen fiel mir die erstaunliche Wandlungsfähigkeit auf, 
mit der sie zu einer gleichen Frage verschiedene Stellungen 
einnahmen, manchmal in einem Zeiträume von wenigen 
Tagen, oft auch nur wenigen Stunden. Ich konnte schwer 
verstehen, wie Menschen, die, allein gesprochen, immer noch 
vernünftige Anschauungen besaßen, diese plötzlich verloren, 
sowie sie in den Bannkreis der Masse gelangten. Es war 
oft zum Verzweifeln. Wenn ich nach stundenlangem Zu- 
reden schon überzeugt war, dieses Mal endlich das Eis 
gebrochen oder einen Unsinn aufgeklärt zu haben und mich 
schon des Erfolges herzlich freute, dann mußte ich zu mei- 
nem Jammer am nächsten Tage wieder von vorne begin- 
nen; es war alles umsonst gewesen. Wie ein ewiges Pen- 
del schien der Wahnsinn ihrer Anschauungen immer von 
neuem zurückzuschlagen. 

Alles vermochte ich dabei noch zu begreifen: daß sie mit 
ihrem Lose unzufrieden waren, das Schicksal verdammten, 
welches sie oft so herbe schlug; die Unternehmer haßten, 
die ihnen als herzlose Zwangsvollstrecker dieses Schicksals 
erschienen; auf die Behörden schimpften, die in ihren Augen 
kein Gefühl für die Lage besaßen; daß sie gegen Lebens- 



Der Jude als Führer der Sozialdemokratie 65 

mittelpreise demonstrierten und für ihre Forderungen auf 
die Straße zogen, alles dies konnte man mit Rücksicht auf 
Vernunft mindestens noch verstehen. Was aber unverständ- 
lich bleiben mußte, war der grenzenlose Haß, mit dem sie 
ihr eigenes Volkstum belegten, die Größe desselben schmäh- 
ten, seine Geschichte verunreinigten und große Männer in 
die Gosse zogen. 

Dieser Kampf gegen die eigene Art, das eigene Nest, die 
eigene Heimat war ebenso sinnlos wie unbegreiflich. Das 
war unnatürlich. 

Man konnte sie von diesem Laster vorübergehend heilen, 
jedoch nur auf Tage, höchstens Wochen. Traf man aber 
später den vermeintlich Bekehrten, dann war er wieder 
der alte geworden. 

Die Unnatur hatte ihn wieder in ihrem Besitze. 

Daß die sozialdemokratische Presse überwiegend von 
Juden geleitet war, lernte ich allmählich kennen; allein, 
ich schrieb diesem Umstände keine besondere Bedeutung 
zu, lagen doch die Verhältnisse bei den anderen Zeitungen 
genau so. Nur eines war vielleicht auffallend: es gab nicht 
ein Blatt, bei dem sich Juden befanden, das als wirklich 
national angesprochen hätte werden können, so wie 
dies in der Linie meiner Erziehung und Auffassung ge- 
legen war. 

Da ich mich nun überwand und diese Art von marxisti- 
schen Presseerzeugnissen zu lesen versuchte, die Abneigung 
aber in eben diesem Maße ins Unendliche wuchs, suchte ich 
nun auch die Fabrikanten dieser zusammengefaßten Schur- 
kereien näher kennenzulernen. 

Es waren, vom Herausgeber angefangen, lauter Juden. 

Ich nahm die mir irgendwie erreichbaren sozialdemokra- 
tischen Broschüren und suchte die Namen ihrer Verfasser: 
Juden. Ich merkte mir die Namen fast aller Führer; es 
waren zum weitaus größten Teil ebenfalls Angehörige des 
„auserwählten Volkes", mochte es sich dabei um die Ver- 
treter im Reichsrat handeln oder um die Sekretäre der 



66 Jüdische Dialektik 



Gewerkschaften, die Vorsitzenden der Organisationen oder 
die Agitatoren der Straße. Es ergab sich immer das gleiche 
unheimliche Bild. Die Namen der Austerlitz, David, Adler, 
Ellenbogen usw. werden mir ewig in Erinnerung bleiben. 
Das eine war mir nun klar geworden: die Partei, mit 
deren kleinen Vertretern ich seit Monaten den heftigsten 
Kampf auszufechten hatte, lag in ihrer Führung fast aus- 
schließlich in den Händen eines fremden Volkes; denn daß 
der Jude kein Deutscher war, wußte ich zu meiner inneren 
glücklichen Zufriedenheit schon endgültig. 

Nun aber erst lernte ich den Verführer unseres Volkes 
ganz kennen. 

Schon ein Jahr meines Wiener Aufenthaltes hatte ge- 
nügt, um mir die Überzeugung beizubringen, daß kein 
Arbeiter so verbohrt sein konnte, als daß er nicht besserem 
Wissen und besserer Erklärung erlegen wäre. Ich war 
langsam Kenner ihrer eigenen Lehre geworden und ver- 
wendete sie als Waffe im Kampfe für meine innere Über- 
zeugung. 

Fast immer legte sich nun der Erfolg auf meine Seite. 

Die große Masse war zu retten, wenn auch nur nach 
schwersten Opfern an Zeit und Geduld. 

Niemals aber war ein Jude von seiner Anschauung zu 
befreien. 

Ich war damals noch kindlich genug, ihnen den Wahn- 
sinn ihrer Lehre klarmachen zu wollen, redete mir in mei- 
nem kleinen Kreise die Zunge wund und die Kehle heiser, 
und vermeinte, es müßte mir gelingen, sie von der Ver- 
derblichkeit ihres marxistischen Irrsinns zu überzeugen; 
allein dann erreichte ich erst recht nur das Gegenteil. Es 
schien, als ob die steigende Einsicht von der vernichtenden 
Wirkung sozialdemokratischer Theorien und ihrer Erfüllung 
nur zur Verstärkung ihrer Entschlossenheit dienen würde. 

Je mehr ich dann so mit ihnen stritt, um so mehr lernte 
ich ihre Dialektik kennen. Erst rechneten sie mit der Dumm- 
heit ihres Gegners, um dann, wenn sich ein Ausweg nicht 
mehr fand, sich selber einfach dumm zu stellen. Nützte alles 
nichts, so verstanden sie nicht recht oder sprangen, gestellt, 



Jüdische Dialektik 67 



augenblicklich auf ein anderes Gebiet über, brachten nun 
Selbstverständlichkeiten, deren Annahme sie aber sofort 
wieder auf wesentlich andere Stoffe bezogen, um nun, 
wieder angefaßt, auszuweichen und nichts Genaues zu 
wissen. Wo immer man so einen Apostel angriff, umschloß 
die Hand qualligen Schleim; das quoll einem geteilt durch 
die Finger, um sich im nächsten Moment schon wieder zu- 
sammenzuschließen. Schlug man aber einen wirklich so ver- 
nichtend, daß er, von der Umgebung beobachtet, nicht mehr 
anders als zustimmen konnte, und glaubte man, so wenig- 
stens einen Schritt vorwärtsgekommen zu sein, so war das 
Erstaunen am nächsten Tag groß. Der Jude wußte nun 
von gestern nicht mehr das geringste, erzählte seinen alten 
Unfug wieder weiter, als ob überhaupt nichts vorgefallen 
wäre, und tat, empört zur Rede gestellt, erstaunt, konnte 
sich an rein gar nichts erinnern, außer an die doch schon 
am Vortage bewiesene Richtigkeit seiner Behauptungen. 

Ich stand manches Mal starr da. 

Man wußte nicht, was man mehr bestaunen sollte, ihre 
Zungenfertigkeit oder ihre Kunst der Lüge. 

Ich begann sie allmählich zu hassen. 

Dies alles hatte nun das eine Gute, daß in eben dem 
Umfange, in dem mir die eigentlichen Träger oder wenig- 
stens die Verbreiter der Sozialdemokratie ins Auge fielen, 
die Liebe zu meinem Volke wachsen mußte. Wer konnte 
auch bei der teuflischen Gewandtheit dieser Verführer das 
unselige Opfer verfluchen? Wie schwer war es doch mir 
selber, der dialektischen Verlogenheit dieser Rasse Herr zu 
werden! Wie vergeblich aber war ein solcher Erfolg bei 
Menschen, die die Wahrheit im Munde verdrehen, das 
soeben gesprochene Wort glatt verleugnen, um es schon in 
der nächsten Minute für sich selbst in Anspruch zu nehmen! 

Nein. Je mehr ich den Juden kennenlernte, um so mehr 
mußte ich dem Arbeiter verzeihen. 

Die schwerste Schuld lag nun in meinen Augen nicht 
mehr bei ihm, sondern bei all denen, die es nicht der Mühe 
wert fanden, sich seiner zu erbarmen, in eiserner Gerechtig- 
keit dem Sohne des Volkes zu geben, was ihm gebührt, 



68 Studium der Grundlagen des Marxismus 

den Verführer und Verderber aber an die Wand zu 
schlagen. 

Von der Erfahrung des täglichen Lebens angeregt, be- 
gann ich nunmehr, den Quellen der marxistischen Lehre 
selber nachzuspüren. Ihr Wirken war mir im einzelnen klar 
geworden, der Erfolg davon zeigte sich mir täglich vor dem 
aufmerksamen Blick, die Folgen vermochte ich bei einiger 
Phantasie mir auszumalen. Die Frage war nur noch, ob 
den Begründern das Ergebnis ihrer Schöpfung, schon in 
seiner letzten Form gesehen, vorschwebte, oder ob sie selber 
das Opfer eines Irrtums wurden. 

Beides war nach meinem Empfinden möglich. 

Im einen Falle war es Pflicht eines jeden denkenden 
Menschen, sich in die Front der unseligen Bewegung zu 
drängen, um so vielleicht doch das Äußerste zu verhin- 
dern, im anderen aber mußten die einstigen Urheber 
dieser Völkerkrankheit wahre Teufel gewesen sein; denn 
nur in dem Gehirne eines Ungeheuers - nicht eines 
Menschen - konnte dann der Plan zu einer Organisation 
sinnvolle Gestalt annehmen, deren Tätigkeit als Schluß- 
ergebnis zum Zusammenbruch der menschlichen Kultur und 
damit zur Verödung der Welt führen muß. 

In diesem Falle blieb als letzte Rettung noch der Kampf, 
der Kampf mit allen Waffen, die menschlicher Geist, Ver- 
stand und Wille zu erfassen vermögen, ganz gleich, wem 
das Schicksal dann seinen Segen in die Waagschale senkt. 

So begann ich nun, mich mit den Begründern dieser 
Lehre vertraut zu machen, um so die Grundlagen der Be- 
wegung zu studieren. Daß ich hier schneller zum Ziele kam, 
als ich vielleicht erst selber zu denken wagte, hatte ich 
allein meiner nun gewonnenen, wenn auch damals noch 
wenig vertieften Kenntnis der Judenfrage zu danken. Sie 
allein ermöglichte mir den praktischen Vergleich der Wirk- 
lichkeit mit dem theoretischen Geflunker der Gründungs- 
apostel der Sozialdemokratie, da sie mich die Sprache des 
jüdischen Volkes verstehen gelehrt hatte; das redet, um die 
Gedanken zu verbergen oder mindestens zu verschleiern; 



Marxismus als Zerstörer der Kultur 69 

und sein wirkliches Ziel ist mithin nicht in den Zeilen zu 
finden, sondern schlummert wohlverborgen zwischen ihnen. 

Es war für mich die Zeit der größten Umwälzung ge- 
kommen, die ich im Inneren jemals durchzumachen hatte. 

Ich war vom schwächlichen Weltbürger zum fanatischen 
Antisemiten geworden. 

Nur einmal noch - es war das letztemal - kamen mir 
in tiefster Beklommenheit ängstlich drückende Gedanken. 

Als ich so durch lange Perioden menschlicher Geschichte 
das Wirken des jüdischen Volkes forschend betrachtete, 
stieg mir plötzlich die bange Frage auf, ob nicht doch viel- 
leicht das unerforschliche Schicksal aus Gründen, die uns 
armseligen Menschen unbekannt, den Endsieg dieses kleinen 
Volkes in ewig unabänderlichem Beschlüsse wünsche? 

Sollte diesem Volke, das ewig nur auf dieser lebt, die 
Erde als Belohnung zugesprochen sein? 

Haben wir objektives Recht zum Kampf für unsere 
Selbsterhaltung, oder ist auch dies nur subjektiv in uns 
begründet? 

Indem ich mich in die Lehre des Marxismus vertiefte 
und so das Wirken des jüdischen Volkes in ruhiger Klar- 
heit einer Betrachtung unterzog, gab mir das Schicksal 
selber seine Antwort. 

Die jüdische Lehre des Marxismus lehnt das aristokra- 
tische Prinzip der Natur ab und setzt an Stelle des ewigen 
Vorrechts der Kraft und Stärke die Masse der Zahl und 
ihr totes Gewicht. Sie leugnet so im Menschen den Wert 
der Person, bestreitet die Bedeutung von Volkstum und 
Rasse und entzieht der Menschheit damit die Voraussetzung 
ihres Bestehens und ihrer Kultur. Sie würde als Grund- 
lage des Universums zum Ende jeder gedanklich für Men- 
schen faßlichen Ordnung führen. Und so wie in diesem 
größten erkennbaren Organismus nur Chaos das Ergebnis 
der Anwendung eines solchen Gesetzes sein könnte, so auf 
der Erde für die Bewohner dieses Sternes nur ihr eigener 
Untergang. 

Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubens- 
bekenntnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine 



70 Marxismus als Zerstörer der Kultur 

Krone der Totentanz der Menschheit sein, dann wird 
dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschen- 
leer durch den Äther ziehen. 

Die ewige Natur rächt unerbittlich die Übertretung ihrer 
Gebote. 

So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers 
zu handeln: I n d e m ich mich des Juden erwehre, 
kämpfe ich für das Werk des Herrn. 



3. Kapitel 

Allgemeine politische Betrachtungen 
aus meiner Wiener Zeit 

Ich bin heute der Überzeugung, daß der Mann sich im 
allgemeinen, Fälle ganz besonderer Begabung aus- 
genommen, nicht vor seinem dreißigsten Jahre in der Poli- 
tik öffentlich betätigen soll. Er soll dies nicht, da ja bis 
in diese Zeit hinein zumeist erst die Bildung einer allge- 
meinen Plattform stattfindet, von der aus er nun die ver- 
schiedenen politischen Probleme prüft und seine eigene 
Stellung zu ihnen endgültig festlegt. Erst nach dem Ge- 
winnen einer solchen grundlegenden Weltanschauung und 
der dadurch erreichten Stetigkeit der eigenen Betrachtungs- 
weise gegenüber den einzelnen Fragen des Tages soll oder 
darf der nun wenigstens innerlich ausgereifte Mann sich 
an der politischen Führung des Gemeinwesens beteiligen. 

Ist dies anders, so läuft er Gefahr, eines Tages seine 
bisherige Stellung in wesentlichen Fragen entweder ändern 
zu müssen oder wider sein besseres Wissen und Erkennen 
bei einer Anschauung stehenzubleiben, die Verstand und 
Überzeugung bereits längst ablehnen. Im ersteren Falle 
ist dies sehr peinlich für ihn persönlich, da er nun, als 
selber schwankend, mit Recht nicht mehr erwarten darf, daß 
der Glaube seiner Anhänger ihm in gleicher unerschütter- 
licher Festigkeit gehöre wie vordem; für die von ihm Ge- 
führten jedoch bedeutet ein solcher Umfall des Führers 
Ratlosigkeit sowie nicht selten das Gefühl einer gewissen 
Beschämung den bisher von ihnen Bekämpften gegenüber. 
Im zweiten Falle aber tritt ein, was wir besonders heute 
so oft sehen: in eben dem Maße, in dem der Führer nicht 
mehr an das von ihm Gesagt glaubt, wird seine Ver- 



72 Der Politiker 



teidigung hohl und flach, dafür aber gemein in der Wahl 
der Mittel. Während er selber nicht mehr daran denkt, 
für seine politischen Offenbarungen ernstlich einzutreten 
(man stirbt nicht für etwas, an das man selber nicht 
glaubt), werden die Anforderungen an seine Anhänger 
jedoch in eben diesem Verhältnis immer größer und un- 
verschämter, bis er endlich den letzten Rest des Führers 
opfert, um beim „Politiker" zu landen; das heißt bei jener 
Sorte von Menschen, deren einzige wirkliche Gesinnung die 
Gesinnungslosigkeit ist, gepaart mit frecher Aufdringlich- 
keit und einer oft schamlos entwickelten Kunst der Lüge. 

Kommt so ein Bursche dann zum Unglück der anständigen 
Menschheit auch noch in ein Parlament, so soll man schon 
von Anfang an wissen, daß das Wesen der Politik für ihn 
nur noch im heroischen Kampf um den dauernden Besitz 
dieser Milchflasche seines Lebens und seiner Familie be- 
steht. Je mehr dann Weib und Kind an ihr hängen, um 
so zäher wird er für sein Mandat streiten. Jeder sonstige 
Mensch mit politischen Instinkten ist damit allein schon 
sein persönlicher Feind; in jeder neuen Bewegung wittert 
er den möglichen Beginn seines Endes und in jedem 
größeren Manne die wahrscheinlich von diesem noch ein- 
mal drohende Gefahr. 

Ich werde auf diese Sorte von Parlamentswanzen noch 
gründlich zu sprechen kommen. 

Auch der Dreißigjährige wird im Laufe seines Lebens 
noch vieles zu lernen haben, allein es wird dies nur eine 
Ergänzung und Ausfüllung des Rahmens sein, den die 
grundsätzlich angenommene Weltanschauung ihm vorlegt. 
Sein Lernen wird kein prinzipielles Umlernen mehr sein, 
sondern ein Hinzulernen, und seine Anhänger werden nicht 
das beklommene Gefühl hinunterwürgen müssen, von ihm 
bisher falsch unterrichtet worden zu sein, sondern im 
Gegenteil: das ersichtliche organische Wachsen des Führers 
wird ihnen Befriedigung gewähren, da sein Lernen ja nur 
die Vertiefung ihrer eigenen Lehre bedeutet. Dies aber ist 
in ihren Augen ein Beweis für die Richtigkeit ihrer bis- 
herigen Anschauungen. 



Das politische Denken 73 

Ein Führer, der die Plattform seiner allgemeinen Welt- 
anschauung an sich, weil als falsch erkannt, verlassen muß, 
handelt nur dann mit Anstand, wenn er in der Erkenntnis 
seiner bisherigen fehlerhaften Einsicht die letzte Folgerung 
zu ziehen bereit ist. Er muß in einem solchen Falle min- 
destens der öffentlichen Ausübung einer weiteren poli- 
tischen Betätigung entsagen. Denn da er schon einmal in 
grundlegenden Erkenntnissen einem Irrtum verfiel, ist die 
Möglichkeit auch ein zweites Mal gegeben. Auf keinen Fall 
aber hat er noch das Recht, weiterhin das Vertrauen der 
Mitbürger in Anspruch zu nehmen oder gar ein solches zu 
fordern. 

Wie wenig nun allerdings heute einem solchen Anstand 
entsprochen wird, bezeugt nur die allgemeine Verworfen- 
heit des Packs, das sich zur Zeit berufen fühlt, in Politik 
zu „machen". 

Auserwählt dazu ist von ihnen kaum einer. 

Ich hatte mich einst gehütet, irgendwie öffentlich auf- 
zutreten, obwohl ich glaube, mich mehr mit Politik beschäf- 
tigt zu haben als so viele andere. Nur im kleinsten Kreise 
sprach ich von dem, was mich innerlich bewegte oder anzog. 
Dieses Sprechen im engsten Rahmen hatte viel Gutes für 
sich: ich lernte so wohl weniger „reden", dafür aber die 
Menschen in ihren oft unendlich primitiven Anschauungen 
und Einwänden kennen. Dabei schulte ich mich, ohne Zeit 
und Möglichkeit zu verlieren, zur eigenen Weiterbildung. 
Die Gelegenheit dazu war sicher nirgends in Deutschland so 
günstig wie damals in Wien. 

Das allgemeine politische Denken in der alten Donau- 
monarchie war zunächst seinem Umfange nach größer und 
umspannender als im alten Deutschland der gleichen 
Zeit - Teile von Preußen, Hamburg und die Küste der 
Nordsee ausgenommen. Ich verstehe nun allerdings unter 
der Bezeichnung „Österreich" in diesem Falle jenes Gebiet 
des großen Habsburgerreiches, das infolge seiner deutschen 
Besiedelung in jeglicher Hinsicht nicht nur die historische 



74 Wiens letzter Aufschwung 

Veranlassung der Bildung dieses Staates überhaupt war, 
sondern das in seiner Bevölkerung auch ausschließlich jene 
Kraft aufwies, die diesem politisch so künstlichen Gebilde 
das innere kulturelle Leben auf viele Jahrhunderte zu 
schenken vermochte. Je mehr die Zeit Fortschritt, um so 
mehr war Bestand und Zukunft dieses Staates gerade von 
der Erhaltung dieser Keimzelle des Reiches abhängig. 

Waren die alten Erblande das Herz des Reiches, das 
immer wieder frisches Blut in den Kreislauf des staat- 
lichen und kulturellen Lebens trieb, dann aber war Wien 
Gehirn und Wille zugleich. 

Schon in ihrer äußeren Aufmachung durfte man dieser 
Stadt die Kraft zusprechen, in einem solchen Völkerkonglo- 
merat als einigende Königin zu thronen, um so durch die 
Pracht der eigenen Schönheit die bösen Alterserscheinungen 
des Gesamten vergessen zu lassen. 

Mochte das Reich in seinem Inneren noch so heftig zucken 
unter den blutigen Kämpfen der einzelnen Nationalitäten, 
das Ausland, und besonders Deutschland, sah nur das 
liebenswürdige Bild dieser Stadt. Die Täuschung war um 
so größer, als Wien in dieser Zeit vielleicht den letzten 
und größten sichtbaren Aufschwung zu nehmen schien. Unter 
der Herrschaft eines wahrhaft genialen Bürgermeisters 
erwachte die ehrwürdige Residenz der Kaiser des alten 
Reiches noch einmal zu einem wundersamen jungen Leben. 
Der letzte große Deutsche, den das Kolonistenvolk der 
Ostmark aus seinen Reihen gebar, zählte offiziell nicht zu 
den sogenannten „Staatsmännern"; aber indem dieser 
Dr. Lueger als Bürgermeister der „Reichshaupt- und Resi- 
denzstadt" Wien eine unerhörte Leistung nach der anderen 
auf, man darf sagen, allen Gebieten kommunaler Wirt- 
schafts- und Kulturpolitik hervorzauberte, stärkte er das 
Herz des gesamten Reiches und wurde über diesen Umweg 
zum größeren Staatsmann, als die sogenannten „Diplo- 
maten" es alle zusammen damals waren. 

Wenn das Völkergebilde, „Österreich" genannt, endlich 
dennoch zugrunde ging, dann spricht dies nicht im gering- 
sten gegen die politische Fähigkeit des Deutschtums in der 



Das Deutschtum in Österreich 75 

alten Ostmark, sondern war das zwangsläufige Ergebnis 
der Unmöglichkeit, mit zehn Millionen Menschen einen 
Fünfzig-Millionen-Staat von verschiedenen Nationen auf 
die Dauer halten zu können, wenn eben nicht ganz be- 
stimmte Voraussetzungen rechtzeitig gegeben wurden. 

Der Deutschösterreicher dachte mehr als groß. 

Er war immer gewohnt, im Rahmen eines großen 
Reiches zu leben und hatte das Gefühl für die damit ver- 
bundenen Aufgaben nie verloren. Er war der einzige in 
diesem Staate, der über die Grenzen des engeren Kron- 
laubes hinaus noch die Reichsgrenze sah; ja, als das Schick- 
sal ihn schließlich vom gemeinsamen Vaterlande trennen 
sollte, da versuchte er immer noch der ungeheuren Aufgabe 
Herr zu werden und dem Deutschtum zu erhalten, was 
die Väter in unendlichen Kämpfen dem Osten einst ab- 
gerungen hatten. Wobei noch zu bedenken ist, daß dies 
nur noch mit geteilter Kraft geschehen konnte; denn Herz 
und Erinnerung der Besten hörten niemals auf, für das 
gemeinsame Mutterland zu empfinden, und nur ein Rest 
blieb der Heimat. 

Schon der allgemeine Gesichtskreis des Deutschöster- 
reichers war ein verhältnismäßig weiter. Seine wirtschaft- 
lichen Beziehungen umfaßten häufig nahezu das ganze 
vielgestaltige Reich. Fast alle wirklich großen Unterneh- 
mungen befanden sich in seinen Händen, das leitende Per- 
sonal an Technikern und Beamten ward zum größten Teil 
von ihm gestellt. Er war aber auch der Träger des Außen- 
handels, soweit nicht das Judentum auf diese ureigenste 
Domäne seine Hand gelegt hatte. Politisch hielt er allein 
noch den Staat zusammen. Schon die Dienstzeit beim Heere 
war ihn über die engen Grenzen der Heimat weit hinaus. 
Der deutschösterreichische Rekrut rückte wohl vielleicht bei 
einem deutschen Regimente ein, allein das Regiment selber 
konnte ebensogut in der Herzegowina liegen wie in Wien 
oder Galizien. Das Offizierskorps war immer noch deutsch, 
das höhere Beamtentum vorherrschend. Deutsch aber waren 
endlich Kunst und Wissenschaft. Abgesehen vom Kitsch der 
neueren Kunstentwicklung, dessen Produktion allerdings 



76 Das Deutschtum in Österreich 

auch einem Negervolke ohne weiteres möglich sein dürfte, 
war der Besitzer und auch Verbreiter wahrer Kunstgesin- 
nung nur der Deutsche allein. In Musik, Baukunst, Bild- 
hauerei und Malerei war Wien der Brunnen, der in un- 
erschöpflicher Fülle die ganze Doppelmonarchie versorgte, 
ohne jemals selber sichtlich zu versiegen. 

Das Deutschtum war endlich noch der Träger der ge- 
samten Außenpolitik, wenn man von den der Zahl nach 
wenigen Ungarn absieht. 

Dennoch war jeder Versuch, dieses Reich zu erhalten, 
vergeblich, da die wesentlichste Voraussetzung fehlte. 

Für den österreichischen Völkerstaat gab es nur eine 
Möglichkeit, die zentrifugalen Kräfte bei den einzelnen 
Nationen zu überwinden. Der Staat wurde entweder zen- 
tral regiert und damit aber auch ebenso innerlich organi- 
siert, oder er war überhaupt nicht denkbar. 

In verschiedenen lichten Augenblicken kam diese Einsicht 
auch der „Allerhöchsten" Stelle, um aber zumeist schon 
nach kurzer Zeit vergessen oder als schwer durchführbar 
wieder beiseitegetan zu werden. Jeder Gedanke einer mehr 
föderativen Ausgestaltung des Reiches mußte zwangs- 
läufig infolge des Fehlens einer starken staatlichen Keim- 
zelle von überragender Macht fehlschlagen. Dazu kamen 
noch die wesentlich anderen inneren Voraussetzungen des 
österreichischen Staates gegenüber dem Deutschen Reiche 
Bismarckscher Fassung. In Deutschland handelte es sich nur 
darum, politische Traditionen zu überwinden, da kulturell 
eine gemeinsame Grundlage immer vorlag. Vor allem 
besaß das Reich, von kleinen fremden Splittern abgesehen, 
nur Angehörige eines Volkes. 

In Österreich lagen die Verhältnisse umgekehrt. 

Hier fiel die politische Erinnerung eigener Größe bei den 
einzelnen Ländern, von Ungarn abgesehen, entweder ganz 
fort, oder sie war vom Schwamm der Zeit gelöscht, minde- 
stens aber verwischt und undeutlich. Dafür entwickelten sich 
nun im Zeitalter des Nationalitätenprinzips in den ver- 
schiedenen Ländern völkische Kräfte, deren Überwindung in 
eben dem Maße schwer werden mußte, als sich am Rande 



Zentrifugale Kräfte der Völker Österreichs 77 

der Monarchie Nationalstaaten zu bilden begannen, deren 
Staatsvölker, rassisch mit den einzelnen österreichischen 
Volkssplittern verwandt oder gleich, nunmehr ihrerseits 
mehr Anziehungskraft auszuüben vermochten, als dies um- 
gekehrt dem Deutschösterreicher noch möglich war. 

Selbst Wien konnte auf die Dauer diesen Kampf nicht 
mehr bestehen. 

Mit der Entwicklung von Budapest zur Großstadt hatte 
es zum ersten Male eine Rivalin erhalten, deren Aufgabe 
nicht mehr die Zusammenfassung der Gesamtmonarchie war, 
sondern vielmehr die Stärkung eines Teiles derselben. In 
kurzer Zeit schon sollte Prag dem Beispiel folgen, dann 
Lemberg, Laibach usw. Mit dem Aufstieg dieser einstmali- 
gen Provinzstädte zu nationalen Hauptstädten einzelner 
Länder bildeten sich nun auch Mittelpunkte für ein mehr 
und mehr selbständiges Kulturleben derselben. Erst da- 
durch aber erhielten die völkisch-politischen Instinkte ihre 
geistige Grundlage und Vertiefung. Es mußte so einmal der 
Zeitpunkt herannahen, da diese Triebkräfte der einzelnen 
Völker mächtiger wurden als die Kraft der gemeinsamen 
Interessen, und dann war es um Österreich geschehen. 

Diese Entwicklung ließ sich seit dem Tode Josephs II. in 
ihrem Laufe sehr deutlich feststellen. Ihre Schnelligkeit war 
von einer Reihe von Faktoren abhängig, die zum Teil in 
der Monarchie selber lagen, zum anderen Teil aber das 
Ergebnis der jeweiligen außenpolitischen Stellung des 
Reiches bildeten. 

Wollte man den Kampf für die Erhaltung dieses Staates 
ernstlich aufnehmen und durchfechten, dann konnte nur eine 
ebenso rücksichtslose wie beharrliche Zentralisierung allein 
zum Ziele führen. Dann mußte aber vor allem durch die 
prinzipielle Festlegung einer einheitlichen Staatssprache die 
rein formelle Zusammengehörigkeit betont, der Verwaltung 
aber das technische Hilfsmittel in die Hand gedrückt wer- 
den, ohne das ein einheitlicher Staat nun einmal nicht zu 
bestehen vermag. Ebenso konnte nur dann auf die Dauer 
durch Schule und Unterricht eine einheitliche Staatsgesin- 
nung herangezüchtet werden. Dies war nicht in zehn oder 



78 Folgen blutsmäßiger Verschiedenheit 

zwanzig Jahren zu erreichen, sondern hier mußte man mit 
Jahrhunderten rechnen, wie denn überhaupt in allen kolo- 
nisatorischen Fragen der Beharrlichkeit eine größere Be- 
deutung zukommt als der Energie des Augenblicks. 

Daß dann die Verwaltung sowohl als auch die politische 
Leitung in strengster Einheitlichkeit zu führen sind, ver- 
steht sich von selbst. 

Es war nun für mich unendlich lehrreich, festzustellen, 
warum dies nicht geschah, oder besser, warum man dies 
nicht getan. Nur der Schuldige an dieser Unterlassung war 
der Schuldige am Zusammenbruche des Reiches. 

Das alte Österreich war mehr als ein anderer Staat ge- 
bunden an die Größe seiner Leitung. Hier fehlte ja das 
Fundament des Nationalstaates, der in der völkischen 
Grundlage immer noch eine Kraft der Erhaltung besitzt, 
wenn die Führung als solche auch noch so sehr versagt. Der 
einheitliche Volksstaat kann vermöge der natürlichen Träg- 
heit seiner Bewohner und der damit verbundenen Wider- 
standskraft manchmal erstaunlich lange Perioden schlechte- 
ster Verwaltung oder Leitung ertragen, ohne daran inner- 
lich zugrunde zu gehen. Es ist dann oft so, als befinde sich 
in einem solchen Körper keinerlei Leben mehr, als wäre er 
tot und abgestorben, bis plötzlich der Totgewähnte sich wie- 
der erhebt und nun staunenswerte Zeichen seiner unver- 
wüstlichen Lebenskraft der übrigen Menschheit gibt. 

Anders aber ist dies bei einem Reiche, das, aus nicht glei- 
chen Völkern zusammengesetzt, nicht durch das gemeinsame 
Blut, als vielmehr durch eine gemeinsame Faust gehalten 
wird. Hier wird jede Schwäche der Leitung nicht zu einem 
Winterschlaf des Staates führen, sondern zu einem Er- 
wachen all der individuellen Instinkte Anlaß geben, die 
blutsmäßig vorhanden sind, ohne sich in Zeiten eines über- 
ragenden Willens entfalten zu können. Nur durch jahr- 
hundertelange gemeinsame Erziehung, durch gemeinsame 
Tradition, gemeinsame Interessen usw. kann diese Gefahr 
gemildert werden. Daher werden solche Staatsgebilde, je 
jünger sie sind, um so mehr von der Größe der Führung 
abhängen, ja als Werk überragender Gewaltmenschen und 



Joseph II. 79 

Geistesheroen oft schon nach dem Tode des einsamen großen 
Begründers wieder zerfallen. Aber noch nach Jahrhunder- 
ten können diese Gefahren nicht als überwunden gelten, sie 
schlummern nur, um oft ganz plötzlich zu erwachen, sobald die 
Schwäche der gemeinsamen Leitung und die Kraft der Er- 
ziehung, die Erhabenheit aller Tradition, nicht mehr den 
Schwung des eigenen Lebensdranges der verschiedenen 
Stämme zu überwinden vermag. 

Dies nicht begriffen zu haben, ist die vielleicht tragische 
Schuld des Hauses Habsburg. 

Einem einzigen unter ihnen hielt das Schicksal noch ein- 
mal die Fackel über die Zukunft seines Landes empor, dann 
verlosch sie für immer. 

Joseph IL, römischer Kaiser der deutschen Nation, sah in 
fliegender Angst, wie sein Haus, auf die äußerste Kante des 
Reiches gedrängt, dereinst im Strudel eines Völkerbaby- 
lons verschwinden müßte, wenn nicht in letzter Stunde das 
Versäumte der Väter wieder gutgemacht würde. Mit über- 
menschlicher Kraft stemmte sich der „Freund der Menschen" 
gegen die Fahrlässigkeit der Vorfahren und suchte in einem 
Jahrzehnt einzuholen, was Jahrhunderte vordem versäum- 
ten. Wären ihm nur vierzig Jahre vergönnt gewesen zu 
seiner Arbeit und hätten nach ihm auch nur zwei Genera- 
tionen in gleicher Weise das begonnene Werk fortgeführt, 
so würde das Wunder wahrscheinlich gelungen sein. Als er 
aber nach kaum zehn Jahren Regierung, zermürbt an Leib 
und Seele, starb, sank mit ihm auch sein Werk in das Grab, 
um, nicht mehr wiedererweckt, in der Kapuzinergruft auf 
ewig zu entschlafen. 

Seine Nachfolger waren der Aufgabe weder geistig noch 
willensmäßig gewachsen. 

Als nun durch Europa die ersten revolutionären Wetter- 
zeichen einer neuen Zeit flammten, da begann auch Öster- 
reich langsam nach und nach Feuer zu fangen. Allein als 
der Brand endlich ausbrach, da wurde die Glut schon weni- 
ger durch soziale, gesellschaftliche oder auch allgemeine 
politische Ursachen angefacht als vielmehr durch Trieb- 
kräfte völkischen Ursprungs. 



80 Die Auflösung der Donaumonarchie 

Die Revolution des Jahres 1848 konnte überall Klassen- 
kampf sein, in Österreich jedoch war sie schon der Beginn 
eines neuen Rassenstreites. Indem damals der Deutsche, 
diesen Ursprung vergessend oder nicht erkennend, sich in 
den Dienst der revolutionären Erhebung stellte, besiegelte 
er damit sein eigenes Los. Er half mit, den Geist der west- 
lichen Demokratie zu erwecken, der in kurzer Zeit ihm die 
Grundlagen der eigenen Existenz entzog. 

Mit der Bildung eines parlamentarischen Vertretungs- 
körpers ohne die vorhergehende Niederlegung und Festi- 
gung einer gemeinsamen Staatssprache war der Grund- 
stein zum Ende der Vorherrschaft des Deutschtums in der 
Monarchie gelegt worden. Von diesem Augenblick an war 
damit aber auch der Staat selber verloren. Alles, was 
nun noch folgte, war nur die historische Abwicklung eines 
Reiches. 

Diese Auflösung zu verfolgen, war ebenso erschütternd 
wie lehrreich. In tausend und aber tausend Formen vollzog 
sich im einzelnen diese Vollstreckung eines geschichtlichen 
Urteils. Daß ein großer Teil der Menschen blind durch die 
Erscheinungen des Zerfalls wandelte, bewies nur den Wil- 
len der Götter zu Österreichs Vernichtung. 

Ich will hier nicht in Einzelheiten mich verlieren, da 
dies nicht die Aufgabe dieses Buches ist. Ich will nur jene 
Vorgänge in den Kreis einer gründlicheren Betrachtung 
ziehen, die als immer gleichbleibende Ursachen des Ver- 
falles von Völkern und Staaten auch für unsere heutige 
Zeit Bedeutung besitzen, und die endlich mithalfen, meiner 
politischen Denkweise die Grundlagen zu sichern. 

Unter den Einrichtungen, die am deutlichsten die Zerfres- 
sung der österreichischen Monarchie auch dem sonst nicht mit 
scharfen Augen gesegneten Spießbürger aufzeigen konnten, 
befand sich an der Spitze diejenige, die am meisten Stärke 
ihr eigen nennen sollte - das Parlament oder, wie es in 
Österreich hieß, der Reichsrat. 



Der Parlamentarismus 81 

Ersichtlich war das Muster dieser Körperschaft in Eng- 
land, dem Lande der klassischen „Demokratie", gelegen. 
Von dort übernahm man die ganze beglückende Anordnung 
und setzte sie so unverändert als möglich nach Wien. 

Im Abgeordneten- und Herrenhaus feierte das englische 
Zweikammersystem seine Wiederauferstehung. Nur die 
„Häuser" selber waren etwas verschieden. Als Barry einst 
seinen Parlamentspalast aus den Fluten der Themse her- 
auswachsen ließ, da griff er in die Geschichte des britischen 
Weltreichs hinein und holte sich aus ihr den Schmuck für 
die 1200 Nischen, Konsolen und Säulen seines Prachtbaues 
heraus. In Bildwerk und Malerkunst wurde so das Haus 
der Lords und des Volkes zum Ruhmestempel der Nation. 

Hier kam die erste Schwierigkeit für Wien. Denn als der 
Däne Hansen die letzten Giebel am Marmorhaus der neuen 
Volksvertretung vollendet hatte, da blieb ihm auch zur 
Zierde nichts anderes übrig, als Entlehnungen bei der An- 
tike zu versuchen. Römische und griechische Staatsmänner 
und Philosophen verschönern nun dieses Theatergebäude 
der „westlichen Demokratie", und in symbolischer Ironie 
ziehen über den zwei Häusern die Quadrigen nach den vier 
Himmelsrichtungen auseinander, auf solche Art dem da- 
maligen Treiben im Innern auch nach außen den besten 
Ausdruck verleihend. 

Die „Nationalitäten" hatten es sich als Beleidigung und 
Provokation verbeten, daß in diesem Werke österreichische 
Geschichte verherrlicht würde, so wie man im Reiche selbst 
ja auch erst unter dem Donner der Weltkriegsschlachten 
wagte, den Wallotschen Bau des Reichstags durch Inschrift 
dem deutschen Volke zu weihen. 

Als ich, noch nicht zwanzig Jahre alt, zum erstem Male 
in den Prachtbau am Franzensring ging, um als Zuschauer 
und Hörer einer Sitzung des Abgeordnetenhauses beizu- 
wohnen, ward ich von den widerstrebendsten Gefühlen er- 
faßt. 

Ich hatte schon von jeher das Parlament gehaßt, jedoch 
durchaus nicht als Institution an sich. Im Gegenteil, als 
freiheitlich empfindender Mensch konnte ich mir eine andere 



82 Der Parlamentarismus 

Möglichkeit der Regierung gar nicht vorstellen, denn der 
Gedanke irgendeiner Diktatur wäre mir bei meiner Hal- 
tung zum Hause Habsburg als Verbrechen wider die Frei- 
heit und gegen jede Vernunft vorgekommen. 

Nicht wenig trug dazu bei, daß mir als jungem Men- 
schen infolge meines vielen Zeitungslesens, ohne daß ich 
dies wohl selber ahnte, eine gewisse Bewunderung für das 
englische Parlament eingeimpft worden war, die ich nicht 
so ohne weiteres zu verlieren vermochte. Die Würde, mit 
der dort auch das Unterhaus seinen Aufgaben oblag (wie 
dies unsere Presse so schön zu schildern verstand), impo- 
nierte mir mächtig. Konnte es denn überhaupt eine erhabe- 
nere Form der Selbstregierung eines Volkstums geben? 

Gerade deshalb aber war ich ein Feind des österreichi- 
schen Parlaments. Ich hielt die Form des ganzen Auf- 
tretens für unwürdig des großen Vorbildes. Nun trat aber 
noch folgendes hinzu: 

Das Schicksal des Deutschtums im österreichischen Staate 
war abhängig von seiner Stellung im Reichsrat. Bis zur 
Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts war 
noch eine, wenn auch unbedeutende deutsche Majorität im 
Parlament vorhanden. Schon dieser Zustand war bedenk- 
lich, da bei der national unzuverlässigen Haltung der So- 
zialdemokratie diese in kritischen, das Deutschtum betref- 
fenden Fragen - um sich nicht die Anhänger in den ein- 
zelnen Fremdvölkern abspenstig zu machen - immer gegen 
die deutschen Belange auftrat. Die Sozialdemokratie konnte 
schon damals nicht als deutsche Partei betrachtet werden. 
Mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts aber 
hörte die deutsche Überlegenheit auch rein ziffernmäßig 
auf. Nun war der weiteren Entdeutschung des Staates kein 
Hindernis mehr im Wege. 

Der nationale Selbsterhaltungstrieb ließ mich schon da- 
mals aus diesem Grunde eine Volksvertretung wenig 
lieben, in der das Deutschtum immer statt vertreten 
verraten wurde. Allein dies waren Mängel, die, wie so 
vieles andere eben auch, nicht der Sache an sich, sondern 
dem österreichischen Staate zuzuschreiben waren. Ich 



Der Parlamentarismus 83 

glaubte früher noch, daß mit einer Wiederherstellung der 
deutschen Mehrheit in den Vertretungskörpern zu einer 
prinzipiellen Stellungnahme dagegen kein Anlaß mehr vor- 
handen wäre, solange der alte Staat eben überhaupt noch 
bestünde. 

So also innerlich eingestellt, betrat ich zum ersten Male 
die ebenso geheiligten wie umstrittenen Räume. Allerdings 
waren sie mir nur geheiligt durch die erhabene Schönheit 
des herrlichen Baues. Ein hellenisches Wunderwerk auf 
deutschem Boden. 

In wie kurzer Zeit aber war ich empört, als ich das 
jämmerliche Schauspiel sah, das sich nun unter meinen 
Augen abrollte! 

Es waren einige Hundert dieser Volksvertreter an- 
wesend, die eben zu einer Frage von wichtiger wirtschaft- 
licher Bedeutung Stellung zu nehmen hatten. 

Mir genügte schon dieser erste Tag, um mich zum Denken 
auf Wochen hindurch anzuregen. 

Der geistige Gehalt des Vorgebrachten lag auf einer 
wahrhaft niederdrückenden „Höhe", soweit man das Ge- 
rede überhaupt verstehen konnte; denn einige der Herren 
sprachen nicht deutsch, sondern in ihren slawischen Mutter- 
sprachen oder besser Dialekten. Was ich bis dahin nur aus 
dem Lesen der Zeitungen wußte, hatte ich nun Gelegen- 
heit, mit meinen eigenen Ohren zu hören. Eine gestikulie- 
rende, in allen Tonarten durcheinander schreiende, wild- 
bewegte Masse, darüber einen harmlosen alten Onkel, der 
sich im Schweiße seines Angesichts bemühte, durch heftiges 
Schwingen einer Glocke und bald begütigende, bald ermah- 
nende ernste Zurufe die Würde des Hauses wieder in Fluß 
zu bringen. 

Ich mußte lachen. 

Einige Wochen später war ich neuerdings in dem Hause. 
Das Bild war verändert, nicht zum Wiedererkennen. Der 
Saal ganz leer. Man schlief da unten. Einige Abgeordnete 
waren auf ihrem Plätzen und gähnten sich gegenseitig an, 
einer „redete". Ein Vizepräsident des Hauses war an- 
wesend und sah ersichtlich gelangweilt in den Saal. 



84 Der Parlamentarismus 

Die ersten Bedenken stiegen mir auf. Nun lief ich, wenn 
mir die Zeit nur irgendwie die Möglichkeit bot, immer wie- 
der hin und betrachtete mir still und aufmerksam das 
jeweilige Bild, hörte die Reden an, soweit sie zu verstehen 
waren, studierte die mehr oder minder intelligenten Ge- 
sichter dieser Auserkorenen der Nationen dieses traurigen 
Staates - und machte mir dann allmählich meine eigenen 
Gedanken. 

Ein Jahr dieser ruhigen Beobachtung genügte, um meine 
frühere Ansicht über das Wesen dieser Institution aber auch 
restlos zu ändern oder zu beseitigen. Mein Inneres nahm 
nicht mehr Stellung gegen die mißgestaltete Form, die die- 
ser Gedanke in Österreich angenommen hatte; nein, nun 
konnte ich das Parlament als solches nicht mehr anerken- 
nen. Bis dahin sah ich das Unglück des österreichischen Par- 
laments im Fehlen einer deutschen Majorität, nun aber 
sah ich das Verhängnis in der ganzen Art und dem Wesen 
dieser Einrichtung überhaupt. 

Eine ganze Reihe von Fragen stieg mir damals auf. 

Ich begann mich mit dem demokratischen Prinzip der 
Mehrheitsbestimmung, als der Grundlage dieser ganzen 
Einrichtung, vertraut zu machen, schenkte aber auch nicht 
weniger Aufmerksamkeit den geistigen und moralischen 
Werten der Herren, die als Auserwählte der Nationen 
diesem Zwecke dienen sollten. 

So lernte ich Institutionen und Träger derselben zugleich 
kennen. 

Im Verlauf einiger Jahre bildete sich mir dann in 
Erkenntnis und Einsicht der Typ der würdevollsten Er- 
scheinung der neueren Zeit in plastischer Deutlichkeit aus: 
der Parlamentarier. Er begann sich mir einzuprägen in 
einer Form, die niemals mehr einer wesentlichen Ände- 
rung unterworfen wurde. 

Auch dieses Mal hatte mich der Anschauungsunterricht 
der praktischen Wirklichkeit davor bewahrt, in einer Theorie 
zu ersticken, die auf den ersten Blick so vielen verfüh- 
rerisch erscheint, die aber nichtsdestoweniger zu den Ver- 
fallserscheinungen der Menschheit zu rechnen ist. 



Der Parlamentarismus 85 

Die Demokratie des heutigen Westens ist der Vorläufer 
des Marxismus, der ohne sie gar nicht denkbar wäre. Sie 
gibt erst dieser Weltpest den Nährboden, auf dem sich dann 
die Seuche auszubreiten vermag. In ihrer äußeren Aus- 
drucksform, dem Parlamentarismus, schuf sie sich noch 
eine „Spottgeburt aus Dreck und Feuer", bei der mir 
nur leider das „Feuer" im Augenblick ausgebrannt zu 
sein scheint. 

Ich muß dem Schicksal mehr als dankbar sein, daß es 
mir auch diese Frage noch in Wien zur Prüfung vorlegte, 
denn ich fürchte, daß ich mir in Deutschland damals die 
Antwort zu leicht gemacht haben würde. Hätte ich die Lä- 
cherlichkeit dieser Institution, „Parlament" genannt, zuerst 
in Berlin kennengelernt, so würde ich vielleicht in das 
Gegenteil verfallen sein und mich, nicht ohne scheinbar guten 
Grund, auf die Seite derjenigen gestellt haben, die des 
Volkes und Reiches Heil in der ausschließlichen Förderung 
der Macht des Kaisergedankens allein erblickten und so der 
Zeit und den Menschen dennoch fremd und blind zugleich 
gegenüberstanden. 

In Österreich war dies unmöglich. 

Hier konnte man nicht so leicht von einem Fehler in den 
anderen verfallen. Wenn das Parlament nichts taugte, 
dann taugten die Habsburger noch viel weniger - auf gar 
keinen Fall mehr. Mit der Ablehnung des „Parlamentaris- 
mus" war es hier allein nicht getan; denn dann blieb im- 
mer noch die Frage offen: Was nun? Die Ablehnung und 
Beseitigung des Reichsrates würde als einzige Regierungs- 
gewalt ja nur das Haus Habsburg übriggelassen haben, 
ein besonders für mich ganz unerträglicher Gedanke. 

Die Schwierigkeit dieses besonderen Falles führte mich 
zu einer gründlicheren Betrachtung des Problems an sich, 
als dies sonst wohl in so jungen Jahren eingetreten wäre. 

Was mir zuallererst und am allermeisten zu denken gab, 
war das ersichtliche Fehlen jeder Verantwortlichkeit einer 
einzelnen Person. 

Das Parlament faßt irgendeinen Beschluß, dessen Folgen 
noch so verheerend sein mögen - niemand trägt dafür eine 



86 Der Mangel an Verantwortung 

Verantwortung, niemand kann je zur Rechenschaft gezogen 
werden. Denn heißt dies etwa Verantwortung überneh- 
men, wenn nach einem Zusammenbruch sondergleichen die 
schuldige Regierung zurücktritt? Oder die Koalition sich 
ändert, ja das Parlament sich auflöst? 

Kann den überhaupt eine schwankende Mehrheit von 
Menschen jemals verantwortlich gemacht werden? 

Ist denn nicht der Gedanke jeder Verantwortlichkeit an 
die Person gebunden? 

Kann man aber praktisch die leitende Person einer Re- 
gierung haftbar machen für Handlungen, deren Werden 
und Durchführung ausschließlich auf das Konto des Wol- 
lens und der Geneigtheit einer Vielheit von Menschen zu 
setzen sind? 

Oder: Wird nicht die Aufgabe des leitenden Staats- 
mannes, statt in der Geburt des schöpferischen Gedankens 
oder Planes an sich, vielmehr nur in der Kunst gesehen, 
die Genialität seiner Entwürfe einer Hammelherde von 
Hohlköpfen verständlich zu machen, um dann deren gütige 
Zustimmung zu erbetteln? 

Ist dies das Kriterium des Staatsmannes, daß er die 
Kunst der Überredung in ebenso hohem Maße besitze wie 
die der staatsmännischen Klugheit im Fassen großer Richt- 
linien oder Entscheidungen? 

Ist die Unfähigkeit eines Führers dadurch bewiesen, daß 
es ihm nicht gelingt, die Mehrheit eines durch mehr oder 
minder saubere Zufälle zusammengebeulten Haufens für 
eine bestimmte Idee zu gewinnen? 

Ja, hat denn dieser Haufe überhaupt schon einmal eine 
Idee begriffen, ehe der Erfolg zum Verkünder ihrer Größe 
wurde? 

Ist nicht jede geniale Tat auf dieser Welt der sichtbare 
Protest des Genies gegen die Trägheit der Masse? 

Was aber soll der Staatsmann tun, dem es nicht gelingt, 
die Gunst dieses Haufens für seine Pläne zu erschmeicheln? 

Soll er sie erkaufen? 

Oder soll er angesichts der Dummheit seiner Mitbürger 
auf die Durchführung der als Lebensnotwendigkeiten er- 



Die Zerstörung des Führergedankens 87 

kannten Aufgaben verzichten, sich zurückziehen, oder soll 
er dennoch bleiben? 

Kommt nicht in einem solchen Falle der wirkliche Cha- 
rakter in einen unlösbaren Konflikt zwischen Erkenntnis 
und Anstand oder, besser gesagt, ehrlicher Gesinnung? 

Wo liegt hier die Grenze, die die Pflicht der Allgemein- 
heit gegenüber scheidet von der Verpflichtung der persön- 
lichen Ehre? 

Muß nicht jeder wahrhaftige Führer es sich verbitten, 
auf solche Weise zum politischen Schieber degradiert zu 
werden? 

Und muß nicht umgekehrt jeder Schieber sich nun be- 
rufen fühlen, in Politik zu „machen", da die letzte Ver- 
antwortung niemals er, sondern irgendein unfaßbarer Haufe 
zu tragen hat? 

Muß nicht unser parlamentarisches Mehrheitsprinzip zur 
Demolierung des Führergedankens überhaupt führen? 

Glaubt man aber, daß der Fortschritt dieser Welt etwa 
aus dem Gehirn von Mehrheiten stammt und nicht aus 
den Köpfen einzelner? 

Oder vermeint man, vielleicht für die Zukunft dieser 
Voraussetzung menschlicher Kultur entbehren zu können? 

Scheint sie nicht im Gegenteil heute nötiger zu sein 
als je? 

Indem das parlamentarische Prinzip der Majoritäts- 
bestimmung die Autorität der Person ablehnt und an deren 
Stelle die Zahl des jeweiligen Haufens setzt, sündigt es 
wider den aristokratischen Grundgedanken der Natur, wo- 
bei allerdings deren Anschauung vom Adel in keinerlei 
Weise etwa in der heutigen Dekadenz unserer oberen Zehn- 
tausend verkörpert zu sein braucht. 

Welche Verwüstungen diese Einrichtung moderner demo- 
kratischer Parlamentsherrschaft anrichtet, kann sich freilich 
der Leser jüdischer Zeitungen schwer vorstellen, sofern er 
nicht selbständig denken und prüfen gelernt hat. Sie ist in 
erster Linie der Anlaß für die unglaubliche Überschwem- 
mung des gesamten politischen Lebens mit den minder- 
wertigsten Erscheinungen unserer Tage. So sehr sich der 



88 Die Ausschaltung von Köpfen 

wahrhaftige Führer von einer politischen Betätigung zu- 
rückziehen wird, die zu ihrem größten Teile nicht in schöp- 
ferischer Leistung und Arbeit bestehen kann, als vielmehr 
im Feilschen und Handeln um die Gunst einer Mehrheit, 
so sehr wird gerade diese Tätigkeit dem kleinen Geist ent- 
sprechen und diesen mithin auch anziehen. 

Je zwergenhafter ein solcher Lederhändler heute an Geist 
und Können ist, je klarer ihm die eigene Einsicht die 
Jämmerlichkeit seiner tatsächlichen Erscheinung zum Be- 
wußtsein bringt, um so mehr wird er ein System preisen, 
das von ihm gar nicht die Kraft und Genialität eines 
Riesen verlangt, sondern vielmehr mit der Pfiffigkeit eines 
Dorfschulzen vorliebnimmt, ja, eine solche Art von Weis- 
heit lieber sieht als die eines Perikles. Dabei braucht solch 
ein Tropf sich nie mit der Verantwortung seines Wirkens 
abzuquälen. Er ist dieser Sorge schon deshalb gründlich 
enthoben, da er ja genau weiß, daß, ganz gleich, wie 
immer auch das Ergebnis seiner „staatsmännischen" Murk- 
serei sein wird, sein Ende ja doch schon längst in den 
Sternen verzeichnet steht: er wird eines Tages einem an- 
deren, ebenso großen Geist den Platz zu räumen haben. 
Denn dies ist mit ein Kennzeichen eines solchen Verfalls, 
daß die Menge großer Staatsmänner in eben dem Maße 
zunimmt, in dem der Maßstab des einzelnen zusammen- 
schrumpft. Er wird aber mit zunehmender Abhängigkeit 
von parlamentarischen Mehrheiten immer kleiner werden 
müssen, da sowohl die großen Geister es ablehnen werden, 
die Büttel blöder Nichtskönner und Schwätzer zu sein, wie 
umgekehrt die Repräsentanten der Majorität, das ist also 
der Dummheit, nicht inständiger hassen als den über- 
legenen Kopf. 

Es ist immer ein tröstliches Gefühl für solch eine Rats- 
versammlung Schildaer Stadtverordneter, einen Führer an 
der Spitze zu wissen, dessen Weisheit dem Niveau der An- 
wesenden entspricht: hat doch so jeder die Freude, von Zeit 
zu Zeit auch seinen Geist dazwischen blitzen lassen zu kön- 
nen - und vor allem aber, wenn Hinze Meister sein kann, 
warum dann nicht auch einmal Peter? 



Die Ausschaltung von Köpfen 89 

Am innigsten entspricht diese Erfindung der Demokratie 
aber einer Eigenschaft, die in letzter Zeit zu einer wahren 
Schande ausgewachsen ist, nämlich der Feigheit eines gro- 
ßen Teils unseres sogenannten „Führertums". Welch ein 
Glück, sich in allen wirklichen Entscheidungen von einiger 
Bedeutung hinter den Rockschößen einer sogenannten Majo- 
rität verstecken zu können! 

Man sehe sich nur solch einen politischen Strauchdieb ein- 
mal an, wie er besorgt zu jeder Verrichtung sich die Zu- 
stimmung der Mehrheit erbettelt, um sich so die notwen- 
digen Spießgesellen zu sichern und damit jederzeit die Ver- 
antwortung abladen zu können. Dies aber ist mit der 
Hauptgrund, warum eine solche Art von politischer Be- 
tätigung einem innerlich anständigen und damit aber auch 
mutigen Mann widerlich und verhaßt ist, während es alle 
elenden Charaktere - und wer nicht für seine Handlung 
persönlich auch die Verantwortung übernehmen will, son- 
dern nach Deckung sucht, ist ein feiger Lump - anzieht. 
Sowie aber erst einmal die Leiter einer Nation aus solchen 
Jämmerlingen bestehen, dann wird sich dies schon in kurzer 
Zeit böse rächen. Man wird dann zu keiner entschlossenen 
Handlung mehr den Mut aufbringen, wird jede, auch noch 
so schmähliche Entehrung lieber hinnehmen, als sich zu 
einem Entschlüsse aufzuraffen; ist doch niemand mehr da, 
der von sich aus bereit ist, seine Person und seinen Kopf 
für die Durchführung einer rücksichtslosen Entscheidung 
einzusetzen. 

Denn eines soll und darf man nie vergessen: Die Majo- 
rität kann auch hier den Mann niemals ersetzen. Sie ist 
nicht nur immer eine Vertreterin der Dummheit, sondern 
auch der Feigheit. Und so wenig hundert Hohlköpfe einen 
Weisen ergeben, so wenig kommt aus hundert Feiglingen 
ein heldenhafter Entschluß. 

Je leichter aber die Verantwortung des einzelnen Füh- 
rers ist, um so mehr wird die Zahl derjenigen wachsen, die 
selbst bei jämmerlichsten Ausmaßen sich berufen fühlen 
werden, ebenfalls der Nation ihre unsterblichen Kräfte zur 
Verfügung zu stellen. Ja, sie werden es gar nicht mehr er- 



90 Die Ausschaltung von Köpfen 

warten können, endlich einmal auch an die Reihe zu kom- 
men; sie stehen an in einer langen Kolonne und zählen 
mit schmerzlichem Bedauern die Zahl der vor ihnen War- 
tenden und rechnen die Stunde fast aus, die menschlichem 
Ermessen nach sie zum Zuge bringen wird. Daher ersehnen 
sie jeden Wechsel in dem ihnen vorschwebenden Amte und 
sind dankbar für jeden Skandal, der die Reihe vor ihnen 
lichtet. Will jedoch einmal einer nicht von der eingenom- 
menen Stelle wieder weichen, so empfinden sie dies fast 
als Bruch eines heiligen Abkommens gemeinsamer Soli- 
darität. Dann werden sie bösartig und ruhen nicht eher, 
als bis der Unverschämte, endlich gestürzt, seinen warmen 
Platz der Allgemeinheit wieder zur Verfügung stellt. Er 
wird dafür nicht so schnell wieder an diese Stelle gelangen. 
Denn sowie eine dieser Kreaturen ihren Posten aufzugeben 
gezwungen ist, wird sie sich sofort wieder in die allgemeine 
Reihe der Wartenden einzuschieben versuchen, sofern nicht 
das dann anhebende Geschrei und Geschimpfe der anderen 
sie davon abhält. 

Die Folge von dem allen ist der erschreckend schnelle 
Wechsel in den wichtigsten Stellen und Ämtern eines solchen 
Staatswesens, ein Ergebnis, das in jedem Falle ungünstig, 
manchmal aber geradezu katastrophal wirkt. Denn nun 
wird ja nicht nur der Dummkopf und Unfähige dieser 
Sitte zum Opfer fallen, sondern noch mehr der wirkliche 
Führer, wenn das Schicksal einen solchen an diese Stelle zu 
setzen überhaupt noch fertigbringt. Sowie man nur einmal 
dieses erkannt hat, wird sich sofort eine geschlossene Front 
zur Abwehr bilden, besonders, wenn ein solcher Kopf, ohne 
aus den eigenen Reihen zu stammen, dennoch sich unter- 
steht, in diese erhabene Gesellschaft einzudringen. Man will 
da grundsätzlich nur unter sich sein und haßt als gemein- 
samen Feind jeden Schädel, der unter den Nullen etwa 
einen Einser ergeben könnte. Und in dieser Richtung ist 
der Instinkt um so schärfer, je mehr er auch in allem ande- 
ren fehlen mag. 

So wird die Folge eine immer mehr um sich greifende 
geistige Verarmung der führenden Schichten sein. Was da- 



Die Ausschaltung von Köpfen 91 

bei für die Nation und den Staat herauskommt, kann jeder 
selbst ermessen, soweit er nicht persönlich zu dieser Sorte 
von „Führern" gehört. 

Das alte Österreich besaß das parlamentarische Regiment 
bereits in Reinkultur. 

Wohl wurden die jeweiligen Ministerpräsidenten vom 
Kaiser und König ernannt, allein schon diese Ernennung 
war nichts anderes als die Vollstreckung parlamentarischen 
Wollens. Das Feilschen und Handeln aber um die ein- 
zelnen Ministerposten war schon westliche Demokratie von 
reinstem Wasser. Die Ergebnisse entsprachen auch den an- 
gewandten Grundsätzen. Besonders der Wechsel der ein- 
zelnen Persönlichkeiten trat schon in immer kürzeren Fri- 
sten ein, um endlich zu einem wahrhaftigen Jagen zu werden. 
In demselben Maße sank die Größe der jeweiligen „Staats- 
männer" immer mehr zusammen, bis endlich überhaupt nur 
jener kleine Typ von parlamentarischen Schiebern übrig- 
blieb, deren staatsmännischer Wert nur mehr nach ihrer 
Fähigkeit gemessen und anerkannt wurde, mit der es ihnen 
gelang, die jeweiligen Koalitionen zusammenzukleistern, 
also jene kleinsten politischen Handelsgeschäfte durchzufüh- 
ren, die ja allein die Eignung dieser Volksvertreter für 
praktische Arbeit zu begründen vermögen. 

So konnte einem die Wiener Schule auf diesem Gebiete 
die besten Eindrücke vermitteln. 

Was mich nicht weniger anzog, war der Vergleich zwi- 
schen dem vorhandenen Können und Wissen dieser Volks- 
vertreter und den Aufgaben, die ihrer harrten. Freilich 
mußte man sich dann aber, man mochte wollen oder nicht, 
mit dem geistigen Horizont dieser Auserwählten der Völ- 
ker selber näher beschäftigen, wobei es sich dann gar 
nicht mehr umgehen ließ, auch den Vorgängen, die zur 
Entdeckung dieser Prachterscheinungen unseres öffentlichen 
Lebens führen, die nötige Beachtung zu schenken. 

Auch die Art und Weise, in der das wirkliche Können 
dieser Herren in den Dienst des Vaterlandes gestellt und 
angewendet wurde, also der technische Vorgang ihrer Be- 



92 Die „öffentliche Meinung" 

tätigung, war wert, gründlich untersucht und geprüft zu 
werden. 

Das gesamte Bild des parlamentarischen Lebens ward 
dann um so jämmerlicher, je mehr man sich entschloß, in 
diese inneren Verhältnisse einzudringen, Personen und 
fachliche Grundlagen mit rücksichtslos scharfer Objektivität 
zu studieren. Ja, dies ist sehr angezeigt einer Institution 
gegenüber, die sich veranlaßt sieht, durch ihre Träger in 
jedem zweiten Satz auf „Objektivität" als die einzige ge- 
rechte Grundlage zu jeglicher Prüfung und Stellungnahme 
überhaupt hinzuweisen. Man prüfe diese Herren selber 
und die Gesetze ihres bitteren Daseins, und man wird über 
das Ergebnis nur staunen. 

Es gibt gar kein Prinzip, das, objektiv betrachtet, so 
unrichtig ist wie das parlamentarische. 

Man darf dabei noch ganz absehen von der Art, in der 
die Wahl der Herren Volksvertreter stattfindet, wie sie 
überhaupt zu ihrem Amte und zu ihrer neuen Würde ge- 
langen. Daß es sich herbei nur zu einem wahrhaft win- 
zigen Bruchteil um die Erfüllung eines allgemeinen Wun- 
sches oder gar eines Bedürfnisses handelt, wird jedem so- 
fort einleuchten, der sich klarmacht, daß das politische Ver- 
ständnis der breiten Masse gar nicht so entwickelt ist, um 
von sich aus zu bestimmten allgemein politischen Anschau- 
ungen zu gelangen und die dafür in Frage kommenden 
Personen auszusuchen. 

Was wir immer mit dem Worte „öffentliche Meinung" 
bezeichnen, beruht nur zu einem kleinen Teile auf selbst- 
gewonnenen Erfahrungen oder gar Erkenntnissen der ein- 
zelnen, zum größten Teil dagegen auf der Vorstellung, die 
durch eine oft ganz unendlich eindringliche und beharrliche 
Art von sogenannter „Aufklärung" hervorgerufen wird. 

So wie die konfessionelle Einstellung das Ergebnis der 
Erziehung ist und nur das religiöse Bedürfnis an sich im 
Innern des Menschen schlummert, so stellt auch die poli- 
tische Meinung der Masse nur das Endresultat einer manch- 
mal ganz unglaublich zähen und gründlichen Bearbeitung 
von Seele und Verstand dar. 



Die „öffentliche Meinung" 93 

Der weitaus gewaltigste Anteil an der politischen „Er- 
ziehung", die man in diesem Falle mit dem Wort Propa- 
ganda sehr treffend bezeichnet, fällt auf das Konto der 
Presse. Sie besorgt in erster Linie diese „Aufklärungs- 
arbeit" und stellt damit eine Art von Schule für die Er- 
wachsenen dar. Nur liegt dieser Unterricht nicht in der 
Hand des Staates, sondern in den Klauen von zum Teil 
höchst minderwertigen Kräften. Ich hatte gerade in Wien 
schon als junger Mensch die allerbeste Gelegenheit, In- 
haber und geistige Fabrikanten dieser Massenerziehungs- 
maschine richtig kennenzulernen. Ich mußte im Anfang stau- 
nen, in wie kurzer Zeit es dieser schlimmen Großmacht im 
Staate möglich wurde, eine bestimmte Meinung zu er- 
zeugen, auch wenn es sich dabei um die vollständige Um- 
fälschung sicher vorhandener innerer Wünsche und An- 
schauungen der Allgemeinheit handeln mochte. In wenigen 
Tagen war da aus einer lächerlichen Sache eine bedeu- 
tungsvolle Staatsaktion gemacht, während umgekehrt zu 
gleicher Zeit lebenswichtige Probleme dem allgemeinen 
Vergessen anheimfielen, besser aber einfach aus dem Ge- 
dächtnis und der Erinnerung der Masse gestohlen wurden. 

So gelang es, im Verlaufe weniger Wochen Namen 
aus dem Nichts hervorzuzaubern, unglaubliche Hoffnungen 
der breiten Öffentlichkeit an sie zu knüpfen, ja ihnen Popu- 
larität zu verschaffen, die dem wirklich bedeutenden Manne 
oft in seinem ganzen Leben nicht zuteil zu werden vermag; 
Namen, die dabei noch vor einem Monat überhaupt kein 
Mensch aber auch nur dem Hören nach kannte, während 
in der gleichen Zeit alte, bewährte Erscheinungen des 
staatlichen oder sonstigen öffentlichen Lebens bei bester 
Gesundheit einfach für die Mitwelt abstarben oder mit 
solch elenden Schmähungen überhäuft wurde, daß ihr 
Name in kurzem drohte, zum Symbol einer ganz bestimm- 
ten Niedertracht oder Schurkerei zu werden. Man muß 
diese infame jüdische Art, ehrlichen Menschen mit einem 
Male und wie auf Zauberspruch zugleich von hundert und 
aller hundert Stellen aus die Schmutzkübel niedrigster Ver- 
leumdungen und Ehrabschneidungen über das saubere Kleid 



94 Die „öffentliche Meinung" 

zu gießen, studieren, um die ganze Gefahr dieser Presse- 
lumpen richtig würdigen zu können. 

Es gibt dann nichts, das solch einem geistigen Raub- 
ritter nicht passend wäre, um zu seinen sauberen Zielen zu 
kommen. 

Er wird dann bis in die geheimsten Familienangelegen- 
heiten hineinschnüffeln und nicht eher ruhen, als bis sein 
Trüffelsuchinstinkt irgendeinen armseligen Vorfall auf- 
stöbert, der dann bestimmt ist, dem unglücklichen Opfer den 
Garaus zu machen. Findet sich aber weder im öffentlichen 
noch im privaten Leben selbst bei gründlichstem Abriechen 
rein gar nichts, dann greift so ein Bursche einfach zur 
Verleumdung in der festen Überzeugung, daß nicht nur an 
und für sich auch bei tausendfältigem Widerrufe doch immer 
etwas hängen bleibt, sondern daß infolge der hundertfachen 
Wiederholung, die die Ehrabschneidung durch alle seine 
sonstigen Spießgesellen sofort findet, ein Kampf des Opfers 
dagegen in den meisten Fällen gar nicht möglich ist; wobei 
aber dieses Lumpenpack niemals etwa aus Motiven, wie 
sie vielleicht bei der anderen Menschheit glaubhaft oder 
wenigstens verständlich wären, etwas unternimmt. Gott 
bewahre! Indem so ein Strolch die liebe Mitwelt in der 
schurkenhaftesten Weise angreift, hüllt sich dieser Tinten- 
fisch in eine wahre Wolke von Biederkeit und salbungs- 
vollen Phrasen, schwatzt von „journalistischer Pflicht" und 
ähnlichem verlogenen Zeug, ja versteigt sich sogar noch 
dazu, bei Tagungen und Kongressen, also Anlässen, die 
diese Plage in größerer Zahl beisammensehen, von einer 
ganz besonderen, nämlich der journalistischen „Ehre" zu 
salbadern, die sich das versammelte Gesindel dann gravi- 
tätisch gegenseitig bestätigt. 

Dieses Pack aber fabriziert zu mehr als zwei Dritteln die 
sogenannte „öffentliche Meinung", deren Schaum dann die 
parlamentarische Aphrodite entsteigt. 

Um dieses Verfahren richtig zu schildern und in seiner 
ganzen verlogenen Unwahrhaftigkeit darzustellen, müßte 
man Bände schreiben. Allein, auch wenn man von dem 
ganz absieht und nur das gegebene Produkt samt seiner 



Das Mehrheitsprinzip 95 

Tätigkeit betrachtet, so scheint mir dies genügend, um den 
objektiven Irrsinn dieser Einrichtung auch für das streng- 
gläubige Gemüt aufdämmern zu lassen. 

Man wird diese ebenso unsinnige wie gefährliche mensch- 
liche Verwirrung am ehesten und auch am leichtesten ver- 
stehen, sobald man den demokratischen Parlamentarismus 
in Vergleich bringt mit einer wahrhaften germanischen 
Demokratie. 

Das Bemerkenswerte des ersteren liegt darin, daß eine 
Zahl von sagen wir fünfhundert Männern, oder in letzter 
Zeit auch Frauen, gewählt wird, denen nun in allem und 
jedem auch die endgültige Entscheidung zu treffen obliegt. Sie 
sind so praktisch allein die Regierung; denn wenn auch von 
ihnen ein Kabinett gewählt wird, das nach außen hin die 
Leitung der Staatsgeschäfte vornimmt, so ist dies trotzdem 
nur zum Scheine da. In Wirklichkeit kann diese sogenannte 
Regierung nicht einen Schritt tun, ohne sich nicht vorher 
erst die Genehmigung von der allgemeinen Versammlung 
geholt zu haben. Sie ist aber damit auch für gar nichts 
verantwortlich zu machen, da die letzte Entscheidung ja nie- 
mals bei ihr liegt, sondern bei der Majorität des Parla- 
ments. Sie ist in jedem Falle nur die Vollstreckerin des 
jeweiligen Mehrheitswillens. Man könnte ihre politische 
Fähigkeit eigentlich nur beurteilen nach der Kunst, mit der 
sie es versteht, sich entweder dem Willen der Mehrheit an- 
zupassen oder die Mehrheit zu sich herüberzuziehen. Sie 
sinkt damit aber von der Höhe einer tatsächlichen Regie- 
rung herunter zu einer Bettlerin gegenüber der jeweiligen 
Majorität. Ja, ihre vordringlichste Aufgabe hat nun über- 
haupt nur mehr darin zu bestehen, von Fall zu Fall sich 
entweder die Gunst der bestehenden Mehrheit zu sichern 
oder die Bildung einer besser geneigten neuen zu über- 
nehmen. Gelingt dies, dann darf sie wieder eine kleine 
Zeit weiter „regieren", gelingt es nicht, dann kann sie 
gehen. Die Richtigkeit ihrer Absichten an und für sich spielt 
dabei gar keine Rolle. 

Damit aber wird jede Verantwortlichkeit praktisch aus- 
geschaltet. 



96 Das Mehrheitsprinzip 

Zu welchen Folgen die führt, geht schon aus einer ganz 
einfachen Betrachtung hervor: 

Die innere Zusammensetzung der fünfhundert gewähl- 
ten Volksvertreter nach Beruf oder gar nach den Fähig- 
keiten der einzelnen ergibt ein ebenso zerrissenes wie meist 
auch noch kümmerliches Bild. Denn man wird doch nicht 
etwa glauben, daß diese Auserwählten der Nation auch 
ebenso Auserwählte des Geistes oder auch nur des Ver- 
standes sind! Man wird hoffentlich nicht meinen, daß aus 
den Stimmzetteln einer alles eher als geistreichen Wähler- 
schaft die Staatsmänner gleich zu Hunderten herauswachsen. 
Überhaupt kann man dem Unsinn gar nicht scharf genug 
entgegentreten, daß aus allgemeinen Wahlen Genies ge- 
boren würden. Zum ersten gibt es in einer Nation nur 
alle heiligen Zeiten einmal einen wirklichen Staatsmann 
und nicht gleich an die hundert und mehr auf einmal; und 
zum zweiten ist die Abneigung der Masse gegen jedes über- 
ragende Genie eine geradezu instinktive. Eher geht auch 
ein Kamel durch ein Nadelöhr, ehe ein großer Mensch durch 
eine Wahl „entdeckt" wird. 

Was wirklich über das Normalmaß des breiten Durch- 
schnitts hinausragt, pflegt sich in der Weltgeschichte mei- 
stens persönlich anzumelden. 

So aber stimmen fünfhundert Menschen von mehr als 
bescheidenen Ausmaßen über die wichtigsten Belange der 
Nation ab, setzen Regierungen ein, die sich dann selber 
wieder in jedem einzelnen Falle und jeder besonderen 
Frage die Zustimmung der erlauchten Ratsversammlung 
zu holen haben, mithin wird also tatsächlich die Politik von 
fünfhundert gemacht. 

Und danach sieht sie auch meistens aus. 

Aber selbst die Genialität dieser Volksvertreter ganz aus 
dem Spiele gelassen, bedenke man doch, welch verschiedener 
Art die Probleme sind, die einer Erledigung harren, auf 
welch auseinanderliegenden Gebieten Lösungen und Ent- 
scheidungen getroffen werden müssen, und man wird wohl 
begreifen, wie untauglich hierzu eine Regierungseinrich- 
tung sein muß, die das letzte Bestimmungsrecht einer 



Das Mehrheitsprinzip 97 

Massenversammlung von Menschen überträgt, von der 
immer nur ein ganz winziger Bruchteil Kenntnisse und 
Erfahrung in der zur Behandlung stehenden Angelegen- 
heit besitzt. Die wichtigsten wirtschaftlichen Maßnahmen 
werden so einem Forum unterbreitet, das nur zu einem 
Zehntel seiner Mitglieder wirtschaftliche Vorbildung auf- 
zuweisen hat. Das heißt aber doch nichts anderes, als die 
letzte Entscheidung in einer Sache in die Hände von Män- 
nern legen, denen jegliche Voraussetzung hierzu vollkommen 
fehlt. 

So ist es aber mit jeder anderen Frage auch. Immer 
wird durch eine Mehrheit von Nichtswissern und Nichts- 
könnern der Ausschlag gegeben werden, da ja die Zu- 
sammensetzung dieser Einrichtung unverändert bleibt, wäh- 
rend sich die zur Behandlung stehenden Probleme auf fast 
alle Gebiete des öffentlichen Lebens erstrecken, mithin einen 
dauernden Wechsel der über sie urteilenden und bestim- 
menden Abgeordneten voraussetzen würden. Es ist doch 
unmöglich, über Verkehrsangelegenheiten dieselben Men- 
schen verfügen zu lassen wie, sagen wir, über eine Frage 
hoher Außenpolitik. Es müßten dies anders denn lauter 
Universalgenies sein, wie sie in Jahrhunderten kaum ein- 
mal in wirkliche Erscheinung treten. Leider handelt es sich 
hier aber zumeist überhaupt um keine „Köpfe", sondern 
um ebenso beschränkte wie eingebildete und aufgeblasene 
Dilettanten, geistige Halbwelt übelster Sorte. Daher kommt 
auch die so oft unverständliche Leichtsinnigkeit, mit der 
diese Herrschaften über Dinge reden und beschließen, die 
selbst den größten Geistern sorgenvolle Überlegung bereiten 
würden. Maßnahmen von der schwersten Bedeutung für die 
Zukunft eines ganzen Staates, ja einer Nation werden da 
getroffen, als ob eine ihnen sicher besser zustehende Partie 
Schafskopf oder Tarock auf dem Tische läge und nicht das 
Schicksal einer Rasse. 

Nun wäre es sicher ungerecht, zu glauben, daß jeder 
der Abgeordneten eines solchen Parlaments von sich aus 
schon immer mit so geringen Gefühlen für Verantwortung 
behaftet gewesen sei. 



98 Das Verderben des Charakters 

Nein, durchaus nicht. 

Aber indem dieses System den einzelnen zwingt, zu sol- 
chen ihm gar nicht liegenden Fragen Stellung zu nehmen, 
verdirbt es allmählich den Charakter. Keiner wird den 
Mut aufzubringen vermögen, zu erklären: „Meine Herren, 
ich glaube, wir verstehen von dieser Angelegenheit nichts. 
Ich persönlich wenigstens auf keinen Fall." (Im übrigen 
würde dies nur wenig ändern, denn sicher bliebe diese 
Art von Aufrichtigkeit nicht nur gänzlich unverstanden, son- 
dern man ließe sich auch wohl kaum durch solch einen ehr- 
lichen Esel das allgemeine Spiel verderben.) Wer die Men- 
schen nun aber kennt, wird begreifen, daß in einer so 
illustren Gesellschaft nicht gerne einer der Dümmste sein 
möchte, und in gewissen Kreisen ist Ehrlichkeit immer 
gleichbedeutend mit Dummheit. 

So wird auch der zunächst noch ehrenhafte Vertreter 
zwangsläufig in diese Bahn der allgemeinen Verlogenheit 
und Betrügerei geworfen. Gerade die Überzeugung, daß 
das Nichtmittun eines einzelnen an der Sache an und für 
sich gar nichts ändern würde, tötet jede ehrliche Regung, 
die dem einen oder anderen etwa noch aufsteigen mag. Er 
wird sich zum Schlüsse noch einreden, daß er persönlich noch 
lange nicht der Schlechteste unter den anderen sei und 
durch sein Mittun nur vielleicht Ärgeres verhüte. 

Freilich wird man den Einwand bringen, daß allerdings 
der einzelne Abgeordnete in dieser oder jener Sache kein 
besonderes Verständnis besitze, aber seine Stellungnahme 
ja von der Fraktion als Leiterin der Politik des betreffen- 
den Herrn doch beraten werde; diese habe ihre besonderen 
Ausschüsse, die von Sachverständigen ohnehin mehr als ge- 
nügend erleuchtet würden. 

Dies scheint auf den ersten Blick zu stimmen. Aber die 
Frage wäre doch dann die: warum wählt man fünfhun- 
dert, wenn doch nur einige die nötige Weisheit zur Stel- 
lungnahme in den wichtigsten Belangen besitzen? 

Ja, darin liegt eben des Pudels Kern. 

Es ist nicht das Ziel unseres heutigen demokratischen 
Parlamentarismus, etwa eine Versammlung von Weisen 



Die jüdische Demokratie 99 

zu bilden, als vielmehr eine Schar geistig abhängiger Nul- 
len zusammenzustellen, deren Leitung nach bestimmten 
Richtlinien um so leichter wird, je größer die persön- 
liche Beschränktheit des einzelnen ist. Nur so kann Partei- 
politik im heutigen üblen Sinne gemacht werden. Nur so 
aber ist es auch möglich, daß der eigentliche Drahtzieher 
immer vorsichtig im Hintergrund zu bleiben vermag, ohne 
jemals persönlich zur Verantwortung gezogen werden zu 
können. Denn nun wird jede der Nation auch noch so schäd- 
liche Entscheidung ja nicht auf das Konto eines allen sicht- 
baren Lumpen kommen, sondern auf die Schultern einer 
ganzen Fraktion abgeladen werden. 

Damit aber fällt jede praktische Verantwortung weg, 
denn diese kann nur in der Verpflichtung einer einzelnen 
Person liegen und nicht in der einer parlamentarischen 
Schwätzervereinigung. 

Diese Einrichtung kann nur den allerverlogensten und 
zugleich besonders das Tageslicht scheuenden Schliefern lieb 
und wert sein, während sie jedem ehrlichen, geradlinigen, 
zur persönlichen Verantwortung bereiten Kerl verhaßt sein 
muß. 

Daher ist diese Art von Demokratie auch das Instrument 
derjenigen Rasse geworden, die ihren inneren Zielen nach 
die Sonne zu scheuen hat, jetzt und in allen Zeiten der 
Zukunft. Nur der Jude kann eine Einrichtung preisen, die 
schmutzig und unwahr ist wie er selber. 

Dem steht gegenüber die wahrhaftige germanische Demo- 
kratie der freien Wahl des Führers, mit dessen Verpflich- 
tung zur vollen Übernahme aller Verantwortung für sein 
Tun und Lassen. In ihr gibt es keine Abstimmung einer 
Majorität zu einzelnen Fragen, sondern nur die Bestim- 
mung eines einzigen, der dann mit Vermögen und Leben 
für seine Entscheidung einzutreten hat. 

Wenn man mit dem Einwand kommen wird, daß unter 
solchen Voraussetzungen sich schwerlich jemand bereitfinden 



100 Die germanische Demokratie 

dürfte, seine Person einer so riskanten Aufgabe zu widmen, 
so muß darauf nur eines geantwortet werden: 

Gott sei gedankt, darin liegt ja eben der Sinn einer ger- 
manischen Demokratie, daß nicht der nächstbeste unwürdige 
Streber und moralische Drückeberger auf Umwegen zur 
Regierung seiner Volksgenossen kommt, sondern daß schon 
durch die Größe der zu übernehmenden Verantwortung 
Nichtskönner und Schwächlinge zurückgeschreckt werden. 

Sollte sich aber dennoch einmal ein solcher Bursche ein- 
zustehlen versuchen, dann kann man ihn leichter finden und 
rücksichtslos anfahren: Hinweg, feiger Lump! Ziehe den 
Fuß zurück, du beschmutzest die Stufen; denn der Vorder- 
aufstieg in das Pantheon der Geschichte ist nicht für Schlei- 
cher da, sondern für Helden! 

Zu dieser Anschauung hatte ich mich nach zweijährigem 
Besuch des Wiener Parlaments durchgerungen. 

Ich ging dann nicht mehr weiter hinein. 

Das parlamentarische Regiment hatte mit ein Haupt- 
verdienst an der in den letzten Jahren immer mehr zu- 
nehmenden Schwäche des alten habsburgischen Staates. Je 
mehr durch sein Wirken die Vorherrschaft des Deutschtums 
gebrochen wurde, um so mehr verfiel man nun einem 
System der Ausspielung der Nationalitäten untereinander. 
Im Reichsrat selber ging dies immer auf Kosten der Deut- 
schen und damit allerdings in letzter Linie auf Kosten des 
Reiches; denn um die Jahrhundertwende schon mußte auch 
dem Allereinfältigsten einleuchten, daß die Anziehungs- 
kraft der Monarchie die Loslösungsbestrebungen der Län- 
der nicht mehr zu bannen vermochte. 

Im Gegenteil. 

Je armseliger die Mittel wurden, die der Staat zu seiner 
Erhaltung aufzuwenden hatte, um so mehr stieg die all- 
gemeine Verachtung für ihn. Nicht nur in Ungarn, sondern 
auch in den einzelnen slawischen Provinzen fühlte man sich 
mit der gemeinsamen Monarchie so wenig mehr identisch, 
daß ihre Schwäche keineswegs als eigene Schande emp- 



Die zusammenbrechende Doppelmonarchie 101 

funden wurde. Man freute sich eher noch über solche An- 
zeichen des eintretenden Alters; hoffte man doch mehr auf 
ihren Tod als auf ihre Gesundung. 

Im Parlament wurde der vollkommene Zusammenbruch 
noch verhindert durch ein würdeloses Nachgeben und Er- 
füllen aber auch jeder Erpressung, die dann der Deutsche zu 
bezahlen hatte; im Lande durch ein möglichst geschicktes 
Ausspielen der einzelnen Völker gegeneinander. Allein die 
allgemeine Linie der Entwicklung war dennoch gegen die 
Deutschen gerichtet. Besonders, seit die Thronfolgerschaft 
dem Erzherzog Franz Ferdinand einen gewissen Einfluß ein- 
zuräumen begann, kam in die von oben herunter betrie- 
bene Tschechisierung Plan und Ordnung. Mit allen nur 
möglichen Mitteln versuchte dieser zukünftige Herrscher der 
Doppelmonarchie der Entdeutschung Vorschub zu leisten 
oder sie selber zu fördern, mindestens aber zu decken. Rein 
deutsche Orte wurden so über den Umweg der staatlichen 
Beamtenschaft langsam, aber unbeirrt sicher in die gemischt- 
sprachliche Gefahrenzone hineingeschoben. Selbst in Nieder- 
österreich begann dieser Prozeß immer schnellere Fort- 
schritte zu machen, und Wien galt vielen Tschechen schon 
als ihr größte Stadt. 

Der leitende Gedanke dieses neuen Habsburgers, dessen 
Familie nur mehr tschechisch sprach (die Gemahlin des Erz- 
herzogs war als ehemalige tschechische Gräfin dem Prinzen 
morganatisch angetraut; sie stammte aus Kreisen, deren 
deutschfeindliche Stellung Tradition bildete), war, in 
Mitteleuropa allmählich einen slawischen Staat aufzurich- 
ten, der zum Schutz gegen das orthodoxe Rußland auf 
streng katholische Grundlage gestellt werden sollte. Damit 
wurde, wie schon öfters bei den Habsburgern, die Religion 
wieder einmal in den Dienst eines rein politischen Gedan- 
kens, noch dazu eines - wenigstens von deutschen Gesichts- 
punkten aus betrachtet - unseligen Gedankens, gestellt. 

Das Ergebnis war ein mehr als trauriges in vielfacher 
Hinsicht. 

Weder das Haus Habsburg noch die katholische Kirche 
bekamen den erwarteten Lohn. 



102 Habsburg und Deutschtum 

Habsburg verlor den Thron, Rom einen großen Staat. 

Denn indem die Krone auch religiöse Momente in den 
Dienst ihrer politischen Erwägungen stellte, rief sie einen 
Geist wach, den sie selber zunächst freilich nicht für mög- 
lich gehalten hatte. 

Aus dem Versuch, mit allen Mitteln das Deutschtum in 
der alten Monarchie auszurotten, erwuchs als Antwort die 
alldeutsche Bewegung in Österreich. 

Mit den achtziger Jahren hatte der manchesterliche Liebe- 
ralismus jüdischer Grundeinstellung auch in der Monarchie 
den Höhepunkt erreicht, wenn nicht schon überschritten. 
Die Reaktion dagegen kam jedoch, wie bei allem im alten 
Österreich, nicht aus in erster Linie sozialen Gesichtspunkten 
heraus, sondern aus nationalen. Der Selbsterhaltungstrieb 
zwang das Deutschtum, in schärfster Form sich zur Wehr zu 
setzen. Erst in zweiter Linie begannen langsam auch wirt- 
schaftliche Erwägungen maßgebenden Einfluß zu gewinnen. 
So schälten sich zwei Parteigebilde aus dem allgemeinen 
politischen Durcheinander heraus, das eine mehr national, 
das andere mehr sozial eingestellt, beide aber hochinter- 
essant und lehrreich für die Zukunft. 

Nach dem niederdrückenden Ende des Krieges 1866 trug 
das Haus Habsburg sich mit dem Gedanken einer Wieder- 
vergeltung auf dem Schlachtfelde. Nur der Tod des Kaisers 
Max von Mexiko, dessen unglückliche Expedition man in 
erster Linie Napoleon III. zuschrieb, und dessen Fallenlassen 
durch den Franzosen allgemeine Empörung wachrief, ver- 
hinderte ein engeres Zusammengehen mit Frankreich. Den- 
noch lag Habsburg damals auf der Lauer. Wäre der Krieg 
von 1870/71 nicht zu einem so einzigartigen Siegeszug ge- 
worden, so hätte der Wiener Hof wohl doch noch das blu- 
tige Spiel um die Rache für Sadowa gewagt. Als aber die 
ersten Heldenmären von den Schlachtfeldern eintrafen, 
wundersam und kaum zu glauben, aber dennoch wahr, da 
erkannte der „weiseste" aller Monarchen die unpassende 
Stunde und machte eine möglichst gute Miene zum bösen 
Spiel. 

Der Heldenkampf dieser beiden Jahre hatte aber noch ein 



Rebellion der Deutschösterreicher 103 

viel gewaltigeres Wunder vollbracht; denn bei den Habs- 
burgern entsprach die veränderte Stellungnahme niemals 
dem Drang des inneren Herzens, sondern dem Zwang der 
Verhältnisse. Das deutsche Volk in der alten Ostmark aber 
wurde von dem Siegesrausche des Reiches mitgerissen und 
sah mit tiefer Ergriffenheit das Wiederauferstehen des 
Traumes der Väter zur herrlichsten Wirklichkeit. 

Denn man täusche sich nicht: der wahrhaft deutschgesinnte 
Österreicher hatte auch in Königgrätz von diesen Stunden 
an nur mehr die ebenso tragische wie aber auch notwendige 
Voraussetzung erkannt zur Wiederaufrichtung eines Reiches, 
das nicht mehr mit dem fauligen Marasmus des alten 
Bundes behaftet sein sollte - und es auch nicht mehr war. 
Er lernte vor allem auch am gründlichsten am eigenen 
Leibe zu fühlen, daß das Haus Habsburg seine geschichtliche 
Sendung endlich beendet hatte und das neue Reich nur 
mehr den zum Kaiser küren dürfe, der in seiner heldischen 
Gesinnung der „Krone des Rheines" ein würdiges Haupt 
zu bieten habe. Wieviel mehr noch aber war das Schicksal 
zu preisen, da es diese Belehnung an dem Sprossen eines 
Hauses vollzog, das in Friedrich dem Großen schon einmal 
der Nation in verschwommener Zeit ein leuchtendes Sinn- 
bild zur Erhebung für immer geschenkt hatte. 

Als aber nach dem großen Kriege das Haus Habsburg 
mit der letzten Entschlossenheit daranging, das gefährliche 
Deutschtum der Doppelmonarchie (dessen innere Gesinnung 
nicht zweifelhaft sein konnte) langsam, aber unerbittlich 
auszurotten - denn dies mußte das Ende der Slawisie- 
rungspolitik sein -, da brannte der Widerstand des zum 
Ende bestimmten Volkes empor in einer Art, wie die 
deutsche Geschichte der neueren Zeit dies noch nicht kannte. 

Zum ersten Male wurden national und patriotisch ge- 
sinnte Männer Rebellen. 

Rebellen nicht gegen die Nation, auch nicht gegen den 
Staat an sich, sondern Rebellen gegen eine Art der Regie- 
rung, die ihrer Überzeugung nach zum Untergang des 
eigenen Volkstums führen mußte. 

Zum ersten Male in der neueren deutschen Geschichte 



104 Staatsautorität nicht Selbstzweck 

schied sich der landläufige dynastische Patriotismus von 
nationaler Vaterlands- und Volksliebe. 

Es ist das Verdienst der alldeutschen Bewegung Deutsch- 
österreichs der neunziger Jahre gewesen, in klarer und ein- 
deutiger Weise festgestellt zu haben, daß eine Staatsautori- 
tät nur dann das Recht hat, Achtung und Schutz zu ver- 
langen, wenn sie den Belangen eines Volkstums entspricht, 
mindestens ihm nicht Schaden zufügt. 

Staatsautorität als Selbstzweck kann es nicht geben, da 
in diesem Falle jede Tyrannei auf dieser Welt unangreif- 
bar und geheiligt wäre. 

Wenn durch die Hilfsmittel der Regierungsgewalt ein 
Volkstum dem Untergang entgegengeführt wird, dann ist 
die Rebellion eines jeden Angehörigen eines solchen Volkes 
nicht nur Recht, sondern Pflicht. 

Die Frage aber, wann ein solcher Fall gegeben sei, wird 
nicht entschieden durch theoretische Abhandlungen, sondern 
durch die Gewalt und - den Erfolg. 

Da jede Regierungsgewalt selbstverständlich die Pflicht 
der Erhaltung der Staatsautorität für sich in Anspruch 
nimmt, mag sie auch noch so schlecht sein und die Belange 
eines Volkstums tausendmal verraten, so wird der völkische 
Selbsterhaltungstrieb bei Niederkämpfung einer solchen 
Macht, zur Erringung der Freiheit oder Unabhängigkeit, 
dieselben Waffen zu führen haben, mittels deren der Geg- 
ner sich zu halten versucht. Der Kampf wird demnach so 
lange mit „legalen" Mitteln gekämpft werden, solange auch 
die zu stürzende Gewalt sich solcher bedient; es wird aber 
auch nicht vor illegalen zurückzuschrecken sein, wenn auch 
der Unterdrücker solche anwendet. 

Im allgemeinen aber soll nie vergessen werden, daß nicht 
die Erhaltung eines Staates oder gar die einer Regierung 
höchster Zweck des Daseins der Menschen ist, sondern die 
Bewahrung ihrer Art. 

Ist aber einmal diese selber in Gefahr, unterdrückt oder 
gar beseitigt zu werden, dann spielt die Frage der Legali- 
tät nur mehr eine untergeordnete Rolle. Es mag dann sein, 
daß sich die herrschende Macht tausendmal sogenannter 



Menschenrecht bricht Staatsrecht 105 

„legaler" Mittel in ihrem Vorgehen bedient, so ist dennoch 
der Selbsterhaltungstrieb der Unterdrückten immer die er- 
habenste Rechtfertigung für ihren Kampf mit allen Waffen. 

Nur aus der Anerkennung dieses Satzes allein sind die 
Freiheitskämpfe gegen innere und auch äußere Versklavung 
von Völkern auf dieser Erde in so gewaltigen historischen 
Beispielen geliefert worden. 

Menschenrecht bricht Staatsrecht. 

Unterliegt aber ein Volk in seinem Kampf um die Rechte 
des Menschen, dann wurde es eben auf der Schicksalswaage 
zu leicht befunden für das Glück der Forterhaltung auf der 
irdischen Welt. Denn wer nicht bereit oder fähig ist, für 
sein Dasein zu streiten, dem hat die ewig gerechte Vor- 
sehung schon das Ende bestimmt. 

Die Welt ist nicht da für feige Völker. 

Wie leicht es einer Tyrannei aber ist, sich das Mäntel- 
chen einer sogenannten „Legalität" umzuhängen, zeigte 
wieder am klarsten und eindringlichsten das Beispiel Öster- 
reichs. 

Die legale Staatsgewalt fußte damals auf dem deutsch- 
feindlichen Boden des Parlaments mit seinen nichtdeutschen 
Majoritäten - und dem ebenso deutschfeindlichen Herr- 
scherhaus. In diesen beiden Faktoren war die gesamte 
Staatsautorität verkörpert. Von dieser Stelle aus das Los 
des deutschösterreichischen Volkes ändern zu wollen, war 
Unsinn. Damit aber wäre nun nach den Meinungen unserer 
Anbeter des einzig möglichen „legalen" Weges und der 
Staatsautorität an sich jeder Widerstand, weil mit legalen 
Mitteln nicht durchführbar, zu unterlassen gewesen. Dieses 
aber würde das Ende des deutschen Volkes in der Mon- 
archie mit zwingender Notwendigkeit - und zwar in kur- 
zer Zeit - bedeutet haben. Tatsächlich ist das Deutschtum 
vor diesem Schicksal auch nur durch den Zusammenbruch 
dieses Staates allein gerettet worden. 

Der bebrillte Theoretiker freilich würde immer noch lie- 
ber für seine Doktrin sterben als für sein Volk. 



106 Die alldeutsche Bewegung 

Da die Menschen sich erst Gesetze schaffen, glaubt er, sie 
wären später für diese da. 

Mit diesem Unsinn zum Entsetzen aller theoretischen 
Prinzipienreiter sowie sonstiger staatlicher Fetischinsulaner 
gründlich aufgeräumt zu haben, war das Verdienst der 
damaligen alldeutschen Bewegung in Österreich. 

Indem die Habsburger versuchten, mit allen Mitteln dem 
Deutschtum auf den Leib zu rücken, griff diese Partei das 
„erhabene" Herrscherhaus selber, und zwar rücksichtslos an. 
Sie hat zum ersten Male die Sonde an diesen faulen Staat 
gelegt und Hunderttausenden die Augen geöffnet. Es ist ihr 
Verdienst, den herrlichen Begriff der Vaterlandsliebe aus 
der Umarmung dieser traurigen Dynastie erlöst zu haben. 

Ihr Anhang war in der ersten Zeit ihres Auftretens 
außerordentlich groß, ja drohte zu einer förmlichen Lawine 
zu werden. Allein, der Erfolg hielt nicht an. Als ich nach 
Wien kam, war die Bewegung schon längst von der inzwi- 
schen zur Macht gelangten christlich-sozialen Partei über- 
flügelt, ja zu einer nahezu vollständigen Bedeutungslosig- 
keit herabgedrückt worden. 

Dieser ganze Vorgang des Werdens und Vergehens der 
alldeutschen Bewegung einerseits und des unerhörten Auf- 
stiegs der christlich-sozialen Partei andererseits sollte als 
klassisches Studienobjekt für mich von tiefster Bedeutung 
werden. 

Als ich nach Wien kam, standen meine Sympathien voll 
und ganz auf der Seite der alldeutschen Richtung. 

Daß man den Mut aufbrachte, im Parlament den Ruf 
„Hoch Hohenzollern" auszustoßen, imponierte mir ebenso 
sehr, wie es mich freute; daß man sich immer noch als bloß 
vorübergehend getrennten Bestandteil des Deutschen Rei- 
ches betrachtete und keinen Augenblick vergehen ließ, um 
dieses auch öffentlich zu bekunden, erweckte in mir freudige 
Zuversicht; daß man in allen das Deutschtum betreffenden 
Fragen rücksichtslos Farbe bekannte und niemals zu Kom- 
promissen sich herbeiließ, schien mir der einzige noch gang- 
bare Weg zur Rettung unseres Volkes zu sein; daß aber 
die Bewegung nach ihrem erst so herrlichen Aufstieg nun 



Schönerer und Lueger 107 

so sehr niedersank, konnte ich nicht verstehen. Noch weniger 
aber, daß die christlich-soziale Partei in dieser gleichen Zeit 
zu so ungeheurer Macht zu gelangen vermochte. Sie war 
damals gerade am Gipfel ihres Ruhmes angelangt. 

Indem ich daranging, beide Bewegungen zu vergleichen, 
gab mir auch hier das Schicksal, durch meine sonstige trau- 
rige Lage beschleunigt, den besten Unterricht zum Ver- 
ständnis der Ursachen dieses Rätsels. 

Ich beginne mein Abwägen zuerst bei den beiden Män- 
nern, die als Führer und Begründer der zwei Parteien 
anzusehen sind: Georg v. Schönerer und Dr. Karl Lueger. 

Rein menschlich genommen ragen sie, einer wie der an- 
dere, weit über den Rahmen und das Ausmaß der soge- 
nannten parlamentarischen Erscheinungen hinaus. Im 
Sumpfe einer allgemeinen politischen Korruption blieb ihr 
ganzes Leben rein und unantastbar. Dennoch lag meine 
persönliche Sympathie zuerst auf Seiten des Alldeutschen 
Schönerer, um sich nur nach und nach dem christlich-sozialen 
Führer ebenfalls zuzuwenden. 

In ihren Fähigkeiten verglichen schien mir schon damals 
Schönerer als der bessere und gründlichere Denker in prin- 
zipiellen Problemen zu sein. Er hat das zwangsläufige 
Ende des österreichischen Staates richtiger und klarer er- 
kannt als irgendein anderer. Würde man besonders im 
Reiche seine Warnungen vor der Habsburgermonarchie 
besser gehört haben, so wäre das Unglück des Weltkrieges 
Deutschlands gegen ganz Europa nie gekommen. 

Allein wenn Schönerer die Probleme ihrem inneren 
Wesen nach erkannte, dann irrte er sich um so mehr in den 
Menschen. 

Hier lag wieder die Stärke Dr. Luegers. 

Dieser war ein seltener Menschenkenner, der sich beson- 
ders hütete, die Menschen besser zu sehen, als sie nun ein- 
mal sind. Daher rechnete er auch mehr mit den realen 
Möglichkeiten des Lebens, während Schönerer hierfür nur 
wenig Verständnis aufbrachte. Alles, was der Alldeutsche 
auch dachte, war, theoretisch genommen, richtig, allein indem 
die Kraft und das Verständnis fehlte, die theoretische Er- 



108 Schönerer und Lueger 

kenntnis der Masse zu vermitteln, sie also in solche Form 
zu bringen, daß sie damit der Aufnahmefähigkeit des brei- 
ten Volkes, die nun einmal eine begrenzte ist und bleibt, 
entsprach, war eben alles Erkennen nur seherische Weis- 
heit, ohne jemals praktische Wirklichkeit werden zu können. 

Dieses Fehlen tatsächlicher Menschenkenntnis führte aber 
im weiteren Verlaufe zu einem Irrtum in der Kraftein- 
schätzung ganzer Bewegungen sowie uralter Institutionen. 

Endlich hat Schönerer allerdings erkannt, daß es sich 
hier um Weltanschauungsfragen handelt, aber nicht be- 
griffen, daß sich zum Träger solcher nahezu religiöser Über- 
zeugungen in erster Linie immer nur die breiten Massen 
eines Volkes eignen. 

Er sah in leider nur sehr kleinem Umfang die außer- 
ordentliche Begrenztheit des Kampfwillens der sogenannten 
„bürgerlichen" Kreise schon infolge ihrer wirtschaftlichen 
Stellung, die den einzelnen zuviel zu verlieren befürchten 
läßt und ihn deshalb auch mehr zurückhält. 

Und doch wird im allgemeinen eine Weltanschauung nur 
dann Aussicht auf den Sieg haben, wenn sich die breite 
Masse als Trägerin der neuen Lehre bereit erklärt, den 
notwendigen Kampf auf sich zu nehmen. 

Diesem Mangel an Verständnis für die Bedeutung der 
unteren Volksschichten entsprang dann aber auch die voll- 
ständig unzureichende Auffassung über die soziale Frage. 

In all dem war Dr. Lueger das Gegenteil Schönerers. 

Die gründliche Menschenkenntnis ließ ihn die möglichen 
Kräfte ebenso richtig beurteilen, wie er dadurch aber auch 
bewahrt blieb vor einer zu niederen Einschätzung vorhan- 
dener Institutionen, ja vielleicht gerade aus diesem Grunde 
sich eher noch solcher als Hilfsmittel zur Erreichung seiner 
Absichten bedienen lernte. 

Er verstand auch nur zu genau, daß die politische Kampf- 
kraft des oberen Bürgertums in der heutigen Zeit nur ge- 
ring und nicht ausreichend war, einer neuen großen Bewe- 
gung den Sieg zu erkämpfen. Daher legte er das Haupt- 
gewicht seiner politischen Tätigkeit auf die Gewinnung von 
Schichten, deren Dasein bedroht war und mithin eher zu 



Schönerer und Lueger 109 

einem Ansporn als zu einer Lähmung des Kampfwillens 
wurde. Ebenso war er geneigt, sich all der einmal schon 
vorhandenen Machtmittel zu bedienen, bestehende mächtige 
Einrichtungen sich geneigt zu machen, um aus solchen alten 
Kraftquellen für die eigene Bewegung möglichst großen 
Nutzen ziehen zu können. 

So stellte er seine neue Partei in erster Linie auf den 
vom Untergang bedrohten Mittelstand ein und sicherte 
sich dadurch eine nur sehr schwer zu erschütternde Anhänger- 
schaft von ebenso großer Opferwilligkeit wie zäher Kampf- 
kraft. Sein unendlich klug ausgestaltetes Verhältnis zur 
katholischen Kirche aber gewann ihm in kurzer Zeit die 
jüngere Geistlichkeit in einem Umfange, daß die alte kleri- 
kale Partei entweder das Kampffeld zu räumen gezwungen 
war, oder, noch klüger, sich der neuen Partei anschloß, um 
so langsam Position um Position wieder zu gewinnen. 

Würde aber dies allein als das charakteristische Wesen 
des Mannes angesehen werden, dann geschähe ihm schwe- 
res Unrecht. Denn zum klugen Taktiker kamen auch die 
Eigenschaften eines wahrhaft großen und genialen Refor- 
mators. Freilich auch hier begrenzt durch eine genaue Kennt- 
nis der nun einmal vorhandenen Möglichkeiten sowie auch 
der Fähigkeit der eigenen Person. 

Es war ein unendlich praktisches Ziel, daß sich dieser 
wahrhaft bedeutende Mann gestellt hatte. Er wollte Wien 
erobern. Wien war das Herz der Monarchie, von dieser 
Stadt ging noch das letzte Leben in den krankhaft und alt 
gewordenen Körper des morschen Reiches hinaus. Je ge- 
sünder das Herz würde, um so frischer mußte auch der 
übrige Körper aufleben. Ein prinzipiell richtiger Gedanke, 
der aber doch nur eine bestimmte, begrenzte Zeit zur An- 
wendung kommen konnte. 

Und hierin lag die Schwäche dieses Mannes. 

Was er als Bürgermeister der Stadt Wien geleistet hat, 
ist im besten Sinne des Wortes unsterblich; die Monarchie 
aber vermochte er dadurch nicht mehr zu retten - es war 
zu spät. 

Dieses hatte sein Widersacher Schönerer klarer gesehen. 



110 Ursachen des Mißerfolgs Schönerers 

Was Dr. Lueger praktisch angriff, gelang in wundervoller 
Weise; was er sich davon erhoffte, blieb aus. 

Was Schönerer wollte, gelang ihm nicht, was er befürch- 
tete, traf aber leider in furchtbarer Weise ein. 

So haben beide Männer ihr weiteres Ziel nicht erreicht. 
Lueger konnte Österreich nicht mehr retten und Schönerer 
das deutsche Volk nicht mehr vor dem Niedergang bewahren. 

Es ist unendlich lehrreich für unsere heutige Zeit, die 
Ursachen des Versagens beider Parteien zu studieren. Es 
ist dies besonders für meine Freunde zweckmäßig, da in 
vielen Punkten die Verhältnisse heute ähnliche sind wie 
damals und Fehler dadurch vermieden werden können, 
die schon einst zum Ende der einen Bewegung und zur 
Fruchtlosigkeit der anderen geführt hatten. 

Der Zusammenbruch der alldeutschen Bewegung in Öster- 
reich hatte in meinen Augen drei Ursachen: 

Erstens die unklare Vorstellung der Bedeutung des 
sozialen Problems gerade für eine neue, ihrem inneren 
Wesen nach revolutionäre Partei. 

Indem sich Schönerer und sein Anhang in erster Linie 
an die bürgerlichen Schichten wandten, konnte das Ergeb- 
nis nur ein sehr schwächliches, zahmes sein. 

Das deutsche Bürgertum ist besonders in seinen höheren 
Kreisen, wenn auch von einzelnen ungeahnt, pazifistisch 
bis zur förmlichen Selbstverleugnung, wenn es sich um 
innere Angelegenheiten der Nation oder des Staates han- 
delt. In guten Zeiten, das heißt in diesem Falle also in 
Zeiten einer guten Regierung, ist eine solche Gesinnung ein 
Grund des außerordentlichen Wertes dieser Schichten für 
den Staat; in Zeiten schlechterer Herrschaft aber wirkt sie 
geradezu verheerend. Schon um die Durchführung eines 
wirklich ernsten Kampfes überhaupt zu ermöglichen, mußte 
die alldeutsche Bewegung sich vor allem der Gewinnung der 
Massen widmen. Daß sie dies nicht tat, nahm ihr von vorn- 
herein den elementaren Schwung, den eine solche Welle 
nun einmal braucht, wenn sie nicht in kurzer Zeit schon 
verebben soll. 



Ursachen des Mißerfolgs Schönerers 111 

Sowie aber dieser Grundsatz nicht von Anfang an ins Auge 
gefaßt und auch durchgeführt wird, verliert die neue 
Partei für später jede Möglichkeit eines Nachholens des 
Versäumten. Denn mit der Aufnahme überaus zahlreicher 
gemäßigt-bürgerlicher Elemente wird sich die innere Ein- 
stellung der Bewegung immer nach diesen richten und so 
jede weitere Aussicht zum Gewinnen nennenswerter Kräfte 
aus dem breiten Volke einbüßen. Damit aber wird eine 
solche Bewegung über bloßes Nörgeln und Kritisieren nicht 
mehr hinauskommen. Der mehr oder minder fast religiöse 
Glaube, verbunden mit einer ebensolchen Opferwilligkeit, 
wird nimmermehr zu finden sein; an dessen Stelle wird 
aber das Bestreben treten, durch „positive" Mitarbeit, das 
heißt in diesem Falle aber durch Anerkennung des Ge- 
gebenen, die Härten des Kampfes allmählich abzuschleifen, 
um endlich bei einem faulen Frieden zu landen. 

So ging es auch der alldeutschen Bewegung, weil sie nicht 
von vornherein das Hauptgewicht auf die Gewinnung ihrer 
Anhänger aus den Kreisen der breiten Masse gelegt hatte. 
Sie wurde „bürgerlich, vornehm, gedämpft radikal". 

Aus diesem Fehler erwuchs ihr aber die zweite Ursache 
des schnellen Untergangs. 

Die Lage in Österreich für das Deutschtum war zur Zeit 
des Auftretens der alldeutschen Bewegung schon verzweifelt. 
Von Jahr zu Jahr war das Parlament mehr zu einer Ein- 
richtung der langsamen Vernichtung des deutschen Volkes 
geworden. Jeder Versuch einer Rettung in zwölfter Stunde 
konnte nur in der Beseitigung dieser Institution eine wenn 
auch kleine Aussicht auf Erfolg bieten. 

Damit trat an die Bewegung eine Frage von prinzi- 
pieller Bedeutung heran: 

Sollte man, um das Parlament zu vernichten, in das 
Parlament gehen, um dasselbe, wie man sich auszudrücken 
pflegte, „von innen heraus auszuhöhlen", oder sollte man 
diesen Kampf von außen angriffsweise gegen diese Einrich- 
tung an und für sich führen? 

Man ging hinein und kam geschlagen heraus. 

Freilich, man mußte hineingehen. 



112 Alldeutsche und Parlament 

Den Kampf gegen eine solche Macht von außen durchfüh- 
ren, heißt, sich mit unerschütterlichem Mute rüsten, aber 
auch zu unendlichen Opfern bereit sein. Man greift den 
Stier damit an den Hörnern an und wird viele schwere 
Stöße erhalten, wird manchmal zu Boden stürzen, um sich 
vielleicht einmal nur mit gebrochenen Gliedern wieder er- 
heben zu können, und erst nach schwerstem Ringen wird sich 
der Sieg dem kühnen Angreifer zuwenden. Nur die Größe 
der Opfer wird neue Kämpfer der Sache gewinnen, bis 
endlich der Beharrlichkeit der Lohn des Erfolges wird. 

Dazu aber braucht man die Kinder des Volkes aus den 
breiten Massen. 

Sie allein sind entschlossen und zähe genug, diesen Streit 
bis zum blutigen Ende durchzufechten. 

Diese breite Masse aber besaß die alldeutsche Bewegung 
eben nicht; so blieb ihr auch nichts anderes übrig, als in 
das Parlament zu gehen. 

Es wäre falsch, zu glauben, daß dieser Entschluß das Er- 
gebnis langer innerer seelischer Qualen oder auch nur Über- 
legungen gewesen wäre; nein, man dachte an gar nichts 
anderes. Die Teilnahme an diesem Unsinn war nur der 
Niederschlag allgemeiner, unklarer Vorstellungen über die 
Bedeutung und die Wirkung einer solchen eigenen Beteili- 
gung an der im Prinzip ja schon als falsch erkannten Ein- 
richtung. Im allgemeinen erhoffte man sich wohl eine Er- 
leichterung der Aufklärung breiterer Volksmassen, indem 
man ja nun vor dem „Forum der ganzen Nation" zu spre- 
chen Gelegenheit bekam. Auch schien es einzuleuchten, daß 
der Angriff an der Wurzel des Übels erfolgreicher sein 
müsse als das Anstürmen von außen. Durch den Schutz der 
Immunität glaubte man die Sicherheit des einzelnen Vor- 
kämpfers gestärkt, so daß die Kraft des Angriffes sich da- 
durch nur erhöhen konnte. 

In der Wirklichkeit allerdings kamen die Dinge wesent- 
lich anders. 

Das Forum, vor dem die alldeutschen Abgeordneten spra- 
chen, war nicht größer, sondern eher kleiner geworden; denn 
es spricht jeder nur vor dem Kreis, der ihn zu hören ver- 



Alldeutsche und Parlament 113 

mag, oder der durch die Berichte der Presse eine Wieder- 
gabe des Gesprochenen erhält. 

Das größte unmittelbare Forum von Zuhörern stellt aber 
nicht der Hörsaal eines Parlamentes dar, sondern die große 
öffentliche Volksversammlung. 

Denn in ihr befinden sich Tausende von Menschen, die 
nur gekommen sind, um zu vernehmen, was der Redner 
ihnen zu sagen habe, während im Sitzungssaale des Ab- 
geordnetenhauses nur wenige hundert sind, zumeist auch 
nur da, um Diäten in Empfang zu nehmen, keineswegs, 
um etwa die Weisheit des einen oder anderen Herrn 
„Volksvertreters" in sich hineinleuchten zu lassen. 

Vor allem aber: Es ist dies ja immer das gleiche Publi- 
kum, das niemals mehr etwas hinzulernen wird, da ihm 
außer dem Verstände ja auch der hierzu nötige, wenn auch 
noch so bescheidene Wille fehlt. 

Niemals wird einer dieser Volksvertreter von sich aus 
der besseren Wahrheit die Ehre geben, um sich dann auch 
in ihren Dienst zu stellen. Nein, dies wird nicht ein einziger 
tun, außer er hat Grund zu hoffen, durch eine solche Wen- 
dung sein Mandat für eine weitere Session noch retten zu 
können. Erst also, wenn es in der Luft liegt, daß die bis- 
herige Partei bei einer kommenden Wahl schlecht abschnei- 
den wird, werden sich diese Zierden von Mannhaftigkeit auf 
den Weg machen und sehen, ob und wie sie zur anderen, 
vermutlich besser abschneidenden Partei oder Richtung zu 
kommen vermögen, wobei dieser Positionswechsel allerdings 
unter einem Wolkenbruch moralischer Begründungen vor 
sich zu gehen pflegt. Daher wird immer, wenn eine be- 
stehende Partei der Ungunst des Volkes in so großem Um- 
fange verfallen erscheint, daß die Wahrscheinlichkeit einer 
vernichtenden Niederlage droht, ein großes Wandern anhe- 
ben: die parlamentarischen Ratten verlassen das Parteischiff. 

Mit besserem Wissen oder Wollen aber hat dies nichts 
zu tun, sondern nur mit jener hellseherischen Begabung, 
die solch eine Parlamentswanze gerade noch zur rechten 
Zeit warnt und so immer wieder auf ein anderes warmes 
Parteibett fallen läßt. 



114 Alldeutsche und Parlament 

Vor einem solchen „Forum" zu sprechen, heißt aber doch 
wirklich Perlen vor die bekannten Tiere werfen. Das lohnt 
sich wahrhaftig nicht! Der Erfolg kann hier gar nicht anders 
als Null sein. 

Und so war es auch. Die alldeutschen Abgeordneten 
mochten sich die Kehlen heiser reden: die Wirkung blieb 
völlig aus. 

Die Presse aber schwieg sie entweder tot oder zerriß ihre 
Reden so, daß jeglicher Zusammenhang, ja oft sogar der 
Sinn verdreht wurde oder ganz verlorenging und dadurch 
die öffentliche Meinung ein nur sehr schlechtes Bild von den 
Absichten der neuen Bewegung erhielt. Es war ganz be- 
deutungslos, was die einzelnen Herren sprachen; die Be- 
deutung lag in dem, was man von ihnen zu lesen bekam. 
Dies aber war ein Auszug aus ihren Reden, der in seiner 
Zerrissenheit nur unsinnig wirken konnte und - sollte. 
Dabei aber bestand das einzige Forum, vor dem sie nun 
in Wahrheit sprachen, aus knapp fünfhundert Parlamen- 
tariern, und dies besagt genug. 

Das schlimmste aber war folgendes: 

Die alldeutsche Bewegung konnte nur dann auf Erfolg 
rechnen, wenn sie vom ersten Tage an begriff, daß es sich 
hier nicht um eine neue Partei handeln durfte, als viel- 
mehr um eine neue Weltanschauung. Nur eine solche allein 
vermochte die innere Kraft aufzubringen, diesen riesen- 
haften Kampf auszufechten. Dazu aber taugen nun einmal 
als Führer nur die allerbesten und auch mutigsten Köpfe. 

Wenn der Kampf für eine Weltanschauung nicht von 
aufopferungsbereiten Helden geführt wird, werden sich in 
kurzer Zeit auch keine todesmutigen Kämpfer mehr finden. 
Wer hier für sein eigenes Dasein ficht, kann für die All- 
gemeinheit nicht mehr viel übrig haben. 

Um aber diese Voraussetzung sich zu erhalten, ist es not- 
wendig für jedermann, zu wissen, daß die neue Bewegung 
Ehre und Ruhm vor der Nachwelt, in der Gegenwart aber 
nichts bieten kann. Je mehr eine Bewegung zu vergeben 
hat an leicht zu erringenden Posten und Stellen, um so 
größer wird der Zulauf an Minderwertigen sein, bis endlich 



Alldeutsche und Parlament 115 

diese politischen Gelegenheitsarbeiter eine erfolgreiche Par- 
tei in solcher Zahl überwuchern, daß der redliche Kämpfer 
von einst die alte Bewegung gar nicht mehr wiedererkennt 
und die neu Hinzugekommenen ihn selber als lästigen 
„Unberufenen" entschieden ablehnen. Damit aber ist die 
„Mission" einer solchen Bewegung erledigt. 

Sowie die alldeutsche Bewegung sich dem Parlament ver- 
schrieb, erhielt sie eben auch „Parlamentarier" statt Führer 
und Kämpfer. Sie sank damit auf das Niveau einer der 
gewöhnlichen politischen Tagesparteien hinab und verlor 
die Kraft, einem verhängnisvollen Schicksal mit dem Trotz 
des Märtyrertums entgegenzutreten. Statt zu fechten, 
lernte sie nun auch „reden" und „verhandeln". Der neue 
Parlamentarier aber empfand es schon in kurzer Zeit als 
schönere, weil risikolosere, Pflicht, die neue Weltanschauung 
mit den „geistigen" Waffen parlamentarischer Beredsam- 
keit auszufechten, als sich, wenn nötig, unter Einsatz des 
eigenen Lebens in einen Kampf zu stürzen, dessen Ausgang 
unsicher war, auf alle Fälle jedoch nichts einbringen konnte. 

Da man nun einmal im Parlamente saß, begannen die 
Anhänger draußen auf Wunder zu hoffen und zu warten, 
die natürlich nicht eintraten und auch gar nicht eintreten 
konnten. Man wurde deshalb schon in kurzer Zeit ungedul- 
dig; denn auch das, was man so von den eigenen Abgeord- 
neten zu hören bekam, entsprach in keiner Weise den Er- 
wartungen der Wähler. Dies war leicht erklärlich, da sich 
die feindliche Presse wohl hütete, ein wahrheitsgetreues 
Bild des Wirkens der alldeutschen Vertreter dem Volke zu 
vermitteln. 

Je mehr aber die neuen Volksvertreter Geschmack an der 
doch etwas milderen Art des „revolutionären" Kampfes 
in Parlament und Landtagen erhielten, um so weniger 
fanden sie sich noch bereit, in die gefährlichere Aufklärungs- 
arbeit der breiten Schichten des Volkes zurückzukehren. 

Die Massenversammlung, der einzige Weg einer wirklich 
wirkungsvollen, weil unmittelbar persönlichen Beein- 
flussung und dadurch allein möglichen Gewinnung großer 
Volksteile, wurde daher immer mehr zurückgestellt. 



116 Die Bedeutung der Rede 

Sowie der Biertisch des Versammlungssaales endgültig 
mit der Tribüne des Parlaments vertauscht war, um von 
diesem Forum aus die Reden statt in das Volk in die 
Häupter seiner sogenannten „Auserwählten" zu gießen, 
hörte die alldeutsche Bewegung auch auf, eine Volksbewe- 
gung zu sein und sank in kurzer Zeit zu einem mehr oder 
minder ernst zu nehmenden Klub akademischer Erörte- 
rungen zusammen. 

Der durch die Presse vermittelte schlechte Eindruck wurde 
demgemäß in keiner Weise mehr durch persönliche Ver- 
sammlungstätigkeit der einzelnen Herren berichtigt, so daß 
endlich das Wort „alldeutsch" einen sehr üblen Klang in 
den Ohren des breiten Volkes bekam. 

Denn das mögen sich alle die schriftstellernden Ritter und 
Gecken von heute besonders gesagt sein lassen: die größten 
Umwälzungen auf dieser Welt sind nie durch einen Gänse- 
kiel geleitet worden! 

Nein, der Feder blieb es immer nur vorbehalten, sie 
theoretisch zu begründen. 

Die Macht aber, die die großen historischen Lawinen 
religiöser und politischer Art ins Rollen brachte, war seit 
urewig nur die Zauberkraft des gesprochenen Wortes. 

Die breite Masse eines Volkes vor allem unterliegt im- 
mer nur der Gewalt der Rede. Alle großen Bewegungen 
aber sind Volksbewegungen, sind Vulkanausbrüche mensch- 
licher Leidenschaften und seelischer Empfindungen, aufge- 
rührt entweder durch die grausame Göttin der Not oder 
durch die Brandfackel des unter die Masse geschleuderten 
Wortes und sind nicht limonadige Ergüsse ästhetisierender 
Literaten und Salonhelden. 

Völkerschicksale vermag nur ein Sturm von heißer Lei- 
denschaft zu wenden, Leidenschaft erwecken aber kann nur, 
wer sie selbst im Innern trägt. 

Sie allein schenkt dann dem von ihr Erwählten die 
Worte, die Hammerschlägen ähnlich die Tore zum Herzen 
eines Volkes zu öffnen vermögen. 

Wem aber Leidenschaft versagt und der Mund verschlos- 



Wirkung auf die Masse 117 

sen bleibt, den hat der Himmel nicht zum Verkünder seines 
Willens ausersehen. 

Daher möge jeder Schreiber bei seinem Tintenfasse blei- 
ben, um sich „theoretisch" zu betätigen, wenn Verstand und 
Können hierfür genügen; zum Führer aber ist er weder 
geboren noch erwählt. 

Eine Bewegung mit großen zielen muß deshalb ängstlich 
bemüht sein, den Zusammenhang mit dem breiten Volke 
nicht zu verlieren. 

Sie hat jede Frage in erster Linie von diesem Gesichts- 
punkte aus zu prüfen und in dieser Richtung ihre Ent- 
scheidung zu treffen. 

Sie muß weiter alles vermeiden, was ihre Fähigkeit, 
auf die Masse zu wirken, mindern oder auch nur schwächen 
könnte, nicht etwa aus „demagogischen" Gründen heraus, 
nein, sondern aus der einfachen Erkenntnis, daß ohne die 
gewaltige Kraft der Masse eines Volkes keine große Idee, 
mag sie auch noch so hehr und hoch erscheinen, zu verwirk- 
lichen ist. 

Die harte Wirklichkeit allein muß den Weg zum Ziel 
bestimmen; unangenehme Wege nicht gehen wollen, heißt 
auf dieser Welt nur zu oft auf das Ziel verzichten; man 
mag dann dies wollen oder nicht. 

Sowie die alldeutsche Bewegung durch ihre parlamen- 
tarische Einstellung das Schwergewicht ihrer Tätigkeit statt 
in das Volk in das Parlament verlegte, verlor sie die Zu- 
kunft und gewann dafür billige Erfolge des Augenblicks. 

Sie wählte den leichteren Kampf und war damit aber 
des letzten Sieges nicht mehr wert. 

Ich habe gerade diese Fragen schon in Wien auf das 
gründlichste durchgedacht und in ihrem Nichterkennen eine 
der Hauptursachen des Zusammenbruches der Bewegung 
gesehen, die in meinen Augen damals berufen war, die 
Führung des Deutschtums in ihre Hand zu nehmen. 

Die beiden ersten Fehler, die die alldeutsche Bewegung 
scheitern ließen, standen in verwandtschaftlichem Verhält- 
nis zueinander. Die mangelnde Kenntnis der inneren 
Triebkräfte großer Umwälzungen führte zu einer unge- 



118 Die Los-von-Rom-Bewegung 

nügenden Einschätzung der Bedeutung der breiten Massen 
des Volkes; daraus ergab sich das geringe Interesse an der 
sozialen Frage, das mangelhafte und ungenügende Wer- 
ben um die Seele der unteren Schichten der Nation sowie 
auch die dies nur begünstigende Einstellung zum Par- 
lament. 

Hätte man die unerhörte Macht erkannt, die der Masse 
als Trägerin revolutionären Widerstandes zu allen Zeiten 
zukommt, so würde man in sozialer wie in propagandisti- 
scher Richtung anders gearbeitet haben. Dann wäre auch 
nicht das Hauptgewicht der Bewegung in das Parlament 
verlegt worden, sondern auf Werkstatt und Straße. 

Aber auch der dritte Fehler trägt den letzten Keim in 
der Nichterkenntnis des Wertes der Masse, die, durch über- 
legene Geister erst einmal in einer bestimmten Richtung 
in Bewegung gesetzt, dann aber auch, einem Schwungrade 
ähnlich, der Stärke des Angriffs Wucht und gleichmäßige 
Beharrlichkeit gibt. 

Der schwere Kampf, den die alldeutsche Bewegung mit 
der katholischen Kirche ausfocht, ist nur erklärlich aus dem 
ungenügenden Verständnis, das man der seelischen Ver- 
anlagung des Volkes entgegenzubringen vermochte. 

Die Ursachen des heftigen Angriffs der neuen Partei 
gegen Rom lagen in folgendem: 

Sobald das Haus Habsburg sich endgültig entschlossen 
hatte, Österreich zu einem slawischen Staate umzugestalten, 
griff man zu jedem Mittel, das in dieser Richtung als 
irgendwie geeignet erschien. Auch religiöse Institutionen 
wurden von diesem gewissenlosesten Herrscherhaus skrupel- 
los in den Dienst der neuen „Staatsidee" gestellt. 

Die Verwendung tschechischer Pfarreien und ihrer geist- 
lichen Seelsorger war nur eines der vielen Mittel, um zu 
diesem Ziele, einer allgemeinen Verslawung Österreichs, zu 
kommen. 

Der Vorgang spielte sich etwa wie folgt ab: 

In rein deutschen Gemeinden wurden tschechische Pfarrer 
eingesetzt, die langsam aber sicher die Interessen des tsche- 
chischen Volkes über die Interessen der Kirchen zu stellen be- 



Die Los-von-Rom-Bewegung 119 

gannen und zu Keimzellen des Entdeutschungsprozesses 
wurden. 

Die deutsche Geistlichkeit versagte einem solchen Vorgehen 
gegenüber leider fast vollständig. Nicht nur, daß sie selber 
zu einem ähnlichen Kampfe im deutschen Sinne gänzlich 
unbrauchbar war, vermochte sie auch den Angriffen der an- 
deren nicht mit dem nötigen Widerstände zu begegnen. So 
wurde das Deutschtum, über den Umweg konfessionellen 
Mißbrauchs auf der einen Seite und durch ungenügende 
Abwehr auf der anderen, langsam aber unaufhörlich zu- 
rückgedrängt. 

Fand dies im kleinen wie dargelegt statt, so lagen leider 
die Verhältnisse im großen nicht viel anders. 

Auch hier erfuhren die antideutschen Versuche der Habs- 
burger, durch den höheren Klerus vor allem, nicht die ge- 
botene Abwehr, während die Vertretung der deutschen In- 
teressen selber vollständig in den Hintergrund trat. 

Der allgemeine Eindruck konnte nicht anders sein, als 
daß hier eine grobe Verletzung deutscher Rechte durch die 
katholische Geistlichkeit als solche vorläge. 

Damit aber schien die Kirche eben nicht mit dem deutschen 
Volke zu fühlen, sondern sich in ungerechter Weise auf die 
Seite der Feinde desselben zu stellen. Die Wurzel des gan- 
zen Übels aber lag, vor allem nach der Meinung Schönerers, 
in der nicht in Deutschland befindlichen Leitung der katho- 
lischen Kirche sowie der dadurch schon allein bedingten 
Feindseligkeit den Belangen unseres Volkstums gegenüber. 

Die sogenannten kulturellen Probleme traten dabei, wie 
damals fast bei allem in Österreich, beinahe ganz in den 
Hintergrund. Maßgebend für die Einstellung der alldeut- 
schen Bewegung zur katholischen Kirche war viel weniger 
die Haltung derselben etwa zur Wissenschaft usw. als viel- 
mehr ihre ungenügende Vertretung deutscher Rechte und 
umgekehrt dauernde Förderung besonders slawischer An- 
maßung und Begehrlichkeit. 

Georg Schönerer war nun nicht der Mann, eine Sache 
halb zu tun. Er nahm den Kampf gegen die Kirche auf in 
der Überzeugung, nur durch ihn allein das deutsche Volk 



120 Die Los-von-Rom-Bewegung 

noch retten zu können. Die „Los-von-Rom-Bewegung" 
schien das gewaltigste, aber freilich auch schwerste Angriffs- 
verfahren, das die feindliche Hochburg zertrümmern mußte. 
War es erfolgreich, dann war auch die unselige Kirchen- 
spaltung in Deutschland überwunden, und die innere Kraft 
des Reiches und der deutschen Nation konnte durch einen 
solchen Sieg nur auf das ungeheuerlichste gewinnen. 

Allein weder die Voraussetzung noch die Schlußfolgerung 
dieses Kampfes war richtig. 

Ohne Zweifel war die nationale Widerstandskraft der 
katholischen Geistlichkeit deutscher Nationalität in allen das 
Deutschtum betreffenden Fragen geringer als die ihrer 
nichtdeutschen, besonders tschechischen Amtsbrüder. 

Ebenso konnte nur ein Ignorant nicht sehen, daß dem 
deutschen Klerus eine offensive Vertretung deutscher Inter- 
essen fast nie auch nur einfiel. 

Allein ebenso mußte jeder nicht Verblendete zugeben, daß 
dies in erster Linie einem Umstände zuzuschreiben ist, unter 
dem wir Deutsche alle insgesamt auf das schwerste zu leiden 
haben: es ist dies unsere Objektivität in der Einstellung zu 
unserem Volkstum genau so wie zu irgend etwas anderem. 

So wie der tschechische Geistliche subjektiv seinem Volke 
gegenüberstand und nur objektiv der Kirche, so war der 
deutsche Pfarrer subjektiv der Kirche ergeben und blieb ob- 
jektiv gegenüber der Nation. Eine Erscheinung, die wir in 
tausend anderen Fällen zu unserem Unglück genau so be- 
obachten können. 

Es ist dies keineswegs nur ein besonderes Erbteil des 
Katholizismus, sondern frißt bei uns in kurzer Zeit fast 
jede, besonders staatliche oder ideelle Einrichtung an. 

Man vergleiche nur die Stellung, die z.B. unser Be- 
amtentum gegenüber den Versuchen einer nationalen Wie- 
dergeburt einnimmt, mit der, wie sie in solchem Falle die 
Beamtenschaft eines anderen Volkes einnehmen würde. 
Oder glaubt man, daß das Offizierskorps der ganzen an- 
deren Welt etwa in ähnlicher Weise die Belange der Nation 
unter der Phrase der „Staatsautorität" zurückstellen würde, 
wie dies bei uns seit fünf Jahren selbstverständlich ist, ja 



Die Los-von-Rom-Bewegung 121 

sogar noch als besonders verdienstvoll gilt? Nehmen z.B. 
in der Judenfrage nicht beide Konfessionen heute einen 
Standpunkt ein, der weder den Belangen der Nation noch 
den wirklichen Bedürfnissen der Religion entspricht? Man 
vergleiche doch die Haltung eines jüdischen Rabbiners in 
allen Fragen von nur einiger Bedeutung für das Juden- 
tum als Rasse mit der Einstellung des weitaus größten 
Teils unserer Geistlichkeit, aber gefälligst beider Konfes- 
sionen! 

Wir haben diese Erscheinung immer dann, wenn es sich 
um die Vertretung einer abstrakten Idee an sich handelt. 

„Staatsautorität", „Demokratie", „Pazifismus", „Inter- 
nationale Solidarität" usw. sind lauter Begriffe, die bei 
uns fast immer zu so starren, rein doktrinären Vorstellun- 
gen werden, daß jede Beurteilung allgemeiner nationaler 
Lebensnotwendigkeiten ausschließlich nur mehr von ihrem 
Gesichtspunkte aus erfolgt. 

Diese unselige Art der Betrachtung aller Belange unter 
dem Gesichtswinkel einer einmal vorgefaßten Meinung 
tötet jedes Vermögen, sich in eine Sache subjektiv hineinzu- 
denken, die objektiv der eigenen Doktrin widerspricht, und 
führt am Ende zu einer vollständigen Umkehrung von Mit- 
tel und Zweck. Man wird sich gegen jeden Versuch einer 
nationalen Erhebung wenden, wenn diese nur unter vor- 
hergehender Beseitigung eines schlechten, verderblichen Re- 
giments stattfinden könnte, da dies ja ein Verstoß gegen 
die „Staatsautorität" wäre, die „Staatsautorität" aber 
nicht ein Mittel zum Zweck ist, als vielmehr in den Augen 
eines solchen Objektivitäts-Fanatikers den Zweck selber 
darstellt, der genügend ist, um sein ganzes klägliches Leben 
auszufüllen. So würde man sich z.B. mit Entrüstung gegen 
den Versuch einer Diktatur stemmen, selbst wenn ihr Träger 
ein Friedrich der Große und die augenblicklichen Staats- 
künstler einer Parlamentsmehrheit nur unfähige Zwerge 
oder gar minderwertige Subjekte wären, weil das Gesetz 
der Demokratie einem solchen Prinzipienbock eben heiliger 
erscheint als die Wohlfahrt einer Nation. Es wird also der 
eine die schlechteste Tyrannei, die ein Volk zugrunde richtet, 



122 Die Los-von-Rom-Bewegung 

beschirmen, da die „Staatsautorität" sich augenblicklich in 
ihr verkörpert, während der andere selbst die segensreichste 
Regierung ablehnt, sowie sie nicht seiner Vorstellung von 
„Demokratie" entspricht. 

Genau so wird unser deutscher Pazifist zu jeder auch noch 
so blutigen Vergewaltigung der Nation, sie mag ruhig von 
den ärgsten Militärgewalten ausgehen, schweigen, wenn 
eine Änderung dieses Loses nur durch Widerstand, also Ge- 
walt, zu erreichen wäre, denn dieses würde ja dem Geiste 
seiner Friedensgesellschaft widersprechen. Der internatio- 
nale deutsche Sozialist aber kann von der anderen Welt soli- 
darisch ausgeplündert werden, er selber quittiert es mit brü- 
derlicher Zuneigung und denkt nicht an Vergeltung oder 
auch nur Verwahrung, weil er eben ein - Deutscher ist. - 

Dies mag traurig sein, aber eine Sache ändern wollen, 
heißt, sie vorher erkennen müssen. 

Ebenso verhält es sich mit der schwächlichen Vertretung 
deutscher Belange durch einen Teil des Klerus. 

Es ist dies weder boshafter, schlechter Wille an sich, noch 
bedingt durch, sagen wir Befehle von „oben", sondern wir 
sehen in einer solchen mangelhaften nationalen Entschlos- 
senheit nur die Ergebnisse einer ebenso mangelhaften Er- 
ziehung zum Deutschtum von Jugend auf, wie andererseits 
aber einer restlosen Unterwerfung unter die zum Idol ge- 
wordene Idee. 

Die Erziehung zur Demokratie, zum Sozialismus inter- 
nationaler Art, zum Pazifismus usw. ist eine so starre und 
ausschließliche, mithin, von ihnen aus betrachtet, rein sub- 
jektive, daß damit auch das allgemeine Bild der übrigen 
Welt unter dieser grundsätzlichen Vorstellung beeinflußt 
wird, während die Stellung zum Deutschtum ja von Jugend 
auf nur eine sehr objektive war. So war der Pazifist, 
indem er sich subjektiv seiner Idee restlos ergibt, bei jeder 
auch noch so ungerechten und schweren Bedrohung seines 
Volkes (sofern er eben ein Deutscher ist) immer erst nach 
dem objektiven Recht suchen und niemals aus reinem 
Selbsterhaltungstrieb sich in die Reihe seiner Herde stellen 
und mitfechten. 



Die Los-von-Rom-Bewegung 123 

Wie sehr dies auch für die einzelnen Konfessionen gilt, 
mag noch folgendes zeigen: 

Der Protestantismus vertritt von sich aus die Belange 
des Deutschtums besser, soweit dies in seiner Geburt und 
späteren Tradition überhaupt schon begründet liegt; er ver- 
sagt jedoch in dem Augenblick, wo diese Verteidigung natio- 
naler Interessen auf einem Gebiete stattfinden müßte, das 
in der allgemeinen Linie seiner Vorstellungswelt und tra- 
ditionellen Entwicklung entweder fehlt oder gar aus irgend- 
einem Grunde abgelehnt wird. 

So wird der Protestantismus immer für die Förderung 
alles Deutschtums an sich eintreten, sobald es sich um Dinge 
der inneren Sauberkeit oder auch nationalen Vertiefung, 
um die Verteidigung deutschen Wesens, deutscher Sprache 
und auch deutscher Freiheit handelt, da dieses alles ja fest 
in ihm selber mit begründet liegt; er bekämpft aber sofort 
auf das feindseligste jeden Versuch, die Nation aus der 
Umklammerung ihres tödlichsten Feindes zu retten, da seine 
Stellung zum Judentum nun einmal mehr oder weniger 
fest dogmatisch festgelegt ist. Dabei aber dreht es sich hier- 
bei um die Frage, ohne deren Lösung alle anderen Ver- 
suche einer deutschen Wiedergeburt oder einer Erhebung 
vollkommen unsinnig und unmöglich sind und bleiben. 

Ich besaß in meiner Wiener Zeit Muße und Gelegenheit 
genug, auch diese Frage unvoreingenommen zu prüfen und 
konnte dabei noch im täglichen Verkehr die Richtigkeit die- 
ser Anschauung tausendfältig feststellen. 

In diesem Brennpunkt der verschiedensten Nationalitäten 
zeigte sich sofort am klarsten, daß eben nur der deutsche 
Pazifist die Belange der eigenen Nation immer objektiv zu 
betrachten versucht, aber niemals der Jude etwa die des 
jüdischen Volkes; daß nur der deutsche Sozialist „inter- 
national" in einem Sinne ist, der ihm dann verbietet, sei- 
nem eigenen Volke Gerechtigkeit anders als durch Winseln 
und Flennen bei den internationalen Genossen zu erbet- 
teln, niemals aber auch der Tscheche oder Pole usw.; kurz, 
ich erkannte schon damals, daß das Unglück nur zum Teil 
in diesen Lehren an sich liegt, zum anderen Teil aber in 



124 Die Los-von-Rom-Bewegung 

unserer gänzlich ungenügenden Erziehung zum eigenen 
Volkstum überhaupt und in einer dadurch bedingten min- 
deren Hingabe an dasselbe. 

Damit entfiel die erste rein theoretische Begründung des 
Kampfes der alldeutschen Bewegung gegen den Katholizis- 
mus an sich. 

Man erziehe das deutsche Volk schon von Jugend an mit 
jener ausschließlichen Anerkennung der Rechte des eigenen 
Volkstums und verpeste nicht schon die Kinderherzen mit 
dem Fluche unserer „Objektivität" auch in Dingen der Er- 
haltung des eigenen Ichs, so wird es sich in kurzer Zeit 
zeigen, daß (eine dann aber auch radikale nationale Re- 
gierung vorausgesetzt) ebenso wie in Irland, Polen oder 
Frankreich, auch in Deutschland der Katholik immer Deut- 
scher sein wird. 

Den gewaltigsten Beweis hierfür hat aber jene Zeit ge- 
liefert, die zum letzten Male unser Volk zum Schutze seines 
Daseins vor dem Richterstuhl der Geschichte antreten ließ 
zu seinem Kampfe auf Leben und Tod. 

Solange nicht die Führung damals von oben fehlte, hat 
das Volk seine Pflicht und Schuldigkeit in überwältigend- 
ster Weise erfüllt. Ob protestantischer Pastor oder katho- 
lischer Pfarrer, sie trugen beide gemeinsam unendlich bei 
zum so langen Erhalten unserer Widerstandskraft, nicht 
nur an der Front, sondern noch mehr zu Hause. In diesen 
Jahren, und besonders im ersten Aufflammen, gab es 
wirklich in beiden Lagern nur ein einziges heiliges Deut- 
sches Reich, für dessen Bestehen und Zukunft sich jeder 
eben an seinen Himmel wandte. 

Eine Frage hätte sich die alldeutsche Bewegung in Öster- 
reich einst vorlegen müssen: Ist die Erhaltung des öster- 
reichischen Deutschtums unter einem katholischen Glauben 
möglich oder nicht? Wenn ja, dann durfte sich die politische 
Partei nicht um religiöse oder gar konfessionelle Dinge 
kümmern; wenn aber nein, dann mußte eine religiöse Re- 
formation einsetzen und niemals eine politische Partei. 

Wer über den Umweg einer politischen Organisation zu 
einer religiösen Reformation kommen zu können glaubt, 



Die Los-von-Rom-Bewegung 125 

zeigt nur, daß ihm auch jeder Schimmer vom Werden 
religiöser Vorstellungen oder gar Glaubenslehren und deren 
kirchlichen Auswirkungen abgeht. 

Man kann hier wirklich nicht zwei Herren dienen. Wobei 
ich die Gründung oder Zerstörung einer Religion denn 
doch als wesentlich größer halte als die Gründung oder 
Zerstörung eines Staates, geschweige denn einer Partei. 

Man sage ja nicht, daß besagte Angriffe nur die Abwehr 
von Angriffen der anderen Seite waren! 

Sicherlich haben zu allen Zeiten gewissenlose Kerle sich 
nicht gescheut, auch die Religion zum Instrument ihrer poli- 
tischen Geschäfte (denn um dies handelt es sich bei solchen 
Burschen fast immer und ausschließlich) zu machen; allein 
ebenso sicher ist es falsch, die Religion oder auch die Kon- 
fession für eine Anzahl von Lumpen, die mit ihr genau so 
Mißbrauch treiben, wie sie sonst eben wahrscheinlich irgend 
etwas anderes in den Dienst ihrer niederen Instinkte stellen 
würden, verantwortlich zu machen. 

Nichts kann solch einem parlamentarischen Taugenichts 
und Tagedieb besser passen, als wenn ihm so Gelegenheit 
geboten wird, wenigstens nachträglich noch die Rechtferti- 
gung zu seiner politischen Schiebung zu erlangen. Denn so- 
bald man die Religion oder auch die Konfession für seine 
persönliche Schlechtigkeit verantwortlich macht und sie des- 
halb angreift, ruft der verlogene Bursche sofort unter riesi- 
gem Geschrei alle Welt zum Zeugen an, wie berechtigt sein 
Vorgehen bisher war, und wie nur ihm und seiner Mund- 
fertigkeit allein die Rettung von Religion und Kirche zu 
danken sei. Die ebenso dumme wie vergeßliche Mitwelt er- 
kennt dann den wahren Urheber des ganzen Kampfes schon 
des großen Geschreies wegen meistens nicht oder erinnert 
sich seiner nicht mehr, und der Lump hat ja nun eigentlich 
sein Ziel erreicht. 

Daß dies mit Religion gar nichts zu tun hat, weiß so ein 
listiger Fuchs ganz genau; er wird also um so mehr im 
stillen in das Fäustchen lachen, während sein ehrlicher, aber 
ungeschickter Gegner das Spiel verliert, um eines Tages, 



126 Die Los-von-Rom-Bewegung 

an Treu und Glauben der Menschheit verzweifelnd, sich 
von allem zurückzuziehen. 

Es wäre aber auch in anderer Hinsicht nur unrecht, die 
Religion als solche oder selbst die Kirche für die Verfehlun- 
gen einzelner verantwortlich zu machen. Man vergleiche 
die Größe der vor dem Auge stehenden sichtbaren Organi- 
sation mit der durchschnittlichen Fehlerhaftigkeit der Men- 
schen im allgemeinen und wird zugeben müssen, daß das 
Verhältnis von Gutem und Schlechtem dabei besser ist als 
wohl irgendwo anders. Sicher gibt es auch unter den Prie- 
stern selber solche, denen ihr heiliges Amt nur ein Mittel 
zur Befriedigung ihres politischen Ehrgeizes ist, ja, die im 
politischen Kampfe in oft mehr als beklagenswerter Weise 
vergessen, daß sie denn doch die Hüter einer höheren 
Wahrheit sein sollten und nicht Vertreter von Lüge und 
Verleumdung - allein auf einen solchen Unwürdigen 
treffen doch auch wieder tausend und mehr ehrenhafte, 
ihrer Mission auf das treueste ergebene Seelsorger, die in 
unserer heutigen ebenso verlogenen als verkommenen 
Zeit wie kleine Inseln aus einem allgemeinen Sumpfe 
herausragen. 

So wenig ich die Kirche als solche verurteile und ver- 
urteilen darf, wenn einmal ein verkommenes Subjekt im 
Priesterrock sich in schmutziger Weise an der Sittlichkeit ver- 
fehlt, so wenig aber auch, wenn ein anderer unter den vie- 
len sein Volkstum besudelt und verrät, in Zeitläuften, in 
denen dies ohnehin geradezu alltäglich ist. Besonders heute 
möge man dann nicht vergessen, daß auf einen solchen 
Ephialtes auch Tausende treffen, die mit blutendem Herzen 
das Unglück ihres Volkes mitempfinden und genau so wie 
die Besten unserer Nation die Stunde herbeisehnen, in der 
auch uns der Himmel wieder einmal lächeln wird. 

Wer aber zur Antwort gibt, daß es sich hier nicht um so 
kleine Probleme des Alltags handelt, sondern um Fragen 
grundsätzlicher Wahrhaftigkeit oder dogmatischen Inhalts 
überhaupt, dem kann man nur mit einer anderen Frage 
die nötige Antwort geben: 

Glaubst du dich vom Schicksal ausersehen, hier die Wahr- 



Die Los-von-Rom-Bewegung 127 

heit zu verkünden, dann tue es; aber habe dann auch den 
Mut, dies nicht über den Umweg einer politischen Partei 
tun zu wollen - denn dies ist auch eine Schiebung -, son- 
dern stelle eben an Stelle des Schlechteren von jetzt dein 
Besseres der Zukunft auf. 

Fehlt es dir hier an Mut, oder ist dir dein Besseres sel- 
ber nicht ganz klar, dann lasse die Finger davon; auf 
alle Fälle aber versuche nicht, was du mit offenem Visier 
nicht zu tun dir getraust, über den Umweg einer politischen 
Bewegung zu erschleichen. 

Politische Parteien haben mit religiösen Problemen, so- 
lange sie nicht als volksfremd die Sitte und Moral der 
eigenen Rasse untergraben, nichts zu schaffen; genau so wie 
Religion nicht mit politischem Parteiunfug zu verquicken ist. 

Wenn kirchliche Würdenträger sich religiöser Einrich- 
tungen oder auch Lehren bedienen, um ihr Volkstum zu 
schädigen, so darf man ihnen auf diesem Wege niemals 
folgen und mit gleichen Waffen kämpfen. 

Dem politischen Führer haben religiöse 
Lehren und Einrichtungen seines Volkes 
immer unantastbar zu sein, sonst darf er 
nicht Politiker sein, sondern soll Refor- 
mator werden, wenn er das Zeug hierzu 
besitzt! 

Eine andere Haltung würde vor allem in Deutschland 
zu einer Katastrophe führen. 

Bei dem Studium der alldeutschen Bewegung und ihres 
Kampfes gegen Rom bin ich damals und besonders im 
Laufe späterer Jahre zu folgender Überzeugung gelangt: 
Das geringe Verständnis dieser Bewegung für die Be- 
deutung des sozialen Problems kostete sie die wahrhaft 
kampfkräftige Masse des Volkes; das Hineingehen in das 
Parlament nahm ihr den gewaltigen Schwung und be- 
lastete sie mit allen dieser Institution eigenen Schwächen; 
der Kampf gegen die katholische Kirche machte sie in zahl- 
reichen kleinen und mittleren Kreisen unmöglich und 
raubte ihr damit unzählige der besten Elemente, die die 
Nation überhaupt ihr eigen nennen kann. 



128 Die Los-von-Rom-Bewegung 

Das praktische Ergebnis des österreichischen Kulturkamp- 
fes war fast gleich Null. 

Wohl gelang es, der Kirche gegen hunderttausend Mit- 
glieder zu entreißen, allein ohne daß diese dadurch auch nur 
einen besonderen Schaden erlitten hätte. Sie brauchte den 
verlorenen „Schäflein" in diesem Falle wirklich keine Träne 
nachzuweinen; denn sie verlor nur, was ihr vorher schon 
längst innerlich nicht mehr voll gehörte. Dies war der 
Unterschied der neuen Reformation gegenüber der einsti- 
gen: daß einst viele der Besten der Kirche sich von ihr 
wendeten aus innerer religiöser Überzeugung heraus, 
während jetzt nur die ohnehin Lauen gingen, und zwar 
aus „Erwägungen" politischer Natur. 

Gerade vom politischen Gesichtspunkte aus aber war das Er- 
gebnis ebenso lächerlich wie doch wieder traurig. 

Wieder war eine erfolgversprechende politische Heils- 
bewegung der deutschen Nation zugrunde gegangen, weil 
sie nicht mit der nötigen rücksichtslosen Nüchternheit ge- 
führt worden war, sondern sich auf Gebiete verlor, die nur 
zu einer Zersplitterung führen mußten. 

Denn eines ist sicher wahr: 

Die alldeutsche Bewegung würde diesen Fehler wohl nie 
gemacht haben, wenn sie nicht zu wenig Verständnis für 
die Psyche der breiten Masse besessen hätte. Würde ihren 
Führern bekannt gewesen sein, daß man, um überhaupt 
Erfolge erringen zu können, schon aus rein seelischen Er- 
wägungen heraus der Masse niemals zwei und mehr Geg- 
ner zeigen darf, da dies sonst zu einer vollständigen Zer- 
splitterung der Kampfkraft führt, so wäre schon aus diesem 
Grunde die Stoßrichtung der alldeutschen Bewegung nur 
auf einen Gegner allein eingestellt worden. Es ist nichts 
gefährlicher für eine politische Partei, als wenn sie sich in 
ihren Entschließungen von jenen Hansdampfgesellen in 
allen Gassen leiten läßt, die alles wollen, ohne auch nur 
das Geringste je wirklich erreichen zu können. 

Auch wenn an der einzelnen Konfession noch soviel wirk- 
lich auszustellen wäre, so darf die politische Partei doch 
nicht einen Augenblick die Tatsache aus dem Auge ver- 



Konzentration auf einen Gegner 129 

Heren, daß es nach aller bisherigen Erfahrung der Ge- 
schichte noch niemals einer rein politischen Partei in ähn- 
lichen Lagen gelungen war, zu einer religiösen Reforma- 
tion zu kommen. Man studiert aber nicht Geschichte, um 
dann, wenn sie zur praktischen Anwendung kommen sollte, 
sich ihrer Lehren nicht zu erinnern oder zu glauben, daß 
nun die Dinge eben anders lägen, mithin ihre urewigen 
Wahrheiten nicht mehr anzuwenden wären, sondern man 
lernt aus ihr gerade die Nutzanwendung für die Gegen- 
wart. Wer dies nicht fertigbringt, der bilde sich nicht ein, 
politischer Führer zu sein; er ist in Wahrheit ein seichter, 
wenn auch meist sehr eingebildeter Tropf, und aller gute 
Wille entschuldigt nicht seine praktische Unfähigkeit. 

Überhaupt besteht die Kunst aller wahrhaft großen 
Volksführer zu allen Zeiten in erster Linie mit darin, 
die Aufmerksamkeit eines Volkes nicht zu zersplittern, son- 
dern immer auf einen einzigen Gegner zu konzentrieren. 
Je einheitlicher dieser Einsatz des Kampfwillens eines 
Volkes stattfindet, um so größer wird die magnetische An- 
ziehungskraft einer Bewegung sein, und um so gewaltiger 
die Wucht des Stoßes. Es gehört zur Genialität eines 
großen Führers, selbst auseinanderliegende Gegner immer 
als nur zu einer Kategorie gehörend erscheinen zu lassen, 
weil die Erkenntnis verschiedener Feinde bei schwächlichen 
und unsicheren Charakteren nur zu leicht zum Anfang des 
Zweifels am eigenen Rechte führt. 

Sowie die schwankende Masse sich im Kampfe gegen zu 
viele Feinde sieht, wird sich sofort die Objektivität einstel- 
len und die Frage aufwerfen, ob wirklich alle anderen 
unrecht haben und nur das eigene Volk oder die eigene 
Bewegung allein sich im Rechte befinde. 

Damit aber kommt auch schon die erste Lähmung der 
eigenen Kraft. Daher muß eine Vielzahl von innerlich ver- 
schiedenen Gegnern immer zusammengefaßt werden, so daß 
in der Einsicht der Masse der eigenen Anhänger der Kampf 
nur gegen einen Feind allein geführt wird. Dies stärkt den 
Glauben an das eigene Recht und steigert die Erbitterung 
gegen den Angreifer auf dasselbe. 



130 Der Weg der Christlich-Sozialen 

Daß die alldeutsche Bewegung von einst dies nicht be- 
griff, kostete sie den Erfolg. 

Ihr Ziel war richtig gesehen, das Wollen rein, der ein- 
geschlagene Weg aber falsch. Sie glich einem Bergsteiger, 
der den zu erklimmenden Gipfel wohl im Auge behält, auch 
mit größter Entschiedenheit und Kraft sich auf den Weg 
macht, allein diesem selber keine Beachtung schenkt, son- 
dern, immer den Blick auf das Ziel gerichtet, die Beschaf- 
fenheit des Aufstiegs weder sieht noch prüft und daran 
endlich scheitert. 

Umgekehrt schien das Verhältnis bei der großen Kon- 
kurrentin, der christlich-sozialen Partei, zu liegen. 

Der Weg, den sie einschlug, war klug und richtig ge- 
wählt, allein es fehlte die klare Erkenntnis über das Ziel. 

In fast allen Belangen, in denen die alldeutsche Bewe- 
gung fehlte, war die Einstellung der christlich-sozialen Par- 
tei richtig und planvoll. 

Sie besaß das nötige Verständnis für die Bedeutung 
der Masse und sicherte sich wenigstens einen Teil derselben 
durch offensichtliche Betonung ihres sozialen Charakters 
vom ersten Tage an. Indem sie sich in wesentlicher Weise 
auf die Gewinnung des kleinen und unteren Mittel- und 
Handwerkerstandes einstellte, erhielt sie eine ebenso treue 
wie ausdauernde und opferwillige Gefolgschaft. Sie ver- 
mied jeden Kampf gegen eine religiöse Einrichtung und 
sicherte sich dadurch die Unterstützung einer so mächtigen 
Organisation, wie sie die Kirche nun einmal darstellt. Sie 
besaß demzufolge auch nur einen einzigen wahrhaft großen 
Hauptgegner. Sie erkannte den Wert einer großzügigen 
Propaganda und war Virtuosin im Einwirken auf die 
seelischen Instinkte der breiten Masse ihrer Anhänger. 

Daß auch sie dennoch nicht das erträumte Ziel einer 
Rettung Österreichs zu erreichen vermochte, lag in zwei 
Mängeln ihres Weges sowie in der Unklarheit über das Ziel 
selber. 

Der Antisemitismus der neuen Bewegung war statt auf 
rassischer Erkenntnis auf religiöser Vorstellung aufgebaut. 



Judenbekämpfung auf religiöser Grundlage 131 

Der Grund, warum dieser Fehler unterlief, war der gleiche, 
der auch den zweiten Irrtum veranlaßte. 

Wollte die christlich-soziale Partei Österreich retten, dann 
durfte sie sich, nach der Meinung ihrer Begründer, nicht auf 
den Standpunkt des Rassenprinzips stellen, da sonst in kur- 
zer Zeit eine allgemeine Auflösung des Staates eintreten 
mußte. Besonders aber die Lage in Wien selber erforderte, 
nach der Ansicht der Führer der Partei, eine möglichst 
große Beiseitelassung aller trennenden Momente und an 
deren Stelle ein Hervorheben aller einigenden Gesichts- 
punkte. 

Wien war zu dieser Zeit schon so stark, besonders mit 
tschechischen Elementen, durchsetzt, daß nur größte Toleranz 
in bezug auf alle Rassenprobleme diese noch in einer nicht 
von vornherein deutsch-feindlichen Partei zu halten ver- 
mochte. Wollte man Österreich retten, durfte auf sie nicht 
verzichtet werden. So versuchte man die besonders sehr 
zahlreichen tschechischen Kleingewerbetreibenden in Wien 
zu gewinnen durch den Kampf gegen das liberale Man- 
chestertum und glaubte dabei eine über alle Völkerunter- 
schiede des alten Österreich hinwegführende Parole im 
Kampf gegen das Judentum auf religiöser Grundlage ge- 
funden zu haben. 

Daß eine solche Bekämpfung auf solcher Grundlage der 
Judenheit nur begrenzte Sorge bereitete, liegt auf der 
Hand. Im schlimmsten Falle rettete ein Guß Taufwasser 
immer noch Geschäft und Judentum zugleich. 

Mit einer solchen oberflächlichen Begründung kam man 
auch niemals zu einer ernstlichen wissenschaftlichen Behand- 
lung des ganzen Problems und stieß dadurch nur zu viele, 
denen diese Art von Antisemitismus unverständlich sein 
mußte, überhaupt zurück. Die werbende Kraft der Idee war 
damit fast ausschließlich an geistig beschränkte Kreise ge- 
bunden, wenn man nicht vom rein gefühlsmäßigen Emp- 
finden hinweg zu einer wirklichen Erkenntnis kommen 
wollte. Die Intelligenz verhielt sich grundsätzlich ablehnend. 
Die Sache erhielt so mehr und mehr den Anstrich, als 
handle es sich bei der ganzen Angelegenheit nur um den 



132 Judenbekämpfung auf religiöser Grundlage 

Versuch einer neuen Judenbekehrung oder gar um den 
Ausdruck eines gewissen Konkurrenzneides. Damit aber 
verlor der Kampf das Merkmal einer inneren und höheren 
Weihe und erschien vielen, und nicht gerade den Schlech- 
testen, als unmoralisch und verwerflich. Es fehlte die Über- 
zeugung, daß es sich hier um eine Lebensfrage der gesam- 
ten Menschheit handle, von deren Lösung das Schicksal aller 
nichtjüdischen Völker abhänge. 

An dieser Halbheit ging der Wert der antisemitischen 
Einstellung der christlich-sozialen Partei verloren. 

Es war ein Scheinantisemitismus, der fast schlimmer 
war als überhaupt keiner; denn so wurde man in Sicher- 
heit eingelullt, glaubte den Gegner an den Ohren zu haben, 
wurde jedoch selbst an der Nase geführt. 

Der Jude aber hatte sich schon in kurzer Zeit auch an 
diese Art von Antisemitismus so gewähnt, daß ihm sein 
Wegfall sicher mehr gefehlt haben würde, als ihn sein Vor- 
handensein behinderte. 

Mußte man hier schon dem Nationalitätenstaat ein 
schweres Opfer bringen, so noch viel mehr der Vertretung 
des Deutschtums an sich. 

Man durfte nicht „nationalistisch" sein, wollte man nicht 
in Wien selber den Boden unter den Füßen verlieren. 
Man hoffte durch ein sanftes Umgehen dieser Frage den 
Habsburgerstaat noch zu retten und trieb ihn gerade da- 
durch in das Verderben. Die Bewegung aber verlor damit 
die gewaltige Kraftquelle, die allein auf die Dauer eine 
politische Partei mit innerer Triebkraft aufzufüllen ver- 
mag. Die christlich-soziale Bewegung wurde gerade dadurch 
zu einer Partei wie eben jede andere auch. 

Ich habe beide Bewegungen einst auf das aufmerksamste 
verfolgt, die eine aus dem Pulsschlag des inneren Her- 
zens heraus, die andere, hingerissen von Bewunderung 
für den seltenen Mann, der mir schon damals wie ein 
bitteres Symbol des ganzen österreichischen Deutschtums 
erschien. 

Als der gewaltige Leichenzug den toten Bürgermeister 
vom Rathaus hinweg der Ringstraße zu fuhr, befand auch 



Alldeutsche und Christlich-Soziale 133 

ich mich unter den vielen Hunderttausenden, die dem 
Trauerspiel zusahen. In innerer Ergriffenheit sagte mir 
dabei das Gefühl, daß auch das Werk dieses Mannes ver- 
geblich sein müßte durch das Verhängnis, das diesen Staat 
unweigerlich dem Untergang entgegenführen würde. Hätte 
Dr. Karl Lueger in Deutschland gelebt, würde er in die 
Reihe der großen Köpfe unseres Volkes gestellt worden 
sein; daß er in diesem unmöglichen Staate wirkte, war das 
Unglück seines Werkes und seiner selbst. 

Als er starb, zuckten bereits die Flämmchen auf dem 
Balkan von Monat zu Monat gieriger hervor, so daß ihm 
das Schicksal gnädig das zu sehen erließ, was er noch 
glaubte verhüten zu können. 

Ich aber versuchte, aus dem Versagen der einen Bewe- 
gung und dem Mißlingen der zweiten die Ursachen heraus- 
zufinden und kam zur sicheren Überzeugung, daß, ganz 
abgesehen von der Unmöglichkeit, im alten Österreich noch 
eine Festigung des Staates zu erreichen, die Fehler der 
beiden Parteien folgende waren: 

Die alldeutsche Bewegung hatte wohl recht in ihrer prin- 
zipiellen Ansicht über das Ziel einer deutschen Erneuerung, 
war jedoch unglücklich in der Wahl des Weges. Sie war 
nationalistisch, allein leider nicht sozial genug, um die 
Masse zu gewinnen. Ihr Antisemitismus aber beruhte auf 
der richtigen Erkenntnis der Bedeutung des Rassenpro- 
blems und nicht auf religiösen Vorstellungen. Ihr Kampf 
gegen eine bestimmte Konfession war dagegen tatsächlich 
und taktisch falsch. 

Die christlich-soziale Bewegung besaß eine unklare Vor- 
stellung über das Ziel einer deutschen Wiedergeburt, hatte 
aber Verstand und Glück beim Suchen ihrer Wege als Par- 
tei. Sie begriff die Bedeutung der sozialen Frage, irrte in 
ihrem Kampf gegen das Judentum und besaß keine Ahnung 
von der Macht des nationalen Gedanken. 

Hätte die christlich-soziale Partei zu ihrer klugen 
Kenntnis der breiten Masse noch die richtige Vorstellung 
von der Bedeutung des Rassenproblems, wie dies die all- 
deutsche Bewegung erfaßt hatte, besessen, und wäre sie selber 



134 Wachsende Abneigung gegen den Habsburgerstaat 

endlich nationalistisch gewesen, oder würde die alldeutsche 
Bewegung zu ihrer richtigen Erkenntnis des Zieles der 
Judenfrage und der Bedeutung des Nationalgedankens 
noch die praktische Klugheit der christlich-sozialen Partei, 
besonders aber deren Einstellung zum Sozialismus, an- 
genommen haben, dann würde dies jene Bewegung er- 
geben haben, die schon damals meiner Überzeugung nach 
mit Erfolg in das deutsche Schicksal hätte eingreifen 
können. 

Daß dies nicht so war, lag zum weitaus größten Teil 
aber am Wesen des österreichischen Staates. 

Da ich meine Überzeugung in keiner anderen Partei 
verwirklicht sah, konnte ich mich in der Folgezeit auch 
nicht mehr entschließen, in eine der bestehenden Organi- 
sationen einzutreten oder gar mitzukämpfen. Ich hielt schon 
damals sämtliche der politischen Bewegungen für verfehlt 
und für unfähig, eine nationale Wiedergeburt des deut- 
schen Volkes in größerem und nicht äußerlichem Umfange 
durchzuführen. 

Meine innere Abneigung aber dem habsburgischen Staate 
gegenüber wuchs in dieser Zeit immer mehr an. 

Je mehr ich mich besonders auch mit außenpolitischen 
Fragen zu beschäftigen begann, um so mehr gewann meine 
Überzeugung Boden, daß dieses Staatsgebilde nur zum 
Unglück des Deutschtums werden müßte. Immer klarer 
sah ich endlich auch, daß das Schicksal der deutschen Nation 
nicht mehr von dieser Stelle aus entschieden würde, sondern 
im Reiche selber. Dies galt aber nicht nur für allgemeine 
politische Fragen, sondern nicht minder auch für alle Er- 
scheinungen des gesamten Kulturlebens überhaupt. 

Der österreichische Staat zeigte auch hier auf dem Ge- 
biete rein kultureller oder künstlerischer Angelegenheiten 
alle Merkmale der Erschlaffung, mindestens aber der Be- 
deutungslosigkeit für die deutsche Nation. Am meisten galt 
dies für das Gebiet der Architektur. Die neuere Baukunst 
konnte schon deshalb in Österreich nicht zu besonders gro- 
ßen Erfolgen kommen, weil die Aufgaben seit dem Aus- 
bau der Ringstraße wenigstens in Wien nur mehr unbe- 



Österreich - ein altes Mosaikbild 135 

deutende waren gegenüber den in Deutschland aufsteigen- 
den Plänen. 

So begann ich immer mehr ein Doppelleben zu führen; 
Verstand und Wirklichkeit hießen mich in Österreich eine 
ebenso bittere wie segensreiche Schule durchmachen, allein 
das Herz weilte wo anders. 

Eine beklemmende Unzufriedenheit hatte damals von 
mir Besitz ergriffen, je mehr ich die innere Hohlheit die- 
ses Staates erkannte, die Unmöglichkeit, ihn noch zu ret- 
ten, aber dabei mit aller Sicherheit empfand, daß er in 
allem und jedem nur noch das Unglück des deutschen Vol- 
kes darstellen konnte. 

Ich war überzeugt, daß dieser Staat jeden wahrhaft gro- 
ßen Deutschen ebenso beengen und behindern mußte, wie 
er umgekehrt jede undeutsche Erscheinung fördern würde. 
Widerwärtig war mir das Rassenkonglomerat, das die 
Reichshauptstadt zeigte, widerwärtig dieses ganze Völker- 
gemisch von Tschechen, Polen, Ungarn, Ruthenen, Serben 
und Kroaten usw., zwischen allem aber als ewiger Spalt- 
pilz der Menschheit - Juden und wieder Juden. 

Mir erschien die Riesenstadt als die Verkörperung der 
Blutschande. 

Mein Deutsch der Jugendzeit war der Dialekt, den auch 
Niederbayern spricht; ich vermochte ihn weder zu vergessen, 
noch den Wiener Jargon zu lernen. Je länger ich in dieser 
Stadt weilte, um so mehr stieg mein Haß gegen das fremde 
Völkergemisch, das diese alte deutsche Kulturstätte zu zer- 
fressen begann. 

Der Gedanke aber, daß dieser Staat noch längere Zeit 
zu halten wäre, erschien mir geradezu lächerlich. 

Österreich war damals wie ein altes Mosaikbild, dessen 
Kitt, der die einzelnen Steinchen zusammenbindet, alt und 
bröcklig geworden; solange das Kunstwerk nicht berührt 
wird, vermag es noch sein Dasein weiter vorzutäuschen, 
sowie es jedoch einen Stoß erhält, bricht es in tausend 
Scherbchen auseinander. Die Frage war also nur die, wann 
der Stoß kommen würde. - 

Da mein Herz niemals für eine österreichische Monarchie, 



136 Die Schule meines Lebens 

sondern immer nur für ein Deutsches Reich schlug, konnte 
mir die Stunde des Zerfalls dieses Staates nur als der 
Beginn der Erlösung der deutschen Nation erscheinen. 

Aus all diesen Gründen entstand immer stärker die 
Sehnsucht, endlich dorthin zu gehen, wo seit so früher 
Jugend mich heimliche Wünsche und heimliche Liebe hin- 
zogen. 

Ich hoffte, dereinst als Baumeister mir einen Namen 
zu machen und so, in kleinem oder großem Rahmen, den 
mir das Schicksal dann eben schon zuweisen würde, der 
Nation meinen redlichen Dienst zu weihen. 

Endlich aber wollte ich das Glücks teilhaftig werden, 
an der Stelle sein und wirken zu dürfen, von der einst ja 
auch mein brennendster Herzenswunsch in Erfüllung gehen 
mußte: der Anschluß meiner geliebten Heimat an das ge- 
meinsame Vaterland, das Deutsche Reich. 

Viele werden die Größe einer solchen Sehnsucht auch 
heute noch nicht begreifen vermögen, allein ich wende 
mich an die, denen das Schicksal entweder bisher dieses 
Glück verweigert oder in grausamer Härte wieder genom- 
men hat; ich wende mich an alle die, die, losgelöst vom 
Mutterlande, selbst um das heilige Gut der Sprache zu 
kämpfen haben, die wegen ihrer Gesinnung der Treue dem 
Vaterlande gegenüber verfolgt und gepeinigt werden, 
und die nun im schmerzlicher Ergriffenheit die Stunde 
ersehnen, die sie wieder an das Herz der teuren Mutter 
zurückkehren läßt; ich wende mich an alle diese und weiß: 
Sie werden mich verstehen! 

Nur wer selber am eigenen Leibe fühlt, was es heißt, 
Deutscher zu sein, ohne dem lieben Vaterlande angehören 
zu dürfen, vermag die tiefe Sehnsucht zu ermessen, die zu 
allen Zeiten im Herzen der vom Mutterlande getrennten 
Kinder brennt. Sie quält die von ihr Erfaßten und ver- 
weigert ihnen Zufriedenheit und Glück so lange, bis die 
Tore des Vaterhauses sich öffnen und im gemeinsamen 
Reiche das gemeinsame Blut Frieden und Ruhe wieder- 
findet. 



Die Schule meines Lebens 137 

Wien aber war und blieb für mich die schwerste, wenn 
auch gründlichste Schule meines Lebens. Ich hatte diese 
Stadt einst betreten als ein halber Junge noch und ver- 
ließ sie als still und ernst gewordener Mensch. Ich erhielt 
in ihr die Grundlagen für eine Weltanschauung im gro- 
ßen und eine politische Betrachtungsweise im kleinen, die 
ich später nur noch im einzelnen zu ergänzen brauchte, die 
mich aber nie mehr verließen. Den rechten Wert der da- 
maligen Lehrjahre vermag ich freilich selber erst heute 
voll zu schätzen. 

Deshalb habe ich diese Zeit etwas ausführlicher behan- 
delt, da sie mir gerade in jenen Fragen den ersten An- 
schauungsunterricht erteilte, die mit zu den Grundlagen 
der Partei gehören, die, aus kleinsten Anfängen entstehend, 
sich im Laufe von kaum fünf Jahren zu einer großen 
Massenbewegung zu entwickeln anschickt. Ich weiß nicht, 
wie meine Stellung zum Judentum, zur Sozialdemokratie, 
besser zum gesamten Marxismus, zur sozialen Frage usw. 
heute wäre, wenn nicht schon ein Grundstock persönlicher 
Anschauungen in so früher Zeit durch den Druck des Schick- 
sals - und durch eigenes Lernen sich gebildet hätte. 

Denn, wenn auch das Unglück des Vaterlandes Tausende 
und aber Tausende zum Denken anzuregen vermag über 
die inneren Gründe des Zusammenbruches, so kann dies 
doch niemals zu jener Gründlichkeit und tieferen Einsicht 
führen, die sich dem erschließt, der selber erst nach jahre- 
langem Ringen Herr des Schicksals wurde. 



4. Kapitel 
München 

Im Frühjahr 1912 kam ich endgültig nach München. 

Die Stadt selber war mir so gut bekannt, als ob 
ich schon seit Jahren in ihrem Mauern geweilt hätte. Es 
lag dies begründet in meinem Studium, das mich auf 
Schritt und Tritt ja auf diese Metropole der deutschen 
Kunst hinwies. Man hat nicht nur Deutschland nicht ge- 
sehen, wenn man München nicht kennt, nein, man kennt 
vor allem die deutsche Kunst nicht, wenn man München 
nicht sah. 

Jedenfalls war diese Zeit vor dem Kriege die glücklichste 
und weitaus zufriedenste meines Lebens. Wenn auch mein 
Verdienst immer noch sehr kärglich war, so lebte ich ja nicht, 
um malen zu können, sondern malte, um mir dadurch nur 
die Möglichkeit meines Lebens zu sichern, besser, um mir 
damit mein weiteres Studium zu gestatten. Ich besaß die 
Überzeugung, mein Ziel, das ich mir gesteckt hatte, einst 
eben dennoch zu erreichen. Und dies ließ mich allein schon 
alle sonstigen kleinen Sorgen des täglichen Daseins leicht 
und unbekümmert ertragen. 

Dazu aber kam noch die innere Liebe, die mich zu dieser 
Stadt mehr als zu einem anderen mir bekannten Orte 
fast schon von der ersten Stunde meines Aufenthaltes er- 
faßte. Eine deutsche Stadt! ! Welch ein Unterschied gegen 
Wien! Mir wurde schlecht, wenn ich an dieses Rassen- 
babylon auch nur zurückdachte. Dazu der mir viel näher 
liegende Dialekt, der mich besonders im Umgang mit Nieder- 
bayern an meine einstige Jugendzeit erinnern konnte. 
Es gab wohl tausend und mehr Dinge, die mir innerlich 
lieb und teuer waren oder wurden. Am meisten aber zog 



Deutschlands falsche Bündnispolitik 139 

mich die wunderbare Vermählung von urwüchsiger Kraft 
und seiner künstlerischer Stimmung, diese einzige Linie 
vom Hofbräuhaus zum Odeon, Oktoberfest zur Pinakothek 
usw. an. Daß ich heute an dieser Stadt hänge, mehr als 
an irgendeinem anderen Flecken Erde auf dieser Welt, 
liegt wohl mitbegründet in der Tatsache, daß sie mit der 
Entwicklung meines eigenen Lebens unzertrennlich ver- 
bunden ist und bleibt; daß ich aber damals schon das Glück 
einer wahrhaft inneren Zufriedenheit erhielt, war nur 
dem Zauber zuzuschreiben, den die wunderbare Wittels- 
bacherresidenz wohl auf jeden nicht nur mit einem rechneri- 
schen Verstände, sondern auch mit gefühlvollem Gemüte ge- 
segneten Menschen ausübt. 

Was mich außer meiner beruflichen Arbeit am meisten 
anzog, war auch hier wieder das Studium der politischen 
Tagesereignisse, darunter besonders außenpolitischer Vor- 
gänge. Ich kam zu den letzteren über den Umweg der deut- 
schen Bündnispolitik, die ich von meinen österreichischen 
Zeiten her schon für unbedingt falsch hielt. Immerhin war 
mir in Wien der volle Umfang dieser Selbsttäuschung des 
Reiches noch nicht ganz klar geworden. Ich war damals 
geneigt, anzunehmen - oder redete mir es vielleicht auch 
selber bloß als Entschuldigung vor -, daß man möglicher- 
weise in Berlin schon wisse, wie schwach und wenig ver- 
läßlich der Bundesgenosse in Wirklichkeit sein würde, 
jedoch aus mehr oder minder geheimnisvollen Gründen 
mit dieser Einsicht zurückhalte, um eine Bündnispolitik 
zu stützen, die ja Bismarck selber einst begründet hatte 
und deren plötzlicher Abbruch nicht wünschenswert sein 
konnte, schon um das lauernde Ausland nicht irgendwie 
aufzuschrecken oder den inneren Spießer zu beun- 
ruhigen. 

Freilich, der Umgang, vor allem im Volke selber, ließ 
mich zu meinem Entsetzen schon in kurzer Zeit sehen, daß 
dieser Glaube falsch war. Zu meinem Erstaunen mußte ich 
überall feststellen, daß über das Wesen der Habsburger- 
monarchie selbst in den sonst gut unterrichteten Kreisen 
aber auch kein blasser Schimmer vorhanden war. Gerade 



140 Deutschlands falsche Bündnispolitik 

im Volke war man in dem Wahne verfangen, den Bun- 
desgenossen als eine ernste Macht ansehen zu dürfen, die 
in der Stunde der Not sicher sofort ihren Mann stellen 
würde. Man hielt in der Masse die Monarchie immer 
für einen „deutschen" Staat und glaubte darauf auch 
bauen zu können. Man war der Meinung, daß die Kraft 
auch hier nach den Millionen gemessen werden könnte, so 
wie etwa in Deutschland selber, und vergaß vollständig, 
daß ersten: Österreich schon längst aufgehört hatte, ein 
deutsches Staatswesen zu sein; daß aber zweitens: die 
inneren Verhältnisse dieses Reiches von Stunde zu Stunde 
mehr der Auflösung entgegendrängten. 

Ich hatte damals dieses Staatsgebilde besser gekannt 
als diese sogenannte offizielle „Diplomatie", die blind, wie 
fast immer, dem Verhängnis entgegentaumelte; denn die 
Stimmung des Volkes war immer nur der Ausfluß dessen, 
was man von oben in die öffentliche Meinung hinein- 
trichterte. Von oben aber trieb man mit dem „Bundes- 
genossen" einen Kult wie um das goldene Kalb. Man 
hoffte wohl, durch Liebenswürdigkeit zu ersetzen, was an 
Aufrichtigkeit fehlte. Dabei nahm man immer Worte für 
bare Werte. 

Mich packte schon in Wien der Zorn, wenn ich den 
Unterschied betrachtete, der zwischen den Reden der offi- 
ziellen Staatsmänner und dem Inhalt der Wiener Presse 
von Zeit zu Zeit in Erscheinung trat. Dabei war Wien 
aber doch noch, wenigstens dem Scheine nach, eine deutsche 
Stadt. Wie anders aber lagen die Dinge, wenn man von 
Wien oder besser von Deutschösterreich weg, in die slawi- 
schen Provinzen des Reiches kam! Man brauchte nur Pra- 
ger Zeitungen in die Hand zu nehmen, um zu wissen, wie 
das ganze erhabene Gaukelspiel des Dreibundes dort be- 
urteilt wurde. Da war für dieses „staatsmännische Meister- 
werk" schon nichts mehr vorhanden als blutiger Spott und 
Hohn. Man machte im tiefsten Frieden, als die beiden 
Kaiser gerade die Freundschaftsküsse einander auf die 
Stirne drückten, gar kein Hehl daraus, daß dieses Bündnis 
erledigt sei an dem Tage, an dem man versuchen würde, 



Deutschlands falsche Bündnispolitik 141 

es aus dem Schimmer des Nibelungen-Ideals in die prak- 
tische Wirklichkeit zu überführen. 

Wie hatte man sich doch einige Jahre später aufgeregt, 
als in der endlich gekommenen Stunde, da die Bündnisse 
sich bewähren sollten, Italien aus dem Dreibunde aus- 
sprang und die beiden Genossen ziehen ließ, ja zum Schlüsse 
noch selber zum Feinde wurde! Daß man überhaupt auch 
nur eine Minute an die Möglichkeit eines solchen Wunders 
früher zu glauben wagte, nämlich an das Wunder, daß 
Italien mit Österreich gemeinsam kämpfen würde, konnte 
jedem eben nicht mit diplomatischer Blindheit Geschla- 
genen nur einfach unverständlich sein. Allein die Dinge 
lagen ja in Österreich selber um kein Haar anders. 

Träger des Bündnisgedankens waren in Österreich nur 
die Habsburger und die Deutschen. Die Habsburger aus 
Berechnung und Zwang, die Deutschen aus gutem Glau- 
ben und politischer - Dummheit. Aus gutem Glauben, 
denn sie vermeinten, durch den Dreibund dem Deutschen 
Reiche selber einen großen Dienst zu erweisen, es stärken 
und sichern zu helfen; aus politischer Dummheit aber, weil 
weder das erst Gemeinte zutraf, sondern im Gegenteil sie 
dadurch mithalfen, das Reich an einen Staatskadaver zu 
ketten, der beide in den Abgrund reißen mußte, vor allem 
aber, weil sie ja selber nur durch dieses Bündnis immer 
mehr der Entdeutschung anheimfielen. Denn indem die 
Habsburger durch das Bündnis mit dem Reiche vor einer 
Einmengung von dieser Seite aus sicher sein zu können 
glaubten und leider auch mit Recht sein konnten, vermoch- 
ten sie ihre innere Politik der langsamen Verdrängung des 
Deutschtums schon wesentlich leichter und risikoloser durch- 
zuführen. Nicht nur, daß man bei der bekannten „Objektivi- 
tät" einen Einspruch von Seiten der Reichsregierung gar 
nicht zu befürchten brauchte, konnte man auch dem öster- 
reichischen Deutschtum selber jederzeit mit dem Hinweis 
auf das Bündnis den vorlauten Mund, der gegen eine etwa 
zu niederträchtige Art der Slawisierung sich auftun wollte, 
sofort zum Schweigen zu bringen. 

Was sollte denn auch der Deutsche in Österreich noch 



142 Deutschlands falsche Bündnispolitik 

tun, wenn doch das Deutschtum des Reiches selber der 
Habsburgerregierung Anerkennung und Vertrauen aus- 
sprach? Sollte er Widerstand leisten, um dann in der 
ganzen deutschen Öffentlichkeit als Verräter am eigenen 
Volkstum gebrandmarkt zu werden? Er, der seit Jahr- 
zehnten die unerhörtesten Opfer gerade für sein Volks- 
tum gebracht hatte? 

Was aber besaß dieses Bündnis für einen Wert, wenn 
erst das Deutschtum der Habsburger Monarchie ausgerottet 
worden wäre? War nicht der Wert des Dreibundes für 
Deutschland geradezu abhängig von der Erhaltung der deut- 
schen Vormachtstellung in Österreich? Oder glaubte man 
wirklich, auch mit einem slawischen Habsburgerreich noch 
in einem Bündnis leben zu können? 

Die Einstellung der offiziellen deutschen Diplomatie so- 
wie auch die der ganzen öffentlichen Meinung zum inner- 
österreichischen Nationalitätenproblem war schon nicht 
mehr dumm, sondern einfach irrsinnig! Man baute auf 
ein Bündnis, stellte die Zukunft und Sicherheit eines 
Siebzig-Millionen-Volkes darauf ein - und sah zu, wie 
die einzige Grundlage für diesen Bund beim Partner von 
Jahr zu Jahr planmäßig und unbeirrt sicher zerstört wurde. 
Eines Tages mußte dann ein „Vertrag" mit der Wiener 
Diplomatie übrigbleiben, die Bundeshilfe eines Reiches 
aber verloren sein. 

Bei Italien war dies ohnehin von Anfang an der Fall. 

Hätte man in Deutschland nur etwas klarer Geschichte 
studiert und Völkerpsychologie getrieben, dann hätte man 
wohl keine Stunde glauben können, daß jemals Quirinal 
und Wiener Hofburg in einer gemeinsamen Kampffront 
stehen würden. Italien wäre ja eher zu einem Vulkan 
geworden, ehe eine Regierung es hätte wagen dürfen, dem 
so fanatisch verhaßten Habsburgerstaat aber auch nur einen 
einzigen Italiener auf das Schlachtfeld zu stellen, außer 
als Feind. Ich habe die leidenschaftliche Verachtung sowie 
den bodenlosen Haß, mit dem der Italiener dem öster- 
reichischen Staate „zugetan" war, öfter als einmal in 
Wien aufbrennen sehen. Was das Haus Habsburg an der 



Deutschlands falsche Bündnispolitik 143 

italienischen Freiheit und Unabhängigkeit im Laufe der 
Jahrhunderte gesündigt hatte, war zu groß, als daß man 
dies hätte vergessen können, auch wenn der Wille dazu 
vorhanden gewesen wäre. Er war aber gar nicht vor- 
handen; weder im Volke noch bei der italienischen Regie- 
rung. Für Italien gab es deshalb auch nur zwei Mög- 
lichkeiten im Zusammenleben mit Österreich: entweder 
Bündnis oder Krieg. 

Indem man das erstere wählte, vermochte man sich in 
Ruhe zum zweiten vorzubereiten. 

Besonders seitdem das Verhältnis Österreichs zu Ruß- 
land immer mehr einer kriegerischen Auseinandersetzung 
entgegentrieb, war die deutsche Bündnispolitik ebenso sinn- 
los wie gefährlich. 

Es war dies ein klassischer Fall, an dem sich das Feh- 
len jeder großen und richtigen Linie des Denkens auf- 
zeigen ließ. 

Warum schloß man denn überhaupt ein Bündnis? Doch 
nur, um so die Zukunft des Reiches besser wahren zu kön- 
nen, als es, auf sich allein gestellt, in der Lage gewesen 
wäre. Diese Zukunft des Reiches aber war doch nichts an- 
deres als die Frage der Erhaltung der Existenzmöglichkeit 
des deutschen Volkes. 

Mithin aber konnte die Frage dann nur lauten: Wie 
muß das Leben der deutschen Nation in einer greifbaren 
Zukunft sich gestalten, und wie kann man dieser Entwick- 
lung dann die nötigen Grundlagen und die erforderliche 
Sicherheit gewährleisten im Rahmen der allgemeinen 
europäischen Machtverhältnisse? 

Bei klarer Betrachtung der Voraussetzungen für die 
außenpolitische Betätigung der deutschen Staatskunst mußte 
man zu folgender Überzeugung gelangen: 

Deutschland hat eine jährliche Bevölkerungszunahme von 
nahezu neunhunderttausend Seelen. Die Schwierigkeit der 
Ernährung dieser Armee von neuen Staatsbürgern muß von 
Jahr zu Jahr größer werden und einmal bei einer Kata- 
strophe enden, falls eben nicht Mittel und Wege gefunden 



144 Die vier Wege deutscher Politik 

werden, noch rechtzeitig der Gefahr dieser Hungerverelen- 
dung vorzubeugen. 

Es gab vier Wege, um einer solchen entsetzlichen Zu- 
kunftsentwicklung zu entgehen: 

1. Man konnte, nach französischem Vorbilde, die Zu- 
nahme der Geburten künstlich einschränken und damit 
einer Überbevölkerung begegnen. 

Die Natur selber pflegt ja in Zeiten großer Not oder 
böser klimatischer Verhältnisse sowie bei armem Boden- 
ertrag ebenfalls zu einer Einschränkung der Vermehrung 
der Bevölkerung von bestimmten Ländern oder Rassen 
zu schreiten; allerdings in ebenso weiser wie rücksichtsloser 
Methode. Sie behindert nicht die Zeugungsfähigkeit an 
sich, wohl aber die Forterhaltung des Gezeugten, indem 
sie dieses so schweren Prüfungen und Entbehrungen aus- 
setzt, daß alles minder Starke, weniger Gesunde, wieder in 
den Schoß des ewig Unbekannten zurückzukehren gezwun- 
gen wird. Was sie dann dennoch die Unbilden des Daseins 
überdauern läßt, ist tausendfältig erprobt, hart und wohl 
geeignet, wieder weiter zu zeugen, auf daß die gründliche 
Auslese von vorne wieder zu beginnen vermag. Indem sie 
so gegen den einzelnen brutal vorgeht und ihn augenblick- 
lich wieder zu sich ruft, sowie er dem Sturme des Lebens 
nicht gewachsen ist, erhält sie die Rasse und Art selber 
kraftvoll, ja steigert sie zu höchsten Leistungen. 

Damit ist aber die Verminderung der Zahl eine Stär- 
kung der Person, mithin aber letzten Endes eine Kräf- 
tigung der Art. 

Anders ist es, wenn der Mensch eine Beschränkung sei- 
ner Zahl vorzunehmen sich anschickt. Er ist nicht aus dem 
Holze der Natur geschnitzt, sonder „human". Er versteht 
es besser als diese grausame Königin aller Weisheit. Er 
beschränkt nicht die Forterhaltung des einzelnen als viel- 
mehr die Fortpflanzung selber. Dieses erscheint ihm, der 
ja immer nur sich selbst und nie die Rasse sieht, mensch- 
licher und gerechtfertigter zu sein als der umgekehrte Weg. 
Allein leider sind auch die Folgen umgekehrt: 

Während die Natur, indem sie die Zeugung freigibt, 



Die vier Wege deutscher Politik 145 

jedoch die Forterhaltung einer schwersten Prüfung unter- 
wirft, aus einer Überzahl der Einzelwesen die besten sich 
als wert zum Leben auserwählt, sie also allein erhält 
und ebenso zu Trägern der Forterhaltung ihrer Art wer- 
den läßt, schränkt der Mensch die Zeugung ein, sorgt jedoch 
krampfhaft dafür, daß jedes einmal geborene Wesen um 
jeden Preis auch erhalten werde. Diese Korrektur des gött- 
lichen Willens scheint ihm ebenso weise wie human zu sein, 
und er freut sich, wieder einmal in einer Sache die Natur 
übertrumpft, ja ihre Unzulänglichkeit bewiesen zu haben. 
Daß in Wirklichkeit allerdings wohl die Zahl eingeschränkt, 
aber dafür auch der Wert des einzelnen vermindert wurde, 
will das liebe Äffchen des Allvaters freilich nur ungern 
sehen oder hören. 

Denn sowie erst einmal die Zeugung als solche einge- 
schränkt und die Zahl der Geburten vermindert wird, tritt 
an Stelle des natürlichen Kampfes um das Dasein, der nur 
den Allerstärksten und Gesündesten am Leben läßt, die 
selbstverständliche Sucht, auch das Schwächlichste, ja Krank- 
hafteste um jeden Preis zu „retten", womit der Keim zu 
einer Nachkommenschaft gelegt wird, die immer jämmer- 
licher werden muß, je länger diese Verhöhnung der Natur 
und ihres Willens anhält. 

Das Ende aber wird sein, daß einem solchen Volke eines 
Tages das Dasein auf dieser Welt genommen werden wird; 
denn der Mensch kann wohl eine gewisse Zeit den ewigen 
Gesetzen des Forterhaltungswillens trotzen, allein die Rache 
kommt früher oder später doch. Ein stärkeres Geschlecht 
wird die Schwachen verjagen, da der Drang zum Leben in 
seiner letzten Form alle lächerlichen Fesseln einer sogenann- 
ten Humanität der einzelnen immer wieder zerbrechen wird, 
um an seine Stelle die Humanität der Natur treten zu 
lassen, die die Schwäche vernichtet, um der Stärke den Platz 
zu schenken. 

Wer also dem deutschen Volke das Dasein sichern will 
auf dem Wege einer Selbstbeschränkung seiner Vermeh- 
rung, raubt ihm damit die Zukunft. 

2. Ein zweiter Weg wäre der, den wir auch heute wieder 



146 Die vier Wege deutscher Politik 

oft und oft vorgeschlagen und angepriesen hören: die innere 
Kolonisation. Es ist dies ein Vorschlag, der von ebenso 
vielen gut gemeint ist, als er von den meisten aber 
schlecht verstanden zu werden pflegt, um den denkbar 
größten Schaden anzurichten, den man sich nur vorzu- 
stellen vermag. 

Ohne Zweifel kann die Erträgnisfähigkeit eines Bodens 
bis zu einer bestimmten Grenze erhöht werden. Allein eben 
nur bis zu einer bestimmten Grenze und nicht endlos 
weiter. Eine gewisse Zeit wird man also ohne Hungers- 
gefahr die Vermehrung des deutschen Volkes durch eine 
Nutzungssteigerung unseres Bodens auszugleichen vermö- 
gen. Allein dem steht die Tatsache gegenüber, daß die An- 
forderungen an das Leben im allgemeinen schneller steigen 
als selbst die Zahl der Bevölkerung. Die Anforderungen 
der Menschen in bezug auf Nahrung und Kleidung werden 
von Jahr zu Jahr größer und stehen schon jetzt zum 
Beispiel in keinem Verhältnis mehr zu den Bedürfnissen 
unserer Vorfahren etwa vor hundert Jahren. Es ist also 
irrig, zu meinen, daß jede Erhöhung der Produktion 
einer Vermehrung der Bevölkerung die Voraussetzung 
schaffe: Nein; dies trifft nur bis zu einem gewissen Grad 
zu, indem mindestens ein Teil der Mehrerzeugnisse des 
Bodens zur Befriedigung der erhöhten Bedürfnisse der 
Menschen aufgebraucht wird. Allein selbst bei größter Ein- 
schränkung einerseits und emsigstem Fleiße andererseits 
wird dennoch auch hier einmal eine Grenze kommen, 
die durch den Boden dann selber gezogen wird. Es 
wird bei allem Fleiße nicht mehr gelingen, mehr aus 
ihm herauszuwirtschaften, und dann tritt, wenn auch 
eine gewisse Zeit hinausgeschoben, das Verhängnis aber- 
mals in Erscheinung. Der Hunger wird zunächst von Zeit 
zu Zeit, wenn Mißernten usw. kommen, sich wieder ein- 
stellen. Er wird dies mit steigender Volkszahl immer öfter 
tun, so daß er endlich nur dann nicht mehr auftritt, 
wenn seltene reichste Jahre die Speicher füllen. Aber es 
naht endlich die Zeit, in der auch dann die Not nicht mehr 
zu befriedigen sein wird und der Hunger zum ewigen 



Die vier Wege deutscher Politik 147 

Begleiter eines solchen Volkes geworden ist. Nun muß 
wieder die Natur helfen und Auswahl treffen unter den 
von ihr zum Leben Auserwählten; oder es hilft sich der 
Mensch wieder selbst, das heißt, er greift zur künstlichen 
Behinderung seiner Vermehrung mit allen ihren schon 
angedeuteten schweren Folgen für Rasse und Art. 

Man wird noch einzuwenden vermögen, daß diese Zu- 
kunft ja der ganzen Menschheit einmal so oder so bevor- 
stehe, mithin auch das einzelne Volk diesem Verhängnis 
natürlich nicht zu entgehen vermöge. 

Dies ist auf den ersten Blick ohne weiteres richtig. Den- 
noch ist aber hier folgendes zu bedenken: 

Sicherlich wird zu einem bestimmten Zeitpunkt die ge- 
samte Menschheit gezwungen sein, infolge der Unmöglich- 
keit, die Fruchtbarkeit des Bodens der weitersteigenden 
Volkszahl noch länger anzugleichen, die Vermehrung des 
menschlichen Geschlechtes einzustellen und entweder die 
Natur wieder entscheiden zu lassen oder durch Selbsthilfe, 
wenn möglich, dann freilich schon auf dem richtigeren Wege 
als heute, den notwendigen Ausgleich zu schaffen. Allein 
dieses wird dann eben alle Völker treffen, während zur 
Zeit nur diejenigen Rassen von solcher Not betroffen wer- 
den, die nicht mehr Kraft und Stärke genug besitzen, um 
sich den für sie nötigen Boden auf dieser Welt zu sichern. 
Denn die Dinge liegen doch so, daß auf dieser Erde zur 
Zeit noch immer Boden in ganz ungeheuren Flächen 
ungenützt vorhanden ist und nur des Bebauers harrt. 
Ebenso aber ist es auch richtig, daß dieser Boden nicht von 
der Natur an und für sich einer bestimmten Nation oder 
Rasse als Reservatfläche für die Zukunft aufgehoben wurde, 
sondern er ist Land und Boden für das Volk, daß die 
Kraft besitzt, ihn zu nehmen, und den Fleiß, ihn zu be- 
bauen. 

Die Natur kennt keine politischen Grenzen. Sie setzt 
die Lebewesen zunächst auf diesen Erdball und sieht dem 
freien Spiel der Kräfte zu. Der Stärkste an Mut und 
Fleiß erhält dann als ihr liebstes Kind das Herrenrecht 
des Daseins zugesprochen. 



148 Die vier Wege deutscher Politik 

Wenn ein Volk sich auf innere Kolonisation beschränkt, 
da andere Rassen sich auf immer größeren Bodenflächen 
dieser Erde festklammern, wird es zur Selbstbeschränkung 
schon zu einer Zeit zu greifen gezwungen sein, da die übri- 
gen Völker sich noch dauernd fortvermehren. Einmal tritt 
aber dieser Fall ein, und zwar um so früher, je kleiner der 
zur Verfügung stehende Lebensraum eines Volkes ist. Da 
im allgemeinen leider nur zu häufig die besten Nationen 
oder, noch richtiger, die einzigen wahrhaften Kulturrassen, 
die Träger alles menschlichen Fortschrittes, sich in ihrer 
pazifistischen Verblendung entschließen, auf neuen Boden- 
erwerb Verzicht zu leisten, um sich mit „innerer" Koloni- 
sation zu begnügen, minderwertige Nationen aber ungeheure 
Lebensflächen auf dieser Welt sich zu sichern verstehen, 
würde dies zu folgendem Endergebnis führen: 

Die kulturell besseren, allein minder rücksichtslosen Ras- 
sen müßten schon zu einer Zeit ihre Vermehrung infolge 
ihres beschränkten Bodens begrenzen, da die kulturell tie- 
feren, aber naturhaft-brutaleren Völker infolge größter 
Lebensflächen noch ins Unbegrenzte hinein sich fortzuver- 
mehren in der Lage sein würden. Mit anderen Worten: 
Die Welt wird damit eines Tages in den Besitz der kul- 
turell minderwertigeren, jedoch tatkräftigeren Menschheit 
kommen. 

Dann gibt es in einer, wenn auch noch so fernen Zukunft 
nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Welt wird regiert 
nach den Vorstellungen unserer modernen Demokratie, 
dann fällt das Schwergewicht jeder Entscheidung zugunsten 
der zahlenmäßig stärkeren Rassen aus, oder die Welt wird 
beherrscht nach den Gesetzen der natürlichen Kraftordnung, 
dann siegen die Völker des brutalen Willens und mithin 
eben wieder nicht die Nation der Selbstbeschränkung. 

Daß aber diese Welt dereinst noch schwersten Kämpfen 
um das Dasein der Menschheit ausgesetzt sein wird, kann 
niemand bezweifeln. Am Ende siegt ewig nur die Sucht der 
Selbsterhaltung. Unter ihr schmilzt die sogenannte Huma- 
nität als Ausdruck einer Mischung von Dummheit, Feig- 
heit und eingebildetem Besserwissen, wie Schnee in der 



Die vier Wege deutscher Politik 149 

Märzensonne. Im ewigen Kampfe ist die Menschheit groß 
geworden - im ewigen Frieden geht sie zugrunde. 

Für uns Deutsche aber ist die Parole der „inneren Ko- 
lonisation" schon deshalb unselig, da sie bei uns sofort die 
Meinung verstärkt, ein Mittel gefunden zu haben, das der 
pazifistischen Gesinnung entsprechend gestattet, in sanftem 
Schlummerleben sich das Dasein „erarbeiten" zu können. 
Diese Lehre, bei uns erst einmal ernst genommen, be- 
deutet das Ende jeder Anstrengung, sich auf dieser Welt 
den Platz zu bewahren, der auch uns gebührt. Sowie erst 
der Durchschnittsdeutsche die Überzeugung erhielte, auch auf 
solchem Wege sich das Leben und die Zukunft sichern zu 
können, würde jeder Versuch einer aktiven und damit allein 
fruchtbaren Vertretung deutscher Lebensnotwendigkeiten 
erledigt sein. Jede wirklich nützliche Außenpolitik aber 
könnte durch eine solche Einstellung der Nation als be- 
graben angesehen werden und mit ihr die Zukunft des 
deutschen Volkes überhaupt. 

In Erkenntnis dieser Folgen ist es nicht zufällig in 
erster Linie immer der Jude, der solche todgefährlichen Ge- 
dankengänge in unser Volk hineinzupflanzen versucht und 
versteht. Er kennt seine Pappenheimer nur zu gut, um 
nicht zu wissen, daß sie dankbar jedem spanischen Schatz- 
schwindler zum Opfer fallen, der ihnen weiszumachen ver- 
steht, daß das Mittel gefunden wäre, der Natur ein 
Schnippchen zu schlagen, den harten, unerbittlichen Kampf 
ums Dasein überflüssig zu machen, um an seiner Stelle 
bald durch Arbeit, manchmal auch schon durch bloßes Nichts- 
tun, je nachdem „wie's trefft", zum Herrn des Planeten 
aufzusteigen. 

Es kann nicht scharf genug betont werden, daß jede 
deutsche innere Kolonisation in erster 
Linie nur dazu zu dienen hat, soziale 
Mißstände zu beseitigen, vor allem den 
Boden der allgemeinen Spekulation zu 
entziehen, niemals aber genügen kann, 
etwa die Zukunft der Nation ohne neuen 
Grund und Boden sicherzustellen. 



150 Die vier Wege deutscher Politik 

Handeln wir anders, so werden wir in kurzer Zeit nicht 
nur am Ende unseres Bodens angelangt sein, sondern auch 
am Ende unserer Kraft. 

Schließlich muß noch folgendes festgestellt werden: 

Die in der inneren Kolonisation liegende Beschränkung 
auf eine bestimmte kleine Bodenfläche sowie auch die durch 
Einengung der Fortpflanzung erfolgende gleiche Schluß- 
wirkung führt zu einer außerordentlich ungünstigen mili- 
tärpolitischen Lage der betreffenden Nation. 

In der Größe des Wohnsitzes eines Volkes liegt allein 
schon ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung seiner äuße- 
ren Sicherheit. Je größer die Raummenge ist, die einem 
Volk zur Verfügung steht, um so größer ist auch dessen 
natürlicher Schutz; denn noch immer ließen sich militärische 
Entscheidungen gegen Völker auf kleiner zusammengepreß- 
ter Bodenfläche in schnellerer und damit aber auch leich- 
terer und besonders wirksamerer und vollständigerer Weise 
erzielen, wie dies umgekehrt gegen territorial umfangreiche 
Staaten möglich sein kann. In der Größe des Staats- 
gebietes liegt damit immer noch ein gewisser Schutz gegen 
leichtfertige Angriffe, da ein Erfolg dabei nur nach langen, 
schweren Kämpfen zu erzielen ist, mithin das Risiko eines 
übermütigen Überfalles zu groß erscheinen wird, sofern 
nicht ganz außerordentliche Gründe vorliegen. Daher liegt 
schon in der Größe des Staates an sich ein Grund zur 
leichteren Erhaltung der Freiheit und Unabhängigkeit 
eines Volkes, während umgekehrt die Kleinheit eines sol- 
chen Gebildes zur Inbesitznahme geradezu herausfordert. 

Tatsächlich wurden auch die beiden ersten Möglichkeiten 
zur Schaffung eines Ausgleiches zwischen der steigenden 
Volkszahl und dem gleichgroß bleibenden Boden in den 
sogenannten nationalen Kreisen des Reiches abgelehnt. Die 
Gründe zu dieser Stellungnahme waren freilich andere als 
die oben angeführten: Zur Einschränkung der Geburten 
verhielt man sich in erster Linie ablehnend aus einem 
gewissen moralischen Gefühl heraus; die innere Koloni- 
sation wies man mit Entrüstung zurück, da man in ihr 
einen Angriff gegen den Großgrundbesitz witterte und 



Die vier Wege deutscher Politik 151 

darin den Beginn eines allgemeinen Kampfes gegen das 
Privateigentum überhaupt sah. Bei der Form, in der 
besonders diese letztere Heilslehre empfohlen wurde, konnte 
man auch ohne weiteres mit einer solchen Annahme recht 
haben. 

Im allgemeinem war die Abwehr der breiten Masse 
gegenüber nicht sehr geschickt und traf auch in keinerlei 
Weise den Kern des Problems. 

Somit blieben nur noch zwei Wege, der steigenden Volks- 
zahl Arbeit und Brot zu sichern. 

3. Man konnte entweder neuen Boden erwerben, um 
die überschüssigen Millionen jährlich abzuschieben, und so 
die Nation auch weiter auf der Grundlage einer Selbst- 
ernährung erhalten, oder man ging 

4. dazu über, durch Industrie und Handel für fremden 
Bedarf zu schaffen, um vom Erlös das Leben zu bestreiten. 

Also: entweder Boden- oder Kolonial- und Handels- 
politik. 

Beide Wege wurden von verschiedenen Richtungen ins 
Auge gefaßt, geprüft, empfohlen und bekämpft, bis endlich 
der letzte endgültig gegangen wurde. 

Der gesündere Weg von beiden wäre freilich der erstere 
gewesen. 

Die Erwerbung von neuem Grund und Boden zur An- 
siedelung der überlaufenden Volkszahl besitzt unendlich viel 
Vorzüge, besonders wenn man nicht die Gegenwart, sondern 
die Zukunft ins Auge faßt. 

Schon die Möglichkeit der Erhaltung eines gesunden 
Bauernstandes als Fundament der gesamten Nation kann 
niemals hoch genug eingeschätzt werden. Viele unserer heu- 
tigen Leiden sind nur die Folge des ungesunden Verhält- 
nisses zwischen Land- und Stadtvolk. Ein fester Stock kleiner 
und mittlerer Bauern war noch zu allen Zeiten der beste 
Schutz gegen soziale Erkrankungen, wie wir sie heute be- 
sitzen. Dies ist aber auch die einzige Lösung, die eine Nation 
das tägliche Brot im inneren Kreislauf einer Wirtschaft 
finden läßt. Industrie und Handel treten von ihrer un- 
gesunden führenden Stellung zurück und gliedern sich in den 



152 Erwerb neuen Bodens 

allgemeinen Rahmen einer nationalen Bedarfs- und Aus- 
gleichswirtschaft ein. Beide sind damit nicht mehr die 
Grundlage der Ernährung der Nation, sondern ein Hilfs- 
mittel derselben. Indem sie nur mehr den Ausgleich zwi- 
schen eigener Produktion und Bedarf auf allen Gebieten 
zur Aufgabe haben, machen sie die gesamte Volksernährung 
mehr oder weniger unabhängig vom Auslande, helfen also 
mit, die Freiheit des Staates und die Unabhängigkeit der 
Nation, besonders in schweren Tagen, sicherzustellen. 

Allerdings, eine solche Bodenpolitik kann nicht etwa in 
Kamerun ihre Erfüllung finden, sondern heute fast aus- 
schließlich nur mehr in Europa. Man muß sich damit kühl 
und nüchtern auf den Standpunkt stellen, daß es sicher nicht 
Absicht des Himmels sein kann, dem einen Volke fünfzig- 
mal so viel an Grund und Boden auf dieser Welt zu geben 
als dem anderen. Man darf in diesem Falle sich nicht durch 
politische Grenzen von den Grenzen des ewigen Rechtes ab- 
bringen lassen. Wenn diese Erde wirklich für alle Raum 
zum Leben hat, dann möge man uns also den uns zum 
Leben notwendigen Boden geben. 

Man wird das freilich nicht gerne tun. Dann jedoch tritt 
das Recht der Selbsterhaltung in seine Wirkung; und was 
der Güte verweigert wird, hat eben die Faust sich zu 
nehmen. Hätten unsere Vorfahren einst ihre Entscheidungen 
von dem gleichen pazifistischen Unsinn abhängig gemacht 
wie die heutige Gegenwart, dann würden wir überhaupt 
nur ein Drittel unseres jetzigen Bodens zu eigen besitzen; 
ein deutsches Volk aber dürfte dann kaum mehr Sorgen 
in Europa zu tragen haben. Nein - der natürlichen Ent- 
schlossenheit zum Kampfe für das eigene Dasein verdanken 
wir die beiden Ostmarken des Reiches und damit jene 
innere Stärke der Größe unseres Staats- und Volksgebie- 
tes, die überhaupt allein uns bis heute bestehen ließ. 

Auch aus einem anderen Grunde wäre diese Lösung die 
richtige gewesen: 

Viele europäischen Staaten gleichen heute auf die Spitze 
gestellten Pyramiden. Ihre europäische Grundfläche ist 
lächerlich klein gegenüber ihrer übrigen Belastung in Kolo- 



Erwerb neuen Bodens 153 

nien, Außenhandel usw. Man darf sagen: Spitze in Europa, 
Basis in der ganzen Welt; zum Unterschiede der amerikani- 
schen Union, die die Basis noch im eigenen Kontinent besitzt 
und nur mit der Spitze die übrige Erde berührt. Daher 
kommt aber auch die unerhörte innere Kraft dieses Staates 
und die Schwäche der meisten europäischen Kolonialmächte. 
Auch England ist kein Beweis dagegen, da man nur zu 
leicht angesichts des britischen Imperiums die angelsächsische 
Welt als solche vergißt. Die Stellung Englands kann infolge 
seiner Sprach- und Kulturgemeinschaft mit der amerikani- 
schen Union allein schon mit keinem sonstigen Staat in 
Europa verglichen werden. 

Für Deutschland lag demnach die einzige Möglichkeit zur 
Durchführung einer gesunden Bodenpolitik nur in der Er- 
werbung von neuem Lande in Europa selber. Kolonien 
können diesem Zwecke so lange nicht dienen, als sie nicht zur 
Besiedelung mit Europäern in größtem Maße geeignet er- 
scheinen. Auf friedlichem Wege aber waren solche Kolonial- 
gebiete im neunzehnten Jahrhundert nicht mehr zu er- 
langen. Es würde mithin auch eine solche Kolonialpolitik 
nur auf dem Wege eines schweren Kampfes durchzuführen 
gewesen sein, der aber dann zweckmäßiger nicht für außer- 
europäische Gebiete, sondern vielmehr für Land im Heimat- 
kontinent selbst ausgefochten worden wäre. 

Ein solcher Entschluß erfordert dann freilich ungeteilte 
Hingabe. Es geht nicht an, mit halben Mitteln oder auch 
nur zögernd an eine Aufgabe heranzutreten, deren Durch- 
führung nur unter Anspannung aber auch der letzten Ener- 
gie möglich erscheint. Dann mußte auch die gesamte poli- 
tische Leitung des Reiches diesem ausschließlichen Zwecke 
huldigen; niemals durfte ein Schritt erfolgen, von anderen 
Erwägungen geleitet, als von der Erkenntnis dieser Aufgabe 
und ihrer Bedingungen. Man hatte sich Klarheit zu ver- 
schaffen, daß dieses Ziel nur unter Kampf zu erreichen war, 
und mußte dem Waffengange dann aber auch ruhig und ge- 
faßt ins Auge sehen. 

So waren die gesamten Bündnisse ausschließlich von die- 
sem Gesichtspunkte aus zu prüfen und ihrer Verwertbarkeit 



154 Mit England gegen Rußland 

nach zu schätzen. Wollte man in Europa Grund und Boden, 
dann konnte dies im großen und ganzen nur auf Kosten 
Rußlands geschehen, dann mußte sich das neue Reich 
wieder auf der Straße der einstigen Ordensritter in 
Marsch setzen, um mit dem deutschen Schwert dem deut- 
schen Pflug die Scholle, der Nation aber das tägliche Brot 
zu geben. 

Für eine solche Politik allerdings gab es in Europa nur 
einen einzigen Bundesgenossen: England. 

Nur mit England allein vermochte man, den Rücken ge- 
deckt, den neuen Germanenzug zu beginnen. Das Recht 
hierzu wäre nicht geringer gewesen als das Recht unserer 
Vorfahren. Keiner unserer Pazifisten weigert sich, das Brot 
des Ostens zu essen, obwohl der erste Pflug einst „Schwert" 
hieß! 

Englands Geneigtheit zu gewinnen, durfte dann aber 
kein Opfer zu groß sein. Es war auf Kolonien und See- 
geltung zu verzichten, der britischen Industrie aber die 
Konkurrenz zu ersparen. 

Nur unbedingte klare Einstellung allein konnte zu einem 
solchen Ziele führen. Verzicht auf Welthandel und Kolo- 
nien, Verzicht auf eine deutsche Kriegsflotte, Konzentration 
der gesamten Machtmittel des Staates auf das Landheer. 

Das Ergebnis wäre wohl eine augenblickliche Beschrän- 
kung gewesen, allein eine große und mächtige Zukunft. 

Es gab eine Zeit, da England in diesem Sinne hätte mit 
sich reden lassen. Da es sehr wohl begriffen hatte, daß 
Deutschland infolge seiner Bevölkerungszunahme nach 
irgendeinem Ausweg suchen müsse und entweder mit Eng- 
land diesen in Europa fände oder ohne England in der 
Welt. 

Dieser Ahnung war es wohl auch in erster Linie zuzu- 
schreiben, wenn um die Jahrhundertwende von London 
selber aus versucht wurde, Deutschland näherzutreten. Zum 
ersten Male zeigte sich damals, was wir in den letzten 
Jahren in wahrhaft erschreckender Weise beobachten konn- 
ten. Man war unangenehm berührt bei dem Gedanken, 
für England Kastanien aus dem Feuer holen zu müssen; 



Lösung des österreichischen Bündnisses 155 

als ob es überhaupt ein Bündnis auf einer anderen 
Grundlage als der eines gegenseitigen Geschäftes geben 
könnte. Mit England ließ sich aber ein solches Geschäft sehr 
wohl machen. Die britische Diplomatie war noch immer 
klug genug, zu wissen, daß ohne Gegenleistung keine Lei- 
stung zu erwarten ist. 

Man stelle sich aber vor, daß eine kluge deutsche Außen- 
politik die Rolle Japans im Jahre 1904 übernommen 
hätte, und man kann kaum ermessen, welche Folgen dies 
für Deutschland gehabt haben würde. 

Es wäre niemals zu einem „Weltkriege" gekommen. 

Das Blut im Jahre 1904 hätte das Zehnfache der Jahre 
1914 bis 1918 erspart. 

Welche Stellung aber würde Deutschland heute in der 
Welt einnehmen! 

Allerdings, das Bündnis mit Österreich war dann ein 
Unsinn. 

Denn diese staatliche Mumie verband sich mit Deutschland 
nicht zum Durchfechten eines Krieges, sondern zur Erhal- 
tung eines ewigen Friedens, der dann in kluger Weise zur 
langsamen, aber sicheren Ausrottung des Deutschtums der 
Monarchie verwendet werden konnte. 

Dieses Bündnis aber war auch deshalb eine Unmöglich- 
keit, weil man doch mit einem Staate so lange gar keine 
offensive Vertretung nationaler deutscher Interessen er- 
warten durfte, als dieser nicht einmal die Kraft und Ent- 
schlossenheit besaß, dem Entdeutschungsprozeß an seiner un- 
mittelbaren Grenze ein Ende zu bereiten. Wenn Deutsch- 
land nicht soviel nationale Besinnung und auch Rücksichts- 
losigkeit besaß, dem unmöglichen Habsburgerstaat die Ver- 
fügung über das Schicksal der zehn Millionen Stammes- 
genossen zu entreißen, dann durfte man wahrlich nicht er- 
warten, daß es jemals zu solch weitausschauenden und ver- 
wegenen Plänen die Hand bieten würde. Die Haltung des 
alten Reiches zur österreichischen Frage war der Prüfstein 
für sein Verhalten im Schicksalskampf der ganzen Nation. 

Auf alle Fälle durfte man nicht zusehen, wie Jahr um 
Jahr das Deutschtum mehr zurückgedrängt wurde, da ja 



156 Wirtschafts-Expansions-Politik 

der Wert der Bündnisfähigkeit Österreichs ausschließlich von 
der Erhaltung des deutschen Elements bestimmt wurde. 

Allein, man beschritt diesen Weg ja überhaupt nicht. 

Man fürchtete nichts so sehr als den Kampf, um endlich 
in der ungünstigsten Stunde dennoch zu ihm gezwungen zu 
werden. 

Man wollte dem Schicksal enteilen und wurde von ihm 
ereilt. Man räumte von der Erhaltung des Weltfriedens 
und landete beim Weltkrieg. 

Und dies war der bedeutendste Grund, warum man 
diesen dritten Weg der Gestaltung einer deutschen Zukunft 
gar nicht einmal ins Auge faßte. Man wußte, daß die Ge- 
winnung neuen Bodens nur im Osten zu erreichen war, 
sah den dann nötigen Kampf und wollte um jeden Preis 
doch den Frieden; denn die Parole der deutschen Außen- 
politik hieß schon längst nicht mehr: Erhaltung der deut- 
schen Nation auf allen Wegen, als vielmehr: Erhaltung 
des Weltfriedens mit allen Mitteln. Wie dies dann gelang, 
ist bekannt. 

Ich werde darauf noch besonders zurückkommen. 

So blieb also noch die vierte Möglichkeit: Industrie und 
Welthandel, Seemacht und Kolonien. 

Eine solche Entwicklung war allerdings zunächst leichter 
und auch wohl schneller zu erreichen. Die Besiedelung von 
Grund und Boden ist ein langsamer Prozeß, der oft Jahr- 
hunderte dauert; ja, darin ist gerade seine innere Stärke 
zu suchen, daß es sich dabei nicht um ein plötzliches Auf- 
flammen, sondern um ein allmähliches, aber gründliches 
und andauerndes Wachsen handelt, zum Unterschiede von 
einer industriellen Entwicklung, die im Laufe weniger Jahre 
aufgeblasen werden kann, um dann aber auch mehr einer 
Seifenblase als einer gediegenen Stärke zu ähneln. Eine 
Flotte ist freilich schneller zu bauen, als im zähen Kampfe 
Bauernhöfe aufzurichten und mit Farmern zu besiedeln; 
allein, sie ist auch schneller zu vernichten als letztere. 

Wenn Deutschland dennoch diesen Weg beschritt, dann 
mußte man aber wenigstens klar erkennen, daß auch diese 
Entwicklung eines Tages beim Kampfe enden würde. Nur 



Mit Rußland gegen England 157 

Kinder konnten vermeinen, durch freundliches und gesittetes 
Betragen und dauerndes Betonen friedlicher Gesinnung 
ihre Bananen holen zu können im „friedlichen Wettbewerb 
der Völker", wie man so schön und salbungsvoll daher- 
schwätzte; ohne also je zur Waffe greifen zu müssen. 

Nein, wenn wir diesen Weg beschritten, dann mußte 
eines Tages England unser Feind werden. Es war mehr 
als unsinnig, sich darüber zu entrüsten - entsprach aber 
ganz unserer eigenen Harmlosigkeit -, daß England sich 
die Freiheit nahm, eines Tages unserem friedlichen Treiben 
mit der Roheit des gewalttätigen Egoisten entgegenzutreten. 

Wir hätten dies allerdings nie getan. 

Wenn europäische Bodenpolitik nur zu treiben war gegen 
Rußland mit England im Bunde, dann war aber umgekehrt 
Kolonial- und Welthandelspolitik nur denkbar gegen Eng- 
land mit Rußland. Dann mußte man aber auch hier rück- 
sichtslos die Konsequenzen ziehen - und vor allem Öster- 
reich schleunigst fahren lassen. 

Nach jeder Richtung hin betrachtet war dieses Bündnis 
mit Österreich um die Jahrhundertwende schon ein wahrer 
Wahnsinn. 

Allein man dachte ja auch gar nicht daran, sich mit Ruß- 
land gegen England zu verbünden, so wenig wie mit Eng- 
land gegen Rußland, denn in beiden Fällen wäre das Ende 
ja Krieg gewesen, und um diesen zu verhindern, entschloß 
man sich ja doch überhaupt erst zur Handels- und Industrie- 
politik. Man besaß ja nun in der „wirtschaftsfriedlichen" 
Eroberung der Welt eine Gebrauchsanweisung, die der bis- 
herigen Gewaltpolitik ein für allemal das Genick brechen 
sollte. Man war sich manchmal der Sache vielleicht doch 
wieder nicht ganz sicher, besonders, wenn aus England von 
Zeit zu Zeit ganz unmißverständliche Drohungen herüber- 
kamen; darum entschloß man sich auch zum Bau einer 
Flotte, jedoch auch wieder nicht zum Angriff und zur Ver- 
nichtung Englands, sondern zur „Verteidigung" des schon 
benannten „Weltfriedens" und der „friedlichen" Eroberung 
der Welt. Daher wurde sie auch in allem und jedem etwas 
bescheidener gehalten, nicht nur der Zahl, sondern auch 



158 „Wirtschaftsfriedliche" Eroberung 

dem Tonnengehalt der einzelnen Schiffe sowie der Armie- 
rung nach, um auch so wieder die letzten Endes doch „fried- 
liche" Absicht durchleuchten zu lassen. 

Das Gerede der „wirtschaftsfriedlichen" Eroberung der 
Welt war wohl der größte Unsinn, der jemals zum leiten- 
den Prinzip der Staatspolitik erhoben wurde. Dieser Unsinn 
wurde noch größer dadurch, daß man sich nicht scheute, Eng- 
land als Kronzeugen für die Möglichkeit einer solchen Lei- 
stung anzurufen. Was dabei unsere professorale Geschichts- 
lehre und Geschichtsauffassung mitverbrochen hat, kann 
kaum wieder gutgemacht werden und ist nur der schlagende 
Beweis dafür, wie viele Leute Geschichte „lernen", ohne sie 
zu verstehen oder gar zu begreifen. Gerade in England 
hätte man die schlagende Widerlegung dieser Theorie er- 
kennen müssen; hat doch kein Volk mit größter Brutalität 
seine wirtschaftlichen Eroberungen mit dem Schwerte besser 
vorbereitet und später rücksichtslos verteidigt, als das eng- 
lische. Ist es nicht geradezu das Merkmal britischer Staats- 
kunst, aus politischer Kraft wirtschaftliche Erwerbungen zu 
ziehen und jede wirtschaftliche Stärkung sofort wieder in 
politische Macht umzugießen? Dabei welch ein Irrtum, zu 
meinen, daß England etwa persönlich zu feige wäre, für 
seine Wirtschaftspolitik auch das eigene Blut einzusetzen! 
Daß das englische Volk kein „Volksheer" besaß, bewies hier 
in keiner Weise das Gegenteil; denn nicht auf die jeweilige 
militärische Form der Wehrmacht kommt es hierbei an, als 
vielmehr auf den Willen und die Entschlossenheit, die vor- 
handene einzusetzen. England besaß immer die Rüstung, die 
es eben nötig hatte. Es kämpfte immer mit den Waffen, die 
der Erfolg verlangte. Es schlug sich mit Söldnern, solange 
Söldner genügten; es griff aber auch tief hinein in das wert- 
volle Blut der ganzen Nation, wenn nur mehr ein solches 
Opfer den Sieg bringen konnte; immer aber blieb die Ent- 
schlossenheit zum Kampf und die Zähigkeit wie rücksichts- 
lose Führung desselben die gleiche. 

In Deutschland aber züchtete man allmählich über den 
Weg der Schule, Presse und Witzblätter von dem Wesen 
des Engländers und noch mehr fast seines Reiches eine 



Die Engländer in deutscher Karikatur 159 

Vorstellung, die zu einer der bösesten Selbsttäuschungen 
führen mußte; denn von diesem Unsinn ward langsam alles 
angesteckt, und die Folge dessen war eine Unterschätzung, die 
sich dann auch auf das bitterste rächte. Die Tiefe dieser Fäl- 
schung war so groß, daß man überzeugt war, im Engländer 
den ebenso gerissenen wie aber persönlich ganz unglaublich 
feigen Geschäftsmann vor sich zu haben. Daß man ein 
Weltreich von der Größe des englischen nicht gut nur zu- 
sammenschleichen und -schwindeln konnte, leuchtete unseren 
erhabenen Lehrern professoraler Wissenschaft leider nicht 
ein. Die wenigen Warner wurden überhört oder tot- 
geschwiegen. Ich erinnere mich noch genau, wie erstaunt 
bei meinen Kameraden die Gesichter waren, als wir nun 
in Flandern den Tommies persönlich gegenübertraten. 
Schon nach den ersten Schlachttagen dämmerte da wohl 
im Gehirn eines jeden die Überzeugung auf, daß diese 
Schottländer nicht gerade denen entsprachen, die man uns 
in Witzblättern und Depeschenberichten vorzumalen für 
richtig gefunden hatte. 

Ich habe damals meine ersten Betrachtungen über die 
Zweckmäßigkeit der Form der Propaganda angestellt. 

Diese Fälschung aber hatte für die Verbreiter freilich 
etwas Gutes: man vermochte an diesem, wenn auch un- 
richtigen Beispiel ja die Richtigkeit der wirtschaftlichen Er- 
oberung der Welt zu demonstrieren. Was dem Engländer 
gelang, mußte auch uns gelingen, wobei dann als ein ganz 
besonderes Plus unsere doch bedeutend größere Redlichkeit, 
das Fehlen jener spezifisch englischen „Perfidie", angesehen 
wurde. Hoffte man doch, dadurch die Zuneigung vor allem 
der kleineren Nationen sowie das Vertrauen der großen 
nur um so leichter zu gewinnen. 

Daß unsere Redlichkeit den anderen ein innerer Greuel 
war, leuchtete uns dabei schon deshalb nicht ein, weil wir die- 
ses alles ganz ernsthaft selber glaubten, während die andere 
Welt ein solches Gebaren als Ausdruck einer ganz geriebenen 
Verlogenheit ansah, bis erst, wohl zum größten Erstaunen, 
die Revolution einen tieferen Einblick in die unbegrenzte 
Dummheit unserer „aufrichtigen" Gesinnung vermittelte. 



160 Innere Schwäche des Dreibundes 

Allein aus dem Unsinn dieser „wirtschaftsfriedlichen 
Eroberung" der Welt heraus war auch sofort der Unsinn des 
Dreibundes klar und verständlich. Mit welchem Staate 
konnte man sich denn da überhaupt sonst verbünden? Mit 
Österreich zusammen vermochte man allerdings nicht auf 
kriegerische Eroberung, selbst nur in Europa, auszugehen. 
Gerade darin aber bestand ja vom ersten Tage an die innere 
Schwäche des Bundes. Ein Bismarck konnte sich diesen 
Notbehelf erlauben, allein dann noch lange nicht jeder stüm- 
perhafte Nachfolger, am wenigsten jedoch zu einer Zeit, da 
wesentliche Voraussetzungen auch zu dem Bismarckschen 
Bündnis längst nicht mehr vorhanden waren; denn Bis- 
marck glaube noch in Österreich einen deutschen Staat vor 
sich zu haben. Mit der allmählichen Einführung des allge- 
meinen Wahlrechtes aber war dieses Land zu einem parla- 
mentarisch regierten, undeutschen Wirrwarr herabgesunken. 

Nun war das Bündnis mit Österreich auch rassepolitisch 
einfach verderblich. Man duldete das Werden einer neuen 
slawischen Großmacht an der Grenze des Reiches, die sich 
früher oder später ganz anders gegen Deutschland ein- 
stellen mußte als z.B. Rußland. Dabei mußte das Bünd- 
nis selber von Jahr zu Jahr innerlich hohler und schwächer 
werden, in demselben Verhältnis, in dem die einzigen 
Träger dieses Gedankens in der Monarchie an Einfluß 
verloren und aus den maßgebendsten Stellen verdrängt 
wurden. 

Schon um die Jahrhundertwende war das Bündnis mit 
Österreich in genau das gleiche Stadium eingetreten wie 
der Bund Österreichs mit Italien. 

Auch hier gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man 
war im Bunde mit der Habsburgermonarchie, oder man 
mußte gegen die Verdrängung des Deutschtums Einspruch 
erheben. Wenn man aber mit so etwas erst einmal beginnt, 
pflegt das Ende meistens der offene Kampf zu sein. 

Der Wert des Dreibundes war auch schon psychologisch 
ein bescheidener, da die Festigkeit eines Bundes in eben 
dem Maße abnimmt, je mehr er sich auf die Erhaltung 
eines bestehenden Zustandes an sich beschränkt. Ein Bund 



Ludendorffs Denkschrift 1912 161 

wird aber umgekehrt um so stärker sein, je mehr die einzel- 
nen Kontrahenten zu hoffen vermögen, durch ihn bestimmte, 
greifbare, expansive Ziele erreichen zu können. Auch hier 
wie überall liegt die Stärke nicht in der Abwehr, sondern 
im Angriff. 

Dies wurde auch von verschiedenen Seiten schon damals 
erkannt, leider nur nicht von den sogenannten „Berufe- 
nen". Besonders der damalige Oberst Ludendorff, Offizier 
im Großen Generalstab, wies in einer Denkschrift des 
Jahres 1912 auf diese Schwächen hin. Natürlich wurde der 
Sache von Seiten der „Staatsmänner" keinerlei Wert und 
Bedeutung zuerkannt; wie denn überhaupt klare Vernunft 
anscheinend nur für gewöhnliche Sterbliche zweckmäßig in 
Erscheinung zu treten hat, grundsätzlich aber ausscheiden 
darf, soweit es sich um „Diplomaten" handelt. 

Es war für Deutschland nur ein Glück, daß der Krieg im 
Jahre 1914 auf dem Umwege über Österreich ausbrach, die 
Habsburger also mitmachen mußten; wäre es nämlich um- 
gekehrt gekommen, so wäre Deutschland allein gewesen. 
Niemals hätte der Habsburgerstaat sich an einem Kampfe 
zu beteiligen vermocht oder auch selbst beteiligen wollen, 
der durch Deutschland entstanden wäre. Was man später 
an Italien so verurteilte, wäre dann schon früher bei Öster- 
reich eingetreten: man würde „neutral" geblieben sein, 
um so wenigstens den Staat vor einer Revolution gleich zu 
Beginn zu retten. Das österreichische Slawentum würde 
eher die Monarchie schon im Jahre 1914 zerschlagen haben, 
als daß es die Hilfe für Deutschland zugelassen hätte. 

Wie groß aber die Gefahren und Erschwerungen, die der 
Bund mit der Donaumonarchie mit sich brachte, waren, ver- 
mochten damals nur sehr wenige zu begreifen. 

Erstens besaß Österreich zu viel Feinde, die den morschen 
Staat zu beerben gedachten, als daß nicht im Laufe der 
Zeit ein gewisser Haß gegen Deutschland entstehen mußte, 
in dem man nun einmal die Ursache der Verhinderung des 
allseits erhofften und ersehnten Zerfalles der Monarchie 
erblickte. Man kam zur Überzeugung, daß Wien zum 



162 Österreich als verlockendes Erbe 

Schlüsse eben nur auf dem Umweg über Berlin zu er- 
reichen sei. 

Damit aber verlor zweitens Deutschland die besten und 
aussichtsreichsten Bundesmöglichkeiten. Ja, an ihre Stelle 
trat immer größere Spannung mit Rußland und selbst 
Italien. Dabei war in Rom die allgemeine Stimmung 
ebensosehr deutschfreundlich, wie sie österreichfeindlich im 
Herzen auch des letzten Italieners schlummerte, öfters so- 
gar hellauf brannte. 

Weil man sich nun einmal auf Handels- und Industrie- 
politik geworfen hatte, war zu einem Kampfe gegen Ruß- 
land ebenfalls nicht der leiseste Anstoß mehr vorhanden. 
Nur die Feinde beider Nationen konnten daran noch ein 
lebendiges Interesse besitzen. Tatsächlich waren es auch in 
erster Linie Juden und Marxisten, die hier mit allen Mitteln 
zum Kriege zwischen den zwei Staaten schürten und hetzten. 

Endlich aber mußte drittens dieser Bund für Deutschland 
eine ganz unendliche Gefahr deshalb in sich bergen, weil es 
nun einer dem Bismarckschen Reiche tatsächlich feindlich 
gegenüberstehenden Großmacht jederzeit mit Leichtigkeit ge- 
lingen konnte, eine ganze Reiche von Staaten gegen Deutsch- 
land mobil zu machen, indem man ja für jeden auf Kosten 
des österreichischen Verbündeten Bereicherungen in Aus- 
sicht zu stellen in der Lage war. 

Gegen die Donaumonarchie war der gesamte Osten Euro- 
pas in Aufruhr zu bringen, insbesondere aber Rußland 
und Italien. Niemals würde die sich seit König Eduards 
einleitendem Wirken bildende Weltkoalition zustande ge- 
kommen sein, wenn eben nicht Österreich als der Verbün- 
dete Deutschlands ein zu verlockendes Erbe dargestellt hätte. 
Nur so ward es möglich, Staaten mit sonst heterogenen 
Wünschen und Zielen in eine einzige Angriffsfront zu 
bringen. Jeder konnte hoffen, bei einem allgemeinen Vor- 
gehen gegen Deutschland auch seinerseits eine Bereicherung 
auf Kosten Österreichs zu erhalten. Daß nun diesem Un- 
glücksbunde auch noch die Türkei als stiller Teilhaber an- 
zugehören schien, verstärkte diese Gefahr auf das außer- 
ordentlichste. 



Österreich als verlockendes Erbe 163 

Die internationale jüdische Weltfinanz brauchte aber 
diese Lockmittel, um den langersehnten Plan einer Vernich- 
tung des in die allgemeine überstaatliche Finanz- und Wirt- 
schaftskontrolle noch nicht sich fügenden Deutschlands durch- 
führen zu können. Nur damit konnte man eine Koalition 
zusammenschmieden, stark und mutig gemacht durch die 
reine Zahl der nun marschierenden Millionenheere, bereit, 
dem gehörnten Siegfried endlich auf den Leib zu rücken. 

Das Bündnis mit der Habsburgermonarchie, das mich 
schon in Österreich immer mit Mißmut erfüllt hatte, be- 
gann nun zur Ursache langer innerer Prüfungen zu wer- 
den, die mich in der Folgezeit nur noch mehr in der schon 
vorgefaßten Meinung bestärkten. 

Ich machte schon damals in den kleinen Kreisen, in denen 
ich überhaupt verkehrte, kein Hehl aus meiner Überzeugung, 
daß dieser unselige Vertrag mit einem zum Untergange be- 
stimmten Staat auch zu einem katastrophalen Zusammen- 
bruch Deutschlands führen werde, wenn man sich nicht noch 
zur rechten Zeit loszulösen verstünde. Ich habe in dieser 
meiner felsenfesten Überzeugung auch keinen Augenblick 
geschwankt, als endlich der Sturm des Weltkrieges jede ver- 
nünftige Überlegung ausgeschaltet zu haben schien und der 
Taumel der Begeisterung die Stellen mitergriffen hatte, für 
die es nur kälteste Wirklichkeitsbetrachtung geben durfte. 
Auch während ich selbst an der Front stand, vertrat ich, wo 
immer über diese Probleme gesprochen wurde, meine Mei- 
nung, daß der Bund je schneller desto besser für die deutsche 
Nation abgebrochen werden müßte, und daß die Preis- 
gabe der habsburgischen Monarchie überhaupt kein Opfer 
wäre, wenn Deutschland dadurch eine Beschränkung seiner 
Gegner erreichen könnte; denn nicht für die Erhaltung 
einer verluderten Dynastie hatten sich die Millionen den 
Stahlhelm aufgebunden, sondern vielmehr für die Rettung 
der deutschen Nation. 

Einige Male vor dem Kriege schien es, als ob wenigstens 
in einem Lager ein leiser Zweifel an der Richtigkeit der 
eingeschlagenen Bündnispolitik auftauchen wollte. Deutsch- 
konservative Kreise begannen von Zeit zu Zeit vor zu großer 



164 Staat und Wirtschaft 

Vertrauensseligkeit zu warnen, allein es war dies, wie eben 
alles Vernünftige, in den Wind geschlagen worden. Man 
war überzeugt, auf dem rechten Weg zu einer „Eroberung" 
der Welt zu sein, deren Erfolg ungeheuer, deren Opfer 
gleich Null sein würden. 

Den bekannten „Unberufenen" aber blieb wieder einmal 
nichts anderes übrig, als schweigend zuzusehen, warum und 
wie die „Berufenen" geradewegs in das Verderben mar- 
schierten, das liebe Volk wie der Rattenfänger von Hameln 
hinter sich herziehend. 

Die tiefere Ursache für die Möglichkeit, den Unsinn einer 
„wirtschaftlichen Eroberung" als praktischen politischen 
Weg, die Erhaltung des „Weltfriedens" aber als politi- 
sches Ziel einem ganzen Volke hinzustellen, ja begreiflich 
zu machen, lag in der allgemeinen Erkrankung unseres ge- 
samten politischen Denkens überhaupt. 

Mit dem Siegeszuge der deutschen Technik und Indu- 
strie, den aufstrebenden Erfolgen des deutschen Handels 
verlor sich immer mehr die Erkenntnis, daß dies alles 
doch nur unter der Voraussetzung eines starken Staates 
möglich sei. Im Gegenteil, man ging schon in vielen Krei- 
sen so weit, die Überzeugung zu vertreten, daß der Staat 
selber nur diesen Erscheinungen sein Dasein verdanke, daß 
er selber in erster Linie eine wirtschaftliche Institution dar- 
stelle, nach wirtschaftlichen Belangen zu regieren sei und 
demgemäß auch in seinem Bestände von der Wirtschaft ab- 
hänge, welcher Zustand dann als der weitaus gesündeste 
wie natürlichste angesehen und gepriesen wurde. 

Der Staat hat aber mit einer bestimmten Wirtschafts- 
auffassung oder Wirtschaftsentwicklung gar nichts zu tun. 

Er ist nicht eine Zusammenfassung wirtschaftlicher Kon- 
trahenten in einem bestimmt umgrenzten Lebensraum zur 
Erfüllung wirtschaftlicher Aufgaben, sondern die Organisa- 
tion einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleicher Lebe- 
wesen zur besseren Ermöglichung der Forterhaltung ihrer 
Art sowie der Erreichung des dieser von der Vorsehung 



Staat und Wirtschaft 165 

vorgezeichneten Zieles ihres Daseins. Dies und nichts an- 
deres ist der Zweck und Sinn eines Staates. Die Wirtschaft 
ist dabei nur eines der vielen Hilfsmittel, die zur Erreichung 
dieses Zieles eben erforderlich sind. Sie ist aber niemals 
Ursache oder Zweck eines Staates, sofern eben dieser nicht 
von vornherein auf falscher, weil unnatürlicher Grundlage 
beruht. Nur so ist es erklärlich, daß der Staat als solcher 
nicht einmal eine territoriale Begrenzung als Voraussetzung 
zu haben braucht. Es wird dies nur bei den Völkern von- 
nöten sein, die aus sich selbst heraus die Ernährung der 
Artgenossen sicherstellen wollen, also durch eigene Arbeit 
den Kampf mit dem Dasein auszufechten bereit sind. Völ- 
ker, die sich als Drohnen in die übrige Menschheit einzu- 
schleichen vermögen, um diese unter allerlei Vorwänden 
für sich schaffen zu lassen, können selbst ohne jeden eige- 
nen, bestimmt begrenzten Lebensraum Staaten bilden. Dies 
trifft in erster Linie zu bei dem Volke, unter dessen Para- 
sitentum besonders heute die ganze ehrliche Menschheit zu 
leiden hat: dem Judentum. 

Der jüdische Staat war nie in sich räumlich begrenzt, 
sondern universell unbegrenzt auf den Raum, aber be- 
schränkt auf die Zusammenfassung einer Rasse. Daher bil- 
dete dieses Volk auch immer einen Staat innerhalb der 
Staaten. Es gehört zu den genialsten Tricks, die jemals 
erfunden worden sind, diesen Staat als „Religion" segeln 
zu lassen und ihn dadurch der Toleranz zu versichern, die 
der Arier dem religiösen Bekenntnis immer zuzubilligen 
bereit ist. Denn tatsächlich ist die mosaische Religion nichts 
anderes als eine Lehre der Erhaltung der jüdischen Rasse. 
Sie umfaßt daher auch nahezu alle soziologischen, politi- 
schen sowie wirtschaftlichen Wissensgebiete, die hierfür 
überhaupt nur in Frage zu kommen vermögen. 

Der Trieb der Arterhaltung ist die erste Ursache zur Bil- 
dung menschlicher Gemeinschaften. Damit aber ist der Staat 
ein völkischer Organismus und nicht eine wirtschaftliche 
Organisation. Ein Unterschied, der ebenso groß ist, als er 
besonders den heutigen sogenannten „Staatsmännern" aller- 
dings unverständlich bleibt. Daher glauben dann diese auch, 



166 Staat und Wirtschaft 

den Staat durch Wirtschaft aufbauen zu können, während 
er in Wahrheit ewig nur das Ergebnis der Betätigung 
jener Eigenschaften ist, die in der Linie des Erhaltungs- 
willens der Art und Rasse liegen. Diese sind aber immer 
heldische Tugenden und niemals krämerischer Egoismus, da 
ja die Erhaltung des Daseins einer Art die Bereitwillig- 
keit zur Aufopferung des einzelnen voraussetzt. Darin liegt 
ja eben der Sinn des Dichterwortes „Und setzet ihr nicht 
das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein", 
daß die Hingabe des persönlichen Daseins notwendig ist, um 
die Erhaltung der Art zu sichern. Somit aber ist die wesent- 
lichste Voraussetzung zur Bildung und Erhaltung eines 
Staates das Vorhandensein eines bestimmten Zusammen- 
gehörigkeitsgefühls auf Grund gleichen Wesens und gleicher 
Art sowie die Bereitwilligkeit, dafür sich mit allen Mitteln 
einzusetzen. Dies wird bei Völkern auf eigenem Boden zur 
Bildung heldischer Tugenden, bei Schmarotzern zu verloge- 
ner Heuchelei und heimtückischer Grausamkeit führen, wenn 
nicht diese Eigenschaften schon als Voraussetzung ihres der 
Form nach so verschiedenen staatlichen Daseins nachweis- 
bar vorhanden sein müssen. Immer aber wird schon die 
Bildung eines Staates nur durch den Einsatz dieser Eigen- 
schaften mindestens ursprünglich erfolgen, wobei dann im 
Ringen um die Selbsterhaltung diejenigen Völker unter- 
liegen werden, das heißt der Unterjochung und damit dem 
früheren oder späteren Aussterben anheimfallen, die im 
gegenseitigen Kampf das wenigste an heldischen Tugenden 
ihr eigen nennen oder der verlogenen List des feindlichen 
Schmarotzers nicht gewachsen sind. Aber auch in diesem 
Falle ist dies fast immer nicht so sehr einem Mangel an 
Klugheit als vielmehr einem Mangel an Entschlossenheit 
und Mut zuzuschreiben, der sich nur unter dem Mantel 
humaner Gesinnung zu verbergen trachtet. 

Wie wenig aber die staatsbildenden und staatserhalten- 
den Eigenschaften mit Wirtschaft im Zusammenhang stehen, 
zeigt am klarsten die Tatsache, daß die innere Stärke eines 
Staates nur in den allerseltensten Fällen mit der sogenann- 
ten wirtschaftlichen Blüte zusammenfällt, wohl aber diese 



168 Staat und Wirtschaft 

in unendlich vielen Beispielen den bereits nahenden Ver- 
fall des Staates anzuzeigen scheint. Würde nun aber die 
Bildung menschlicher Gemeinwesen in erster Linie wirt- 
schaftlichen Kräften oder auch Antrieben zuzuschreiben 
sein, dann müßte die höchste wirtschaftliche Entfaltung 
auch zugleich die gewaltigste Stärke des Staates bedeuten 
und nicht umgekehrt. 

Der Glaube an die staatsbildende und staatserhaltende 
Kraft der Wirtschaft mutet besonders unverständlich an, 
wenn er in einem Lande Geltung hat, das in allem und 
jedem das geschichtliche Gegenteil klar und eindringlich 
aufzeigt. Gerade Preußen erweist in wundervoller 
Schärfe, daß nicht materielle Eigenschaften, sondern ideelle 
Tugenden allein zur Bildung eines Staates befähigen. Erst 
unter ihrem Schutze vermag dann auch die Wirtschaft 
emporzublühen, so lange, bis mit dem Zusammenbruche 
der reinen staatsbildenden Fähigkeiten auch die Wirtschaft 
wieder zusammenbricht; ein Vorgang, den wir gerade jetzt 
in so entsetzlich trauriger Weise beobachten können. Immer 
vermögen die materiellen Interessen der Menschen so lange 
am besten zu gedeihen, als sie im Schatten heldischer 
Tugenden bleiben; sowie sie aber in den ersten Kreis des 
Daseins zu treten versuchen, zerstören sie sich die Voraus- 
setzung zum eigenen Bestand. 

Stets, wenn in Deutschland ein Aufschwung macht- 
politischer Art stattfand, begann sich auch die Wirtschaft 
zu heben; immer aber, wenn die Wirtschaft zum einzigen 
Inhalt des Lebens unseres Volkes wurde und darunter die 
ideellen Tugenden erstickte, brach der Staat wieder zu- 
sammen und riß in einiger Zeit die Wirtschaft mit sich. 

Wenn man sich jedoch die Frage vorlegt, was nun die 
staatsbildenden oder auch nur staatserhaltenden Kräfte in 
Wirklichkeit sind, so kann man sie unter einer einzigen 
Bezeichnung zusammenfassen: Aufopferungsfähigkeit und 
Aufopferungswille des einzelnen für die Gesamtheit. Daß 
diese Tugenden mit Wirtschaft auch nicht das geringste zu 
tun haben, geht aus der einfachen Erkenntnis hervor, daß 
der Mensch sich ja nie für diese aufopfert, das heißt: man 



168 Staat und Wirtschaft 

stirbt nicht für Geschäfte, sondern nur für Ideale. Nichts 
bewies die psychologische Überlegenheit des Engländers in 
der Erkenntnis der Volksseele besser als die Motivierung, 
die er seinem Kampfe zu geben verstand. Während wir für 
Brot fochten, stritt England für die „Freiheit", und nicht 
einmal für die eigene, nein, für die der kleinen Nationen. 
Man lachte bei uns über diese Frechheit oder ärgerte sich 
darüber und bewies damit, wie gedankenlos dumm die so- 
genannte Staatskunst Deutschlands schon vor dem Kriege 
geworden war. Keine blasse Ahnung war mehr vorhanden 
über das Wesen der Kraft, die Männer aus freiem Willen 
und Entschluß in den Tod zu führen vermag. 

Solange das deutsche Volk im Jahre 1914 noch für Ideale 
zu fechten glaube, hielt es stand; sowie man es nur mehr um 
das tägliche Brot kämpfen ließ, gab es das Spiel lieber auf. 

Unsere geistvollen „Staatsmänner" aber staunten über 
diesen Wechsel der Gesinnung. Es wurde ihnen niemals 
klar, daß ein Mensch von dem Augenblick an, in dem er 
für ein wirtschaftliches Interesse ficht, den Tod möglichst 
meidet, da ja dieser ihn um den Genuß des Lohnes seines 
Kampfes für immer bringen würde. Die Sorge um die 
Rettung des eigenen Kindes läßt die schwächlichste Mutter 
zur Heldin werden, und nur der Kampf um die Erhaltung 
der Art und des sie schützenden Herdes oder auch Staates 
trieb die Männer zu allen Zeiten in die Speere der Feinde. 
Man darf folgenden Satz als ewig gültige Wahrheit auf- 
stellen: 

Noch niemals wurde ein Staat durch friedliche Wirtschaft 
gegründet, sondern immer nur durch die Instinkte der 
Erhaltung der Art, mögen diese nun auf dem Gebiete 
heldischer Tugend oder listiger Verschlagenheit liegen; das 
eine ergibt dann eben arische Arbeits- und Kulturstaaten, 
das andere jüdische Schmarotzerkolonien. Sowie jedoch erst 
bei einem Volke oder in einem Staate die Wirtschaft als 
solche diese Triebe zu überwuchern beginnt, wird sie selber 
zur lockenden Ursache der Unterjochung und Unterdrückung. 

Der Glaube der Vorkriegszeit, durch Handels- und Kolo- 
nialpolitik auf friedlichem Wege die Welt dem deutschen 



Verfallsmomente 169 



Volke erschließen oder gar erobern zu können, war ein 
klassisches Zeichen für den Verlust der wirklichen staats- 
bildenden und staatserhaltenden Tugenden und aller dar- 
aus folgenden Einsicht, Willenskraft und Tatentschlossen- 
heit; die naturgesetzliche Quittung hierfür aber war der 
Weltkrieg mit seinen Folgen. 

Für den nicht tiefer Forschenden konnte allerdings diese 
Einstellung der deutschen Nation - denn sie war wirklich 
so gut als allgemein - nur ein unlösbares Rätsel darstel- 
len: war doch gerade Deutschland ein ganz wundervolles 
Beispiel eines aus rein machtpolitischen Grundlagen her- 
vorgegangenen Reiches. Preußen, des Reiches Keimzelle, 
entstand durch strahlendes Heldentum und nicht durch 
Finanzoperationen oder Handelsgeschäfte, und das Reich 
selber war wieder nur der herrlichste Lohn machtpolitischer 
Führung und soldatischen Todesmutes. Wie konnte gerade 
das deutsche Volk zu einer solchen Erkrankung seines poli- 
tischen Instinkts kommen? Denn hier handelte es sich nicht 
um eine einzelne Erscheinung, sondern um Verfalls- 
momente, die in wahrhaft erschreckender Unzahl bald wie 
Irrlichter aufflackerten und dem Volkskörper auf und ab 
strichen oder als giftige Geschwüre bald da, bald dort die 
Nation anfraßen. Es schien, als ob ein immerwährender 
Giftstrom bis in die äußersten Blutgefäße dieses einstigen 
Heldenleibes von einer geheimnisvollen Macht getrieben 
würde, um nun zu immer größeren Lähmungen der gesun- 
den Vernunft, des einfachen Selbsterhaltungstriebes zu 
führen. 

Indem ich alle dies Fragen, bedingt durch meine Stel- 
lungnahme zur deutschen Bündnispolitik und Wirtschafts- 
politik des Reiches, in den Jahren 1912 bis 1914 zahllose 
Male an mir vorüberziehen ließ, blieb als des Rätsels 
Lösung immer mehr jene Macht übrig, die ich schon vordem 
in Wien, von ganz anderen Gesichtspunkten bestimmt, ken- 
nengelernt hatte: die marxistische Lehre und Weltanschau- 
ung sowie ihre organisatorische Auswirkung. 

Zum zweiten Male in meinem Leben bohrte ich mich in 
diese Lehre der Zerstörung hinein - und diesmal freilich 



170 Deutschlands Verhalten zum Marxismus 

nicht mehr geleitet durch die Eindrücke und Wirkungen 
meiner tagtäglichen Umgebung, sondern hingewiesen durch 
die Beobachtung allgemeiner Vorgänge des politischen 
Lebens. Indem ich neuerdings mich in die theoretische Lite- 
ratur dieser neuen Welt vertiefte und mir deren mögliche 
Auswirkungen klarzumachen versuchte, verglich ich diese 
dann mit den tatsächlichen Erscheinungen und Ereignissen 
ihrer Wirksamkeit im politischen, kulturellen und auch 
wirtschaftlichen Leben. 

Zum ersten Male aber wendete ich nun meine Aufmerk- 
samkeit auch den Versuchen zu, dieser Weltpest Herr zu 
werden. 

Ich studierte die Bismarcksche Ausnahmegesetzgebung in 
Absicht, Kampf und Erfolg. Allmählich erhielt ich dann 
eine für meine eigene Überzeugung allerdings geradezu 
granitene Grundlage, so daß ich seit dieser Zeit eine Um- 
stellung meiner inneren Anschauung in dieser Frage nie- 
mals mehr vorzunehmen gezwungen wurde. Ebenso ward 
das Verhältnis von Marxismus und Judentum einer wei- 
teren gründlichen Prüfung unterzogen. 

Wenn mir aber früher in Wien vor allem Deutschland 
als ein unerschütterlicher Koloß erschienen war, so began- 
nen nun doch manchmal bange Bedenken bei mir einzutre- 
ten. Ich haderte im stillen und in den kleinen Kreisen mei- 
ner Bekannten mit der deutschen Außenpolitik ebenso wie 
mit der, wie mir schien, unglaublich leichtfertigen Art, in 
der man das wichtigste Problem, das es überhaupt für 
Deutschland damals gab, den Marxismus, behandelte. Ich 
konnte wirklich nicht begreifen, wie man nur so blind 
einer Gefahr entgegenzutaumeln vermochte, deren Auswir- 
kungen der eigenen Absicht des Marxismus entsprechend 
einst ungeheuerliche sein mußten. Ich habe schon damals in 
meiner Umgebung, genau so wie heute im großen, vor 
dem Beruhigungsspruch aller feigen Jämmerlinge „Uns 
kann nichts geschehen!" gewarnt. Eine ähnliche Gesinnungs- 
Pestilenz hatte schon einst ein Riesenreich zerstört. Sollte 
Deutschland allein nicht genau den gleichen Gesetzen unter- 
worfen sein wie alle anderen menschlichen Gemeinschaften? 



Deutschlands Verhalten zum Marxismus 171 

In den Jahren 1913 und 1914 habe ich denn auch zum 
ersten Male in verschiedenen Kreisen, die heute zum Teil 
treu zur nationalsozialistischen Bewegung stehen, die Über- 
zeugung ausgesprochen, daß die Frage der Zukunft der 
deutschen Nation die Frage der Vernichtung des Marxis- 
mus ist. 

In der unseligen deutschen Bündnispolitik sah ich nur 
eine der durch die Zersetzungsarbeit dieser Lehre hervor- 
gerufenen Folgeerscheinungen; denn das Fürchterliche war 
ja eben, daß dieses Gift fast unsichtbar sämtliche Grund- 
lagen einer gesunden Wirtschafts- und Staatsauffassung 
zerstörte, ohne daß die davon Ergriffenen häufig auch nur 
selber ahnten, wie sehr ihr Handeln und Wollen bereits 
der Ausfluß dieser sonst auf das schärfste abgelehnten Welt- 
anschauung war. 

Der innere Niedergang des deutschen Volkes hatte da- 
mals schon längst begonnen, ohne daß die Menschen, wie so 
oft im Leben, sich über den Vernichter ihres Daseins klar- 
geworden wären. Manchmal dokterte man wohl auch an der 
Krankheit herum, verwechselte jedoch dann die Formen der 
Erscheinung mit dem Erreger. Da man diesen nicht kannte 
oder erkennen wollte, besaß aber auch der Kampf gegen 
den Marxismus nur den Wert einer kurpfuscherischen 
Salbaderei. 



5. Kapitel 
Der Weltkrieg 

Als jungen Wildfang hatte mich in meinen ausgelassenen 
Jahren nichts so sehr betrübt, als gerade in einer Zeit 
geboren zu sein, die ersichtlich ihre Ruhmestempel nur mehr 
Krämern oder Staatsbeamten errichten würde. Die Wogen 
der geschichtlichen Ereignisse schienen sich schon so gelegt 
zu haben, daß wirklich nur dem „friedlichen Wettbewerb 
der Völker", das heißt also einer geruhsamen gegenseitigen 
Begaunerung unter Ausschaltung gewaltsamer Methoden 
der Abwehr, die Zukunft gehören zu schien. Die einzelnen 
Staaten begannen immer mehr Unternehmen zu gleichen, 
die sich gegenseitig den Boden abgraben, die Kunden und 
Aufträge wegfangen und einander auf jede Weise zu über- 
vorteilen versuchen, und dies alles unter einem ebenso 
großen wie harmlosen Geschrei in Szene setzen. Diese Ent- 
wicklung aber schien nicht nur anzuhalten, sondern sollte 
dereinst (nach allgemeiner Empfehlung) die ganze Welt 
zu einem einzigen großen Warenhaus ummodeln, in dessen 
Vorhallen dann die Büsten der geriebensten Schieber und 
harmlosesten Verwaltungsbeamten der Unsterblichkeit auf- 
gespeichert würden. Die Kaufleute könnten dann die Eng- 
länder stellen, die Verwaltungsbeamten die Deutschen, 
zu Inhabern aber müßten sich wohl die Juden aufopfern, 
da sie nach eigenem Geständnis doch nie etwas verdienen, 
sondern ewig nur „bezahlen" und außerdem die meisten 
Sprachen sprechen. 

Warum konnte man denn nicht hundert Jahre früher ge- 
boren sein? Etwa zur Zeit der Befreiungskriege, da der 
Mann wirklich, auch ohne „Geschäft", noch etwas wert 
war?! 



Die herannahende Katastrophe 173 

Ich hatte mir so über meine, wie mir vorkam, zu spät an- 
getretene irdische Wanderschaft oft ärgerliche Gedanken 
gemacht und die mir bevorstehende Zeit „der Ruhe und 
Ordnung" als eine unverdiente Niedertracht des Schicksals 
angesehen. Ich war eben schon als Junge kein „Pazifist", 
und alle erzieherischen Versuche in dieser Richtung wurden 
zu Nieten. 

Wie ein Wetterleuchten kam mir da der Burenkrieg vor. 
Ich lauerte jeden Tag auf die Zeitungen und verschlang 
Depeschen und Berichte und war schon glücklich, Zeuge 
dieses Heldenkampfes wenigstens aus der Ferne sein zu 
dürfen. 

Der Russisch-Japanische Krieg sah mich schon wesentlich 
reifer, allein auch aufmerksamer. Ich hatte dort bereits aus 
mehr nationalen Gründen Partei ergriffen und mich da- 
mals beim Austrag unserer Meinungen sofort auf Seite der 
Japaner gestellt. Ich sah in einer Niederlage der Russen 
auch eine Niederlage des österreichischen Slawentums. 

Seitdem waren viele Jahre verflossen, und was mir einst 
als Junge wie faules Siechtum erschien, empfand ich nun 
als Ruhe vor dem Sturme. Schon während meiner Wiener 
Zeit lag über dem Balkan jene fahle Schwüle, die den 
Orkan anzuzeigen pflegt, und schon zuckte manchmal auch 
ein hellerer Lichtschein auf, um jedoch rasch in das unheim- 
liche Dunkel sich wieder zuzückzuverlieren. Dann aber kam 
der Balkankrieg, und mit ihm fegte der erste Windstoß über 
das nervös gewordene Europa hinweg. Die nun kommende 
Zeit lag wie ein schwerer Alpdruck auf den Menschen, 
brütend wie fiebrige Tropenglut, so daß das Gefühl der 
herannahenden Katastrophe infolge der ewigen Sorge end- 
lich zur Sehnsucht wurde: der Himmel möge endlich dem 
Schicksal, das nicht mehr zu hemmen war, den freien Lauf 
gewähren. Da fuhr denn auch schon der erste gewaltige 
Blitzstrahl auf die Erde nieder: das Wetter brach los, und 
in den Donner des Himmels mengte sich das Dröhnen der 
Batterien des Weltkrieges. 

Als die Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs 
Franz Ferdinand in München eintraf (ich saß gerade zu 



174 Der größte Slawenfreund ermordet 

Hause und hörte nur ungenau den Hergang der Tat), faßte 
mich zunächst Sorge, die Kugeln möchten vielleicht aus 
den Pistolen deutscher Studenten stammen, die aus Em- 
pörung über die dauernde Verslawungsarbeit des Thronfol- 
gers das deutsche Volk von diesem inneren Feinde befreien 
wollten. Was die Folge davon gewesen wäre, konnte man 
sich sofort ausdenken: eine neue Welle von Verfolgungen, 
die nun vor der ganzen Welt „gerechtfertigt" und „begrün- 
det" gewesen wären. Als ich jedoch gleich darauf schon die 
Namen der vermutlichen Täter hörte und außerdem ihre 
Feststellung als Serben las, begann mich leises Grauen zu 
beschleichen über diese Rache des unerforschlichen Schicksals. 

Der größte Slawenfreund fiel unter den Kugeln slawi- 
scher Fanatiker. 

Wer in den letzten Jahren das Verhältnis Österreichs zu 
Serbien dauernd zu beobachten Gelegenheit besaß, der 
konnte wohl kaum einen Augenblick darüber im Zweifel 
sein, daß der Stein in das Rollen gekommen war, bei dem es 
ein Aufhalten nicht mehr geben konnte. 

Man tut der Wiener Regierung Unrecht, sie heute mit 
Vorwürfen zu überschütten über Form und Inhalt des von 
ihr gestellten Ultimatums. Keine andere Macht der Welt 
hätte an gleicher Stelle und in gleicher Lage anders zu 
handeln vermocht. Österreich besaß an seiner Südgrenze 
einen unerbittlichen Todfeind, der in immer kürzeren 
Perioden die Monarchie herausforderte, und der nimmer 
locker gelassen hätte, bis endlich der günstige Augenblick 
zur Zertrümmerung des Reiches doch eingetreten wäre. Man 
hatte Grund zur Befürchtung, daß dieser Fall spätestens 
mit dem Tode des alten Kaisers kommen mußte; dann aber 
war die Monarchie vielleicht überhaupt nicht mehr in der 
Lage, ernstlichen Widerstand zu leisten. Der ganze Staat 
stand in den letzten Jahren schon so sehr auf den beiden 
Augen Franz Josephs, daß der Tod dieser uralten Ver- 
körperung des Reiches in dem Gefühl der breiten Masse 
von vornherein als der Tod des Reiches selber galt. Ja, es ge- 
hörte mit zu den schlauesten Künsten besonders slawischer 
Politik, den Anschein zu erwecken, daß der österreichische 



Das österreichische Ultimatum 175 

Staat ohnehin nur mehr der ganz wundervollen, einzig- 
artigen Kunst dieses Monarchen sein Dasein verdanke; eine 
Schmeichelei, die in der Hofburg um so wohler tat, als sie 
den wirklichen Verdiensten dieses Kaisers am wenigsten 
entsprach. Den Stachel, der in dieser Lobpreisung versteckt 
lauerte, vermochte man nicht herauszufinden. Man sah 
nicht oder wollte vielleicht auch dort nicht mehr sehen, dass, 
je mehr die Monarchie nur noch auf die überragende Re- 
gierungskunst, wie man sich auszudrücken pflegte, dieses 
„weisesten Monarchen" aller Zeiten eingestellt war, um so 
katastrophaler die Lage werden mußte, wenn eines Tages 
auch hier das Schicksal an die Türe pochte, um seinen Tri- 
but zu holen. 

War das alte Österreich ohne den alten Kaiser dann 
überhaupt noch denkbar?! 

Würde sich nicht sofort die Tragödie, die einst Maria 
Theresia betroffen hatte, wiederholt haben? 

Nein, man tut den Wiener Regierungskreisen wirklich 
Unrecht, wenn ihnen der Vorwurf gemacht wird, daß sie 
nun zum Kriege trieben, der sonst vielleicht doch noch zu 
vermeiden gewesen wäre. Er war nicht mehr zu vermeiden, 
sondern konnte höchstens noch ein oder zwei Jahre hinaus- 
geschoben werden. Allein dies war ja der Fluch der deut- 
schen sowohl als auch der österreichischen Diplomatie, daß 
sie eben immer schon versucht hatte, die unausbleibliche Ab- 
rechnung hinauszuschieben, bis sie endlich gezwungen war, 
zu der unglücklichsten Stunde loszuschlagen. Man kann über- 
zeugt sein, daß ein nochmaliger Versuch, den Frieden zu 
retten, den Krieg zu noch ungünstigerer Zeit erst recht ge- 
bracht haben würde. 

Nein, wer diesen Krieg nicht wollte, mußte auch den Mut 
aufbringen, die Konsequenzen zu ziehen. Diese aber hätten 
nur in der Opferung Österreichs bestehen können. Der Krieg 
wäre auch dann noch gekommen, allein wohl nicht mehr 
als Kampf aller gegen uns, dafür jedoch in der Form 
einer Zerreißung der Habsburgermonarchie. Dabei mußte 
man sich dann entschließen, mitzutun oder eben zuzusehen, 
um mit leeren Händen dem Schicksal seinen Lauf zu lassen. 



176 Das österreichische Ultimatum 

Gerade diejenigen aber, die heute über den Beginn des 
Krieges am allermeisten fluchen und am weisesten urteilen, 
waren diejenigen, die am verhängnisvollsten mithalfen, in 
ihn hineinzusteuern. 

Die Sozialdemokratie hatte seit Jahrzehnten die schurken- 
hafteste Kriegshetze gegen Rußland getrieben, das Zentrum 
aber hatte aus religiösen Gesichtspunkten den österreichi- 
schen Staat am meisten zum Angel- und Drehpunkt der deut- 
schen Politik gemacht. Nun hatte man die Folgen dieses Irr- 
sinns zu tragen. Was kam, mußte kommen und war unter 
keinen Umständen mehr zu vermeiden. Die Schuld der deut- 
schen Regierung war dabei, daß sie, um den Frieden nur ja 
zu erhalten, die günstigen Stunden des Losschiagens immer 
versäumte, sich in das Bündnis zur Erhaltung des Welt- 
friedens verstrickte und so endlich das Opfer einer Welt- 
koalition wurde, die eben dem Drang nach Erhaltung des 
Weltfriedens die Entschlossenheit zum Weltkrieg entgegen- 
stemmte. 

Hätte aber die Wiener Regierung damals dem Ultima- 
tum eine andere, mildere Form gegeben, so würde dies an 
der Lage gar nichts mehr geändert haben als höchstens das 
eine, daß sie selber von der Empörung des Volkes weg- 
gefegt worden wäre. Denn in den Augen der breiten Masse 
war der Ton des Ultimatums noch viel zu rücksichtsvoll und 
keineswegs etwa zu weitgehend oder gar zu brutal. Wer 
dies heute wegzuleugnen versucht, ist entweder ein vergeß- 
licher Hohlkopf oder ein ganz bewußter Lügner. 

Der Kampf des Jahres 1914 wurde den Massen, wahr- 
haftiger Gott, nicht aufgezwungen, sondern von dem ge- 
samten Volke selbst begehrt. 

Man wollte einer allgemeinen Unsicherheit endlich ein 
Ende bereiten. Nur so kann man auch verstehen, daß zu 
diesem schwersten Ringen sich über zwei Millionen deut- 
scher Männer und Knaben freiwillig zur Fahne stellten, 
bereit, sie zu schirmen mit dem letzten Tropfen Blutes. 



Der deutsche Freiheitskampf 177 

Mir selber kamen die damaligen Stunden wie eine Er- 
lösung aus den ärgerlichen Empfindungen der Jugend vor. 
Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, daß ich, über- 
wältigt von stürmischer Begeisterung, in die Knie gesunken 
war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, daß 
er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen. 

Ein Freiheitskampf war angebrochen, wie die Erde noch 
keinen gewaltigeren bisher gesehen; denn sowie das Ver- 
hängnis seinen Lauf auch nur begonnen hatte, dämmerte 
auch schon den breitesten Massen die Überzeugung auf, daß 
es sich dieses Mal nicht um Serbiens oder auch Österreichs 
Schicksal handelte, sondern um Sein oder Nichtsein der 
deutschen Nation. 

Zum letzten Male auf viele Jahre war das Volk hell- 
seherisch über seine eigene Zukunft geworden. So kam 
denn auch gleich zu Beginn des ungeheueren Ringens in den 
Rausch einer überschwenglichen Begeisterung der nötige 
ernste Unterton: denn diese Erkenntnis allein ließ die 
nationale Erhebung mehr werden als ein bloßes Stroh- 
feuer. Der Ernst aber war nur zu sehr erforderlich; machte 
man sich doch damals allgemein auch nicht die geringste 
Vorstellung von der möglichen Länge und Dauer des nun 
beginnenden Kampfes. Man träumte, den Winter wieder 
zu Hause zu sein, um dann in erneuter friedlicher Arbeit 
fortzufahren. 

Was der Mensch will, das hofft und glaubt er. Die über- 
wältigende Mehrheit der Nation war des ewigen unsicheren 
Zustandes schon längst überdrüssig; so war es auch nur zu 
verständlich, daß man an eine friedliche Beilegung des 
österreichisch-serbischen Konfliktes gar nicht mehr glaubte, 
die endgültige Auseinandersetzung aber erhoffte. Zu diesen 
Millionen gehörte auch ich. 

Kaum war die Kunde des Attentats in München be- 
kannt geworden, so zuckten mir auch sofort zwei Ge- 
danken durch den Kopf: erstens, daß der Krieg endlich 
unvermeidlich sein würde, weiter aber, daß nun der 
habsburgische Staat gezwungen sei, den Bund auch zu 
halten; denn was ich immer am meisten gefürchtet hatte, 



178 Der Sinn des Freiheitskampfes 

war die Möglichkeit, daß Deutschland selber eines Tages, 
vielleicht gerade infolge dieses Bündnisses, in einen Kon- 
flikt geraten konnte, ohne daß aber Österreich die direkte 
Veranlassung hierzu gegeben hätte, und so der öster- 
reichische Staat aus innerpolitischen Gründen nicht die 
Kraft des Entschlusses aufbringen würde, sich hinter den 
Bundesgenossen zu stellen. Die slawische Majorität des 
Reiches würde eine solche selbst gefaßte Absicht sofort zu 
sabotieren begonnen haben und hätte immer noch lieber 
den ganzen Staat in Trümmer geschlagen, als dem Bun- 
desgenossen die geforderte Hilfe gewährt. Diese Gefahr 
war nun aber beseitigt. Der alte Staat mußte fechten, man 
mochte wollen oder nicht. 

Meine eigene Stellung zum Konflikt war mir ebenfalls 
sehr einfach und klar; für mich stritt nicht Österreich für 
irgendeine serbische Genugtuung, sondern Deutschland um 
seinen Bestand, die deutsche Nation um Sein oder Nicht- 
sein, um Freiheit und Zukunft. Bismarcks Werk mußte sich 
nun schlagen; was die Väter einst mit ihrem Heldenblute 
in den Schlachten von Weißenburg bis Sedan und Paris 
erstritten hatten, mußte nun das junge Deutschland sich 
aufs neue verdienen. Wenn dieser Kampf aber siegreich 
bestanden wurde, dann war unser Volk in den Kreis der 
großen Nationen auch wieder an äußerer Macht eingetre- 
ten, dann erst wieder konnte das Deutsche Reich als ein 
mächtiger Hort des Friedens sich bewähren, ohne seinen 
Kindern das tägliche Brot um des lieben Friedens willen 
kürzen zu müssen. 

Ich hatte einst als Junge und junger Mensch so oft 
den Wunsch gehabt, doch wenigstens einmal auch durch 
Taten bezeugen zu können, daß mir die nationale Begeiste- 
rung kein leerer Wahn sei. Mir kam es oft fast als Sünde 
vor, Hurra zu schreien, ohne vielleicht auch nur das innere 
Recht hierzu zu besitzen; denn wer durfte dieses Wort ge- 
brauchen, ohne es einmal dort erprobt zu haben, wo alle 
Spielerei zu Ende ist und die unerbittliche Hand der 
Schicksalsgöttin Völker und Menschen zu wägen beginnt auf 
Wahrheit und Bestand ihrer Gesinnung? So quoll mir, 



Eintritt in ein bayerisches Regiment 179 

wie Millionen anderen, denn auch das Herz über vor 
stolzem Glück, mich nun endlich von dieser lähmenden 
Empfindung erlösen zu können. Ich hatte so oft „Deutsch- 
land über alles" gesungen und aus voller Kehle Heil geru- 
fen, daß es mir fast wie eine nachträglich gewährte Gnade 
erschien, nun im Gottesdienst des ewigen Richters als 
Zeuge antreten zu dürfen zur Bekundung der Wahrhaftig- 
keit dieser Gesinnung. Denn es stand bei mir von der ersten 
Stunde an fest, daß ich im Falle eines Krieges - der mir 
unausbleiblich schien - so oder so die Bücher sofort ver- 
lassen würde. Ebenso aber wußte ich auch, daß mein Platz 
dann dort sein mußte, wo mich die innere Stimme nun 
einmal hinwies. 

Aus politischen Gründen hatte ich Österreich in erster 
Linie verlassen; was war aber selbstverständlicher, als daß 
ich nun, da der Kampf begann, dieser Gesinnung erst recht 
Rechnung tragen mußte! Ich wollte nicht für den habsbur- 
gischen Staat fechten, war aber bereit, für mein Volk und 
das dieses verkörpernde Reich jederzeit zu sterben. 

Am 3. August reichte ich ein Immediatgesuch an Seine 
Majestät König Ludwig III. ein mit der Bitte, in ein 
bayerisches Regiment eintreten zu dürfen. Die Kabinetts- 
kanzlei hatte in diesen Tagen sicherlich nicht wenig zu tun; 
um so größer war meine Freude, als ich schon am Tage 
darauf die Erledigung meines Ansuchens erhielt. Als ich 
mit zitternden Händen das Schreiben geöffnet hatte und 
die Genehmigung meiner Bitte mit der Aufforderung las, 
mich bei einem bayerischen Regiment zu melden, kannten 
Jubel und Dankbarkeit keine Grenzen. Wenige Tage später 
trug ich dann den Rock, den ich erst nach nahezu sechs 
Jahren wieder ausziehen sollte. 

So, wie wohl für jeden Deutschen, begann nun auch für 
mich die unvergeßlichste und größte Zeit meines irdischen 
Lebens. Gegenüber den Ereignissen dieses gewaltigsten 
Ringens fiel alles Vergangene in ein schales Nichts zurück. 
Mit stolzer Wehmut denke ich gerade in diesen Tagen, da 
sich zum zehnten Male das gewaltige Geschehen jährt, 
zurück an diese Wochen des beginnenden Heldenkampfes 



180 Die Feuertaufe 



unseres Volkes, den mitzumachen mir das Schicksal gnädig 
erlaubte. 

Wie gestern erst zieht an mir Bild um Bild vorbei, sehe 
ich mich im Kreise meiner lieben Kameraden eingekleidet, 
dann zum ersten Male ausrücken, exerzieren usw., bis end- 
lich der Tag des Ausmarsches kam. 

Eine einzige Sorge quälte mich in dieser Zeit, mich wie 
so viele andere auch, ob wir nicht zu spät zur Front 
kommen würden. Dies allein ließ mich oft und oft nicht 
Ruhe finden. So blieb in jedem Siegesjubel über eine 
neue Heldentat ein leiser Tropfen Bitternis verborgen, 
schien doch mit jedem neuen Siege die Gefahr unseres 
Zuspätkommens zu steigen. 

Und so kam endlich der Tag, an dem wir München ver- 
ließen, um anzutreten zur Erfüllung unserer Pflicht. Zum 
ersten Male sah ich so den Rhein, als wir an seinen stillen 
Wellen entlang dem Westen entgegenfuhren, um ihn, den 
deutschen Strom der Ströme, zu schirmen vor der Habgier 
des alten Feindes. Als durch den zarten Schleier des Früh- 
nebels die milden Strahlen der ersten Sonne das Nieder- 
walddenkmal auf uns herabschimmern ließen, da brauste 
aus dem endlos langen Transportzuge die alte Wacht am 
Rhein in den Morgenhimmel hinaus, und mir wollte die 
Brust zu enge werden. 

Und dann kommt eine feuchte, kalte Nacht in Flandern, 
durch die wir schweigend marschieren, und als der Tag sich 
dann aus den Nebeln zu lösen beginnt, da zischt plötzlich 
ein eiserner Gruß über unsere Köpfe uns entgegen und 
schlägt in scharfem Knall die kleinen Kugeln zwischen 
unsere Reihen, den nassen Boden aufpeitschend; ehe aber 
die kleine Wolke sich noch verzogen, dröhnt aus zweihundert 
Kehlen dem ersten Boten des Todes das erste Hurra ent- 
gegen. Dann aber begann es zu knattern und zu dröhnen, 
zu singen und zu heulen, und mit fiebrigen Augen zog es 
nun jeden nach vorne, immer schneller, bis plötzlich über 
Rübenfelder und Hecken hinweg der Kampf einsetzte, der 
Kampf Mann gegen Mann. Aus der Ferne aber drangen 
die Klänge eines Liedes an unser Ohr und kamen immer 



Vom Kriegsfreiwilligen zum alten Soldaten 181 

näher und näher, sprangen über von Kompanie zu Kom- 
panie, und da, als der Tod gerade geschäftig hineingriff 
in unsere Reihen, da erreichte das Lied auch uns, und wir 
gaben es nun wieder weiter: Deutschland, Deutschland über 
alles, über alles in der Welt! 

Nach vier Tagen kehrten wir zurück. Selbst der Tritt war 
jetzt anders geworden. Siebzehnjährige Knaben sahen nun 
Männern ähnlich. 

Die Freiwilligen des Regiments List hatten vielleicht 
nicht recht kämpfen gelernt, allein zu sterben wußten sie 
wie alte Soldaten. 

Das war der Beginn. 

So ging es nun weiter Jahr für Jahr; an Stelle der 
Schlachtenromantik aber war das Grauen getreten. Die Be- 
geisterung kühlte allmählich ab, und der überschwengliche 
Jubel wurde erstickt von der Todesangst. Es kam die Zeit, 
da jeder zu ringen hatte zwischen dem Trieb der Selbst- 
erhaltung und dem Mahnen der Pflicht. Auch mir blieb 
dieser Kampf nicht erspart. Immer, wenn der Tod auf 
Jagd war, versuchte ein unbestimmtes Etwas zu revol- 
tieren, war bemüht, sich als Vernunft dem schwachen Kör- 
per vorzustellen und war aber doch nur die Feigheit, die 
unter solchen Verkleidungen den einzelnen zu umstricken 
versuchte. Ein schweres Ziehen und Warnen hub dann an, 
und nur der letzte Rest des Gewissens gab oft noch den 
Ausschlag. Je mehr sich aber diese Stimme, die zur Vor- 
sicht mahnte, mühte, je lauter und eindringlicher sie lockte, 
um so schärfer ward dann der Widerstand, bis endlich nach 
langem innerem Streite das Pflichtbewußtsein den Sieg 
davontrug. Schon im Winter 1915/16 war bei mir dieser 
Kampf entschieden. Der Wille war endlich restlos Herr ge- 
worden. Konnte ich die ersten Tage mit Jubel und Lachen 
mitstürmen, so war ich jetzt ruhig und entschlossen. Dieses 
aber war das Dauerhafte. Nun erst konnte das Schicksal 
zu den letzten Proben schreiten, ohne daß die Nerven rissen 
oder der Verstand versagte. 

Aus dem jungen Kriegsfreiwilligen war ein alter Sol- 
dat geworden. 



182 Ein Mahnmal der Unsterblichkeit 

Dieser Wandel aber hatte sich in der ganzen Armee voll- 
zogen. Sie war alt und hart aus den ewigen Kämpfen 
hervorgegangen, und was dem Sturme nicht standzuhalten 
vermochte, wurde eben von ihm gebrochen. 

Nun aber erst mußte man dieses Heer beurteilen. Nun, 
nach zwei, drei Jahren, während deren es von einer 
Schlacht heraus in die andere hineingeworfen wurde, im- 
mer fechtend gegen Übermacht an Zahl und Waffen, Hun- 
ger leidend und Entbehrungen ertragend, nun war die 
Zeit, die Güte dieses einzigen Heeres zu prüfen. 

Mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie von 
Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen 
Heeres des Weltkrieges zu gedenken. Dann wird aus dem 
Schleier der Vergangenheit heraus die eiserne Front des 
grauen Stahlhelms sichtbar werden, nicht wankend und 
nicht weichend, ein Mahnmal der Unsterblichkeit. Solange 
aber Deutsche leben, werden sie bedenken, daß dies einst 
Söhne ihres Volkes waren. 

Ich war damals Soldat und wollte nicht politisieren. Es 
war hierzu auch wirklich nicht die Zeit. Ich hege heute 
noch die Überzeugung, daß der letzte Fuhrknecht dem Vater- 
lande noch immer mehr an wertvollen Diensten geleistet 
hat als selbst der erste, sagen wir „Parlamentarier". Ich 
haßte diese Schwätzer niemals mehr als gerade in der 
Zeit, da jeder wahrhaftige Kerl, der etwas zu sagen 
hatte, dies dem Feinde in das Gesicht schrie oder sonst 
zweckmäßig sein Mundwerk zu Hause ließ und schwei- 
gend irgendwo seine Pflicht tat. Ja, ich haßte damals alle 
diese „Politiker", und wäre es auf mich angekommen, so 
würde sofort ein parlamentarisches Schipperbataillon ge- 
bildet worden sein; dann hätten sie unter sich nach Her- 
zenslust und Bedürfnis zu schwätzen vermocht, ohne die 
anständige und ehrliche Menschheit zu ärgern oder gar 
zu schädigen. 

Ich wollte also damals von Politik nichts wissen, konnte 
aber doch nicht anders, als zu gewissen Erscheinungen 
Stellung zu nehmen, die nun einmal die ganze Nation 
betrafen, besonders aber uns Soldaten angingen. 



Künstliche Dämpfung der Begeisterung 183 

Zwei Dinge waren es, die mich damals innerlich ärgerten 
und die ich für schädlich hielt. 

Schon nach den ersten Siegesnachrichten begann eine ge- 
wisse Presse langsam und vielleicht für viele zunächst un- 
erkennbar einige Wermuttropfen in die allgemeine Begei- 
sterung fallen zu lassen. Es geschah dies unter der 
Maske eines gewissen Wohlwollens und Gutmeinens, ja 
einer gewissen Besorgtheit sogar. Man hatte Bedenken 
gegen eine zu große Überschwenglichkeit im Feiern der 
Siege. Man befürchtete, daß dieses in dieser Form einer so 
großen Nation nicht würdig und damit auch nicht entspre- 
chend sei. Die Tapferkeit und der Heldenmut des deut- 
schen Soldaten wären ja etwas ganz Selbstverständliches, 
so daß man darüber sich nicht so sehr von unüberlegten 
Freudenausbrüchen hinreißen lassen dürfe, schon um des 
Auslandes willen, dem eine stille und würdige Form der 
Freude mehr zusage als ein unbändiges Jauchzen usw. End- 
lich sollten wir Deutsche doch auch jetzt nicht vergessen, daß 
der Krieg nicht unsere Absicht war, mithin wir auch uns 
nicht zu schämen hätten, offen und männlich zu gestehen, 
daß wir jederzeit zu einer Versöhnung der Menschheit 
unseren Teil beitragen würden. Deshalb aber wäre es 
nicht klug, die Reinheit der Taten des Heeres durch zu 
großes Geschrei zu verrußen, da ja die übrige Welt für ein 
solches Gehaben nur wenig Verständnis aufbringen würde. 
Nichts bewundere man mehr als die Bescheidenheit, mit der 
ein wahrer Held seine Taten schweigend und ruhig - ver- 
gesse, denn daraufkam das Ganze hinaus. 

Statt daß man nun so einen Burschen bei seinen langen 
Ohren nahm und zu einem langen Pfahl hin- und an einem 
Strick aufzog, damit dem Tintenritter die feiernde Nation 
nicht mehr sein ästhetisches Empfinden zu beleidigen ver- 
mochte, begann man tatsächlich gegen die „unpassende" Art 
des Siegesjubels mit Ermahnungen vorzugehen. 

Man hatte keine blasse Ahnung, daß die Begeisterung, 
erst einmal geknickt, nicht mehr nach Bedarf zu erwecken 
ist. Sie ist ein Rausch und ist in diesem Zustande weiter 
zu erhalten. Wie aber sollte man ohne diese Macht der Be- 



184 Das Verkennen des Marxismus 

geisterung einen Kampf bestehen, der nach menschlichem 
Ermessen die ungeheuersten Anforderungen an die seeli- 
schen Eigenschaften der Nation stellen würde? 

Ich kannte die Psyche der breiten Masse nur zu genau, 
um nicht zu wissen, daß man hier mit „ästhetischer" Ge- 
hobenheit nicht das Feuer würde schüren können, das not- 
wendig war, um dieses Eisen in Wärme zu halten. Man 
war in meinen Augen verrückt, daß man nichts tat, um 
die Siedehitze der Leidenschaft zu steigern; daß man aber 
die glücklich vorhandene auch noch beschnitt, vermochte ich 
schlechterdings nicht zu verstehen. 

Was mich dann zum zweiten ärgerte, war die Art und 
Weise, in der man nun für gut hielt, sich dem Marxismus 
gegenüberzustellen. Man bewies damit in meinen Augen 
nur, daß man von dieser Pestilenz aber auch nicht die ge- 
ringste Ahnung besaß. Man schien allen Ernstes zu glau- 
ben, durch die Versicherung, nun keine Parteien mehr zu 
kennen, den Marxismus zur Einsicht und Zurückhaltung 
gebracht zu haben. 

Daß es sich hier überhaupt um keine Partei handelt, son- 
dern um eine Lehre, die zur Zerstörung der gesamten 
Menschheit führen muß, begriff man um so weniger, als 
dies ja nicht auf den verjudeten Universitäten zu hören 
ist, sonst aber nur zu viele, besonders unserer höheren Be- 
amten aus anerzogenem blödem Dünkel es ja nicht der 
Mühe wert finden, ein Buch zur Hand zu nehmen und 
etwas zu lernen, was eben nicht zum Unterrichtsstoff ihrer 
Hochschule gehörte. Die gewaltigste Umwälzung geht an 
diesen „Köpfen" gänzlich spurlos vorüber, weshalb auch die 
staatlichen Einrichtungen zumeist den privaten nach- 
hinken. Von ihnen gilt, wahrhaftiger Gott, am allermeisten 
das Volkssprichwort: Was der Bauer nicht kennt, das 
frißt er nicht. Wenige Ausnahmen bestätigen auch hier nur 
die Regel. 

Es war ein Unsinn sondergleichen, in den Tagen des 
August 1914 den deutschen Arbeiter mit dem Marxismus 
zu identifizieren. Der deutsche Arbeiter hatte in den da- 
maligen Stunden sich ja aus der Umarmung dieser giftigen 



Was man hätte tun müssen 185 

Seuche gelöst, da er sonst eben niemals hätte zum Kampf 
überhaupt auch nur anzutreten vermocht. Man war aber 
dumm genug, zu vermeinen, daß nun vielleicht der Marxis- 
mus „national" geworden sei; ein Geistesblitz, der nur 
zeigt, daß in diesen langen Jahren es niemand von diesen 
beamteten Staatslenkern auch nur der Mühe wert gefunden 
hatte, das Wesen dieser Lehre zu studieren, da sonst denn 
doch ein solcher Irrsinn schwerlich unterlaufen sein würde. 

Der Marxismus, dessen letztes Ziel die Vernichtung aller 
nichtjüdischen Nationalstaaten ist und bleibt, mußte zu sei- 
nem Entsetzen sehen, daß in den Julitagen des Jahres 1914 
die von ihm umgarnte deutsche Arbeiterschaft erwachte und 
sich von Stunde zu Stunde schneller in den Dienst des 
Vaterlandes zu stellen begann. In wenigen Tagen war der 
ganze Dunst und Schwindel dieses infamen Volksbetruges 
zerflattert, und einsam und verlassen stand das jüdische 
Führerpack nun plötzlich da, als ob nicht eine Spur von dem 
in sechzig Jahren den Massen eingetrichterten Unsinn und 
Irrwahn mehr vorhanden gewesen wäre. Es war ein böser 
Augenblick für die Betrüger der Arbeiterschaft des deut- 
schen Volkes. Sowie aber erst die Führer die ihnen dro- 
hende Gefahr erkannten, zogen sie schleunigst die Tarn- 
kappe der Lüge über die Ohren und mimten frech die 
nationale Erhebung mit. 

Nun wäre aber der Zeitpunkt gekommen gewesen, gegen 
die ganze betrügerische Genossenschaft dieser jüdischen 
Volksvergifter vorzugehen. Jetzt mußte ihnen kurzerhand 
der Prozeß gemacht werden, ohne die geringste Rücksicht 
auf etwa einsetzendes Geschrei und Gejammer. Im August 
des Jahres 1914 war das Gemauschel der internationalen 
Solidarität mit einem Schlage aus den Köpfen der deut- 
schen Arbeiterschaft verschwunden, und statt dessen began- 
nen schon wenige Wochen später amerikanische Schrapnells 
die Segnungen der Brüderlichkeit über die Helme der 
Marschkolonnen hinabzugießen. Es wäre die Pflicht einer 
besorgten Staatsregierung gewesen, nun, da der deutsche 
Arbeiter wieder den Weg zum Volkstum gefunden hatte, 
die Verhetzer dieses Volkstums unbarmherzig auszurotten. 



186 Die Anwendung nackter Gewalt 

Wenn an der Front die Besten fielen, dann konnte man 
zu Hause wenigstens das Ungeziefer vertilgen. 

Statt dessen aber streckte Seine Majestät der Kaiser sel- 
ber den alten Verbrechern die Hand entgegen und gab den 
hinterlistigen Meuchelmördern der Nation damit Schonung 
und Möglichkeit der inneren Fassung. 

Nun konnte also die Schlange wieder weiterarbeiten, 
vorsichtiger als früher, allein nur desto gefährlicher. Wäh- 
rend die Ehrlichen vom Burgfrieden träumten, organisier- 
ten die meineidigen Verbrecher die Revolution. 

Daß man damals sich zu dieser entsetzlichen Halbheit ent- 
schloß, machte mich innerlich immer unzufriedener; daß das 
Ende dessen aber ein so entsetzliches sein würde, hätte auch 
ich damals noch nicht für möglich gehalten. 

Was aber mußte man nun tun? Die Führer der ganzen 
Bewegung sofort hinter Schloß und Riegel setzen, ihnen 
den Prozeß machen und sie der Nation vom Halse schaffen. 
Man mußte rücksichtslos die gesamten militärischen Macht- 
mittel einsetzen zur Ausrottung dieser Pestilenz. Die Par- 
teien waren aufzulösen, der Reichstag wenn nötig mit 
Bajonetten zur Vernunft zu bringen, am besten aber so- 
fort aufzuheben. So wie die Republik heute Parteien auf- 
zulösen vermag, so hätte man damals mit mehr Grund zu 
diesem Mittel greifen müssen. Stand doch Sein oder Nicht- 
sein eines ganzen Volkes auf dem Spiele! 

Freilich kam dann aber eine Frage zur Geltung: Kann 
man denn geistige Ideen überhaupt mit dem Schwerte 
ausrotten? Kann man mit der Anwendung roher Gewalt 
„Weltanschauungen" bekämpfen? 

Ich habe mir diese Frage schon zu jener Zeit öfter als 
einmal vorgelegt. 

Beim Durchdenken analoger Fälle, die sich besonders auf 
religiöser Grundlage in der Geschichte auffinden lassen, er- 
gibt sich folgende grundsätzliche Erkenntnis: 

Vorstellungen und Ideen sowie Bewegungen mit be- 
stimmter geistiger Grundlage, mag diese nun falsch sein 
oder wahr, können von einem gewissen Zeitpunkt ihres 
Werdens an mit Machtmitteln technischer Art nur mehr 



Die Anwendung nackter Gewalt 187 

dann gebrochen werden, wenn diese körperlichen Waffen 
zugleich selber Träger eines neuen zündenden Gedankens, 
einer Idee oder Weltanschauung sind. 

Die Anwendung von Gewalt allein, ohne die Triebkraft 
einer geistigen Grundvorstellung als Voraussetzung, kann 
niemals zur Vernichtung einer Idee und deren Verbrei- 
tung führen, außer in Form einer restlosen Ausrottung 
aber auch des letzten Trägers und der Zerstörung der letz- 
ten Überlieferung. Dies bedeutet jedoch zumeist das Aus- 
scheiden eines solchen Staatskörpers aus dem Kreise macht- 
politischer Bedeutung auf oft endlose Zeit, manchmal auch 
für immer; denn ein solches Blutopfer trifft ja erfahrungs- 
gemäß den besten Teil des Volkstums, da nämlich jede Ver- 
folgung, die ohne geistige Voraussetzung stattfindet, als sitt- 
lich nicht berechtigt erscheint und nun die gerade wertvolle- 
ren Bestände eines Volkes zum Protest aufpeitscht, der sich 
aber in einer Aneignung des geistigen Inhalts der ungerecht 
verfolgten Bewegung auswirkt. Dies geschieht bei vielen 
dann einfach aus dem Gefühl der Opposition gegen den Ver- 
such der Niederknüppelung einer Idee durch brutale Gewalt. 

Dadurch aber wächst die Zahl der inneren Anhänger in 
eben dem Maße, in dem die Verfolgung zunimmt. Mithin 
wird die restlose Vernichtung der neuen Lehre nur auf dem 
Wege einer so großen und sich immer steigernden Ausrot- 
tung durchzuführen sein, daß darüber endlich dem betref- 
fenden Volke oder auch Staate alles wahrhaft wertvolle 
Blut überhaupt entzogen wird. Dies aber rächt sich, indem 
nun wohl eine sogenannte „innere" Reinigung stattfinden 
kann, allein auf Kosten einer allgemeinen Ohnmacht. Im- 
mer aber wird ein solcher Vorgang von vornherein schon 
vergeblich sein, wenn die zu bekämpfende Lehre einen ge- 
wissen kleinen Kreis schon überschritten hat. 

Daher ist auch hier, wie bei allem Wachstum, die erste 
Zeit der Kindheit noch am ehesten der Möglichkeit einer 
Vernichtung ausgesetzt, während mit steigenden Jahren die 
Widerstandskraft zunimmt, um erst bei herannahender 
Altersschwäche wieder neuer Jugend zu weichen, wenn auch 
in anderer Form und aus anderen Gründen. 



188 Die Anwendung nackter Gewalt 

Tatsächlich führen aber fast sämtliche Versuche, durch 
Gewalt ohne geistige Grundlage eine Lehre und deren 
organisatorische Auswirkung auszurotten, zu Mißerfolgen, 
ja enden nicht selten gerade mit dem Gegenteil des Ge- 
wünschten aus folgendem Grunde: 

Die allererste Voraussetzung zu einer Kampfesweise mit 
den Waffen der nackten Gewalt ist und bleibt die Be- 
harrlichkeit. Das heißt, daß nur in der dauernd gleich- 
mäßigen Anwendung der Methoden zur Unterdrückung 
einer Lehre usw. die Möglichkeit des Gelingens der Ab- 
sicht liegt. Sobald hier aber auch nur schwankend Gewalt 
mit Nachsicht wechselt, wird nicht nur die zu unterdrückende 
Lehre sich immer wieder erholen, sondern sie wird sogar 
aus jeder Verfolgung neue Werte zu ziehen in der Lage 
sein, indem nach Abflauen einer solchen Welle des Druckes 
die Empörung über das erduldete Leid der alten Lehre 
neue Anhänger zuführt, die bereits vorhandenen aber mit 
größerem Trotz und tieferem Haß als vordem an ihr 
hängen werden, ja schon abgesplitterte Abtrünnige wieder 
nach Beseitigung der Gefahr zur alten Einstellung zurück- 
zukehren versuchen. In der ewig gleichmäßigen Anwen- 
dung der Gewalt allein liegt die allererste Voraussetzung 
zum Erfolge. Diese Beharrlichkeit jedoch ist immer nur 
das Ergebnis einer bestimmten geistigen Überzeugung. 
Jede Gewalt, die nicht einer festen geistigen Grundlage 
entsprießt, wird schwankend und unsicher sein. Ihr fehlt 
die Stabilität, die nur in einer fanatischen Weltanschau- 
ung zu ruhen vermag. Sie ist der Ausfluß der jeweiligen 
Energie und brutalen Entschlossenheit eines einzelnen, 
mithin aber eben dem Wechsel der Persönlichkeit und ihrer 
Wesensart und Stärke unterworfen. 

Es kommt aber hierzu noch etwas anderes: 

Jede Weltanschauung, mag sie mehr religiöser oder poli- 
tischer Art sein - manchmal ist hier die Grenze nur schwer 
festzustellen -, kämpft weniger für die negative Vernich- 
tung der gegnerischen Ideenwelt, als vielmehr für die 
positive Durchsetzung der eigenen. Damit aber ist ihr 
Kampf weniger Abwehr als Angriff. Sie ist dabei schon 



Der Angriff einer Weltanschauung 189 

in der Bestimmung des Zieles im Vorteil, da ja dieses Ziel 
den Sieg der eigenen Idee darstellt, während umgekehrt 
es nur schwer zu bestimmen ist, wann das negative Ziel 
der Vernichtung einer feindlichen Lehre als erreicht und 
gesichert angesehen werden darf. Schon deshalb wird der 
Angriff der Weltanschauung planvoller, aber auch ge- 
waltiger sein als die Abwehr einer solchen; wie denn 
überhaupt auch hier die Entscheidung dem Angriff zukommt 
und nicht der Verteidigung. Der Kampf gegen eine geistige 
Macht mit Mitteln der Gewalt ist aber solange nur Ver- 
teidigung, als das Schwert nicht selber als Träger, Ver- 
künder und Verbreiter einer neuen geistigen Lehre auftritt. 

Man kann also zusammenfassend folgendes festhalten: 

Jeder Versuch, eine Weltanschauung mit Machtmitteln 
zu bekämpfen, scheitert am Ende, solange nicht der Kampf 
die Form des Angriffes für eine neue geistige Einstellung 
erhält. Nur im Ringen zweier Weltanschauungen mitein- 
ander vermag die Waffe der brutalen Gewalt, beharrlich 
und rücksichtslos eingesetzt, die Entscheidung für die von 
ihr unterstützte Seite herbeizuführen. 

Daran aber war bislang noch immer die Bekämpfung 
des Marxismus gescheitert. 

Das war der Grund, warum auch Bismarcks Sozialisten- 
gesetzgebung endlich trotz allem versagte und versagen 
mußte. Es fehlte die Plattform einer neuen Weltanschau- 
ung, für deren Aufstieg der Kampf hätte gekämpft werden 
können. Denn daß das Gefasel von einer sogenannten 
„Staatsautorität" oder der „Ruhe und Ordnung" eine ge- 
eignete Grundlage für den geistigen Antrieb eines Kamp- 
fes auf Leben und Tod sein könnte, wird nur die sprich- 
wörtliche Weisheit höherer Ministerialbeamter zu ver- 
meinen fertigbringen. 

Weil aber eine wirklich geistige Trägerin dieses Kamp- 
fes fehlte, mußte Bismarck auch die Durchführung seiner 
Sozialistengesetzgebung dem Ermessen und Wollen der- 
jenigen Institution anheimstellen, die selber schon Aus- 
geburt marxistischer Denkart war. Indem der eiserne Kanz- 
ler das Schicksal seines Marxistenkrieges dem Wohlwollen 



190 Bürgerliche Klassenparteien 

der bürgerlichen Demokratie überantwortete, macht er 
den Bock zum Gärtner. 

Dieses alles aber war nur die zwangsläufige Folge des 
Fehlens einer grundsätzlichen, dem Marxismus entgegen- 
gesetzten neuen Weltanschauung von stürmischem Erobe- 
rungswillen. 

So war das Ergebnis des Bismarckschen Kampfes nur 
eine schwere Enttäuschung. 

Lagen aber die Verhältnisse während des Weltkrieges 
oder zu Beginn desselben etwa anders? Leider nein. 

Je mehr ich mich damals mit dem Gedanken einer not- 
wendigen Änderung der Haltung der staatlichen Regie- 
rung zur Sozialdemokratie als der augenblicklichen Ver- 
körperung des Marxismus beschäftige, um so mehr er- 
kannte ich das Fehlen eines brauchbaren Ersatzes für diese 
Lehre. Was wollte man denn den Massen geben, wenn, 
angenommen, die Sozialdemokratie gebrochen worden 
wäre? Nicht eine Bewegung war vorhanden, von der man 
hätte erwarten können, daß es ihr gelingen würde, die 
großen Scharen der nun mehr oder weniger führerlos ge- 
wordenen Arbeiter in ihren Bann zu ziehen. Es ist un- 
sinnig und mehr als dumm, zu meinen, daß der aus der 
Klassenpartei ausgeschiedene internationale Fanatiker nun 
augenblicklich in eine bürgerliche Partei, also in eine neue 
Klassenorganisation, einrücken werde. Denn so unange- 
nehm dies verschiedenen Organisationen auch sein mag, so 
kann doch nicht weggeleugnet werden, daß den bürgerlichen 
Politikern die Klassenscheidung zu einem sehr großen Teile 
so lange als ganz selbstverständlich erscheint, solange sie 
sich nicht politisch zu ihren Ungunsten auszuwirken beginnt. 

Das Ableugnen dieser Tatsache beweist nur die Frech- 
heit, aber auch die Dummheit der Lügner. 

Man soll sich überhaupt hüten, die breite Masse für 
dümmer zu halten, als sie ist. In politischen Angelegen- 
heiten entscheidet nicht selten das Gefühl richtiger als der 
Verstand. Die Meinung aber, daß für die Unrichtigkeit 
dieses Gefühls der Masse doch deren dumme internationale 
Einstellung genügend spräche, kann sofort auf das gründ- 



Kein Ersatz für die Sozialdemokratie 191 

lichste widerlegt werden durch den einfachen Hinweis, daß 
die pazifistische Demokratie nicht minder irrsinnig ist, ihre 
Träger aber fast ausschließlich dem bürgerlichen Lager ent- 
stammen. Solange noch Millionen von Bürgern jeden 
Morgen andächtig ihre jüdische Demokratenpresse anbeten, 
steht es den Herrschaften sehr schlecht an, über die Dumm- 
heit des „Genossen" zu witzeln, der zum Schluß nur den 
gleichen Mist, wenn auch eben in anderer Aufmachung, 
verschlingt. In beiden Fällen ist der Fabrikant ein und 
derselbe Jude. 

Man soll sich also sehr wohl hüten, Dinge abzustreiten, 
die nun einmal sind. Die Tatsache, daß es sich bei der 
Klassenfrage keinesfalls nur um ideelle Probleme handelt, 
wie man besonders vor Wahlen immer gerne weismachen 
möchte, kann nicht weggeleugnet werden. Der Standes- 
dünkel eines großen Teiles unseres Volkes ist, ebenso wie 
vor allem die mindere Einschätzung des Handarbeiters, eine 
Erscheinung, die nicht aus der Phantasie eines Mond- 
süchtigen stammt. 

Es zeigt aber, ganz abgesehen davon, die geringe Denk- 
fähigkeit unserer sogenannten Intelligenz an, wenn gerade 
in diesen Kreisen nicht begriffen wird, daß ein Zustand, 
der das Emporkommen einer Pest, wie sie der Marxismus 
nun einmal ist, nicht zu verhindern vermochte, jetzt aber 
erst recht nicht mehr in der Lage sein wird, das Verlorene 
wieder zurückzugewinnen. 

Die „bürgerlichen" Parteien, wie sie sich selbst bezeich- 
nen, werden niemals mehr die „proletarischen" Massen an 
ihr Lager zu fesseln vermögen, da sich hier zwei Welten 
gegenüberstehen, teils natürlich, teils künstlich getrennt, 
deren Verhaltungszustand zueinander nur der Kampf sein 
kann. Siegen aber wird hier der Jüngere - und dies wäre 
der Marxismus. 

Tatsächlich war ein Kampf gegen die Sozialdemokratie 
im Jahre 1914 wohl denkbar, allein, wie lange dieser Zu- 
stand bei dem Fehlen jedes praktischen Ersatzes aufrecht- 
zuerhalten gewesen wäre, konnte zweifelhaft sein. 

Hier war eine große Lücke vorhanden. 



192 Erste Gedanken an politische Betätigung 

Ich besaß diese Meinung schon längst vor dem Kriege 
und konnte mich deshalb auch nicht entschließen, an eine 
der bestehenden Parteien heranzutreten. Im Verlaufe der 
Ereignisse des Weltkrieges wurde ich in dieser Meinung 
noch bestärkt durch die ersichtliche Unmöglichkeit, gerade 
infolge dieses Fehlens einer Bewegung, die eben mehr 
sein mußte als „parlamentarische" Partei, den Kampf 
gegen die Sozialdemokratie rücksichtslos aufzunehmen. 

Ich habe mich gegenüber meinen engeren Kameraden 
offen darüber ausgesprochen. 

Im übrigen kamen mir nun auch die ersten Gedanken, 
mich später einmal doch noch politisch zu betätigen. 

Gerade dieses aber war der Anlaß, daß ich nun öfters 
dem kleinen Kreise meiner Freunde versicherte, nach dem 
Kriege als Redner neben meinem Berufe wirken zu wollen. 

Ich glaube, es war mir damit auch sehr ernst. 



6. Kapitel 
Kriegspropaganda 

Bei meinem aufmerksamen Verfolgen aller politischen 
Vorgänge hatte mich schon immer die Tätigkeit der 
Propaganda außerordentlich interessiert. Ich sah in ihr 
ein Instrument, das gerade die sozialistisch-marxistischen 
Organisationen mit meisterhafter Geschicklichkeit beherrsch- 
ten und zur Anwendung zu bringen verstanden. Ich lernte 
dabei schon frühzeitig verstehen, daß die richtige Verwen- 
dung der Propaganda eine wirkliche Kunst darstellt, die 
den bürgerlichen Parteien fast so gut wie unbekannt war 
und blieb. Nur die christlich-soziale Bewegung, besonders 
zu Luegers Zeit, brachte es auch auf diesem Instrument zu 
einer gewissen Virtuosität und verdankte dem auch sehr 
viele ihrer Erfolge. 

Zu welch ungeheuren Ergebnissen aber eine richtig an- 
gewendete Propaganda zu führen vermag, konnte man 
erst während des Krieges ersehen. Leider war jedoch hier 
wieder alles auf der anderen Seite zu studieren, denn die 
Tätigkeit auf unserer Seite blieb ja in dieser Beziehung 
mehr als bescheiden. Allein, gerade das so vollständige Ver- 
sagen der gesamten Aufklärung auf deutscher Seite, das 
besonders jedem Soldaten grell in die Augen springen 
mußte, wurde bei mir der Anlaß, mich nun noch viel ein- 
dringlicher mit der Propagandafrage zu beschäftigen. 

Zeit zum Denken war dabei oft mehr als genug vor- 
handen, den praktischen Unterricht aber erteilte uns der 
Feind, leider nur zu gut. 

Denn was bei uns hier versäumt ward, holte der Gegner 
mit unerhörter Geschicklichkeit und wahrhaft genialer Be- 
rechnung ein. An dieser feindlichen Kriegspropaganda habe 



8 



194 Propaganda ein Mittel 

auch ich unendlich gelernt. An den Köpfen derjenigen aller- 
dings, die am ehesten sich dies zur Lehre hätten sein lassen 
müssen, ging die Zeit spurlos vorüber; man dünkte sich 
dort zum Teil zu klug, um von den anderen Belehrungen 
entgegenzunehmen, zum anderen Teil aber fehlte der ehr- 
liche Wille hierzu. 

Gab es bei uns überhaupt eine Propaganda? 

Leider kann ich darauf nur mit Nein antworten. Alles, 
was in dieser Richtung wirklich unternommen wurde, war 
so unzulänglich und falsch von Anfang an, daß es zum 
mindesten nichts nützte, manchmal aber geradezu Schaden 
anstiftete. 

In der Form ungenügend, im Wesen psychologisch falsch: 
dies mußte das Ergebnis einer aufmerksamen Prüfung der 
deutschen Kriegspropaganda sein. 

Schon über die erste Frage scheint man sich nicht ganz 
klar geworden zu sein, nämlich: Ist die Propaganda Mittel 
oder Zweck? 

Sie ist ein Mittel und muß demgemäß beurteilt werden 
vom Gesichtspunkt des Zweckes aus. Ihre Form wird mit- 
hin eine der Unterstützung des Zieles, dem sie dient, zweck- 
mäßig angepaßte sein müssen. Es ist auch klar, daß die 
Bedeutung des Zieles eine verschiedene sein kann vom 
Standpunkte des allgemeinen Bedürfnisses aus, und daß 
damit auch die Propaganda in ihrem inneren Wert ver- 
schieden bestimmt wird. Das Ziel, für das im Verlaufe des 
Krieges aber gekämpft wurde, war das erhabenste und 
gewaltigste, das sich für Menschen denken läßt: es war die 
Freiheit und Unabhängigkeit unseres Volkes, die Sicherheit 
der Ernährung für die Zukunft und - die Ehre der Nation; 
etwas, das trotz der gegenteiligen Meinung von heute 
dennoch vorhanden ist oder besser sein sollte, da eben Völ- 
ker ohne Ehre die Freiheit und Unabhängigkeit früher oder 
später zu verlieren pflegen, was wieder nur einer höheren 
Gerechtigkeit entspricht, da ehrlose Lumpengenerationen 
keine Freiheit verdienen. Wer aber feiger Sklave sein will, 
darf und kann gar keine Ehre haben, da ja diese sonst der 
allgemeinen Mißachtung in kürzester Zeit anheimfiele. 



Der Zweck der Propaganda 195 

Im Streit für ein menschliches Dasein kämpfte das 
deutsche Volk, und diesen Streit zu unterstützen, wäre der 
Zweck der Propaganda des Krieges gewesen; ihm zum 
Siege zu verhelfen, mußte das Ziel sein. 

Wenn aber Völker um ihre Existenz auf diesem Planeten 
kämpfen, mithin die Schicksalsfrage von Sein oder Nichtsein 
an sie herantritt, fallen alle Erwägungen von Humanität 
oder Ästhetik in ein Nichts zusammen; denn alle diese Vor- 
stellungen schweben nicht im Weltäther, sondern stammen 
aus der Phantasie des Menschen und sind an ihn gebunden. 
Sein Scheiden von dieser Welt löst auch diese Begriffe 
wieder in Nichts auf, denn die Natur kennt sie nicht. Sie 
sind aber auch unter den Menschen nur wenigen Völkern 
oder besser Rassen zu eigen, und zwar in jenem Maße, in 
dem sie dem Gefühl derselben selbst entstammen. Huma- 
nität und Ästhetik würden sogar in einer menschlich be- 
wohnten Welt vergehen, sowie diese die Rassen verlöre, 
die Schöpfer und Träger dieser Begriffe sind. 

Damit haben aber alle diese Begriffe beim Kampfe 
eines Volkes um sein Dasein auf dieser Welt nur unter- 
geordnete Bedeutung, ja scheiden als bestimmend für die 
Formen des Kampfes vollständig aus, sobald durch sie die 
Selbsterhaltungskraft eines im Kampfe liegenden Volkes 
gelähmt werden könnte. Das aber ist immer das einzig 
sichtbare Ergebnis. 

Was die Frage der Humanität betrifft, so hat sich schon 
Moltke dahin geäußert, daß diese beim Kriege immer in 
der Kürze des Verfahrens liege, also daß ihr die schärfste 
Kampfesweise am meisten entspräche. 

Wenn man aber versucht, in solchen Dingen mit dem 
Gefasel von Ästhetik usw. anzurücken, dann kann es darauf 
wirklich nur eine Antwort geben: Schicksalsfragen von der 
Bedeutung des Existenzkampfes eines Volkes heben jede 
Verpflichtung zur Schönheit auf. Das Unschönste, was es 
im menschlichen Leben geben kann, ist und bleibt das Joch 
der Sklaverei. Oder empfindet diese Schwabinger Deka- 
denz etwa das heutige Los der deutschen Nation als „ästhe- 
tisch"? Mit den Juden, als den modernen Erfindern dieses 



196 Propaganda nur für die Masse 

Kulturparfüms, braucht man sich aber darüber wahrhaftig 
nicht zu unterhalten. Ihr ganzes Dasein ist der fleisch- 
gewordene Protest gegen die Ästhetik des Ebenbildes des 
Herrn. 

Wenn aber diese Gesichtspunkte von Humanität und 
Schönheit für den Kampf erst einmal ausscheiden, dann 
können sie auch nicht als Maßstab für Propaganda Ver- 
wendung finden. 

Die Propaganda war im Kriege ein Mittel zum Zweck, 
dieser aber war der Kampf um das Dasein des deutschen 
Volkes, und somit konnte die Propaganda auch nur von 
den hierfür gültigen Grundsätzen aus betrachtet werden. 
Die grausamsten Waffen waren dann human, wenn sie den 
schnelleren Sieg bedingten, und schön waren nur die Metho- 
den allein, die der Nation die Würde der Freiheit sichern 
halfen. 

Dies war die einzig mögliche Stellung in einem solchen 
Kampf auf Leben und Tod zur Frage der Kriegspropa- 
ganda. 

Wäre man sich darüber an den sogenannten maßgeben- 
den Stellen klargeworden, so hätte man niemals in jene 
Unsicherheit über die Form und Anwendung dieser Waffe 
kommen können; denn auch dies ist nur eine Waffe, wenn 
auch eine wahrhaft fürchterliche in der Hand des Kenners. 

Die zweite Frage von geradezu ausschlaggebender Be- 
deutung war folgende: An wen hat sich die Propaganda zu 
wenden? An die wissenschaftliche Intelligenz oder an die 
weniger gebildete Masse? 

Sie hat sich ewig nur an die Masse zu richten! 

Für die Intelligenz, oder was sich heute leider häufig 
so nennt, ist nicht Propaganda da, sondern wissenschaft- 
liche Belehrung. Propaganda aber ist so wenig Wissenschaft 
ihrem Inhalte nach, wie etwa ein Plakat Kunst in seiner 
Darstellung an sich. Die Kunst des Plakates liegt in der 
Fähigkeit des Entwerfers, durch Form und Farbe die 
Menge aufmerksam zu machen. Das Kunstausstellungsplakat 
hat nur auf die Kunst der Ausstellung hinzuweisen; je 
mehr ihm dies gelingt, um so größer ist dann die Kunst 



Die Aufgabe der Propaganda 197 

des Plakates selber. Das Plakat soll weiter der Masse eine 
Vorstellung von der Bedeutung der Ausstellung vermit- 
teln, keineswegs aber ein Ersatz der in dieser gebotenen 
Kunst sein. Wer sich deshalb mit der Kunst selber beschäf- 
tigen will, muß schon mehr als das Plakat studieren, ja, 
für den genügt auch keineswegs bloßes „Durchwan- 
dern" der Ausstellung. Von ihm darf erwartet werden, daß 
er in gründlichem Schauen sich in die einzelnen Werke ver- 
tiefe und sich dann langsam ein gerechtes Urteil bilde. 

Ähnlich liegen die Verhältnisse auch bei dem, was wir 
heute mit dem Wort Propaganda bezeichnen. 

Die Aufgabe der Propaganda liegt nicht in einer wissen- 
schaftlichen Ausbildung des einzelnen, sondern in einem 
Hinweisen der Masse auf bestimmte Tatsachen, Vorgänge, 
Notwendigkeiten usw., deren Bedeutung dadurch erst in 
den Gesichtskreis der Masse gerückt werden soll. 

Die Kunst liegt nun ausschließlich darin, dies in so 
vorzüglicher Weise zu tun, daß eine allgemeine Über- 
zeugung von der Wirklichkeit einer Tatsache, der Notwen- 
digkeit eines Vorganges, der Richtigkeit von etwas Not- 
wendigem usw. entsteht. Da sie aber nicht Notwendigkeit an 
sich ist und sein kann, da ihre Aufgabe ja genau wie bei 
dem Plakat im Aufmerksammachen der Menge zu bestehen 
hat und nicht in der Belehrung der wissenschaftlich ohnehin 
Erfahrenen oder nach Bildung und Einsicht Strebenden, 
so muß ihr Wirken auch immer mehr auf das Gefühl ge- 
richtet sein und nur sehr bedingt auf den sogenannten Ver- 
stand. 

Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr gei- 
stiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des 
Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten ge- 
denkt. Damit wird ihre rein geistige Höhe um so tiefer zu 
stellen sein, je größer die zu erfassende Masse der Menschen 
sein soll. Handelt es sich aber, wie bei der Propaganda für 
die Durchhaltung eines Krieges, darum, ein ganzes Volk 
in ihren Wirkungsbereich zu ziehen, so kann die Vorsicht 
bei der Vermeidung zu hoher geistiger Voraussetzungen 
gar nicht groß genug sein. 



198 Die Psychologie der Propaganda 

Je bescheidener dann ihr wissenschaftlicher Ballast ist, und 
je mehr sie ausschließlich auf das Fühlen der Masse Rück- 
sicht nimmt, um so durchschlagender der Erfolg. Dieser aber 
ist der beste Beweis für die Richtigkeit oder Unrichtigkeit 
einer Propaganda und nicht die gelungene Befriedigung 
einiger Gelehrter oder ästhetischer Jünglinge. 

Gerade darin liegt die Kunst der Propaganda, daß sie, 
die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse be- 
greifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Auf- 
merksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse fin- 
det. Daß dies von unseren Neunmalklugen nicht begriffen 
wird, beweist nur deren Denkfaulheit oder Einbildung. 

Versteht man aber die Notwendigkeit der Einstellung der 
Werbekunst der Propaganda auf die breite Masse, so ergibt 
sich weiter schon daraus folgende Lehre: 

Es ist falsch, der Propaganda die Vielseitigkeit etwa des 
wissenschaftlichen Unterrichts geben zu wollen. 

Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr 
beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Ver- 
geßlichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede 
wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte 
zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu ver- 
werten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen 
Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag. Sowie man 
diesen Grundsatz opfert und vielseitig werden will, wird 
man die Wirkung zum Zerflattern bringen, da die Menge 
den gebotenen Stoff weder zu verdauen noch zu behalten 
vermag. Damit aber wird das Ergebnis wieder abge- 
schwächt und endlich aufgehoben. 

Je größer so die Linie ihrer Darstellung zu sein hat, um 
so psychologisch richtiger muß die Feststellung ihrer Taktik 
sein. 

Es war zum Beispiel grundfalsch, den Gegner lächerlich 
zu machen, wie dies die österreichische und deutsche Witz- 
blattpropaganda vor allem besorgte. Grundfalsch deshalb, 
weil das Zusammentreffen in der Wirklichkeit dem Manne 
vom Gegner sofort eine ganz andere Überzeugung bei- 
bringen mußte, etwas, was sich dann auf das fürchterlichste 



Die Psychologie der Propaganda 199 

rächte; denn nun fühlte sich der deutsche Staat unter dem 
unmittelbaren Eindruck des Widerstandes des Gegners von 
den Machern seiner bisherigen Aufklärung getäuscht, und 
an Stelle einer Stärkung seiner Kampfeslust oder auch nur 
Festigkeit trat das Gegenteil ein. Der Mann verzagte. 

Demgegenüber war die Kriegspropaganda der Engländer 
und Amerikaner psychologisch richtig. Indem sie dem eige- 
nen Volke den Deutschen als Barbaren und Hunnen vor- 
stellte, bereitete sie den einzelnen Soldaten schon auf die 
Schrecken des Krieges vor und half so mit, ihn vor Ent- 
täuschungen zu bewahren. Die entsetzlichste Waffe, die nun 
gegen ihn zur Anwendung kam, erschien ihm nur mehr als 
die Bestätigung seiner schon gewordenen Aufklärung und 
stärkte ebenso den Glauben an die Richtigkeit der Behaup- 
tungen seiner Regierung, wie sie andererseits Wut und Haß 
gegen den verruchten Feind steigerte. Denn die grausame 
Wirkung der Waffe, die er ja nun an sich von seien des 
Gegners kennenlernte, erschien ihm allmählich als Beweis 
der ihm schon bekannten „hunnenhaften" Brutalität des 
barbarischen Feindes, ohne daß er auch nur einen Augen- 
blick so weit zum Nachdenken gebracht worden wäre, daß 
seine Waffen vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, noch ent- 
setzlicher wirken könnten. 

So konnte sich der englische Soldat vor allem nie als 
von zu Hause unwahr unterrichtet fühlen, was leider beim 
deutschen so sehr der Fall war, daß er endlich überhaupt 
alles, was von dieser Seite kam, als „Schwindel" 
und „Krampf" ablehnte. Lauter Folgen davon, daß man 
glaubte, zur Propaganda den nächstbesten Esel (oder selbst 
„sonst" gescheiten Menschen) abkommandieren zu können, 
statt zu begreifen, daß hierfür die allergenialsten Seelen- 
kenner gerade noch gut genug sind. 

So bot die deutsche Kriegspropaganda ein unübertreff- 
liches Lehr- und Unterrichtsbeispiel für eine in den Wir- 
kungen geradezu umgekehrt arbeitende „Aufklärung" in- 
folge vollkommenen Fehlens jeder psychologisch richtigen 
Überlegung. 

Am Gegner aber war unendlich viel zu lernen für den, 



200 Subjektiv - einseitig - unbedingt! 

der mit offenen Augen und unverkalktem Empfinden die 
viereinhalb Jahre lang anstürmende Flutwelle der feind- 
lichen Propaganda für sich verarbeitete. 

Am allerschlechtesten jedoch begriff man die allererste 
Voraussetzung jeder propagandistischen Tätigkeit über- 
haupt: nämlich die grundsätzlich subjektiv einseitige Stel- 
lungnahme derselben zu jeder von ihr bearbeiteten Frage. 
Auf diesem Gebiete wurde in einer Weise gesündigt, und 
zwar gleich zu Beginn des Krieges von oben herunter, daß 
man wohl das Recht erhielt, zu zweifeln, ob soviel Unsinn 
wirklich nur reiner Dummheit zugeschrieben werden konnte. 

Was würde man zum Beispiel über ein Plakat sagen, 
das eine neue Seife anpreisen soll, dabei jedoch auch andere 
Seifen als „gut" bezeichnet? 

Man würde darüber nur den Kopf schütteln. 

Genau so verhält es sich aber auch mit politischer Reklame. 

Die Aufgabe der Propaganda ist z.B. nicht ein Abwägen 
der verschiedenen Rechte, sondern das ausschließliche Be- 
tonen des einen eben durch sie zu vertretenden. Sie hat 
nicht objektiv auch die Wahrheit, soweit sie den anderen 
günstig ist, zu erforschen, um sie dann der Masse in doktri- 
närer Aufrichtigkeit vorzusetzen, sondern ununterbrochen 
der eigenen zu dienen. 

Es war grundfalsch, die Schuld am Kriege von dem 
Standpunkt aus zu erörtern, daß nicht nur Deutschland 
allein verantwortlich gemacht werden könnte für den Aus- 
bruch dieser Katastrophe, sondern es wäre richtig gewesen, 
diese Schuld restlos dem Gegner aufzubürden, selbst wenn 
dies wirklich nicht so dem wahren Hergange entsprochen 
hätte, wie es doch nun tatsächlich der Fall war. 

Was aber war die Folge dieser Halbheit? 

Die breite Masse eines Volkes besteht nicht aus Diplo- 
maten oder auch nur Staatsrechtslehrern, ja nicht einmal 
aus lauter vernünftig Urteilsfähigen, sondern aus ebenso 
schwankenden wie zu Zweifel und Unsicherheit geneigten 
Menschenkindern. Sowie durch die eigene Propaganda erst 
einmal nur der Schimmer eines Rechtes auch auf der ande- 
ren Seite zugegeben wird, ist der Grund zum Zweifel an 



Der deutsche Objektivitätsfimmel 201 

dem eigenen Rechte schon gelegt. Die Masse ist nicht in der 
Lage, nun zu unterscheiden, wo das fremde Unrecht endet 
und das eigene beginnt. Sie wird in einem solchen Falle 
unsicher und mißtrauisch, besonders dann, wenn der 
Gegner eben nicht den gleichen Unsinn macht, sondern 
seinerseits alle und jede Schuld dem Feinde aufbürdet. Was 
ist da erklärlicher, als daß endlich das eigene Volk der 
feindlichen Propaganda, die geschlossener, einheitlicher vor- 
geht, sogar mehr glaubt als der eigenen? Und noch dazu 
bei einem Volke, das ohnehin so sehr am Objektivitäts- 
fimmel leidet wie das deutsche! Denn bei ihm wird nun 
jeder sich bemühen, nur ja dem Feinde nicht Unrecht zu 
tun, selbst auf die Gefahr der schwersten Belastung, ja Ver- 
nichtung des eigenen Volkes und Staates. 

Daß an den maßgebenden Stellen dies natürlich nicht so 
gedacht ist, kommt der Masse gar nicht zum Bewußtsein. 

Das Volk ist in seiner überwiegenden Mehrheit so femi- 
nin veranlagt und eingestellt, daß weniger nüchterne Über- 
legung als vielmehr gefühlsmäßige Empfindung sein Den- 
ken und Handeln bestimmt. 

Diese Empfindung aber ist nicht kompliziert, sondern sehr 
einfach und geschlossen. Sie gibt hierbei nicht viel Differen- 
zierungen, sondern ein Positiv oder ein Negativ, Liebe oder 
Haß, Recht oder Unrecht, Wahrheit oder Lüge, niemals 
aber halb so und halb so oder teilweise usw. 

Das alles hat besonders die englische Propaganda in 
der wahrhaft genialsten Weise verstanden - und berück- 
sichtigt. Dort gab es wirklich keine Halbheiten, die etwa 
zu Zweifeln hätten anregen können. 

Das Zeichen für die glänzende Kenntnis der Primitivität 
der Empfindung der breiten Masse lag in der diesem Zu- 
stande angepaßten Greuelpropaganda, die in ebenso rück- 
sichtsloser wie genialer Art die Vorbedingungen für das 
moralische Standhalten an der Front sicherte, selbst bei 
größten tatsächlichen Niederlagen, sowie weiter in der ebenso 
schlagenden Festnagelung des deutschen Feindes als des allein 
schuldigen Teils am Ausbruch des Krieges: eine Lüge, die 
nur durch die unbedingte, freche, einseitige Sturheit, mit der 



202 Beschränkung auf Beharrlichkeit 

sie vorgetragen wurde, der gefühlsmäßigen, immer extre- 
men Einstellung des großen Volkes Rechnung trug und 
deshalb auch geglaubt wurde. 

Wie sehr diese Art von Propaganda wirksam war, zeigte 
am schlagendsten die Tatsache, daß sie nach vier Jahren nicht 
nur den Gegner noch streng an der Stange zu halten ver- 
mochte, sondern sogar unser eigenes Volk anzufressen begann. 

Daß unserer Propaganda dieser Erfolg nicht beschieden 
war, durfte einen wirklich nicht wundern. Sie trug den 
Keim der Unwirksamkeit schon in ihrer inneren Zweideutig- 
keit. Endlich war es schon infolge ihres Inhalts wenig 
wahrscheinlich, daß sie bei den Massen den notwendigen 
Eindruck erwecken würde. Zu hoffen, daß es mit diesem 
faden Pazifistenspülwasser gelingen könnte, Menschen zum 
Sterben zu berauschen, brachten nur unsere geistfreien 
„Staatsmänner" fertig. 

So war dies elende Produkt zwecklos, ja sogar schädlich. 

Aber alle Genialität der Aufmachung der Propaganda 
wird zu keinem Erfolg führen, wenn nicht ein fundamen- 
taler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt wird. Sie 
hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wieder- 
holen. Die Beharrlichkeit ist hier wie bei so vielem auf der 
Welt die erste und wichtigste Voraussetzung zum Erfolg. 

Gerade auf dem Gebiete der Propaganda darf man sich 
niemals von Ästheten oder Blasierten leiten lassen: Von den 
ersteren nicht, weil sonst der Inhalt in Form und Ausdruck 
in kurzer Zeit, statt für die Masse sich zu eignen, nur mehr 
für literarische Teegesellschaften Zugkraft entwickelt; vor 
den zweiten aber hüte man sich deshalb ängstlich, weil ihr 
Mangel an eigenem frischem Empfinden immer nach neuen 
Reizen sucht. Diesen Leuten wird in kurzer Zeit alles über- 
drüssig; sie wünschen Abwechslung und verstehen niemals, 
sich in die Bedürfnisse ihrer noch nicht so abgebrühten Mit- 
welt hineinzuversetzen oder diese gar zu begreifen. Sie sind 
immer die ersten Kritiker der Propaganda oder besser ihres 
Inhaltes, der ihnen zu althergebracht, zu abgedroschen, dann 
wieder zu überlebt usw. erscheint. Sie wollen immer Neues, 
suchen Abwechslung und werden dadurch zu wahren Tod- 



Die feindliche Kriegspropaganda 203 

feinden jeder wirksamen politischen Massengewinnung. 
Denn sowie sich die Organisation und der Inhalt einer 
Propaganda nach ihren Bedürfnissen zu richten beginnen, 
verlieren sie jede Geschlossenheit und zerflattern statt des- 
sen vollständig. 

Propaganda ist jedoch nicht dazu da, blasierten Herr- 
chen laufend interessante Abwechslung zu verschaffen, son- 
dern zu überzeugen, und zwar die Masse zu überzeugen. 
Diese aber braucht in ihrer Schwerfälligkeit immer eine be- 
stimmte Zeit, ehe sie auch nur von einer Sache Kenntnis zu 
nehmen bereit ist, und nur einer tausendfachen Wieder- 
holung einfachster Begriffe wird sie endlich ihr Gedächtnis 
schenken. 

Jede Abwechslung darf nie den Inhalt des durch die 
Propaganda zu Bringenden verändern, sondern muß stets 
zum Schlüsse das gleiche besagen. So muß das Schlagwort 
wohl von verschiedenen Seiten aus beleuchtet werden, 
allein das Ende jeder Betrachtung hat immer von neuem 
beim Schlagwort selber zu liegen. Nur so kann und wird 
die Propaganda einheitlich und geschlossen wirken. 

Diese große Linie allein, die nie verlassen werden darf, 
läßt bei immer gleichbleibender konsequenter Betonung 
den endgültigen Erfolg heranreifen. Dann aber wird man 
mit Staunen feststellen können, zu welch ungeheuren, kaum 
verständlichen Ergebnissen solch eine Beharrlichkeit führt. 

Jede Reklame, mag sie auf dem Gebiete des Geschäftes 
oder der Politik liegen, trägt den Erfolg in der Dauer und 
gleichmäßigen Einheitlichkeit ihrer Anwendung. 

Auch hier war das Beispiel der feindlichen Kriegspropa- 
ganda vorbildlich: auf wenige Gesichtspunkte beschränkt, 
ausschließlich berechnet für die Masse, mit unermüdlicher 
Beharrlichkeit betrieben. Während des ganzen Krieges 
wurden die einmal als richtig erkannten Grundgedanken 
und Ausführungsformen angewendet, ohne daß auch nur 
die geringste Änderung jemals vorgenommen worden wäre. 
Sie war im Anfang scheinbar verrückt in der Frechheit 
ihrer Behauptungen, wurde später unangenehm und ward 
endlich geglaubt. Nach viereinhalb Jahren brach in Deutsch- 



204 Die feindliche Kriegspropaganda 

land eine Revolution aus, deren Schlagworte der feind- 
lichen Kriegspropaganda entstammten. 

In England aber begriff man noch etwas: daß nämlich 
für diese geistige Waffe der mögliche Erfolg nur in der 
Masse ihrer Anwendung liegt, der Erfolg jedoch alle Kosten 
reichlich deckt. 

Die Propaganda galt dort als Waffe ersten Ranges, 
während sie bei uns das letzte Brot stellenloser Politiker 
und Druckpöstchen bescheidener Helden darstellte. 

Ihr Erfolg war denn auch, alles in allem genommen, 
gleich Null. 



7. Kapitel 
Die Revolution 

Mit dem Jahre 1915 hat die feindliche Propaganda bei 
uns eingesetzt, seit 1916 wurde sie immer intensiver, 
um endlich zu Beginn des Jahres 1918 zu einer förmlichen 
Flut anzuschwellen. Nun ließen sich auch schon auf Schritt 
und Tritt die Wirkungen dieses Seelenfanges erkennen. Die 
Armee lernte allmählich denken, wie der Feind es wollte. 

Die deutsche Gegenwirkung aber versagte vollständig. 

Die Armee besaß in ihrem damaligen geistigen und 
willensmäßigen Leiter wohl die Absicht und Entschlossen- 
heit, den Kampf auch auf diesem Felde aufzunehmen, allein 
ihr fehlte das Instrument, das hierfür nötig gewesen wäre. 
Auch psychologisch war es falsch, diese Aufklärung durch 
die Truppe selber vornehmen zu lassen. Sie mußte, wenn 
sie wirkungsvoll sein sollte, aus der Heimat kommen. Nur 
dann durfte man auf Erfolg bei Männern rechnen, die zum 
Schlüsse ja für diese Heimat unsterbliche Taten des Helden- 
mutes und der Entbehrungen seit schon bald vier Jahren 
vollbracht hatten. 

Allein, was kam aus der Heimat? 

War dieses Versagen Dummheit oder Verbrechen? 

Im Hochsommer 1918, nach dem Räumen des südlichen 
Marneufers, benahm sich vor allem die deutsche Presse 
schon so elend ungeschickt, ja verbrecherisch dumm, daß mir 
mit täglich sich mehrendem Grimme die Frage aufstieg, ob 
denn wirklich gar niemand da wäre, der dieser geistigen 
Verprassung des Heldentums der Armee ein Ende bereiten 
würde. 

Was geschah in Frankreich, als wir im Jahre 1914 in un- 
erhörtem Siegessturme in dieses Land hineinfegten? Was 
tat Italien in den Tagen des Zusammenbruches seiner 



206 Psychologischer Massenmord 

Isonzofront? Was Frankreich wieder im Frühjahr 1918, 
als der Angriff der deutschen Divisionen die Stellungen 
aus den Angeln zu heben schien, und der weitreichende 
Arm der schweren Fernkampfbatterien an Paris zu klopfen 
begann? 

Wie war dort immer den zurückhastenden Regimentern 
die Siedehitze nationaler Leidenschaft in die Gesichter ge- 
peitscht worden! Wie arbeiteten dann die Propaganda und ge- 
niale Massenbeeinflussung, um den Glauben an den end- 
gültigen Sieg erst recht in die Herzen der gebrochenen 
Fronten wieder hineinzuhämmern! 

Was geschah indessen bei uns? 

Nichts oder gar noch Schlechteres als dieses! 

Damals stiegen mir oft Zorn und Empörung auf, wenn 
ich die neuesten Zeitungen zu lesen erhielt und man diesen 
psychologischen Massenmord, der da verbrochen wurde, zu 
Gesicht bekam. 

Öfter als einmal quälte mich der Gedanke, daß, wenn 
mich die Vorsehung an die Stelle dieser unfähigen oder 
verbrecherischen Nichtskönner oder Nichtwoller unseres 
Propagandadienstes gestellt hätte, dem Schicksal der Kampf 
anders angesagt worden wäre. 

In diesen Monaten empfand ich zum ersten Male die 
ganze Tücke des Verhängnisses, das mich an der Front und 
in einer Stelle hielt, in der mich der Zufallsgriff jedes 
Negers zusammenschießen konnte, während ich dem Vater- 
lande an anderem Orte andere Dienste zu leisten vermocht 
hätte! 

Denn daß mir dieses gelungen sein würde, war ich schon 
damals vermessen genug zu glauben. 

Allein ich war ein Namenloser, einer unter acht Mil- 
lionen! 

So war es besser, den Mund zu halten und so gut als 
möglich seine Pflicht an dieser Stelle zu tun. 

Im Sommer 1915 fielen uns die ersten feindlichen Flug- 
blätter in die Hand. 



Die ersten feindlichen Flugblätter 207 

Ihr Inhalt war fast stets, wenn auch mit einigen Ab- 
wechslungen in der Form der Darstellung, derselbe, näm- 
lich: daß die Not in Deutschland immer größer werde; die 
Dauer des Krieges endlos sei, während die Aussicht, ihn zu 
gewinnen, immer mehr schwinde; das Volk in der Heimat 
sehne sich deshalb auch nach Frieden, allein der „Militaris- 
mus", sowie der „Kaiser" erlaubten dies nicht; die ganze 
Welt - der dies sehr wohl bekannt sei - führe deshalb 
auch nicht den Krieg gegen das deutsche Volk, sondern viel- 
mehr ausschließlich gegen den einzig Schuldigen, den Kaiser; 
der Kampf werde daher nicht früher ein Ende nehmen, bis 
dieser Feind der friedlichen Menschheit beseitigt sei; die 
freiheitlichen und demokratischen Nationen würden aber 
nach Beendigung des Krieges das deutsche Volk in den 
Bund des ewigen Welttfriedens aufnehmen, der von der 
Stunde der Vernichtung des „preußischen Militarismus" an 
gesichert sei. 

Zur besseren Illustration des so Vorgebrachten wurden 
dann nicht selten „Briefe aus der Heimat" abgedruckt, 
deren Inhalt diese Behauptungen zu bestätigen schien. 

Im allgemeinen lachte man damals nur über alle diese 
Versuche. Die Flugblätter wurden gelesen, dann nach rück- 
wärts geschickt zu den höheren Stäben und meist wieder 
vergessen, bis der Wind abermals eine Ladung von oben in 
die Gräben hineinbeförderte; es waren nämlich meistens 
Flugzeuge, die zum Herüberbringen der Blätter dienten. 

Eines mußte bei dieser Art von Propaganda bald auf- 
fallen, daß nämlich in jedem Frontabschnitt, in dem sich 
Bayern befanden, mit außerordentlicher Konsequenz immer 
gegen Preußen Front gemacht wurde, mit der Versicherung, 
daß nicht nur einerseits Preußen der eigentlich Schuldige 
und Verantwortliche für den ganzen Krieg sei, sondern daß 
andererseits gegen Bayern im besonderen auch nicht das 
geringste an Feindschaft vorhanden wäre; freilich könnte 
man ihm aber auch nicht helfen, solange es eben im Dienste 
des preußischen Militarismus mittue, diesem die Kastanien 
aus dem Feuer zu holen. 

Die Art der Beeinflussung begann tatsächlich schon im 



208 Die Jammerbriefe aus der Heimat 

Jahre 1915 bestimmte Wirkungen zu erzielen. Die Stim- 
mung gegen Preußen wuchs unter der Truppe ganz ersicht- 
lich - ohne daß von oben herunter auch nur ein einziges 
Mal dagegen eingeschritten worden wäre. Dies war schon 
mehr als eine bloße Unterlassungssünde, die sich früher 
oder später einmal auf das unseligste rächen mußte, und 
zwar nicht an den „Preußen", sondern an dem deutschen 
Volke, und dazu gehört nicht zum allerletzten denn doch 
auch Bayern selber. 

In dieser Richtung begann die feindliche Propaganda 
schon vom Jahre 1916 an unbedingte Erfolge zu zeitigen. 

Ebenso übten die Jammerbriefe direkt aus der Heimat 
längst ihre Wirkung aus. Es war nun gar nicht mehr not- 
wendig, daß der Gegner sie noch besonders durch Flugblät- 
ter usw. der Front übermittelte. Auch dagegen geschah, 
außer einigen psychologisch blitzdummen „Ermahnungen" 
von „Regierungsseite", nichts. Die Front wurde nach wie vor 
mit diesem Gift überschwemmt, das gedankenlose Weiber 
zu Hause zusammenfabrizierten, ohne natürlich zu ahnen, 
daß dies das Mittel war, dem Gegner die Siegeszuversicht 
auf das äußerste zu stärken, also mithin die Leiden ihrer An- 
gehörigen an der Kampffront zu verlängern und zu ver- 
schärfen. Die sinnlosen Briefe deutscher Frauen kosteten in 
der Folgezeit Hunderttausenden von Männern das Leben. 

So zeigten sich im Jahre 1916 bereits verschiedene 
bedenkliche Erscheinungen. Die Front schimpfte und „mas- 
selte", war schon in vielen Dingen unzufrieden und manch- 
mal auch mit Recht empört. Während sie hungerte und 
duldete, die Angehörigen zu Hause im Elend saßen, gab 
es an anderer Stelle Überfluß und Prasserei. Ja, sogar an 
der Kampffront selber war in dieser Richtung nicht alles 
in Ordnung. 

So kriselte es schon damals ganz leicht - allein, dies 
waren noch immer „interne" Angelegenheiten. Der gleiche 
Mann, der erst geschimpft und geknurrt hatte, tat wenige 
Minuten später schweigend seine Pflicht, als ob es selbst- 
verständlich gewesen wäre. Dieselbe Kompanie, die erst 
unzufrieden war, klammerte sich an das Stück Graben, das 



Verwundet 209 



sie zu schützen hatte, wie wenn Deutschlands Schicksal von 
diesen hundert Metern Schlammlöchern abhängig gewesen 
wäre. Es war noch die Front der alten, herrlichen Helden- 
armee! 

Den Unterschied zwischen ihr und der Heimat sollte ich 
in grellem Wechsel kennenlernen. 

Ende September 1916 rückte meine Division in die Somme- 
schlacht ab. Sie war für uns die erste der nun folgen- 
den ungeheuren Materialschlachten und der Eindruck denn 
auch ein nur schwer zu beschreibender - mehr Hölle als 
Krieg. 

In wochenlangem Wirbelsturm des Trommelfeuers hielt 
die deutsche Front stand, manchmal etwas zurückgedrängt, 
dann wieder vorstoßend, niemals aber weichend. 

Am 7. Oktober 1916 wurde ich verwundet. 

Ich kam glücklich nach rückwärts und sollte mit einem 
Transport nach Deutschland. 

Es waren nun zwei Jahre verflossen, seit ich die Heimat 
nicht mehr gesehen hatte, eine unter solchen Verhältnissen 
fast endlose Zeit. Ich konnte mir kaum mehr vorstellen, wie 
Deutsche aussehen, die nicht in Uniform stecken. Als ich in 
Hermies im Verwundeten-Sammellazarett lag, zuckte ich 
fast wie im Schreck zusammen, als plötzlich die Stimme 
einer deutschen Frau als Krankenschwester einen neben 
mir Liegenden ansprach. 

Nach zwei Jahren zum erstenmal ein solcher Laut! 

Je näher dann aber der Zug, der uns in die Heimat 
bringen sollte, der Grenze kam, um so unruhiger wurde es 
nun im Innern eines jeden. Alle die Orte zogen vorüber, 
durch die wir zwei Jahre vordem als junge Soldaten ge- 
fahren waren: Brüssel, Löwen, Lüttich, und endlich glaub- 
ten wir das erste deutsche Haus am hohen Giebel und 
seinen schönen Läden zu erkennen. 

Das Vaterland! 

Im Oktober 1914 brannten wir vor stürmischer Begeiste- 
rung, als wir die Grenze überfuhren, nun herrschte Stille 
und Ergriffenheit. Jeder war glücklich, daß ihn das Schick- 
sal noch einmal schauen ließ, was er mit seinem Leben so 



210 Das Rühmen der eigenen Feigheit 

schwer zu schützen hatte; und jeder schämte sich fast, den 
andern in sein Auge sehen zu lassen. 

Fast am Jahrestage meines Ausmarsches kam ich in das 
Lazarett zu Beelitz bei Berlin. 

Welcher Wandel! Vom Schlamm der Sommeschlacht in 
die weißen Betten dieses Wunderbaues! Man wagte ja 
anfangs kaum, sich richtig hineinzulegen. Erst langsam ver- 
mochte man sich an diese neue Welt wieder zu gewöhnen. 

Leider aber war diese Welt auch in anderer Hinsicht neu. 

Der Geist des Heeres an der Front schien hier schon kein 
Gast mehr zu sein. Etwas, das an der Front noch unbe- 
kannt war, hörte ich hier zum ersten Male: das Rühmen 
der eigenen Feigheit. Denn was man auch draußen schimp- 
fen und „massein" hören konnte, so war dies doch nie eine 
Aufforderung zur Pflichtverletzung oder gar eine Ver- 
herrlichung des Angsthasen. Nein! Der Feigling galt noch 
immer als Feigling, und sonst eben als weiter nichts; und 
die Verachtung, die ihn traf, war noch immer allgemein, ge- 
nau so wie die Bewunderung, die man dem wirklichen Hel- 
den zollte. Hier aber im Lazarett war es schon zum Teil fast 
umgekehrt: Die gesinnungslosesten Hetzer führten das große 
Wort und versuchten mit allen Mitteln ihrer jämmerlichen 
Beredsamkeit, die Begriffe des anständigen Soldaten als 
lächerlich und die Charakterlosigkeit des Feiglings als vor- 
bildlich hinzustellen. Ein paar elende Burschen vor allem 
gaben den Ton an. Der eine davon rühmte sich, die Hand 
selber durch das Drahtverhau gezogen zu haben, um so in 
das Lazarett zu kommen; er schien nun trotz dieser lächer- 
lichen Verletzung schon endlose Zeit hier zu sein, wie er 
denn ja überhaupt nur durch einen Schwindel in den 
Transport nach Deutschland kam. Dieser giftige Kerl 
aber brachte es schon so weit, die eigene Feigheit mit 
frecher Stirne als den Ausfluß höherer Tapferkeit als 
den Heldentod des ehrlichen Soldaten hinzustellen. Viele 
hörten schweigend zu, andere gingen, einige aber stimmten 
auch bei. 

Mir kroch der Ekel zum Halse herauf, allein der Hetzer 
wurde ruhig in der Anstalt geduldet. Was sollte man 



Die Drückebergerei 211 



machen? Wer und was er war, mußte man bei der Leitung 
genau wissen und wußte es auch. Dennoch geschah nichts. 

Als ich wieder richtig gehen konnte, erhielt ich Erlaub- 
nis, nach Berlin fahren zu dürfen. 

Die Not war ersichtlich überall sehr herbe. Die Millionen- 
stadt litt Hunger. Die Unzufriedenheit war groß. In ver- 
schiedenen, von Soldaten besuchten Heimen war der Ton 
ähnlich dem des Lazaretts. Es machte ganz den Eindruck, 
als ob mit Absicht diese Burschen gerade solche Stellen auf- 
suchen würden, um ihre Anschauungen weiterzuverbreiten. 

Noch viel, viel ärger waren jedoch die Verhältnisse in 
München selber! 

Als ich nach Ausheilung aus dem Lazarett entlassen und 
dem Ersatzbataillon überwiesen wurde, glaubte ich, die Stadt 
nicht mehr wiederzuerkennen. Ärger, Mißmut und Ge- 
schimpfe, wohin man nur kam! Beim Ersatzbataillon selber 
war die Stimmung unter jeder Kritik. Hier wirkte noch mit 
die unendlich ungeschickte Art der Behandlung der Feldsol- 
daten von Seiten alter Instruktionsoffiziere, die noch keine 
Stunde im Felde waren und schon aus diesem Grunde nur 
zu einem Teil ein anständiges Verhältnis zu den alten 
Soldaten herzustellen vermochten. Diese besaßen nun einmal 
gewisse Eigenheiten, die aus dem Dienst an der Front er- 
klärlich waren, den Leitern dieser Ersatztruppenteile indes- 
sen gänzlich unverständlich blieben, während sie der eben- 
falls von der Front gekommene Offizier sich wenigstens zu 
erklären wußte. Letzterer selbst war von den Mannschaften 
natürlich auch ganz anders geachtet als der Etappenkom- 
mandeur. Aber von dem ganz abgesehen, war die allge- 
meine Stimmung miserabel; die Drückebergerei galt schon 
fast als Zeichen höherer Klugheit, das treue Ausharren 
aber als Merkmal innerer Schwäche und Borniertheit. Die 
Kanzleien waren mit Juden besetzt. Fast jeder Schreiber 
ein Jude und jeder Jude ein Schreiber. Ich staunte über die 
Fülle von Kämpfern des auserwählten Volkes und konnte 
nicht anders, als sie mit den spärlichen Vertretern an der 
Front zu vergleichen. 

Noch schlimmer lagen die Dinge bei der Wirtschaft. Hier 



212 Die Preußenhetze 



war das jüdische Volk tatsächlich „unabkömmlich" gewor- 
den. Die Spinne begann, dem Volke langsam das Blut aus 
den Poren zu saugen. Auf dem Umwege über die Kriegs- 
gesellschaften hatte man das Instrument gefunden, um der 
nationalen und freien Wirtschaft nach und nach den Garaus 
zu machen. 

Es wurde die Notwendigkeit einer schrankenlosen Zen- 
tralisation betont. 

So befand sich tatsächlich schon im Jahre 1916/17 fast 
die gesamte Produktion unter der Kontrolle des Finanz- 
judentums. 

Gegen wen aber richtete sich aber nun der Haß des Volkes? 

In dieser Zeit sah ich mit Entsetzen ein Verhängnis her- 
annahen, das, nicht zur richtigen Stunde noch abgewendet, 
zum Zusammenbruch führen mußte. 

Während der Jude die gesamte Nation bestahl und unter 
seine Herrschaft preßte, hetzte man gegen die „Preußen". 
Genau wie an der Front geschah auch zu Hause von oben 
gegen diese Giftpropaganda nichts. Man schien gar nicht zu 
ahnen, daß der Zusammenbruch Preußens noch lange kei- 
nen Aufschwung Bayerns mit sich bringe, ja, daß im Gegen- 
teil jeder Sturz des einen den anderen rettungslos mit sich 
in den Abgrund reißen mußte. 

Mir tat dies Gebaren unendlich leid. Ich konnte in ihm 
nur den genialsten Trick des Juden sehen, der die allge- 
meine Aufmerksamkeit von sich ab- und auf andere hin- 
lenken sollte. Während Bayer und Preuße stritten, zog er 
beiden die Existenz unter der Nase fort; während man in 
Bayern gegen den Preußen schimpfte, organisierte der Jude 
die Revolution und zerschlug Preußen und Bayern zugleich. 

Ich konnte diesen verfluchten Hader unter den deutschen 
Stämmen nicht leiden und war froh, wieder an die Front 
zu kommen, zu der ich mich sofort nach meiner Ankunft 
in München von neuem meldete. 

Anfang März 1917 war ich denn auch wieder bei meinem 
Regiment. 



* 



Neues Hoffen des Heeres 213 

Gegen Ende des Jahres 1917 schien der Tiefpunkt der 
Niedergeschlagenheit des Heeres überwunden zu sein. Die 
ganze Armee schöpfte nach dem russischen Zusammenbruch 
wieder frische Hoffnung und frischen Mut. Die Überzeu- 
gung, daß der Kampf nun dennoch mit einem Siege Deutsch- 
lands enden würde, begann die Truppe immer mehr zu er- 
fassen. Man konnte wieder singen hören, und die Unglücks- 
raben wurden seltener. Man glaubte wieder an die Zukunft 
des Vaterlandes. 

Besonders der italienische Zusammenbruch des Herbstes 
1917 hatte die wundervollste Wirkung ausgeübt; sah man 
doch in diesem Siege den Beweis für die Möglichkeit, auch 
abseits des russischen Kriegsschauplatzes die Front durch- 
brechen zu können. Ein herrlicher Glaube strömte nun wie- 
der in die Herzen der Millionen und ließ sie mit aufatmen- 
der Zuversicht dem Frühjahr 1918 entgegenharren. Der 
Gegner aber war ersichtlich deprimiert. In diesem Winter 
blieb es etwas ruhiger als sonst. Es trat die Ruhe vor dem 
Sturme ein. 

Doch während gerade die Front die letzten Vorbereitun- 
gen zur endlichen Beendigung des ewigen Kampfes vor- 
nahm, endlose Transporte an Menschen und Material an 
die Westfront rollten und die Truppe die Ausbildung zum 
großen Angriff erhielt, brach in Deutschland das größte 
Gaunerstück des ganzen Krieges aus. 

Deutschland sollte nicht siegen: in letzter Stunde, da der 
Sieg sich schon an die deutschen Fahnen zu heften drohte, 
griff man zu einem Mittel, das geeignet erschien, mit einem 
Schlage den deutschen Angriff des Frühjahrs im Keime zu 
ersticken, den Sieg unmöglich zu machen: 

Man organisierte den Munitionsstreik. 

Wenn er gelang, mußte die deutsche Front zusammen- 
brechen und der Wunsch des „Vorwärts", daß der Sieg sich 
dieses Mal nicht mehr an die deutschen Fahnen heften 
möge, in Erfüllung gehen. Die Front mußte unter dem 
Mangel an Munition in wenigen Wochen durchstoßen sein; 
die Offensive war damit verhindert, die Entente gerettet; 
das internationale Kapital aber zum Herrn Deutschlands 



214 Rußlands Zusammenbruch 

gemacht, das innere Ziel des marxistischen Völkerbetruges 
erreicht. 

Zerbrechung der nationalen Wirtschaft zur Aufrichtung 
der Herrschaft des internationalen Kapitals - ein Ziel, 
das dank der Dummheit und Gutgläubigkeit der einen 
Seite und der bodenlosen Feigheit der anderen ja auch 
erreicht ist. 

Allerdings hatte der Munitionsstreik in bezug auf die 
Aushungerung der Front an Waffen nicht den letzten 
gehofften Erfolg: er brach zu frühzeitig zusammen, als daß 
der Munitionsmangel als solcher - so wie der Plan vor- 
handen war - das Heer zum Untergange verdammt hätte. 
Allein um wieviel entsetzlicher war der moralische Schaden, 
der angerichtet war! 

Erstens: Für was kämpfte das Heer noch, wenn die 
Heimat selber den Sieg gar nicht wollte? Für wen die 
ungeheuren Opfer und Entbehrungen? Der Soldat soll für 
den Sieg fechten, und die Heimat streikt dagegen? 

Zweitens aber: Wie war die Wirkung auf den Feind? 

Im Winter 1917/18 stiegen zum ersten Male trübe Wol- 
ken am Firmament der alliierten Welt auf. Fast vier Jahre 
lang war man gegen den deutschen Recken angerannt und 
konnte ihn nicht zum Sturze bringen; dabei war es aber 
nur der Schildarm, den dieser frei zur Abwehr hatte, wäh- 
rend das Schwert bald im Osten, bald im Süden zum Hiebe 
ausholen mußte. Nun endlich war der Riese im Rücken frei. 
Ströme von Blut waren geflossen, bis es ihm gelang, den 
einen der Gegner endgültig niederzuschlagen. Jetzt sollte 
im Westen zum Schild das Schwert kommen, und wenn es 
dem Feinde bisher nicht glückte, die Abwehr zu brechen, 
nun sollte der Angriff ihn selber treffen. 

Man fürchtete ihn und bangte um den Sieg. 

In London und Paris jagte eine Beratung die andere. 
Selbst die feindliche Propaganda tat sich schon schwer; es 
war nicht mehr so leicht, die Aussichtslosigkeit des deut- 
schen Sieges nachzuweisen. 

Das gleiche jedoch galt an den Fronten, an denen dösi- 
ges Schweigen herrschte, auch für die alliierten Truppen 



Niedergeschlagenheit der Alliierten 215 

selber. Den Herrschaften war die Frechheit plötzlich ver- 
gangen. Auch ihnen begann langsam ein unheimliches 
Licht aufzugehen. Ihre innere Stellung zum deutschen Sol- 
daten hatte sich jetzt geändert. Bisher mochte er ihnen 
als ein ja doch zur Niederlage bestimmter Narr gelten; 
nun aber stand vor ihnen der Vernichter des russischen 
Verbündeten. Die aus der Not geborene Beschränkung der 
deutschen Offensiven auf den Osten erschien nunmehr als 
geniale Taktik. Drei Jahre waren diese Deutschen gegen 
Rußland angerannt, anfangs scheinbar ohne auch nur den 
geringsten Erfolg. Man lachte fast über dieses zwecklose 
Beginnen; denn endlich mußte ja doch der russische Riese 
in der Überzahl seiner Menschen Sieger bleiben, Deutsch- 
land aber an Verblutung niederbrechen. Die Wirklichkeit 
schien dieses Hoffen zu bestätigen. 

Seit den Septembertagen 1914, da sich zum ersten Male 
die endlosen Haufen russischer Gefangener aus der Schlacht 
von Tannenberg auf Straßen und Bahnen nach Deutsch- 
land zu wälzen begannen, nahm dieser Strom kaum mehr 
ein Ende - allein für jede geschlagene und vernichtete 
Armee stand eine neue auf. Unerschöpflich gab das Riesen- 
reich dem Zaren immer neue Soldaten und dem Kriege 
seine neuen Opfer. Wie lange konnte Deutschland dieses 
Rennen mitmachen? Mußte nicht einmal der Tag kommen, 
an dem nach einem letzten deutschen Siege immer noch nicht 
die letzten russischen Armeen zur allerletzten Schlacht an- 
treten würden? Und was dann? Nach menschlichem Er- 
messen konnte der Sieg Rußlands wohl hinausgeschoben 
werden, aber er mußte kommen. 

Jetzt waren alle diese Hoffnungen zu Ende: der Ver- 
bündete, der die größten Blutopfer auf dem Altar der 
gemeinsamen Interessen niedergelegt hatte, war am Ende 
seiner Kraft und lag vor dem unerbittlichen Angreifer auf 
dem Boden. Furcht und Grauen schlichen in die Herzen der 
bisher blindgläubigen Soldaten ein. Man fürchtete das 
kommende Frühjahr. Denn wenn es bisher nicht gelang, 
den Deutschen zu besiegen, da er nur zum Teil sich auf der 
Westfront zu stellen vermochte, wie sollte man jetzt noch 



216 „Deutschland vor der Revolution!" 

mit dem Siege rechnen, da die gesamte Kraft des unheim- 
lichen Heldenstaates sich zum Angriff gegen den Westen 
zusammenzuballen schien? 

Die Schatten der Südtiroler Berge legten sich beklemmend 
auf die Phantasie; bis in die flandrischen Nebel gaukelten 
die geschlagenen Heere Cadornas trübe Gesichte vor, und 
der Glaube an den Sieg wich der Furcht vor der kommen- 
den Niederlage. 

Da - als man aus den kühlen Nächten schon das gleich- 
mäßige Rollen der anrückenden Sturmarmeen des deutschen 
Heeres zu vernehmen glaubte und in banger Sorge dem 
kommenden Gericht entgegenstarrte, da zuckte plötzlich ein 
grellrotes Licht aus Deutschland auf und warf den Schein 
bis in den letzten Granattrichter der feindlichen Front: im 
Augenblick, da die deutschen Divisionen den letzten Unter- 
richt zum großen Angriff erhielten, brach in Deutschland 
der Generalstreik aus. 

Zunächst war die Welt sprachlos. Dann aber stürzte sich 
die feindliche Propaganda erlöst aufatmend auf diese Hilfe 
in zwölfter Stunde. Mit einem Schlage war das Mittel ge- 
funden, die sinkende Zuversicht der alliierten Soldaten 
wieder zu heben, die Wahrscheinlichkeit des Sieges aufs 
neue als sicher hinstellen zu lassen und die bange Sorge vor 
den kommenden Ereignissen in entschlossene Zuversicht 
umzuverwandeln. Nun durfte man den des deutschen Angriffs 
harrenden Regimentern die Überzeugung in die größte 
Schlacht aller Zeiten mitgeben, daß nicht der Verwegenheit 
des deutschen Sturmes die Entscheidung über das Ende 
dieses Krieges zukomme, sondern der Ausdauer seiner Ab- 
wehr. Mochten die Deutschen nun Siege erringen soviel sie 
noch wollten, in ihrer Heimat stand die Revolution vor 
dem Einzug und nicht die siegreiche Armee. 

Diesen Glauben begannen englische, französische und 
amerikanische Zeitungen in die Herzen ihrer Leser zu 
pflanzen, während eine unendliche geschickte Propaganda 
die Truppen der Front emporriß. 

„Deutschland vor der Revolution! Der Sieg der Alliierten 
unaufhaltbar!" Dies war die beste Medizin, um dem schwan- 



Die Folgen des Munitionsstreiks 217 

kenden Poilu und Tommy auf die Beine zu helfen. Nun 
konnten Gewehre und Maschinengewehre noch einmal zum 
Feuern gebracht werden, und an Stelle einer in panischem 
Schrecken davonjagenden Flucht trat hoffnungsvoller Wider- 
stand. 

Dieses war das Ergebnis des Munitionstreiks. Er stärkte 
den Siegesglauben der feindlichen Völker und behob die 
lähmende Verzweiflung der alliierten Front - in der Folge 
hatten Tausende von deutschen Soldaten dies mit ihrem 
Blute zu bezahlen. Die Urheber dieses niederträchtigsten 
Schurkenstreiches aber waren die Anwärter auf die höch- 
sten Staatsstellen des Deutschlands der Revolution. 

Wohl konnte auf deutscher Seite zunächst die sichtbare 
Rückwirkung dieser Tat scheinbar überwunden werden, auf 
der Seite des Gegners jedoch blieben die Folgen nicht aus. 
Der Widerstand hatte die Ziellosigkeit einer alles verloren- 
gebenden Armee verloren, und an seine Stelle trat die Er- 
bitterung eines Kampfes um den Sieg. 

Denn der Sieg mußte nun nach menschlichem Ermessen 
kommen, wenn die Westfront dem deutschen Angriff auch 
nur wenige Monate standhielt. In den Parlamenten der 
Entente aber erkannte man die Möglichkeit der Zukunft 
und bewilligte unerhörte Mittel zur Fortführung der Pro- 
paganda zur Zersetzung Deutschlands. 

Ich hatte das Glück, die beiden ersten und die letzte 
Offensive mitmachen zu können. 

Es sind dies die ungeheuersten Eindrücke meines Lebens 
geworden; ungeheuer deshalb, weil nun zum letzten Male 
ähnlich wie im Jahre 1914 der Kampf den Charakter der 
Abwehr verlor und den des Angriffs übernahm. Ein Auf- 
atmen ging durch die Gräben und Stollen des deutschen 
Heeres, als endlich nach mehr als dreijährigem Ausharren 
in der feindlichen Hölle der Tag der Vergeltung kam. Noch 
einmal jauchzten die siegreichen Bataillone, und die letzten 
Kränze unsterblichen Lorbeers hingen sie an die siegumwit- 
terten Fahnen. Noch einmal brausten die Lieder des Vater- 



218 Letzte Kränze unsterblichen Lorbeers 

landes die endlosen Marschkolonnen entlang zum Himmel 
empor, und zum letzten Male lächelte die Gnade des Herrn 
seinen undankbaren Kindern. 

Im Hochsommer des Jahres 1918 lag dumpfe Schwüle 
über der Front. Die Heimat stritt sich. Um was? Man er- 
zählte sich vieles in den einzelnen Truppenteilen des Feld- 
heeres. Der Krieg wäre nun aussichtslos, und nur Narren 
könnten noch an den Sieg glauben. Das Volk besäße kein 
Interesse mehr am weiteren Aushalten, sondern nur mehr 
das Kapital und die Monarchie - dies kam aus der Heimat 
und wurde auch an der Front besprochen. 

Sie reagierte zunächst nur sehr wenig darauf. Was ging 
uns das allgemeine Wahlrecht an? Hatten wir etwa des- 
halb vier Jahre lang gekämpft? Es war ein niederträch- 
tiger Banditenstreich, auf solche Weise den toten Helden 
das Kriegsziel im Grabe zu stehlen. Nicht mit dem 
Rufe „Es lebe das allgemeine und geheime Wahlrecht" 
waren die jungen Regimenter einst in Flandern in den 
Tod gegangen, sondern mit dem Schrei „Deutschland über 
alles in der Welt". Ein kleiner, aber doch nicht ganz un- 
bedeutender Unterschied. Die aber nach dem Wahlrecht 
riefen, waren zum größten Teil nicht dort gewesen, wo sie 
dieses nun erkämpfen wollten. Die Front kannte das ganze 
politische Parteipack nicht. Man sah die Herren Parlamen- 
tarier nur zu einem Bruchteil dort, wo die anständigen 
Deutschen, wenn sie nur gerade Glieder besaßen, sich da- 
mals aufhielten. 

So war denn die Front in ihren alten Beständen für 
dieses neue Kriegsziel der Herren Ebert, Scheidemann, 
Barth, Liebknecht usw. nur sehr wenig empfänglich. Man 
verstand gar nicht, warum auf einmal die Drückeberger das 
Recht besitzen konnten, über das Heer hinweg sich die Herr- 
schaft im Staate anzumaßen. 

Meine persönliche Einstellung war von Anfang an fest: 
Ich haßte das ganze Pack dieser elenden, volksbetrüge- 
rischen Parteilumpen auf das äußerste. Ich war mir längst 



Die Zunahme der Zersetzungserscheinungen 219 

darüber im klaren, daß es sich bei diesem Gelichter wahr- 
lich nicht um das Wohl der Nation handelte, sondern um 
die Füllung leerer Taschen. Und daß sie jetzt selbst bereit 
waren, dafür das ganze Volk zu opfern und wenn nötig 
Deutschland zugrunde gehen zu lassen, machte sie in meinen 
Augen reif für den Strick. Auf ihre Wünsche Rücksicht neh- 
men, hieß die Interessen das arbeitenden Volkes zugunsten 
einer Anzahl von Taschendieben opfern, sie aber erfüllen 
konnte man nur dann, wenn man bereit war, Deutschland 
aufzugeben. 

So aber dachten noch immer die weitaus meisten des 
kämpfenden Heeres. Nur der aus der Heimat kommende 
Nachschub wurde rapid schlechter und schlechter, so daß sein 
Kommen keine Verstärkung, sondern eine Schwächung der 
Kampfkraft bedeutete. Besonders der junge Nachschub war 
zum großen Teil wertlos. Es war oft nur schwer zu glau- 
ben, daß dies Söhne desselben Volkes sein sollten, das 
einst seine Jugend zum Kampf um Ypern ausgeschickt 
hatte. 

Im August und September nahmen die Zersetzungs- 
erscheinungen immer schneller zu, trotzdem die feindliche 
Angriffswirkung mit dem Schrecken unserer Abwehrschlach- 
ten von einst nicht zu vergleichen war. Sommeschlacht und 
Flandern lagen demgegenüber grauenerregend in der Ver- 
gangenheit. 

Ende September kam meine Division zum drittenmal an 
die Stellen, die wir einst als junge Kriegsfreiwilligen- 
Regimenter gestürmt hatten. 

Welch eine Erinnerung! 

Im Oktober und November 1914 hatten wir dort die 
Feuertaufe erhalten. Vaterlandsliebe im Herzen und Lieder 
auf den Lippen war unser junges Regiment in die Schlacht 
gegangen wie in den Tanz. Teuerstes Blut gab sich da 
freudig hin im Glauben, dem Vaterlande so seine Unab- 
hängigkeit und Freiheit zu bewahren. 

Im Juli 1917 betraten wir zum zweiten Male den für 
uns alle geheiligten Boden. Schlummerten doch in ihm die 
besten Kameraden, Kinder noch fast, die einst mit strah- 



220 Der jüngere Nachschub versagt 

lenden Augen für das einzige teure Vaterland in den Tod 
hineingelaufen waren. 

Wir Alten, die mit dem Regiment einst ausgezogen, stan- 
den in ehrfürchtiger Ergriffenheit an dieser Schwurstätte 
von „Treue und Gehorsam bis in den Tod". 

Diesen Boden, den das Regiment drei Jahre vorher ge- 
stürmt, sollte es nun in schwerer Abwehrschlacht verteidigen. 

In dreiwöchigem Trommelfeuer bereitete der Engländer 
die große Flandernoffensive vor. Da schienen die Geister 
der Verstorbenen lebendig zu werden; das Regiment krallte 
sich in den schmutzigen Schlamm und biß sich hinein in die 
einzelnen Löcher und Krater und wich nicht und wankte 
nicht und wurde so wie schon einmal an dieser Stelle immer 
kleiner und dünner, bis der Angriff des Engländers am 
31. Juli 1917 endlich losbrach. 

In den ersten Augusttagen wurden wir abgelöst. 

Aus dem Regiment waren einige Kompanien geworden: 
die schwankten schlammüberkrustet zurück, mehr Gespen- 
stern als Menschen ähnlich. Allein außer einigen hundert 
Meter Granatlöchern hatte der Engländer sich nur den Tod 
geholt. 

Nun, im Herbste des Jahres 1918, standen wir zum 
drittenmal auf dem Sturmboden von 1914. Unser einstiges 
Ruhestädtchen Comines war jetzt zum Kampffeld gewor- 
den. Freilich, wenn auch das Kampfgelände das gleiche war, 
die Menschen hatten sich geändert: es wurde nunmehr in 
der Truppe auch „politisiert". Das Gift der Heimat begann, 
wie überall, so auch hier wirksam zu werden. Der jüngere 
Nachschub aber versagte vollständig - er kam von zu Hause. 

In der Nacht vom 13. zum 14. Oktober ging das eng- 
lische Gasschießen auf der Südfront vor Ypern los; man 
verwendete dabei Gelbkreuz, das uns in der Wirkung noch 
unbekannt war, soweit es sich um die Erprobung am eige- 
nen Leibe handelte. Ich sollte es noch in dieser Nacht selbst 
kennenlernen. Auf einem Hügel südlich von Wervick waren 
wir noch am Abend des 13. Oktober in ein mehrstündiges 
Trommelfeuer von Gasgranaten gekommen, das sich dann 
die ganze Nacht hindurch in mehr oder minder heftiger 



Vergiftet durch Gelbkreuzgas 221 

Weise fortsetzte. Schon gegen Mitternacht schied ein Teil 
von uns aus, darunter einige Kameraden gleich für immer. 
Gegen Morgen erfaßte auch mich der Schmerz von Viertel- 
stunde zu Viertelstunde ärger, und um sieben Uhr früh 
stolperte und schwankte ich mit brennenden Augen zurück, 
meine letzte Meldung im Kriege noch mitnehmend. 

Schon einige Stunden später waren die Augen in 
glühende Kohlen verwandelt, es war finster um mich ge- 
worden. 

So kam ich in das Lazarett Pasewalk in Pommern, und 
dort mußte ich - die Revolution erleben! 



Es lag etwas Unbestimmtes, aber Widerliches schon lange 
in der Luft. Man erzählte sich, daß es in den nächsten 
Wochen „los" gehe - ich vermochte mir nur nicht vorzu- 
stellen, was darunter zu verstehen sei. Ich dachte in erster 
Linie an einen Streik, ähnlich dem des Frühjahrs. Ungün- 
stige Gerüchte kamen dauernd aus der Marine, in der es 
gären sollte. Allein auch dieses schien mir mehr die Aus- 
geburt der Phantasie einzelner Burschen als Angelegenheit 
größerer Massen zu sein. Im Lazarett selbst redete wohl 
jeder von der hoffentlich doch bald herbeieilenden Beendi- 
gung des Krieges, allein auf ein „Sofort" rechnete nie- 
mand. Zeitungen konnte ich nicht lesen. 

Im November nahm die allgemeine Spannung zu. 

Und dann brach eines Tages plötzlich und unvermittelt 
das Unglück herein. Matrosen kamen auf Lastkraftwagen 
und riefen zur Revolution auf, ein paar Judenjungen 
waren die „Führer" in diesem Kampf um die „Freiheit, 
Schönheit und Würde" unseres Volksdaseins. Keiner von 
ihnen war an der Front gewesen. Auf dem Umweg eines 
sogenannten „Tripperlazaretts" waren die drei Orientalen 
aus der Etappe der Heimat zurückgegeben worden. Nun 
zogen sie in ihr den roten Fetzen auf. 

Mir war es in der letzten Zeit etwas besser ergangen. 
Der bohrende Schmerz in den Augenhöhlen ließ nach; es 
gelang mir langsam, meine Umgebung in groben Umrissen 



222 „Republik" 



wieder unterscheiden zu lernen. Ich durfte Hoffnung hegen, 
wenigstens so weit wieder sehend zu werden, um später 
irgendeinem Berufe nachgehen zu können. Freilich, daß 
ich jemals wieder würde zeichnen können, durfte ich nicht 
mehr hoffen. So befand ich mich immerhin auf dem Wege 
der Besserung, als das Ungeheuerliche geschah. 

Meine erste Hoffnung war noch immer, daß es sich bei 
dem Landesverrat nur um eine mehr oder minder örtliche 
Sache handeln konnte. Ich versuchte auch einige Kamera- 
den in dieser Richtung zu bestärken. Besonders meine baye- 
rischen Lazarettgenossen waren dem mehr als zugänglich. 
Die Stimmung war da alles andere eher als „revolutio- 
när". Ich konnte mir nicht vorstellen, daß auch in München 
der Wahnsinn ausbrechen würde. Die Treue zum ehrwür- 
digen Hause Witteisbach schien mir denn doch fester zu 
sein als der Wille einiger Juden. So konnte ich nicht anders 
als glauben, daß es sich um einen Putsch der Marine 
handle, der in den nächsten Tagen niedergeschlagen werden 
würde. 

Die nächsten Tage kamen, und mit ihnen die entsetzlichste 
Gewißheit meines Lebens. Immer drückender wurden nun 
die Gerüchte. Was ich für eine lokale Sache gehalten hatte, 
sollte eine allgemeine Revolution sein. Dazu kamen die 
schmachvollen Nachrichten von der Front. Man wollte kapi- 
tulieren. Ja, war so etwas überhaupt auch nur möglich? 

Am 10. November kam der Pastor in das Lazarett zu 
einer kleinen Ansprache; nun erfuhren wir alles. 

Ich war, auf das äußerste erregt, auch bei der kurzen 
Rede anwesend. Der alte, würdige Herr schien sehr zu zit- 
tern, als er uns mitteilte, daß das Haus Hohenzollern nun 
die deutsche Kaiserkrone nicht mehr tragen dürfe, daß das 
Vaterland „Republik" geworden sei, daß man den All- 
mächtigen bitten müsse, diesem Wandel seinen Segen nicht 
zu versagen und unser Volk in den kommenden Zeiten 
nicht verlassen zu wollen. Er konnte dabei wohl nicht an- 
ders, er mußte in wenigen Worten des königlichen Hauses 
gedenken, wollte dessen Verdienste in Pommern, in Preu- 
ßen, nein, um das deutsche Vaterland würdigen, und - da 



Umsonst alle Opfer 223 



begann er leise in sich hineinzuweinen - in dem kleinen 
Saale aber legte sich tiefste Niedergeschlagenheit wohl 
auf alle Herzen, und ich glaube, daß kein Auge die Tränen 
zurückzuhalten vermochte. Als aber der alte Herr weiter 
zu erzählen versuchte und mitzuteilen begann, daß wir den 
langen Krieg nun beenden müßten, ja, daß unser Vater- 
land für die Zukunft, da der Krieg jetzt verloren wäre 
und wir uns in die Gnade der Sieger begäben, schweren 
Bedrückungen ausgesetzt sein würde, daß der Waffenstill- 
stand im Vertrauen auf die Großmut unserer bisherigen 
Feinde angenommen werden sollte - da hielt ich es nicht 
mehr aus. Mir wurde es unmöglich, noch länger zu blei- 
ben. Während es mir um die Augen wieder schwarz ward, 
tastete und taumelte ich zum Schlafsaal zurück, warf mich 
auf mein Lager und grub den brennenden Kopf in Decke 
und Kissen. 

Seit dem Tage, da ich am Grabe der Mutter gestanden, 
hatte ich nicht mehr geweint. Wenn mich in meiner Jugend 
das Schicksal unbarmherzig hart anfaßte, wuchs mein Trotz. 
Als sich in den langen Kriegsjahren der Tod so manchen 
lieben Kameraden und Freund aus unseren Reihen holte, 
wäre es mir fast wie eine Sünde erschienen, zu klagen - 
starben sie doch für Deutschland! Und als mich endlich selbst 
- noch in den letzten Tagen des fürchterlichen Ringens - 
das schleichende Gas anfiel und sich in die Augen zu fressen 
begann und ich unter dem Schrecken, für immer zu erblin- 
den, einen Augenblick verzagen wollte, da donnerte mich 
die Stimme des Gewissens an: Elender Jämmerling, du 
willst wohl heulen, während es Tausenden hundertmal 
schlechter geht als dir. Und so trug ich denn stumpf und 
stumm mein Los. Nun aber konnte ich nicht mehr anders. 
Nun sah ich erst, wie sehr alles persönliche Leid versinkt 
gegenüber dem Unglück des Vaterlandes. 

Es war also alles umsonst gewesen. Umsonst all die Opfer 
und Entbehrungen, umsonst der Hunger und Durst von 
manchmal endlosen Monaten, vergeblich die Stunden, in 
denen wir, von Todesangst umkrallt, dennoch unsere Pflicht 
taten, und vergeblich der Tod von zwei Millionen, die da- 



224 Umsonst alle Opfer 



bei starben. Mußten sich nicht die Gräber all der Hundert- 
tausende öffnen, die im Glauben an das Vaterland einst 
hinausgezogen waren, um niemals wiederzukehren? Muß- 
ten sie sich nicht öffnen und die stummen, schlämm- und 
blutbedeckten Helden als Rachegeister in die Heimat sen- 
den, die sie um das höchste Opfer, das auf dieser Welt der 
Mann seinem Volke zu bringen vermag, so hohnvoll be- 
trogen hatte? Waren sie dafür gestorben, die Soldaten des 
August und September 1914, zogen dafür die Freiwilligen- 
Regimenter im Herbst desselben Jahres den alten Kame- 
raden nach? Sanken dafür diese Knaben von siebzehn Jah- 
ren in die flandrische Erde? War dies der Sinn des Opfers, 
das die deutsche Mutter dem Vaterlande darbrachte, als sie 
mit wehem Herzen die liebsten Jungen damals ziehen ließ, 
um sie niemals wiederzusehen? Geschah dies alles dafür, 
daß nun ein Haufen elender Verbrecher die Hand an das 
Vaterland zu legen vermochte? 

Hatte also dafür der deutsche Soldat im Sonnenbrand 
und Schneesturm hungernd, dürstend und frierend, müde 
von schlaflosen Nächten und endlosen Märschen ausgeharrt? 
Hatte er dafür in der Hölle des Trommelfeuers und im 
Fieber das Gaskampfes gelegen, ohne zu weichen, immer 
eingedenk der einzigen Pflicht, das Vaterland vor dem Ein- 
fall des Feindes zu bewahren? 

Wahrlich, auch diese Helden verdienten einen Stein: 

„Wanderer, der du nach Deutschland kommst, melde der 
Heimat, daß wir hier liegen, treu dem Vaterlande und 
gehorsam der Pflicht." 

Und die Heimat - ? 

Allein - war es nur das einzige Opfer, das wir zu 
wägen hatten? War das vergangene Deutschland weniger 
wert? Gab es nicht auch einer Verpflichtung der eigenen 
Geschichte gegenüber? Waren wir noch wert, den Ruhm 
der Vergangenheit auch auf uns zu beziehen? Wie aber 
war diese Tat der Zukunft zur Rechtfertigung zu unter- 
breiten? 

Elende und verkommene Verbrecher! 

Je mehr ich mir in dieser Stunde über das ungeheuere 



Beschluß, Politiker zu werden 225 

Ereignis klar zu werden versuchte, um so mehr brannte 
mir die Scham der Empörung und der Schande in der 
Stirn. Was war der ganze Schmerz der Augen gegen 
diesen Jammer? 

Was folgte, waren entsetzliche Tage und noch bösere 
Nächte - ich wußte, daß alles verloren war. Auf die 
Gnade des Feindes zu hoffen, konnten höchstens Narren 
fertigbringen oder - Lügner und Verbrecher. In diesen 
Nächten wuchs mir der Haß, der Haß gegen die Urheber 
dieser Tat. 

In den Tagen darauf wurde mir auch mein Schicksal 
bewußt. Ich mußte nun lachen bei dem Gedanken an meine 
eigene Zukunft, die mir vor kurzer Zeit noch so bittere 
Sorgen bereitet hatte. War es nicht zum Lachen, Häuser 
bauen zu wollen auf solchem Grunde? Endlich wurde mir 
auch klar, daß doch nur eingetreten war, was ich so oft 
schon befürchtete, nur gefühlsmäßig nie zu glauben ver- 
mochte. 

Kaiser Wilhelm II. hatte als erster deutscher Kaiser den 
Führern des Marxismus die Hand zur Versöhnung ge- 
reicht, ohne zu ahnen, daß Schurken keine Ehre besitzen. 
Während sie die kaiserliche Hand noch in der ihren hielten, 
suchte die andere schon nach dem Dolche. 

Mit dem Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das 
harte Entweder-Oder. 

Ich aber beschloß, Politiker zu werden. 



8. Kapitel 
Beginn meiner politischen Tätigkeit 

Noch Ende November 1918 kam ich nach München zu- 
rück. Ich fuhr wieder zum Ersatzbataillon meines Re- 
giments, das sich in der Hand von „Soldatenräten" be- 
fand. Der ganze Betrieb war mir so widerlich, daß ich 
mich sofort entschloß, wenn möglich wieder fortzugehen. 
Mit einem treuen Feldzugskameraden, Schmiedt Ernst, 
kam ich nach Traunstein und blieb bis zur Auflösung des 
Lagers dort. 

Im März 1919 gingen wir wider nach München zurück. 

Die Lage war unhaltbar und drängte zwangsläufig zu 
einer weiteren Fortsetzung der Revolution. Der Tod Eis- 
ners beschleunigte nur die Entwicklung und führte endlich 
zur Rätediktatur, besser ausgedrückt: zu einer vorüber- 
gehenden Judenherrschaft, wie sie ursprünglich den Ur- 
hebern der ganzen Revolution als Ziel vor Augen schwebte. 

In dieser Zeit jagten in meinem Kopfe endlose Pläne 
einander. Tagelang überlegte ich, was man nur überhaupt 
tun könne, allein immer war das Ende jeder Erwägung die 
nüchterne Feststellung, daß ich als Namenloser selbst die 
geringste Voraussetzung zu irgendeinem zweckmäßigen Han- 
deln nicht besaß. Auf die Gründe, warum ich auch damals 
mich nicht entschließen konnte, zu einer der bestehenden 
Parteien zu gehen, werde ich noch zu sprechen kommen. 

Im Laufe der neuen Räterevolution trat ich zum ersten 
Male so auf, daß ich mir das Mißfallen des Zentralrates 
zuzog. Am 27. April 1919 frühmorgens sollte ich verhaftet 
werden - die drei Burschen aber besaßen angesichts des 
vorgehaltenen Karabiners nicht den nötigen Mut und zogen 
wieder ab, wie sie gekommen waren. 



Erörterung der Bildung einer neuen Partei 227 

Wenige Tage nach der Befreiung Münchens wurde ich 
zur Untersuchungskommission über die Revolutionsvor- 
gänge beim 2. Infanterieregiment kommandiert. 

Dies war meine erste mehr oder weniger rein politische 
aktive Tätigkeit. 

Schon wenige Wochen darauf erhielt ich den Befehl, an 
einem „Kurs" teilzunehmen, der für Angehörige der Wehr- 
macht abgehalten wurde. In ihm sollte der Soldat be- 
stimmte Grundlagen zu staatsbürgerlichem Denken erhal- 
ten. Für mich lag der Wert der ganzen Veranstaltung 
darin, daß ich nun die Möglichkeit erhielt, einige gleich- 
gesinnte Kameraden kennenzulernen, mit denen ich die 
augenblickliche Lage gründlich durchzusprechen vermochte. 
Wir waren alle mehr oder minder fest überzeugt, daß 
Deutschland durch die Parteien des Novemberverbrechens, 
Zentrum und Sozialdemokratie, nicht mehr aus dem heran- 
reifenden Zusammenbruche gerettet werden würde, daß 
aber auch die sogenannten „bürgerlich- nationalen" Gebilde 
selbst bei bestem Wollen niemals mehr gutzumachen ver- 
ständen, was geschehen. Hier fehlte eine ganze Reihe von 
Voraussetzungen, ohne die eine solche Arbeit eben nicht ge- 
lingen konnte. Die Folgezeit hat unserer damaligen Ansicht 
recht gegeben. 

So wurde denn in unserem kleinen Kreise die Bildung 
einer neuen Partei erörtert. Die Grundgedanken, die uns 
dabei vorschwebten, waren dieselben, die dann später in 
der „Deutschen Arbeiterpartei" zur Verwirklichung kamen. 
Der Name der neuzugründenden Bewegung mußte von An- 
fang an die Möglichkeit bieten, an die breite Masse heran- 
zukommen; denn ohne diese Eigenschaft schien die ganze 
Arbeit zwecklos und überflüssig. So kamen wir auf den 
Namen „Sozialrevolutionäre Partei"; dies deshalb, weil ja 
die sozialen Anschauungen der neuen Gründung tatsächlich 
eine Revolution bedeuteten. 

Der tiefere Grund hierzu lag aber in folgendem: 

Wie sehr ich mich auch schon früher mit wirtschaftlichen 
Problemen beschäftigt hatte, so war es doch mehr oder 
weniger immer in den Grenzen geblieben, die sich aus der 



228 Die beiden Kapitalsarten 

Betrachtung der sozialen Fragen an sich ergaben. Erst spä- 
ter erweiterte sich dieser Rahmen infolge der Prüfung der 
deutschen Bündnispolitik. Sie war ja zu einem sehr großen 
Teil das Ergebnis einer falschen Einschätzung der Wirt- 
schaft sowohl wie der Unklarheit über die möglichen 
Grundlagen einer Ernährung des deutschen Volkes in der 
Zukunft. Alle diese Gedanken aber fußten noch auf der 
Meinung, daß das Kapital in jedem Falle nur das Ergeb- 
nis der Arbeit wäre und mithin, wie diese selbst, der Kor- 
rektur all jener Faktoren unterläge, die die menschliche 
Tätigkeit entweder zu fördern oder zu hemmen vermögen. 
Darin läge dann auch die nationale Bedeutung des Kapi- 
tals, daß es selber so vollständig von Größe, Freiheit und 
Macht des Staates, also der Nation, abhänge, daß diese 
Gebundenheit allein schon zu einer Förderung des Staates 
und der Nation von Seiten dieses Kapitals führen müsse, 
aus dem einfachen Trieb der Selbsterhaltung, bzw. der 
Weitervermehrung heraus. Dieses Angewiesensein des Ka- 
pitals auf den unabhängigen freien Staat zwänge dieses 
also seinerseits, für diese Freiheit, Macht, Stärke usw. der 
Nation einzutreten. 

Damit war auch die Aufgabe des Staates dem Kapital 
gegenüber eine verhältnismäßig einfache und klare: er 
hatte nur dafür zu sorgen, daß es Dienerin des Staates 
bliebe und sich nicht einbilde, Herrin der Nation zu sein. 
Diese Stellungnahme konnte sich dann in zwei Grenzlinien 
halten: Erhaltung einer lebensfähigen nationalen und 
unabhängigen Wirtschaft auf der einen Seite, Sicherung der 
sozialen Rechte der Arbeitnehmer auf der anderen. 

Den Unterschied dieses reinen Kapitals als letztes Er- 
gebnis der schaffenden Arbeit gegenüber einem Kapital, 
dessen Existenz und Wesen ausschließlich auf Spekulation 
beruhen, vermochte ich früher noch nicht mit der wünschens- 
werten Klarheit zu erkennen. Es fehlte mir hierzu die erste 
Anregung, die eben nicht an mich herankam. 

Dieses wurde nun auf das gründlichste besorgt von einem 
der verschiedenen in dem schon erwähnten Kurse vortra- 
genden Herren: Gottfried Feder. 



Die Aufgabe des Programmatikers 229 

Zum ersten Male in meinem Leben vernahm ich eine 
prinzipielle Auseinandersetzung mit dem internationalen 
Börsen- und Leihkapital. 

Nachdem ich den ersten Vortrag Feders angehört hatte, 
zuckte mir auch sofort der Gedanke durch den Kopf, nun 
den Weg zu einer der wesentlichsten Voraussetzungen zur 
Gründung einer neuen Partei gefunden zu haben. 

Das Verdienst Feders beruhte in meinen Augen darin, 
mit rücksichtsloser Brutalität den ebenso spekulativen wie 
volkswirtschaftlichen Charakter des Börsen- und Leihkapi- 
tals festgelegt, seine urewige Voraussetzung des Zinses 
aber bloßgelegt zu haben. Seine Ausführungen waren in 
allen grundsätzlichen Fragen so richtig, daß die Kritiker 
derselben von vorneherein weniger die theoretische Richtig- 
keit der Idee bestritten, als vielmehr die praktische Mög- 
lichkeit ihrer Durchführung anzweifelten. Allein was so in 
den Augen anderer eine Schwäche der Federschen Dar- 
legungen war, bildete in den meinen ihre Stärke. 

Die Aufgabe des Programmatikers ist nicht, die verschie- 
denen Grade der Erfüllbarkeit einer Sache festzustellen, 
sondern die Sache als solche klarzulegen; das heißt: er hat 
sich weniger um den Weg als das Ziel zu kümmern. Hier- 
bei aber entscheidet die prinzipielle Richtigkeit einer Idee 
und nicht die Schwierigkeit ihrer Durchführung. Sowie 
der Programmatiker versucht, an Stelle der absoluten 
Wahrheit der sogenannten „Zweckmäßigkeit" und „Wirk- 
lichkeit" Rechnung zu tragen, wird seine Arbeit aufhören, 
ein Polarstern der suchenden Menschheit zu sein, um statt 
dessen zu einem Rezept des Alltags zu werden. Der Pro- 
grammatiker einer Bewegung hat das Ziel derselben fest- 
zulegen, der Politiker seine Erfüllung anzustreben. Der eine 
wird demgemäß in seinem Denken von der ewigen Wahr- 
heit bestimmt, der andere in seinem Handeln mehr von der 
jeweiligen praktischen Wirklichkeit. Die Größe des einen 



230 Programmatiker und Politiker 

liegt in der absoluten abstrakten Richtigkeit seiner Idee, die 
des anderen in der richtigen Einstellung zu den gegebenen 
Tatsachen und einer nützlichen Verwendung derselben, wo- 
bei ihm als Leitstern das Ziel des Programmatikers zu 
dienen hat. Während man als Prüfstein für die Bedeutung 
eines Politikers den Erfolg seiner Pläne und Taten an- 
sehen darf, das heißt also das Zur-Wirklichkeit-Werden 
derselben, kann die Verwirklichung der letzten Absicht des 
Programmatikers nie erfolgen, da wohl der menschliche 
Gedanke Wahrheiten zu erfassen, kristallklare Ziele aufzu- 
stellen vermag, allein die restlose Erfüllung derselben an 
der allgemein menschlichen Unvollständigkeit und Unzu- 
länglichkeit scheitern wird. Je abstrakt richtiger und damit 
gewaltiger die Idee sein wird, um so unmöglicher bleibt 
deren vollständige Erfüllung, solange sie nun einmal von 
Menschen abhängt. Daher darf auch die Bedeutung des Pro- 
grammatikers nicht an der Erfüllung seiner Ziele gemessen 
werden, sondern an der Richtigkeit derselben und dem 
Einfluß, den sie auf die Entwicklung der Menschheit ge- 
nommen haben. Wäre es anders, dürften nicht die Begrün- 
der von Religionen zu den größten Menschen auf dieser 
Erde gerechnet werden, da ja die Erfüllung ihrer ethischen 
Absichten niemals eine auch nur annähernd vollständige 
sein wird. Selbst die Religion der Liebe ist in ihrem 
Wirken nur ein schwacher Abglanz des Wollens ihres er- 
habenen Begründers; allein ihre Bedeutung liegt in der 
Richtung, die sie einer allgemeinen menschlichen Kultur-, 
Sittlichkeits- und Moralentwicklung zu geben versuchte. 

Die überaus große Verschiedenheit der Aufgaben des 
Programmatikers und des Politikers ist auch die Ursache, 
warum fast nie eine Vereinigung von beiden in einer Per- 
son zu finden ist. Es gilt dies besonders vom sogenannten 
„erfolgreichen" Politiker kleine Formats, dessen Tätigkeit 
zumeist wirklich nur eine „Kunst des Möglichen" ist, wie 
Bismarck die Politik überhaupt etwas bescheiden bezeich- 
nete. Je freier ein solcher „Politiker" sich von großen Ideen 
hält, um so leichter und häufig auch sichtbarer, immer 
jedoch schneller werden seine Erfolge sein. Freilich, sie sind 



Programmatiker und Politiker 231 

damit auch der irdischen Vergänglichkeit geweiht und über- 
leben manchmal nicht den Tod ihrer Väter. Das Werk 
solcher Politiker ist im großen und ganzen für die Nach- 
welt bedeutungslos, da ihre Erfolge in der Gegenwart ja 
nur auf dem Fernhalten aller wirklich großen und ein- 
schneidenden Probleme und Gedanken beruhen, die als 
solche auch für die späteren Generationen von Wert ge- 
wesen sein würden. 

Die Durchführung derartiger Ziele, die noch für die 
fernsten Zeiten Wert und Bedeutung haben, ist für den 
Verfechter derselben meistens wenig lohnend und findet 
nur selten Verständnis bei der großen Masse, der Bier- 
und Milcherlasse zunächst besser einleuchten als weit- 
schauende Zukunftspläne, deren Verwirklichung erst später 
eintreten kann, deren Nutzen aber überhaupt erst der Nach- 
welt zugute kommt. 

So wird schon aus einer gewissen Eitelkeit heraus, die 
immer eine Verwandte der Dummheit ist, die große Masse 
der Politiker sich fernhalten von allen wirklich schweren 
Zukunftsentwürfen, um nicht der Augenblickssympathie 
des großen Haufens verlustig zu gehen. Der Erfolg und die 
Bedeutung eines solchen Politikers liegen dann ausschließ- 
lich in der Gegenwart und sind für die Nachwelt nicht vor- 
handen. Die kleinen Köpfe pflegt dies ja auch wenig zu 
genieren; sie sind damit zufrieden. 

Anders liegen die Verhältnisse bei dem Programmatiker. 
Seine Bedeutung liegt fast immer nur in der Zukunft, da 
er ja nicht selten das ist, was man mit dem Worte „welt- 
fremd" bezeichnet. Denn wenn die Kunst des Politikers 
wirklich als eine Kunst des Möglichen gilt, dann gehört 
der Programmatiker zu jenen, von denen es heißt, daß sie 
den Göttern nur gefallen, wenn sie Unmögliches verlangen 
und wollen. Er wird auf die Anerkennung der Gegenwart 
fast immer Verzicht zu leisten haben, erntet aber dafür, 
falls seine Gedanken unsterblich sind, den Ruhm der 
Nachwelt. 

Innerhalb langer Perioden der Menschheit kann es ein- 
mal vorkommen, daß sich der Politiker mit dem Program- 



232 Die Marathonläufer der Geschichte 

matiker vermählt. Je inniger aber diese Verschmelzung ist, 
um so größer sind die Widerstände, die sich dem Wirken 
des Politikers dann entgegenstemmen. Er arbeitet nicht 
mehr für Erfordernisse, die jedem nächstbesten Spießbür- 
ger einleuchten, sondern für Ziele, die nur die wenigsten 
begreifen. Daher ist dann sein Leben zerrissen von Liebe 
und Haß. Der Protest der Gegenwart, die den Mann nicht 
begreift, ringt mit der Anerkennung der Nachwelt, für die 
er ja auch arbeitet. 

Denn je größer die Werke eines Menschen für die Zu- 
kunft sind, um so schwerer vermag sie die Gegenwart zu er- 
fassen, um so schwerer ist auch der Kampf und um so sel- 
tener der Erfolg. Blüht er aber dennoch in Jahrhunderten 
einem, dann kann ihn vielleicht in seinen späten Tagen 
schon ein leiser Schimmer des kommenden Ruhmes um- 
strahlen. Freilich sind diese Großen nur die Marathonläufer 
der Geschichte; der Lorbeerkranz der Gegenwart berührt 
nur mehr die Schläfen des sterbenden Helden. 

Zu ihnen aber sind zu rechnen die großen Kämpfer auf 
dieser Welt, die, von der Gegenwart nicht verstanden, 
dennoch den Streit um ihre Idee und Ideale durchzufech- 
ten bereit sind. Sie sind diejenigen, die einst am meisten 
dem Herzen des Volkes nahestehen werden; es scheint fast 
so, als fühlte jeder einzelne dann die Pflicht, an der Ver- 
gangenheit gutzumachen, was die Gegenwart einst an 
den Großen gesündigt hatte. Ihr Leben und Wirken wird 
in rührend dankbarer Bewunderung verfolgt und vermag 
besonders in trüben Tagen gebrochene Herzen und ver- 
zweifelnde Seelen wieder zu erheben. 

Hierzu gehören aber nicht nur die wirklich großen 
Staatsmänner, sondern auch alle sonstigen großen Refor- 
matoren. Neben Friedrich dem Großen stehen hier Martin 
Luther sowie Richard Wagner. 

Als ich den ersten Vortrag Gottfried Feders über die 
„Brechung der Zinsknechtschaft" anhörte, wußte ich sofort, 
daß es sich hier um eine theoretische Wahrheit handelt, 
die von immenser Bedeutung für die Zukunft des deut- 
schen Volkes werden müßte. Die scharfe Scheidung des 



Kampf gegen internationales Finanzkapital 233 

Börsenkapitals von der nationalen Wirtschaft bot die Mög- 
lichkeit, der Verinternationalisierung der deutschen Wirt- 
schaft entgegenzutreten, ohne zugleich mit dem Kampf 
gegen das Kapital überhaupt die Grundlage einer unab- 
hängigen völkischen Selbsterhaltung zu bedrohen. Mir stand 
die Entwicklung Deutschlands schon viel zu klar vor Augen, 
als daß ich nicht gewußt hätte, daß der schwerste Kampf 
nicht mehr gegen die feindlichen Völker, sondern gegen das 
internationale Kapital ausgefochten werden mußte. In 
Feders Vortrag spürte ich eine gewaltige Parole für dieses 
kommende Ringen. 

Und auch hier bewies die spätere Entwicklung, wie richtig 
unsere damalige Empfindung war. Heute werden wir nicht 
mehr verlacht von den Schlauköpfen unserer bürgerlichen 
Politiker; heute sehen selbst diese, soweit sie nicht bewußte 
Lügner sind, daß das internationale Börsenkapital nicht 
nur der größte Hetzer zum Kriege war, sondern gerade jetzt 
nach des Kampfes Beendigung nichts unterläßt, den Frie- 
den zur Hölle zu verwandeln. 

Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leih- 
kapital ist zum wichtigsten Programmpunkt des Kampfes 
der deutschen Nation um ihre wirtschaftliche Unabhängig- 
keit und Freiheit geworden. 

Was aber die Einwände der sogenannten Praktiker be- 
trifft, so kann ihnen folgendes geantwortet werden: Alle 
Befürchtungen über die entsetzlichen wirtschaftlichen Folgen 
einer Durchführung der „Brechung der Zinsknechtschaft" 
sind überflüssig; denn erstens sind die bisherigen Wirt- 
schaftsrezepte dem deutschen Volke sehr schlecht bekommen, 
die Stellungnahmen zu den Fragen der nationalen Selbst- 
behauptung erinnern uns sehr stark an die Gutachten ähn- 
licher Sachverständiger in früheren Zeiten, zum Beispiel 
des bayerischen Medizinalkollegiums anläßlich der Frage 
der Einführung der Eisenbahn. Alle Befürchtungen die- 
ser erlauchten Korporation von damals sind später bekannt- 
lich nicht eingetroffen; die Reisenden in den Zügen des 
neuen „Dampfrosses" wurden nicht schwindlig, die Zu- 
schauer auch nicht krank, und auf die Bretterzäune, um die 



234 Nur eine Doktrin: Volk und Vaterland 

neue Einrichtung unsichtbar zu machen, hat man verzichtet - 
nur die Bretterwände vor den Köpfen aller sogenannten 
„Sachverständigen" blieben auch der Nachwelt erhalten. 

Zweitens aber soll man sich folgendes merken: Jede und 
auch die beste Idee wird zur Gefahr, wenn sie sich einbildet, 
Selbstzweck zu sein, in Wirklichkeit jedoch nur ein Mittel 
zu einem solchen darstellt - für mich aber und alle wahr- 
haftigen Nationalsozialisten gibt es nur eine Doktrin: Volk 
und Vaterland. 

Für was wir zu kämpfen haben, ist die 
Sicherung des Bestehens und der Vermeh- 
rung unserer Rasse und unseres Volkes, 
die Ernährung seiner Kinder und Reinhal- 
tung des Blutes, die Freiheit und Unab- 
hängigkeit des Vaterlandes, auf daß unser 
Volk zur Erfüllung der auch ihm vom 
Schöpfer des Universums zugewiesenen 
Mission heranzureifen vermag. 

Jeder Gedanke und jede Idee, jede Lehre und alles 
Wissen haben diesem Zweck zu dienen. Von diesem Ge- 
sichtspunkte aus ist auch alles zu prüfen und nach seiner 
Zweckmäßigkeit zu verwenden oder abzulehnen. So kann 
keine Theorie zur tödlichen Doktrin erstarren, da alles ja 
nur dem Leben zu dienen hat. 

So waren die Erkenntnisse Gottfried Feders die Ver- 
anlassung, mich in gründlicher Weise mit diesem mir ja bis 
dahin noch wenig vertrauten Gebiete überhaupt zu befassen. 

Ich begann wieder zu lernen und kam nun erst recht zum 
Verständnis des Inhaltes des Wollens der Lebensarbeit des 
Juden Karl Marx. Sein „Kapital" wurde mir jetzt erst recht 
verständlich, genau so wie der Kampf der Sozialdemo- 
kratie gegen die nationale Wirtschaft, der nur den Boden 
für die Herrschaft des wirklich internationalen Finanz- 
und Börsenkapitals vorzubereiten hat. 

Allein noch in einer anderen Hinsicht waren diese Kurse 
für mich von größter Folgewirkung. 



Der „Bildungsoffizier" 235 

Ich meldete mich eines Tages zur Aussprache. Einer der 
Teilnehmer glaubte, für die Juden eine Lanze brechen zu 
müssen und begann sie in längeren Ausführungen zu ver- 
teidigen. Dieses reizte mich zu einer Entgegnung. Die weit- 
aus überwiegende Anzahl der anwesenden Kursteilnehmer 
stellte sich auf meinen Standpunkt. Das Ergebnis aber war, 
daß ich wenige Tage später dazu bestimmt wurde, zu einem 
damaligen Münchener Regiment als sogenannter „Bildungs- 
offizier" einzurücken. 

Die Disziplin der Truppe war zu dieser Zeit noch ziemlich 
schwach. Sie litt unter den Nachwirkungen der Soldatenrats- 
periode. Nur ganz langsam und vorsichtig konnte man dazu 
übergehen, an Stelle des „freiwilligen" Gehorsams - wie 
man den Saustall unter Kurt Eisner so schön zu bezeichnen 
pflegte - wieder die militärische Disziplin und Unterord- 
nung einzuführen. Ebenso sollte die Truppe selber national 
und vaterländisch fühlen und denken lernen. In diesen bei- 
den Richtungen lagen die Gebiete meiner neuen Tätigkeit. 

Ich begann mit aller Lust und Liebe. Bot sich mir doch 
jetzt mit einem Male die Gelegenheit, vor einer größeren Zu- 
hörerschaft zu sprechen; und was ich früher immer, ohne es 
zu wissen, aus dem reinen Gefühl heraus einfach angenommen 
hatte, traf nun ein: ich konnte „reden". Auch die Stimme 
war schon so viel besser geworden, daß ich wenigstens in 
kleinen Mannschaftszimmern überall genügend verständ- 
lich blieb. 

Keine Aufgabe konnte mich glücklicher machen als diese, 
denn nun vermochte ich noch vor meiner Entlassung in der 
Institution nützliche Dienste zu leisten, die mir unendlich 
am Herzen gelegen hatte: im Heere. 

Ich durfte auch von Erfolg sprechen: Viele Hunderte, ja 
wohl Tausende von Kameraden habe ich im Verlaufe meiner 
Vorträge wieder zu ihrem Volk und Vaterland zurückgeführt. 
Ich „nationalisierte" die Truppe und konnte auf diesem 
Wege mithelfen, die allgemeine Disziplin zu stärken. 

Wieder lernte ich dabei eine Anzahl von gleichgesinnten 
Kameraden kennen, die später mit den Grundstock der 
neuen Bewegung zu bilden begannen. 



9. Kapitel 
Die „Deutsche Arbeiterpartei" 

Eines Tages erhielt ich von der mir vorgesetzten Dienst- 
stelle den Befehl, nachzusehen, was es für eine Be- 
wandtnis mit einem anscheinend politischen Verein habe, 
der unter dem Namen „Deutsche Arbeiterpartei" in den 
nächsten Tagen eine Versammlung abzuhalten beabsichtige, 
und in der ebenfalls Gottfried Feder sprechen sollte; ich 
müßte hingehen und mir den Verband einmal ansehen und 
dann Bericht erstatten. 

Die Neugierde, die von Seiten des Heeres damals den 
politischen Parteien entgegengebracht wurde, war mehr als 
verständlich. Die Revolution hatte dem Soldaten das Recht 
der politischen Betätigung gegeben, von dem nun auch ge- 
rade die Unerfahrensten den reichlichsten Gebrauch machten. 
Erst in dem Augenblick, da Zentrum und Sozialdemokratie 
zum eigenen Leidwesen erkennen mußten, daß die Sym- 
pathien der Soldaten sich von den revolutionären Parteien 
weg der nationalen Bewegung und Wiedererhebung zuzu- 
wenden begannen, sah man sich veranlaßt, der Truppe das 
Wahlrecht wieder zu entziehen und die politische Betäti- 
gung zu untersagen. 

Daß Zentrum und Marxismus zu dieser Maßnahme 
griffen, war einleuchtend, denn würde man diese Beschnei- 
dung der „staatsbürgerlichen Rechte" - wie man die poli- 
tische Gleichberechtigung des Soldaten nach der Revolution 
nannte - nicht vorgenommen haben, hätte es schon wenige 
Jahre später keinen Novemberstaat, aber damit auch keine 
weitere nationale Entehrung und Schande mehr gegeben. 
Die Truppe war damals auf dem besten Wege, der Nation 
ihre Blutsauger und Handlanger der Entente im Innern 



Die „Deutsche Arbeiterpartei" 237 

vom Halse zu schaffen. Daß aber auch die sogenannten 
„nationalen" Parteien begeistert für die Korrektur der bis- 
herigen Anschauungen der Novemberverbrecher stimmten 
und so mithalfen, das Instrument einer nationalen Er- 
hebung unschädlich zu machen, zeigte wieder, wohin die 
immer nur doktrinären Vorstellungen dieser Harmlosesten 
der Harmlosen zu führen vermögen. Dieses wirklich an 
geistiger Altersschwäche krankende Bürgertum war allen 
Ernstes der Meinung, daß die Armee wieder das werde, 
was sie war, nämlich ein Hort deutscher Wehrhaftigkeit, 
während Zentrum und Marxismus ihr nur den gefähr- 
lichen nationalen Giftzahn auszubrechen gedachten, ohne 
den nun aber einmal eine Armee ewig Polizei bleibt, 
jedoch keine Truppe ist, die vor dem Feind zu kämpfen 
vermag; etwas, was sich in der Folgezeit wohl zur Genüge 
bewiesen hat. 

Oder glaubten etwa unsere „nationalen Politiker", daß 
die Entwicklung der Armee anders als eine nationale 
hätte sein können? Das sähe diesen Herren verflucht ähn- 
lich und kommt davon, wenn man im Kriege, statt Soldat 
zu sein, Schwätzer, also Parlamentarier ist und keine 
Ahnung mehr hat, was in der Brust von Männern vor- 
gehen mag, die die gewaltigste Vergangenheit erinnert, 
einst die ersten Soldaten der Welt gewesen zu sein. 

So entschloß ich mich, in die schon erwähnte Versamm- 
lung dieser mir bis dahin ebenfalls noch ganz unbekannten 
Partei zu gehen. 

Als ich abends in das für uns später historisch gewordene 
„Leiberzimmer" des ehemaligen Sterneckerbräues in Mün- 
chen kam, traf ich dort etwa 20 bis 25 Anwesende, haupt- 
sächlich aus den unteren Schichten der Bevölkerung. 

Der Vortrag Feders war mir schon von den Kursen her 
bekannt, so daß ich mich mehr der Betrachtung des Ver- 
eines selber widmen konnte. 

Der Eindruck auf mich war weder gut noch schlecht; eine 
Neugründung, wie eben so viele andere auch. Es war ge- 
rade damals die Zeit, in der sich jeder berufen fühlte, eine 
neue Partei aufzumachen, der mit der bisherigen Entwick- 



238 Die „Deutsche Arbeiterpartei" 

lung nicht zufrieden war und zu den gegebenen Parteien 
kein Vertrauen mehr besaß. So schössen denn überall diese 
Vereine nur so aus dem Boden, um nach einiger Zeit sang- 
und klanglos wieder zu verschwinden. Die Begründer be- 
saßen zumeist keine Ahnung davon, was es heißt, aus 
einem Verein eine Partei oder gar eine Bewegung zu 
machen. So erstickten diese Gründungen fast immer von 
selbst in ihrer lächerlichen Spießerhaftigkeit. 

Nicht anders beurteilte ich nach etwa zweistündigem Zu- 
hören die „Deutsche Arbeiterpartei". Als Feder endlich 
schloß, war ich froh. Ich hatte genug gesehen und wollte 
schon gehen, als die nun verkündete freie Aussprache mich 
doch bewog, noch zu bleiben. Allein auch hier schien alles 
bedeutungslos zu verlaufen, bis plötzlich ein „Professor" zu 
Worte kam, der erst an der Richtigkeit der Federschen 
Gründe zweifelte, sich dann aber - nach einer sehr guten 
Erwiderung Feders - plötzlich auf den „Boden der Tat- 
sachen" stellte, nicht aber ohne der jungen Partei auf das 
angelegentlichste zu empfehlen, als besonders wichtigen Pro- 
grammpunkt den Kampf um die „Lostrennung" Bayerns 
von „Preußen" aufzunehmen. Der Mann behauptete mit 
frecher Stirne, daß in diesem Falle sich besonders Deutsch- 
Österreich sofort an Bayern anschließen würde, daß der 
Friede dann viel besser würde und ähnlichen Unsinn mehr. 
Da konnte ich denn nicht anders, als mich ebenfalls zum 
Wort zu melden und dem gelahrten Herrn meine Meinung 
über diesen Punkt zu sagen - mit dem Erfolg, daß der 
Herr Vorredner, noch ehe ich fertig war, wie ein begossener 
Pudel das Lokal verließ. Als ich sprach, hatte man mit er- 
staunten Gesichtern zugehört, und erst als ich mich an- 
schickte, der Versammlung gute Nacht zu sagen und mich zu 
entfernen, kam mir noch ein Mann nachgesprungen, stellte 
sich vor (ich hatte den Namen gar nicht richtig verstanden) 
und drückte mir ein kleines Heftchen, ersichtlich eine poli- 
tische Broschüre, in die Hand, mit der dringenden Bitte, 
diese doch ja zu lesen. 

Das war mir sehr angenehm, denn nun durfte ich hoffen, 
vielleicht auf einfachere Weise den langweiligen Verein 



Die „Deutsche Arbeiterpartei" 239 

kennenzulernen, ohne noch weiterhin so interessante Ver- 
sammlungen besuchen zu müssen. Im übrigen hatte dieser 
augenscheinliche Arbeiter auf mich einen guten Eindruck 
gemacht. Damit also ging ich. 

Ich wohnte zu jener Zeit noch in der Kaserne des 2. In- 
fanterieregiments, in einem kleinen Stübchen, das die 
Spuren der Revolution noch sehr deutlich an sich trug. Tags- 
über war ich fort, meistens bei dem Schützenregiment 41 
oder auch in Versammlungen, auf Vorträgen bei irgend- 
einem anderen Truppenteil usw. Nur nachts schlief ich in 
meiner Behausung. Da ich jeden Morgen früh schon vor 
5 Uhr aufzuwachen pflegte, hatte ich mir die Spielerei an- 
gewöhnt, den Mäuslein, die in der kleinen Stube ihre 
Unterhaltung trieben, ein paar Stücklein harte Brotreste 
oder -rinden auf den Fußboden zu legen und nun zuzu- 
sehen, wie sich die possierlichen Tierchen um diese paar 
Leckerbissen herumjagten. Ich hatte in meinem Leben 
schon so viel Not gehabt, daß ich mir den Hunger und daher 
auch das Vergnügen der kleinen Wesen nur zu gut vor- 
zustellen vermochte. 

Auch am Morgen nach dieser Versammlung lag ich gegen 
5 Uhr wach in der Klappe und sah dem Treiben und Ge- 
husche zu. Da ich nicht mehr einschlafen konnte, erinnerte ich 
mich plötzlich des vergangenen Abends, und nun fiel mir 
das Heft ein, das mir der eine Arbeiter mitgegeben hatte. 
So begann ich zu lesen. Es war eine kleine Broschüre, in der 
der Verfasser, eben dieser Arbeiter, schilderte, wie er aus 
dem Wirrwarr marxistischer und gewerkschaftlicher Phrasen 
wieder zu nationalem Denken gelangte; daher auch der 
Titel „Mein politisches Erwachen". Da ich erst angefangen 
hatte, las ich das Schriftchen mit Interesse durch; spiegelte 
sich ja in ihm ein Vorgang ab, den ich ähnlich zwölf Jahre 
vorher am eigenen Leibe auch durchzumachen hatte. Unwill- 
kürlich sah ich meine eigene Entwicklung wieder vor mir 
lebendig werden. Ich dachte im Laufe des Tages noch einige 
Male über die Sache nach und wollte sie endlich schon wie- 
der beiseitelegen, als ich noch keine Woche später zu meinem 
Erstaunen eine Postkarte erhielt des Inhalts, daß ich in 



240 Die „Ausschußsitzung" 

die „Deutsche Arbeiterpartei" aufgenommen wäre: ich 
möchte mich dazu äußern und deshalb am nächsten Mitt- 
woch zu einer Ausschußsitzung dieser Partei kommen. 

Ich war über diese Art, Mitglieder zu „gewinnen", aller- 
dings mehr als erstaunt und wußte nicht, ob ich mich dar- 
über ärgern oder ob ich dazu lachen sollte. Ich dachte ja 
gar nicht daran, zu einer fertigen Partei zu gehen, sondern 
wollte meine eigene gründen. Dieses Ansinnen kam für 
mich wirklich nicht in Frage. 

Schon wollte ich meine Antwort den Herren schriftlich 
zugehen lassen, als die Neugierde siegte und ich mich ent- 
schloß, am festgelegten Tage zu erscheinen, um meine 
Gründe mündlich auseinanderzulegen. 

Der Mittwoch kam. Der Gasthof, in dem die bewußte 
Sitzung stattfinden sollte, war das „Alte Rosenbad" in der 
Herrnstraße; ein sehr ärmliches Lokal, in das sich nur alle 
heiligen Zeiten jemand zu verirren schien. Kein Wunder 
im Jahre 1919, da der Speisezettel auch der größeren Gast- 
stätten nur sehr bescheiden und dürftig anzulocken ver- 
mochte. Diese Wirtschaft aber kannte ich bis dorthin über- 
haupt nicht. 

Ich ging durch das schlecht beleuchtete Gastzimmer, in dem 
kein Mensch saß, suchte die Türe zum Nebenraum und hatte 
dann die „Tagung" vor mir. Im Zwielicht einer halb demo- 
lierten Gaslampe saßen an einem Tisch vier junge Men- 
schen, darunter auch der Verfasser der kleinen Broschüre, 
der mich sofort auf das freudigste begrüßte und als neues 
Mitglied der „Deutschen Arbeiterpartei" willkommen hieß. 

Ich war nun doch etwas verblüfft. Da mir mitgeteilt 
wurde, daß der eigentliche „Reichsvorsitzende" erst komme, 
so wollte ich auch mit meiner Erklärung noch warten. End- 
lich erschien dieser. Es war der Leitende der Versammlung 
im Sterneckerbräu anläßlich des Federschen Vortrags. 

Ich war unterdessen wieder neugierig geworden und 
harrte der Dinge, die da kommen sollten. Nun lernte ich 
wenigstens die Namen der einzelnen Herren kennen. Der 
Vorsitzende der „Reichsorganisation" war ein Herr Harrer, 
der von München Anton Drexler. 



Die „Ausschußsitzung" 241 

Es wurde nun das Protokoll der letzten Sitzung verlesen 
und dem Schriftführer das Vertrauen ausgesprochen. Dann 
kam der Kassenbericht an die Reihe - es befanden sich in 
dem Besitze des Vereins insgesamt 7 Mark und 50 Pfen- 
nig -, wofür der Kassier die Versicherung allseitigen Ver- 
trauens erhielt. Dies wurde wieder zu Protokoll gebracht. 
Dann kamen vom 1. Vorsitzenden die Antworten auf einen 
Brief aus Kiel, einen aus Düsseldorf und einen aus Ber- 
lin zur Verlesung, alles war mit ihnen einverstanden. Nun 
wurde der Einlauf mitgeteilt: ein Brief aus Berlin, einer 
aus Düsseldorf und einer aus Kiel, deren Ankunft mit gro- 
ßer Befriedigung aufgenommen zu werden schien. Man er- 
klärte diesen steigenden Briefverkehr als bestes und sicht- 
bares Zeichen der umsichgreifenden Bedeutung der „Deut- 
schen Arbeiterpartei", und dann - dann fand eine lange 
Beratung über die zu erteilenden neuen Antworten statt. 

Fürchterlich, fürchterlich! Das war ja eine Vereinsmeierei 
allerärgster Art und Weise. In diesen Klub also sollte ich 
eintreten? 

Dann kamen die Neuaufnahmen zur Sprache, das heißt: 
es kam meine Einfangung zur Behandlung. 

Ich begann nun zu fragen - jedoch außer einigen Leit- 
sätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flug- 
blatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten, 
ja nicht einmal ein armseliger Stempel, nur ersichtlich 
guter Glaube und guter Wille. 

Mir war das Lächeln wieder vergangen, denn was war 
dies anderes als das typische Zeichen der vollkommenen 
Ratlosigkeit und des gänzlichen Verzagtseins über alle 
die bisherigen Parteien, ihr Programme, ihre Absichten 
und ihre Tätigkeit? Was diese paar jungen Menschen da 
zusammentrieb, zu einem äußerlich so lächerlichen Tun, war 
doch nur der Ausfluß ihrer inneren Stimme, die ihnen, 
wohl mehr gefühlsmäßig als bewußt, das ganze bisherige 
Parteiwesen als nicht mehr geeignet zu einer Erhebung der 
deutschen Nation sowie zur Heilung ihrer inneren Schäden 
erscheinen ließ. Ich las mir schnell die Leitsätze durch, die in 
Maschinenschrift vorlagen, und ersah auch aus ihnen mehr 



242 Eine Entscheidung für immer 

ein Suchen als ein Wissen. Vieles war da verschwommen 
oder unklar, manches fehlte, aber nichts war vorhanden, 
das nicht wieder als Zeichen einer ringenden Erkenntnis 
hätte gelten können. 

Was diese Menschen empfanden, das kannte auch ich: es 
war die Sehnsucht nach einer neuen Bewegung, die mehr 
sein sollte als Partei im bisherigen Sinne des Wortes. 

Als ich an diesem Abend wieder nach der Kaserne ging, 
hatte ich mir mein Urteil über diesen Verein schon gebildet. 

Ich stand vor der wohl schwersten Frage meines Lebens: 
sollte ich hier beitreten, oder sollte ich ablehnen? 

Die Vernunft konnte nur zur Ablehnung raten, das Ge- 
fühl aber ließ mich nicht zur Ruhe kommen, und je öfter ich 
mir die Unsinnigkeit dieses ganzen Klubs vor Augen zu 
halten versuchte, um so öfter sprach wieder das Gefühl dafür. 

In den nächsten Tagen war ich ruhelos. 

Ich begann hin und her zu überlegen. Mich politisch zu 
betätigen, war ich schon längst entschlossen; daß dies nur in 
einer neuen Bewegung zu geschehen vermochte, war mir 
ebenso klar, nur der Anstoß zur Tat hatte mir bis dahin 
immer noch gefehlt. Ich gehörte nicht zu den Menschen, die 
heute etwas beginnen, um morgen wieder zu enden und, 
wenn möglich, zu einer neuen Sache überzugehen. Gerade 
diese Überzeugung aber war mit der Hauptgrund, warum 
ich mich so schwer zu einer solchen neuen Gründung zu ent- 
schließen vermochte, die entweder alles werden mußte oder 
sonst zweckmäßigerweise überhaupt unterblieb. Ich wußte, 
daß dies für mich eine Entscheidung für immer werden 
würde, bei der es ein „Zurück" niemals geben könnte. 
Für mich war es dann keine vorübergehende Spielerei, son- 
dern blutiger Ernst. Ich habe schon damals immer eine in- 
stinktive Abneigung gegenüber Menschen besessen, die alles 
beginnen, ohne auch nur etwas durchzuführen. Diese Hans- 
dampfe in allen Gassen waren mir verhaßt. Ich hielt die 
Tätigkeit dieser Leute für schlechter als Nichtstun. 

Das Schicksal selbst schien mir jetzt einen Fingerzeig zu 
geben. Ich wäre nie zu einer der bestehenden großen Par- 
teien gegangen und werde die Gründe dafür noch näher 



Ein Namenloser 243 



klarlegen. Diese lächerliche kleine Schöpfung mit ihren paar 
Mitgliedern schien mir den einen Vorzug zu besitzen, noch 
nicht zu einer „Organisation" erstarrt zu sein, sondern die 
Möglichkeit einer wirklichen persönlichen Tätigkeit dem ein- 
zelnen freizustellen. Hier konnte man noch arbeiten, und je 
kleiner die Bewegung war, um so eher war sie noch in die 
richtige Form zu bringen. Hier konnte noch der Inhalt, 
das Ziel und der Weg bestimmt werden, was bei den be- 
stehenden großen Parteien von Anfang an schon wegfiel. 

Je länger ich nachzudenken versuchte, um so mehr wuchs 
in mir die Überzeugung, daß gerade aus einer solchen 
kleinen Bewegung heraus dereinst die Erhebung der Nation 
vorbereitet werden konnte - niemals aber mehr aus den 
viel zu sehr an alten Vorstellungen hängenden oder gar 
am Nutzen des neuen Regiments teilnehmenden politischen 
Parlamentsparteien. Denn was hier verkündet werden 
mußte, war eine neue Weltanschauung und nicht eine neue 
Wahlparole. 

Allerdings ein unendlich schwerer Entschluß, diese Ab- 
sicht in die Wirklichkeit umsetzen zu wollen. 

Welche Vorbedingungen brachte ich denn selber zu dieser 
Aufgabe mit? 

Daß ich mittellos und arm war, schien mir noch das am 
leichtesten zu Ertragende zu sein, aber schwerer war es, 
daß ich nun einmal zu den Namenlosen zählte, einer von 
den Millionen war, die der Zufall eben leben läßt oder 
aus dem Dasein wieder ruft, ohne daß auch nur die nächste 
Umwelt davon Kenntnis zu nehmen geruht. Dazu kam 
noch die Schwierigkeit, die sich aus meinem Mangel an 
Schulen ergeben mußte. 

Die sogenannte „Intelligenz" sieht ja ohnehin immer mit 
einer wahrhaft unendlichen Herablassung auf jeden her- 
unter, der nicht durch die obligaten Schulen durchgezogen 
wurde und sich das nötige Wissen einpumpen ließ. Die 
Frage lautet ja doch nie: Was kann der Mensch, sondern: 
Was hat er gelernt? Diesen „Gebildeten" gilt der größte 
Hohlkopf, wenn er nur in genügend Zeugnisse eingewickelt 
ist, mehr als der hellste Junge, dem diese kostbaren Tüten 



244 Mitglied Nummer sieben 

eben fehlen. Ich konnte mir also leicht vorstellen, wie mir 
diese „gebildete" Welt entgegentreten würde, und habe 
mich dabei auch nur insofern getäuscht, als ich die Men- 
schen damals doch noch für besser hielt, als sie leider in der 
nüchternen Wirklichkeit zum großen Teil sind. So wie sie 
sind, erstrahlen freilich die Ausnahmen, wie überall, immer 
heller. Ich aber lernte dadurch immer zwischen den ewigen 
Schülern und dem wirklichen Könnern zu unterscheiden. 

Nach zweitägigem qualvollen Nachgrübeln und Über- 
legen kam ich endlich zur Überzeugung, den Schritt tun zu 
müssen. 

Es war der entscheidendste Entschluß meines Lebens. 

Ein Zurück konnte und durfte es nicht mehr geben. 

So meldete ich mich als Mitglied der „Deutschen Ar- 
beiterpartei" an und erhielt einen provisorischen Mitglieds- 
schein mit der Nummer: sieben. 



10. Kapitel 
Ursachen des Zusammenbruchs 

Die Tiefe des Falles irgendeines Körpers ist immer 
das Maß der Entfernung seiner augenblicklichen Lage 
von der ursprünglich eingenommenen. Dasselbe gilt auch 
über den Sturz von Völkern und Staaten. Damit aber 
kommt der vorherigen Lage oder besser Höhe eine aus- 
schlaggebende Bedeutung zu. Nur was sich über die allge- 
meine Grenze zu heben pflegt, kann auch ersichtlich tief 
fallen und stürzen. Das macht für jeden Denkenden und 
Fühlenden den Zusammenbruch des Reiches so schwer und 
entsetzlich, daß er den Sturz aus einer Höhe brachte, die 
heute, angesichts des Jammers der jetzigen Erniedrigung, 
kaum mehr vorstellbar ist. 

Schon die Begründung des Reiches schien umgoldet vom 
Zauber eines die ganze Nation erhebenden Geschehens. 
Nach einem Siegeslauf ohnegleichen erwächst endlich als 
Lohn unsterblichen Heldentums den Söhnen und Enkeln 
ein Reich. Ob bewußt oder unbewußt, ganz einerlei, die 
Deutschen hatten alle das Gefühl, daß dieses Reich, das sein 
Dasein nicht dem Gemogel parlamentarischer Fraktionen 
verdankte, eben schon durch die erhabene Art der Grün- 
dung über das Maß sonstiger Staaten emporragte; denn 
nicht im Geschnatter einer parlamentarischen Redeschlacht, 
sondern im Donner und Dröhnen der Pariser Einschlie- 
ßungsfront vollzog sich der feierliche Akt einer Willens- 
bekundung, daß die Deutschen, Fürsten und Volk, ent- 
schlossen seien, in Zukunft ein Reich zu bilden und aufs 
neue die Kaiserkrone zum Symbol zu erheben. Und nicht 
durch Meuchelmord war es geschehen, nicht Deserteure und 
Drückeberger waren die Begründer des Bismarckschen 
Staates, sondern die Regimenter der Front. 



246 Die Vorzeichen des Zusammenbruchs 

Diese einzige Geburt und feurige Taufe allein schon um- 
woben das Reich mit dem Schimmer eines historischen Ruh- 
mes, wie er nur den ältesten Staaten - selten - zuteil zu 
werden vermochte. 

Und welch ein Aufstieg setzte nun ein! 

Die Freiheit nach Außen gab das tägliche Brot im 
Innern. Die Nation wurde reich an Zahl und irdischen 
Gütern. Die Ehre des Staates aber und mit ihr die des 
ganzen Volkes war gehütet und beschirmt durch ein Heer, 
das am sichtbarsten den Unterschied zum einstigen deut- 
schen Bunde aufzuzeigen vermochte. 

So tief ist der Sturz, der das Reich und das deutsche 
Volk trifft, daß alles, wie vom Schwindel erfaßt, zunächst 
Gefühl und Besinnung verloren zu haben scheint; man kann 
sich kaum mehr der früheren Höhe erinnern, so traumhaft 
unwirklich gegenüber dem heutigen Elend erscheint die 
damalige Größe und Herrlichkeit. 

So ist es denn auch erklärlich, daß man nur zu sehr ge- 
blendet wird vom Erhabenen und dabei vergißt, nach den 
Vorzeichen des ungeheuren Zusammenbruchs zu suchen, die 
doch irgendwie schon vorhanden gewesen sein mußten. 

Natürlich gilt das nur für die, denen Deutschland mehr 
war als ein reiner Aufenthaltsraum zum Geldverdienen 
und -verzehren, da ja nur sie den heutigen Zustand als 
Zusammenbruch zu empfinden vermögen, während er den 
anderen die längst ersehnte Erfüllung ihrer bisher un- 
gestillten Wünsche ist. 

Die Vorzeichen aber waren damals sichtbar vorhanden, 
wenn auch nur sehr wenige versuchten, aus ihnen eine 
gewisse Lehre zu ziehen. 

Heute aber ist dies nötiger denn je. 

So wie man zur Heilung einer Krankheit nur zu kom- 
men vermag, wenn der Erreger derselben bekannt ist, so 
gilt das gleiche auch vom Heilen politischer Schäden. Frei- 
lich pflegt man die äußere Form einer Krankheit, ihre in 
das Auge stechende Erscheinung, leichter zu sehen und zu 
entdecken als die innere Ursache. Dies ist ja der Grund, 
warum so viele Menschen über die Erkenntnis äußerer 



Die Vorzeichen des Zusammenbruchs 247 

Wirkungen überhaupt nicht hinauskommen und sie sogar mit 
der Ursache verwechseln, ja das Vorhandensein einer sol- 
chen am liebsten ganz zu leugnen versuchen. So sehen auch 
jetzt die meisten unter uns den deutschen Zusammenbruch 
in erster Linie nur in der allgemeinen wirtschaftlichen Not 
und den daraus sich ergebenden Folgen. Diese hat fast 
jeder persönlich mit zu tragen - ein triftiger Grund also 
zum Verstehen der Katastrophe für jeden einzelnen. Viel 
weniger aber sieht die große Masse den Zusammenbruch 
in politischer, kultureller, sittlich-moralischer Hinsicht. Hier 
versagen bei vielen das Gefühl und auch der Verstand 
vollkommen. 

Daß dies bei der großen Masse so ist, mag noch hingehen, 
daß aber auch in Kreisen der Intelligenz der deutsche 
Zusammenbruch in erster Linie als „wirtschaftliche Kata- 
strophe" angesehen und mithin die Heilung von der Wirt- 
schaft erwartet wird, ist mit eine der Ursachen, warum es 
bisher gar nicht zu einer Genesung kommen konnte. Erst 
dann, wenn man begreift, daß auch hier der Wirtschaft nur 
die zweite oder gar dritte Rolle zufällt und politischen, 
sittlich-moralischen sowie blutsmäßigen Faktoren die erste, 
wird man zu einem Verstehen der Ursachen des heutigen 
Unglücks kommen und damit auch die Mittel und Wege zu 
einer Heilung zu finden vermögen. 

Die Frage nach den Ursachen des deutschen Zusammen- 
bruchs ist mithin von ausschlaggebender Bedeutung, vor 
allem für eine politische Bewegung, deren Ziel ja eben 
die Überwindung der Niederlage sein soll. 

Aber auch bei einem solchen Forschen in der Vergangen- 
heit muß man sich sehr hüten, die mehr in das Auge sprin- 
genden Wirkungen mit den weniger sichtbaren Ursachen zu 
verwechseln. 

Die leichteste und daher auch am meisten verbreitete Be- 
gründung des heutigen Unglücks ist die, daß es sich dabei 
um die Folgen des eben verlorenen Krieges handle, mit- 
hin dieser die Ursache des jetzigen Unheils sei. 

Es mag viele geben, die diesem Unsinn ernstlich glauben 
werden, es gibt aber noch mehr, aus deren Munde eine 



248 Die Vorzeichen des Zusammenbruchs 

solche Begründung nur Lüge und bewußte Unwahrheit sein 
kann. Dieses letztere gilt für alle heute an den Futterkrip- 
pen der Regierung Befindlichen. Denn haben nicht ge- 
rade die Verkünder der Revolution einst dem Volke immer 
wieder auf das angelegentlichste vorgehalten, daß es sich 
für die breite Masse ganz gleichbleibe, wie dieser Krieg 
ausgehe? Haben sie nicht im Gegenteil auf das ernsteste 
versichert, daß höchstens der „Großkapitalist" ein Interesse 
an der siegreichen Beendigung des ungeheuren Völker- 
ringens haben könne, niemals aber das deutsche Volk an 
sich oder gar der deutsche Arbeiter? Ja, erklärten denn 
diese Weltversöhnungsapostel nicht gerade im Gegenteil, 
daß durch die deutsche Niederlage nur der „Militarismus" 
vernichtet, das deutsche Volk aber seine herrlichste Auf- 
erstehung feiern würde? Pries man denn nicht in diesen 
Kreisen die Güte der Entente und schob man dort nicht 
die Schuld des ganzen blutigen Ringens auf Deutschland? 
Hätte man es aber zu tun vermocht ohne die Erklärung, 
daß auch die militärische Niederlage für die Nation ohne 
besondere Folgen sein würde? War denn nicht die ganze 
Revolution mit der Phrase verbrämt, daß durch sie der 
Sieg der deutschen Fahne verhindert würde, dadurch aber 
das deutsche Volk seiner inneren und auch äußeren Frei- 
heit erst recht entgegengehen werde? 

War dies etwa nicht so, ihr elenden und verlogenen 
Burschen? 

Es gehört schon eine wahrhaft jüdische Frechheit dazu, 
nun der militärischen Niederlage die Schuld am Zusam- 
menbruch beizumessen, während das Zentralorgan aller 
Landesverräter, der Berliner „Vorwärts", doch schrieb, 
daß das deutsche Volk dieses Mal seine Fahne nicht mehr 
siegreich nach Hause bringen dürfe! 

Und jetzt soll es der Grund unseres Zusammenbruches 
sein? 

Es wäre natürlich ganz wertlos, mit solchen vergeßlichen 
Lügnern streiten zu wollen, und ich würde deshalb auch 
gar keine Worte darüber verlieren, wenn nicht dieser Un- 
sinn leider auch von so vielen völlig gedankenlosen Men- 



Die Schuldigen am Zusammenbruch 249 

sehen nachgeplappert würde, ohne daß gerade Bosheit oder 
bewußte Unwahrhaftigkeit dazu die Veranlassung gäben. 
Weiter auch sollen diese Erörterungen für unsere Kämpfer 
der Aufklärung Hilfsmittel bieten, die ohnehin sehr nötig 
sind in einer Zeit, da einem das gesprochene Wort oft schon 
im Munde verdreht zu werden pflegt. 

So ist zu der Behauptung, der verlorene Krieg trage 
die Schuld am deutschen Zusammenbruche, folgendes zu 
sagen: 

Allerdings war der Verlust des Krieges von einer ent- 
setzlichen Bedeutung für die Zukunft unseres Vaterlandes, 
allein sein Verlust ist nicht eine Ursache, sondern selber nur 
wieder eine Folge von Ursachen. Daß ein unglückliches 
Ende dieses Kampfes auf Leben und Tod zu sehr ver- 
heerenden Folgen führen mußte, war ja jedem Einsichtigen 
und nicht Böswilligen vollkommen klar. Leider aber gab 
es auch Menschen, denen diese Einsicht zur richtigen Zeit zu 
fehlen schien, oder die, entgegen ihrem besseren Wissen, 
dennoch diese Wahrheit erst abstritten und wegleugneten. 
Das waren zum größten Teil diejenigen, die nach der 
Erfüllung ihres geheimen Wunsches auf einmal die späte 
Einsicht in die Katastrophe, die durch sie mit angerichtet 
wurde, erhielten. Sie aber sind die Schuldigen am Zusam- 
menbruch und nicht der verlorene Krieg, wie sie plötzlich 
zu sagen und zu wissen belieben. Denn der Verlust des- 
selben war ja nur die Folge ihres Wirkens und nicht, wie sie 
jetzt behaupten wollen, das Ergebnis einer „schlechten" 
Führung. Auch der Gegner bestand nicht aus Feiglingen, 
auch er wußte zu sterben, seine Zahl war vom ersten Tage 
an größer als die des deutschen Heeres, und seiner tech- 
nischen Rüstung standen die Arsenale der ganzen Welt zur 
Verfügung; mithin kann die Tatsache, daß die deutschen 
Siege, die vier Jahre lang gegen eine ganze Welt erfoch- 
ten wurden, bei allem Heldenmut und aller „Organisa- 
tion", nur der überlegenen Führung zu verdanken waren, 
nicht aus der Welt geleugnet werden. Die Organisation 
und Leitung des deutschen Heeres waren das Gewaltigste, 
was die Erde bisher je gesehen. Ihre Mängel lagen in 



250 Gehen Völker an verlorenen Kriegen zugrunde? 

der Grenze der allgemeinen menschlichen Zulänglichkeit 
überhaupt. 

Daß dieses Heer zusammenbrach, war nicht die Ursache 
unseres heutigen Unglücks, sondern nur die Folge anderer 
Verbrechen, eine Folge, die allerdings selber wieder den 
Beginn eines weiteren und dieses Mal sichtbaren Zusam- 
menbruchs einleitete. 

Daß dem so ist, geht aus folgendem hervor: 

Muß eine militärische Niederlage zu einem so restlosen 
Niederbruch einer Nation und eines Staates führen? Seit 
wann ist dies das Ergebnis eines unglücklichen Krieges? 
Gehen denn überhaupt Völker an verlorenen Kriegen an 
und für sich zugrunde? 

Die Antwort darauf kann sehr kurz sein: Immer dann, 
wenn Völker in ihrer militärischen Niederlage die Quit- 
tung für ihre innere Fäulnis, Feigheit, Charakterlosigkeit, 
kurz Unwürdigkeit erhalten. Ist es nicht so, dann wird die 
militärische Niederlage eher zum Antrieb eines kommenden 
größeren Aufstieges als zum Leichenstein eines Völkerdaseins. 

Die Geschichte bietet unendlich viele Beispiele für die 
Richtigkeit dieser Behauptung. 

Leider ist die militärische Niederlage des deutschen 
Volkes nicht eine unverdiente Katastrophe, sondern eine 
verdiente Züchtigung der ewigen Vergeltung. Wir haben 
diese Niederlage mehr als verdient. Sie ist nur die größte 
äußere Verfallserscheinung unter einer Reihe von 
inneren, die vielleicht in ihrer Sichtbarkeit den Augen der 
meisten Menschen verborgen geblieben waren, oder die 
man nach der Vogel-Strauß-Manier nicht sehen wollte. 

Man beachte doch einmal die Begleiterscheinungen, unter 
denen das deutsche Volk diese Niederlage entgegennahm. 
Hatte man nicht in vielen Kreisen in der schamlosesten 
Weise geradezu Freude über das Unglück des Vaterlandes 
geäußert? Wer aber tut dieses, wenn er nicht wirklich 
eine solche Strafe verdient? Ja, ging man nicht noch 
weiter und rühmte sich, die Front endlich zum Weichen 
gebracht zu haben? Und diese tat nicht etwa der Feind, 
nein, nein, solche Schande luden Deutsche auf ihr Haupt! 



Von den Deutschen jeder Dritte ein Verräter 251 

Traf sie etwa das Unglück zu Unrecht? Seit wann aber geht 
man dann noch her und mißt sich selbst auch noch die Schuld 
am Kriege zu? Und zwar wider bessere Erkenntnis und 
besseres Wissen! 

Nein und nochmals nein: In der Art und Weise, in der 
das deutsche Volk seine Niederlage entgegennahm, vermag 
man am deutlichsten zu erkennen, daß die wahre Ursache 
unseres Zusammenbruches ganz woanders zu suchen ist 
als in dem rein militärischen Verlust einiger Stellungen 
oder dem Mißlingen einer Offensive; denn hätte wirklich 
die Front als solche versagt und wäre durch ihr Unglück 
das Verhängnis des Vaterlandes hervorgerufen worden, 
so würde das deutsche Volk die Niederlage ganz anders auf- 
genommen haben. Dann hätte man das nun folgende Un- 
glück mit zusammengebissenen Zähnen ertragen oder von 
Schmerz überwältigt beklagt; dann würden Wut und Zorn 
die Herzen erfüllt haben gegen den durch die Tücke des 
Zufalls oder auch des Schicksals Willen zum Sieger gewor- 
denen Feind; dann wäre die Nation ähnlich dem römischen 
Senat den geschlagenen Divisionen entgegengetreten mit 
dem Danke des Vaterlandes für die bisherigen Opfer 
und der Bitte, am Reiche nicht zu verzweifeln. Selbst die 
Kapitulation aber wäre nur mit dem Verstände unter- 
zeichnet worden, während das Herz schon der kommenden 
Erhebung geschlagen hätte. 

So würde eine Niederlage aufgenommen worden sein, 
die nur dem Verhängnis allein zu danken gewesen wäre. 
Dann hätte man nicht gelacht und getanzt, hätte sich nicht 
der Feigheit gerühmt und die Niederlage verherrlicht, hätte 
nicht die kämpfende Truppe verhöhnt und ihre Fahne und 
Kokarde in den Schmutz gezerrt, vor allem aber: dann 
wäre es nie zu jener entsetzlichen Erscheinung gekommen, 
die einen englischen Offizier, Oberst Repington, zu der ver- 
ächtlichen Äußerung veranlaßte: „Von den Deutschen ist 
jeder dritte Mann ein Verräter." Nein, diese Pest hätte 
dann niemals zu jener erstickenden Flut anzusteigen ver- 
mocht, die nun seit fünf Jahren aber auch den letzten Rest 
von Achtung auf Seiten der übrigen Welt für uns ertränkte. 



252 Moralische Entwaffnung des gefährlichen Anklägers 

Daran sieht man die Lüge der Behauptung, daß der ver- 
lorene Krieg die Ursache des deutschen Zusammenbruchs 
wäre, am allerbesten. Nein, dieser militärische Zusammen- 
bruch war selber nur die Folge einer ganzen Reihe von 
Krankheitserscheinungen und ihrer Erreger, die schon in 
der Zeit des Friedens die deutsche Nation heimgesucht 
hatten. Es war dies die erste allen sichtbare katastrophale 
Folge einer sittlichen und moralischen Vergiftung, einer 
Minderung des Selbsterhaltungstriebes und der Voraus- 
setzungen hierzu, die schon seit vielen Jahren die Funda- 
mente des Volkes und Reiches zu unterhöhlen begonnen 
hatten. 

Es gehörte aber die ganze bodenlose Verlogenheit des 
Judentums und seiner marxistischen Kampforganisation 
dazu, die Schuld am Zusammenbruche gerade dem Manne 
aufzubürden, der als einziger mit übermenschlicher Wil- 
lens- und Tatkraft versuchte, die von ihm vorausgesehene 
Katastrophe zu verhüten und der Nation die Zeit der tief- 
sten Erniedrigung und Schmach zu ersparen. Indem man 
Ludendorff zum Schuldigen am Verluste des Weltkrieges 
stempelte, nahm man dem einzigen gefährlichen Ankläger, 
der gegen die Verräter des Vaterlandes aufzustehen ver- 
mochte, die Waffen des moralischen Rechtes aus der Hand. 
Man ging dabei von dem sehr richtigen Grundsatze aus, 
daß in der Größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des 
Geglaubtwerdens liegt, da die breite Masse eines Volkes 
im tiefsten Grunde ihres Herzens leichter verdorben als 
bewußt und absichtlich schlecht sein wird, mithin bei der 
primitiven Einfalt ihres Gemütes einer großen Lüge leich- 
ter zum Opfer fällt als einer kleinen, da sie selber ja wohl 
manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu großen Lügen sich 
doch zu sehr schämen würde. Eine solche Unwahrheit wird 
ihr gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an die 
Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten 
Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja 
selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und 
schwanken und wenigstens irgendeine Ursache doch noch 
als wahr annehmen: daher denn auch von der frechsten 



Katastrophe besser als schleichende Krankheit 253 

Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird - 
eine Tatsache, die alle großen Lügenkünstler und Lügen- 
vereine dieser Welt nur zu genau kennen und deshalb auch 
niederträchtig zur Anwendung bringen. 

Die besten Kenner aber dieser Wahrheit über die Mög- 
lichkeiten der der Anwendung von Unwahrheit und Verleum- 
dungen waren zu allen Zeiten die Juden; ist doch ihr ganzes 
Dasein schon auf einer einzigen großen Lüge aufgebaut, 
nämlich der, daß es sich bei ihnen um eine Religionsgenos- 
senschaft handle, während es sich um eine Rasse - und 
zwar was für eine - dreht. Als solche aber hat sie einer 
der größten Geister der Menschheit für immer festgenagelt 
in einem ewig richtigen Satze von fundamentaler Wahr- 
heit: er nannte sie „die großen Meister der Lüge". Wer 
dieses nicht erkennt oder nicht glauben will, der wird nim- 
mermehr auf dieser Welt der Wahrheit zum Siege zu ver- 
helfen vermögen. 

Für das deutsche Volk darf man es fast als ein großes 
Glück betrachten, daß die Zeit seiner schleichenden Er- 
krankung plötzlich in einer so furchtbaren Katastrophe ab- 
gekürzt wurde, denn im anderen Falle wäre die Nation 
wohl langsamer, aber um so sicherer zugrunde gegangen. 
Die Krankheit wäre zu einer chronischen geworden, wäh- 
rend sie in der akuten Form des Zusammenbruches minde- 
stens den Augen einer größeren Menge klar und deutlich 
erkennbar wurde. Der Mensch wurde nicht durch Zufall der 
Pest leichter Herr als der Tuberkulose. Die eine kommt 
in schrecklichen, die Menschheit aufrüttelnden Todeswellen, 
die andere im langsamem Schleichen; die eine führt zur ent- 
setzlichen Furcht, die andere zur allmählichen Gleichgültig- 
keit. Die Folge aber ist, daß der Mensch der einen mit der 
ganzen Rücksichtslosigkeit seiner Energie entgegentrat, 
während er die Schwindsucht mit schwächlichen Mitteln 
einzudämmen versucht. So wurde er der Pest Herr, während 
die Tuberkulose ihn selber beherrscht. 

Genau so verhält es sich auch mit Erkrankungen von 
Volkskörpern. Wenn sie nicht katastrophal auftreten, be- 
ginnt sich der Mensch langsam an sie zu gewöhnen und geht 



254 Krankheitserreger und -erscheinungen 

endlich an ihnen, wenn auch erst nach Zeiten, so doch um 
so gewisser, zugrunde. Es ist dann schon ein - freilich bit- 
teres - Glück, wenn das Schicksal sich entschließt, in diesen 
langsamen Fäulnisprozeß einzugreifen und mit plötzlichem 
Schlage das Ende der Krankheit dem von ihr Erfaßten vor 
Augen führt. Denn darauf kommt eine solche Katastrophe 
öfter als einmal hinaus. Sie kann dann leicht zur Ur- 
sache einer nun mit äußerster Entschlossenheit einsetzenden 
Heilung werden. 

Aber auch in einem solchen Falle ist die Voraus- 
setzung doch wieder das Erkennen der inneren Gründe, 
die zu der in Frage stehenden Erkrankung die Veranlas- 
sung gaben. 

Das Wichtigste bleibt auch hier die Unterscheidung der 
Erreger von den durch sie hervorgerufenen Zuständen. 
Diese wird um so schwerer werden, je länger die Krank- 
heitsstoffe in dem Volkskörper sich befinden und je mehr 
sie diesem schon zu einer selbstverständlichen Zugehörig- 
keit geworden waren. Denn es kann sehr leicht vorkom- 
men, daß man nach einer bestimmten Zeit unbedingt schäd- 
liche Gifte als Bestandteil des eigenen Volkstums ansieht 
oder doch höchstens als notwendiges Übel duldet, so daß 
ein Suchen nach dem fremden Erreger gar nicht mehr für 
notwendig erachtet wird. 

So waren im langen Frieden der Vorkriegsjahre sehr 
wohl gewisse Schäden aufgetreten und als solche erkannt 
worden, obwohl man sich um den Erreger derselben so gut 
wie gar nicht kümmerte, von einigen Ausnahmen abgesehen. 
Diese Ausnahmen waren auch hier wieder in erster Linie 
die Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens, die dem ein- 
zelnen stärker zum Bewußtsein kamen als etwa die Schäden 
auf einer ganzen Reihe von anderen Gebieten. 

Es gab viele Verfallszeichen, die zum ernsten Nachden- 
ken hätten anregen müssen. 

In wirtschaftlicher Hinsicht wäre hierzu folgendes zu 
sagen: 



Verfallszeichen im Vorkriegsdeutschland 255 

Durch die rasende Vermehrung der deutschen Volkszahl 
vor dem Kriege trat die Frage der Schaffung des nötigen 
täglichen Brotes in immer schärfer werdender Weise in den 
Vordergrund alles politischen und wirtschaftlichen Denkens 
und Handelns. Leider konnte man sich nicht entschließen, 
auf billigerem Wege das Ziel auch erreichen zu können. 
Der Verzicht auf die Gewinnung neuen Bodens und ihr 
Ersatz durch den Wahn einer weltwirtschaftlichen Erobe- 
rung mußte am Ende zu einer ebenso schrankenlosen wie 
schädlichen Industrialisierung führen. 

Die erste Folge von schwerster Bedeutung war die da- 
durch hervorgerufene Schwächung des Bauernstandes. In 
dem gleichen Maße, in dem dieser zurückging, wuchs die 
Masse des großstädtischen Proletariats immer mehr an, bis 
endlich das Gleichgewicht vollständig verloren wurde. 

Nun kam auch der schroffe Wechsel von arm und reich so 
beieinander, daß die Folgen davon sehr traurige sein 
konnten und mußten. Not und häufige Arbeitslosigkeit be- 
gannen ihr Spiel mit den Menschen und ließen als Er- 
innerung Unzufriedenheit und Erbitterung zurück. Die 
Folge davon schien die politische Klassenspaltung zu sein. 
Bei aller wirtschaftlichen Blüte wurde so der Unmut den- 
noch immer größer und tiefer, ja es kam so weit, daß die 
Überzeugung „es könne so nicht mehr lange weitergehen", 
eine allgemeine wurde, ohne daß aber die Menschen sich 
eine bestimmte Vorstellung von dem, was hätte kommen 
sollen, machten oder gar nur machen konnten. 

Es waren die typischen Zeichen einer tiefen Unzufrieden- 
heit, die auf solche Weise sich zu äußern versuchten. 

Schlimmer als diese aber waren andere Folgeerschei- 
nungen, die die Verwirtschaftlichung der Nation mit sich 
brachte. 

In eben dem Maße, in dem die Wirtschaft zur bestim- 
menden Herrin des Staates aufstieg, wurde das Geld der 
Gott, dem alles zu dienen und vor dem sich jeder zu 
beugen hatte. Immer mehr wurden die himmlischen Götter 



256 Die Herrschaft des Geldes 

als veraltet und überlebt in die Ecke gestellt und statt 
ihnen der Weihrauch dem Götzen Mammon dargebracht. 
Eine wahrhaft schlimme Entartung setzte ein, schlimm be- 
sonders deshalb, weil sie zu einer Zeit eintrat, da die 
Nation höchste heldische Gesinnung nötiger denn je brau- 
chen konnte. Deutschland mußte sich gefaßt machen, eines 
Tages mit dem Schwert für seinen Versuch, auf dem Wege 
einer „friedlichen, wirtschaftlichen Arbeit" sich das tägliche 
Brot zu sichern, einzustehen. 

Die Herrschaft des Geldes wurde leider auch von der 
Stelle aus sanktioniert, die sich am meisten dagegen hätte 
auflehnen müssen: Seine Majestät der Kaiser handelte un- 
glücklich, als er besonders den Adel in den Bannkreis des 
neuen Finanzkapitals hineinzog. Freilich mußte man ihm 
zugute rechnen, daß leider selbst Bismarck in dieser Hin- 
sicht die drohende Gefahr nicht erkannte. Damit aber waren 
die ideellen Tugenden praktisch hinter den Wert des Gel- 
des getreten, denn es war klar, daß, auf solchem Wege erst 
begonnen, der Schwertadel in kurzer Zeit schon hinter dem 
Finanzadel zurücktreten mußte. Geldoperationen gelingen 
leichter als Schlachten. So war es auch nicht mehr einladend 
für den wirklichen Helden oder auch Staatsmann, in Be- 
ziehung zum nächstbesten Bankjuden gebracht zu werden; 
der wirklich verdienstvolle Mann konnte kein Interesse an 
der Verleihung billiger Dekorationen mehr besitzen, son- 
dern lehnte dankend für sich ab. Aber auch rein blutsmäßig 
betrachtet war eine solche Entwicklung tief traurig: der 
Adel verlor immer mehr die rassische Voraussetzung zu sei- 
nem Dasein, und zu einem großen Teile wäre viel eher die 
Bezeichnung „Unadel" für ihn am Platze gewesen. 

Eine schwere wirtschaftliche Verfalls- 
erscheinung war das langsame Ausschei- 
den des persönlichen B e s i t z r e c h t e s und 
allmähliche Übergehen der gesamten Wirt- 
schaft in das Eigentum von Aktiengesell- 
schaften. 

Damit erst war die Arbeit so recht zum Spekulations- 



Internationalisierung über die Aktie 257 

objekt gewissenloser Schacherer herabgesunken; die Ent- 
fremdung des Besitzes gegenüber dem Arbeitnehmer aber 
wurde in das unendliche gesteigert. Die Börse begann zu 
triumphieren und schickte sich an, langsam, aber sicher das 
Leben der Nation in ihre Obhut und Kontrolle zu nehmen. 

Die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft war 
schon vor dem Kriege über dem Umwege der Aktie in die 
Wege geleitet worden. Freilich versuchte ein Teil der deut- 
schen Industrie, sich noch mit Entschiedenheit vor diesem 
Schicksale zu bewahren. Sie fiel schließlich aber auch dem 
vereinigten Angriff des gierigen Finanzkapitals, das diesen 
Kampf besonders mit Hilfe seines treuesten Genossen, der 
marxistischen Bewegung, ausfocht, zum Opfer. 

Der dauernde Krieg gegen die deutsche „Schwerindustrie" 
war der sichtbare Beginn der durch den Marxismus er- 
strebten Internationalisierung der deutschen Wirtschaft, 
die allerdings erst durch den Sieg des Marxismus in der 
Revolution ganz zu Ende geführt werden konnte. Wäh- 
rend ich dieses niederschreibe, ist ja endlich auch der 
Generalangriff gegen die deutsche Reichsbahn gelungen, 
die nun zu Händen des internationalen Finanzkapitals 
überwiesen wird. Die „internationale" Sozialdemokratie 
hat damit wieder eines ihrer Hochziele erreicht. 

Wie weit diese „Verwirtschaftung" des deutschen Volkes 
gelungen war, geht wohl am ersichtlichsten daraus hervor, 
daß endlich nach dem Kriege einer der führenden Köpfe 
der deutschen Industrie und vor allem des Handels die 
Meinung zu äußern vermochte, daß die Wirtschaft als solche 
allein in der Lage wäre, Deutschland wieder aufzurichten. 
Dieser Unsinn wurde in dem Augenblick verzapft, da Frank- 
reich den Unterricht seiner Lehranstalten in erster Linie 
wieder auf die humanistischen Grundlagen stellte, um so 
dem Irrtum vorzubeugen, als ob die Nation und der Staat 
ihr Fortbestehen etwa der Wirtschaft und nicht ewigen 
ideellen Werten verdanken. Die Äußerung, die damals 
ein Stinnes in die Welt setzte, richtete die unglaublichste 
Verwirrung an; wurde sie doch sofort aufgegriffen, um nun 
in staunenswerter Schnelligkeit zum Leitmotiv all der Kur- 

10 



258 Halbheit - Erziehungsfehler 

pfuscher und Salbader zu werden, die das Schicksal seit der 
Revolution als „Staatsmänner" über Deutschland los- 
gelassen hatte. 

Eine der bösesten Verfallserscheinun- 
gen war im Deutschland der Vorkriegszeit 
die allenthalben immer mehr um sich grei- 
fende Halbheit in allem und jedem. Sie ist 
immer eine Folge von eigener Unsicherheit über irgend- 
eine Sache, sowie einer aus diesen und anderen Gründen 
resultierenden Feigheit. Gefördert wurde diese Krankheit 
noch durch die Erziehung. 

Die deutsche Erziehung vor dem Kriege war mit außer- 
ordentlich vielen Schwächen behaftet. Sie war in sehr ein- 
seitiger Weise auf die Anzüchtung von reinem „Wissen" 
zugeschnitten und weniger auf das „Können" eingestellt. 
Noch weniger Wert wurde auf die Ausbildung des Charak- 
ters des einzelnen gelegt - soweit diese überhaupt mög- 
lich -, ganz wenig auf die Förderung der Verantwor- 
tungsfreudigkeit und gar nicht auf die Erziehung des 
Willens und der Entschlußkraft. Ihre Ergebnisse waren 
wirklich nicht die starken Menschen, sondern vielmehr die 
gefügigen „Vielwisser", als die wir Deutsche vor dem 
Kriege ja allgemein galten und demgemäß auch eingeschätzt 
wurden. Man liebte den Deutschen, da er sehr gut zu ver- 
wenden war, allein man achtete ihn wenig, gerade infolge 
seiner willensmäßigen Schwäche. Nicht umsonst verlor ge- 
rade er am leichtesten unter fast allen Völkern Nationali- 
tät und Vaterland. Das schöne Sprichwort „Mit dem Hute 
in der Hand kommt man durch das ganze Land" besagt 
alles. 

Geradezu verhängnisvoll wurde diese Gesellschaft aber, 
als sie auch die Form bestimmte, unter der allein es ge- 
stattet war, dem Monarchen entgegenzutreten. Die Form 
verlangte demgemäß: Nie widersprechen, sondern alles und 
jedes gutheißen, was Seine Majestät zu geruhen beliebt. 
Gerade an dieser Stelle aber war freie Manneswürde 



Totengräber der Monarchie 259 

am nötigsten, die monarchische Institution mußte sonst 
eines Tages an dieser Kriecherei zugrunde gehen; denn es 
war Kriecherei und sonst nichts weiter! Und nur elenden 
Kriechern und Schliefern, kurz, der ganzen Dekadenz, die 
sich an den allerhöchsten Thronen von jeher wohler ge- 
fühlt hatte als die redlichen und anständig ehrlichen 
Seelen, vermag dies als die allein gegebene Form des 
Verkehrs mit den Trägern einer Krone zu gelten! Diese 
„alleruntertänigsten" Kreaturen haben allerdings, bei aller 
Demut vor ihrem Herrn und Brotgeber, schon von jeher die 
größte Unverfrorenheit der anderen Menschheit gegenüber 
bewiesen, am stärksten dann, wenn sie sich mit frecher Stirn 
als einzig „monarchisch" den übrigen Sündern vorzustellen 
beliebten; eine wirkliche Unverschämtheit, wie sie nur so 
ein geadelter oder auch ungeadelter Spulwurm fertigbringt! 
Denn in Wahrheit sind diese Menschen noch immer die 
Totengräber der Monarchie und besonders des monarchi- 
schen Gedankens gewesen. Es ist dies auch gar nicht anders 
denkbar: ein Mann, der bereit ist, für eine Sache einzu- 
stehen, wird und kann niemals ein Schleicher und charakter- 
loser Kriecher sein. Wem es wirklich ernst ist um die Er- 
haltung und Förderung einer Institution, der wird mit 
der letzten Faser seines Herzens an ihr hängen und es 
gar nicht zu verwinden vermögen, wenn sich in ihr irgend- 
welche Schäden zeigen. Der wird dann allerdings nicht in 
aller Öffentlichkeit herumschreien, wie dies in genau so 
verlogener Weise die demokratischen „Freunde" der Mon- 
archie taten, wohl aber Seine Majestät, den Träger der 
Krone selber, auf das ernstlichste warnen und zu bestim- 
men versuchen. Er wird sich dabei nicht auf den Standpunkt 
stellen und stellen dürfen, daß es Seiner Majestät dabei frei 
bleibe, doch noch nach seinem Willen zu handeln, auch wenn 
dies ersichtlich zu einem Unheil führen muß und wird, son- 
dern er wird in einem solchen Falle die Monarchie vor 
dem Monarchen in Schutz zu nehmen haben, und zwar 
auf jede Gefahr hin. Wenn der Wert dieser Einrichtung 
in der jeweiligen Person des Monarchen läge, dann wäre 
dies die schlechteste Institution, die sich nur denken läßt; 



260 Die monarchische Idee 

denn die Monarchen sind nur in den seltensten Fällen Aus- 
lesen der Weisheit und Vernunft oder auch nur des Cha- 
rakters, wie man dies gerne hinstellen möchte. Das glau- 
ben nur die berufsmäßigen Kriecher und Schleicher, aber 
alle geraden Menschen - und dies sind denn doch noch die 
wertvollsten des Staates - werden sich durch das Vertre- 
ten eines solchen Unsinns nur zurückgestoßen fühlen. Für 
sie ist eben Geschichte Geschichte und Wahrheit Wahrheit, 
auch wenn es sich dabei um Monarchen handelt. Nein, das 
Glück, einen großen Monarchen als großen Menschen zu 
besitzen, wird den Völkern so selten zuteil, daß sie schon 
zufrieden sein müssen, wenn die Bosheit des Schicksals 
wenigstens vom allerärgsten Mißgriff absieht. 

Somit kann der Wert und die Bedeutung der monarchi- 
schen Idee nicht in der Person des Monarchen selber liegen, 
außer der Himmel entschließt sich, die Krone einem genialen 
Helden wie Friedrich dem Großen oder einem weisen 
Charakter wie Wilhelm I. auf die Schläfen zu drücken. Dies 
kommt in Jahrhunderten einmal vor und kaum öfters. 
Sonst aber tritt die Idee hier vor die Person, indem nun 
der Sinn dieser Einrichtung ausschließlich in der Insti- 
tution an sich zu liegen hat. Damit aber fällt der Monarch 
selber in den Kreis des Dienens. Auch er ist nun nur mehr 
ein Rad in diesem Werke und ist als solches demselben ver- 
pflichtet. Auch er hat sich nun dem höheren Zweck zu fügen 
und „monarchisch" ist dann nicht mehr, wer den Träger 
der Krone schweigend an derselben freveln läßt, sondern 
wer dies verhütet. Läge nicht der Sinn in der Idee, son- 
dern in der „geheiligten" Person um jeden Preis, dürfte 
ja nicht einmal die Absetzung eines ersichtlich geistes- 
kranken Fürsten vorgenommen werden. 

Es ist notwendig, heute schon dies niederzulegen, tauchen 
doch in letzter Zeit immer mehr die Erscheinungen wieder 
aus dem Verborgenen hervor, deren jämmerlicher Haltung 
der Zusammenbruch der Monarchie nicht am wenigsten 
mit zuzuschreiben ist. Mit einer gewissen naiven Un- 
verfrorenheit reden diese Leute jetzt wieder nur mehr 
von „ihrem" König - den sie aber denn doch vor wenigen 



Die „Kämpfer für die Monarchie" 261 

Jahren erst in der kritischen Stunde auf das allerjämmer- 
lichste im Stiche gelassen hatten - und beginnen, jeden 
Menschen, der es nicht fertigbringen will, in ihre verlogen- 
en Tiraden mit einzustimmen, als schlechten Deutschen 
hinzustellen. Und in Wahrheit sind dies doch genau die- 
selben Hasenfüße, die im Jahre 1918 vor jeder roten Arm- 
binde auseinander- und auf- und davonsausten, ihren König 
König sein ließen, die Hellebarde schleunigst mit einem 
Spazierstock vertauschten, neutrale Krawatten umbanden 
und als friedliche „Bürger" aber auch schon spurlos ver- 
schwanden! Mit einem Schlage waren sie damals weg, diese 
königlichen Kämpen, und erst nachdem sich der revolutio- 
näre Sturmwind, dank der Tätigkeit anderer, so weit wieder 
gelegt hatte, daß man sein „Heil dem König, Heil" wieder 
in die Lüfte hinausschmettern konnte, begannen diese 
„Diener und Ratgeber" der Krone wieder vorsichtig aufzu- 
tauchen. Nun aber sind sie alle da und äugen sehnsuchtsvoll 
nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück, können sich kaum 
mehr halten vor Königstreue und Tatendrang, bis wohl 
wieder die erste rote Binde eines Tages auftauchen wird und 
der ganze Interessentenspuk der alten Monarchie aufs neue, 
wie die Mäuse vor der Katze, ausreißt! 

Wären die Monarchen nicht selber schuld an diesen Din- 
gen, könnte man sie nur auf das herzlichste bedauern ob 
ihrer Verteidiger von heute. Sie dürfen aber jedenfalls 
überzeugt sein, daß man mit solchen Rittern wohl Throne 
verliert, aber keine Kronen erficht. 

Diese Devotheit jedoch war ein Fehler unserer ganzen 
Erziehung, der sich nun an dieser Stelle in besonders ent- 
setzlicher Weise rächte. Denn ihr zufolge konnten sich diese 
jammervollen Erscheinungen an allen Höfen halten und 
die Grundlagen der Monarchie allmählich aushöhlen. Als 
das Gebäude dann endlich ins Wanken kam, waren sie wie 
weggeblasen. Natürlich: Kriecher und Speichellecker lassen 
sich für ihren Herrn nicht totschlagen. Daß die Monarchen 
dies niemals wissen und fast grundsätzlich auch nicht lernen, 
ist von jeher zu ihrem Verderben geworden. 



262 Die Feigheit vor der Verantwortung 

Eine Folgeerscheinung verkehrter Er- 
ziehung war Feigheit vor der Verantwor- 
tung und die daraus sich ergebende Schwäche 
in der Behandlung selbst lebenswichti- 
ger Probleme. 

Der Ausgangspunkt dieser Seuche liegt bei uns aller- 
dings zu einem großen Teile in der parlamentarischen 
Institution, in der die Verantwortungslosigkeit geradezu 
in Reinkultur gezüchtet wird. Leider ging diese Erkran- 
kung langsam aber auch auf das gesamte sonstige Leben 
über, am stärksten auf das staatliche. Man begann überall 
der Verantwortung auszuweichen und griff aus diesem 
Grunde am liebsten zu halben und ungenügenden Maß- 
regeln; erscheint doch bei ihrer Anwendung das Maß der 
persönlich zu tragenden Verantwortung immer auf den 
kleinsten Umfang herabgedrückt. 

Man betrachte nur die Haltung der einzelnen Regie- 
rungen gegenüber einer Reihe von wahrhaft schädlichen 
Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens, und man wird 
die fürchterliche Bedeutung dieser allgemeinen Halbheit 
und Feigheit vor der Verantwortung leicht erkennen. 

Ich nehme nur einige Fälle aus der Unmasse vorhandener 
Beispiele heraus: 

Man pflegt gerade in Journalistenkreisen die Presse 
gerne als eine „Großmacht" im Staate zu bezeichnen. Tat- 
sächlich ist ihre Bedeutung denn auch eine wahrhaft un- 
geheuerliche. Sie kann überhaupt gar nicht überschätzt wer- 
den; bewirkt sie doch wirklich die Fortsetzung der Erzie- 
hung im späteren Alter. 

Man kann dabei ihre Leser im großen und ganzen in 
drei Gruppen einteilen: 

erstens in die, die alles, was sie lesen, glauben; 

zweitens in solche, die gar nichts mehr glauben; 

drittens in die Köpfe, welche das Gelesene kritisch prü- 
fen und danach beurteilen. 

Die erste Gruppe ist ziffernmäßig die weitaus größte. 
Sie besteht aus der großen Masse des Volkes und stellt 
demgemäß den geistig einfachsten Teil der Nation vor. 



Die drei Zeitungslesergruppen 263 

Sie kann aber nicht etwa in Berufen benannt werden, 
sondern höchstens in allgemeinen Intelligenzgraden. Ihr 
gehören alle an, denen selbständiges Denken weder an- 
geboren noch anerzogen ist, und die teils aus Unfähigkeit, 
teils aus Nichtkönnen alles glauben, was man ihnen 
schwarz auf weiß gedruckt vorsetzt. Auch jene Sorte von 
Faulpelzen gehört dazu, die wohl selber denken könnte, 
aber aus reiner Denkfaulheit heraus dankbar alles auf- 
greift, was ein anderer schon gedacht hat, in der beschei- 
denen Voraussetzung, daß dieser sich schon richtig ange- 
strengt haben wird. Bei all diesen Menschen nun, die die 
große Masse vorstellen, wird der Einfluß der Presse ein 
ganz ungeheurer sein. Sie sind nicht in der Lage oder 
nicht willens, das ihnen Dargebotene selber zu prüfen, 
so daß ihre gesamte Einstellung zu allen Tagesproblemen 
nahezu ausschließlich auf die äußere Beeinflussung durch 
andere zurückzuführen ist. Dies kann von Vorteil sein 
dann, wenn ihre Aufklärung von ernster und wahrheits- 
liebender Seite vorgenommen wird, ist jedoch von Unheil, 
sowie dies Lumpen und Lügner besorgen. 

Die zweite Gruppe ist in der Zahl schon wesentlich klei- 
ner. Sie ist zum Teil aus Elementen zusammengesetzt, die 
erst zur ersten Gruppe gehörten, um nach langen bitteren 
Enttäuschungen nun in das Gegenteil umzuschlagen und 
überhaupt nichts mehr zu glauben, soferne es nur gedruckt 
vor ihr Auge kommt. Sie hassen jede Zeitung, lesen sie 
entweder überhaupt nicht oder ärgern sich ausnahmslos 
über den Inhalt, da er ihrer Meinung nach ja doch nur 
aus Lüge und Unwahrheit zusammengesetzt ist. Diese Men- 
schen sind sehr schwer zu behandeln, da sie auch der Wahr- 
heit immer mißtrauisch gegenüberstehen werden. Sie sind 
damit für jede positive Arbeit verloren. 

Die dritte Gruppe endlich ist die weitaus kleinste; sie 
besteht aus den geistig wirklich feinen Köpfen, die natür- 
liche Veranlagung und Erziehung selbständig denken ge- 
lehrt hat, die sich über alles ihr eigenes Urteil zu bilden 
versuchen und die alles Gelesene auf das gründlichste noch 
einmal einer eigenen Prüfung und Weiterentwicklung 



264 Staat und Presse 



unterziehen. Sie werden keine Zeitung anschauen, ohne in 
ihrem Gehirn dauernd mitzuarbeiten, und der Verfasser 
hat dann keinen leichten Stand. Die Journalisten lieben 
solche Leser denn auch nur mit Zurückhaltung. 

Für die Angehörigen dieser dritten Gruppe ist allerdings 
der Unsinn, den eine Zeitung zusammenschmieren mag, 
wenig gefährlich oder auch nur bedeutungsvoll. Sie haben 
sich ohnehin zumeist im Laufe eines Lebens angewöhnt, in 
jedem Journalisten grundsätzlich eine Spitzbuben zu sehen, 
der nur manches Mal die Wahrheit spricht. Leider aber 
liegt die Bedeutung dieser prachtvollen Menschen eben nur 
in ihrer Intelligenz und nicht in der Zahl - ein Unglück 
in einer Zeit, in der die Weisheit nichts und die Majori- 
tät alles ist! Heute, da der Stimmzettel der Masse ent- 
scheidet, liegt der ausschlaggebende Wert eben bei der zahl- 
reichsten Gruppe, und diese ist die erste: der Haufe der 
Einfältigen oder Leichtgläubigen. 

Es ist ein Staats- und Volksinteresse ersten Ranges, zu 
verhindern, daß diese Menschen in die Hände schlechter, 
unwissender oder gar übelwollender Erzieher geraten. Der 
Staat hat deshalb die Pflicht, ihre Erziehung zu über- 
wachen und jeden Unfug zu verhindern. Er muß dabei 
besonders der Presse auf die Finger sehen; denn ihr Ein- 
fluß ist auf diese Menschen der weitaus stärkste und ein- 
dringlichste, da er nicht vorübergehend, sondern fortgesetzt 
zur Anwendung kommt. In der Gleichmäßigkeit und ewigen 
Wiederholung dieses Unterrichts liegt seine ganz uner- 
hörte Bedeutung. Wenn also irgendwo, dann darf gerade 
hier der Staat nicht vergessen, daß alle Mittel einem 
Zwecke zu dienen haben; er darf sich nicht durch das Ge- 
flunker einer sogenannten „Pressefreiheit" beirren und be- 
schwätzen lassen, seine Pflicht zu versäumen und der Nation 
die Kost vorzuenthalten, die sie braucht und die ihr gut 
tut; er muß mit rücksichtsloser Entschlossenheit sich dieses 
Mittels der Volkserziehung versichern und es in den Dienst 
des Staates und der Nation stellen. 

Welche Kost aber hat die deutsche Presse der Vorkriegs- 
zeit den Menschen vorgesetzt? War es nicht das ärgste 



Staat und Presse 265 



Gift, das man sich nur vorzustellen vermag? Wurde dem 
Herzen unseres Volkes nicht schlimmster Pazifismus zu 
einer Zeit eingeimpft, da die andere Welt sich schon an- 
schickte, Deutschland langsam, aber sicher abzudrosseln? 
Hatte die Presse nicht schon im Frieden dem Gehirn des 
Volkes den Zweifel an das Recht des eigenen Staates 
eingeflößt, um es so in der Wahl der Mittel zu seiner 
Verteidigung von vornherein zu beschränken? War es nicht 
die deutsche Presse, die den Unsinn der „westlichen Demo- 
kratie" unserem Volke schmackhaft zu machen verstand, bis 
dieses endlich, von all den begeisterten Tiraden gefangen, 
glaubte, seine Zukunft einem Völkerbunde anzuvertrauen zu 
können? Hat sie nicht mitgeholfen, unser Volk zu einer 
elenden Sittenlosigkeit zu erziehen? Wurden nicht Moral 
und Sitte von ihr lächerlich gemacht, als rückständig und 
spießig gedeutet, bis endlich auch unser Volk „modern" 
wurde? Hat sie nicht in dauerndem Angriff die Grund- 
festen der Staatsautorität so lange unterhöhlt, bis ein 
einziger Stoß genügte, um dieses Gebäude zum Ein- 
sturz zu bringen? Hat sie nicht einst gegen jeden Willen, 
dem Staate zu geben, was des Staates ist, mit allen Mit- 
teln angekämpft, nicht in dauernder Kritik das Heer her- 
abgesetzt, die allgemeine Wehrpflicht sabotiert, zur Ver- 
weigerung der militärischen Kredite aufgefordert usw., bis 
der Erfolg nicht mehr ausbleiben konnte? 

Die Tätigkeit der sogenannten liberalen Presse war 
Totengräberarbeit am deutschen Volk und Deutschen Reich. 
Von den marxistischen Lügenblättern kann man dabei 
überhaupt schweigen; ihnen ist das Lügen genau so 
Lebensnotwendigkeit wie der Katze das Mausen; ist doch 
ihre Aufgabe nur, dem Volke das völkische und nationale 
Rückgrat zu brechen, um es so reif zu machen für das Skla- 
venjoch des internationalen Kapitals und seiner Herren, 
der Juden. 

Was aber hat der Staat gegen diese Massenvergiftung 
der Nation unternommen? Nichts, aber rein gar nichts! 
Ein paar lächerliche Erlasse, ein paar Strafen gegen allzu 
heftige Niederträchtigkeit, und damit war Schluß. Dafür 



266 Die jüdische Pressetaktik 

aber hoffte man, sich diese Seuche wohlgeneigt zu machen 
durch Schmeicheleien, durch Anerkennung des „Wertes" 
der Presse, ihre „Bedeutung", ihrer „erzieherischen Mis- 
sion" und ähnlichen Blödsinns mehr - die Juden aber 
nahmen es schlau lächelnd entgegen und quittierten mit 
verschmitztem Dank. 

Der Grund jedoch zu diesem schmählichen Versagen des 
Staates lag nicht so sehr im Nichterkennen der Gefahr, als 
vielmehr in einer zum Himmel schreienden Feigheit und 
der daraus geborenen Halbheit aller Entschlüsse und Maß- 
nahmen. Es hatte niemand den Mut, durchgreifende Radi- 
kalmittel anzuwenden, sondern man pfuschte hier wie über- 
all mit lauter halben Rezepten herum, und statt den Stoß 
ins Herz hinein zu führen, reizte man die Viper höch- 
stens - mit dem Ergebnis, daß nicht nur alles beim alten 
blieb, sondern im Gegenteil die Macht der zu bekämpfen- 
den Institutionen von Jahr zu Jahr zunahm. 

Der Abwehrkampf der damaligen deutschen Regierung 
gegen die die Nation langsam verderbende Presse, haupt- 
sächlich jüdischer Herkunft, war ohne jede gerade Linie, 
ohne Entschlossenheit, vor allem aber ohne jedes sichtbare 
Ziel. Hier versagte der geheimrätliche Verstand vollständig, 
sowohl in der Einschätzung der Bedeutung dieses Kampfes 
wie auch in der Wahl der Mittel und der Festlegung 
eines klaren Planes. Planlos dokterte man herum, sperrte 
manchmal, wenn man zu sehr gebissen wurde, eine solche 
journalistische Kreuzotter auf einige Wochen oder auch 
Monate ein, das Schlangennest als solches aber ließ man 
schön in Ruhe. 

Freilich - zum Teil war dies auch die Folge der un- 
endlich schlauen Taktik der Judenheit auf der einen und 
einer wirklich geheimrätlichen Dummheit oder Harmlosig- 
keit auf der anderen Seite. Der Jude war viel zu klug, als 
daß er seine gesamte Presse gleichmäßig hätte angreifen 
lassen. Nein, ein Teil derselben war da, um den anderen zu 
decken. Während die marxistischen Zeitungen in der gemein- 
sten Weise gegen alles, was Menschen heilig zu sein vermag, 
in das Feld zogen, Staat und Regierung in der infamsten 



Die „antändige" Presse 267 

Weise angriffen und große Volksteile gegeneinander hetz- 
ten, verstanden es die bürgerlich-demokratischen Juden- 
blätter, sich den Anschein der berühmten Objektivität zu 
geben, mieden peinlich alle Kraftworte, genau wissend, daß 
alle Hohlköpfe nur nach dem Äußeren zu urteilen ver- 
mögen und nie die Fähigkeit besitzen, in das Innere ein- 
zudringen, so daß für sie der Wert einer Sache nach diesem 
Äußeren bemessen wird statt nach dem Inhalt; eine mensch- 
liche Schwäche, der sie auch die eigene Beachtung verdanken. 

Für diese Leute war und ist freilich die „Frankfurter 
Zeitung" der Inbegriff aller Anständigkeit. Verwendet sie 
doch niemals rohe Ausdrücke, lehnt jede körperliche Bru- 
talität ab und appelliert immer an den Kampf mit den 
„geistigen" Waffen, der eigentümlicherweise gerade den 
geistlosesten Menschen am meisten am Herzen liegt. Das 
ist ein Ergebnis unserer Halbbildung, die die Menschen 
von dem Instinkt der Natur loslöst, ihnen ein gewisses 
Wissen einpumpt, ohne sie aber zur letzten Erkenntnis 
führen zu können, da hierzu Fleiß und guter Wille allein 
nichts zu nützen vermögen, sondern der nötige Verstand, 
und zwar als angeboren, da sein muß. Die letzte Erkennt- 
nis aber ist immer das Verstehen der Instinktursachen 
- das heißt: der Mensch darf niemals in den Irrsinn 
verfallen, zu glauben, daß er wirklich zum Herrn und 
Meister der Natur aufgerückt sei - wie der Dünkel einer 
Halbbildung dies so leicht vermittelt -, sondern er muß 
die fundamentale Notwendigkeit des Waltens der Natur 
verstehen und begreifen, wie sehr auch sein Dasein die- 
sen Gesetzen des ewigen Kampfes und Ringens nach oben 
unterworfen ist. Er wird dann fühlen, daß in einer Welt, 
in der Planeten und Sonnen kreisen, Monde um Planeten 
ziehen, in der immer nur die Kraft Herrin der Schwäche 
ist und sie zum gehorsamen Diener zwingt oder zerbricht, 
für den Menschen nicht Sondergesetze gelten können. Auch 
für ihn walten die ewigen Grundsätze dieser letzten Weis- 
heit. Er kann sie zu erfassen versuchen, sich von ihnen zu 
lösen vermag er niemals. 

Gerade für unsere geistige Halbwelt aber schreibt der 



268 Die „antändige" Presse 

Jude seine sogenannte Intelligenzpresse. Für sie sind die 
„Frankfurter Zeitung" und das „Berliner Tageblatt" ge- 
macht, für sie ist ihr Ton abgestimmt, und auf diese üben 
sie ihre Wirkung aus. Indem sie alle scheinbar äußerlich 
rohen Formen auf das sorgfältigste vermeiden, gießen sie 
das Gift aus anderen Gefäßen dennoch in die Herzen 
ihrer Leser. Unter einem Geseire von schönen Tönen und 
Redensarten lullen sie dieselben in den Glauben ein, als 
ob wirklich reine Wissenschaft oder gar Moral die Trieb- 
kräfte ihres Handelns seien, während es in Wahrheit nur 
die ebenso geniale wie gerissene Kunst ist, dem Gegner auf 
solche Weise die Waffe gegen die Presse überhaupt aus der 
Hand zu stehlen. Denn indem die einen vor Anstand triefen, 
glauben ihnen alle Schwachköpfe um so lieber, daß es sich 
bei den anderen nur um leichte Auswüchse handle, die 
aber niemals zu einer Verletzung der Pressefreiheit - wie 
man den Unfug dieser straflosen Volksbelügung und Volks- 
vergiftung bezeichnet - führen dürften. So scheut man sich, 
gegen dieses Banditentum vorzugehen, fürchtet man doch, 
in einem solchen Falle auch sofort die „anständige" Presse 
gegen sich zu haben; eine Furcht, die auch nur zu begründet 
ist. Denn sobald man versucht, gegen eine dieser Schand- 
zeitungen vorzugehen, werden sofort alle anderen deren 
Partei ergreifen, beileibe nicht etwa, um ihre Art des 
Kampfes gutzuheißen, Gott bewahre - nur um das Prin- 
zip der Pressefreiheit und der Freiheit der öffentlichen 
Meinung dreht es sich; allein dieses soll verteidigt werden. 
Vor diesem Geschrei aber werden die stärksten Männer 
schwach, kommt es doch aus dem Munde von lauter „an- 
ständigen" Blättern. 

So konnte dieses Gift ungehindert in den Blutlauf un- 
seres Volkes eindringen und wirken, ohne daß der Staat die 
Kraft besaß, der Krankheit Herr zu werden. In den lächer- 
lichen halben Mitteln, die er dagegen anwandte, zeigte sich 
der bereits drohende Verfall des Reiches. Denn eine 
Institution, die nicht mehr entschlossen ist, 
sich selbst mit allen Waffen zu schützen, gibt 
sich praktisch auf. Jede Halbheit ist das sichtbare 



Die Syphilis 269 



Zeichen des inneren Verfalls, dem der äußere Zusammen- 
bruch früher oder später folgen muß und wird. 

Ich glaube, daß die heutige Generation, richtig geleitet, 
dieser Gefahr leichter Herr werden wird. Sie hat ver- 
schiedene Dinge miterlebt, die die Nerven bei dem, der sie 
nicht überhaupt verlor, etwas zu stärken vermochten. Sicher 
wird auch in kommender Zeit der Jude in seinen Zeitungen 
ein gewaltiges Geschrei erheben, wenn sich erst einmal die 
Hand auf sein Lieblingsnest legt, dem Presseunfug ein 
Ende macht, auch dieses Erziehungsmittel in den Dienst 
des Staates stellt und nicht mehr in der Hand von Volks- 
fremden und Volksfeinden beläßt. Allein ich glaube, daß 
dies uns Jüngere weniger belästigen wird als einstens 
unsere Väter. Eine Dreißig-Zentimeter-Granate zischte im- 
mer noch mehr als tausend jüdische Zeitungsvipern - also 
laßt sie denn nur zischen! 

Ein weiteres Beispiel für Halbheit und Schwäche in 
den wichtigsten Lebensfragen der Nation bei der Leitung 
des Vorkriegsdeutschlands ist folgendes: Parallel der poli- 
tischen, sittlichen und moralischen Verseuchung des Volkes 
lief schon seit vielen Jahren eine nicht minder entsetzliche 
gesundheitliche Vergiftung des Volkskörpers. Die Syphilis 
begann besonders in den Großstädten immer mehr zu gras- 
sieren, während die Tuberkulose gleichmäßig fast im gan- 
zen Lande ihre Todesernte hielt. 

Trotzdem in beiden Fällen die Folgen für die Nation 
entsetzliche waren, vermochte man sich nicht zu entscheiden- 
den Maßnahmen dagegen aufzuraffen. 

Besonders der Syphilis gegenüber kann man das Ver- 
halten der Volks- und Staatsleitung nur mit vollkommener 
Kapitulation bezeichnen. Bei einer ernstgemeinten Be- 
kämpfung mußte man schon etwas weiter ausgreifen, als 
dies in Wirklichkeit geschah. Die Erfindung eines Heil- 
mittels fraglicher Art sowie dessen geschäftstüchtige 
Anwendung vermögen bei dieser Seuche nur wenig mehr 



270 Mißachtung der natürlichen Ehevoraussetzungen 

zu helfen. Auch hier konnte nur der Kampf gegen die 
Ursachen in Frage kommen und nicht die Beseitigung der 
Erscheinungen. Die Ursache aber liegt in erster Linie in 
unserer Prostituierung der Liebe. Auch wenn ihr Ergebnis 
nicht diese natürliche Seuche wäre, wäre sie dennoch von 
tiefstem Schaden für das Volk, denn es genügen schon die 
moralischen Verheerungen, die diese Entartung mit sich 
bringt, um ein Volk langsam, aber sicher zugrunde zu 
richten. Diese Verjudung unseres Seelenlebens und 
Mammonisierung unseres Paarungstriebes werden früher 
oder später unseren gesamten Nachwuchs verderben, denn 
an Stelle kraftvoller Kinder eines natürlichen Gefühls 
werden nur mehr die Jammererscheinungen finanzieller 
Zweckmäßigkeit treten. Denn diese wird immer mehr die 
Grundlage und einzige Voraussetzung unserer Ehen. Die 
Liebe aber tobt sich wo anders aus. 

Eine gewisse Zeit kann man natürlich auch hier die 
Natur verhöhnen, allein die Rache bleibt nicht aus, sie 
tritt hier nur später in Erscheinung, oder besser: sie wird 
von den Menschen oft zu spät erkannt. 

Wie verheerend aber die Folgen einer dauernden Miß- 
achtung der natürlichen Voraussetzungen für die Ehe sind, 
mag man an unserem Adel erkennen. Hier hat man die 
Ergebnisse einer Fortpflanzung vor sich, die zu einem Teile 
auf rein gesellschaftlichem Zwang, zum anderen auf finan- 
ziellen Gründen beruhte. Das eine führte zur Schwächung 
überhaupt, das andere zur Blutvergiftung, da jede 
Warenhausjüdin als geeignet gilt, die Nachkommenschaft 
Seiner Durchlaucht - die allerdings dann danach aus- 
sieht - zu ergänzen. In beiden Fällen ist vollkommene 
Degeneration die Folge. 

Unser Bürgertum bemüht sich heute, den gleichen Weg 
zu gehen, und wird am gleichen Ziele enden. 

Mit gleichgültiger Hast versucht man, an den unange- 
nehmen Wahrheiten vorüberzugehen, als ob man durch 
ein solches Gehaben die Dinge selber ungeschehen machen 
könnte. Nein, die Tatsache, daß unsere großstädtische Be- 
völkerung immer mehr in ihrem Liebesleben prostituiert 



Die „Stellungnahme" zum Eheproblem 271 

wird und gerade dadurch in immer weiterem Kreise der 
syphilistischen Seuche anheimfällt, kann nicht einfach weg- 
geleugnet werden, sondern sie ist da. Die sichtbarsten Re- 
sultate dieser Massenverseuchung kann man auf der einen 
Seite in den Irrenanstalten finden, auf der anderen aber 
leider in unseren - Kindern. Besonders diese sind das 
traurige Elendserzeugnis der unaufhaltsam fortschreiten- 
den Verpestung unseres Sexuallebens, in den Krankheiten 
der Kinder offenbaren sich die Laster der Eltern. 

Es gibt verschiedene Wege, sich mit dieser unangeneh 
men, ja schrecklichen Tatsache abzufinden: Die einen sehen 
überhaupt nichts oder wollen, besser gesagt, nichts sehen; 
dieses ist natürlich die weitaus einfachste und billigste 
„Stellungnahme". Die anderen hüllen sich in den Heiligen- 
mantel einer ebenso lächerlichen wie noch dazu verlogenen 
Prüderie, reden von dem ganzen Gebiete überhaupt nur 
als von einer großen Sünde und äußern vor allem vor 
jedem ertappten Sünder ihre tiefinnerlichste Entrüstung, 
um dann vor dieser gottlosen Seuche die Augen in frommer 
Abscheu zu schließen und den lieben Gott zu bitten, er 
möchte doch - wenn möglich nach ihrem eigenen Tode - 
in dieses ganze Sodom und Gomorrha Schwefel und Pech 
hineinregnen lassen, um so wieder einmal an dieser scham- 
losen Menschheit ein erbauliches Exempel zu statuieren. Die 
dritten endlich sehen sehr wohl die entsetzlichen Folgen, die 
diese Seuche dereinst mit sich bringen muß und wird, allein 
sie zucken nur mit den Achseln, überzeugt, ohnehin nichts 
gegen die Gefahr unternehmen zu können, so daß man die 
Dinge laufen lassen müsse, wie sie eben laufen. 

Dieses alles ist freilich bequem und einfach, nur darf 
nicht vergessen werden, daß einer solchen Bequemlichkeit 
eine Nation zum Opfer fallen wird. Die Ausrede, daß es 
den anderen Völkern ja auch nicht besser gehe, vermag 
natürlich auch an der Tatsache des eigenen Untergangs 
kaum etwas zu ändern, es wäre denn, daß das Gefühl, 
auch andere vom Unglück betroffen zu sehen, allein schon 
für viele eine Milderung der eigenen Schmerzen mit sich 
brächte. Aber die Frage ist dann ja eben erst recht die, 



272 Die Sünde wider Blut und Rasse 

welches Volk von sich aus als erstes und selbst einziges 
dieser Pest Herr zu werden vermag, und welche Nationen 
daran zugrunde gehen. Darauf aber kommt es am Schlüsse 
hinaus. Auch dies ist nur ein Prüfstein des Rassenwer- 
tes - die Rasse, welche die Probe nicht besteht, wird eben 
sterben und gesünderen oder doch zäheren und widerstands- 
fähigeren den Platz räumen. Denn da diese Frage in 
erster Linie den Nachwuchs betrifft, gehört sie zu denen, 
von welchen es mit so furchtbarem Recht heißt, daß die 
Sünden der Väter sich rächen bis in das zehnte Glied - 
eine Wahrheit, die nur von Freveln am Blute und an der 
Rasse gilt. 

Die Sünde wider Blut und Rasse ist die 
Erbsünde dieser Welt und das Ende einer 
sich ihr ergebenden Menschheit. 

Wie wahrhaft jammervoll aber stand das Vorkriegs- 
deutschland gerade dieser einen Frage gegenüber. Was ge- 
schah, um der Verpestung unserer Jugend in den Groß- 
städten Einhalt zu gebieten? Was, um der Verseuchung 
und Mammonisierung unseres Liebeslebens auf den Leib 
zu rücken? Was, um die daraus resultierende Versyphiliti- 
sierung des Volkskörpers zu bekämpfen? 

Die Antwort ergibt sich am leichtesten durch die Fest- 
stellung dessen, was hätte geschehen müssen. 

Man durfte diese Frage zunächst nicht auf die leichte 
Schulter nehmen, sondern mußte verstehen, daß von ihrer 
Lösung das Glück oder Unglück von Generationen abhängen 
würde, ja, daß sie bestimmend für die ganze Zukunft un- 
seres Volkes sein konnte, wenn nicht sein mußte. Eine solche 
Erkenntnis aber verpflichtete zu rücksichtslosen Maßnahmen 
und Eingriffen. An die Spitze aller Erwägungen hatte die 
Überzeugung zu treten, daß zu allererst die Aufmerksam- 
keit der gesamten Nation auf die entsetzliche Gefahr zu 
konzentrieren war, so daß jeder einzelne sich der Bedeutung 
dieses Kampfes innerlich bewußt zu werden vermochte. Man 
kann wahrhaft einschneidende und manchmal schwer zu 
ertragende Verpflichtungen und Lasten nur dann zu einer 
allgemeinen Wirksamkeit bringen, wenn dem einzelnen 



Die Konzentration auf eine Aufgabe 273 

außer dem Zwang auch noch die Erkenntnis der Notwen- 
digkeit vermittelt wird. Dazu gehört aber eine ungeheure 
Aufklärung unter Ausschaltung aller sonst noch ablenkend 
wirkenden Tagesfragen. 

Es muß in allen Fällen, in denen es sich 
um die Erfüllung scheinbar unmöglicher 
Forderungen oder Aufgaben handelt, die 
gesamte Aufmerksamkeit eines Volkes nur 
auf diese eine Frage geschlossen vereinigt 
werden, so, als ob von ihrer Lösung tat- 
sächlich Sein oder Nichtsein abhänge. Nur 
so wird man ein Volk zu wahrhaft großen Leistungen und 
Anstrengungen willig und fähig machen. 

Dieser Grundsatz gilt auch für den einzelnen Menschen, 
sofern er große Ziele erreichen will. Auch er wird dies nur 
in stufenförmigen Abschnitten zu tun vermögen, auch er 
wird dann immer seine gesamten Anstrengungen auf die 
Erreichung einer bestimmt begrenzten Aufgabe zu ver- 
einigen haben, so lange, bis diese Erfüllung erscheint und 
die Absteckung eines neuen Abschnittes vorgenommen wer- 
den kann. Wer nicht diese Teilung des zu erobernden Weges 
in einzelne Etappen vornimmt und diese dann planmäßig 
unter schärfster Zusammenfassung aller Kräfte einzeln zu 
überwinden trachtet, wird niemals bis zum Schlußziel zu 
gelangen vermögen, sondern irgendwo auf dem Wege, viel- 
leicht sogar abseits desselben, liegen bleiben. Dieses Heran- 
arbeiten an das Ziel ist eine Kunst und erfordert jeweils 
den Einsatz aber auch der letzten Energie, um so Schritt 
für Schritt den Weg zu überwinden. 

Die allererste Vorbedingung also, die zum Angriff auf 
eine so schwere Teilstrecke des menschlichen Weges not tut, 
ist die, daß es der Führung gelingt, der Masse des Volkes 
gerade das jetzt zu erreichende, besser zu erkämpfende Teil- 
ziel als das einzig und allein der menschlichen Aufmerk- 
samkeit würdige, von dessen Eroberung alles abhänge, 
hinzustellen. Die große Menge des Volkes kann ohnehin 
nie den ganzen Weg vor sich sehen, ohne zu ermüden und 
an der Aufgabe zu verzweifeln. Sie wird in einem gewissen 



274 Syphilisbekämpfung als d i e Aufgabe 

Umfang das Ziel im Auge behalten, den Weg aber nur in 
kleinen Teilstrecken zu übersehen vermögen, ähnlich dem 
Wanderer, der ebenfalls wohl das Ende seiner Reise weiß 
und kennt, der aber die endlose Straße besser überwindet, 
wenn er sich dieselbe in Abschnitte zerlegt und auf jeden 
einzelnen losmarschiert, als ob er schon das ersehnte Ziel 
selber wäre. Nur so kommt er, ohne zu verzagen, dennoch 
vorwärts. 

So hätte man unter Anwendung aller propagandistischen 
Hilfsmittel die Frage der Bekämpfung der Syphilis als 
d i e Aufgabe der Nation erscheinen lassen müssen, nicht 
als auch eine Aufgabe. Man hätte zu diesem Zwecke ihre 
Schäden als das entsetzlichste Unglück in vollem Umfange, 
und zwar unter Anwendung aller Hilfsmittel, den Men- 
schen einhämmern müssen, bis die ganze Nation zur Über- 
zeugung gekommen wäre, daß von der Lösung dieser Frage 
eben alles abhänge, Zukunft oder Untergang. 

Erst nach einer solchen, wenn nötig, jahrelangen Vor- 
bereitung wird die Aufmerksamkeit und damit aber auch 
Entschlossenheit eines ganzen Volkes so sehr geweckt sein, 
daß man nun auch zu sehr schweren und opfervollen Maß- 
nahmen wird greifen können, ohne Gefahr laufen zu müs- 
sen, vielleicht nicht verstanden oder plötzlich vom Wollen 
der Masse im Stiche gelassen zu werden. 

Denn um dieser Pest ernstlich an den Leib zu rücken, 
sind ungeheure Opfer und ebenso große Arbeiten nötig. 

Der Kampf gegen die Syphilis erfordert einen Kampf 
gegen die Prostitution, gegen Vorurteile, alte Gewohn- 
heiten, gegen bisherige Vorstellungen, allgemeine Ansich- 
ten, darunter nicht zum letzten gegen die verlogene Prü- 
derie in gewissen Kreisen. 

Die erste Voraussetzung zu einem, aber auch nur mora- 
lischen Rechte, gegen diese Dinge anzukämpfen, ist die 
Ermöglichung einer frühen Verehelichung der kommenden 
Generationen. Im späten Heiraten liegt allein schon der 
Zwang zur Beibehaltung einer Einrichtung, die, da kann 
man sich winden wie man will, eine Schande der Mensch- 



Kampf gegen die Prostitution 275 

heit ist und bleibt, eine Einrichtung, die verflucht schlecht 
einem Wesen ansteht, das sich in sonstiger Bescheidenheit 
gern als das „Ebenbild" Gottes ansieht. 

Die Prostitution ist eine Schmach der Menschheit, allein 
man kann sie nicht beseitigen durch moralische Vorlesun- 
gen, frommes Wollen usw., sondern ihre Einschränkung und 
ihr endlicher Abbau setzen eine Unzahl von Vorbedingun- 
gen voraus. Die erste aber ist und bleibt die Schaffung der 
Möglichkeit einer der menschlichen Natur entsprechenden 
frühzeitigen Heirat vor allem des Mannes, denn die Frau 
ist ja hier ohnehin nur der passive Teil. 

Wie verirrt, ja unverständlich aber die Menschen heute 
zum Teil schon geworden sind, mag daraus hervorgehen, 
daß man nicht selten Mütter der sogenannten „besseren" 
Gesellschaft reden hört, sie wären dankbar, für ihr Kind 
einen Mann zu finden, der sich die „Hörner bereits abge- 
stoßen habe" usw. Da daran meistens weniger Mangel ist 
als umgekehrt, so wird das arme Mädel schon glücklich 
einen solchen enthörnten Siegfried finden, und die Kinder 
werden das sichtbare Ergebnis dieser vernünftigen Ehe sein. 
Wenn man bedenkt, daß außerdem noch eine möglichst 
große Einschränkung der Zeugung an sich erfolgt, so daß der 
Natur jede Auslese unterbunden wird, da natürlich jedes 
auch noch so elende Wesen erhalten werden muß, so bleibt 
wirklich nur die Frage, warum eine solche Institution über- 
haupt noch besteht und welchen Zweck sie haben soll? Ist 
es dann nicht genau dasselbe wie die Prostitution an sich? 
Spielt die Pflicht der Nachwelt gegenüber überhaupt keine 
Rolle mehr? Oder weiß man nicht, welchen Fluch man 
sich bei Kind und Kindeskind aufladet durch eine der- 
artige verbrecherisch leichtsinnige Weise in der Wah- 
rung des letzten Naturrechtes, aber auch der letzten Natur- 
verpflichtung? 

So entarten die Kulturvölker und gehen allmählich 
unter. 

Auch die Ehe kann nicht Selbstzweck sein, sondern muß 
dem einen größeren Ziele, der Vermehrung und Erhaltung 



276 Frühzeitige Heirat 



der Art und Rasse, dienen. Nur das ist ihr Sinn und ihre 
Aufgabe. 

Unter diesen Voraussetzungen aber kann ihre Richtig- 
keit nur an der Art gemessen werden, in der sie diese Auf- 
gabe erfüllt. Daher schon ist die frühe Heirat richtig, gibt 
sie doch der jungen Ehe noch jene Kraft, aus der allein 
ein gesunder und widerstandsfähiger Nachwuchs zu kom- 
men vermag. Freilich ist zu ihrer Ermöglichung eine ganze 
Reihe von sozialen Voraussetzungen nötig, ohne die an eine 
frühe Verehelichung gar nicht zu denken ist. Mithin kann 
eine Lösung dieser nur so kleinen Frage schon nicht statt- 
finden ohne einschneidende Maßnahmen in sozialer Hin- 
sicht. Welche Bedeutung diesen zukommt, sollte man am 
meisten in einer Zeit begreifen, da die sogenannte „soziale" 
Republik durch ihre Unfähigkeit in der Lösung der Woh- 
nungsfrage allein zahlreiche Ehen einfach verhindert und 
der Prostitution auf solche Weise Vorschub leistet. 

Der Unsinn unserer Art der Gehaltseinteilung, die viel 
zu wenig Rücksicht nimmt auf die Frage der Familie und 
ihre Ernährung, ist ebenfalls ein Grund, der so manche 
frühe Ehe unmöglich macht. 

Es kann also an eine wirkliche Bekämpfung der Prostitu- 
tion nur herangegangen werden, wenn durch eine grund- 
sätzliche Änderung der sozialen Verhältnisse eine frühere 
Verheiratung, als sie jetzt im allgemeinen stattfinden kann, 
ermöglicht wird. Dies ist die allerbeste Voraussetzung zu 
einer Lösung dieser Frage. 

In zweiter Linie aber hat Erziehung und Ausbildung 
eine ganze Reihe von Schäden auszumerzen, um die man 
sich heute überhaupt fast nicht kümmert. Vor allem muß in 
der bisherigen Erziehung ein Ausgleich zwischen geistigem 
Unterricht und körperlicher Ertüchtigung eintreten. Was 
heute Gymnasium heißt, ist ein Hohn auf das griechische 
Vorbild. Man hat bei unserer Erziehung vollkommen ver- 
gessen, daß auf die Dauer ein gesunder Geist auch nur in 
einem gesunden Körper zu wohnen vermag. Besonders 
wenn man, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, die große 



Gesunder Geist nur im gesunden Körper 277 

Masse eines Volkes ins Auge faßt, erhält dieser Satz un- 
bedingte Gültigkeit. 

Es gab im Vorkriegsdeutschland eine Zeit, in der man 
sich überhaupt um diese Wahrheit nicht mehr kümmerte. 
Man sündigte einfach auf den Körper los und vermeinte, 
in der einseitigen Ausbildung des „Geistes" eine sichere 
Gewähr für die Größe der Nation zu besitzen. Ein Irrtum, 
der sich schneller zu rächen begann, als man dachte. Es 
ist kein Zufall, daß die bolschewistische Welle nirgends bes- 
ser Boden fand als dort, wo eine durch Hunger und dau- 
ernde Unterernährung degenerierte Bevölkerung haust: in 
Mitteldeutschland, Sachsen und im Ruhrgebiet. In allen 
diesen Gebieten findet aber auch von der sogenannten In- 
telligenz ein ernstlicher Widerstand gegen diese Juden- 
krankheit kaum mehr statt, aus dem einfachen Grunde, weil 
ja auch die Intelligenz selber körperlich vollständig verkom- 
men ist, wenn auch weniger durch Gründe der Not als 
durch Gründe der Erziehung. Die ausschließlich geistige 
Einstellung unserer Bildung in den oberen Schichten macht 
diese unfähig in Zeiten, in denen nicht der Geist, sondern 
die Faust entscheidet, sich auch nur zu halten, geschweige 
denn durchzusetzen. In körperlichen Gebrechen liegt nicht 
selten der erste Grund zur persönlichen Feigheit. 

Die übermäßige Betonung des rein geistigen Unterrichtes 
und die Vernachlässigung der körperlichen Ausbildung för- 
dern aber auch in viel zu früher Jugend die Entstehung 
sexueller Vorstellungen. Der Junge, der in Sport und Tur- 
nen zu einer eisernen Abhärtung gebracht wird, unterliegt 
dem Bedürfnis sinnlicher Befriedigungen weniger als der 
ausschließlich mit geistiger Kost gefütterte Stubenhocker. 
Eine vernünftige Erziehung aber hat dies zu berücksichtigen. 
Sie darf ferner nicht aus dem Auge verlieren, daß die 
Erwartungen des gesunden jungen Mannes von der Frau 
andere sein werden als die eines vorzeitig verdorbenen 
Schwächlings. 

So muß die ganze Erziehung darauf eingestellt werden, 
die freie Zeit des Jungen zu einer nützlichen Ertüchtigung 
seines Körpers zu verwenden. Er hat kein Recht, in diesen 



278 Kampf gegen Seelenvergiftung 

Jahren müßig herumzulungern, Straßen und Kinos unsicher 
zu machen, sondern soll nach seinem sonstigen Tageswerk 
den jungen Leib stählen und hart machen, auf daß ihn der- 
einst auch das Leben nicht zu weich finden möge. Dies 
anzubahnen und auch durchzuführen, zu lenken und zu 
leiten ist die Aufgabe der Jugenderziehung, und nicht das 
ausschließliche Einpumpen sogenannter Weisheit. Sie hat 
auch mit der Vorstellung aufzuräumen, als ob die Behand- 
lung seines Körpers jedes einzelnen Sache selber wäre. 
Es gibt keine Freiheit, auf Kosten der Nachwelt und da- 
mit der Rasse zu sündigen. 

Gleichlaufend mit der Erziehung des Körpers hat der 
Kampf gegen die Vergiftung der Seele einzusetzen. Unser 
gesamtes öffentliches Leben gleicht heute einem Treibhaus 
sexueller Vorstellungen und Reize. Man betrachte doch den 
Speisezettel unserer Kinos, Varietes und Theater, und man 
kann wohl kaum leugnen, daß dies nicht die richtige Kost, 
vor allem für die Jugend, ist. In Auslagen und an An- 
schlagsäulen wird mit den niedrigsten Mitteln gearbeitet, 
um die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zu ziehen. Daß 
dies für die Jugend zu außerordentlich schweren Schädigun- 
gen führen muß, ist wohl jedem, der nicht die Fähigkeit, sich 
in ihre Seele hineinzudenken, verloren hat, verständlich. 
Diese sinnlich schwüle Atmosphäre führt zu Vorstellungen 
und Erregungen in einer Zeit, da der Knabe für solche 
Dinge noch gar kein Verständnis haben dürfte. Das Er- 
gebnis dieser Art von Erziehung kann man an der heu- 
tigen Jugend in nicht gerade erfreulicher Weise studieren. 
Sie ist frühreif und damit auch vorzeitig alt geworden. Aus 
den Gerichtssälen dringen manches Mal Vorgänge an die 
Öffentlichkeit, die grauenhafte Einblicke in das Seelenleben 
unserer 14- und 15jährigen gestatten. Wer will sich da wun- 
dern, daß schon in diesen Alterskreisen die Syphilis ihre 
Opfer zu suchen beginnt? Und ist es nicht ein Jammer, zu 
sehen, wie so mancher körperlich schwächliche, geistig aber 
verdorbene junge Mensch seine Einführung in die Ehe durch 
eine großstädtische Hure vermittelt erhält? 

Nein, wer der Prostitution zu Leibe gehen will, muß in 



Sterilisation Unheilbarer 279 

erster Linie die geistige Voraussetzung zu derselben besei- 
tigen helfen. Er muß mit dem Unrat unserer sittlichen Ver- 
pestung der großstädtischen „Kultur" aufräumen, und zwar 
rücksichtslos und ohne Schwanken vor allem Geschrei und 
Gezeter, das natürlich losgelassen werden wird. Wenn wir 
die Jugend nicht aus dem Morast ihrer heutigen Umgebung 
herausheben, wird sie in demselben untersinken. Wer diese 
Dinge nicht sehen will, unterstützt sie und macht sich dadurch 
zum Mitschuldigen an der langsamen Prostituierung unse- 
rer Zukunft, die nun einmal in der werdenden Generation 
liegt. Dieses Reinemachen unserer Kultur hat sich auf fast 
alle Gebiete zu erstrecken. Theater, Kunst, Literatur, Kino, 
Presse, Plakat und Auslagen sind von den Erscheinungen 
einer verfaulenden Welt zu säubern und in den Dienst 
einer sittlichen Staats- und Kulturidee zu stellen. Das 
öffentliche Leben muß von dem erstickenden Parfüm unse- 
rer modernen Erotik befreit werden, genau so wie von 
jeder unmännlichen prüden Unaufrichtigkeit. In allen 
diesen Dingen muß das Ziel und der Weg bestimmt werden 
von der Sorge für die Erhaltung der Gesundheit unseres 
Volkes an Leib und Seele. Das Recht der persönlichen 
Freiheit tritt zurück gegenüber der Pflicht der Erhaltung 
der Rasse. 

Erst nach der Durchführung dieser Maßnahmen kann der 
medizinische Kampf gegen die Seuche selber mit einiger 
Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden. Allein auch dabei 
kann es sich nicht um halbe Maßregeln handeln, sondern 
auch hier wird man zu den schwersten und einschneidendsten 
Entschlüssen kommen müssen. Es ist eine Halbheit, unheil- 
bar kranken Menschen die dauernde Möglichkeit einer Ver- 
seuchung der übrigen gesunden zu gewähren. Es entspricht 
dies einer Humanität, die, um dem einen nicht wehe zu 
tun, hundert andere zugrunde gehen läßt. Die Forderung, 
daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter 
Nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine Forderung 
klarster Vernunft und bedeutet in ihrer planmäßigen 
Durchführung die humanste Tat der Menschheit. Sie wird 
Millionen von Unglücklichen unverdiente Leiden ersparen, 



280 Versagen des alten Deutschlands 

in der Folge aber zu einer steigenden Gesundung überhaupt 
führen. Die Entschlossenheit, in dieser Richtung vorzugehen, 
wird auch der Weiterverbreitung der Geschlechtskrankheiten 
einen Damm entgegensetzen. Denn hier wird man, wenn 
nötig, zur unbarmherzigen Absonderung unheilbar Er- 
krankter schreiten müssen - eine barbarische Maßnahme für 
den unglücklich davon Betroffenen, aber ein Segen für die 
Mit- und Nachwelt. Der vorübergehende Schmerz eines 
Jahrhunderts kann und wird Jahrtausende vom Leid erlösen. 

Der Kampf gegen die Syphilis und ihre Schrittmacherin, 
die Prostitution, ist eine der ungeheuersten Aufgaben der 
Menschheit, ungeheuer deshalb, weil es sich dabei nicht um 
die Lösung einer einzelnen Frage an sich handelt, sondern 
um die Beseitigung einer ganzen Reihe von Schäden, die 
eben als Folgeerscheinung zu dieser Seuche Veranlassung 
geben. Denn die Erkrankung des Leibes ist hier nur das 
Ergebnis einer Erkrankung der sittlichen, sozialen und 
rassischen Instinkte. 

Wird dieser Kampf aber aus Bequemlichkeit oder auch 
Feigheit nicht ausgefochten, dann möge man sich in fünf- 
hundert Jahren die Völker ansehen. Ebenbilder Gottes 
dürfte man nur mehr sehr wenige finden, ohne des Aller- 
höchsten freveln zu wollen. 

Wie aber hatte man im alten Deutschland versucht, sich 
mit dieser Seuche auseinanderzusetzen? Bei ruhiger Prü- 
fung ergibt sich darauf eine wirklich betrübliche Antwort. 
Sicher erkannte man in den Kreisen der Regierungen die 
entsetzlichen Schäden dieser Krankheit sehr wohl, wenn man 
sich auch vielleicht die Folgen nicht ganz zu überlegen ver- 
mochte; allein im Kampfe dagegen versagte man vollstän- 
dig und griff statt zu durchgreifenden Reformen lieber zu 
jämmerlichen Maßnahmen. Man dokterte an der Krank- 
heit herum und ließ die Ursachen Ursachen sein. Man unter- 
zog die einzelne Prostituierte einer ärztlichen Unter- 
suchung, beaufsichtigte sie, so gut es eben gehen mochte, und 
steckte sie im Falle einer festgestellten Krankheit in irgend- 
ein Lazarett, aus dem sie nach äußerlich erfolgter Heilung 
wieder auf die andere Menschheit losgelassen wurde. 



Der „Schutzparagraph" 281 

Man hatte freilich einen „Schutzparagraphen" eingeführt, 
nach dem der nicht ganz Gesunde oder Geheilte bei Strafe 
den sexuellen Verkehr zu meiden habe. Sicher ist diese Maß- 
nahme an sich richtig, allein in der praktischen Durchführung 
versagte sie so gut wie vollständig. Erstens wird es die 
Frau im Falle eines sie dadurch treffenden Unglückes 
- schon infolge unserer oder besser ihrer Erziehung - in 
den meisten Fällen wohl ablehnen, sich als Zeugin gegen 
den elenden Dieb ihrer Gesundheit - unter doch oft pein- 
lichen Begleitumständen - auch noch in den Gerichtssaal 
hineinzerren zu lassen. Gerade ihr nützt dies sehr wenig, 
sie wird ohnehin in den meisten Fällen die darunter am 
meisten Leidende sein - trifft sie doch die Verachtung ihrer 
lieblosen Umgebung noch viel schwerer, als dies beim 
Manne der Fall wäre. Endlich stelle man sich ihre Lage 
vor, wenn der Überbringer der Krankheit der eigene Gatte 
ist! Soll sie nun klagen? Oder was soll sie dann tun? 

Bei dem Manne aber kommt die Tatsache hinzu, daß er 
leider nur zu häufig gerade nach reichlichem Alkoholgenuß 
dieser Pest in den Weg läuft, da er in diesem Zustande am 
wenigsten in der Lage ist, die Qualitäten seiner „Schönen" 
zu beurteilen, was der ohnehin kranken Prostituierten auch 
nur zu genau bekannt ist und sie deshalb immer veranlaßt, 
gerade nach Männern in diesem idealen Zustande zu 
angeln. Das Ende aber ist, daß der später unangenehm 
Überraschte auch bei eifrigstem Nachdenken sich seiner barm- 
herzigen Beglückerin nicht mehr zu erinnern vermag, was 
einen in einer Stadt wie Berlin oder selbst München nicht 
wundernehmen darf. Dazu kommt noch, daß es sich oft um 
Besucher aus der Provinz handelt, die dem ganzen Groß- 
stadtzauber ohnehin vollkommen ratlos gegenüberstehen. 

Endlich aber: Wer kann denn wissen, ob er nun krank 
oder gesund ist? Kommen nicht zahlreiche Fälle vor, in 
denen ein scheinbar Geheilter wieder rückfällig wird und 
nun entsetzliches Unheil anrichtet, ohne es zunächst auch 
nur selber zu ahnen? 

So ist also die praktische Wirkung dieses Schutzes durch 
die gesetzliche Bestrafung einer schuldigen Ansteckung in 



282 Die Verprostituierung der Volksseele 

Wirklichkeit gleich Null. Ganz das gleiche gilt von der 
Beaufsichtigung der Prostituierten, und endlich ist auch die 
Heilung selber sogar heute noch unsicher und zweifelhaft. 
Sicher ist nur eines: die Seuche griff trotz aller Maß- 
nahmen immer weiter um sich. Dadurch aber wird auf das 
schlagendste die Wirkungslosigkeit derselben bestärkt. 

Denn alles, was sonst noch geschah, war ebenso unge- 
nügend wie lächerlich. Die seelische Prostituierung des Volkes 
wurde nicht verhindert; man tat auch überhaupt nichts 
zur Verhinderung. 

Wer aber geneigt ist, dies alles auf die leichte Schulter 
zu nehmen, der studiere nur einmal die statistischen Grund- 
lagen über die Verbreitung dieser Pest, vergleiche ihr 
Wachstum seit den letzten hundert Jahren, denke sich dann 
in diese Weiterentwicklung hinein - und er müßte schon 
die Einfalt eines Esels besitzen, wenn ihm nicht ein unan- 
genehmes Frösteln über den Rücken liefe! 

Die Schwäche und Halbheit, mit der man schon im alten 
Deutschland zu einer so furchtbaren Erscheinung Stellung 
nahm, darf als sichtbares Verfallszeichen eines Volkes 
gewertet werden. Wenn die Kraft zum Kampfe 
um die eigene Gesundheit nicht mehr vor- 
handen ist, endet das Recht zum Leben in 
dieser Welt des Kampfes. Sie gehört nur dem 
kraftvollen „Ganzen" und nicht dem schwachen „Halben". 

Eine der ersichtlichsten Verfallserscheinungen des alten 
Reiches war das langsame Herabsinken der allgemeinen 
Kulturhöhe, wobei ich unter Kultur nicht das meine, was 
man heute mit dem Worte Zivilisation bezeichnet. Diese 
scheint im Gegenteil eher eine Feindin wahrer Geistes- und 
Lebenshöhe zu sein. 

Schon vor der Jahrhundertwende begann sich in unsere 
Kunst ein Element einzuschieben, das bis dorthin als voll- 
kommen fremd und unbekannt gelten durfte. Wohl fanden 
auch in früheren Zeiten manchmal Verirrungen des Ge- 
schmackes statt, allein es handelte sich in solchen Fällen doch 
mehr um künstlerische Entgleisungen, denen die Nachwelt 
wenigstens einen gewissen historischen Wert zuzubilligen 



Der Bolschewismus der Kunst 283 

vermochte, als um Erzeugnisse einer überhaupt nicht mehr 
künstlerischen, sondern vielmehr geistigen Entartung bis zur 
Geistlosigkeit. In ihnen begann sich der später freilich besser 
sichtbar werdende politische Zusammenbruch schon kulturell 
anzuzeigen. 

Der Bolschewismus der Kunst ist die einzig mögliche 
kulturelle Lebensform und geistige Äußerung des Bolsche- 
wismus überhaupt. 

Wem dieses befremdlich vorkommt, der braucht nur die 
Kunst der glücklich bolschewisierten Staaten einer Betrach- 
tung zu unterziehen, und er wird mit Schrecken die krank- 
haften Auswüchse irrsinniger und verkommener Menschen, 
die wir unter den Sammelbegriffen des Kubismus und 
Dadaismus seit der Jahrhundertwende kennenlernten, dort 
als die offiziell staatlich anerkannte Kunst bewundern 
können. Selbst in der kurzen Periode der bayerischen Räte- 
republik war diese Erscheinung schon zutage getreten. Schon 
hier konnte man sehen, wie die gesamten offiziellen Plakate, 
Propagandazeichnungen in den Zeitungen usw. den Stempel 
nicht nur des politischen Verfalls, sondern auch den des 
kulturellen an sich trugen. 

So wenig etwa noch vor sechzig Jahren ein politischer 
Zusammenbruch von der jetzt erreichten Größe denkbar 
gewesen wäre, so wenig auch ein kultureller, wie er sich in 
futuristischen und kubistischen Darstellungen seit 1900 zu 
zeigen begann. Vor sechzig Jahren wäre eine Ausstellung 
von sogenannten dadaistischen „Erlebnissen" als einfach 
unmöglich erschienen, und die Veranstalter würden in das 
Narrenhaus gekommen sein, während sie heute sogar in 
Kunstverbänden präsidieren. Diese Seuche konnte damals 
nicht auftauchen, weil weder die öffentliche Meinung dies 
geduldet, noch der Staat ruhig zugesehen hätte. Denn es ist 
Sache der Staatsleitung, zu verhindern, daß ein Volk dem 
geistigen Wahnsinn in die Arme getrieben wird. Bei die- 
sem aber müßte eine derartige Entwicklung doch eines 
Tages enden. An dem Tage nämlich, an dem diese Art von 
Kunst wirklich der allgemeinen Auffassung entspräche, wäre 
eine der schwerwiegendsten Wandlungen der Menschheit 



284 Der Verfall des Theaters 

eingetreten; die Rückentwicklung des menschlichen Gehirns 
hätte damit begonnen, das Ende aber vermöchte man sich 
kaum auszudenken. 

Sobald man erst von diesem Gesichtspunkte aus die Ent- 
wicklung unseres Kulturlebens seit den letzten fünfundzwan- 
zig Jahren vor dem Auge vorbeiziehen läßt, wird man mit 
Schrecken sehen, wie sehr wir bereits in dieser Rückbildung 
begriffen sind. Überall stoßen wir auf Keime, die den Be- 
ginn von Wucherungen verursachen, an denen unsere Kultur 
früher oder später zugrunde gehen muß. Auch in ihnen 
können wir die Verfallserscheinungen einer langsam ab- 
faulenden Welt erkennen. Wehe den Völkern, die dieser 
Krankheit nicht mehr Herr zu werden vermögen! 

Solche Erkrankungen konnte man in Deutschland fast auf 
allen Gebieten der Kunst und Kultur überhaupt fest- 
stellen. Alles schien hier den Höhepunkt schon überschritten 
zu haben und dem Abgrunde zuzueilen. Das Theater sank 
zusehends tiefer und wäre wohl schon damals restlos als 
Kulturfaktor ausgeschieden, hätten nicht wenigstens die 
Hoftheater sich noch gegen die Prostituierung der Kunst ge- 
wendet. Sieht man von ihnen und einigen weiteren rüh- 
menswerten Ausnahmen ab, so waren die Darbietungen 
der Schaubühne derart, daß es für die Nation zweckmäßiger 
gewesen wäre, ihren Besuch ganz zu meiden. Es war ein 
trauriges Zeichen des inneren Verfalls, daß man die 
Jugend in die meisten dieser sogenannten „Kunststätten" 
gar nicht mehr schicken durfte, was auch ganz schamlos 
offen zugegeben wurde mit der allgemeinen Panoptikum- 
Warnung: „Jugendliche haben keinen Zutritt!" 

Man bedenke, daß man solche Vorsichtsmaßnahmen an 
den Stätten üben mußte, die in erster Linie für die Bil- 
dung der Jugend da sein müßten und nicht zur Ergötzung 
alter, blasierter Lebensschichten dienen dürften. Was 
würden wohl die großen Dramatiker aller Zeiten zu einer 
derartigen Maßregel gesagt haben, und was vor allem zu 
den Umständen, die dazu die Veranlassung gaben? Wie 
wäre Schiller aufgeflammt, wie würde sich Goethe empört 
abgewendet haben! 



Die Schmähung großer Vergangenheit 285 

Aber freilich, was sind denn Schiller, Goethe oder Shake- 
speare gegenüber den Heroen der neueren deutschen Dicht- 
kunst! Alte, abgetragene und überlebte, nein, überwundene 
Erscheinungen. Denn das war das Charakteristische dieser 
Zeit: nicht daß sie selber nur mehr Schmutz produzierte, be- 
sudelte sie obendrein alles wirklich Große der Vergangen- 
heit. Das ist allerdings eine Erscheinung, die man immer 
zu solchen Zeiten beobachten kann. Je niederträchtiger und 
elender die Erzeugnisse einer Zeit und ihrer Menschen sind, 
um so mehr haßt man die Zeugen einer einstigen größeren 
Höhe und Würde. Am liebsten möchte man in solchen Zeiten 
die Erinnerung an die Vergangenheit der Menschheit über- 
haupt tilgen, um durch die Ausschaltung jeder Vergleichs- 
möglichkeit den eigenen Kitsch immerhin noch als „Kunst" 
vorzutäuschen. Daher wird jede neue Institution, je elen- 
der und miserabler sie ist, um so mehr die letzten Spuren 
der vergangenen Zeit zu löschen trachten, während jede 
wirklich wertvolle Erneuerung der Menschheit auch unbe- 
kümmert an die guten Errungenschaften vergangener Ge- 
nerationen anknüpfen kann, ja diese oft erst zur Geltung 
zu bringen versucht. Sie braucht nicht zu befürchten, etwa 
vor der Vergangenheit zu verblassen, sondern sie gibt von 
sich aus dem allgemeinen Schatz der menschlichen Kultur 
einen so wertvollen Beitrag, daß sie oft gerade zu dessen 
voller Würdigung die Erinnerung an die früheren Leistun- 
gen selber wachhalten möchte, um so der neuen Gabe erst 
recht das volle Verständnis der Gegenwart zu sichern. Nur 
wer der Welt von sich aus gar nichts Wertvolles zu 
schenken vermag, aber zu tun versucht, als ob er ihr weiß 
Gott was geben wollte, wird alles wirklich schon Gegebene 
hassen und am liebsten verneinen oder gar vernichten. 

Dies gilt keineswegs bloß für Neuerscheinungen auf dem 
Gebiete der allgemeinen Kultur, sondern auch für solche der 
Politik. Revolutionäre neue Bewegungen werden die alten 
Formen um so mehr hassen, je minderwertiger sie selber 
sind. Auch hier kann man sehen, wie die Sorge, den eigenen 
Kitsch als etwas Beachtenswertes erscheinen zu lassen, zum 
blinden Haß gegen das überlegene Gute der Vergangen- 



286 Die Schmähung großer Vergangenheit 

heit führt. Solange zum Beispiel die geschichtliche Erinne- 
rung an Friedrich den Großen nicht erstorben ist, vermag 
Friedrich Ebert nur bedingtes Erstaunen hervorzurufen. 
Der Held von Sanssouci verhält sich zum ehemaligen Bre- 
menser Kneipenwirt ungefähr wie die Sonne zum Mond; 
erst wenn die Strahlen der Sonne verlöschen, vermag der 
Mond zu glänzen. Es ist deshalb auch der Haß aller Neu- 
monde der Menschheit gegen die Fixsterne nur zu begreif- 
lich. Im politischen Leben pflegen solche Nullen, wenn ihnen 
das Schicksal die Herrschaft vorübergehend in den Schoß 
wirft, nicht nur mit unermüdlichem Eifer die Vergangen- 
heit zu besudeln und zu beschmutzen, sondern sich selbst auch 
mit äußeren Mitteln der allgemeinen Kritik zu entziehen. 
Als Beispiel hierfür kann die Republik-Schutzgesetzgebung 
des neuen Deutschen Reiches gelten. 

Wenn daher irgendeine neue Idee, eine Lehre, eine neue 
Weltanschauung oder auch politische sowie wirtschaftliche 
Bewegung die gesamte Vergangenheit zu leugnen versucht, 
sie schlecht und wertlos machen will, so muß man schon aus 
diesem Anlaß äußerst vorsichtig und mißtrauisch sein. Mei- 
stens ist der Grund zu solchem Haß entweder nur die eigene 
Minderwertigkeit oder gar eine schlechte Absicht an sich. 
Eine wirklich segensreiche Erneuerung der Menschheit wird 
immer und ewig dort weiter zu bauen haben, wo das 
letzte gute Fundament aufhört. Sie wird sich der Verwen- 
dung bereits bestehender Wahrheiten nicht zu schämen brau- 
chen. Ist doch die gesamte menschliche Kultur sowie auch der 
Mensch selber nur das Ergebnis einer einzigen langen 
Entwicklung, in der jede Generation ihren Baustein zutrug 
und einfügte. Der Sinn und Zweck von Revolutionen ist 
dann nicht der, das ganze Gebäude einzureißen, sondern 
schlecht Gefügtes oder Unpassendes zu entfernen und an 
der dann wieder freigelegten gesunden Stelle weiter- und 
anzubauen. 

So allein wird man von einem Fortschritt der Menschheit 
sprechen können und dürfen. Im anderen Falle würde die 
Welt vom Chaos nie erlöst, da ja das Recht zur Ableh- 
nung der Vergangenheit jeder Generation zukäme und mit- 



Die geistige Vorbereitung des Bolschewismus 287 

hin jede als Voraussetzung der eigenen Arbeit die Werke 
der Vergangenheit zerstören dürfte. 

So war das Traurigste am Zustand unserer Gesamt- 
kultur der Vorkriegszeit nicht nur die vollkommene Im- 
potenz der künstlerischen und allgemeine kulturellen Schöp- 
ferkraft, sondern der Haß, mit dem die Erinnerung der 
größeren Vergangenheit besudelt und ausgelöscht wurde. 
Fast auf allen Gebieten der Kunst, besonders in Theater 
und Literatur, begann man um die Jahrhundertwende 
weniger bedeutendes Neues zu produzieren, als vielmehr 
das beste Alte herunterzusetzen und als minderwertig und 
überwunden hinzustellen; als ob diese Zeit der beschämend- 
sten Minderwertigkeit überhaupt etwas zu überwinden ver- 
möchte. Aus diesem Streben aber, die Vergangenheit dem 
Auge der Gegenwart zu entziehen, ging die böse Absicht 
dieser Apostel der Zukunft klar und deutlich hervor. Daran 
hätte man erkennen sollen, daß es sich hier nicht um neue, 
wenn auch falsche kulturelle Auffassungen handelte, sondern 
um einen Prozeß der Zerstörung der Grundlagen der Kul- 
tur überhaupt, um eine dadurch möglich werdende Ver- 
narrung des gesunden Kunstempfindens - und um die 
geistige Vorbereitung des politischen Bolschewismus. Denn 
wenn das Perikleische Zeitalter durch den Parthenon ver- 
körpert erscheint, dann die bolschewistische Gegenwart 
durch eine kubistische Fratze. 

In diesem Zusammenhange muß auch auf die hierbei 
wieder sichtbare Feigheit bei dem Teil unseres Volkes hin- 
gewiesen werden, der auf Grund seiner Bildung und seiner 
Stellung verpflichtet gewesen wäre, gegen diese Kultur- 
schande Front zu machen. Aus lauter Furcht vor dem Ge- 
schrei der bolschewistischen Kunstapostel, die jeden, der nicht 
in ihnen die Krone der Schöpfung erkennen wollte, auf 
das heftigste angriffen und als rückständigen Spießer fest- 
nagelten, verzichtete man auf allen ernstlichen Wider- 
stand und fügte sich in das, wie es eben schien, ja doch Un- 
vermeidliche. Man bekam förmlich Angst, von diesen Halb- 
narren oder Gaunern der Verständnislosigkeit geziehen zu 
werden; als ob es eine Schande wäre, die Produkte gei- 



288 „Inneres Erleben" 



stiger Degeneraten oder gerissener Betrüger nicht zu ver- 
stehen. Diese Kulturjünger besaßen freilich ein sehr ein- 
faches Mittel, ihren Unsinn zu einer weiß Gott wie gewal- 
tigen Sache zu stempeln; sie stellten jedes unverständliche 
und ersichtlich verrückte Zeug als sogenanntes inneres Er- 
leben der staunenden Mitwelt vor, auf so billige Weise den 
meisten Menschen das Wort der Entgegnung von vorn- 
herein aus dem Munde nehmend. Denn daran, daß auch 
dies ein inneres Erleben sein könnte, war ja gar nicht 
zu zweifeln, wohl aber daran, ob es angängig ist, der 
gesunden Welt die Halluzinationen von Geisteskranken 
oder Verbrechern vorzusetzen. Die Werke eines Moritz von 
Schwind oder eines Böcklin waren auch inneres Erleben, 
nur eben von Künstlern gottbegnadeter Art und nicht von 
Hanswursten. 

Da aber konnte man so recht die jammervolle Feigheit 
unserer sogenannten Intelligenz studieren, die sich um jeden 
ernstlichen Widerstand gegen diese Vergiftung des gesun- 
den Instinktes unseres Volkes herumdrückte, und es dem 
Volke selber überließ, sich mit diesem frechen Unsinn abzu- 
finden. Um nicht als kunstunverständig zu gelten, nahm 
man jede Kunstverhöhnung in Kauf, um endlich in der Be- 
urteilung von gut und schlecht wirklich unsicher zu werden. 
Alles in allem genommen aber waren dies Zeichen einer 
böse werdenden Zeit. 



Als bedenkliches Merkmal muß noch folgendes festgestellt 
werden: 

Im neunzehnten Jahrhundert begannen unsere Städte 
immer mehr den Charakter von Kulturstätten zu verlieren 
und zu reinen Menschenansiedlungen herabzusinken. Die 
geringe Verbundenheit, die unser heutiges Großstadtprole- 
tariat mit seinem Wohnort besitzt, ist die Folge davon, daß 
es sich hier wirklich nur um den zufälligen örtlichen Auf- 
enthaltsraum des einzelnen handelt und um weiter nichts. 
Zum Teil hängt dies mit dem durch die sozialen Verhält- 
nisse bedingten häufigen Wechsel des Wohnortes zusam- 



Moderne Menschenanhäufungen 289 

men, die dem Menschen nicht die Zeit zu einer engeren 
Verbindung mit seiner Stadt gibt, zum anderen aber ist 
die Ursache hierfür auch in der allgemeinen kulturellen Be- 
deutungslosigkeit und Ärmlichkeit unserer heutigen Städte 
an sich zu suchen. 

Noch zur Zeit der Befreiungskriege waren die deutschen 
Städte nicht nur der Zahl nach gering, sondern auch der 
Größe nach bescheiden. Die wenigen wirklichen Großstädte 
waren zum größten Teil Residenzen und besaßen als solche 
fast immer einen bestimmten kulturellen Wert und meist 
auch ein bestimmtes künstlerisches Bild. Die paar Orte von 
mehr als fünfzigtausend Einwohnern waren gegen Städte 
mit gleicher Bevölkerung von heute reich an wissenschaft- 
lichen und künstlerischen Schätzen. Als München sechzig- 
tausend Seelen zählte, schickte es sich schon an, eine der 
ersten deutschen Kunsststätten zu werden; heute hat fast jeder 
Fabrikort diese Zahl erreicht, wenn nicht schon vielfach über- 
schritten, ohne manchmal aber auch nur das geringste an 
wirklichen Werten sein eigen nennen zu können. Reine An- 
sammlungen von Wohn- und Mietskasernen, weiter nichts. 
Wie bei derartiger Bedeutungslosigkeit eine besondere Ver- 
bundenheit mit einem solchen Ort entstehen soll, muß ein 
Rätsel sein. Niemand wird an einer Stadt besonders hän- 
gen, die nichts weiter zu bieten hat als eben jede andere 
auch, der jede individuelle Note fehlt, und in der peinlich 
alles vermieden wurde, was nach Kunst oder ähnlichem 
auch nur aussehen könnte. 

Aber nicht genug an dem, auch die wirklichen Großstädte 
werden mit der steigenden Zunahme der Volkszahl im 
Verhältnis immer ärmer an wirklichen Kunstwerken. Sie 
erscheinen immer abgeschliffener und ergeben ganz das 
gleiche Bild, wenn auch in größerem Umfange, wie die 
kleinen armseligen Fabrikorte. Was die neuere Zeit zu 
dem kulturellen Inhalt unserer Großstädte hinzugefügt hat, 
ist vollkommen unzulänglich. Alle unsere Städte zehren 
vom Ruhme und den Schätzen der Vergangenheit. Man 
nehme aus dem jetzigen München doch einmal alles weg, 
was unter Ludwig I. geschaffen wurde, und man wird mit 

1 1 Hitler, Mein Kampf 



290 Monumentale Staatsbauten von einst 

Entsetzen sehen, wie armselig der Zuwachs seit dieser Zeit 
an bedeutenden künstlerischen Schöpfungen ist. Das gleiche 
gilt auch für Berlin und die meisten anderen Großstädte. 

Das Wesentliche aber ist doch noch folgendes: Unsere 
heutigen Großstädte besitzen keine das ganze Stadtbild 
beherrschenden Denkmäler, die irgendwie als Wahrzeichen 
der ganzen Zeit angesprochen werden könnten. Dies aber 
war in den Städten des Altertums der Fall, da fast jede 
ein besonderes Monument ihres Stolzes besaß. Nicht in den 
Privatbauten lag das Charakteristische der antiken Stadt, 
sondern in den Denkmälern der Allgemeinheit, die nicht 
für den Augenblick, sondern für die Ewigkeit bestimmt 
schienen, weil sich in ihnen nicht der Reichtum eines ein- 
zelnen Besitzers, sondern die Größe und Bedeutung der 
Allgemeinheit widerspiegeln sollte. So entstanden Denk- 
mäler, die sehr wohl geeignet waren, den einzelnen Be- 
wohner in einer Weise mit seiner Stadt zu verbinden, die 
uns heute manchmal fast unverständlich vorkommt. Denn 
was dieser vor Augen hatte, waren weniger die ärmlichen 
Häuser privater Besitzer als die Prachtbauten der ganzen 
Gemeinschaft. Ihnen gegenüber sank das Wohnhaus wirk- 
lich zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit zusammen. 

Wenn man die Größenverhältnisse der antiken Staats- 
bauten mit den gleichzeitigen Wohnhäusern vergleicht, so 
wird man erst die überragende Wucht und Gewalt dieser 
Betonung des Grundsatzes, den Werken der Öffentlichkeit 
in die erste Stellung zuzuweisen, verstehen. Was wir heute in 
den Trümmerhaufen und Ruinenfeldern der antiken Welt 
als wenige noch aufragende Kolosse bewundern, sind nicht 
einstige Geschäftspaläste, sondern Tempel und Staatsbau- 
ten; also Werke, deren Besitzer die Allgemeinheit war. 
Selbst im Prunke des Roms der Spätzeit nahmen den 
ersten Platz nicht die Villen und Paläste einzelner Bürger, 
sondern die Tempel und Thermen, die Stadien, Zirkusse, 
Aquädukte, Basiliken usw. des Staates, also des ganzen 
Volkes ein. 

Sogar das germanische Mittelalter hielt den gleichen 
leitenden Grundsatz, wenn auch unter gänzlich anderen 



Warenhaus und Hotel - moderner Kulturausdruck 291 

Kunstauffassungen, aufrecht. Was im Altertum in der Akro- 
polis oder dem Pantheon seinen Ausdruck fand, hüllte sich 
nun in die Formen des gotischen Domes. Wie Riesen ragten 
diese Monumentalbauten über das kleine Gewimmel von 
Fachwerk-, Holz- oder Ziegelbauten der mittelalterlichen 
Stadt empor und wurden zu Wahrzeichen, die selbst heute 
noch, da neben ihnen die Mietskasernen immer höher 
emporklettern, den Charakter und das Bild dieser Orte 
bestimmen. Münster, Rathäuser und Schrannenhallen sowie 
Wehrtürme sind das sichtbare Zeichen einer Auffassung, 
die im letzten Grunde wieder nur der der Antike entsprach. 

Wie wahrhaft jammervoll aber ist das Verhältnis zwi- 
schen Staats- und Privatbau heute geworden! Würde das 
Schicksal Roms Berlin treffen, so könnten die Nachkommen 
als gewaltigste Werke unserer Zeit dereinst die Waren- 
häuser einiger Juden und die Hotels einiger Gesellschaften 
als charakteristischen Ausdruck der Kultur unserer Tage 
bewundern. Man vergleiche doch das böse Mißverhältnis, 
das in einer Stadt wie selbst Berlin zwischen den Bauten des 
Reiches und denen der Finanz und des Handels herrscht. 

Schon der für die Staatsbauten aufgewendete Betrag ist 
meistens wahrhaft lächerlich und ungenügend. Es werden 
nicht Werke für die Ewigkeit geschaffen, sondern meistens 
nur für den augenblicklichen Bedarf. Irgendein höherer 
Gedanke herrscht dabei überhaupt nicht vor. Das Berliner 
Schloß war zur Zeit seiner Erbauung ein Werk von anderer 
Bedeutung als es etwa die neue Bibliothek im Rahmen 
der Gegenwart ist. Während ein einziges Schlachtschiff 
einen Wert von rund sechzig Millionen darstellte, wurde 
für den ersten Prachtbau des Reiches, der für die Ewig- 
keit bestimmt sein sollte, das Reichstagsgebäude, kaum die 
Hälfte bewilligt. Ja, als die Frage der inneren Ausstattung 
zur Entscheidung kam, stimmte das Hohe Haus gegen die 
Verwendung von Stein und befahl, die Wände mit Gips 
zu verkleiden; dieses Mal allerdings hatten die Parla- 
mentarier ausnahmsweise wirklich recht gehandelt; Gips- 
köpfe gehören auch nicht zwischen Steinmauern. 



292 Religiöse Verhältnisse 

So fehlt unseren Städten der Gegenwart das über- 
ragende Wahrzeichen der Volksgemeinschaft, und man darf 
sich deshalb auch nicht wundern, wenn diese in ihren Städ- 
ten kein Wahrzeichen ihrer selbst sieht. Es muß zu einer 
Verödung kommen, die sich in der gänzlichen Teilnahms- 
losigkeit des heutigen Großstädters am Schicksal seiner Stadt 
praktisch auswirkt. 

Auch dieses ist ein Zeichen unserer sinkenden Kultur und 
unseres allgemeinen Zusammenbruches. Die Zeit erstickt in 
kleinster Zweckmäßigkeit, besser gesagt, im Dienste des 
Geldes. Da aber darf man sich auch nicht wundern, wenn 
unter einer solchen Gottheit wenig Sinn für Heroismus 
übrigbleibt. Die heutige Gegenwart erntet nur, was die 
letzte Vergangenheit gesät hat. 

Alle diese Verfallserscheinungen sind im letzten Grunde 
nur Folgen des Mangels einer bestimmten, gleichmäßig 
anerkannten Weltanschauung sowie der daraus sich er- 
gebenden allgemeinen Unsicherheit in der Beurteilung und 
der Stellungnahme zu den einzelnen großen Fragen der 
Zeit. Daher ist auch, angefangen bei der Erziehung, alles 
halb und schwankend, scheut die Verantwortung und endet 
so in feiger Duldung selbst erkannter Schäden. Der Humani- 
tätsdusel wird Mode, und indem man den Auswüchsen 
schwächlich nachgibt und einzelne schont, opfert man die 
Zukunft von Millionen. 

Wie sehr die allgemeine Zerrissenheit um sich greift, zeigt 
eine Betrachtung der religiösen Zustände vor dem Kriege. 
Auch hier war eine einheitliche und wirksame weltanschau- 
ungsmäßige Überzeugung in großen Teilen der Nation 
längst verlorengegangen. Dabei spielen die sich offiziell von 
den Kirchen lösenden Anhänger eine kleinere Rolle als die 
überhaupt Gleichgültigen. Während die beiden Kon- 
fessionen in Asien und Afrika Missionen aufrechterhalten, 
um neue Anhänger ihrer Lehre zuzuführen - eine Tätig- 
keit, die gegenüber dem Vordringen besonders des moham- 
medanischen Glaubens nur sehr bescheidene Erfolge aufzu- 



Religiöse Verhältnisse 293 

weisen hat -, verlieren sie in Europa selber Millionen und 
abermals Millionen von innerlichen Anhängern, die dem 
religiösen Leben entweder überhaupt fremd gegenüber- 
stehen oder doch ihre eigenen Wege wandeln. Die Folgen 
sind besonders in sittlicher Hinsicht keine günstigen. 

Bemerkenswert ist auch der immer heftiger einsetzende 
Kampf gegen die dogmatischen Grundlagen der einzelnen 
Kirchen, ohne die aber auf dieser Welt von Menschen der 
praktische Bestand eines religiösen Glaubens nicht denkbar 
ist. Die breite Masse eines Volkes besteht nicht aus Philo- 
sophen; gerade aber für die Masse ist der Glaube häufig die 
einzige Grundlage einer sittlichen Weltanschauung über- 
haupt. Die verschiedenen Ersatzmittel haben sich im Erfolg 
nicht so zweckmäßig erwiesen, als daß man in ihnen eine 
nützliche Ablösung der bisherigen religiösen Bekenntnisse 
zu erblicken vermöchte. Sollen aber die religiöse Lehre und 
der Glaube die breiten Schichten wirklich erfassen, dann ist 
die unbedingte Autorität des Inhalts dieses Glaubens das 
Fundament jeder Wirksamkeit. Was dann für das allge- 
meine Leben der jeweilige Lebensstil ist, ohne den sicherlich 
auch Hunderttausende von hochstehenden Menschen ver- 
nünftig und klug leben würden, Millionen andere aber 
eben nicht, das sind für den Staat die Staatsgrundgesetze 
und für die jeweilige Religion die Dogmen. Durch sie erst 
wird die schwankende und unendlich auslegbare, rein gei- 
stige Idee bestimmt abgesteckt und in eine Form gebracht, 
ohne die sie niemals Glauben werden könnte. Im anderen 
Falle würde die Idee über eine metaphysische Anschauung, 
ja, kurz gesagt, philosophische Meinung nie hinauswachsen. 
Der Angriff gegen die Dogmen an sich gleicht deshalb auch 
sehr stark dem Kampfe gegen die allgemeinen gesetzlichen 
Grundlagen des Staates, und so wie dieser sein Ende in 
einer vollständigen staatlichen Anarchie finden würde, so 
der andere in einem wertlosen religiösen Nihilismus. 

Für den Politiker aber darf die Abschätzung des Wertes 
einer Religion weniger durch die ihr etwa anhaftenden 
Mängel bestimmt werden als vielmehr durch die Güte 
eines ersichtlich besseren Ersatzes. Solange aber ein solcher 



294 Politischer Mißbrauch der Religion 

anscheinend fehlt, kann das Vorhandene nur von Narren 
oder Verbrechern demoliert werden. 

Freilich haben nicht die kleinste Schuld an den nicht sehr 
erfreulichen religiösen Zuständen diejenigen, die die reli- 
giöse Vorstellung zu sehr mit rein irdischen Dingen be- 
lasten und so häufig in einen gänzlich unnötigen Konflikt 
mit der sogenannten exakten Wissenschaft bringen. Hier 
wird der Sieg, wenn auch nach schwerem Kampfe, der letz- 
teren fast immer zufallen, die Religion aber in den Augen 
all derjenigen, die sich über ein rein äußerliches Wissen 
nicht zu erheben vermögen, schweren Schaden leiden. 

Am ärgsten sind jedoch die Verwüstungen, die durch den 
Mißbrauch der religiösen Überzeugung zu politischen Zwek- 
ken hervorgerufen werden. Man kann wirklich gar nicht 
scharf genug gegen jene elenden Schieber auftreten, die in 
der Religion ein Mittel sehen wollen, das ihnen politische, 
besser geschäftliche Dienste zu leisten habe. Diese frechen 
Lügenmäuler schreien freilich mit Stentorstimme, damit es 
ja die anderen Sünder hören können, ihr Glaubensbekennt- 
nis in alle Welt hinaus, allein nicht, um dafür, wenn 
nötig, auch zu sterben, sondern um besser leben zu können. 
Für eine einzige politische Schiebung von entsprechendem 
Werte ist ihnen der Sinn eines ganzen Glaubens feil; für 
zehn Parlamentsmandate verbinden sie sich mit den mar- 
xistischen Todfeinden jeder Religion - und für einen Mi- 
nisterstuhl gingen sie wohl auch die Ehe mit dem Teufel 
ein, sofern diesen nicht noch ein Rest von Anstand ver- 
scheuchen würde. 

Wenn in Deutschland vor dem Kriege das religiöse Le- 
ben für viele einen unangenehmen Beigeschmack erhielt, so 
war dies dem Mißbrauch zuzuschreiben, der von Seiten einer 
sogenannten „christlichen" Partei mit dem Christentum ge- 
trieben wurde, sowie der Unverschämtheit, mit der man den 
katholischen Glauben mit einer politischen Partei zu identi- 
fizieren versuchte. 

Diese Unterschiebung war ein Verhängnis, das einer 
Reihe von Nichtsnutzen wohl Parlamentsmandate, der 
Kirche aber Schaden einbrachte. 



Ziellosigkeit der deutschen Politik 295 

Das Ergebnis jedoch hatte die gesamte Nation zu tragen, 
indem die Folgen der dadurch bedingten Lockerung des 
religiösen Lebens gerade in eine Zeit fielen, in der ohne- 
hin alles zu weichen und zu wanken begann und die über- 
lieferten Grundlagen von Sitte und Moral zusammen- 
zubrechen drohten. 

Auch dieses waren Risse und Sprünge in unserem Volks- 
körper, die so lange gefahrlos sein konnten, als keine 
besondere Belastung entstand, die aber zum Unheil werden 
mußten, wenn durch die Wucht großer Ereignisse die Frage 
der inneren Festigkeit der Nation eine ausschlaggebende 
Bedeutung erhielt. 

Ebenso waren auf dem Gebiete der Politik für aufmerk- 
same Augen Schäden vorhanden, die, wenn nicht in abseh- 
barer Zeit eine Besserung oder Änderung vorgenommen 
wurde, als Zeichen eines kommenden Verfalls des Reiches 
gelten durften und mußten. Die Ziellosigkeit der deutschen 
Innen- und Außenpolitik war für jeden sichtbar, der nicht 
absichtlich blind sein wollte. Die Kompromißwirtschaft 
schien am meisten der Bismarckschen Auffassung zu entspre- 
chen, daß „die Politik eine Kunst des Möglichen" wäre. 
Nun war aber zwischen Bismarck und den späteren deut- 
schen Kanzlern ein kleiner Unterschied vorhanden, der dem 
ersteren gestattete, eine solche Äußerung über das Wesen 
der Politik fallen zu lassen, während die gleiche Auffassung 
aus dem Munde seiner Nachfolger eine ganz andere Bedeu- 
tung erlangen mußte. Denn Bismarck wollte mit diesem Satze 
nur besagen, daß zur Erreichung eines bestimmten politi- 
schen Zieles alle Möglichkeiten zu verwenden bzw. nach 
allen Möglichkeiten zu verfahren wäre; seine Nach- 
folger aber sahen in dieser Äußerung die feierliche Ent- 
bindung von der Notwendigkeit, überhaupt politische Ge- 
danken oder gar Ziele zu haben. Und politische Ziele 
waren für die Leitung des Reiches zu dieser Zeit wirklich 
nicht mehr vorhanden; fehlte hierzu doch die nötige Unter- 
lage einer bestimmten Weltanschauung sowie die notwen- 



296 Versagen des Vorkriegsparlamentarismus 

dige Klarheit über die inneren Entwicklungsgesetze des 
politischen Lebens überhaupt. 

Es gab nicht wenige, die in dieser Richtung trübe sahen 
und die Plan- und Gedankenlosigkeit der Reichspolitik gei- 
ßelten, ihre innere Schwäche und Hohlheit also sehr wohl 
erkannten, allein es waren dies nur die Außenseiter im 
politischen Leben; die offiziellen Stellen der Regierung 
gingen an den Erkenntnissen eines Houston Stewart Cham- 
berlain genau so gleichgültig vorüber, wie es heute noch 
geschieht. Diese Leute sind zu dumm, selbst etwas zu den- 
ken, und zu eingebildet, von anderen das Nötige zu ler- 
nen - eine urewige Wahrheit, die Oxenstierna zu dem 
Ausruf veranlaßte: „Die Welt wird nur von einem Bruch- 
teil der Weisheit regiert", von welchem Bruchteil freilich 
fast jeder Ministerialrat nur ein Atom verkörpert. Seit 
Deutschland Republik geworden, trifft dies allerdings nicht 
mehr zu - es ist deshalb auch durch das Republik-Schutz- 
gesetz verboten worden, so etwas zu glauben oder gar aus- 
zusprechen. Für Oxenstierna aber war es ein Glück, schon 
damals und nicht in dieser gescheiten Republik von heute 
zu leben. 

Als größtes Schwächemoment wurde schon in der Vor- 
kriegszeit vielfach die Institution erkannt, in der sich die 
Stärke des Reiches verkörpern sollte: das Parlament, der 
Reichstag. Feigheit und Verantwortungslosigkeit gesellten 
sich hier in vollendeter Weise. 

Es ist eine der Gedankenlosigkeiten, die man heute nicht 
selten zu hören bekommt, daß der Parlamentarismus in 
Deutschland „seit der Revolution" versagt habe. Es wird 
dadurch nur zu leicht der Anschein erweckt, als ob es etwa 
vor der Revolution anders gewesen wäre. In Wirklichkeit 
kann diese Einrichtung gar nicht anders als vernichtend 
wirken - und sie tat dies auch schon zu jener Zeit, da die 
meisten, noch mit Scheuklappen behangen, nichts sahen oder 
sehen wollten. Denn daß Deutschland gestürzt wurde, ist 
nicht zum kleinsten Teile dieser Einrichtung zu verdanken; 
daß aber die Katastrophe nicht schon früher eintrat, kann 
nicht als Verdienst des Reichstages gelten, sondern ist dem 



Parlamentarische Halbheiten 297 

Widerstände zuzuschreiben, der sich der Tätigkeit dieses 
Totengräbers der deutschen Nation und des Deutschen Rei- 
ches in den Friedensjahren noch entgegenstemmte. 

Aus der Unsumme der verheerenden Schäden, die dieser 
Institution direkt oder indirekt zu verdanken sind, will 
ich nur ein einziges Unheil herausgreifen, das am meisten 
dem inneren Wesen dieser verantwortungslosesten Einrich- 
tung aller Zeit entspricht: die schauderhafte Halbheit und 
Schwäche der politischen Leitung des Reiches nach innen 
und außen, die, in erster Linie dem Wirken des Reichs- 
tages zuzuschreiben, zu einer Hauptursache des politischen 
Zusammenbruches wurde. 

Halb war alles, was irgendwie dem Einfluß dieses Parla- 
ments unterstand, man mag betrachten, was man nur will. 

Halb und schwach war die Bündnispolitik des Reiches 
nach außen. Indem man den Frieden erhalten wollte, mußte 
man unweigerlich zum Kriege steuern. 

Halb war die Polenpolitik. Man reizte, ohne jemals 
ernstlich durchzugreifen. Das Ergebnis war weder ein Sieg 
des Deutschtums noch eine Versöhnung der Polen, dafür 
aber Feindschaft mit Rußland. 

Halb war die Lösung der elsaß-lothringischen Frage. 
Statt mit brutaler Faust einmal für immer der franzö- 
sischen Hydra den Kopf zu zermalmen, dem Elsässer aber 
dann gleiche Rechte zuzubilligen, tat man keines von 
beiden. Man konnte es auch gar nicht, saßen doch in den 
Reihen der größten Parteien auch die größten Landes- 
verräter - im Zentrum z.B. Herr Wetterle. 

Alles dies aber wäre noch zu ertragen gewesen, wenn 
der allgemeinen Halbheit nicht auch die Macht zum Opfer 
gefallen wäre, von deren Dasein am Ende der Bestand des 
Reiches abhing: das Heer. 

Was der sogenannte „Deutsche Reichstag" hier gesündigt 
hatte, genügt allein, um ihn für alle Zeiten mit dem Fluche 
der deutschen Nation zu beladen. Aus den erbärmlichsten 
Gründen haben diese parlamentarischen Parteilumpen der 
Nation die Waffe der Selbsterhaltung, den einzigen Schutz 
der Freiheit und Unabhängigkeit unseres Volkes, aus der 



298 Verbrechen des Parlamentarismus am Heer 

Hand gestohlen und geschlagen. Öffneten sich heute die 
Gräber der flandrischen Ebene, so würden sich aus ihnen 
die blutigen Ankläger erheben, Hunderttausende der besten 
jungen Deutschen, die durch die Gewissenlosigkeit dieser 
parlamentarischen Verbrecher schlecht und halb ausgebildet 
dem Tod in die Arme getrieben wurden; sie und Millionen 
von Männern, die zu den Toten hinsanken oder zu Krüp- 
peln wurden, hat das Vaterland verloren, einzig und allein, 
um einigen hundert Volksbetrügern politische Schiebungen, 
Erpressungen oder selbst das Herunterleiern doktrinärer 
Theorien zu ermöglichen. 

Während das Judentum durch seine marxistische und 
demokratische Presse die Lüge vom deutschen „Militaris- 
mus" in die ganze Welt hinausrief und Deutschland so mit 
allen Mitteln zu belasten trachtete, verweigerten marxi- 
stische und demokratische Parteien jede umfassende Aus- 
bildung der deutschen Volkskraft. Dabei mußte das unge- 
heure Verbrechen, das dadurch begangen wurde, jedem so- 
fort klar werden, der nur bedachte, daß im Falle eines 
kommenden Krieges ja doch die gesamte Nation unter Waf- 
fen treten müsse, mithin also durch die Lumperei dieser 
sauberen Repräsentanten der eigenen sogenannten „Volks- 
vertretung" Millionen von Deutschen in schlechter, halber 
Ausbildung vor den Feind getrieben würden. Aber selbst 
wenn man die hierdurch sich ergebenden Folgen der bru- 
talen und rohen Gewissenlosigkeit dieser parlamentarischen 
Zuhälter ganz außer Betracht ließ: dieser Mangel an aus- 
gebildeten Soldaten zu Beginn des Krieges konnte nur zu 
leicht zum Verlust desselben führen, was dann auch im gro- 
ßen Weltkrieg in so furchtbarer Weise sich bestätigte. 

Der Verlust des Kampfes um die Freiheit und Unab- 
hängigkeit der deutschen Nation ist das Ergebnis der schon 
im Frieden betätigten Halbheit und Schwäche in der Her- 
anziehung der gesamten Volkskraft zur Verteidigung des 
Vaterlandes. 

Wenn im Lande zu wenig Rekruten ausgebildet wurden, 
so war zur See die gleiche Halbheit am Werke, die Waffe 



Falsche Flottenbaupolitik 299 

der nationalen Selbsterhaltung mehr oder weniger wertlos 
zu machen. Leider aber wurde die Leitung der Marine sel- 
ber vom Geist der Halbheit angesteckt. Die Tendenz, alle 
auf Stapel gelegten Schiffe, immer etwas kleiner als die 
zur gleichen Zeit vom Stapel gelassenen englischen zu 
bauen, war wenig weitschauend und noch weniger genial. 
Gerade eine Flotte, die von Anfang an rein zahlenmäßig 
nicht auf gleiche Höhe mit ihrem voraussichtlichen Gegner 
gebracht werden kann, muß den Mangel der Zahl zu er- 
setzen trachten durch die überragende Kampfkraft der ein- 
zelnen Schiffe. Auf die überlegene Kampfkraft kommt es 
an und nicht auf eine sagenhafte Überlegenheit an „Güte". 
Tatsächlich ist die moderne Technik so fortgeschritten und 
zu so großer Übereinstimmung in den einzelnen Kultur- 
staaten gekommen, daß es als unmöglich gelten muß, Schif- 
fe der einen Macht einen wesentlich größeren Gefechts- 
wert zu geben als den Schiffen gleichen Tonnengehalts 
eines anderen Staates. Noch viel weniger aber ist es denk- 
bar, eine Überlegenheit bei kleinerem Deplacement gegen- 
über einem größeren zu erzielen. 

Tatsächlich konnte der kleine Tonnengehalt der deut- 
schen Schiffe nur auf Kosten der Schnelligkeit und Armie- 
rung erfolgen. Die Phrase, mit der man diese Tatsache zu 
rechtfertigen versuchte, zeigte allerdings schon einen sehr 
bösen Mangel an Logik bei der hierfür im Frieden maß- 
gebenden Stelle. Man erklärte nämlich, daß das deutsche 
Geschützmaterial dem britischen so ernstlich überlegen sei, 
daß das deutsche 28-Zentimeter-Rohr dem britischen 30,5- 
Zentimeter-Rohr an Schußleistung gar nicht nachstehe!! 

Gerade deshalb aber wäre es Pflicht gewesen, nun eben- 
falls zum 30,5-Zentimeter-Geschütz überzugehen, da das 
Ziel nicht die Erreichung gleicher, sondern überlegener 
Kampfkraft hätte sein müssen. Sonst wäre ja auch die Bei- 
stellung des 42-Zentimeter-Mörsers beim Heer überflüssig 
gewesen, da der deutsche 21-Zentimeter-Mörser jedem da- 
mals vorhandenen französischen Steilfeuergeschütz an und 
für sich schon weit überlegen war, die Festungen aber wohl 
auch dem 30,5-Zentimeter-Mörser ebenfalls zum Opfer ge- 



300 Falsche Flottenbaupolitik 

fallen wären. Allein die Leitung der Landarmee dachte 
richtig und die der Marine leider nicht. 

Der Verzicht auf überragende Artilleriewirkung sowie 
auf überlegene Schnelligkeit lag aber ganz im grundfalschen 
sogenannten „Risikogedanken" begründet. Man verzichtete 
in der Marineleitung schon durch die Form des Ausbaues 
der Flotte auf den Angriff und verlegte sich so von Anfang 
an zwangsläufig auf die Defensive. Damit aber verzichtete 
man auch auf den letzten Erfolg, der doch ewig nur im 
Angriff liegt und liegen kann. 

Ein Schiff mit kleinerer Schnelligkeit und schwächerer 
Armierung wird vom schnelleren und stärker bestückten 
Gegner meist in der für diesen günstigen Schußentfernung 
in den Grund geschossen werden. Das mußte eine ganze 
Anzahl unserer Kreuzer in der bittersten Weise fühlen. 
Wie grundfalsch die Friedensansicht der Marineleitung 
war, zeigte der Krieg, der, wo es nur anging, zur Um- 
armierung alter und Besserarmierung der neuen Schiffe 
zwang. Würden aber in der Seeschlacht am Skagerrak die 
deutschen Schiffe gleichen Tonnengehalt, gleiche Armierung 
und gleiche Schnelligkeit wie die englischen besessen haben, 
dann wäre unter dem Orkan der treffsicheren und wirkungs- 
volleren deutschen 38-Zentimeter-Granaten die britische 
Flotte ins nasse Grab gesunken. 

Japan hat einst eine andere Flottenpolitik getrieben. 
Dort wurde grundsätzlich aller Wert darauf gelegt, in 
jedem einzelnen neuen Schiff eine überlegene Kampfkraft 
gegenüber dem voraussichtlichen Gegner zu gewinnen. Dem 
entsprach dann aber auch die dadurch ermöglichte offensive 
Einsetzung der Flotte. 

Während sich das Landheer in seiner Leitung von so 
prinzipiell falschen Gedankengängen noch frei hielt, unter- 
lag die Marine, die „parlamentarisch" leider schon besser 
vertreten war, dem Geiste des Parlaments. Sie war von 
halben Gesichtspunkten aus organisiert und wurde später 
nach ähnlichen eingesetzt. Was die Marine dann dennoch an 
unsterblichem Ruhm sich erwarb, war nur mehr dem Konto 
der guten deutschen Wehrmannsarbeit sowie der Fähigkeit 



Kampf des Landheeres gegen Halbheit 301 

und dem unvergleichlichen Heldentum der einzelnen Offi- 
ziere und Mannschaften gutzuschreiben. Hätte die frühere 
Oberste Leitung der Marine dem an Genialität entspro- 
chen, so wären die Opfer nicht vergeblich gewesen. 

So wurde vielleicht gerade die überlegene parlamen- 
tarische Geschicklichkeit des führenden Kopfes der Marine 
im Frieden zum Unheil derselben, indem leider auch in 
ihrem Aufbau statt rein militärischer parlamentarische 
Gesichtspunkte die maßgebende Rolle zu spielen begannen. 
Die Halbheit und Schwäche sowie die geringe Logik im 
Denken, die der parlamentarischen Institution zu eigen ist, 
färbten auf die Leitung der Flotte ab. 

Das Landheer hielt sich, wie schon betont, von solchen 
grundsätzlich falschen Gedankengängen noch zurück. Beson- 
ders der damalige Oberst im Großen Generalstab, Luden- 
dorff, führte einen verzweifelten Kampf gegen die ver- 
brecherische Halbheit und Schwäche, mit der der Reichstag 
den Lebensfragen der Nation gegenübertrat und sie 
meistens verneinte. Wenn der Kampf, den dieser Offizier 
damals ausfocht, dennoch vergeblich war, so trug die Schuld 
zur einen Hälfte eben das Parlament, zur anderen aber 
die wenn möglich noch elendere Haltung und Schwäche 
des Reichskanzlers Bethmann Hollweg. Dieses hindert die 
Schuldigen am deutschen Zusammenbruch jedoch nicht im 
geringsten, heute gerade dem die Schuld zuschieben zu wol- 
len, der als einziger sich gegen diese Verwahrlosung der 
nationalen Interessen wandte - auf einen Betrug mehr 
oder weniger kommt es diesen geborenen Schiebern nie- 
mals an. 

Wer all die Opfer überdenkt, die durch den sträflichen 
Leichtsinn dieser Verantwortungslosesten der Nation auf- 
gebürdet wurden, all die zwecklos geopferten Millionen von 
gesunden Männern sich vor Augen führt sowie die grenzen- 
lose Schmach und Schande, das unermeßliche Elend, das uns 
jetzt getroffen hat, und weiß, daß dieses alles nur kam, um 
einem Haufen gewissenloser Streber und Stellenjäger die 
Bahn zu Ministerstühlen freizumachen, der wird verstehen, 
daß man diese Kreaturen wirklich nur mit Worten wie 



302 Die deutschen Vorzüge 

Schuft, Schurke, Lump und Verbrecher bezeichnen kann, 
sonst wären der Sinn und Zweck des Vorhandenseins dieser 
Ausdrücke im Sprachgebrauch ja unverständlich. Denn die- 
sen Verrätern an der Nation gegenüber ist jeder Zuhälter 
noch ein Ehrenmann. 

Alle wirklichen Schattenseiten des alten Deutschlands 
fielen aber eigentümlicherweise nur dann ins Auge, wenn 
dadurch die innere Festigkeit der Nation Schaden erleiden 
mußte. Ja, in solchen Fällen wurden die unangenehmen 
Wahrheiten geradezu in die breite Masse hinausgeschrien, 
während man sonst viele Dinge lieber schamhaft verschwieg, 
ja zum Teil einfach ableugnete. Dies war der Fall, wenn 
es durch die offene Behandlung einer Frage vielleicht zu 
einer Besserung hätte kommen können. Dabei verstanden 
die maßgebenden Stellen der Regierung soviel wie nichts 
vom Werte und vom Wesen der Propaganda. Daß durch 
kluge und dauernde Anwendung von Propaganda einem 
Volke selbst der Himmel als Hölle vorgemacht werden 
kann und umgekehrt das elendeste Leben als Paradies, 
wußte nur der Jude, der auch dementsprechend handelte; 
der Deutsche, besser seine Regierung, besaß davon keine 
blasse Ahnung. 

Am schwersten sollte sich dies während des Krieges 
rächen. 

Allen hier angedeuteten und zahllosen weiteren Schäden 
im deutschen Leben vor dem Kriege standen auch wieder 
viele Vorzüge gegenüber. Bei einer gerechten Prüfung muß 
man sogar erkennen, daß die meisten unserer Gebrechen 
zum größten Teile auch die anderen Länder und Völker 
ihr eigen nannten, ja in manchen uns noch weitaus in den 
Schatten stellten, während sie viele unserer tatsächlichen 
Vorzüge nicht besaßen. 

An die Spitze dieser Vorzüge kann man unter anderem 
die Tatsache stellen, daß das deutsche Volk unter fast allen 



Repräsentanten des alten und neuen Regiments 303 

europäischen Völkern sich immer noch am meisten den 
nationalen Charakter seiner Wirtschaft zu bewahren ver- 
suchte und trotz mancher bösen Vorzeichen noch am wenig- 
sten der internationalen Finanzkontrolle unterstand. Aller- 
dings ein gefährlicher Vorzug, der später zum größten Er- 
reger des Weltkrieges wurde. 

Sieht man von dem und vielem anderen aber ab, so müs- 
sen drei Einrichtungen aus der Unzahl von gesunden Kraft- 
quellen der Nation herausgenommen werden, die in ihrer 
Art als mustergültig, ja zum Teil unerreicht dastanden. 

Als erstes die Staatsform an sich und die Ausprägung, 
die sie im Deutschland der neuen Zeit gefunden hatte. 

Man darf hier wirklich von einzelnen Monarchen ab- 
sehen, die als Menschen allen Schwächen unterworfen wa- 
ren, die diese Erde und ihre Kinder heimzusuchen pflegen 
- wäre man hier nicht nachsichtig, müßte man sonst an 
der Gegenwart überhaupt verzweifeln: sind doch die Re- 
präsentanten des jetzigen Regiments, gerade als Persön- 
lichkeit betrachtet, wohl das geistig und moralisch Beschei- 
denste, das man sich selbst bei langem Nachdenken auch 
nur vorzustellen vermag. Wer den „Wert" der deutschen 
Revolution an dem Werte und der Größe der Personen 
mißt, die sie dem deutschen Volke seit dem November 1918 
geschenkt hat, der wird sein Haupt verhüllen aus Scham vor 
dem Urteil der Nachwelt, der man nicht mehr das Maul 
wird verbinden können durch Schutzgesetze usw., und die 
deshalb das sagen wird, was wir ja doch alle schon heute 
erkennen, nämlich, daß Gehirn und Tugend bei unseren 
neudeutschen Führern im umgekehrten Verhältnis stehen 
zu ihren Mäulern und Lastern. 

Gewiß war die Monarchie vielen, dem breiten Volke vor 
allem, entfremdet. Das war die Folge der Tatsache, daß 
die Monarchen nicht immer von den - sagen wir - hell- 
sten und besonders nicht von den aufrichtigsten Köpfen 
umgeben waren. Sie liebten leider zum Teil die Schmeich- 
ler mehr als die geraden Naturen, und so wurden sie auch 
von diesen „unterrichtet". Ein sehr schwerer Schaden in 



304 Psychologische Fehler des alten Regiments 

einer Zeit, in der die Welt einen großen Wandel in vielen 
alten Anschauungen durchgemacht hatte, der natürlich auch 
nicht vor der Beurteilung mancher althergebrachten Über- 
lieferungen der Höfe haltmachte. 

So konnte um die Jahrhundertwende der gewöhnliche 
Mann und Mensch keine besondere Bewunderung mehr 
finden für die an der Front in Uniform entlang reitende 
Prinzessin. Über die Wirkung einer solchen Parade in den 
Augen des Volkes konnte man sich anscheinend gar keine 
richtige Vorstellung machen, denn sonst wäre es zu so un- 
glücklichen Auftritten wohl nie gekommen. Auch die nicht 
immer ganz echte Humanitätsduselei dieser Kreise wirkte 
eher abstoßend als anziehend. Wenn zum Beispiel die Prin- 
zessin X. geruhte, die Kostprobe in einer Volksküche mit 
dem bekannten Resultat vorzunehmen, so konnte das früher 
vielleicht ganz gut aussehen, damals aber war der Erfolg 
ein gegenteiliger. Es kann dabei ohne weiteres angenom- 
men werden, daß die Hoheit wirklich keine Ahnung davon 
besaß, daß das Essen am Tage ihrer Prüfung eben ein 
klein wenig anders war, als es sonst zu sein pflegte; allein 
es genügte vollkommen, daß die Leute dies wußten. 

So wurde die möglicherweise beste Absicht lächerlich, 
wenn nicht gerade aufreizend. 

Schilderungen über die immer sprichwörtliche Genüg- 
samkeit des Monarchen, sein viel zu frühes Aufstehen sowie 
sein förmliches Schuften bis in die späte Nacht hinein, noch 
dazu bei der dauernden Gefahr seiner drohenden Unter- 
ernährung, riefen doch sehr bedenkliche Äußerungen her- 
vor. Man verlangte ja gar nicht zu wissen, was und wieviel 
der Monarch zu sich zu nehmen geruhte; man gönnte ihm 
schon eine „auskömmliche" Mahlzeit; man war auch nicht 
darauf aus, ihm etwa den nötigen Schlaf verweigern zu 
wollen; man war zufrieden, wenn er nur sonst als Mensch 
und Charakter dem Namen seines Geschlechtes und der Na- 
tion Ehre bereitete und als Regent seine Pflichten erfüllte. 
Das Märchenerzählen nützte nur wenig, schadete aber dafür 
um so mehr. 

Dieses und vieles Ähnliche waren aber doch nur Kleinig- 



Die Stabilität der monarchischen Staatsform 305 

keiten. Schlimmer wirkte sich in leider sehr großen Teilen 
der Nation immer mehr die Überzeugung aus, daß man 
ohnehin von oben regiert werde und der einzelne sich mit- 
hin auch um nichts weiter zu kümmern habe. Solange die 
Regierung wirklich gut war oder doch wenigstens das Beste 
wollte, ging die Sache noch an. Aber wehe, wenn einmal 
an Stelle der an sich Gutes wollenden alten Regierung eine 
neue, weniger ordentliche, treten sollte; dann waren die 
willenlose Fügsamkeit und der kindliche Glaube das 
schwerste Unheil, das man sich nur auszudenken vermochte. 

Allen diesen und vielen anderen Schwächen aber standen 
unbestreitbare Werte gegenüber. 

Einmal die durch die monarchische Staatsform bedingte 
Stabilität der gesamten Staatsleitung sowie das Heraus- 
ziehen der letzten Staatsstellen aus dem Trubel der Spe- 
kulation ehrgeiziger Politiker. Weiter die Ehrwürdigkeit 
der Institution an sich sowie die schon dadurch begründete 
Autorität derselben, ebenso das Emporheben des Beamten- 
körpers und besonders des Heeres über das Niveau partei- 
politischer Verpflichtungen. Dazu kam noch der Vorzug der 
persönlichen Verkörperung der Staatsspitze durch den Mon- 
archen als Person und das Vorbild einer Verantwortung, 
die der Monarch stärker zu tragen hat als der Zufallshaufe 
einer parlamentarischen Majorität - die sprichwörtliche 
Sauberkeit der deutschen Verwaltung war in erster Linie 
dem zuzuschreiben. Endlich aber war der kulturelle Wert 
der Monarchie für das deutsche Volk ein hoher und ver- 
mochte sehr wohl andere Nachteile auszugleichen. Die deut- 
schen Residenzen waren noch immer der Hort einer Kunst- 
gesinnung, die in unserer vermaterialisierten Zeit ohnehin 
immer mehr auszusterben droht. Was die deutschen Fürsten 
für Kunst und Wissenschaft gerade im neunzehnten Jahr- 
hundert taten, war vorbildlich. Die heutige Zeit darf jeden- 
falls damit nicht verglichen werden. 

Als größten Wertfaktor in dieser Zeit der beginnenden 
und sich langsam weiterverbreitenden Zersetzung unseres 



306 Das Heer - die unersetzliche Schule 

Volkskörpers haben wir jedoch das Heer zu buchen. Es war 
die gewaltigste Schule der deutschen Nation, und nicht um- 
sonst richtete sich der Haß aller Feinde gerade gegen diesen 
Schirm der nationalen Selbstverwaltung und Freiheit. Kein 
herrlicheres Denkmal kann dieser einzigen Einrichtung ge- 
schenkt werden als die Feststellung der Wahrheit, daß sie 
von allen Minderwertigen verleumdet, gehaßt, bekämpft, 
aber auch gefürchtet wurde. Daß sich die Wut der inter- 
nationalen Volksausbeuter zu Versailles in erster Linie 
gegen das alte deutsche Heer richtete, läßt dieses erst recht 
als Hort der Freiheit unseres Volkes vor der Macht der 
Börse erkennen. Ohne diese warnende Macht wäre der Sinn 
von Versailles an unserem Volk schon längst vollzogen wor- 
den. Was das deutsche Volk dem Heere verdankt, läßt sich 
kurz zusammenfassen in ein einziges Wort, nämlich: Alles. 

Das Heer erzog zur unbedingten Verantwortlichkeit in 
einer Zeit, da diese Eigenschaft schon sehr selten geworden 
war und das Drücken von derselben immer mehr an die 
Tagesordnung kam, ausgehend von dem Mustervorbild aller 
Verantwortungslosigkeit, dem Parlament; es erzog weiter 
zum persönlichen Mut in einem Zeitalter, da die Feigheit 
zu einer grassierenden Krankheit zu werden drohte und die 
Opferwilligkeit, sich für das allgemeine Wohl einzusetzen, 
schon fast als Dummheit angesehen wurde, und klug nur 
mehr derjenige zu sein schien, der das eigene „Ich" am 
besten zu schonen und zu fördern verstand; es war die 
Schule, die den einzelnen Deutschen noch lehrte, das Heil 
der Nation nicht in den verlogenen Phrasen einer inter- 
nationalen Verbrüderung zwischen Negern, Deutschen, 
Chinesen, Franzosen, Engländern usw. zu suchen, sondern 
in der Kraft und Geschlossenheit des eigenen Volkstums. 

Das Heer erzog zur Entschlußkraft, während im sonsti- 
gen Leben schon Entschlußlosigkeit und Zweifel die Hand- 
lungen der Menschen zu bestimmen begannen. Es wollte 
etwas heißen, in einem Zeitalter, da die Neunmalklugen 
überall den Ton angaben, den Grundsatz hochzuhalten, daß 
ein Befehl immer besser ist als keiner. In diesem einzigen 



Das Heer - die unersetzliche Schule 307 

Grundsatze steckte eine noch unverdorbene, robuste Gesund- 
heit, die unserem sonstigen Leben schon längst abhanden 
gekommen wäre, wenn nicht das Heer und seine Erziehung 
für die immerwährende Erneuerung dieser Urkraft gesorgt 
hätten. Man braucht ja nur die entsetzliche Entschlußlosig- 
keit unserer jetzigen Reichsführung zu sehen, die sich zu 
keiner Tat aufzuraffen vermag, außer es handelt sich um 
die erzwungene Unterschreibung eines neuen Ausplünde- 
rungsdiktates; in diesem Falle lehnt sie dann freilich jede 
Verantwortung ab und unterschreibt mit der Fixigkeit 
eines Kammerstenographen alles, was man ihr auch nur 
vorzulegen für gut befindet, denn in diesem Falle ist der 
Entschluß leicht zu fassen: er wird ihr ja diktiert. 

Das Heer erzog zum Idealismus und zur Hingabe an das 
Vaterland und seine Größe, während im sonstigen Leben 
Habsucht und Materialismus um sich gegriffen hatten. 
Es erzog ein einiges Volk gegenüber der Trennung in 
Klassen und hatte hier vielleicht als einzigen Fehler die 
Einjährigfreiwilligen-Einrichtung aufzuweisen. Fehler des- 
halb, weil durch sie das Prinzip der unbedingten Gleich- 
heit durchbrochen und das Höhergebildete wieder außer- 
halb des Rahmens der allgemeinen Umgebung gestellt 
wurde, während gerade das Umgekehrte von Vorteil ge- 
wesen wäre. Bei der ohnehin so großen Weltfremdheit 
unserer oberen Schichten und der immer größer werdenden 
Entfremdung dem eigenen Volke gegenüber hätte gerade 
das Heer besonders segensreich zu wirken vermocht, wenn 
es wenigstens in seinen Reihen jede Absonderung der so- 
genannten Intelligenz vermied. Daß man dies nicht tat, 
war ein Fehler; allein welche Institution auf dieser Welt 
wird fehlerlos sein? Bei dieser aber überwog ohnehin 
das Gute so sehr, daß die wenigen Gebrechen weit unter 
dem Durchschnittsgrade der menschlichen Unzulänglichkeit 
lagen. 

Als höchstes Verdienst aber muß dem Heere des alten 
Reiches angerechnet werden, daß es in einer Zeit der all- 
gemeinen Majorisierung der Köpfe die Köpfe über die 
Majorität stellte. Das Heer hielt gegenüber dem jüdisch- 



308 Der unvergleichliche Beamtenkörper 

demokratischen Gedanken einer blinden Anbetung der Zahl 
den Glauben an die Persönlichkeit hoch. So erzog es denn 
auch das, was die neuere Zeit am nötigsten brauchte: Män- 
ner. - Im Sumpfe einer allgemein um sich greifenden Ver- 
weichlichung und Verweibung schössen aus den Reihen des 
Heeres alljährlich dreihundertfünfzigtausend kraftstrotzende 
junge Männer heraus, die in zweijähriger Ausbildung die 
Weichheit der Jugend verloren und stahlharte Körper ge- 
wonnen hatten. Der junge Mensch aber, der während dieser 
Zeit Gehorchen übte, konnte darauf erste Befehlen lernen. 
Am Tritt schon erkannte man den gedienten Soldaten. 

Dies war die hohe Schule der deutschen Nation, und nicht 
umsonst konzentrierte sich auf sie der grimmige Haß der- 
jenigen, die aus Neid und Habsucht die Ohnmacht des 
Reiches und die Wehrlosigkeit seiner Bürger brauchten und 
wünschten. Was viele Deutsche in Verblendung oder bösem 
Willen nicht sehen wollten, erkannte die fremde Welt: das 
deutsche Heer war die gewaltigste Waffe im Dienste der 
Freiheit der deutschen Nation und der Ernährung ihrer 
Kinder. 



Zur Staatsform und zum Heere kam als Drittes im 
Bunde der unvergleichliche Beamtenkörper des alten Reiches. 

Deutschland war das bestorganisierte und bestverwaltete 
Land der Welt. Man mochte dem deutschen Staatsbeamten 
leicht bürokratische Zopfigkeit nachsagen, in den anderen 
Staaten stand es darum nicht besser, eher sogar noch 
schlechter. Was aber die anderen Staaten nicht besaßen, das 
war die wundervolle Solidarität dieses Apparates sowie die 
unbestechlich ehrenhafte Gesinnung seiner Träger. Lieber 
noch etwas zopfig, aber redlich und treu, als aufgeklärt und 
modern, aber minderwertig von Charakter und, wie es sich 
heute häufig zeigt, unwissend und nichtskönnend. Denn 
wenn man jetzt gerne so tut, als ob die deutsche Verwaltung 
der Vorkriegszeit wohl bürokratisch gediegen, allein kauf- 
männisch schlecht gewesen wäre, so kann man darauf nur 
folgendes antworten: Welches Land der Welt hatte einen 



Die Staatsautorität 309 



besser geleiteten und kaufmännischer organisierten Betrieb 
als Deutschland in seinen Staatsbahnen? Erst der Revo- 
lution blieb es vorbehalten, diesen Musterapparat so lange 
zu zerstören, bis er endlich reif zu sein schien, aus den 
Händen der Nation genommen und im Sinne der Be- 
gründer dieser Republik sozialisiert zu werden, das heißt, 
dem internationalen Börsenkapital, als dem Auftraggeber 
der deutschen Revolution, zu dienen. 

Was dabei den deutschen Beamtenkörper und Verwal- 
tungsapparat besonders auszeichnete, war seine Unab- 
hängigkeit von den einzelnen Regierungen, deren jeweilige 
politische Gesinnung auf die Stellung des deutschen Staats- 
beamten keinen Einfluß auszuüben vermochte. Seit der 
Revolution allerdings hat sich dies gründlich geändert. An 
Stelle des Könnens und der Fähigkeit trat die Partei- 
stellung, und ein selbständiger, unabhängiger Charakter 
wurde eher hinderlich als fördernd. 

Auf der Staatsform, dem Heere und dem Beamtenkörper 
beruhte die wundervolle Kraft und Stärke des alten Rei- 
ches. Diese waren in erster Linie die Ursachen einer Eigen- 
schaft, die dem heutigen Staate vollkommen fehlt: der 
Staatsautorität! Denn diese beruht nicht auf Schwätze- 
reien in den Parlamenten oder Landtagen, auch nicht auf 
Gesetzen zu ihrem Schutze oder Gerichtsurteilen zur Ab- 
schreckung frecher Leugner derselben usw., sondern auf dem 
allgemeinen Vertrauen, das der Leitung und Verwaltung 
eines Gemeinwesens entgegengebracht werden darf und 
kann. Dieses Vertrauen jedoch ist wieder nur das Ergebnis 
einer unerschütterlichen inneren Überzeugung von der Un- 
eigennützigkeit und Redlichkeit der Regierung und Verwal- 
tung eines Landes sowie die Übereinstimmung des Sinnes 
der Gesetze mit dem Gefühl der allgemeinen Moralanschau- 
ung. Denn auf die Dauer werden Regierungssysteme nicht 
gehalten durch den Druck der Gewalt, sondern durch den 
Glauben an ihre Güte und an die Wahrhaftigkeit in der 
Vertretung und Förderung der Interessen eines Volkes. 



* 



310 Die tiefste Ursache des Zusammenbruchs 

So schwer also gewisse Schäden in der Vorkriegszeit die 
innere Stärke der Nation auch anfraßen und auszuhöhlen 
drohten, so darf man nicht vergessen, daß andere Staaten 
an den meisten dieser Krankheiten noch mehr litten als 
Deutschland und dennoch in der kritischen Stunde der Ge- 
fahr nicht versagten und zugrunde gingen. Wenn man aber 
bedenkt, daß den deutschen Schwächen vor dem Kriege auch 
ebenso große Stärken gegenüberstanden, so kann und muß 
die letzte Ursache des Zusammenbruches noch auf einem 
anderen Gebiete liegen; und dies ist auch der Fall. 

Der tiefste und letzte Grund des Unterganges des alten 
Reiches lag im Nichterkennen des Rasseproblems und seiner 
Bedeutung für die geschichtliche Entwicklung der Völker. 
Denn alle Geschehnisse im Völkerleben sind nicht Äußerun- 
gen des Zufalls, sondern naturgesetzliche Vorgänge des 
Dranges der Selbsterhaltung und Mehrung von Art und 
Rasse, auch wenn sich die Menschen des inneren Grundes 
ihres Handelns nicht bewußt zu werden vermögen. 



11. Kapitel 
Volk und Rasse 

Es gibt Wahrheiten, die so sehr auf der Straße liegen, 
daß sie gerade deshalb von der gewöhnlichen Welt 
nicht gesehen oder wenigstens nicht erkannt werden. Sie 
geht an solchen Binsenwahrheiten manchmal wie blind vor- 
bei und ist auf das höchste erstaunt, wenn plötzlich jemand 
entdeckt, was doch alle wissen müßten. Es liegen die Eier 
des Kolumbus zu Hunderttausenden herum, nur die Ko- 
lumbusse sind eben seltener zu finden. 

So wandern die Menschen ausnahmslos im Garten der 
Natur umher, bilden sich ein, fast alles zu kennen und zu 
wissen, und gehen doch mit wenigen Ausnahmen wie blind 
an einem der hervorstechendsten Grundsätze ihres Waltens 
vorbei: der inneren Abgeschlossenheit der Arten sämtlicher 
Lebewesen dieser Erde. 

Schon die oberflächliche Betrachtung zeigt als nahezu 
ehernes Grundgesetz all der unzähligen Ausdrucksformen 
des Lebenswillens der Natur ihre in sich begrenzte Form 
der Fortpflanzung und Vermehrung. Jedes Tier paart sich 
nur mit einem Genossen der gleichen Art. Meise geht zu 
Meise, Fink zu Fink, der Storch zur Störchin, Feldmaus 
zu Feldmaus, Hausmaus zu Hausmaus, der Wolf zur Wöl- 
fin usw. 

Nur außerordentliche Umstände vermögen dies zu ändern, 
in erster Linie der Zwang der Gefangenschaft sowie eine 
sonstige Unmöglichkeit der Paarung innerhalb der gleichen 
Art. Dann aber beginnt die Natur sich auch mit allen Mit- 
teln dagegen zu stemmen, und ihr sichtbarster Protest be- 
steht entweder in der Verweigerung der weiteren Zeugungs- 
fähigkeit für die Bastarde, oder sie schränkt die Fruchtbar- 



312 Die Rasse 



keit der späteren Nachkommen ein; in den meisten Fällen 
aber raubt sie die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit 
oder feindliche Angriffe. 

Das ist nur zu natürlich. 

Jede Kreuzung zweier nicht ganz gleich hoher Wesen gibt 
als Produkt ein Mittelding zwischen der Höhe der beiden 
Eltern. Das heißt also: das Junge wird höher stehen 
als die rassisch niedrigere Hälfte des Elternpaares, allein 
nicht so hoch wie die höhere. Folglich wird es im Kampf 
gegen diese höhere später unterliegen. Solche Paarung 
widerspricht aber dem Willen der Natur zur Höherzüch- 
tung des Lebens überhaupt. Die Voraussetzung hierzu liegt 
nicht im Verbinden von Höher- und Minderwertigem, son- 
dern im restlosen Siege des ersteren. Der Stärkere hat zu 
herrschen und sich nicht mit dem Schwächeren zu verschmel- 
zen, um so die eigene Größe zu opfern. Nur der geborene 
Schwächling kann dies als grausam empfinden, dafür aber 
ist er auch nur ein schwacher und beschränkter Mensch; 
denn würde dieses Gesetz nicht herrschen, wäre ja jede vor- 
stellbare Höherentwicklung aller organischen Lebewesen 
undenkbar. 

Die Folge dieses in der Natur allgemein gültigen Trie- 
bes zur Rassenreinheit ist nicht nur die scharfe Abgrenzung 
der einzelnen Rassen nach außen, sondern auch ihre gleich- 
mäßige Wesensart in sich selber. Der Fuchs ist immer ein 
Fuchs, die Gans eine Gans, der Tiger ein Tiger usw., und 
der Unterschied kann höchstens im verschiedenen Maße der 
Kraft, der Stärke, der Klugheit, Gewandtheit, Ausdauer 
usw. der einzelnen Exemplare liegen. Es wird aber nie 
ein Fuchs zu finden sein, der seiner inneren Gesinnung 
nach etwa humane Anwandlungen Gänsen gegenüber haben 
könnte, wie es ebenso auch keine Katze gibt mit freund- 
licher Zuneigung zu Mäusen. 

Daher entsteht auch hier der Kampf untereinander weni- 
ger infolge innerer Abneigung etwa als vielmehr aus 
Hunger und Liebe. In beiden Fällen sieht die Natur ruhig, 
ja befriedigt zu. Der Kampf um das tägliche Brot läßt 
alles Schwache und Kränkliche, weniger Entschlossene un- 



Die Rasse 313 



terliegen, während der Kampf der Männchen um das 
Weibchen nur dem Gesündesten das Zeugungsrecht oder 
doch die Möglichkeit hierzu gewährt. Immer aber ist der 
Kampf ein Mittel zur Förderung der Gesundheit und 
Widerstandskraft der Art und mithin eine Ursache zur 
Höherentwicklung derselben. 

Wäre der Vorgang ein anderer, würde jede Weiter- und 
Höherbildung aufhören und eher das Gegenteil eintreten. 
Denn da das Minderwertige der Zahl nach gegenüber dem 
Besten immer überwiegt, würde bei gleicher Lebenserhal- 
tung und Fortpflanzungsmöglichkeit das Schlechtere sich so 
viel schneller vermehren, daß endlich das Beste zwangs- 
läufig in den Hintergrund treten müßte. Eine Korrektur 
zugunsten des Besseren muß also vorgenommen werden. 
Diese aber besorgt die Natur, indem sie den schwächeren 
Teil so schweren Lebensbedingungen unterwirft, daß schon 
durch sie die Zahl beschränkt wird, den Überrest aber endlich 
nicht wahllos zur Vermehrung zuläßt, sondern hier eine 
neue, rücksichtslose Auswahl nach Kraft und Gesundheit trifft. 

So wenig sie aber schon eine Paarung von schwächeren 
Einzelwesen mit stärkeren wünscht, soviel weniger noch die 
Verschmelzung von höherer Rasse mit niederer, da ja an- 
dernfalls ihre ganze sonstige, vielleicht jahrhunderttau- 
sendelange Arbeit der Höherzüchtung mit einem Schlage 
wieder hinfällig wäre. 

Die geschichtliche Erfahrung bietet hierfür zahllose Be- 
lege. Sie zeigt in erschreckender Deutlichkeit, daß bei jeder 
Blutsvermengung des Ariers mit niedrigeren Völkern als 
Ergebnis das Ende des Kulturträgers herauskam. Nord- 
amerika, dessen Bevölkerung zum weitaus größten Teile 
aus germanischen Elementen besteht, die sich nur sehr wenig 
mit niedrigeren farbigen Völkern vermischten, zeigt eine an- 
dere Menschheit und Kultur als Zentral- und Südamerika, 
in dem die hauptsächlich romanischen Einwanderer sich in 
manchmal großem Umfange mit den Ureinwohnern ver- 
mengt hatten. An diesem einen Beispiele schon vermag man 
die Wirkung der Rassenvermischung klar und deutlich zu er- 
kennen. Der rassisch rein und unvermischt gebliebene Ger- 



314 Das Ergebnis der Rassenkreuzung 

mane des amerikanischen Kontinents ist zum Herrn des- 
selben aufgestiegen; er wird der Herr so lange bleiben, so 
lange nicht auch er der Blutschande zum Opfer fällt. 

Das Ergebnis jeder Rassenkreuzung ist also, ganz kurz 
gesagt, immer folgendes: 

a) Niedersenkung des Niveaus der höheren Rasse, 

b) körperlicher und geistiger Rückgang und damit der 
Beginn eines, wenn auch langsam, so doch sicher fort- 
schreitenden Siechtums. 

Eine solche Entwicklung herbeiführen, heißt aber denn 
doch nichts anderes, als Sünde treiben wider den Willen 
des ewigen Schöpfers. 

Als Sünde aber wird diese Tat auch gelohnt. 

Indem der Mensch versucht, sich gegen die eiserne Logik 
der Natur aufzubäumen, gerät er in Kampf mit den 
Grundsätzen, denen auch er selber sein Dasein als Mensch 
allein verdankt. So muß sein Handeln gegen die Natur zu 
seinem eigenen Untergang führen. 

Hier freilich kommt der echt Judenhaft freche, aber 
ebenso dumme Einwand des modernen Pazifisten: „Der 
Mensch überwindet eben die Natur!" 

Millionen plappern diesen jüdischen Unsinn gedankenlos 
nach und bilden sich am Ende wirklich ein, selbst eine Art 
von Naturüberwindern darzustellen; wobei ihnen jedoch 
als Waffe nichts weiter als eine Idee zur Verfügung steht, 
noch dazu aber eine so miserable, daß sich nach ihr wirklich 
keine Welt vorstellen ließe. 

Allein ganz abgesehen davon, daß der Mensch die Natur 
noch in keiner Sache überwunden hat, sondern höchstens 
das eine oder andere Zipfelchen ihres ungeheuren, riesen- 
haften Schleiers von ewigen Rätseln und Geheimnissen er- 
wischte und emporzuheben versuchte, daß er in Wahrheit 
nichts erfindet, sondern alles nur entdeckt, daß er nicht die 
Natur beherrscht, sondern nur auf Grund der Kenntnis ein- 
zelner Naturgesetze und Geheimnisse zum Herrn derjenigen 
anderen Lebewesen aufgestiegen ist, denen dieses Wissen 
eben fehlt - also ganz abgesehen davon, kann eine Idee nicht 
die Voraussetzungen zum Werden und Sein der Menschheit 



Mensch und Idee 315 



überwinden, da die Idee selber ja nur vom Menschen 
abhängt. Ohne Menschen gibt es keine menschliche Idee auf 
dieser Welt, mithin ist die Idee als solche doch immer be- 
dingt durch das Vorhandensein der Menschen und damit all 
der Gesetze, die zu diesem Dasein die Voraussetzung schufen. 

Und nicht nur das! Bestimmte Ideen sind sogar an 
bestimmte Menschen gebunden. Dies gilt am allermeisten 
gerade für solche Gedanken, deren Inhalt nicht in einer 
exakten wissenschaftlichen Wahrheit, sondern in der Welt 
des Gefühls seinen Ursprung hat oder, wie man sich heute 
so schön und klar auszudrücken pflegt, ein „inneres Er- 
leben" wiedergibt. All diese Ideen, die mit kalter Logik an 
sich nichts zu tun haben, sondern reine Gefühlsäußerungen, 
ethische Vorstellungen usw. darstellen, sind gefesselt an das 
Dasein der Menschen, deren geistiger Vorstellungs- und 
Schöpferkraft sie ihre eigene Existenz verdanken. Gerade 
dann aber ist doch die Erhaltung dieser bestimmten Rassen 
und Menschen die Vorbedingung zum Bestände dieser 
Ideen. Wer z. B. den Sieg des pazifistischen Gedankens in 
dieser Welt wirklich von Herzen wünschen wollte, müßte sich 
mit allen Mitteln für die Eroberung der Welt durch die 
Deutschen einsetzen; denn wenn es umgekehrt kommen sollte, 
würde sehr leicht mit dem letzten Deutschen auch der letzte 
Pazifist aussterben, da die andere Welt auf diesen natur- 
und vernunftwidrigen Unsinn kaum je so tief hereingefallen 
ist als leider unser eigenes Volk. Man müßte sich also wohl 
oder übel bei ernstem Willen entschließen, Kriege zu führen, 
um zum Pazifismus zu kommen. Dies und nichts anderes 
hatte der amerikanische Weltheiland Wilson auch beabsich- 
tigt, so wenigstens glaubten unsere deutschen Phantasten 
- womit ja dann der Zweck erreicht war. 

Tatsächlich ist die pazifistisch-humane Idee vielleicht ganz 
gut dann, wenn der höchststehende Mensch sich vorher die 
Welt in einem Umfange erobert und unterworfen hat, der 
ihn zum alleinigen Herrn dieser Erde macht. Es fehlt die- 
ser Idee dann die Möglichkeit einer schädlichen Auswirkung 
in eben dem Maße, in dem ihre praktische Anwendung 
selten und endlich unmöglich wird. Also erst Kampf und 



316 Rasse und Kultur 



dann vielleicht Pazifismus. Im anderen Falle hat die 
Menschheit den Höhepunkt ihrer Entwicklung überschritten, 
und das Ende ist nicht die Herrschaft irgendeiner ethischen 
Idee, sondern Barbarei und in der Folge Chaos. Es 
mag hier natürlich der eine oder andere lachen, allein 
dieser Planet zog schon Jahrmillionen durch den Äther ohne 
Menschen, und er kann einst wieder so dahinziehen, wenn 
die Menschen vergessen, daß sie ihr höheres Dasein nicht 
den Ideen einiger verrückter Ideologen, sondern der Er- 
kenntnis und rücksichtslosen Anwendung eherner Natur- 
gesetze verdanken. 

Alles, was wir heute auf dieser Erde bewundern - 
Wissenschaft und Kunst, Technik und Erfindungen - ist 
nur das schöpferische Produkt weniger Völker und vielleicht 
ursprünglich einer Rasse. Von ihnen hängt auch der 
Bestand dieser ganzen Kultur ab. Gehen sie zugrunde, so 
sinkt mit ihnen die Schönheit dieser Erde ins Grab. 

Wie sehr auch zum Beispiel der Boden die Menschen zu 
beeinflussen vermag, so wird doch das Ergebnis des Ein- 
flusses immer verschieden sein, je nach den in Betracht 
kommenden Rassen. Die geringe Fruchtbarkeit eines Le- 
bensraumes mag die eine Rasse zu höchsten Leistungen 
anspornen, bei einer anderen wird sie nur die Ursache zu 
bitterster Armut und endlicher Unterernährung mit all 
ihren Folgen. Immer ist die innere Veranlagung der Völ- 
ker bestimmend für die Art der Auswirkung äußerer Ein- 
flüsse. Was bei den einen zum Verhungern führt, erzieht 
die anderen zu harter Arbeit. 

Alle großen Kulturen der Vergangenheit gingen nur 
zugrunde, weil die ursprünglich schöpferische Rasse an 
Blutvergiftung abstarb. 

Immer war die letzte Ursache eines solchen Unterganges 
das Vergessen, daß alle Kultur von Menschen abhängt und 
nicht umgekehrt, daß also, um eine bestimmte Kultur zu be- 
wahren, der sie erschaffende Mensch erhalten werden muß. 

Diese Erhaltung aber ist gebunden an das eherne Gesetz 
der Notwendigkeit und des Rechtes des Sieges des Besten 
und Stärkeren. 



Der Arier als Kulturbegründer 317 

Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht streiten 
will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das 
Leben nicht. 

Selbst wenn dies hart wäre - es ist nun einmal so! 
Sicher jedoch ist das weitaus härteste Schicksal jenes, das 
den Menschen trifft, der die Natur glaubt überwinden zu 
können und sie im Grunde genommen doch nur verhöhnt. 
Not, Unglück und Krankheiten sind dann ihre Antwort! 

Der Mensch, der die Rassengesetze verkennt und miß- 
achtet, bringt sich wirklich um das Glück, das ihm bestimmt 
erscheint. Er verhindert den Siegeszug der besten Rasse 
und damit aber auch die Vorbedingung zu allem mensch- 
lichen Fortschritt. Er begibt sich in der Folge, belastet mit 
der Empfindlichkeit des Menschen, ins Bereich des hilflosen 
Tieres. 

Es ist ein müßiges Beginnen, darüber zu streiten, welche 
Rasse oder Rassen die ursprünglichen Träger der mensch- 
lichen Kultur waren und damit die wirklichen Begründer 
dessen, was wir mit dem Worte Menschheit alles umfassen. 
Einfacher ist es, sich diese Frage für die Gegenwart zu stel- 
len, und hier ergibt sich auch die Antwort leicht und deut- 
lich. Was wir heute an menschlicher Kultur, an Ergebnissen 
von Kunst, Wissenschaft und Technik vor uns sehen, ist 
nahezu ausschließlich schöpferisches Produkt des Ariers. Ge- 
rade diese Tatsache aber läßt den nicht unbegründeten Rück- 
schluß zu, daß er allein der Begründer höheren Menschen- 
tums überhaupt war, mithin den Urtyp dessen darstellt, was 
wir unter dem Worte „Mensch" verstehen. Er ist der Pro- 
metheus der Menschheit, aus dessen lichter Stirne der gött- 
liche Funke des Genies zu allen Zeiten hervorsprang, immer 
von neuem jenes Feuer entzündend, das als Erkenntnis die 
Nacht der schweigenden Geheimnisse aufhellte und den Men- 
schen so den Weg zum Beherrscher der anderen Wesen die- 
ser Erde emporsteigen ließ. Man schalte ihn aus - und tiefe 
Dunkelheit wird vielleicht schon nach wenigen Jahrtausen- 



318 Der Arier als Kulturbegründer 

den sich abermals auf die Erde senken, die menschliche Kul- 
tur würde vergehen und die Welt veröden. 

Würde man die Menschheit in drei Arten einteilen: in 
Kulturbegründer, Kulturträger und Kulturzerstörer, dann 
käme als Vertreter der ersten wohl nur der Arier in Frage. 
Von ihm stammen die Fundamente und Mauern aller 
menschlichen Schöpfungen, und nur die äußere Form und 
Farbe sind bedingt durch die jeweiligen Charakterzüge der 
einzelnen Völker. Er liefert die gewaltigen Bausteine und 
Pläne zu allem menschlichen Fortschritt, und nur die Aus- 
führung entspricht der Wesensart der jeweiligen Rassen. 
In wenigen Jahrzehnten wird zum Beispiel der ganze Osten 
Asiens eine Kultur sein eigen nennen, deren letzte Grund- 
lage ebenso hellenischer Geist und germanische Technik sein 
wird wie dies bei uns der Fall ist. Nur die äußere 
Form wird - zum Teil wenigstens - die Züge asiatischer 
Wesensart tragen. Es ist nicht so, wie manche meinen, daß 
Japan zu seiner Kultur europäische Technik nimmt, son- 
dern die europäische Wissenschaft und Technik wird mit 
japanischen Eigenarten verbrämt. Die Grundlage des tat- 
sächlichen Lebens ist nicht mehr die besondere japanische 
Kultur, obwohl sie - weil äußerlich infolge des inneren 
Unterschiedes für den Europäer mehr in die Augen sprin- 
gend - die Farbe des Lebens bestimmt, sondern die gewal- 
tige wissenschaftlich-technische Arbeit Europas und Ameri- 
kas, also arischer Völker. Auf diesen Leistungen allein kann 
auch der Osten dem allgemeinen menschlichen Fortschritt 
folgen. Dies ergibt die Grundlage des Kampfes um das täg- 
liche Brot, schafft Waffen und Werkzeuge dafür, und nur 
die äußere Aufmachung wird allmählich dem japanischen 
Wesen angepaßt. 

Würde ab heute jede weitere arische Einwirkung auf 
Japan unterbleiben, angenommen Europa und Amerika 
zugrunde gehen, so könnte eine kurze Zeit noch der heu- 
tige Aufstieg Japans in Wissenschaft und Technik an- 
halten; allein schon in wenigen Jahren würde der Bronnen 
versiegen, die japanische Eigenart gewinnen, aber die heu- 
tige Kultur erstarren und wieder in den Schlaf zurück- 



Der Arier als Kulturbegründer 319 

sinken, aus dem sie vor sieben Jahrzehnten durch die arische 
Kulturwelle aufgescheucht wurde. Daher ist, genau so wie 
die heutige japanische Entwicklung arischem Ursprung das 
Leben verdankt, auch einst in grauer Vergangenheit frem- 
der Einfluß und fremder Geist der Erwecker der damaligen 
japanischen Kultur gewesen. Den besten Beweis hierfür 
liefert die Tatsache der späteren Verknöcherung und voll- 
kommenen Erstarrung derselben. Sie kann bei einem Volke 
nur eintreten, wenn der ursprünglich schöpferische Rasse- 
kern verlorenging oder die äußere Einwirkung später 
fehlte, die den Anstoß und das Material zur ersten Ent- 
wicklung auf kulturellem Gebiet gab. Steht aber fest, daß 
ein Volk seine Kultur in den wesentlichsten Grundstoffen 
von fremden Rassen erhält, aufnimmt und verarbeitet, um 
dann nach dem Ausbleiben weiteren äußeren Einflusses 
immer wieder zu erstarren, kann man solch eine Rasse 
wohl als eine „kulturtragende", aber niemals als 
eine „kulturschöpferische" bezeichnen. 

Eine Prüfung der einzelnen Völker von diesem Gesichts- 
punkte aus ergibt die Tatsache, daß es sich fast durchweg 
nicht um ursprünglich kulturbegründende, son- 
dern fast immer um kulturtragende handelt. 
Immer ergibt sich etwa folgendes Bild ihrer Entwicklung: 
Arische Stämme unterwerfen - häufig in wahrhaft 
lächerlich geringer Volkszahl - fremde Völker und ent- 
wickeln nun, angeregt durch die besonderen Lebensverhält- 
nisse des neuen Gebietes (Fruchtbarkeit, klimatische Zu- 
stände usw.) sowie begünstigt durch die Menge der zur 
Verfügung stehenden Hilfskräfte an Menschen niederer Art, 
ihre in ihnen schlummernden geistigen und organisatorischen 
Fähigkeiten. Sie erschaffen in oft wenigen Jahrtausenden, 
ja Jahrhunderten, Kulturen, die ursprünglich vollständig 
die inneren Züge ihres Wesens tragen, angepaßt den oben 
schon angedeuteten besonderen Eigenschaften des Bodens 
sowie der unterworfenen Menschen. Endlich aber vergehen 
sich die Eroberer gegen das im Anfang eingehaltene Prin- 
zip der Reinhaltung ihres Blutes, beginnen sich mit den 
unterjochten Einwohnern zu vermischen und beenden da- 



320 Der Arier als Kulturbegründer 

mit ihr eigenes Dasein; denn dem Sündenfall im Para- 
diese folgte noch immer die Vertreibung aus demselben. 

Nach tausend Jahren und mehr zeigt sich dann oft die 
letzte sichtbare Spur des einstigen Herrenvolkes im helleren 
Hautton, den sein Blut der unterjochten Rasse hinter- 
ließ, und in einer erstarrten Kultur, die es als ursprüng- 
liche Schöpferin einst begründet hatte. Denn so wie der 
tatsächliche und geistige Eroberer im Blut der Unterwor- 
fenen verlorenging, verlor sich auch der Brennstoff für 
die Fackel des menschlichen Kulturfortschrittes! Wie die 
Farbe durch das Blut der ehemaligen Herren einen leisen 
Schimmer als Erinnerung an diese beibehielt, so ist auch 
die Nacht des kulturellen Lebens milde aufgehellt durch 
die gebliebenen Schöpfungen der einstigen Lichtbringer. Die 
leuchten durch all die wiedergekommene Barbarei hindurch 
und erwecken bei dem gedankenlosen Betrachter des Augen- 
blickes nur zu oft die Meinung, das Bild des jetzigen Volkes 
vor sich zu sehen, während es nur der Spiegel der Ver- 
gangenheit ist, in den er blickt. 

Es kann dann vorkommen, daß solch ein Volk ein zweites 
Mal, ja selbst noch öfter, während seiner Geschichte mit der 
Rasse seiner einstigen Kulturbringer in Berührung gerät, 
ohne daß eine Erinnerung an frühere Begegnungen noch 
vorhanden zu sein braucht. Unbewußt wird der Rest des 
einstigen Herrenblutes sich der neuen Erscheinung zuwen- 
den, und was erst nur dem Zwange möglich war, kann nun 
dem eigenen Willen gelingen. Eine neue Kulturwelle hält 
ihren Einzug und dauert so lange an, bis ihre Träger wie- 
der im Blute fremder Völker untergehen. 

Es wird die Aufgabe einer künftigen Kultur- und Welt- 
geschichte sein, in diesem Sinne zu forschen und nicht in 
der Wiedergabe äußerer Tatsachen zu ersticken, wie dies 
bei unserer heutigen Geschichtswissenschaft leider nur zu 
oft der Fall ist. 

Schon aus dieser Skizze der Entwicklung „kulturtragen- 
der" Nationen ergibt sich aber auch das Bild des Werdens, 
Wirkens und - Vergehens der wahrhaften Kulturbegrün- 
der dieser Erde, der Arier selber. 



Der Arier als Kulturbegründer 321 

So wie im täglichen Leben das sogenannte Genie eines 
besonderen Anlassen, ja oft eines förmlichen Anstoßes be- 
darf, um zum Leuchten gebracht zu werden, so im Völker- 
leben auch die geniale Rasse. Im Einerlei des Alltags 
pflegen oft auch bedeutende Menschen unbedeutend zu er- 
scheinen und kaum über den Durchschnitt ihrer Umgebung 
herauszuragen; sobald jedoch eine Lage an sie herantritt, 
in der andere verzagen oder irre würden, wächst aus 
dem unscheinbaren Durchschnittskind die geniale Natur er- 
sichtlich empor, nicht selten zum Erstaunen aller derjeni- 
gen, die es bisher in der Kleinheit des bürgerlichen Lebens 
sahen - daher denn auch der Prophet im eigenen Lande 
selten etwas zu gelten pflegt. Dies zu beobachten, hat 
man nirgends mehr Gelegenheit als im Kriege. Aus schein- 
bar harmlosen Kindern schießen plötzlich in Stunden der 
Not, da andere verzagen, Helden empor von todesmutiger 
Entschlossenheit und eisiger Kühle der Überlegung. Wäre 
diese Stunde der Prüfung nicht gekommen, so hätte kaum 
jemand geahnt, daß in dem bartlosen Knaben ein junger 
Held verborgen ist. Fast immer bedarf es irgendeines 
Anstoßes, um das Genie auf den Plan zu rufen. Der Ham- 
merschlag des Schicksals, der den einen zu Boden wirft, 
schlägt bei dem anderen plötzlich auf Stahl, und indem die 
Hülle des Alltags zerbricht, liegt vor den Augen der stau- 
nenden Welt der bisher verborgene Kern offen zutage. 
Diese sträubt sich dann und will es nicht glauben, daß die 
ihr scheinbar gleiche Art plötzlich ein anderes Wesen sein 
soll; ein Vorgang, der sich wohl bei jedem bedeutenden 
Menschenkinde wiederholt. 

Obwohl ein Erfinder zum Beispiel seinen Ruhm erst am 
Tage seiner Erfindung begründet, so ist es doch irrig, zu 
denken, daß auch die Genialität an sich erst zu dieser 
Stunde in den Mann gefahren wäre - der Funke des 
Genies ist seit der Stunde der Geburt in der Stirne des 
wahrhaft schöpferisch veranlagten Menschen vorhanden. 
Wahre Genialität ist immer angeboren und niemals aner- 
zogen oder gar angelernt. 

Dies gilt aber, wie schon betont, nicht nur für den ein- 

12 Hitler, Mein Kampf 



322 Der Arier als Kulturbegründer 

zelnen Menschen, sondern auch für dir Rasse. Schöpferisch 
tätige Völker sind von jeher und von Grund aus schöpfe- 
risch veranlagt, auch wenn dies den Augen oberflächlicher 
Betrachter nicht erkenntlich sein sollte. Auch hier ist die 
äußere Anerkennung immer nur im Gefolge vollbrachter 
Taten möglich, da die übrige Welt ja nicht fähig ist, die 
Genialität an sich zu erkennen, sondern nur deren sicht- 
bare Äußerungen in der Form von Erfindungen, Entdeckun- 
gen, Bauten, Bildern usw. sieht; aber auch hier dauert es 
oft noch lange Zeit, bis sie sich zu dieser Kenntnis durch- 
zuringen vermag. Genau so wie im Leben des einzelnen be- 
deutenden Menschen die geniale oder doch außerordentliche 
Veranlagung, erst durch besondere Anlässe angetrieben, 
nach ihrer praktischen Verwirklichung strebt, kann auch im 
Leben der Völker die wirkliche Verwertung vorhandener 
schöpferischer Kräfte und Fähigkeiten oft erst erfolgen, 
wenn bestimmte Voraussetzungen hierzu einladen. 

Am deutlichsten sehen wir dieses an d e r Rasse, die Trä- 
ger der menschlichen Kulturentwicklung war und ist - an 
den Ariern. Sobald sie das Schicksal besonderen Verhält- 
nissen entgegenführt, beginnen sich ihre vorhandenen Fähig- 
keiten in immer schnellerer Folge zu entwickeln und in 
greifbare Formen zu gießen. Die Kulturen, die sie in sol- 
chen Fällen begründen, werden fast immer maßgebend be- 
stimmt durch den vorhandenen Boden, das gegebene Klima 
und - die unterworfenen Menschen. Dieses letzte allerdings 
ist fast das ausschlaggebendste. Je primitiver die technischen 
Voraussetzungen zu einer Kulturbetätigung sind, um so not- 
wendiger ist das Vorhandensein menschlicher Hilfskräfte, 
die dann, organisatorisch zusammengefaßt und angewandt, 
die Kraft der Maschine zu ersetzen haben. Ohne diese Mög- 
lichkeit der Verwendung niederer Menschen hätte der Arier 
niemals die ersten Schritte zu seiner späteren Kultur zu 
machen vermocht; genau so, wie er ohne die Hilfe einzelner 
geeigneter Tiere, die er sich zu zähmen verstand, nicht zu 
einer Technik gekommen wäre, die ihm jetzt gerade diese 
Tiere langsam zu entbehren gestattet. Das Wort: „Der 
Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen" 



Der Arier als Kulturbegründer 323 

hat leider seine nur zu tiefe Bedeutung. Jahrtausendelang 
mußte das Pferd dem Menschen dienen und mithelfen, die 
Grundlagen einer Entwicklung zu legen, die nun infolge 
des Kraftwagens das Pferd selber überflüssig macht. In 
wenigen Jahren wird es seine Tätigkeit eingestellt haben, 
allein ohne seine frühere Mitarbeit wäre der Mensch viel- 
leicht nur schwer dorthin gekommen, wo er heute ist. 

So war für die Bildung höherer Kulturen das Vor- 
handensein niederer Menschen eine der wesentlichsten Vor- 
aussetzungen, indem nur sie den Mangel technischer Hilfs- 
mittel, ohne die aber eine höhere Entwicklung gar nicht 
denkbar ist, zu ersetzen vermochten. Sicher fußte die erste 
Kultur der Menschheit weniger auf dem gezähmten Tier 
als vielmehr auf der Verwendung niederer Menschen. 

Erst nach der Versklavung unterworfener Rassen begann 
das gleiche Schicksal auch Tiere zu treffen und nicht um- 
gekehrt, wie manche wohl glauben möchten. Denn zuerst 
ging der Besiegte vor dem Pfluge - und erst nach ihm das 
Pferd. Nur pazifistische Narren aber vermögen dies wieder 
als Zeichen menschlicher Verworfenheit anzusehen, ohne 
sich darüber klar zu werden, daß diese Entwicklung eben 
stattfinden mußte, um endlich an die Stelle zu gelangen, 
von wo aus heute diese Apostel ihre Salbaderei in die Welt 
setzen können. 

Der Fortschritt der Menschheit gleicht dem Aufstiege auf 
einer endlosen Leiter; man kommt eben nicht höher, ohne 
erst die unteren Stufen genommen zu haben. So mußte 
der Arier den Weg schreiten, den ihm die Wirklichkeit 
wies, und nicht den, von dem die Phantasie eines modernen 
Pazifisten träumt. Der Weg der Wirklichkeit aber ist hart 
und schwer, allein er führt endlich dorthin, wo der andere 
die Menschen gerne hinträumen möchte, von wo er sie 
aber leider in Wahrheit eher noch entfernt, als daß er 
sie näherbringt. 

Es ist also kein Zufall, daß die ersten Kulturen dort ent- 
standen, wo der Arier im Zusammentreffen mit niederen 
Völkern diese unterjochte und seinem Willen Untertan 



324 Folgen der Blutsvermischung 

machte. Sie waren dann das erste technische Instrument im 
Dienste einer werdenden Kultur. 

Damit aber war der Weg, den der Arier zu gehen hatte, 
klar vorgezeichnet. Als Eroberer unterwarf er sich die 
niederen Menschen und regelte dann deren praktische Be- 
tätigung unter seinem Befehl, nach seinem Wollen und für 
seine Ziele. Allein, indem er sie so einer nützlichen, wenn 
auch harten Tätigkeit zuführte, schonte er nicht nur das Le- 
ben der Unterworfenen, sondern gab ihnen vielleicht sogar 
ein Los, das besser war als das ihrer früheren sogenannten 
„Freiheit". Solange er den Herrenstandpunkt rücksichtslos 
aufrechterhielt, blieb er nicht nur wirklich der Herr, sondern 
auch der Erhalter und Vermehrer der Kultur. Denn diese 
beruhte ausschließlich auf seinen Fähigkeiten und damit auf 
seiner Erhaltung an sich. Sowie die Unterworfenen sich sel- 
ber zu heben begannen und wahrscheinlich auch sprachlich 
dem Eroberer näherten, fiel die scharfe Scheidewand 
zwischen Herr und Knecht. Der Arier gab die Reinheit seines 
Blutes auf und verlor dafür den Aufenthalt im Paradiese, das 
er sich selbst geschaffen hatte. Er sank unter in der Rassen- 
vermischung, verlor allmählich immer mehr seine kulturelle 
Fähigkeit, bis er endlich nicht nur geistig, sondern auch kör- 
perlich den Unterworfenen und Ureinwohnern mehr zu glei- 
chen begann als seinen Vorfahren. Eine Zeitlang konnte er 
noch von den vorhandenen Kulturgütern zehren, dann aber 
trat Erstarrung ein, und er verfiel endlich der Vergessenheit. 

So brechen Kulturen und Reiche zusammen, um neuen 
Gebilden den Platz freizugeben. 

Die Blutsvermischung und das dadurch bedingte Senken 
des Rassenniveaus ist die alleinige Ursache des Absterbens 
aller Kulturen; denn die Menschen gehen nicht an ver- 
lorenen Kriegen zugrunde, sondern am Verlust jener Wider- 
standskraft, die nur dem reinen Blute zu eigen ist. 

Was nicht gute Rasse ist auf dieser Welt, ist Spreu. 

Alles weltgeschichtliche Geschehen ist aber nur die Äuße- 
rung des Selbsterhaltungstriebes der Rassen im guten oder 
schlechten Sinne. 



Ursachen der Bedeutung des Ariers 325 

Die Frage nach den inneren Ursachen der überragenden 
Bedeutung des Ariertums kann dahin beantwortet werden, 
daß diese weniger in einer stärkeren Veranlagung des 
Selbsterhaltungstriebes an sich zu suchen sind, als vielmehr 
in der besonderen Art der Äußerung desselben. Der Wille 
zum Leben ist, subjektiv betrachtet, überall gleich groß und 
nur in der Form der tatsächlichen Auswirkung verschieden. 

Bei den ursprünglichsten Lebewesen geht der Selbst- 
erhaltungstrieb über die Sorge um das eigene Ich nicht hin- 
aus. Der Egoismus, wie wir diese Sucht bezeichnen, geht 
hier so weit, daß er selbst die Zeit umfaßt, so daß der 
Augenblick selber wieder alles beansprucht und nichts den 
kommenden Stunden gönnen will. Das Tier lebt in diesem 
Zustande nur für sich, sucht Futter nur für den jeweiligen 
Hunger und kämpft nur um das eigene Leben. Solange 
sich aber der Selbsterhaltungstrieb in dieser Weise äußert, 
fehlt jede Grundlage zur Bildung eines Gemeinwesens, 
und wäre es selbst die primitivste Form der Familie. Schon 
die Gemeinschaft zwischen Männchen und Weibchen über 
die reine Paarung hinaus fordert eine Erweiterung des 
Selbsterhaltungstriebes, indem die Sorge und der Kampf 
um das eigene Ich sich auch dem zweiten Teile zuwendet; 
das Männchen sucht manchmal auch für das Weibchen 
Futter, meist aber suchen beide für die Jungen Nahrung. 
Für den Schutz des einen tritt fast immer das andere ein, 
so daß sich hier die ersten, wenn auch unendlich einfachen 
Formen eines Opfersinnes ergeben. Sowie sich dieser Sinn 
über die Grenzen des engen Rahmens der Familie er- 
weitert, ergibt sich die Voraussetzung zur Bildung größerer 
Verbände und endlich förmlicher Staaten. 

Bei den niedrigsten Menschen der Erde ist diese Eigen- 
schaft nur in sehr geringem Umfange vorhanden, so daß 
es über Bildung der Familie nicht hinauskommt. Je 
größer dann die Bereitwilligkeit des Zurückstellens rein 
persönlicher Interessen wird, um so mehr steigt auch die 
Fähigkeit zur Errichtung umfassender Gemeinwesen. 

Dieser Aufopferungswille zum Einsatz der persönlichen 
Arbeit und, wenn nötig, des eigenen Lebens für andere ist 



326 Dienst an der Gemeinschaft 

am stärksten beim Arier ausgebildet. Der Arier ist nicht 
in seinen geistigen Eigenschaften an sich am größten, son- 
dern im Ausmaße der Bereitwilligkeit, alle Fähigkeiten 
in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Der Selbst- 
erhaltungstrieb hat bei ihm die edelste Form erreicht, 
indem er das eigene Ich dem Leben der Gesamtheit willig 
unterordnet und, wenn die Stunde es erfordert, auch zum 
Opfer bringt. 

Nicht in den intellektuellen Gaben liegt die Ursache der 
kulturbildenden und -aufbauenden Fähigkeit des Ariers. 
Hätte er nur diese allein, würde er damit immer nur zer- 
störend wirken können, auf keinen Fall aber organisierend; 
denn das innerste Wesen jeder Organisation beruht darauf, 
daß der einzelne auf die Vertretung seiner persönlichen 
Meinung sowohl als seiner Interessen verrichtet und beides 
zugunsten einer Mehrzahl von Menschen opfert. Erst über 
dem Umweg dieser Allgemeinheit erhält er dann seinen Teil 
wieder zurück. Er arbeitet nun z. B. nicht mehr unmittelbar 
für sich selbst, sondern gliedert sich mit seiner Tätigkeit in 
den Rahmen der Gesamtheit ein, nicht nur zum eigenen 
Nutzen, sondern zum Nutzen aller. Die wunderbarste Er- 
läuterung dieser Gesinnung bietet sein Wort „Arbeit", 
unter dem er keineswegs eine Tätigkeit zum Lebens- 
erhalt an sich versteht, sondern nur ein Schaffen, das nicht 
den Interessen der Allgemeinheit widerspricht. Im anderen 
Falle bezeichnet er das menschliche Wirken, sofern es dem 
Selbsterhaltungstriebe ohne Rücksicht auf das Wohl der 
Mitwelt dient, als Diebstahl, Wucher, Raub, Einbruch usw. 

Diese Gesinnung, die das Interesse des eigenen Ichs zu- 
gunsten der Erhaltung der Gemeinschaft zurücktreten läßt, 
ist wirklich die erste Voraussetzung für jede wahrhaft 
menschliche Kultur. Nur aus ihr heraus vermögen alle die 
großen Werke der Menschheit zu entstehen, die dem Grün- 
der wenig Lohn, der Nachwelt aber reichsten Segen bringen. 
Ja, aus ihr allein heraus kann man verstehen, wie so 
viele ein kärgliches Leben in Redlichkeit zu ertragen ver- 
mögen, das ihnen selber nur Armut und Bescheidenheit 
auferlegt, der Gesamtheit aber die Grundlagen des Daseins 



Aufopferungsfähigkeit für die Gesamtheit 327 

sichert. Jeder Arbeiter, jeder Bauer, jeder Erfinder, Be- 
amte usw., der schafft, ohne selber je zu Glück und Wohl- 
stand gelangen zu können, ist ein Träger dieser hohen Idee, 
auch wenn der tiefere Sinn seines Handelns ihm immer 
verborgen bliebe. 

Was aber für die Arbeit als Grundlage menschlicher 
Ernährung und alles menschlichen Fortschrittes gilt, trifft 
in noch höherem Maße zu für den Schutz des Menschen und 
seiner Kultur. In der Hingabe des eigenen Lebens für die 
Existenz der Gemeinschaft liegt die Krönung alles Opfer- 
sinnes. Nur dadurch wird verhindert, daß, was Menschen- 
hände bauten, Menschenhände wieder stürzen oder die Natur 
vernichtet. 

Gerade unsere deutsche Sprache aber besitzt ein Wort, 
das in herrlicher Weise das Handeln nach diesem Sinne 
bezeichnet: Pflichterfüllung, das heißt, nicht sich selbst ge- 
nügen, sondern der Allgemeinheit dienen. 

Die grundsätzliche Gesinnung, aus der ein solches Han- 
deln erwächst, nennen wir zum Unterschied vom Egoismus, 
vom Eigennutz - Idealismus. Wir verstehen darunter nur 
die Aufopferungsfähigkeit des einzelnen für die Gesamt- 
heit, für seine Mitmenschen. 

Wie nötig aber ist es, immer wieder zu erkennen, daß 
der Idealismus nicht etwa eine überflüssige Gefühlsäuße- 
rung darstellt, sondern daß er in Wahrheit die Vorausset- 
zung zu dem war, ist und sein wird, was wir mit mensch- 
licher Kultur bezeichnen, ja, daß er allein erst den Begriff 
„Mensch" geschaffen hat. Dieser inneren Gesinnung ver- 
dankt der Arier seine Stellung auf dieser Welt, und ihr ver- 
dankt die Welt den Menschen; denn sie allein hat aus dem 
reinen Geist die schöpferische Kraft geformt, die in einzig- 
artiger Vermählung von roher Faust und genialem Intellekt 
die Denkmäler der menschlichen Kultur erschuf. 

Ohne seine ideale Gesinnung wären alle, auch die 
blendendsten Fähigkeiten des Geistes nur Geist an sich, 
äußerer Schein ohne inneren Wert, jedoch niemals 
schöpferische Kraft. 

Da aber wahrer Idealismus nichts weiter ist als die 



328 Reinster Idealismus, tiefste Erkenntnis 

Unterordnung der Interessen und des Lebens des ein- 
zelnen unter die Gesamtheit, dies aber wieder die Vor- 
aussetzung für die Bildung organisatorischer Formen jeder 
Art darstellt, entspricht er im innersten Grunde dem letzten 
Wollen der Natur. Er allein führt die Menschen zur frei- 
willigen Anerkennung des Vorrechtes der Kraft und der 
Stärke und läßt sie so zu einem Stäubchen jener Ordnung 
werden, die das ganze Universum formt und bildet. 

Reinster Idealismus deckt sich unbewußt mit tiefster 
Erkenntnis. 

Wie sehr dies zutrifft und wie wenig wahrer Idealis- 
mus mit spielerischer Phantasterei zu tun hat, kann man 
sofort erkennen, wenn man das unverdorbene Kind, den 
gesunden Knaben z. B., urteilen läßt. Der gleiche Junge, 
der den Tiraden eines „idealen" Pazifisten verständnislos 
und ablehnend gegenübersteht, ist bereit, für das Ideal 
seines Volkstums das junge Leben hinzuwerfen. 

Unbewußt gehorcht hier der Instinkt der Erkenntnis 
der tieferen Notwendigkeit der Erhaltung der Art, wenn 
nötig auf Kosten des einzelnen, und protestiert gegen die 
Phantasterei des pazifistischen Schwätzers, der in Wahrheit 
als, wenn auch geschminkter, so doch feiger Egoist wider die 
Gesetze der Entwicklung verstößt; denn diese ist bedingt 
durch die Opferwilligkeit des einzelnen zugunsten der All- 
gemeinheit und nicht durch krankhafte Vorstellungen feiger 
Besserwisser und Kritiker der Natur. 

Gerade in Zeiten, in denen die ideale Gesinnung zu ver- 
schwinden droht, können wir deshalb auch sofort ein Sin- 
ken jener Kraft erkennen, die die Gemeinschaft bildet und 
so der Kultur die Voraussetzungen schafft. Sowie erst der 
Egoismus zum Regenten eines Volkes wird, lösen sich die 
Bande der Ordnung, und im Jagen nach dem eigenen 
Glück stürzen die Menschen aus dem Himmel erst recht in 
die Hölle. 

Ja, selbst die Nachwelt vergißt der Männer, die nur dem 
eigenen Nutzen dienten, und rühmt die Helden, welche auf 
eigenes Glück verzichteten. 



Arier und Jude 329 



Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude. 
Bei kaum einem Volke der Welt ist der Selbsterhaltungs- 
trieb stärker entwickelt als beim sogenannten auserwählten. 
Als bester Beweis hierfür darf die einfache Tatsache des 
Bestehens dieser Rasse allein schon gelten. Wo ist das 
Volk, das in den letzten zweitausend Jahren so wenigen 
Veränderungen der inneren Veranlagung, des Charakters 
usw. ausgesetzt gewesen wäre als das jüdische? Welches 
Volk endlich hat größere Umwälzungen mitgemacht als 
dieses - und ist dennoch immer als dasselbe aus den ge- 
waltigsten Katastrophen der Menschheit hervorgegangen? 
Welch ein unendlich zäher Wille zum Leben, zur Erhal- 
tung der Art spricht aus diesen Tatsachen! 

Die intellektuellen Eigenschaften des Juden haben sich 
im Verlaufe der Jahrtausende geschult. Er gilt heute als 
„gescheit" und war es in einem gewissen Sinne zu allen 
Zeiten. Allein sein Verstand ist nicht das Ergebnis eigener 
Entwicklung, sondern eines Anschauungsunterrichtes durch 
Fremde. Auch der menschliche Geist vermag nicht ohne 
Stufen zur Höhe emporzuklimmen; er braucht zu jedem 
Schritt nach aufwärts das Fundament der Vergangenheit, 
und zwar in jenem umfassenden Sinne, in dem es sich nur in 
der allgemeinen Kultur zu offenbaren vermag. Alles 
Denken beruht nur zum geringen Teile auf eigener Er- 
kenntnis, zum größten aber auf den Erfahrungen der vor- 
hergegangenen Zeit. Das allgemeine Kulturniveau versorgt 
den einzelnen Menschen, ohne daß es dieser meistens 
beachtet, mit einer solchen Fülle von Vorkenntnissen, daß 
er, so gerüstet, leichter weiter eigene Schritte machen kann. 
Der Knabe von heute zum Beispiel wächst unter einer 
wahren Unmenge technischer Errungenschaften der letzten 
Jahrhunderte auf, so daß er vieles, das vor hundert Jah- 
ren noch den größten Geistern ein Rätsel war, als selbst- 
verständlich gar nicht mehr beachtet, obwohl es für ihn 
zum Verfolgen und Verstehen unserer Fortschritte auf dem 
betreffenden Gebiete von ausschlaggebender Bedeutung 
ist. Würde selbst ein genialer Kopf aus den zwanziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts heute plötzlich sein Grab 



330 Arier und Jude 



verlassen, so wäre sein auch nur geistiges Zurechtfinden in 
der jetzigen Zeit schwerer, als dies für einen mittelmäßig 
begabten fünfzehnjährigen Knaben von heute der Fall ist. 
Denn ihm würde all die unendliche Vorbildung fehlen, 
die der Zeitgenosse von heute während seines Aufwachsens 
inmitten der Erscheinungen der jeweiligen allgemeinen 
Kultur sozusagen unbewußt in sich aufnimmt. 

Da nun der Jude - aus Gründen, die sich sofort ergeben 
werden - niemals im Besitze einer eigenen Kultur war, 
sind die Grundlagen seines geistigen Arbeitens immer von 
anderen gegeben worden. Sein Intellekt hat sich zu allen 
Zeiten an der ihn umgebenden Kulturwelt entwickelt. 

Niemals fand der umgekehrte Vorgang statt. 

Denn wenn auch der Selbsterhaltungstrieb des jüdischen 
Volkes nicht kleiner, sondern eher noch größer ist als der 
anderer Völker, wenn auch seine geistigen Fähigkeiten 
sehr leicht den Eindruck zu erwecken vermögen, daß sie der 
intellektuellen Veranlagung der übrigen Rassen ebenbür- 
tig wären, so fehlt doch vollständig die allerwesentlichste 
Voraussetzung für ein Kulturvolk, die idealistische Ge- 
sinnung. 

Der Aufopferungswille im jüdischen Volke geht über den 
nackten Selbsterhaltungstrieb des einzelnen nicht hinaus. 
Das scheinbar große Zusammengehörigkeitsgefühl ist in 
einem sehr primitiven Herdeninstinkt begründet, wie er sich 
ähnlich bei vielen anderen Lebewesen auf dieser Welt zeigt. 
Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, daß Herdentrieb 
stets nur so lange zu gegenseitiger Unterstützung führt, als 
eine gemeinsame Gefahr dies zweckmäßig oder unvermeid- 
lich erscheinen läßt. Das gleiche Rudel Wölfe, das soeben 
noch gemeinsam seinen Raub überfällt, löst sich bei nach- 
lassendem Hunger wieder in seine einzelnen Tiere auf. Das 
gleiche gilt von Pferden, die sich des Angreifers ge- 
schlossen zu erwehren suchen, um nach überstandener Ge- 
fahr wieder auseinanderzustieben. 

Ähnlich verhält es sich auch beim Juden. Sein Aufopfe- 
rungssinn ist nur ein scheinbarer. Es besteht nur so lange, 
als die Existenz jedes einzelnen dies unbedingt erforderlich 



Folgen des jüdischen Egoismus 331 

macht. Sobald jedoch der gemeinsame Feind besiegt, die 
allen drohende Gefahr beseitigt, der Raub geborgen ist, 
hört die scheinbare Harmonie der Juden untereinander auf, 
um den ursächlich vorhandenen Anlagen wider Platz zu 
geben. Der Jude ist nur einig, wenn eine gemeinsame 
Gefahr ihn dazu zwingt oder eine gemeinsame Beute lockt; 
fallen beide Gründe weg, so treten die Eigenschaften eines 
krassesten Egoismus in ihre Rechte, und aus dem einigen 
Volk wird im Handumdrehen eine sich blutig bekämpfende 
Rotte von Ratten. 

Wären die Juden auf dieser Welt allein, so würden sie 
ebensosehr in Schmutz und Unrat ersticken wie in haßerfüll- 
tem Kampfe sich gegenseitig zu übervorteilen und auszu- 
rotten versuchen, sofern nicht der sich in ihrer Feigheit 
ausdrückende restlose Mangel jedes Aufopferungssinnes 
auch hier den Kampf zum Theater werden ließe. 

Es ist also grundfalsch, aus der Tatsache des Zusammen- 
stehens der Juden im Kampfe, richtiger ausgedrückt in der 
Ausplünderung ihrer Mitmenschen, bei ihnen auf einen 
gewissen idealen Aufopferungssinn schließen zu wollen. 

Auch hier leitet den Juden weiter nichts als nackter 
Egoismus des einzelnen. 

Daher ist auch der jüdische Staat - der der lebendige 
Organismus zur Erhaltung und Vermehrung einer Rasse 
sein soll - territorial vollständig unbegrenzt. Denn eine 
bestimmte räumliche Fassung eines Staatsgebildes setzt 
immer eine idealistische Gesinnung der Staatsrasse voraus, 
besonders aber eine richtige Auffassung des Begriffes Ar- 
beit. In eben dem Maße, in dem es an dieser Einstel- 
lung mangelt, versagt auch jeder Versuch zur Bildung, ja 
sogar zur Erhaltung eines räumlich begrenzten Staates. 
Damit entfällt jedoch die Grundlage, auf der eine Kultur 
allein entstehen kann. 

Daher ist das jüdische Volk bei allen scheinbaren intellek- 
tuellen Eigenschaften dennoch ohne jede wahre Kultur, be- 
sonders aber ohne jede eigene. Denn was der Jude heute 
an Scheinkultur besitzt, ist das unter seinen Händen meist 
schon verdorbene Gut der anderen Völker. 



332 Die Scheinkultur des Juden 

Als wesentliches Merkmal bei der Beurteilung des Juden- 
tums in seiner Stellung zur Frage der menschlichen Kultur 
muß man sich immer vor Augen halten, daß es eine jüdische 
Kunst niemals gab und demgemäß auch heute nicht gibt, 
daß vor allem die beiden Königinnen aller Künste, Archi- 
tektur und Musik, dem Judentum nichts Ursprüngliches 
zu verdanken haben. Was es auf dem Gebiete der Kunst 
leistet, ist entweder Verbalhornung oder geistiger Dieb- 
stahl. Damit aber fehlen dem Juden jene Eigenschaften, 
die schöpferisch und damit kulturell begnadete Rassen aus- 
zeichnen. 

Wie sehr der Jude nur nachempfindend, besser aber ver- 
derbend fremde Kultur übernimmt, geht daraus hervor, 
daß er am meisten in der Kunst zu finden ist, die auch am 
wenigsten auf eigene Erfindung eingestellt erscheint, der 
Schauspielkunst. Allein selbst hier ist er wirklich nur der 
„Gaukler", besser der Nachäffer; denn selbst hier fehlt ihm 
der allerletzte Wurf zur wirklichen Größe; selbst hier ist er 
nicht der geniale Gestalter, sondern äußerlicher Nachahmer, 
wobei alle dabei angewendeten Mätzchen und Tricks eben 
doch nicht über die innere Leblosigkeit seiner Gestaltungs- 
gabe hinwegzutäuschen vermögen. Hier hilft nur die jüdische 
Presse in liebevollster Weise nach, indem sie über jeden, 
aber auch den mittelmäßigsten Stümper, sofern er eben 
nur Jude ist, ein solches Hosiannnageschrei erhebt, daß die 
übrige Mitwelt endlich wirklich vermeint, einen Künstler 
vor sich zu sehen, während es sich in Wahrheit nur um 
einen jammervollen Komödianten handelt. 

Nein, der Jude besitzt keine irgendwie kulturbildende 
Kraft, da der Idealismus, ohne den es eine wahrhafte 
Höherentwicklung des Menschen nicht gibt, bei ihm nicht 
vorhanden ist und nie vorhanden war. Daher wird sein 
Intellekt niemals aufbauend wirken, sondern zerstörend und 
in ganz seltenen Fällen vielleicht höchstens aufpeitschend, 
dann aber als das Urbild der „Kraft, die stets das Böse 
will und stets das Gute schafft". Nicht durch ihn findet 
irgendein Fortschritt der Menschheit statt, sondern trotz ihm. 

Da der Jude niemals einen Staat mit bestimmter terri- 



Der Jude ist kein Nomade 333 

torialer Begrenzung besaß und damit auch nie eine Kultur 
sein eigen nannte, entstand die Vorstellung, als handle es 
sich hier um ein Volk, das in die Reihe der Nomaden 
zu rechnen wäre. Dies ist ein ebenso großer wie gefährlicher 
Irrtum. Der Nomade besitzt sehr wohl einen bestimmt um- 
grenzten Lebensraum, nur bebaut er ihn nicht als seßhafter 
Bauer, sondern lebt vom Ertrage seiner Herden, mit denen 
er in seinem Gebiete wandert. Der äußere Grund hierfür 
ist in der geringen Fruchtbarkeit eines Bodens zu sehen, 
der eine Ansiedlung einfach nicht gestattet. Die tiefere Ur- 
sache aber liegt im Mißverhältnis zwischen der technischen 
Kultur einer Zeit oder eines Volkes und der natürlichen 
Armut eines Lebensraumes. Es gibt Gebiete, in denen auch 
der Arier nur durch seine im Laufe von mehr denn tausend 
Jahren entwickelte Technik in der Lage ist, in geschlossenen 
Siedelungen des weiten Bodens Herr zu werden und die 
Erfordernisse des Lebens aus ihm zu bestreiten. Besäße er 
diese Technik nicht, so müßte er entweder diese Gebiete mei- 
den oder ebenfalls als Nomade in dauernder Wander- 
schaft das Leben fristen, vorausgesetzt, daß nicht seine 
tausendjährige Erziehung und Gewöhnung an Seßhaftigkeit 
dies für ihn einfach unerträglich erscheinen ließe. Man muß 
bedenken, daß in der Zeit der Erschließung des amerikani- 
schen Kontinents zahlreiche Arier sich ihr Leben als Fallen- 
steller, Jäger usw. erkämpften, und zwar häufig in größeren 
Trupps mit Weib und Kind, immer herumziehend, so daß 
ihr Dasein vollkommen dem der Nomaden glich. Sobald 
aber ihre steigende Zahl und bessere Hilfsmittel gestatte- 
ten, den wilden Boden auszuroden und den Ureinwohnern 
standzuhalten, schössen immer mehr Siedlungen in dem 
Lande empor. 

Wahrscheinlich war auch der Arier erst Nomade und 
wurde im Laufe der Zeit seßhaft, allein deshalb war er 
doch niemals Jude! Nein, der Jude ist kein Nomade; denn 
auch der Nomade hatte schon eine bestimmte Stellung zum 
Begriffe „Arbeit", die als Grundlage für eine spätere Ent- 
wicklung dienen konnte, sofern die notwendigen geistigen 
Voraussetzungen hierzu vorhanden waren. Die idealistische 



334 Der Jude ein Parasit 



Grundanschauung aber ist bei ihm, wenn auch in unend- 
licher Verdünnung, gegeben, daher erscheint er auch in sei- 
nem ganzen Wesen den arischen Völkern vielleicht fremd, 
allein nicht unsympathisch. Bei den Juden hingegen ist 
diese Einstellung überhaupt nicht vorhanden; er war des- 
halb auch nie Nomade, sondern immer nur Parasit im 
Körper anderer Völker. Daß er dabei manchmal seinen bis- 
herigen Lebensraum verläßt, hängt nicht mit seiner Absicht 
zusammen, sondern ist das Ergebnis des Hinauswurfes, 
den er von Zeit zu Zeit durch die mißbrauchten Gastvölker 
erfährt. Sein Sich-Weiterverbreiten aber ist eine typische 
Erscheinung für alle Parasiten; er sucht immer neuen Nähr- 
boden für seine Rasse. 

Dies hat aber mit Nomadentum deshalb nichts zu tun, 
weil der Jude gar nicht daran denkt, ein von ihm besetztes 
Gebiet wieder zu räumen, sondern bleibt, wo er sitzt, und 
zwar so seßhaft, daß er selbst mit Gewalt nur mehr sehr 
schwer zu vertreiben ist. Sein Ausdehnen auf immer neue 
Länder erfolgt erst in dem Augenblick, in dem dort gewisse 
Bedingungen für sein Dasein gegeben sind, ohne daß er da- 
durch - wie der Nomade - seinen bisherigen Wohnsitz 
verändern würde. Er ist und bleibt der ewige Parasit, ein 
Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer 
mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu 
einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls 
der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk 
nach kürzerer oder längerer Zeit ab. 

So lebte der Jude zu allen Zeiten in den Staaten anderer 
Völker und bildete dort seinen eigenen Staat, der aller- 
dings so lange unter der Bezeichnung „Religionsgemein- 
schaft" maskiert zu segeln pflegte, als die äußeren Umstände 
kein vollständiges Enthüllen seines Wesens angezeigt sein 
ließen. Glaubte er sich aber einmal stark genug, um der 
Schutzdecke entbehren zu können, dann ließ er noch immer 
den Schleier fallen und war plötzlich das, was so viele 
andere früher nicht glauben und sehen wollten: der Jude. 

Im Leben des Juden als Parasit im Körper anderer 
Nationen und Staaten liegt eine Eigenart begründet, die 



Jüdische „Religionsgemeinschaft" 335 

Schopenhauer einst zu dem schon erwähnten Ausspruch ver- 
anlaßte, der Jude sei der „große Meister im Lügen". Das 
Dasein treibt den Juden zur Lüge, und zwar zur immer- 
währenden Lüge, wie es den Nordländer zur warmen Klei- 
dung zwingt. 

Sein Leben innerhalb anderer Völker kann auf die Dauer 
nur währen, wenn es ihm gelingt, die Meinung zu er- 
wecken, als handle es sich bei ihm um kein Volk, sondern 
um eine, wenn auch besondere „Religionsgemeinschaft". 

Dies ist aber die erste große Lüge. 

Er muß, um sein Dasein als Völkerparasit führen zu kön- 
nen, zur Verleugnung seiner inneren Wesensart greifen. 
Je intelligenter der einzelne Jude ist, um so mehr wird ihm 
diese Täuschung auch gelingen. Ja, es kann so weit kom- 
men, daß große Teile des Wirtsvolkes endlich ernstlich glau- 
ben werden, der Jude sei wirklich ein Franzose oder Eng- 
länder, ein Deutscher oder Italiener, wenn auch von be- 
sonderer Konfession. Besonders staatliche Stellen, die ja 
immer von dem historischen Bruchteil der Weisheit beseelt 
zu sein scheinen, fallen diesem infamen Betrug am leichte- 
sten zum Opfer. Das selbständige Denken gilt in diesen 
Kreisen ja manchmal als eine wahre Sünde wider das hei- 
lige Fortkommen, so daß es einen nicht wundernehmen darf, 
wenn z. B. ein bayerisches Staatsministerium auch heute 
noch keine Blasse Ahnung davon besitzt, daß die Juden An- 
gehörige eines Volkes sind und nicht einer „Konfes- 
sion", obwohl nur ein Blick in die dem Judentum eigene 
Zeitungswelt dies selbst dem bescheidensten Geist sofort 
aufzeigen müßte. Allerdings ist das „Jüdische Echo" ja noch 
nicht das Amtsblatt und folglich für den Verstand eines 
solchen Regierungspotentaten unmaßgeblich. 

Das Judentum war immer ein Volk mit bestimmten ras- 
sischen Eigenarten und niemals eine Religion, nur sein 
Fortkommen ließ es schon frühzeitig nach einem Mittel 
suchen, das die unangenehme Aufmerksamkeit in bezug auf 
seine Angehörigen zu zerstreuen vermochte. Welches Mittel 
aber wäre zweckmäßiger und zugleich harmloser gewesen 
als die Einschiebung des geborgten Begriffs der Religions- 



336 Die jüdische Religionslehre 

gemeinschaft? Denn auch hier ist alles entlehnt, besser 
gestohlen - aus dem ursprünglichen eigenen Wesen kann 
der Jude eine religiöse Einrichtung schon deshalb nicht 
besitzen, da ihm der Idealismus in jeder Form fehlt und 
damit auch der Glaube an ein Jenseits vollkommen fremd 
ist. Man kann sich aber eine Religion nach arischer Auf- 
fassung nicht vorstellen, der die Überzeugung des Fort- 
lebens nach dem Tode in irgendeiner Form mangelt. Tat- 
sächlich ist auch der Talmud kein Buch zur Vorbereitung 
für das Jenseits, sondern nur für ein praktisches und 
erträgliches Leben im Diesseits. 

Die jüdische Religionslehre ist in erster Linie eine An- 
weisung zur Reinhaltung des Blutes des Judentums sowie 
zur Regelung des Verkehrs der Juden untereinander, mehr 
aber noch mit der übrigen Welt, mit den NichtJuden also. 
Aber auch hier handelt es sich keineswegs um ethische Pro- 
bleme, sondern um außerordentlich bescheidene wirtschaft- 
liche. Über den sittlichen Wert des jüdischen Religionsunter- 
richtes gibt es heute und gab es zu allen Zeiten schon ziem- 
lich eingehende Studien (nicht jüdischerseits; die Schwafe- 
leien der Juden selber darüber sind natürlich dem Zweck an- 
gepaßt), die diese Art von Religion nach arischen Begriffen 
als geradezu unheimlich erscheinen lassen. Die beste Kenn- 
zeichnung jedoch gibt das Produkt dieser religiösen Er- 
ziehung, der Jude selber. Sein Leben ist nur von dieser 
Welt, und sein Geist ist dem wahren Christentum innerlich 
so fremd, wie sein Wesen es zweitausend Jahre vorher dem 
großen Gründer der neuen Lehre selber war. Freilich 
machte dieser aus seiner Gesinnung dem jüdischen Volke 
gegenüber kein Hehl, griff, wenn nötig, sogar zur Peitsche, 
um aus dem Tempel des Herrn diesen Widersacher jedes 
Menschentums zu treiben, der auch damals wie immer in 
der Religion nur ein Mittel zur geschäftlichen Existenz sah. 
Dafür wurde dann Christus freilich an das Kreuz geschlagen, 
während unser heutiges Parteichristentum sich herabwürdigt, 
bei den Wahlen um jüdische Stimmen zu betteln und später 
mit atheistischen Judenparteien politische Schiebungen zu 
vereinbaren sucht, und zwar gegen das eigene Volkstum. 



Die „Weisen von Zion" 337 

Auf dieser ersten und größten Lüge, das Judentum sei 
nicht eine Rasse, sondern eine Religion, bauen sich dann in 
zwangsläufiger Folge immer weitere Lügen auf. Zu ihnen 
gehört auch die Lüge hinsichtlich der Sprache des Juden. 
Sie ist ihm nicht das Mittel, seine Gedanken auszudrücken, 
sondern das Mittel, sie zu verbergen. Indem er französisch 
redet, denkt er jüdisch, und während er deutsche Verse 
drechselt, lebt er nur das Wesen seines Volkstums aus. 

Solange der Jude nicht der Herr der anderen Völker ge- 
worden ist, muß er wohl oder übel deren Sprachen spre- 
chen, sobald diese jedoch seine Knechte wären, hätten sie 
alle eine Universalsprache (z.B. Esperanto!) zu lernen, so 
daß auch durch dieses Mittel das Judentum sie leichter be- 
herrschen könnte! 

Wie sehr das ganze Dasein dieses Volkes auf einer fort- 
laufenden Lüge beruht, wird in unvergleichlicher Art in 
den von den Juden so unendlich gehaßten „Protokollen der 
Weisen von Zion" gezeigt. Sie sollen auf einer Fälschung 
beruhen, stöhnt immer wieder die „Frankfurter Zeitung" 
in die Welt hinaus: der beste Beweis dafür, daß sie echt 
sind. Was viele Juden unbewußt tun mögen, ist hier be- 
wußt klargelegt. Darauf aber kommt es an. Es ist ganz 
gleich, aus wessen Judenkopf diese Enthüllungen stammen, 
maßgebend aber ist, daß sie mit geradezu grauenerregender 
Sicherheit das Wesen und die Tätigkeit des Judenvolkes 
aufdecken und in ihren inneren Zusammenhängen sowie 
den letzten Schlußzielen darlegen. Die beste Kritik an ihnen 
jedoch bildet die Wirklichkeit. Wer die geschichtliche Ent- 
wicklung der letzten hundert Jahre von den Gesichtspunkten 
dieses Buches aus überprüft, dem wird auch das Geschrei 
der jüdischen Presse sofort verständlich werden. Denn wenn 
dieses Buch erst einmal Gemeingut des Volkes geworden 
sein wird, darf die jüdische Gefahr auch schon als ge- 
brochen gelten. 

Um den Juden kennenzulernen, ist es am besten, seinen 
Weg zu studieren, den er innerhalb der anderen Völker und 



338 Der Werdegang des Judentums 

im Laufe der Jahrhunderte genommen hat. Es genügt da- 
bei, dies nur an einem Beispiele zu verfolgen, um zu den 
nötigen Erkenntnissen zu kommen. Da sein Werdegang 
immer und zu allen Zeiten derselbe war, wie ja auch die 
von ihm aufgefressenen Völker immer die gleichen sind, so 
empfiehlt es sich, bei einer solchen Betrachtung seine Ent- 
wicklung in bestimmte Abschnitte zu zerlegen, die ich in die- 
sem Falle der Einfachheit halber mit Buchstaben bezeichne. 

Die ersten Juden sind nach Germanien im Verlaufe des 
Vordringens der Römer gekommen, und zwar wie immer 
als Händler. In den Stürmen der Völkerwanderung aber 
sind sie anscheinend wieder verschwunden, und so darf als 
Beginn einer neuen und nun bleibenden Verjudung Mit- 
tel- und Nordeuropas die Zeit der ersten germanischen 
Staatenbildung angesehen werden. Eine Entwicklung setzt 
ein, die immer dieselbe oder eine ähnliche war, wenn 
irgendwo Juden auf arische Völker stießen. 

a) Mit dem Entstehen der ersten festen Siedelungen ist 
der Jude plötzlich „da". Er kommt als Händler und legt 
anfangs noch wenig Wert auf die Verschleierung seines 
Volkstums. Er ist noch Jude, zum Teil vielleicht auch des- 
halb, weil der äußere Rassenunterschied zwischen ihm und 
dem Gastvolk zu groß, seine sprachlichen Kenntnisse noch zu 
gering, die Abgeschlossenheit des Gastvolkes jedoch zu scharf 
sind, als daß er es wagen dürfte, als etwas anderes denn 
ein fremder Händler erscheinen zu wollen. Bei seiner Ge- 
schmeidigkeit und der Unerfahrenheit des Gastvolkes be- 
deutet die Beibehaltung seines Charakters als Jude auch 
keinen Nachteil für ihn, sondern eher einen Vorteil; man 
kommt dem Fremden freundlich entgegen. 

b) Allmählich beginnt er sich langsam in der Wirtschaft 
zu betätigen, nicht als Produzent, sondern ausschließlich als 
Zwischenglied. In seiner tausendjährigen händlerischen Ge- 
wandtheit ist er den noch unbeholfenen, besonders aber 
grenzenlos ehrlichen Ariern weit überlegen, so daß schon 
in kurzer Zeit der Handel sein Monopol zu werden droht. 



Der Werdegang des Judentums 339 

Er beginnt mit dem Verleihen von Geld, und zwar wie 
immer zu Wucherzinsen. Tatsächlich führt er den Zins auch 
dadurch ein. Die Gefahr dieser neuen Einrichtung wird zu- 
nächst nicht erkannt, sondern um der augenblicklichen Vor- 
teile wegen sogar begrüßt. 

c) Der Jude ist vollkommen seßhaft geworden, d.h. er 
besiedelt in den Städten und Flecken besondere Viertel und 
bildet immer mehr einen Staat im Staate. Den Handel so- 
wohl als sämtliche Geldgeschäfte faßt er als sein eigenstes 
Privileg auf, das er rücksichtslos auswertet. 

d) Das Geldgeschäft und der Handel sind restlos sein 
Monopol geworden. Seine Wucherzinsen erregen endlich 
Widerstand, seine zunehmende sonstige Frechheit aber Em- 
pörung, sein Reichtum Neid. Das Maß wird übervoll, als 
er auch den Grund und Boden in den Kreis seiner händ- 
lerischen Objekte einbezieht und ihn zur verkäuflichen, bes- 
ser, handelbaren Ware erniedrigt. Da er selber den Boden 
nie bebaut, sondern bloß als ein Ausbeutungsgut betrachtet, 
auf dem der Bauer sehr wohl bleiben kann, allein unter 
den elendesten Erpressungen seitens seines nunmehrigen 
Herrn, steigert sich die Abneigung gegen ihn allmählich 
zum offenen Haß. Seine blutsaugerische Tyrannei wird so 
groß, daß es zu Ausschreitungen gegen ihn kommt. Man 
beginnt sich den Fremden immer näher anzusehen und ent- 
deckt immer neue abstoßende Züge und Wesensarten an 
ihm, bis die Kluft unüberbrückbar wird. 

In Zeiten bitterster Not bricht endlich die Wut gegen 
ihn aus, und die ausgeplünderten und zugrunde gerichteten 
Massen greifen zur Selbsthilfe, um sich der Gottesgeißel zu 
erwehren. Sie haben ihn im Laufe einiger Jahrhunderte 
kennengelernt und empfinden schon sein bloßes Dasein als 
gleiche Not wie die Pest. 

e) Nun beginnt der Jude aber seine wahren Eigenschaf- 
ten zu enthüllen. Mit widerlicher Schmeichelei macht er sich 
an die Regierungen heran, läßt sein Geld arbeiten und 
sichert sich auf solche Art immer wieder den Freibrief zu 
neuer Ausplünderung seiner Opfer. Wenn auch manchmal 
die Wut des Volkes gegen den ewigen Blutegel lichterloh 



340 Der Werdegang des Judentums 

aufbrennt, so hindert ihn dies nicht im geringsten, in 
wenigen Jahren schon wieder in dem kaum verlassenen Orte 
neuerdings aufzutauchen und das alte Leben von vorne zu 
beginnen. Keine Verfolgung kann ihn von seiner Art der 
Menschenausbeutung abbringen, keine ihn vertreiben, nach 
jeder ist er in kurzer Zeit wieder da, und zwar als der alte. 

Um wenigstens das Allerärgste zu verhindern, beginnt 
man, den Boden seiner wucherischen Hand zu entziehen, 
indem man ihm die Erwerbung desselben einfach gesetzlich 
unmöglich macht. 

f) In dem Maße, in dem die Macht der Fürsten zu steigen 
beginnt, drängt er sich immer näher an diese heran. Er 
bettelt um „Freibriefe" und „Privilegien", die er von den 
stets in Finanznöten befindlichen Herren gegen entspre- 
chende Bezahlung gerne erhält. Was ihn dieses auch kostet, 
er bringt in wenigen Jahren das ausgegebene Geld mit 
Zins und Zinseszins wieder herein. Ein wahrer Blutegel, 
der sich an den Körper des unglücklichen Volkes ansetzt und 
nicht wegzubringen ist, bis die Fürsten selber wieder Geld 
brauchen und ihm das ausgesogene Blut höchst persönlich 
abzapfen. 

Dieses Spiel wiederholt sich immer von neuem, wobei 
die Rolle der sogenannten „deutschen Fürsten" genau so 
erbärmlich wie die der Juden selber ist. Sie waren wirklich 
die Strafe Gottes für ihre lieben Völker, diese Herren, und 
finden ihre Parallele nur in verschiedenen Ministern der 
heutigen Zeit. 

Den deutschen Fürsten ist es zu danken, daß die deutsche 
Nation sich von der jüdischen Gefahr nicht endgültig zu er- 
lösen vermochte. Leider hat sich darin auch später nichts 
geändert, so daß ihnen vom Juden nur der tausendfach 
verdiente Lohn zuteil wurde für die Sünden, die sie an 
ihren Völkern einst verbrochen haben. Sie verbündeten sich 
mit dem Teufel und landeten bei ihm. 

g) So führt seine Umgarnung der Fürsten zu deren Ver- 
derben. Langsam aber sicher lockert sich ihre Stellung zu den 
Völkern in dem Maße, in dem sie aufhören, den Interessen 
derselben zu dienen, und statt dessen zu Nutznießern ihrer 



Der Werdegang des Judentums 341 

Untertanen werden. Der Jude weiß ihr Ende genau und 
sucht es nach Möglichkeit zu beschleunigen. Er selber fördert 
ihre ewige Finanznot, indem er sie den wahren Aufgaben 
immer mehr entfremdet, in übelster Schmeichelei umkriecht, 
zu Lastern anleitet und sich dadurch immer unentbehrlicher 
macht. Seine Gewandtheit, besser Skrupellosigkeit in allen 
Geldangelegenheiten versteht es, immer neue Mittel aus 
den ausgeplünderten Untertanen herauszupressen, ja her- 
auszuschinden, die in immer kürzeren Zeiträumen den Weg 
alles Irdischen gehen. So hat jeder Hof seinen „Hofjuden" 
- wie die Scheusale heißen, die das liebe Volk bis zur 
Verzweiflung quälen und den Fürsten das ewige Vergnü- 
gen bereiten. Wen will es da wundernehmen, daß diese 
Zierden des menschlichen Geschlechtes endlich auch äußerlich 
geziert werden und in den erblichen Adelsstand empor- 
steigen, so mithelfend, auch diese Einrichtung nicht nur der 
Lächerlichkeit preiszugeben, sondern sogar zu vergiften? 

Nun vermag er natürlich erst recht seine Stellung zu- 
gunsten seines Fortkommens zu verwenden. 

Endlich braucht er sich ja nur taufen zu lassen, um in 
den Besitz aller Möglichkeiten und Rechte der Landeskinder 
selber kommen zu können. Er besorgt dieses Geschäft denn 
auch nicht selten zur Freude der Kirchen über den gewon- 
nenen Sohn und Israels über den gelungenen Schwindel. 

h) In der Judenheit beginnt sich jetzt ein Wandel zu 
vollziehen. Sie waren bisher Juden, d.h. man legte keinen 
Wert darauf, als etwas anderes erscheinen zu wollen, und 
konnte dies auch nicht bei den so überaus ausgeprägten 
Rassemerkmalen auf beiden Seiten. Noch in der Zeit Fried- 
richs des Großen fällt es keinem Menschen ein, in den 
Juden etwas anderes als das „fremde" Volk zu sehen, und 
noch Goethe ist entsetzt bei dem Gedanken, daß künftig die 
Ehe zwischen Christen und Juden nicht mehr gesetzlich ver- 
boten sein soll. Goethe aber war denn doch, wahrhaftiger 
Gott, kein Rückschrittler oder gar Zelot; was aus ihm 
sprach, war nichts anderes als die Stimme des Blutes 
und der Vernunft. So erblickte - trotz aller schmachvollen 
Handlungen der Höfe - das Volk im Juden instinktiv 



342 Der Werdegang des Judentums 

den fremden Körper im eigenen Leibe und stellte sich 
demgemäß auch zu ihm ein. 

Nun aber sollte dies anders werden. Im Laufe von mehr 
als tausend Jahren hat er die Sprache des Gastvolkes so 
weit beherrschen gelernt, daß er es nun wagen zu können 
glaubt, sein Judentum künftig etwas weniger zu betonen 
und sein „Deutschtum" mehr in den Vordergrund zu stel- 
len; denn so lächerlich, ja aberwitzig es zunächst auch er- 
scheinen mag, nimmt er sich dennoch die Frechheit heraus 
und verwandelt sich in einen „Germanen", in diesem 
Falle also in einen „Deutschen". Damit wetzt eine der in- 
famsten Täuschungen ein, die sich denken läßt. Da er vom 
Deutschtum wirklich nichts besitzt als die Kunst, seine 
Sprache - noch dazu in fürchterlicher Weise - zu rade- 
brechen, im übrigen aber niemals sich mit ihm vermengte, 
beruht mithin sein ganzes Deutschtum nur auf der Sprache 
allein. Die Rasse aber liegt nicht in der Sprache, sondern 
ausschließlich im Blute, etwas, das niemand besser weiß als 
der Jude, der gerade auf die Erhaltung seiner Sprache 
nur sehr wenig Wert legt, hingegen allen Wert auf die 
Reinhaltung seines Blutes. Ein Mensch kann ohne wei- 
teres die Sprache ändern, d.h. er kann sich einer anderen 
bedienen; allein er wird dann in seiner neuen Sprache 
die alten Gedanken ausdrücken; sein inneres Wesen wird 
nicht verändert. Dies zeigt am allerbesten der Jude, der in 
tausend Sprachen reden kann und dennoch immer der eine 
Jude bleibt. Seine Charaktereigenschaften sind dieselben 
geblieben, mochte er vor zweitausend Jahren als Getreide- 
händler in Ostia römisch sprechen oder mag er als Mehl- 
schieber von heute deutsch mauscheln. Es ist immer der 
gleiche Jude. Daß diese Selbstverständlichkeit von einem 
normalen heutigen Ministerialrat oder höheren Polizei- 
beamten nicht begriffen wird, ist freilich auch selbstver- 
ständlich, läuft doch etwas Instinkt- und Geistloseres schwer- 
lich herum als diese Diener unserer vorbildlichen Staats- 
autorität der Gegenwart. 

Der Grund, warum sich der Jude entschließt, auf einmal 
zum „Deutschen" zu werden, liegt auf der Hand. Er fühlt, 



Der Werdegang des Judentums 343 

wie die Macht der Fürsten langsam ins Wanken gerät, und 
sucht deshalb frühzeitig eine Plattform unter seine Füße 
zu bekommen. Weiter aber ist seine geldliche Beherrschung 
der gesamten Wirtschaft schon so fortgeschritten, daß er 
ohne den Besitz aller „staatsbürgerlichen" Rechte das ganze 
ungeheure Gebäude nicht mehr länger zu stützen vermag, 
auf alle Fälle keine weitere Steigerung seines Einflusses 
mehr stattfinden kann. Beides aber wünscht er; denn je 
höher er klimmt, um so lockender steigt aus dem Schleier 
der Vergangenheit sein altes, ihm einst verheißenes Ziel 
heraus, und mit fiebernder Gier sehen seine hellsten Köpfe 
den Traum der Weltherrschaft schon wieder in faßbare 
Nähe rücken. So ist sein einziges Streben darauf gerichtet, 
sich in den Vollbesitz der „staatsbürgerlichen" Rechte zu 
setzen. 

Dies ist der Grund der Emanzipation aus dem Ghetto. 

i) So entwickelt sich aus dem Hofjuden langsam der 
Volksjude, das heißt natürlich: der Jude bleibt nach wie 
vor in der Umgebung der hohen Herren, ja, er sucht sich 
eher noch mehr in deren Kreis hineinzuschieben, allein zu 
gleicher Zeit biedert sich ein anderer Teil seiner Rasse an 
das liebe Volk an. Wenn man bedenkt, wie sehr er an der 
Masse im Laufe der Jahrhunderte gesündigt hatte, wie er 
sie immer von neuem unbarmherzig auspreßte und aussog, 
wenn man weiter bedenkt, wie ihn das Volk dafür allmäh- 
lich hassen lernte und am Ende in seinem Dasein wirklich 
nur mehr eine Strafe des Himmels für die anderen Völker 
erblickte, so kann man verstehen, wie schwer dem Juden 
diese Umstellung werden muß. Ja, es ist eine mühsame Ar- 
beit, sich den abgehäuteten Opfern auf einmal als „Freund 
der Menschen" vorzustellen. 

Er geht denn auch zunächst daran, in den Augen des Vol- 
kes wieder gutzumachen, was er bisher an ihm verbrochen 
hatte. Er beginnt seine Wandlung als „Wohltäter" der 
Menschheit. Da seine neue Güte einen realen Grund hat, 
kann er sich auch nicht gut an das alte Bibelwort halten, 
daß die Linke nicht wissen solle, was die Rechte gibt, son- 
dern er muß sich wohl oder übel damit abfinden, möglichst 



344 Der Werdegang des Judentums 

viele wissen zu lassen, wie sehr er die Leiden der Masse 
empfindet, und was alles er dagegen persönlich an Opfern 
bringt. In dieser ihm nun einmal angeborenen Bescheiden- 
heit trommelt er seine Verdienste in die übrige Welt so 
lange hinaus, bis diese wirklich daran zu glauben beginnt. 
Wer nicht daran glaubt, tut ihm bitter Unrecht. In kurzer 
Zeit schon fängt er an, die Dinge so zu drehen, als ob bis- 
her überhaupt nur ihm immer Unrecht zugefügt worden 
wäre und nicht umgekehrt. Besondere Dumme glauben dies 
und können dann nicht anders, als den armen „Unglück- 
lichen" zu bedauern. 

Im übrigen wäre hier noch zu bemerken, daß der Jude 
bei aller Opferfreudigkeit persönlich natürlich dennoch nie 
verarmt. Er versteht schon einzuteilen; ja, manchmal ist 
seine Wohltat wirklich nur mit dem Dünger zu vergleichen, 
der auch nicht aus Liebe zum Feld auf dieses gestreut 
wird, sondern aus Voraussicht für das spätere eigene Wohl. 
Auf jeden Fall aber weiß in verhältnismäßig kurzer Zeit 
alles, daß der Jude ein „Wohltäter und Menschenfreund" 
geworden ist. Welch ein eigentümlicher Wandel! 

Was aber bei anderen mehr oder weniger als selbstver- 
ständlich gilt, erweckt schon deshalb höchstes Erstaunen, ja 
bei vielen ersichtliche Bewunderung, weil es bei ihm eben 
nicht selbstverständlich ist. So kommt es, daß man ihm auch 
jede solche Tat noch um vieles höher anrechnet als der 
übrigen Menschheit. 

Aber noch mehr: Der Jude wird auf einmal auch liberal 
und fängt an, vom notwendigen Fortschritt der Menschheit 
zu schwärmen. 

Langsam macht er sich so zum Wortführer einer neuen 
Zeit. 

Freilich zerstört er auch immer gründlicher die Grund- 
lagen einer wahrhaft volksnützlichen Wirtschaft. Über 
dem Umwege der Aktie schiebt er sich in den Kreislauf der 
nationalen Produktion ein, macht diese zum käuflichen, bes- 
ser handelbaren Schacherobjekt und raubt damit den Be- 
trieben die Grundlagen einer persönlichen Besitzerschaft. Da- 
mit erst tritt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jene 



Der Werdegang des Judentums 345 

innere Entfremdung ein, die zur späteren politischen 
Klassenspaltung hinüberleitet. 

Endlich aber wächst die jüdische Einflußnahme auf wirt- 
schaftliche Belange über die Börse nun unheimlich schnell 
an. Er wird zum Besitzer oder doch zum Kontrolleur der 
nationalen Arbeitskraft. 

Zur Stärkung seiner politischen Stellung versucht er, die 
rassischen und staatsbürgerlichen Schranken einzureißen, die 
ihn zunächst noch auf Schritt und Tritt beengen. Er kämpft 
zu diesem Zwecke mit aller ihm eigenen Zähigkeit für die 
religiöse Toleranz - und hat in der ihm vollständig ver- 
fallenen Freimaurerei ein vorzügliches Instrument zur 
Verfechtung wie aber auch zur Durchschiebung seiner Ziele. 
Die Kreise der Regierenden sowie die höheren Schichten 
des politischen und wirtschaftlichen Bürgertums gelangen 
durch maurerische Fäden in seine Schlingen, ohne daß sie 
es auch nur zu ahnen brauchen. 

Nur das Volk als solches oder besser der Stand, der, im 
Erwachen begriffen, sich selber seine Rechte und die Frei- 
heit erkämpft, kann dadurch in tieferen und breiteren 
Schichten noch nicht genügend erfaßt werden. Dieses aber 
ist nötiger als alles andere; denn der Jude fühlt, daß 
die Möglichkeit seines Aufstieges zu einer beherrschenden 
Rolle nur gegeben ist, wenn sich vor ihm ein „Schritt- 
macher" befindet; den aber vermeint er im Bürgertum, 
und zwar in den breitesten Schichten desselben, erkennen zu 
können. Die Handschuhmacher und Leineweber aber kann 
man nicht mit dem feinen Netz der Freimaurerei einfangen, 
sondern es müssen hier schon gröbere und dabei aber nicht 
minder eindringliche Mittel angesetzt werden. So kommt 
zur Freimaurerei als zweite Waffe im Dienste des Juden- 
tums: die Presse. In ihren Besitz setzt er sich mit aller 
Zähigkeit und Geschicklichkeit. Mit ihr beginnt er langsam 
das ganze öffentliche Leben zu umklammern und zu um- 
garnen, zu leiten und zu schieben, da er in der Lage ist, 
jene Macht zu erzeugen und zu dirigieren, die man unter 
der Bezeichnung „öffentliche Meinung" heute besser kennt 
als noch vor wenigen Jahrzehnten. 



346 Der Werdegang des Judentums 

Dabei stellt er sich persönlich immer als unendlich wis- 
sensdurstig hin, lobt jeden Fortschritt, am meisten freilich 
den, der zum Verderben der anderen führt; denn jedes 
Wissen und jede Entwicklung beurteilt er immer nur nach 
der Möglichkeit der Förderung seines Volkstums, und wo 
diese fehlt, ist er der unerbittliche Todfeind jedes Lichtes, 
der Hasser jeder wahren Kultur. So verwendet er alles 
Wissen, das er in den Schulen der anderen aufnimmt, nur 
im Dienste seiner Rasse. 

Dieses Volkstum aber hütet er wie nie zuvor. Während 
er von „Aufklärung", „Fortschritt", „Freiheit", „Menschen- 
tum" usw. überzufließen scheint, übt er selber strengste 
Abschließung seiner Rasse. Wohl hängt er seine Frauen 
manchmal einflußreichen Christen an, allein, er erhält seinen 
männlichen Stamm grundsätzlich immer rein. Er vergiftet 
das Blut der anderen, wahrt aber sein eigenes. Der Jude 
heiratet fast nie eine Christin, sondern der Christ die 
Jüdin. Die Bastarde aber schlagen dennoch nach der 
jüdischen Seite aus. Besonders ein Teil des höheren Adels 
verkommt vollständig. Der Jude weiß das ganz genau und 
betreibt deshalb diese Art der „Entwaffnung" der geisti- 
gen Führerschicht seiner rassischen Gegner planmäßig. Zur 
Maskierung des Treibens und zur Einschläferung seiner 
Opfer jedoch redet er immer mehr von der Gleichheit aller 
Menschen, ohne Rücksicht auf Rasse und Farbe. Die Dum- 
men beginnen es ihm zu glauben. 

Da jedoch sein ganzes Wesen immer noch zu stark den 
Geruch des allzu Fremden an sich haften hat, als daß beson- 
ders die breite Masse des Volkes ohne weiteres in sein 
Garn gehen würde, läßt er durch seine Presse ein Bild von 
sich geben, das der Wirklichkeit so wenig entspricht, wie es 
umgekehrt seinem verfolgten Zwecke dient. In Witzblättern 
besonders bemüht man sich, die Juden als ein harmloses 
Völkchen hinzustellen, das nun einmal seine Eigenarten 
besitzt - wie eben andere auch -, das aber doch, selbst in sei- 
nem vielleicht etwas fremd anmutenden Gebaren, Anzeichen 
einer möglicherweise komischen, jedoch immer grundehr- 
lichen und gütigen Seele von sich gebe. Wie man sich überhaupt 



Der Werdegang des Judentums 347 

bemüht, ihn immer mehr unbedeutend als gefährlich er- 
scheinen zu lassen. 

Sein Endziel in diesem Stadium aber ist der Sieg der 
Demokratie oder, wie er es versteht: die Herrschaft des 
Parlamentarismus. Sie entspricht am meisten seinen Be- 
dürfnissen; schaltet sie doch die Persönlichkeit aus - und 
setzt an ihre Stelle die Majorität der Dummheit, Unfähig- 
keit und nicht zum letzten aber der Feigheit. 

Das Endergebnis wird der Sturz der Monarchie sein, 
der nun früher oder später eintreten muß. 

j) Die ungeheure wirtschaftliche Entwicklung führt zu 
einer Änderung der sozialen Schichtung des Volkes. Indem 
das kleine Handwerk langsam abstirbt und damit die Mög- 
lichkeit der Gewinnung einer selbständigen Existenz für den 
Arbeiter immer seltener wird, verproletarisiert dieser zu- 
sehends. Es entsteht der industrielle „Fabrikarbeiter", des- 
sen wesentlichstes Merkmal darin zu suchen ist, daß er kaum 
je in die Lage kommt, sich im späteren Leben eine eigene 
Existenz gründen zu können. Er ist im wahrsten Sinne des 
Wortes besitzlos, seine alten Tage sind eine Qual und kaum 
mehr mit Leben zu bezeichnen. 

Schon früher wurde einmal eine ähnliche Lage geschaf- 
fen, die gebieterisch einer Lösung zudrängte und sie auch 
fand. Zum Bauern und Handwerker waren als weiterer 
Stand langsam der Beamte und Angestellte - besonders 
des Staates - gekommen. Auch sie waren Besitzlose im 
wahrsten Sinne des Wortes. Der Staat fand aus diesem 
ungesunden Zustand endlich dadurch einen Ausweg, daß er 
die Versorgung des Staatsangestellten, der selbst für seine 
alten Tage nicht vorbeugen konnte, übernahm und die Pen- 
sion, das Ruhegehalt, einführte. Langsam folgten immer 
mehr private Betriebe diesem Beispiele, so daß heute fast 
jeder geistige Festangestellte seine spätere Pension bezieht, 
sofern der Betrieb eine bestimmte Größe schon erreicht oder 
überschritten hat. Und erst die Sicherung des Staatsbeam- 
ten im Alter vermochte diesen zu jener selbstlosen Pflicht- 
treue zu erziehen, die in der Vorkriegszeit die vornehmste 
Eigenschaft des deutschen Beamtentums war. 



348 Der Stand des Fabrikarbeiters 

So wurde ein ganzer Stand, der eigentumslos blieb, in 
kluge Weise dem sozialen Elend entrissen und damit dem 
Volksganzen eingegliedert. 

Nun war diese Frage neuerdings und diesmal in viel 
größerem Umfange an den Staat und die Nation heran- 
getreten. Immer neue, in die Millionen gehende Menschen- 
massen siedelten aus den bäuerlichen Orten in die größeren 
Städte über, um als Fabrikarbeiter in den neugegründeten 
Industrien das tägliche Brot zu verdienen. Arbeits- und 
Lebensverhältnisse des neuen Standes waren schlimmer als 
traurig. Schon die mehr oder minder mechanische Über- 
tragung der früheren Arbeitsmethoden des alten Hand- 
werkers oder auch Bauern auf die neue Form paßte in 
keinerlei Weise. Die Tätigkeit des einen wie des anderen 
ließ sich nicht mehr vergleichen mit den Anstrengungen, die 
der industrielle Fabrikarbeiter zu leisten hat. Bei dem alten 
Handwerk mochte die Zeit vielleicht weniger eine Rolle 
spielen, aber bei den neuen Arbeitsmethoden spielte sie diese 
um so mehr. Die formale Übernahme der alten Arbeits- 
zeiten in den industriellen Großbetrieb wirkte geradezu 
verhängnisvoll; denn die tatsächliche Arbeitsleistung von 
einst war infolge des Fehlens der heutigen intensiven 
Arbeitsmethoden nur klein. Wenn man also vorher den 
Vierzehn- oder Fünfzehnstunden-Arbeitstag noch ertragen 
konnte, dann vermochte man ihn sicher nicht mehr zu er- 
tragen in einer Zeit, da jede Minute auf das äußerste aus- 
genützt wird. Wirklich war das Ergebnis dieser sinnlosen 
Übertragung alter Arbeitszeiten auf die neue industrielle 
Tätigkeit nach zwei Richtungen unglückselig: die Gesundheit 
wurde vernichtet und der Glauben an ein höheres Recht 
zerstört. Endlich kam hierzu noch die jämmerliche Ent- 
lohnung einerseits und die demgemäß ersichtlich um so viel 
bessere Stellung des Arbeitgebers andererseits. 

Auf dem Lande konnte es eine soziale Frage nicht geben, 
da Herr und Knecht die gleiche Arbeit taten und vor allem 
aus gleicher Schüssel aßen. Aber auch dies änderte sich. 

Die Trennung des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber er- 
scheint jetzt auf allen Gebieten des Lebens vollzogen. Wie 



Der Stand des Fabrikarbeiters 349 

weit dabei die innere Verjudung unseres Volkes schon fort- 
geschritten ist, kann man an der geringen Achtung, wenn 
nicht schon Verachtung ersehen, die man der Handarbeit 
an sich zollt. Deutsch ist dies nicht. Erst die Verwelschung 
unseres Lebens, die aber in Wahrheit eine Verjudung war, 
wandelte die einstige Achtung vor dem Handwerk in eine 
gewisse Verachtung jeder körperlichen Arbeit überhaupt. 

So entsteht tatsächlich ein neuer, nur sehr wenig ge- 
achteter Stand, und es muß eines Tages die Frage auf- 
tauchen, ob die Nation die Kraft besitzen würde, von sich 
aus den neuen Stand in die allgemeine Gesellschaft wieder 
einzugliedern, oder ob sich der standesmäßige Unterschied 
zur klassenartigen Kluft erweitern würde. 

Eines aber ist sicher: der neue Stand besaß nicht die 
schlechtesten Elemente in seinen Reihen, sondern im Gegen- 
teil auf alle Fälle die tatkräftigsten. Die Überfeinerungen 
der sogenannten Kultur hatten hier noch nicht ihre zer- 
setzenden und zerstörenden Wirkungen ausgeübt. Der neue 
Stand war in seiner breiten Masse noch nicht von dem 
Gifte pazifistischer Schwäche angekränkelt, sondern robust 
und, wenn nötig, auch brutal. 

Während sich das Bürgertum um diese so schwerwiegende 
Frage überhaupt nicht kümmert, sondern gleichgültig die 
Dinge laufen läßt, erfaßt der Jude die unübersehbare Mög- 
lichkeit, die sich hier für die Zukunft bietet, und indem er 
auf der einen Seite die kapitalistischen Methoden der Men- 
schenausbeutung bis zur letzten Konsequenz organisiert, 
macht er sich an die Opfer seines Geistes und Waltens sel- 
ber heran und wird in kurzer Zeit schon der Führer ihres 
Kampfes gegen sich selbst. Das heißt freilich, nur bild- 
lich gesprochen, „gegen sich selbst", denn der große Meister 
im Lügen versteht es, sich wie immer als den Reinen er- 
scheinen zu lassen und die Schuld den anderen aufzubürden. 
Da er die Frechheit besitzt, die Masse selber zu führen, 
kommt diese auch gar nicht auf den Gedanken, daß es sich 
um den infamsten Betrug aller Zeiten handeln könnte. 

Und doch war es so. 

Kaum daß der neue Stand sich aus der allgemeinen wirt- 



350 Die Taktik des Judentums 

schaftlichen Umbildung herausentwickelt, sieht auch der 
Jude schon den neuen Schrittmacher zu seinem eigenen 
weiteren Fortkommen klar und deutlich vor sich. Erst 
benützte er das Bürgertum als Sturmbock gegen die feudale 
Welt, nun den Arbeiter gegen die bürgerliche. Wußte er 
aber einst im Schatten des Bürgertums sich die bürger- 
lichen Rechte zu erschleichen, so hofft er nun, im Kampfe 
des Arbeiters ums Dasein, den Weg zur eigenen Herrschaft 
zu finden. 

Von jetzt ab hat der Arbeiter nur mehr die Aufgabe, für 
die Zukunft des jüdischen Volkes zu fechten. Unbewußt 
wird er in den Dienst der Macht gestellt, die er zu bekämp- 
fen vermeint. Man läßt ihn scheinbar gegen das Kapital an- 
rennen und kann ihn so am leichtesten gerade für dieses 
kämpfen lassen. Man schreit dabei immer gegen das inter- 
nationale Kapital und meint in Wahrheit die nationale 
Wirtschaft. Diese soll demoliert werden, damit auf ihrem 
Leichenfeld die internationale Börse triumphieren kann. 

Das Vorgehen des Juden dabei ist folgendes: 

Er macht sich an den Arbeiter heran, heuchelt Mitleid 
mit dessen Schicksal oder gar Empörung über dessen Los 
des Elends und der Armut, um auf diesem Wege das Ver- 
trauen zu gewinnen. Er bemüht sich, alle die einzelnen 
tatsächlichen oder auch eingebildeten Härten seines Le- 
bens zu studieren - und die Sehnsucht nach Änderung 
eines solchen Daseins zu erwecken. Das in jedem arischen 
Menschen irgendwie schlummernde Bedürfnis nach sozialer 
Gerechtigkeit steigert er in unendlich kluger Weise zum 
Haß gegen die vom Glück besser Bedachten und gibt dabei 
dem Kampfe um die Beseitigung sozialer Schäden ein ganz 
bestimmtes weltanschauungsgemäßes Gepräge. Er begrün- 
det die marxistische Lehre. 

Indem er sie als mit einer ganzen Anzahl von sozial ge- 
rechten Forderungen unzertrennlich verknüpft hinstellt, för- 
dert er ebenso ihre Verbreitung wie umgekehrt die Abnei- 
gung der anständigen Menschheit, Forderungen nachzukom- 
men, die, in solcher Form und Begleitung vorgebracht, von 
Anfang an als ungerecht, ja unmöglich erfüllbar erscheinen. 



Der Kern der marxistischen Weltanschauung 351 

Denn unter diesem Mantel rein sozialer Gedanken liegen 
wahrhaft teuflische Absichten verborgen, ja, sie werden mit 
frechster Deutlichkeit auch wohl in voller Öffentlichkeit vor- 
getragen. Diese Lehre stellt ein unzertrennliches Gemisch 
von Vernunft und menschlichem Aberwitz dar, aber immer 
so, daß nur der Wahnsinn zur Wirklichkeit zu werden ver- 
mag, niemals die Vernunft. Durch die kategorische Ableh- 
nung der Persönlichkeit und damit der Nation und ihres 
rassischen Inhalts zerstört sie die elementaren Grundlagen 
der gesamten menschlichen Kultur, die gerade von diesen 
Faktoren abhängig ist. Dieses ist der wahre innere Kern 
der marxistischen Weltanschauung, sofern man diese Aus- 
geburt eines verbrecherischen Gehirns als „Weltanschau- 
ung" bezeichnen darf. Mit der Zertrümmerung der Per- 
sönlichkeit und der Rasse fällt das wesentliche Hindernis 
für die Herrschaft des Minderwertigen - dieses aber ist 
der Jude. 

Gerade im wirtschaftlichen und politischen Wahnwitz liegt 
der Sinn dieser Lehre. Denn durch ihn werden alle wahr- 
haft Intelligenten abgehalten, sich in ihren Dienst zu stel- 
len, während die minder geistig Tätigen und wirtschaftlich 
schlecht Gebildeten mit fliegenden Fahnen ihr zueilen. Die 
Intelligenz für die Bewegung aber - denn auch diese Be- 
wegung braucht zu ihrem Bestehen Intelligenz - „opfert" 
der Jude aus seinen eigenen Reihen. 

So entsteht eine reine Handarbeiterbewegung unter jüdi- 
scher Führung, scheinbar darauf ausgehend, die Lage des 
Arbeiters zu verbessern, in Wahrheit aber die Versklavung 
und damit die Vernichtung aller nichtjüdischen Völker be- 
absichtigend. 

Was die Freimaurerei in den Kreisen der sogenannten 
Intelligenz an allgemein pazifistischer Lähmung des natio- 
nalen Selbsterhaltungstriebes einleitet, wird durch die 
Tätigkeit der großen, heute immer jüdischen Presse der brei- 
teren Masse, vor allem aber dem Bürgertum, vermittelt. 
Zu diesen beiden Waffen der Zersetzung kommt nun als 
dritte und weitaus furchtbarste die Organisation der rohen 
Gewalt. Der Marxismus soll als Angriffs- und Sturm- 



352 Die Organisation der marxistischen Weltlehre 

kolonne vollenden, was die Zermürbungsarbeit der beiden 
ersten Waffen vorbereitend schon zum Zusammenbruch her- 
anreifen ließ. 

Es vollzieht sich damit ein wahrhaft meisterhaftes Zu- 
sammenspiel, so daß man sich wirklich nicht zu wundern 
braucht, wenn demgegenüber gerade diejenigen Institutio- 
nen am meisten versagen, die sich immer so gerne als die 
Träger der mehr oder minder sagenhaften staatlichen 
Autorität vorzustellen belieben. In unserem hohen und höch- 
sten Beamtentum des Staates hat der Jude zu allen Zeiten 
(von wenigen Ausnahmen abgesehen) den willfährigsten 
Förderer seiner Zerstörungsarbeit gefunden. Kriechende 
Unterwürfigkeit nach „oben" und arrogante Hochnäsigkeit 
nach „unten" zeichnen diesen Stand ebensosehr aus wie 
eine oft himmelschreiende Borniertheit, die nur durch die 
manchmal geradezu erstaunliche Einbildung übertroffen wird. 

Dieses aber sind Eigenschaften, die der Jude bei unseren 
Behörden braucht und demgemäß auch liebt. 

Der praktische Kampf, der nun einsetzt, verläuft, in gro- 
ben Strichen gezeichnet, folgendermaßen: 

Entsprechend den Schlußzielen des jüdischen Kampfes, die 
sich nicht nur in der wirtschaftlichen Eroberung der Welt 
erschöpfen, sondern auch deren politische Unterjochung 
fordern, teilt der Jude die Organisation seiner marxisti- 
schen Weltlehre in zwei Hälften, die, scheinbar voneinander 
getrennt, in Wahrheit aber ein untrennbares Ganzes bil- 
den: in die politische und die gewerkschaftliche Bewegung. 

Die gewerkschaftliche Bewegung ist die werbende. Sie 
bietet dem Arbeiter in seinem schweren Existenzkampf, 
den er dank der Habgier und Kurzsichtigkeit vieler Unter- 
nehmer zu führen hat, Hilfe und Schutz und damit die 
Möglichkeit der Erkämpfung besserer Lebensbedingungen. 
Will der Arbeiter die Vertretung seiner menschlichen Le- 
bensrechte in einer Zeit, da die organisierte Volksgemein- 
schaft, der Staat, sich um ihn so gut wie gar nicht kümmert, 
nicht der blinden Willkür von zum Teil wenig verantwor- 
tungsbewußten, oft auch herzlosen Menschen ausliefern, 
muß er deren Verteidigung selber in die Hand nehmen. 



Die Organisation der marxistischen Weltlehre 353 

In eben dem Maße nun, in dem das sogenannte nationale 
Bürgertum, von Geldinteressen geblendet, diesem Lebens- 
kampfe die schwersten Hindernisse in den Weg legt, all den 
Versuchen um Kürzung der unmenschlich langen Arbeits- 
zeit, Beendigung von Kinderarbeit, Sicherung und Schutz 
der Frau, Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse in 
Werkstätten und Wohnungen, nicht nur Widerstand ent- 
gegensetzt, sondern sie häufig und tatsächlich sabotiert, 
nimmt sich der klügere Jude der so Unterdrückten an. Er 
wird allmählich zum Führer der Gewerkschaftsbewegung, 
und dies um so leichter, als es ihm nicht um eine wirkliche 
Behebung sozialer Schäden im ehrlichen Sinne zu tun ist, 
sondern nur um die Heranbildung einer ihm blind er- 
gebenen wirtschaftlichen Kampftruppe zur Zertrümmerung 
der nationalen wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Denn wäh- 
rend die Führung einer gesunden Sozialpolitik dauernd 
zwischen den Richtlinien der Erhaltung der Volksgesund- 
heit einerseits und der Sicherung einer unabhängigen natio- 
nalen Wirtschaft andererseits sich bewegen wird, fallen 
für den Juden in seinem Kampfe diese beiden Gesichts- 
punkte nicht nur weg, sondern ihre Beseitigung ist mit sein 
Lebensziel. Er wünscht nicht die Erhaltung einer unabhän- 
gigen nationalen Wirtschaft, sondern deren Vernichtung. In- 
folgedessen können ihn keinerlei Gewissensbisse davor be- 
wahren, als Führer der Gewerkschaftsbewegung Forderun- 
gen zu stellen, die nicht nur über das Ziel hinausschießen, 
sondern deren Erfüllung praktisch entweder unmöglich 
ist oder den Ruin der nationalen Wirtschaft bedeutet. Er 
will aber auch kein gesundes, stämmiges Geschlecht vor sich 
haben, sondern eine morsche, unterjochungsfähige Herde. 
Dieser Wunsch gestattet ihm abermals, Forderungen sinn- 
losester Art zu stellen, deren praktische Erfüllung nach 
seinem eigenen Wissen unmöglich ist, die mithin zu gar 
keinem Wechsel der Dinge zu führen vermöchten, sondern 
höchstens zu einer wüsten Aufpeitschung der Masse. Darum 
aber ist es ihm zu tun und nicht um die wirkliche und ehr- 
liche Verbesserung ihrer sozialen Lage. 
Somit ist die Führung des Judentums in gewerkschaft- 

13 



354 Die Organisation der marxistischen Weltlehre 

liehen Dingen so lange eine unbestrittene, als nicht eine 
enorme Aufklärungsarbeit die breiten Massen beeinflußt, 
sie über ihr vermeintlich niemals endendes Elend eines Bes- 
seren belehrt, oder der Staat den Juden und seine Arbeit 
erledigt. Denn solange die Einsicht der Masse so gering 
bleibt wie jetzt und der Staat so gleichgültig wie heute, wird 
diese Masse stets dem am ersten folgen, der in wirtschaft- 
lichen Dingen zunächst die unverschämtesten Versprechun- 
gen bietet. Darin aber ist der Jude Meister. Wird doch seine 
gesamte Tätigkeit durch keinerlei moralische Bedenken 
gehemmt. 

So schlägt er denn auf diesem Gebiete zwangsläufig in 
kurzer Zeit jeden Konkurrenten aus dem Felde. Seiner 
ganzen inneren raubgierigen Brutalität entsprechend stellt 
er die gewerkschaftliche Bewegung zugleich auf brutalste 
Gewaltanwendung ein. Wessen Einsicht der jüdischen Lok- 
kung widersteht, dessen Trotz und Erkenntnis wird durch 
den Terror gebrochen. Die Erfolge einer solchen Tätigkeit 
sind ungeheuer. 

Tatsächlich zertrümmert der Jude mittels der Gewerk- 
schaft, die ein Segen für die Nation sein könnte, die Grund- 
lagen der nationalen Wirtschaft. 

Parallel damit schreitet die politische Organisation fort. 

Sie spielt mit der Gewerkschaftsbewegung insofern zu- 
sammen, als diese die Massen auf die politische Organisation 
vorbereitet, ja sie mit Gewalt und Zwang in diese hinein- 
peitscht. Sie ist weiter die dauernde Finanzquelle, aus der 
die politische Organisation ihren enormen Apparat speist. 
Sie ist das Kontrollorgan für die politische Betätigung des 
einzelnen und leistet bei allen großen Demonstrationen 
politischer Art den Zutreiberdienst. Endlich aber tritt sie 
überhaupt nicht mehr für wirtschaftliche Belange ein, son- 
dern stellt ihr Hauptkampfmittel, die Arbeitsniederlegung, 
als Massen- und Generalstreik der politischen Idee zur 
Verfügung. 

Durch die Schaffung einer Presse, deren Inhalt dem 
geistigen Horizont der am wenigsten gebildeten Menschen 
angepaßt ist, erhält die politische und gewerkschaftliche 



Die Organisation der marxistischen Weltlehre 355 

Organisation endlich die aufpeitschende Einrichtung, durch 
welche die untersten Schichten der Nation zu den verwegen- 
sten Taten reif gemacht werden. Ihre Aufgabe ist es nicht, 
die Menschen aus dem Sumpfe einer niederen Gesinnung 
heraus- und auf eine höhere Stufe emporzuführen, sondern 
ihren niedersten Instinkten entgegenzukommen. Ein ebenso 
spekulatives wie einträgliches Geschäft bei der ebenso denk- 
faulen wie manchmal anmaßenden Masse. 

Diese Presse ist es vor allem, die in einem geradezu 
fanatischen Verleumdungskampf alles herunterreißt, was 
als Stütze der nationalen Unabhängigkeit, kulturellen Höhe 
und wirtschaftlichen Selbständigkeit der Nation angesehen 
werden kann. 

Sie trommelt vor allem auf alle die Charaktere los, die 
sich der jüdischen Herrschaftsanmaßung nicht beugen wol- 
len, oder deren geniale Fähigkeit dem Juden an sich schon 
als Gefahr erscheint. Denn um vom Juden gehaßt zu 
werden, ist es nicht nötig, daß man ihn bekämpft, son- 
dern es genügt schon der Verdacht, daß der andere ent- 
weder einmal auf den Gedanken der Bekämpfung kommen 
könnte oder auf Grund seiner überlegenen Genialität ein 
Mehrer der Kraft und Größe eines dem Juden feindlichen 
Volkstums ist. 

Sein in diesen Dingen untrüglicher Instinkt wittert in 
jedem die ursprüngliche Seele, und seine Feindschaft ist 
demjenigen sicher, der nicht Geist ist von seinem Geiste. Da 
nicht der Jude der Angegriffene, sondern der Angreifer ist, 
gilt als sein Feind nicht nur der, der angreift, sondern 
auch der, der ihm Widerstand leistet. Das Mittel aber, mit 
dem er so vermessene, aber aufrechte Seelen zu brechen 
versucht, heißt nicht ehrlicher Kampf, sondern Lüge und 
Verleumdung. 

Hier schreckt er vor gar nichts zurück und wird in seiner 
Gemeinheit so riesengroß, daß sich niemand zu wundern 
braucht, wenn in unserem Volke die Personifikation des 
Teufels als Sinnbild alles Bösen die leibhaftige Gestalt 
des Juden annimmt. 

Die Unkenntnis der breiten Masse über das innere 



356 Palästina als Organisationszentrale 

Wesen des Juden, die instinktlose Borniertheit unserer 
oberen Schichten lassen das Volk leicht zum Opfer dieses 
jüdischen Lügenfeldzuges werden. 

Während sich die oberen Schichten aus angeborener Feig- 
heit heraus von einem Menschen abwenden, den der Jude 
auf solche Weise mit Lüge und Verleumdung angreift, 
pflegt die breite Masse aus Dummheit oder Einfalt alles zu 
glauben. Die staatlichen Behörden aber hüllen sich ent- 
weder in Schweigen, oder, was meist zutrifft, um dem jüdi- 
schen Pressefeldzug ein Ende zu bereiten, sie verfolgen 
den ungerecht Angegriffenen, was in den Augen eines sol- 
chen beamteten Esels als Wahrung der Staatsautorität und 
Sicherung der Ruhe und Ordnung erscheint. 

Langsam legt sich die Furcht vor der marxistischen Waffe 
des Judentums wie ein Alpdruck auf Hirn und Seele der 
anständigen Menschen. 

Man beginnt vor dem furchtbaren Feinde zu zittern und 
ist damit sein endgültiges Opfer geworden. 

k) Die Herrschaft des Juden im Staate erscheint schon 
so gesichert, daß er sich jetzt nicht nur wieder als Jude be- 
zeichnen darf, sondern auch seine völkischen und politischen 
letzten Gedankengänge rücksichtslos zugibt. Ein Teil seiner 
Rasse bekennt sich schon ganz offen als fremdes Volk, nicht 
ohne dabei auch wieder zu lügen. Denn indem der Zionis- 
mus der anderen Welt weiszumachen versucht, daß die völ- 
kische Selbstbesinnung des Juden in der Schaffung eines 
palästinensischen Staates seine Befriedigung fände, betöl- 
peln die Juden abermals die dummen Gojim auf das 
gerissenste. Sie denken gar nicht daran, in Palästina einen 
jüdischen Staat aufzubauen, um ihn etwa zu bewohnen, 
sondern sie wünschen nur eine mit eigenen Hoheitsrechten 
ausgestattete, dem Zugriff anderer Staaten entzogene Or- 
ganisationszentrale ihrer internationalen Weltbegaunerei; 
einen Zufluchtsort überführter Lumpen und eine Hoch- 
schule werdender Gauner. 

Aber es ist das Zeichen nicht nur ihrer steigenden Zu- 
versicht, sondern auch des Gefühls ihrer Sicherheit, wenn 
frech und offen zu einer Zeit, da der eine Teil noch ver- 



Die Diktatur des Proletariats 357 

logen den Deutschen, Franzosen oder Engländern mimt, der 
andere sich als jüdische Rasse dokumentiert. 

Wie sehr sie den nahenden Sieg schon vor Augen sehen, 
geht aus der furchtbaren Art hervor, die ihr Verkehr mit 
den Angehörigen der anderen Völker annimmt. 

Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, sata- 
nische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mäd- 
chen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, 
des Mädchens, Volke raubt. Mit allen Mitteln versucht er 
die rassischen Grundlagen des zu unterjochenden Volkes zu 
verderben. So wie er selber planmäßig Frauen und Mäd- 
chen verdirbt, so schreckt er auch nicht davor zurück, selbst 
im größeren Umfange die Blutschranken für andere einzu- 
reißen. Juden waren und sind es, die den Neger an den 
Rhein bringen, immer mit dem gleichen Hintergedanken 
und klaren Ziele, durch die dadurch zwangsläufig ein- 
tretende Bastardierung die ihnen verhaßte weiße Rasse zu 
zerstören, von ihrer kulturellen und politischen Höhe zu 
stürzen und selber zu ihren Herren aufzusteigen. 

Denn ein rassereines Volk, das sich seines Blutes bewußt 
ist, wird vom Juden niemals unterjocht werden können. 
Er wird auf dieser Welt ewig nur der Herr von Bastar- 
den sein. 

So versucht er planmäßig, das Rassenniveau durch eine 
dauernde Vergiftung der einzelnen zu senken. 

Politisch aber beginnt er, den Gedanken der Demokratie 
abzulösen durch den der Diktatur des Proletariats. 

In der organisierten Masse des Marxismus hat er die 
Waffe gefunden, die ihn die Demokratie entbehren läßt 
und ihm an Stelle dessen gestattet, die Völker diktatorisch 
mit brutaler Faust zu unterjochen und zu regieren. 

Planmäßig arbeitet er auf die Revolutionierung in dop- 
pelter Richtung hin: in wirtschaftlicher und politischer. 

Völker, die dem Angriff von innen zu heftigen Wider- 
stand entgegensetzen, umspinnt er dank seiner internatio- 
nalen Einflüsse mit einem Netz von Feinden, hetzt sie in 
Kriege und pflanzt endlich, wenn nötig, noch auf die 
Schlachtfelder die Flagge der Revolution. 



358 Vom Volksjuden zum Blutjuden 

Wirtschaftlich erschüttert er die Staaten so lange, bis die 
unrentabel gewordenen sozialen Betriebe entstaatlicht und 
seiner Finanzkontrolle unterstellt werden. 

Politisch verweigert er dem Staate die Mittel zu seiner 
Selbsterhaltung, zerstört die Grundlagen jeder nationalen 
Selbstbehauptung und Verteidigung, vernichtet den Glau- 
ben an die Führung, schmäht die Geschichte und Vergangen- 
heit und zieht alles wahrhaft Große in die Gosse. 

Kulturell verseucht er Kunst, Literatur, Theater, ver- 
narrt das natürliche Empfinden, stürzt alle Begriffe von 
Schönheit und Erhabenheit, von Edel und Gut und zerrt 
dafür die Menschen herab in den Bannkreis seiner eigenen 
niedrigen Wesensart. 

Die Religion wird lächerlich gemacht, Sitte und Moral 
als überlebt hingestellt, so lange, bis die letzten Stützen 
eines Volkstums im Kampfe um das Dasein auf dieser 
Welt gefallen sind. 

1) Nun beginnt die große, letzte Revolution. Indem der 
Jude die politische Macht erringt, wirft er die wenigen 
Hüllen, die er noch trägt, von sich. Aus dem demokratischen 
Volksjuden wird der Blutjude und Völkertyrann. In weni- 
gen Jahren versucht er, die nationalen Träger der Intelli- 
genz auszurotten, und macht die Völker, indem er sie ihrer 
natürlichen geistigen Führer beraubt, reif zum Sklaven- 
los einer dauernden Unterjochung. 

Das furchtbarste Beispiel dieser Art bildet Rußland, wo 
er an dreißig Millionen Menschen in wahrhaft fanatischer 
Wildheit teilweise unter unmenschlichen Qualen tötete oder 
verhungern ließ, um einem Haufen jüdischer Literaten 
und Börsenbanditen die Herrschaft über ein großes Volk 
zu sichern. 

Das Ende aber ist nicht nur das Ende der Freiheit der 
vom Juden unterdrückten Völker, sondern auch das Ende 
dieses Völkerparasiten selber. Nach dem Tode des Opfers 
stirbt auch früher oder später der Vampir. 



Bastardierte Völker 359 



Wenn wir all die Ursachen des deutschen Zusammen- 
bruches vor unserem Auge vorbeiziehen lassen, dann bleibt 
als die letzte und ausschlaggebende das Nichterkennen 
des Rasseproblems und besonders der jüdischen Gefahr 
übrig. 

Die Niederlagen auf dem Schlachtfelde im August 1918 
wären spielend leicht zu ertragen gewesen. Sie standen in 
keinem Verhältnis zu den Siegen unseres Volkes. Nicht 
sie haben uns gestürzt, sondern gestürzt wurden wir von 
jener Macht, die diese Niederlagen vorbereitete, indem sie 
seit vielen Jahrzehnten planmäßig unserem Volke die poli- 
tischen und moralischen Instinkte und Kräfte raubte, die 
allein Völker zum Dasein befähigen und damit auch be- 
rechtigen. 

Indem das alte Reich an der Frage der Erhaltung der 
rassischen Grundlagen unseres Volkstums achtlos vorüber- 
ging, mißachtete es auch das alleinige Recht, das auf dieser 
Welt Leben gibt. Völker, die sich bastardieren oder bastar- 
dieren lassen, sündigen gegen den Willen der ewigen Vor- 
sehung, und ihr durch einen Stärkeren herbeigeführter 
Untergang ist dann nicht ein Unrecht, das ihnen zugefügt 
wird, sondern nur die Wiederherstellung des Rechtes. Wenn 
ein Volk die ihm von der Natur gegebenen und in seinem 
Blute wurzelnden Eigenschaften seines Wesens nicht mehr 
achten will, hat es kein Recht mehr zur Klage über den 
Verlust seines irdischen Daseins. 

Alles auf der Erde ist zu bessern. Jede Niederlage kann 
zum Vater eines späteren Sieges werden. Jede verlorene 
Krieg kann zur Ursache einer späteren Erhebung, jede Not zur 
Befruchtung menschlicher Energie, und aus jeder Unter- 
drückung vermögen die Kräfte zu einer neuen seelischen 
Wiedergeburt zu kommen - solange das Blut rein er- 
halten bleibt. 

Die verlorene Blutsreinheit allein zerstört das innere 
Glück für immer, senkt den Menschen für ewig nieder, und 
die Folgen sind niemals mehr aus Körper und Geist zu 
beseitigen. 

Wenn man dieser einzigen Frage gegenüber alle anderen 



360 Die Scheinblüte des alten Reichs 

Probleme des Lebens prüft und vergleicht, dann wird man 
erst sehen, wie lächerlich klein sie, hieran gemessen, sind. 
Sie alle sind zeitlich beschränkt - die Frage der Bluts- 
Reinerhaltung oder -Nichtreinerhaltung aber wird bestehen, 
solange es Menschen gibt. 

Alle wirklich bedeutungsvollen Verfallserscheinungen der 
Vorkriegszeit gehen im letzten Grunde auf rassische Ur- 
sachen zurück. 

Mag es sich um Fragen des allgemeinen Rechtes han- 
deln oder um Auswüchse des wirtschaftlichen Lebens, um 
kulturelle Niedergangserscheinungen oder politische Ent- 
artungsvorgänge, um Fragen einer verfehlten Schul- 
erziehung oder einer schlechten Beeinflussung der Erwach- 
senen durch Presse usw., immer und überall ist es im 
tiefsten Grunde die Nichtbeachtung rassischer Belange des 
eigenen Volkes oder das Nichtsehen einer fremden, rassi- 
schen Gefahr. 

Daher waren auch alle Reformversuche, alle sozialen 
Hilfswerke und politischen Anstrengungen, aller wirtschaft- 
liche Aufstieg und jede scheinbare Zunahme des geistigen 
Wissens in ihrer Folgeerscheinung dennoch belanglos. Die 
Nation und ihr das Leben auf dieser Erde befähigender 
und erhaltender Organismus, der Staat, wurden innerlich 
nicht gesünder, sondern krankten zusehends immer mehr 
dahin. Alle Scheinblüte des alten Reiches konnte die innere 
Schwäche nicht verbergen, und jeder Versuch einer wahr- 
haften Stärkung des Reiches scheiterte immer wieder am 
Vorbeigehen an der bedeutungsvollsten Frage. 

Es wäre verfehlt, zu glauben, daß die Anhänger der ver- 
schiedenen politischen Richtungen, die am deutschen Volks- 
körper herumdokterten, ja selbst die Führer zu einem ge- 
wissen Teile, an sich schlechte oder übelwollende Menschen 
gewesen wären. Ihre Tätigkeit war nur deshalb zur Un- 
fruchtbarkeit verdammt, weil sie im günstigsten Falle höch- 
stens die Erscheinungsformen unserer allgemeinen Erkran- 
kung sahen und diese zu bekämpfen versuchten, an dem Er- 
reger aber blind vorübergingen. Wer die Linie der poli- 



Nichterkennen des inneren Feindes 361 

tischen Entwicklung des alten Reiches planvoll verfolgt, 
muß bei ruhiger Überprüfung zu der Einsicht kommen, daß 
selbst in der Zeit der Einigung und damit des Aufstiegs 
der deutschen Nation der innere Verfall bereits im vollen 
Gang war, und daß trotz aller scheinbaren politischen 
Erfolge und trotz steigenden wirtschaftlichen Reichtums die 
allgemeine Lage sich von Jahr zu Jahr verschlechterte. 
Selbst die Wahlen zum Reichstage zeigten in ihrem äußer- 
lichen Anschwellen der marxistischen Stimmen den immer 
näher rückenden inneren und damit auch äußeren Zusam- 
menbruch an. Alle Erfolge der sogenannten bürgerlichen 
Parteien waren wertlos, nicht nur weil sie das ziffernmäßige 
Anwachsen der marxistischen Flut selbst bei sogenannten 
bürgerlichen Wahlsiegen nicht zu hemmen vermochten, son- 
dern weil sie vor allem selber schon die Fermente der Zer- 
setzung in sich trugen. Ohne es zu ahnen, war die bürger- 
liche Welt vom Leichengift marxistischer Vorstellungen 
innerlich selbst schon angesteckt, und ihr Widerstand ent- 
sprang häufig mehr dem Konkurrenzneid ehrgeiziger Füh- 
rer als einer prinzipiellen Ablehnung zum äußersten Kampf 
entschlossener Gegner. Ein einziger focht in diesen langen 
Jahren mit unerschütterlicher Gleichmäßigkeit, und dies 
war der Jude. Sein Davidstern stieg im selben Maße 
immer höher, in dem der Wille zur Selbsterhaltung unseres 
Volkes schwand. 

Im August 1914 stürmte deshalb auch nicht ein zum 
Angriff entschlossenes Volk auf die Walstatt, sondern es 
erfolgte nur das letzte Aufflackern des nationalen Selbst- 
erhaltungstriebes gegenüber der fortschreitenden pazifi- 
stisch-marxistischen Lähmung unseres Volkskörpers. Da 
man auch in diesen Schicksalstagen den inneren Feind nicht 
erkannte, war aller äußere Widerstand vergeblich, und die 
Vorsehung gab ihren Lohn nicht dem siegreichen Schwert, 
sondern folgte dem Gesetz der ewigen Vergeltung. 

Aus dieser inneren Erkenntnis heraus sollten sich für uns 
die Leitsätze sowie die Tendenz der neuen Bewegung for- 
men, die unserer Überzeugung nach allein befähigt waren, 
den Niedergang des deutschen Volkes nicht nur zum Still- 



362 Ein germanischer Staat deutscher Nation 

stand zu bringen, sondern das granitene Fundament zu 
schaffen, auf dem dereinst ein Staat bestehen kann, der 
nicht einen volksfremden Mechanismus wirtschaftlicher Be- 
lange und Interessen, sondern einen völkischen Organismus 
darstellt: 

Einen germanischen Staat 
deutscher Nation. 



12. Kapitel 

Die erste Entwicklungszeit der National- 
sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei 

Wenn ich am Schlüsse diese Bandes die erste Entwick- 
lungszeit unserer Bewegung schildere und eine Reihe 
von dadurch bedingten Fragen kurz erörtere, so geschieht 
dies nicht, um eine Abhandlung über die geistigen Ziele 
der Bewegung zu geben. Ziele und Aufgaben der neuen 
Bewegung sind so gewaltige, daß sie nur in einem eigenen 
Bande behandelt werden können. So werde ich in einem 
zweiten Bande die programmatischen Grundlagen der Be- 
wegung eingehend erörtern und versuchen, ein Bild dessen 
zu zeichnen, was wir unter dem Worte „Staat" uns vor- 
stellen. Ich meine dabei unter „uns" all die Hundert- 
tausende, die im Grunde genommen das gleiche ersehnen, 
ohne im einzelnen die Worte zu finden, das innerlich vor 
Augen Schwebende zu schildern. Denn es ist das Be- 
merkenswerte aller großen Reformen, daß sie als Ver- 
fechter zunächst oft nur einen einzigen besitzen, als Träger 
jedoch viele Millionen. Ihr Ziel ist oft schon seit Jahr- 
hunderten der innere, sehnsuchtsvolle Wunsch von Hun- 
derttausenden, bis einer sich zum Verkünder eines solchen 
allgemeinen Wollens aufwirft und als Bannerträger der 
alten Sehnsucht in einer neuen Idee zum Siege verhilft. 

Daß aber Millionen im Herzen den Wunsch nach einer 
grundsätzlichen Änderung der heute gegebenen Verhält- 
nisse tragen, beweist die tiefe Unzufriedenheit, unter der 
sie leiden. Sie äußert sich in tausendfachen Erscheinungs- 
formen, bei dem einen in Verzagtheit und Hoffnungslosig- 
keit, beim anderen in Widerwillen, in Zorn und Empö- 
rung, bei diesem in Gleichgültigkeit und bei jenem wieder 



364 Die Lage nach der Revolution 

in wütendem Überschwange. Als Zeugen für diese innere 
Unzufriedenheit dürfen ebenso die Wahlmüden gelten wie 
auch die vielen zum fanatischsten Extrem der linken Seite 
sich Neigenden. 

Und an diese sollte sich auch die junge Bewegung in 
erster Linie wenden. Sie soll nicht eine Organisation der 
Zufriedenen, Satten bilden, sondern sie soll die Leid- 
gequälten und Friedlosen, die Unglücklichen und Unzu- 
friedenen zusammenfassen, und sie soll vor allem nicht 
auf der Oberfläche des Volkskörpers schwimmen, sondern 
im Grunde desselben wurzeln. 

Rein politisch genommen, ergab sich im Jahre 1918 fol- 
gendes Bild: Ein Volk ist in zwei Teile zerrissen. Der 
eine, weitaus kleinere, umfaßt die Schichten der nationalen 
Intelligenz unter Ausschluß aller körperlich Tätigen. Sie 
ist äußerlich national, vermag sich aber unter diesem Worte 
etwas anderes als eine sehr fade und schwächliche Vertre- 
tung sogenannter staatlicher Interessen, die wieder iden- 
tisch erscheinen mit dynastischen, nicht vorzustellen. Sie 
versucht, ihre Gedanken und Ziele mit geistigen Waffen zu 
verfechten, die ebenso lückenhaft wie oberflächlich sind, der 
Brutalität des Gegners gegenüber aber an sich schon ver- 
sagen. Mit einem einzigen furchtbaren Hieb wird diese 
kurz vorher noch regierende Klasse zu Boden gestreckt und 
erträgt in zitternder Feigheit jede Demütigung von Seiten 
des rücksichtslosen Siegers. 

Ihr steht als zweite Klasse gegenüber die breite Masse der 
handarbeitenden Bevölkerung. Sie ist in mehr oder minder 
radikalmarxistischen Bewegungen zusammengefaßt, ent- 
schlossen, jeden geistigen Widerstand durch die Macht der 
Gewalt zu brechen. Sie will nicht national sein, sondern 
lehnt bewußt jede Förderung nationaler Interessen ebenso 
ab, wie sie umgekehrt jeder fremden Unterdrückung Vor- 
schub leistet. Sie ist ziffernmäßig die stärkere, umfaßt aber 
vor allem diejenigen Elemente der Nation, ohne die eine 
nationale Wiedererhebung undenkbar und unmöglich ist. 



Die Lage nach der Revolution 365 

Denn darüber mußte man sich im Jahre 1918 doch schon 
klar sein: Jeder Wiederaufstieg des deutschen Volkes führt 
nur über die Wiedergewinnung äußerer Macht. Die Vor- 
aussetzungen hierzu sind aber nicht, wie unsere bürgerlichen 
„Staatsmänner" immer herumschwätzen, Waffen, sondern 
die Kräfte des Willens. Waffen besaß das deutsche Volk 
einst mehr als genug. Sie haben die Freiheit nicht zu 
sichern vermocht, weil die Energien des nationalen Selbst- 
erhaltungstriebes, der Selbsterhaltungswille, fehlten. Die 
beste Waffe ist totes, wertloses Material, solange der Geist 
fehlt, der bereit, gewillt und entschlossen ist, sie zu führen. 
Deutschland wurde wehrlos, nicht weil Waffen mangelten, 
sondern weil der Wille fehlte, die Waffe für die völkische 
Forterhaltung zu wahren. 

Wenn heute besonders unsere linksseitigen Politiker auf 
die Waffenlosigkeit als die zwangsläufige Ursache ihrer 
willenlosen, nachgiebigen, in Wahrheit aber verräterischen 
Politik nach außen hinzuweisen sich bemühen, muß man 
ihnen darauf nur eines antworten: Nein, umgekehrt ist 
es richtig. Durch eure antinationale, verbrecherische Politik 
der Aufgabe nationaler Interessen habt ihr einst die Waf- 
fen ausgeliefert. Jetzt versucht ihr den Mangel an Waffen 
als begründende Ursache eurer elenden Jämmerlichkeit hin- 
zustellen. Dies ist, wie alles an eurem Tun, Lüge und 
Fälschung. 

Allein dieser Vorwurf trifft genau so die Politiker von 
rechts. Denn dank ihrer jämmerlichen Feigheit vermochte 
im Jahre 1918 das zur Herrschaft gekommene jüdische Ge- 
sindel der Nation die Waffen zu stehlen. Auch diese haben 
mithin keinen Grund und kein Recht, die heutige Waffen- 
losigkeit als Zwang zu ihrer klugen Vorsicht (sprich „Feig- 
heit") anzuführen, sondern die Wehrlosigkeit ist die Folge 
ihrer Feigheit. 

Damit aber lautet die Frage einer Wiedergewinnung 
deutscher Macht nicht etwa: Wie fabrizieren wir Waffen?, 
sondern: Wie erzeugen wir den Geist, der ein Volk be- 
fähigt, Waffen zu tragen? Wenn dieser Geist ein Volk be- 
herrscht, findet der Wille tausend Wege, von denen jeder 



366 Die Wiedergewinnung der politischen Macht 

bei einer Waffe endet! Man gebe aber einem Feigling 
zehn Pistolen, und er wird bei einem Angriff dennoch 
nicht einen Schuß abzufeuern vermögen. Sie sind für ihn 
damit wertloser als für den mutigen Mann ein bloßer 
Knotenstock. 

Die Frage der Wiedergewinnung der politischen Macht 
unseres Volkes ist schon deshalb in erster Linie eine Frage 
der Gesundung unseres nationalen Selbsterhaltungstriebes, 
weil jede vorbereitende Außenpolitik sowie jede Bewer- 
tung eines Staates an sich erfahrungsgemäß sich weniger 
nach den vorhandenen Waffen richtet als nach der erkann- 
ten oder doch vermuteten moralischen Widerstandsfähig- 
keit einer Nation. Die Bündnisfähigkeit eines Volkes wird 
viel weniger bestimmt durch vorhandene tote Waffenmen- 
gen als durch das ersichtliche Vorhandensein eines flam- 
menden nationalen Selbsterhaltungswillens und heroischen 
Todesmutes. Denn ein Bund wird nicht mit Waffen geschlos- 
sen, sondern mit Menschen. So wird das englische Volk so 
lange als wertvollster Bundesgenosse auf der Welt zu gelten 
haben, solange es in seiner Führung und im Geiste der 
breiten Masse jene Brutalität und Zähigkeit erwarten läßt, 
die entschlossen sind, einen einmal begonnenen Kampf ohne 
Rücksicht auf Zeit und Opfer mit allen Mitteln bis zum 
siegreichen Ende durchzufechten, wobei die augenblicklich 
vorhandene militärische Rüstung in keinem Verhältnis zu 
der anderer Staaten zu stehen braucht. 

Begreift man aber, daß die Wiedererhebung der deut- 
schen Nation eine Frage der Wiedergewinnung unseres 
politischen Selbsterhaltungswillen darstellt, so ist es auch 
klar, daß dem nicht genügt wird durch eine Gewinnung 
von an sich schon wenigstens dem Wollen nach nationalen 
Elementen, sondern nur durch die Nationalisierung der 
bewußt antinationalen Masse. 

Eine junge Bewegung, die sich als Ziel die Wiederauf- 
richtung eines deutschen Staates mit eigener Souveräni- 
tät stellt, wird mithin ihren Kampf restlos auf die Ge- 
winnung der breiten Massen einzustellen haben. So jäm- 
merlich auch im allgemeinen unser sogenanntes „nationales 



Die Gewinnung der breiten Massen 367 

Bürgertum" ist, so unzulänglich seine nationale Gesinnung 
auch erscheint, so sicher ist von dieser Seite ein ernstlicher 
Widerstand gegen eine kraftvolle nationale Innen- und 
Außenpolitik einst nicht zu erwarten. Selbst wenn aus den 
bekannt borniert-kurzsichtigen Gründen heraus das deutsche 
Bürgertum wie schon einst einem Bismarck gegenüber in 
der Stunde einer kommenden Befreiung in passiver Resi- 
stenz verharren sollte, so ist doch ein aktiver Widerstand 
dagegen bei seiner anerkannt sprichwörtlichen Feigheit 
niemals zu befürchten. 

Anders verhält es sich bei der Masse unserer inter- 
national eingestellten Volksgenossen. Sie sind nicht nur in 
ihrer primitiven Urwüchsigkeit mehr auf den Gedanken 
der Gewalt eingestellt, sondern ihre jüdische Führung ist 
brutaler und rücksichtsloser. Sie werden jede deutsche Er- 
hebung genau so niederschlagen, wie sie einst dem deutschen 
Heer das Rückgrat zerbrachen. Vor allem aber: sie werden 
in diesem parlamentarisch regierten Staat kraft ihrer 
Majorität der Zahl jede nationale Außenpolitik nicht nur 
verhindern, sondern auch jede höhere Einschätzung der 
deutschen Kraft und damit jede Bündnisfähigkeit ausschlie- 
ßen. Denn wir sind uns des Schwächemoments, das in unse- 
ren 15 Millionen Marxisten, Demokraten, Pazifisten und 
Zentrümlern liegt, nicht nur selbst bewußt, sondern es 
wird noch mehr vom Ausland erkannt, das den Wert eines 
möglichen Bündnisses mit uns mißt nach dem Gewichte 
dieser Belastung. Man verbündet sich nicht mit einem Staat, 
dessen aktiver Volksteil jeder entschlossenen Außenpolitik 
zumindest passiv gegenübersteht. 

Dazu kommt noch die Tatsache, daß die Führung dieser 
Parteien des nationalen Verrats jeder Erhebung schon 
aus bloßem Selbsterhaltungstrieb feindlich gegenüberstehen 
muß und wird. Es ist geschichtlich einfach nicht denkbar, 
daß das deutsche Volk noch einmal seine frühere Stellung 
einnehmen könnte, ohne mit denen abzurechnen, die die 
Ursache und Veranlassung zu dem unerhörten Zusammen- 
bruch gaben, der unseren Staat heimsuchte. Denn vor dem 



368 Die Gewinnung der breiten Massen 

Richterstuhle der Nachwelt wird der November 1918 nicht 
als Hoch-, sondern als Landesverrat gewertet werden. 

So ist jede Wiedergewinnung einer deutschen Selbstän- 
digkeit nach außen in erster Linie gebunden an die Wieder- 
gewinnung der inneren willensmäßigen Geschlossenheit 
unseres Volkes. 

Allein auch rein technisch betrachtet, erscheint der Ge- 
danke einer deutschen Befreiung nach außen so lange als 
unsinnig, solange nicht in den Dienst dieses Freiheits- 
gedankens auch die breite Masse zu treten bereit ist. Rein 
militärisch gesehen, wird es vor allem jedem Offizier bei 
einigem Nachdenken einleuchten, daß man einen Kampf 
nach außen mit Studentenbataillonen nicht zu führen ver- 
mag, sondern daß man dazu außer den Gehirnen eines 
Volkes auch die Fäuste braucht. Man muß sich dabei noch 
vor Augen halten, daß eine Nationalverteidigung, die sich 
nur auf die Kreise der sogenannten Intelligenz stützte, einen 
wahren Raubbau an unersetzlichem Gute triebe. Die junge 
deutsche Intelligenz, die in den Kriegsfreiwilligenregimen- 
tern im Herbste 1914 in der flandrischen Ebene den Tod 
fand, fehlte später bitter. Sie war das beste Gut, das die 
Nation besaß, und ihr Verlust war im Verlaufe des Krie- 
ges nicht mehr zu ersetzen. Allein nicht nur der Kampf 
selbst ist undurchführbar, wenn die stürmenden Bataillone 
nicht die Massen der Arbeiter in ihren Reihen sehen, 
sondern auch die Vorbereitung technischer Art ist ohne 
die innere willensmäßige Einheit unseres Volkskörpers 
unausführbar. Gerade unser Volk, das unter den tausend 
Augen des Friedensvertrages von Versailles entwaffnet 
dahinleben muß, vermag irgendwelche technische Vorberei- 
tungen zur Erringung der Freiheit und menschlichen Un- 
abhängigkeit nur dann zu treffen, wenn das Heer innerer 
Spitzel auf diejenigen dezimiert wird, denen angeborene 
Charakterlosigkeit gestattet, für die bekannten dreißig Sil- 
berlinge alles und jedes zu verraten. Mit diesen aber wird 
man fertig. Unüberwindbar hingegen erscheinen die Mil- 
lionen, die aus politischer Überzeugung der nationalen 
Erhebung entgegentreten - unüberwindbar so lange, als 



Die Nationalisierung der Massen 369 

nicht die Ursache ihrer Gegnerschaft, die internationale 
marxistische Weltanschauung, bekämpft und ihnen aus 
Herz und Hirn gerissen wird. 

Ganz gleich also, von welchem Gesichtspunkte aus man 
die Möglichkeit der Wiedererringung unserer staatlichen 
und völkischen Unabhängigkeit prüft, ob von dem der 
außenpolitischen Vorbereitung, dem der technischen Rü- 
stung oder dem des Kampfes selber, immer bleibt als Vor- 
aussetzung zu allem die vorherige Gewinnung der breiten 
Masse unseres Volkes für den Gedanken unserer nationalen 
Selbständigkeit übrig. 

Ohne die Wiedererlangung der äußeren Freiheit bedeutet 
aber jede innere Reform selbst im günstigsten Falle nur die 
Steigerung unserer Erträgnisfähigkeit als Kolonie. Die 
Überschüsse jeder sogenannten wirtschaftlichen Hebung 
kommen unseren internationalen Kontrollherren zugute, 
und jede soziale Besserung steigert im günstigsten Falle 
die Arbeitsleistung für diese. Kulturelle Fortschritte wer- 
den der deutschen Nation überhaupt nicht beschieden sein, 
sie sind zu sehr gebunden an die politische Unabhängigkeit 
und Würde eines Volkstums. 

Wenn also die günstige Lösung der deutschen Zukunft 
gebunden ist an die nationale Gewinnung der breiten Masse 
unseres Volkes, dann muß diese auch die höchste und ge- 
waltigste Aufgabe einer Bewegung sein, deren Tätigkeit 
sich nicht in der Befriedigung des Augenblickes erschöpfen 
soll, sondern die all ihr Tun und Lassen nur zu prüfen hat 
an den voraussichtlichen Folgen in der Zukunft. 

So waren wir uns bereits im Jahre 1919 darüber klar, 
daß die neue Bewegung als oberstes Ziel zunächst die Na- 
tionalisierung der Massen durchführen muß. 

Daraus ergab sich in taktischer Hinsicht eine Reihe von 
Forderungen. 

1. Um die Masse der nationalen Erhebung zu gewinnen, 
ist kein soziales Opfer zu schwer. 

Was auch immer unseren Arbeitnehmern heute für wirt- 



370 Die Nationalisierung der Massen 

schaftliche Konzessionen gemacht werden, so stehen diese 
in keinem Verhältnis zum Gewinne der gesamten Nation, 
wenn sie mithelfen, die breiten Schichten wieder ihrem 
Volkstume zu schenken. Nur kurzsichtige Borniertheit, wie 
man sie leider häufig in unseren Unternehmerkreisen fin- 
det, kann verkennen, daß es auf die Dauer keinen wirt- 
schaftlichen Aufschwung für sie gibt und damit auch keinen 
wirtschaftlichen Nutzen mehr, wenn die innere völkische 
Solidarität unserer Nation nicht wiederhergestellt wird. 

Hätten die deutschen Gewerkschaften im Kriege die In- 
teressen der Arbeiterschaft auf das rücksichtsloseste ge- 
wahrt, hätten sie selbst während des Krieges dem damali- 
gen dividendenhungrigen Unternehmertum tausendmal 
durch Streik die Bewilligung der Forderungen der von ihnen 
vertretenen Arbeiter abgepreßt, hätten sie aber in den Be- 
langen der nationalen Verteidigung sich ebenso fanatisch 
zu ihrem Deutschtum bekannt, und hätten sie mit gleicher 
Rücksichtslosigkeit dem Vaterlande gegeben, was des Va- 
terlandes ist, so wäre der Krieg nicht verlorengegangen. 
Wie lächerlich aber würden alle und selbst die größten 
wirtschaftlichen Konzessionen gewesen sein gegenüber der 
ungeheuren Bedeutung des gewonnenen Krieges! 

So hat eine Bewegung, die beabsichtigt, den deutschen 
Arbeiter wieder dem deutschen Volke zu geben, sich dar- 
über klar zu werden, daß wirtschaftliche Opfer bei dieser 
Frage überhaupt keine Rolle spielen, solange nicht die Er- 
haltung und Unabhängigkeit der nationalen Wirtschaft 
durch sie bedroht werden. 

2. Die nationale Erziehung der breiten Masse kann nur 
über den Umweg einer sozialen Hebung stattfinden, da 
ausschließlich durch sie jene allgemein wirtschaftlichen Vor- 
aussetzungen geschaffen werden, die dem einzelnen gestat- 
ten, auch an den kulturellen Gütern der Nation teilzu- 
nehmen. 

3. Die Nationalisierung der breiten Masse kann niemals 
erfolgen durch Halbheiten, durch schwaches Betonen eines 
sogenannten Objektivitätsstandpunktes, sondern durch rück- 
sichtslose und fanatisch einseitige Einstellung auf das nun 



Die Nationalisierung der Massen 371 

einmal zu erstrebende Ziel. Das heißt also, man kann ein 
Volk nicht „national" machen im Sinne unseres heutigen 
Bürgertums, also mit soundso viel Einschränkungen, son- 
dern nur nationalistisch mit der ganzen Vehemenz, die dem 
Extrem innewohnt. Gift wird nur durch Gegengift ge- 
brochen, und nur die Schalheit eines bürgerlichen Gemüts 
kann die mittlere Linie als den Weg ins Himmelreich 
betrachten. 

Die breite Masse eines Volkes besteht weder aus Pro- 
fessoren noch aus Diplomaten. Das geringe abstrakte Wis- 
sen, das sie besitzt, weist ihre Empfindungen mehr in die 
Welt des Gefühls. Dort ruht ihre entweder positive oder 
negative Einstellung. Sie ist nur empfänglich für eine 
Kraftäußerung in einer dieser beiden Richtungen und nie- 
mals für eine zwischen beiden schwebende Halbheit. Ihre 
gefühlsmäßige Einstellung aber bedingt zugleich ihre außer- 
ordentliche Stabilität. Der Glaube ist schwerer zu erschüt- 
tern als das Wissen, Liebe unterliegt weniger dem Wechsel 
als Achtung, Haß ist dauerhafter als Abneigung, und die 
Triebkraft zu den gewaltigsten Umwälzungen auf dieser 
Erde lag zu allen Zeiten weniger in einer die Masse be- 
herrschenden wissenschaftlichen Erkenntnis als in einem 
sie beseelenden Fanatismus und manchmal in einer sie vor- 
wärtsjagenden Hysterie. 

Wer die breite Masse gewinnen will, muß den Schlüssel 
kennen, der das Tor zu ihrem Herzen öffnet. Er heißt nicht 
Objektivität, also Schwäche, sondern Wille und Kraft. 

4. Die Gewinnung der Seele des Volkes kann nur ge- 
lingen, wenn man neben der Führung des positiven 
Kampfes für die eigenen Ziele den Gegner dieser Ziele 
vernichtet. 

Das Volk sieht zu allen Zeiten im rücksichtslosen Angriff 
auf einen Widersacher den Beweis des eigenen Rechtes, 
und es empfindet den Verzicht auf die Vernichtung des 
anderen als Unsicherheit in bezug auf das eigene Recht, 
wenn nicht als Zeichen des eigenen Unrechtes. 

Die breite Masse ist nur ein Stück der Natur, und ihr 
Empfinden versteht nicht den gegenseitigen Händedruck von 



372 Die Nationalisierung der Massen 

Menschen, die behaupten, Gegensätzliches zu wollen. Was 
sie wünscht, ist der Sieg des Stärkeren und die Vernichtung 
des Schwachen oder seine bedingungslose Unterwerfung. 

Die Nationalisierung unserer Masse wird nur gelingen, 
wenn bei allem positiven Kampf um die Seele unseres 
Volkes ihre internationalen Vergifter ausgerottet werden. 

5. Alle großen Fragen der Zeit sind Fragen des Augen- 
blicks und stellen nur Folgeerscheinungen bestimmter Ur- 
sachen dar. Ursächliche Bedeutung besitzt aber unter ihnen 
allen nur eine, die Frage der rassischen Erhaltung des 
Volkstums. Im Blute allein liegt sowohl die Kraft als auch 
die Schwäche des Menschen begründet. Völker, welche nicht 
die Bedeutung ihrer rassischen Grundlage erkennen und 
beachten, gleichen Menschen, die Möpsen die Eigenschaften 
von Windhunden anlernen möchten, ohne zu begreifen, 
daß die Schnelligkeit des Windhundes wie die Gelehrig- 
keit des Pudels keine angelernten, sondern in der Rasse 
liegende Eigenschaften sind. Völker, die auf die Erhal- 
tung ihrer rassischen Reinheit verzichten, leisten damit auch 
Verzicht auf die Einheit ihrer Seele in all ihren Äuße- 
rungen. Die Zerrissenheit ihres Wesens ist die naturnotwen- 
dige Folge der Zerrissenheit ihres Blutes, und die Verände- 
rung ihrer geistigen und schöpferischen Kraft ist nur die 
Wirkung der Änderung ihrer rassischen Grundlagen. 

Wer das deutsche Volk von seinen ihm ursprünglich 
wesensfremden Äußerungen und Untugenden von heute 
befreien will, wird es erst erlösen müssen vom fremden 
Erreger dieser Äußerungen und Untugenden. 

Ohne klarste Erkenntnis des Rassenproblems und damit 
der Judenfrage wird ein Wiederaufstieg der deutschen 
Nation nicht mehr erfolgen. 

Die Rassenfrage gibt nicht nur den Schlüssel zur Welt- 
geschichte, sondern auch zur menschlichen Kultur überhaupt. 

6. Die Eingliederung der heute im internationalen Lager 
stehenden breiten Masse unseres Volkes in eine nationale 
Volksgemeinschaft bedeutet keinen Verzicht auf die Ver- 
tretung berechtigter Standesinteressen. Auseinandergehende 
Standes- und Berufsinteressen sind nicht gleichbedeutend 



Die Nationalisierung der Massen 373 

mit Klassenspaltung, sondern sind selbstverständlich Folge- 
erscheinungen unseres wirtschaftlichen Lebens. Die Berufs- 
gruppierung steht in keinerlei Weise einer wahrhaften 
Volksgemeinschaft entgegen, denn diese besteht in der Ein- 
heit des Volkstums in allen jenen Fragen, die dieses Volks- 
tum an sich betreffen. 

Die Eingliederung eines Klasse gewordenen Standes in 
die Volksgemeinschaft oder auch nur in den Staat erfolgt 
nicht durch Herabsteigen höherer Klassen, sondern durch 
das Hinaufheben der unteren. Träger dieses Prozesses kann 
wieder niemals die höhere Klasse sein, sondern die für ihre 
Gleichberechtigung kämpfende untere. Das heutige Bürger- 
tum wurde nicht durch Maßnahmen des Adels dem Staate 
eingegliedert, sondern durch eigene Tatkraft unter eigener 
Führung. 

Der deutsche Arbeiter wird nicht über den Umweg 
schwächlicher Verbrüderungsszenen in den Rahmen der 
deutschen Volksgemeinschaft gehoben, sondern durch be- 
wußtes Heben seiner sozialen und kulturellen Lage, so 
lange, bis die schwerwiegendsten Unterschiede als über- 
brückt gelten dürfen. Eine Bewegung, die sich diese Ent- 
wicklung zum Ziele setzt, wird ihre Anhängerschaft dabei 
in erster Linie aus dem Arbeiterlager zu holen haben. Sie 
darf auf Intelligenz nur in dem Maße zurückgreifen, in 
dem diese das zu erstrebende Ziel bereits restlos erfaßt hat. 
Dieser Umwandlungs- und Annäherungsprozeß wird nicht 
in zehn oder zwanzig Jahren beendet sein, sondern um- 
schließt erfahrungsgemäß viele Generationen. 

Das schwere Hindernis für die Annäherung des heuti- 
gen Arbeiters an die nationale Volksgemeinschaft liegt 
nicht in seiner standesmäßigen Interessenvertretung, son- 
dern in seiner internationalen volks- und vaterlandsfeind- 
lichen Führung und Einstellung. Die gleichen Gewerkschaf- 
ten, fanatisch national in politischen und völkischen Be- 
langen geleitet, würden Millionen Arbeiter zu wertvoll- 
sten Gliedern ihres Volkstums machen ohne Rücksicht auf 
die im einzelnen stattfindenden Kämpfe in rein wirtschaft- 
lichen Belangen. 



374 Die Nationalisierung der Massen 

Eine Bewegung, die den deutschen Arbeiter in ehrlicher 
Weise seinem Volke wiedergeben und dem internationalen 
Wahn entreißen will, muß auf das schärfste Front machen 
gegen eine vor allem in Unternehmerkreisen herrschende 
Auffassung, die unter Volksgemeinschaft die widerstands- 
lose wirtschaftliche Auslieferung des Arbeitnehmers dem 
Arbeitgeber gegenüber versteht, und die in jedem Versuch 
der Wahrung selbst berechtigter wirtschaftlicher Existenz- 
interessen des Arbeitnehmers einen Angriff auf die Volks- 
gemeinschaft sehen will. Das Vertreten dieser Auffassung 
stellt das Vertreten einer bewußten Lüge dar; die Volks- 
gemeinschaft legt ja nicht nur der einen Seite, sondern auch 
den anderen ihre Verpflichtungen auf. 

So sicher ein Arbeiter wider den Geist einer wirklichen 
Volksgemeinschaft sündigt, wenn er ohne Rücksicht auf das 
gemeinsame Wohl und den Bestand einer nationalen Wirt- 
schaft, gestützt auf seine Macht, erpresserisch Forderungen 
stellt, so sehr aber bricht auch ein Unternehmer diese Ge- 
meinschaft, wenn er durch unmenschliche und ausbeuterische 
Art seiner Betriebsführung die nationale Arbeitskraft miß- 
braucht und aus ihrem Schweiße Millionen erwuchert. Er 
hat dann kein Recht, sich als national zu bezeichnen, kein 
Recht, von einer Volksgemeinschaft zu sprechen, sondern 
er ist ein egoistischer Lump, der durch das Hereintragen 
des sozialen Unfriedens spätere Kämpfe provoziert, die so 
oder so der Nation zum Schaden gereichen müssen. 

Das Reservoir, aus dem die junge Bewegung ihre An- 
hänger schöpfen soll, wird also in erster Linie die Masse 
unserer Arbeitnehmer sein. Diese gilt es dem internatio- 
nalen Wahne zu entreißen, aus ihrer sozialen Not zu 
befreien, dem kulturellen Elend zu entheben und als ge- 
schlossenen, wertvollen, national fühlenden und national 
sein wollenden Faktor in die Volksgemeinschaft zu über- 
führen. 

Finden sich in den Kreisen der nationalen Intelligenz 
Menschen mit wärmsten Herzen für ihr Volk und seine 
Zukunft, erfüllt von tiefster Erkenntnis für die Bedeutung 
des Kampfes um die Seele dieser Masse, sind sie in den 



Die Nationalisierung der Massen 375 

Reihen dieser Bewegung als wertvolles geistiges Rückgrat 
hochwillkommen. Ein Gewinnen des bürgerlichen Wahl- 
stimmviehs aber darf niemals das Ziel dieser Bewegung 
sein. Sie würde sich in einem solchen Falle mit einer Masse 
belasten, die ihrer ganzen Wesensart nach die Werbekraft 
den breiten Schichten gegenüber zum Erlahmen brächte. 
Denn ungeachtet der theoretischen Schönheit des Gedan- 
kens einer Zusammenführung breitester Massen von unten 
und oben schon innerhalb des Rahmens der Bewegung, steht 
dem doch die Tatsache gegenüber, daß man durch psycho- 
logische Beeinflussung bürgerlicher Massen in allgemeinen 
Kundgebungen wohl Stimmungen zu erzeugen, ja selbst 
Einsicht zu verbreiten vermag, aber nicht Charaktereigen- 
schaften, oder besser gesagt, Untugenden zum Verschwin- 
den bringt, deren Werden und Entstehen Jahrhunderte 
umfaßte. Der Unterschied in bezug auf das beiderseitige 
kulturelle Niveau und die beiderseitige Stellung zu den 
Fragen wirtschaftlicher Belange ist zur Zeit noch so groß, 
daß er, sobald der Rausch der Kundgebungen vergangen 
ist, sofort als hemmend in Erscheinung treten würde. 

Endlich aber ist es nicht das Ziel, eine Umschichtung im 
an sich nationalen Lager vorzunehmen, sondern ein Ge- 
winnen des antinationalen. 

Und dieser Gesichtspunkt ist auch schließlich maßgebend 
für die taktische Einstellung der gesamten Bewegung. 

7. Diese einseitige, aber dadurch klare Stellungnahme hat 
sich auch in der Propaganda der Bewegung auszudrücken 
und wird anderseits selber wieder durch propagandistische 
Gründe gefordert. 

Soll die Propaganda für die Bewegung wirksam sein, 
muß sie sich nach einer Seite allein wenden, da sie im ande- 
ren Fall bei der Verschiedenheit der geistigen Vorbildung 
der beiden in Frage kommenden Lager entweder von der 
einen Seite nicht verstanden oder von der anderen als 
selbstverständlich und damit uninteressant abgelehnt würde. 

Selbst die Ausdrucksweise und der Ton im einzelnen 
kann nicht für zwei so extreme Schichten gleich wirksam 
sein. Verzichtet die Propaganda auf die Urwüchsigkeit der 



376 Die Nationalisierung der Massen 

Ausdrucksweise, findet sie nicht den Weg zum Empfinden 
der breiten Masse. Verwendet sie hingegen in Wort und 
Gebärde die Derbheit des Gefühls der Masse und seiner 
Äußerungen, so wird sie von der sogenannten Intelligenz 
als roh und ordinär abgelehnt. Es gibt unter hundert 
sogenannten Rednern kaum zehn, die in der Lage wären, 
gleich wirksam heute vor einem Publikum aus Straßen- 
fegern, Schlossern, Kanalräumern usw. zu sprechen und 
morgen einen Vortrag mit notwendigerweise gleichem ge- 
danklichem Inhalt vor einem Auditorium von Hochschul- 
professoren und Studenten zu halten. Es gibt aber unter 
tausend Rednern vielleicht nur einen einzigen, der es fertig- 
bringt, vor Schlossern und Hochschulprofessoren zugleich 
in einer Form zu sprechen, die beiden Teilen in ihrem 
Auffassungsvermögen nicht nur entspricht, sondern beide 
Teile auch gleich wirksam beeinflußt oder gar zum rau- 
schenden Sturm des Beifalls mitreißt. Man muß sich aber 
immer vor Augen halten, daß selbst der schönste Gedanke 
einer erhabenen Theorie in den meisten Fällen seine Ver- 
breitung nur durch kleine und kleinste Geister finden kann. 
Nicht darauf kommt es an, was der geniale Schöpfer einer 
Idee im Auge hat, sondern auf die Form und den Erfolg, 
mit denen die Verkünder dieser Idee der breiten Masse 
vermitteln. 

Die starke werbende Kraft der Sozialdemokratie, ja der 
gesamten marxistischen Bewegung überhaupt, beruhte zum 
großen Teil in der Einheit und damit Einseitigkeit des 
Publikums, an das sie sich wandte. Je scheinbar beschränk- 
ter, ja bornierter ihre Gedankengänge dabei waren, um 
so leichter wurden sie von einer Masse aufgenommen und 
verarbeitet, deren geistiges Niveau dem des Vorgebrach- 
ten entsprach. 

Damit aber ergab sich für diese neue Bewegung eben- 
falls eine einfache und klare Linie: 

Die Propaganda ist in Inhalt und Form auf die breite 
Masse anzusetzen und ihre Richtigkeit ist ausschließlich zu 
messen an ihrem wirksamen Erfolg. 

In einer Volksversammlung der breiten Schichten spricht 



Die Nationalisierung der Massen 377 

nicht der Redner am besten, der der anwesenden Intelligenz 
geistig am nächsten steht, sondern derjenige, der das Herz 
der Masse erobert. 

Ein in solch einer Versammlung anwesender Intelligenz- 
ler, welcher trotz der ersichtlichen Wirkung des Redners 
auf die zu erobernden unteren Schichten die Rede hinsicht- 
lich der geistigen Höhe bekrittelt, beweist die vollständige 
Unfähigkeit seines Denkens und die Wertlosigkeit seiner 
Person für die junge Bewegung. Für sie kommt nur der- 
jenige Intellektuelle in Frage, der Aufgabe und Ziel der 
Bewegung schon so sehr erfaßt, daß er die Tätigkeit auch 
der Propaganda ausschließlich nach ihrem Erfolge zu be- 
urteilen gelernt hat und nicht nach den Eindrücken, die sie 
auf ihn selber hinterläßt. Denn nicht zur Unterhaltung von 
an sich schon nationalgesinnten Menschen hat die Propa- 
ganda zu dienen, sondern zur Gewinnung der Feinde unse- 
res Volkstums, sofern sie unseres Blutes sind. 

Im allgemeinen sollten nun für die junge Bewegung 
jene Gedankengänge, die ich unter der Kriegspropaganda 
schon kurz zusammenfaßte, bestimmend und maßgebend 
werden für die Art und Durchführung ihrer eigenen Auf- 
klärungsarbeit. 

Daß sie richtig war, hat ihr Erfolg bewiesen. 

8. Das Ziel einer politischen Reformbewegung wird nie 
erreicht werden durch Aufklärungsarbeit oder durch Be- 
einflussung herrschender Gewalten, sondern nur durch die 
Erringung der politischen Macht. Jede weltbewegende Idee 
hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, sich derjenigen 
Mittel zu versichern, die die Durchführung ihrer Gedanken- 
gänge ermöglichen. Der Erfolg ist der einzige irdische 
Richter über das Recht oder Unrecht eines solchen Begin- 
nens, wobei unter Erfolg nicht wie im Jahre 1918 die Er- 
ringung der Macht an sich zu verstehen ist, sondern die für 
ein Volkstum segensreiche Auswirkung derselben. So ist ein 
Staatsstreich nicht dann als gelungen anzusehen, wenn, 
wie gedankenlose Staatsanwälte in Deutschland heute 
meinen, den Revolutionären die Inbesitznahme der Staats- 
gewalt gelang, sondern nur dann, wenn in der Ver- 



378 Höchste Autorität - höchste Verantwortung 

wirklichung der einer solchen revolutionären Handlung zu- 
grunde gelegten Absichten und Ziele der Nation mehr Heil 
erwächst als unter dem vergangenen Regiment. Etwas, 
das von der deutschen Revolution, wie sich der Banditen- 
streich des Herbstes 1918 bezeichnet, nicht gut behauptet 
werden kann. 

Wenn aber die Erringung der politischen Macht die Vor- 
aussetzung für die praktische Durchführung reformatorischer 
Absichten bildet, dann muß eine Bewegung mit reforma- 
torischen Absichten sich vom ersten Tage ihres Bestehens 
an als Bewegung der Masse fühlen und nicht als litera- 
rischer Teeklub oder spießbürgerliche Kegelgesellschaft. 

9. Die junge Bewegung ist ihrem Wesen und ihrer inne- 
ren Organisation nach antiparlamentarisch, d.h. sie lehnt 
im allgemeinen wie in ihrem eigenen inneren Aufbau 
ein Prinzip der Majoritätsbestimmung ab, in dem der 
Führer nur zum Vollstrecker des Willens und der Mei- 
nung anderer degradiert wird. Die Bewegung vertritt im 
kleinsten wie im größten den Grundsatz der unbedingten 
Führerautorität, gepaart mit höchster Verantwortung. 

Die praktischen Folgen dieses Grundsatzes in der Be- 
wegung sind nachstehende: 

Der erste Vorsitzende einer Ortsgruppe wird durch den 
nächsthöheren Führer eingesetzt, er ist der verantwortliche 
Leiter der Ortsgruppe. Sämtliche Ausschüsse unterstehen 
ihm und nicht er umgekehrt einem Ausschuß. Abstimmungs- 
Ausschüsse gibt es nicht, sondern nur Arbeits-Ausschüsse. 
Die Arbeit teilt der verantwortliche Leiter, der erste Vor- 
sitzende, ein. Der gleiche Grundsatz gilt für die nächsthöhere 
Organisation, den Bezirk, den Kreis oder den Gau. Immer 
wird der Führer von oben eingesetzt und gleichzeitig mit 
unbeschränkter Vollmacht und Autorität bekleidet. Nur der 
Führer der Gesamtpartei wird aus vereinsgesetzlichen Grün- 
den in der Generalmitgliederversammlung gewählt. Er ist 
aber der ausschließliche Führer der Bewegung. Sämtliche 
Ausschüsse unterstehen ihm und nicht er den Ausschüssen. 
Er bestimmt und trägt damit aber auch auf seinen Schul- 
tern die Verantwortung. Es steht den Anhängern der 



Ablehnung von Religionsstreitigkeiten 379 

Bewegung frei, vor dem Forum einer neuen Wahl ihn 
zur Verantwortung zu ziehen, ihn seines Amtes zu 
entkleiden, insofern er gegen die Grundsätze der Bewe- 
gung verstoßen oder ihren Interessen schlecht gedient hat. 
An seine Stelle tritt dann der besserkönnende, neue Mann, 
jedoch mit gleicher Autorität und mit gleicher Verant- 
wortlichkeit. 

Es ist eine der obersten Aufgaben der Bewegung, dieses 
Prinzip zum bestimmenden nicht nur innerhalb ihrer 
eigenen Reihen, sondern auch für den gesamten Staat zu 
machen. 

Wer Führer sein will, trägt bei höchster unumschränkter 
Autorität auch die letzte und schwerste Verantwortung. 

Wer dazu nicht fähig oder für das Ertragen der Folgen 
seines Tuns zu feige ist, taugt nicht zum Führer. Nur der 
Held ist dazu berufen. 

Der Fortschritt und die Kultur der Menschheit sind nicht 
ein Produkt der Majorität, sondern beruhen ausschließlich 
auf der Genialität und der Tatkraft der Persönlichkeit. 

Diese heranzuzüchten und in ihre Rechte einzusetzen, ist 
eine der Vorbedingungen zur Wiedergewinnung der Größe 
und Macht unseres Volkstums. 

Damit ist die Bewegung aber antiparlamentarisch, und 
selbst ihre Beteiligung an einer parlamentarischen Insti- 
tution kann nur den Sinn einer Tätigkeit zu deren Zer- 
trümmerung besitzen, zur Beseitigung einer Einrichtung, 
in der wir eine der schwersten Verfallserscheinungen der 
Menschheit zu erblicken haben. 

10. Die Bewegung lehnt jede Stellungnahme zu Fragen, 
die entweder außerhalb des Rahmens ihrer politischen Ar- 
beit liegen oder für sie als nicht von grundsätzlicher Be- 
deutung belanglos sind, entschieden ab. Ihre Aufgabe ist 
nicht die einer religiösen Reformation, sondern die einer 
politischen Reorganisation unseres Volkes. Sie sieht in bei- 
den religiösen Bekenntnissen gleich wertvolle Stützen für 
den Bestand unseres Volkes und bekämpft deshalb diejeni- 
gen Parteien, die dieses Fundament einer sittlich-religiösen 



380 Weder monarchisch noch republikanisch 

und moralischen Festigung unseres Volkskörpers zum In- 
strument ihrer Parteiinteressen herabwürdigen wollen. 

Die Bewegung sieht endlich ihre Aufgabe nicht in der 
Wiederherstellung einer bestimmten Staatsform und im 
Kampfe gegen eine andere, sondern in der Schaffung der- 
jenigen grundsätzlichen Fundamente, ohne die auf die 
Dauer weder Republik noch Monarchie bestehen können. 
Ihre Mission liegt nicht in der Begründung einer Mon- 
archie oder der Festigung einer Republik, sondern in der 
Schaffung eines germanischen Staates. 

Die Frage der äußeren Ausgestaltung dieses Staates, 
also seine Krönung, ist nicht von grundsätzlicher Bedeu- 
tung, sondern wird nur bedingt durch Fragen praktischer 
Zweckmäßigkeit. 

Bei einem Volk, das erst die großen Probleme und Auf- 
gaben seines Daseins begriffen hat, werden die Fragen 
äußerer Formalitäten nicht mehr zu inneren Kämpfen 
führen. 

11. Die Frage der inneren Organisation der Bewegung 
ist eine solche der Zweckmäßigkeit und nicht des Prinzips. 

Die beste Organisation ist nicht diejenige, die zwischen 
der Führung einer Bewegung und den einzelnen Anhän- 
gern den größten, sondern diejenige, die den kleinsten Ver- 
mittlerapparat einschiebt. Denn die Aufgabe der Organisa- 
tion ist die Vermittlung einer bestimmten Idee - die zu- 
nächst immer dem Kopfe eines einzelnen entspringt - an 
eine Vielheit von Menschen sowie die Überwachung ihrer 
Umsetzung in die Wirklichkeit. 

Die Organisation ist damit in allem und jedem nur ein 
notwendiges übel. Sie ist im besten Falle ein Mittel zum 
Zweck, im schlimmsten Falle Selbstzweck. 

Da die Welt mehr mechanische Naturen hervorbringt als 
ideelle, pflegen sich die Formen der Organisation zumeist 
leichter zu bilden als Ideen an sich. 

Der Gang jeder nach Verwirklichung strebenden Idee, 
besonders mit reformatorischem Charakter, ist in großen 
Zügen folgender: 

Irgendein genialer Gedanke entsteht im Gehirn eines 



Das notwendige Übel der Organisation 381 

Menschen, der sich berufen fühlt, seine Erkenntnis der 
übrigen Menschheit zu vermitteln. Er predigt seine An- 
schauung und gewinnt allmählich einen bestimmten Kreis 
von Anhängern. Dieser Vorgang der direkten und per- 
sönlichen Übermittlung der Ideen eines Menschen auf die 
andere Mitwelt ist der idealste und natürlichste. Bei stei- 
gender Zunahme von Anhängern der neuen Lehre ergibt 
sich allmählich die Unmöglichkeit für den Träger der Idee, 
persönlich auf die zahllosen Anhänger weiter direkt einzu- 
wirken, sie zu führen und zu leiten. In eben dem Maße, 
in dem infolge des Wachstums der Gemeinde der direkte 
und kürzeste Verkehr ausgeschaltet wird, tritt die Not- 
wendigkeit einer verbindenden Gliederung ein: der ideale 
Zustand wird damit beendet, und an seine Stelle tritt das 
notwendige Übel der Organisation. Es bilden sich kleine 
Untergruppen, die in der politischen Bewegung beispiels- 
weise als Ortsgruppen die Keimzellen der späteren Organi- 
sation darstellen. 

Diese Untergliederung darf jedoch, wenn nicht die Ein- 
heit der Lehre verlorengehen soll, immer erst dann statt- 
finden, wenn die Autorität des geistigen Begründers und 
der von ihm herangebildeten Schule als unbedingt an- 
erkannt gelten darf. Die geopolitische Bedeutung eines 
zentralen Mittelpunktes einer Bewegung kann dabei nicht 
überschätzt werden. Nur das Vorhandensein eines solchen, 
mit dem magischen Zauber eines Mekka oder Rom um- 
gebenen Ortes kann auf die Dauer einer Bewegung die 
Kraft schenken, die in der inneren Einheit und der An- 
erkennung einer diese Einheit repräsentierenden Spitze be- 
gründet liegt. 

So darf bei der Bildung der ersten organisatorischen 
Keimzellen nie die Sorge aus dem Auge verloren werden, 
dem ursprünglichen Ausgangsort der Idee die Bedeutung 
nicht nur zu erhalten, sondern zu einer überragenden zu 
steigern. Diese Steigerung der ideellen, moralischen und 
tatsächlichen Übergröße des Ausgangs- und Leitpunktes der 
Bewegung muß in eben dem Maße stattfinden, in dem 
die zahllos gewordenen untersten Keimzellen der Bewe- 



382 Die Autorität der Zentrale 

gung neue Zusammenschlüsse in organisatorischen Formen 
erfordern. 

Denn wie die zunehmende Zahl einzelner Anhänger und 
die Unmöglichkeit eines weiteren direkten Verkehrs mit 
ihnen zur Bildung der untersten Zusammenfassungen führt, 
so zwingt die endliche zahllose Vermehrung dieser untersten 
Organisationsformen wieder zu höheren Zusammenschlüs- 
sen, die man politisch etwa als Gau- oder Bezirksverbände 
ansprechen kann. 

So leicht es vielleicht noch ist, die Autorität der ursprüng- 
lichen Zentrale gegenüber den untersten Ortsgruppen 
aufrechtzuerhalten, so schwer wird es schon sein, diese Stel- 
lung den nunmehr sich bildenden höheren Organisations- 
formen gegenüber zu bewahren. Dieses aber ist die Voraus- 
setzung für den einheitlichen Bestand einer Bewegung und 
damit für die Durchführung einer Idee. 

Wenn endlich auch diese größeren Zwischengliederungen 
zu neuerlichen Organisationsformen zusammengeschlossen 
werden, steigert sich auch weiter die Schwierigkeit, selbst 
ihnen gegenüber den unbedingt führenden Charakter des 
ursprünglichen Gründungsortes, seiner Schule usw. sicher- 
zustellen. 

Deshalb dürfen die mechanischen Formen einer Organi- 
sation nur in eben dem Maße ausgebaut werden, in dem 
die geistige ideelle Autorität einer Zentrale bedingungs- 
los gewahrt erscheint. Bei politischen Gebilden kann diese 
Garantie oft nur durch die praktische Macht als gegeben 
erscheinen. 

Hieraus ergaben sich folgende Richtlinien für den inneren 
Aufbau der Bewegung: 

a) Konzentration der gesamten Arbeit zunächst auf einen 
einzigen Ort: München. Heranbildung einer Gemeinde von 
unbedingt verläßlichen Anhängern und Ausbildung einer 
Schule für die spätere Verbreitung der Idee. Gewinnung 
der notwendigen Autorität für später durch möglichst große 
sichtbare Erfolge an diesem einen Ort. 

Um die Bewegung und ihre Führer bekannt zu machen, 
war es nötig, den Glauben an die Unbesiegbarkeit der mar- 



Der innere Aufbau der Bewegung 383 

xistischen Lehre an einem Orte für alle sichtbar nicht nur zu 
erschüttern, sondern die Möglichkeit einer entgegengesetzten 
Bewegung zu beweisen. 

b) Bildung von Ortsgruppen erst dann, wenn die Auto- 
rität der Zentralleitung in München als unbedingt aner- 
kannt gelten darf. 

c) Die Bildung von Bezirks-, Gau- oder Landesverbän- 
den erfolgt ebenfalls nicht nur nach dem Bedarf an sich, 
sondern nach Erreichung der Sicherheit einer bedingungs- 
losen Anerkennung der Zentrale. 

Weiter aber ist die Bildung organisatorischer Formen 
abhängig von den vorhandenen, als Führer in Betracht 
kommenden Köpfen. 

Es gibt dabei zwei Wege: 

a) Die Bewegung verfügt über die notwendigen finan- 
ziellen Mittel zur Heran- und Ausbildung befähigter Köpfe 
zum späteren Führertum. Sie setzt das dabei gewonnene 
Material dann planmäßig nach den Gesichtspunkten tak- 
tischer und sonstiger Zweckmäßigkeiten ein. 

Dieser Weg ist der leichtere und schnellere; er erfordert 
jedoch große Geldmittel, da dieses Führermaterial nur be- 
soldet in der Lage ist, für die Bewegung arbeiten zu können. 

b) Die Bewegung ist infolge des Mangels an Geldmit- 
teln nicht in der Lage, beamtete Führer einzusetzen, son- 
dern ist zunächst auf ehrenamtlich tätige angewiesen. 

Dieser Weg ist der langsamere und schwerere. 

Die Führung der Bewegung muß große Gebiete unter 
Umständen brachliegen lassen, sofern sich nicht aus den 
Anhängern ein Kopf herausschält, fähig und gewillt, sich 
der Leitung zur Verfügung zu stellen und die Bewegung 
in dem betreffenden Gebiete zu organisieren und zu führen. 

Es kann vorkommen, daß sich dann in großen Gebieten 
niemand findet, in anderen Orten dagegen wieder zwei 
oder gar drei annähernd gleich Fähige sind. Die Schwierig- 
keit, die in einer solchen Entwicklung liegt, ist groß und 
kann nur nach Jahren überwunden werden. 

Immer aber ist und bleibt die Voraussetzung für die 



384 Der innere Aufbau der Bewegung 

Bildung einer organisatorischen Form der zu ihrer Füh- 
rung fähige Kopf. 

So wertlos eine Armee in all ihren organisatorischen 
Formen ohne Offiziere ist, so wertlos ist eine politische 
Organisation ohne den entsprechenden Führer. 

Für die Bewegung ist das Unterlassen der Bildung einer 
Ortsgruppe besser als das Mißglücken ihrer Organisierung, 
wenn eine leitende und vorwärtstreibende Führerpersön- 
lichkeit fehlt. 

Zum Führertum selber gehört nicht nur Wille, sondern 
auch Fähigkeit, wobei jedoch der Willens- und Tatkraft 
eine größere Bedeutung zugemessen werden muß als der 
Genialität an sich, und am wertvollsten eine Verbindung 
von Fähigkeit, Entschlußkraft und Beharrlichkeit ist. 

12. Die Zukunft einer Bewegung wird bedingt durch den 
Fanatismus, ja die Unduldsamkeit, mit der ihre Anhänger 
sie als die allein richtige vertreten und anderen Gebilden 
ähnlicher Art gegenüber durchsetzen. 

Es ist der größte Fehler, zu glauben, daß die Stärke einer 
Bewegung zunimmt durch die Vereinigung mit einer ande- 
ren, ähnlich beschaffenen. Jede Vergrößerung auf solchem 
Weg bedeutet zunächst freilich eine Zunahme an äußerem 
Umfang und damit in den Augen oberflächlicher Betrach- 
ter auch an Macht, in Wahrheit jedoch übernimmt sie 
nur die Keime einer später wirksam werdenden inneren 
Schwächung. 

Denn was immer man von der Gleichartigkeit zweier 
Bewegungen reden mag, so ist sie in Wirklichkeit doch nie 
vorhanden. Denn im anderen Falle gäbe es eben praktisch 
nicht zwei, sondern nur eine Bewegung. Und ganz gleich, 
worin die Unterschiede liegen - und wären sie nur begrün- 
det in den verschiedenen Fähigkeiten der Führung -, sie 
sind da. Dem Naturgesetz aller Entwicklung aber entspricht 
nicht das Verkuppeln zweier eben nicht gleicher Gebilde, 
sondern der Sieg des stärkeren und die durch den dadurch 
bedingten Kampf allein ermöglichte Höherzüchtung der 
Kraft und Stärke des Siegers. 

Es mögen durch die Vereinigung zweier annähernd glei- 



Unduldsamer Fanatismus 385 

eher politischer Parteigebilde augenblickliche Vorteile er- 
wachsen, auf die Dauer ist doch jeder auf solche Weise ge- 
wonnene Erfolg die Ursache später auftretender innerer 
Schwächen. 

Die Größe einer Bewegung wird ausschließlich gewähr- 
leistet durch die ungebundene Entwicklung ihrer inneren 
Kraft und durch deren dauernde Steigerung bis zum end- 
gültigen Siege über alle Konkurrenten. 

Ja, man kann sagen, daß ihre Stärke und damit ihre 
Lebensberechtigung überhaupt nur so lange in Zunahme 
begriffen ist, solange sie den Grundsatz des Kampfes als die 
Voraussetzung ihres Werdens anerkennt, und daß sie in 
demselben Augenblick den Höhepunkt ihrer Kraft über- 
schritten hat, in dem sich der vollkommene Sieg auf ihre 
Seite neigt. 

Es ist mithin einer Bewegung nur nützlich, diesem Siege 
in einer Form nachzustreben, die zeitlich nicht zum augen- 
blicklichen Erfolge führt, sondern die in einer durch un- 
bedingte Unduldsamkeit herbeigeführten langen Kampf- 
dauer auch ein langes Wachstum schenkt. 

Bewegungen, die ihre Zunahme nur dem sogenannten 
Zusammenschluß ähnlicher Gebilde, also ihre Stärke Kom- 
promissen verdanken, gleichen Treibhauspflanzen. Sie schie- 
ßen empor, allein ihnen fehlt die Kraft, Jahrhunderten 
zu trotzen und schweren Stürmen zu widerstehen. 

Die Größe jeder gewaltigen Organisation als Verkörpe- 
rung einer Idee auf dieser Welt liegt im religiösen Fana- 
tismus, in der sie sich unduldsam gegen alles andere, fana- 
tisch überzeugt vom eigenen Recht, durchsetzt. Wenn eine 
Idee an sich richtig ist und, in solcher Weise gerüstet, den 
Kampf auf dieser Erde aufnimmt, ist sie unbesiegbar, und 
jede Verfolgung wird nur zu ihrer inneren Stärke führen. 

Die Größe des Christentums lag nicht in versuchten Ver- 
gleichsverhandlungen mit etwa ähnlich gearteten philo- 
sophischen Meinungen der Antike, sondern in der unerbitt- 
lichen fanatischen Verkündung und Vertretung der eigenen 
Lehre. 

Der scheinbare Vorsprung, den Bewegungen durch Zu- 

14 



386 Erziehung zum Kampf 

sammenschlüsse erreichen, wird reichlich eingeholt durch die 
dauernde Zunahme der Kraft einer unabhängig bleiben- 
den, sich selbst verfechtenden Lehre und ihrer Organisation. 

13. Die Bewegung hat grundsätzlich ihre Mitglieder so zu 
erziehen, daß sie im Kampfe nicht etwas lässig Auferzoge- 
nes, sondern das selbst Erstrebte erblicken. Sie haben die 
Feindschaft der Gegner mithin nicht zu fürchten, sondern 
als Voraussetzung zur eigenen Daseinsberechtigung zu emp- 
finden. Sie haben den Haß der Feinde unseres Volkstums 
und unserer Weltanschauung und seine Äußerungen nicht zu 
scheuen, sondern zu ersehen. Zu den Äußerungen dieses 
Hasses aber gehören auch Lüge und Verleumdung. 

Wer in den jüdischen Zeitungen nicht bekämpft, also ver- 
leumdet und verlästert wird, ist kein anständiger Deutscher 
und kein wahrer Nationalsozialist. Der beste Gradmesser 
für den Wert seiner Gesinnung, die Aufrichtigkeit seiner 
Überzeugung und die Kraft seines Wollens ist die Feind- 
schaft, die ihm von Seiten des Todfeindes unseres Volkes 
entgegengebracht wird. 

Die Anhänger der Bewegung und in weiterem Sinne das 
ganze Volk müssen immer und immer wieder darauf hin- 
gewiesen werden, daß der Jude in seinen Zeitungen stets 
lügt, und daß selbst eine einmalige Wahrheit nur zur 
Deckung einer größeren Fälschung bestimmt und damit 
selber wieder gewollte Unwahrheit ist. Der Jude ist der 
große Meister im Lügen, und Lug und Trug sind seine 
Waffen im Kampfe. 

Jede jüdische Verleumdung und jede jüdische Lüge ist 
eine Ehrennarbe am Körper unserer Kämpfer. 

Wen sie am meisten verlästern, der steht uns am nächsten, 
und wen sie am tödlichsten hassen, der ist unser bester 
Freund. 

Wer des Morgens die jüdische Zeitung ergreift, ohne sich 
in ihr verleumdet zu sehen, hat den vergangenen Tag nicht 
nützlich verwertet; denn wäre es so, würde er vom Juden 
verfolgt, gelästert, verleumdet, beschimpft, beschmutzt wer- 
den. Und nur wer diesen Todfeind unseres Volkstums und 
jeder arischen Menschheit und Kultur am wirksamsten 



Erziehung zur Achtung vor der Person 387 

gegenübertritt, darf erwarten, die Verleumdungen dieser 
Rasse und damit den Kampf dieses Volkes auch gegen sich 
gerichtet zu sehen. 

Wenn diese Grundsätze in Fleisch und Blut unserer An- 
hänger übergehen, wird die Bewegung unerschütterlich und 
unbesiegbar werden. 

14. Die Bewegung hat die Achtung vor der Person mit 
allen Mitteln zu fördern; sie hat nie zu vergessen, daß im 
persönlichen Wert der Wert alles Menschlichen liegt, daß 
jede Idee und jede Leistung das Ergebnis der schöpferi- 
schen Kraft eines Menschen ist, und daß die Bewunderung 
vor der Größe nicht nur einen Dankeszoll an diese dar- 
stellt, sondern auch ein einigendes Band um die Dankenden 
schlingt. 

Die Person ist nicht zu ersetzen; sie ist es besonders dann 
nicht, wenn sie nicht das mechanische, sondern das kulturell- 
schöpferische Element verkörpert. So wenig ein berühmter 
Meister ersetzt werden kann und ein anderer die Voll- 
endung seines halbfertig hinterlassenen Gemäldes zu über- 
nehmen vermag, so wenig ist der große Dichter und Den- 
ker, der große Staatsmann und der große Feldherr zu 
ersetzen. Denn deren Tätigkeit liegt immer auf dem Ge- 
biete der Kunst; sie ist nicht mechanisch anerzogen, sondern 
durch göttliche Gnade angeboren. 

Die größten Umwälzungen und Errungenschaften dieser 
Erde, ihre größten kulturellen Leistungen, die unsterb- 
lichen Taten auf dem Gebiete der Staatskunst usw., sie 
sind für ewig unzertrennbar verknüpft mit einem Namen 
und werden durch ihn repräsentiert. Der Verzicht auf die 
Huldigung vor einem großen Geist bedeutet den Verlust 
einer immensen Kraft, die aus dem Namen aller großen 
Männer und Frauen strömt. 

Dies weiß am besten der Jude. Gerade er, dessen Größen 
nur groß sind in der Zerstörung der Menschheit und ihrer 
Kultur, sorgt für ihre abgöttische Bewunderung. Nur die 
Verehrung der Völker für ihre eigenen Geister versucht 
er als unwürdig hinzustellen und stempelt sie zum „Per- 
sonenkult". 



388 Die Gefahr der Nichtbeachtung der Bewegung 

Sobald ein Volk so feige wird, dieser jüdischen An- 
maßung und Frechheit zu unterliegen, verzichtet es auf die 
gewaltige Kraft, die es besitzt; denn diese beruht nicht in 
der Achtung vor der Masse, sondern in der Verehrung des 
Genies und in der Erhebung und Erbauung an ihm. 

Wenn Menschenherzen brechen und Menschenseelen ver- 
zweifeln, dann blicken aus dem Dämmerlicht der Ver- 
gangenheit die großen Überwinder von Not und Sorge, 
von Schmach und Elend, von geistiger Unfreiheit und kör- 
perlichem Zwange auf sie hernieder und reichen den ver- 
zagenden Sterblichen ihre ewigen Hände! 

Wehe dem Volke, das sich schämt, sie zu erfassen! 

In der ersten Zeit des Werdens unserer Bewegung hat- 
ten wir unter nichts so sehr zu leiden wie unter der Be- 
deutungslosigkeit und dem Nichtbekanntsein unserer Namen. 
Das schwerste in dieser ersten Zeit, da sich oft nur sechs, 
sieben und acht Köpfe zusammenfanden, um den Worten 
eines Redners zu lauschen, war, in diesem kleinsten Kreise 
den Glauben an die gewaltige Zukunft der Bewegung zu 
erwecken und zu erhalten. 

Man bedenke, daß sich sechs oder sieben Männer, lauter 
namenlose, arme Teufel zusammenschließen mit der Absicht, 
eine Bewegung zu bilden, der es dereinst gelingen soll, 
was bisher den gewaltigen, großen Massenparteien miß- 
lang, die Wiederaufrichtung eines Deutschen Reiches er- 
höhter Macht und Herrlichkeit. Hätte man uns damals an- 
gegriffen, ja, hätte man uns auch nur verlacht, wir wären 
glücklich gewesen in beiden Fällen. Denn das Niederdrük- 
kende lag nur in der vollständigen Nichtbeachtung, die 
wir damals fanden, und unter der ich am meisten da- 
mals litt. 

Als ich in den Kreis der paar Männer eintrat, konnte 
weder von einer Partei noch von einer Bewegung die Rede 
sein. Ich habe meine Eindrücke anläßlich meines ersten Zu- 
sammentreffens mit diesem kleinen Gebilde schon geschil- 



Jämmerliche sogenannte „Versammlungen" 389 

dert. Ich hatte in den damals folgenden Wochen dann Zeit 
und Gelegenheit, die zunächst unmögliche Erscheinung die- 
ser sogenannten Partei zu studieren. Das Bild war, wahr- 
haftiger Gott, ein beklemmend niederdrückendes. Es war 
nichts, aber auch schon rein gar nichts vorhanden. Der 
Name einer Partei, deren Ausschuß praktisch die ganze 
Mitgliedschaft repräsentierte, war so oder so das, was 
sie zu bekämpfen versuchte, ein Parlament im kleinsten. 
Auch hier herrschte die Abstimmung, und wenn sich die 
großen Parlamente wenigstens noch über größere Probleme 
monatelang die Kehlen heiser schreien, in diesem kleinen 
Zirkel ging schon über die Beantwortung eines glücklich 
eingelaufenen Briefes endloses Zwiegespräch los! 

Die Öffentlichkeit wußte von dem allem natürlich über- 
haupt nichts. Kein Mensch in München kannte die Partei 
auch nur dem Namen nach, außer ihren paar Anhängern 
und den wenigen Bekannten derselben. 

Jeden Mittwoch fand in einem Münchener Cafe eine 
sogenannte Ausschußsitzung statt, einmal in der Woche ein 
Sprechabend. Da die gesamte Mitgliedschaft der „Bewe- 
gung" zunächst im Ausschuß vertreten war, waren die Per- 
sonen natürlich immer dieselben. Es mußte sich jetzt darum 
handeln, endlich den kleinen Zirkel zu sprengen, neue 
Anhänger zu gewinnen, vor allem aber den Namen der 
Bewegung um jeden Preis bekanntzumachen. 

Wir bedienten uns dabei folgender Technik: 

In jedem Monat, später alle vierzehn Tage, versuchten 
wir eine „Versammlung" abzuhalten. Die Einladungen 
hierzu wurden auf einer Schreibmaschine oder zum Teil 
auch mit der Hand auf Zettel geschrieben und die ersten 
Male von uns selber verteilt bzw. ausgetragen. Jeder wen- 
dete sich an seinen Bekanntenkreis, um den einen oder an- 
deren zu bewegen, eine dieser Veranstaltungen zu besuchen. 

Der Erfolg war ein jämmerlicher. 

Ich erinnere mich noch, wie ich selber in dieser ersten 
Zeit einmal an die achtzig dieser Zettel ausgetragen hatte, 
und wie wir nun am Abend auf die Volksmassen warteten, 
die da kommen sollten. 



390 Die erste Versammlung 

Mit einstündiger Verspätung mußte endlich der „Vor- 
sitzende" die „Versammlung" eröffnen. Wir waren wieder 
sieben Mann, die alten Sieben. 

Wir gingen dazu über, die Einladungszettel in einem 
Münchener Schreibwarengeschäft auf der Maschine schreiben 
und vervielfältigen zu lassen. Der Erfolg bestand bei der 
nächsten Versammlung in einigen Zuhörern mehr. So stieg 
die Zahl langsam von elf auf dreizehn, endlich auf siebzehn, 
auf dreiundzwanzig, auf vierundzwanzig Zuhörer. 

Durch ganz kleine Geldsammlungen im Kreise von uns 
armen Teufeln wurden die Mittel aufgebracht, um endlich 
eine Versammlung durch eine Anzeige des damals unab- 
hängigen „Münchener Beobachters" in München ankün- 
digen lassen zu können. Der Erfolg war dieses Mal aller- 
dings erstaunlich. Wir hatten die Versammlung im Mün- 
chener Hofbräuhauskeller angesetzt (nicht zu verwechseln 
mit dem Münchener Hofbräuhausfestsaal), einem kleinen 
Saal von knapp einhundertdreißig Personen Fassungs- 
raum. Mir selber erschien der Raum wie eine große Halle, 
und jeder von uns bangte, ob es gelingen würde, an dem 
betreffenden Abend dieses „mächtige" Gebäude mit Men- 
schen zu füllen. 

Um sieben Uhr waren einhundertelf Personen anwesend, 
und die Versammlung wurde eröffnet. 

Ein Münchener Professor hielt das Hauptreferat, und 
ich sollte als zweiter zum ersten Male öffentlich sprechen. 

Dem damaligen ersten Vorsitzenden der Partei, Herrn 
Harrer, erschien die Sache als ein großes Wagnis. Der 
sonst sicherlich redliche Herr hatte nun einmal die Über- 
zeugung, daß ich wohl verschiedenes könnte, aber nur nicht 
reden. Von dieser Meinung war er auch in der Folgezeit 
nicht abzubringen. 

Die Sache kam anders. Mir waren in dieser ersten als 
öffentlich anzusprechenden Versammlung zwanzig Minuten 
Redezeit zugebilligt worden. 

Ich sprach dreißig Minuten, und was ich früher, ohne es 
irgendwie zu wissen, einfach innerlich gefühlt hatte, wurde 
nun durch die Wirklichkeit bewiesen: ich konnte reden! Nach 



Die erste Versammlung 391 

dreißig Minuten waren die Menschen in dem kleinen Raum 
elektrisiert, und die Begeisterung äußerte sich zunächst darin, 
daß mein Appell an die Opferwilligkeit der Anwesenden 
zur Spende von dreihundert Mark führte. Damit aber war 
eine große Sorge von uns genommen. Die finanzielle Be- 
schränkung war ja in dieser Zeit so groß, daß wir nicht 
einmal die Möglichkeit besaßen, für die Bewegung Leitsätze 
drucken zu lassen oder gar Flugblätter herauszugeben. Nun 
war der Grundstock gelegt zu einem kleinen Fonds, aus 
dem dann wenigstens das Notdürftigste und Notwendigste 
bestritten werden konnte. 

Allein auch in einer anderen Hinsicht war der Erfolg 
dieser ersten größeren Versammlung bedeutend. 

Ich hatte damals begonnen, dem Ausschuß eine Anzahl 
frischer junger Kräfte zuzuführen. Während meiner lang- 
jährigen Militärzeit hatte ich eine größere Menge treuer 
Kameraden kennengelernt, die nun langsam auf Grund 
meines Zuredens in die Bewegung einzutreten begannen. 
Es waren lauter tatkräftige junge Menschen, an Disziplin 
gewöhnt und von ihrer Dienstzeit her in dem Grundsatz 
aufgewachsen: Unmöglich ist gar nichts, und es geht alles, 
wenn man will. 

Wie nötig aber ein solcher Blutzufluß war, konnte ich 
selber schon nach wenigen Wochen Mitarbeit erkennen. 

Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer, 
war eigentlich Journalist und als solcher sicher umfassend 
gebildet. Doch hatte er eine für einen Parteiführer außer- 
ordentlich schwere Belastung: er war kein Redner für die 
Masse. So peinlich gewissenhaft und genau seine Arbeit 
an sich war, so fehlte ihr jedoch - vielleicht gerade infolge 
der fehlenden großen rednerischen Begabung - auch der 
größere Schwung. Herr Drexler, damals Vorsitzender der 
Ortsgruppe München, war einfacher Arbeiter, als Redner 
ebenfalls wenig bedeutend, im übrigen aber kein Soldat. 
Er hatte nicht beim Heer gedient, war auch während des 
Krieges nicht Soldat, so daß ihm, der seinem ganzen Wesen 
nach an sich schwächlich und unsicher war, die einzige Schule 
fehlte, die es fertigbringen konnte, aus unsicheren und 



392 Soldaten als Grundstock der Bewegung 

weichlichen Naturen Männer zu machen. So waren beide 
Männer nicht aus einem Holz geschnitzt, daß sie befähigt 
hätte, nicht nur den fanatischen Glauben an den Sieg 
einer Bewegung im Herzen zu tragen, sondern auch 
mit unerschütterlicher Willensenergie und, wenn nötig, 
mit brutalster Rücksichtslosigkeit die Widerstände zu be- 
seitigen, die sich dem Emporsteigen der neuen Idee in die 
Wege stellen mochten. Dazu paßten nur Wesen, in denen 
sich Geist und Körper jene militärischen Tugenden zu eigen 
gemachte hatten, die man vielleicht am besten so bezeichnen 
kann: Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie 
Kruppstahl. 

Ich war damals selber noch Soldat. Mein Äußeres und 
Inneres war nahezu sechs Jahre lang geschliffen worden, 
so daß ich zunächst in diesem Kreise wohl als fremd empfun- 
den werden mußte. Auch ich hatte das Wort verlernt: Das 
geht nicht, oder das wird nicht gehen; das darf man nicht 
wagen, das ist noch zu gefährlich usw. 

Denn gefährlich war die Sache natürlich. Im Jahre 1920 
war in vielen Gegenden Deutschlands eine nationale Ver- 
sammlung, die es wagte, ihren Appell an die breiten Mas- 
sen zu richten und öffentlich zu ihrem Besuche einzuladen, 
einfach unmöglich. Die Teilnehmer an einer solchen wurden 
mit blutigen Köpfen auseinandergeschlagen und verjagt. 
Viel gehörte freilich zu einem solchen Kunststück nicht: 
pflegte doch die größte sogenannte bürgerliche Massenver- 
sammlung vor einem Dutzend Kommunisten auseinander- 
zulaufen und auszureißen wie die Hasen vor dem Hunde. 
Doch so wenig die Roten von einem solchen bürgerlichen 
Trätäklub Notiz nahmen, dessen innere Harmlosigkeit und 
damit Ungefährlichkeit für sich selbst sie besser kannten als 
dessen Mitglieder selber, so entschlossen waren sie aber, eine 
Bewegung mit allen Mitteln zu erledigen, die ihnen ge- 
fährlich schien - das Wirksamste in solchen Fällen bildete 
jedoch zu allen Zeiten der Terror, die Gewalt. 

Am verhaßtesten aber mußte den marxistischen Volks- 
betrügern eine Bewegung sein, deren ausgesprochenes Ziel 
die Gewinnung derjenigen Masse war, die bisher im aus- 



Die zweite Versammlung 393 

schließlichen Dienste der internationalen marxistischen Ju- 
den- und Börsenparteien stand. Schon der Titel „Deutsche 
Arbeiterpartei" wirkte aufreizend. So konnte man sich leicht 
vorstellen, daß bei der ersten passenden Gelegenheit die 
Auseinandersetzung mit den damals noch siegestrunkenen 
marxistischen Antreibern beginnen würde. 

Im kleinen Kreis der damaligen Bewegung hatte man 
vor einem solchen Kampfe denn auch eine gewisse Angst. 
Man wollte möglichst wenig an die Öffentlichkeit treten, 
aus Furcht, geschlagen zu werden. Man sah die erste große 
Versammlung im Geiste schon gesprengt und die Bewegung 
dann vielleicht für immer erledigt. Ich hatte einen schweren 
Stand mit meiner Auffassung, daß man diesem Kampf 
nicht ausweichen, sondern daß man ihm entgegentreten und 
sich deshalb diejenige Rüstung zulegen müsse, die allein den 
Schutz vor der Gewalt gewährt. Terror bricht man nicht 
durch Geist, sondern durch Terror. Der Erfolg der ersten 
Versammlung stärkte in dieser Richtung meine Stellung. 
Man bekam Mut zu einer zweiten, schon etwas größer auf- 
gezogenen. 

Etwa Oktober 1919 fand im Eberlbräukeller die 
zweite größere Versammlung statt. Thema: Brest-Litowsk 
und Versailles. Als Redner traten vier Herren auf. Ich 
selber sprach nahezu eine Stunde, und der Erfolg war grö- 
ßer als bei der ersten Kundgebung. Die Besucherzahl war 
auf über einhundertdreißig gestiegen. Ein Störungsversuch 
wurde durch meine Kameraden sofort im Keime erstickt. 
Die Unruhestifter flogen mit zerbeulten Köpfen die Treppe 
hinunter. 

Vierzehn Tage darauf fand eine weitere Versammlung 
im gleichen Saale statt. Die Besucherzahl war auf über ein- 
hundertsiebzig gestiegen - eine gute Besetzung des Rau- 
mes. Ich hatte wieder gesprochen, und wieder war der Er- 
folg größer als bei der vorhergegangenen Versammlung. 

Ich drängte nach einem größeren Saal. Endlich fanden 
wir einen solchen am anderen Ende der Stadt, im „Deut- 
schen Reich" an der Dachauer Straße. Die erste Versamm- 
lung im neuen Raum war schwächer besucht als die vorher- 



394 Die innere Formgebung der Bewegung 

gegangene: knapp einhundertvierzig Personen. Im Aus- 
schuß begann die Hoffnung wieder zu sinken, und die ewi- 
gen Zweifler glaubten, als Ursache des schlechten Besuches 
die zu häufige Wiederholung unserer „Kundgebungen" an- 
sehen zu müssen. Es gab heftige Auseinandersetzungen, in 
denen ich den Standpunkt vertrat, daß eine Siebenhundert- 
tausend-Einwohner-Stadt nicht nur alle vierzehn Tage 
eine, sondern jede Woche zehn Versammlungen vertragen 
müßte, daß man sich durch Rückschläge nicht irre machen 
lassen dürfe, daß die eingeschlagene Bahn die richtige sei, 
und daß früher oder später bei immer gleichbleibender Be- 
harrlichkeit der Erfolg kommen müsse. Überhaupt war diese 
ganze Zeit des Winters 1919/20 ein einziger Kampf, das 
Vertrauen in die siegende Gewalt der jungen Bewegung 
zu stärken und zu jenem Fanatismus zu steigern, der als 
Glaube dann Berge zu versetzen vermag. 

Die nächste Versammlung im gleichen Saale gab mir 
schon wieder recht. Die Zahl der Besucher war auf über 
zweihundert gestiegen, der äußere sowohl als der finan- 
zielle Erfolg glänzend. 

Ich trieb zur sofortigen Ansetzung einer weiteren Ver- 
anstaltung. Sie fand kaum vierzehn Tage später statt, und 
die Zuhörermenge stieg auf über zweihundertsiebzig Köpfe. 

Vierzehn Tage später riefen wir zum siebenten Male An- 
hänger und Freunde der jungen Bewegung zusammen, und 
derselbe Raum konnte die Menschen nur mehr schwer fas- 
sen, es waren über vierhundert geworden. 

In dieser Zeit erfolgte die innere Formgebung der jun- 
gen Bewegung. Es gab dabei in dem kleinen Kreis manches 
Mal mehr oder weniger heftige Auseinandersetzungen. Von 
verschiedenen Seiten - wie auch heute, so schon damals - 
wurde die Bezeichnung der jungen Bewegung als Partei 
bekrittelt. Ich habe in einer solchen Auffassung immer nur 
den Beweis für die praktische Unfähigkeit und geistige 
Kleinheit des Betreffenden gesehen. Es waren und sind 
immer die Menschen, die Äußeres von Innerem nicht zu 
unterscheiden vermögen und die den Wert einer Bewe- 
gung nach möglichst schwulstig klingenden Bezeichnungen 



Deutschvölkische Wanderscholaren 395 

abzuschätzen versuchen, wobei zu allem Unglück der Wort- 
schatz unserer Urväter am meisten herhalten muß. 

Es war damals schwer, den Leuten begreiflich zu machen, 
daß jede Bewegung, solange sie nicht den Sieg ihrer Ideen 
und damit ihr Ziel erreicht hat, Partei ist, auch wenn sie 
sich tausendmal einen anderen Namen beilegt. 

Wenn irgendein Mensch einen kühnen Gedanken, dessen 
Verwirklichung im Interesse seiner Mitmenschen nützlich 
erscheint, zur praktischen Durchführung bringen will, so 
wird er sich zunächst Anhänger zu suchen haben, die bereit 
sind, für seine Absichten einzutreten. Und wenn diese Ab- 
sicht nur darin bestünde, das zur Zeit bestehende Partei- 
wesen zu vernichten, die Zersplitterung zu beenden, so sind 
die Vertreter dieser Anschauung und Verkünder dieses Ent- 
schlusses eben selber Partei, so lange, bis nicht das Ziel er- 
rungen ist. Es ist Wortklauberei und Spiegelfechterei, wenn 
irgendein bezopfter völkischer Theoretiker, dessen prak- 
tische Erfolge im umgekehrten Verhältnis zu seiner Weisheit 
stehen, sich einbildet, den Charakter, den jede junge Be- 
wegung als Partei besitzt, zu ändern durch eine Änderung 
ihrer Bezeichnung. 

Im Gegenteil. 

Wenn irgend etwas unvölkisch ist, dann ist es dieses Her- 
umwerfen mit besonders altgermanischen Ausdrücken, die 
weder in die heutige Zeit passen noch etwas Bestimmtes 
vorstellen, sondern leicht dazu führen können, die Bedeu- 
tung einer Bewegung im äußeren Sprachschatz derselben 
zu sehen. Das ist ein wahrer Unfug, den man aber heute 
unzählige Male beobachten kann. 

Überhaupt habe ich schon damals und auch in der Folge- 
zeit immer wieder vor jenen deutschvölkischen Wander- 
scholaren warnen müssen, deren positive Leistung immer 
gleich Null ist, deren Einbildung aber kaum übertroffen zu 
werden vermag. Die junge Bewegung mußte und muß sich 
vor einem Zustrom an Menschen hüten, deren einzige Emp- 
fehlung zumeist in ihrer Erklärung liegt, daß sie schon drei- 
ßig oder gar vierzig Jahre lang für die gleiche Idee ge- 
kämpft hätten. Wer aber vierzig Jahre lang für eine söge- 



396 Blechschwerter und präparierte Bärenfelle 

nannte Idee eintritt, ohne selbst den geringsten Erfolg her- 
beiführen zu können, ja ohne den Sieg des Gegenteils ver- 
hindert zu haben, hat den Wahrheitsbeweis für die eigene 
Unfähigkeit in vierzigjähriger Tätigkeit erbracht. Das Ge- 
fährliche liegt vor allem darin, daß solche Naturen sich nicht 
als Glieder in die Bewegung einfügen wollen, sondern von 
Führerkreisen faseln, in denen sie auf Grund ihrer ur- 
alten Tätigkeit allein eine passende Stelle zur weiteren 
Betätigung zu erblicken vermögen. Wehe aber, wenn man 
solchen Leuten eine junge Bewegung ausliefert! So wenig 
ein Geschäftsmann, der in vierzigjähriger Tätigkeit ein 
großes Geschäft konsequent vernichtete, zum Begründer 
eines neuen taugt, so wenig paßt ein völkischer Methusalem, 
der in eben dieser Zeit eine große Idee verkorkste und zum 
Verkalken brachte, zur Führung einer neuen, jungen Be- 
wegung! 

Im übrigen kommen alle diese Menschen nur zu einem 
Bruchteil in die neue Bewegung, um ihr zu dienen und 
der Idee der neuen Lehre zu nützen, in den meisten Fällen 
aber, um unter ihrem Schutze oder durch die Möglichkeiten, 
die sie bietet, die Menschheit noch einmal mit ihren eigenen 
Ideen unglücklich zu machen. Was aber das für Ideen sind, 
läßt sich nur schwer wiedergeben. 

Es ist das Charakteristische dieser Naturen, daß sie von 
altgermanischem Heldentum, von grauer Vorzeit, Stein- 
äxten, Ger und Schild schwärmen, in Wirklichkeit aber die 
größten Feiglinge sind, die man sich vorstellen kann. Denn 
die gleichen Leute, die mit altdeutschen, vorsorglich nach- 
gemachten Blechschwertern in den Lüften herumfuchteln, 
ein präpariertes Bärenfell mit Stierhörnern über dem bär- 
tigen Haupte, predigen für die Gegenwart immer nur den 
Kampf mit geistigen Waffen und fliehen vor jedem kommu- 
nistischen Gummiknüppel eiligst von dannen. Die Nachwelt 
wird einmal wenig Veranlassung besitzen, das Heldendasein 
dieser Rauschebärte in einem neuen Epos zu verherrlichen. 

Ich habe diese Leute zu gut kennengelernt, um nicht vor 
ihrer elenden Schauspielerei den tiefsten Ekel zu emp- 
finden. Auf die breite Masse aber wirken sie lächerlich, und 



Ablehnung des Wortes „völkisch" 397 

der Jude hat allen Grund, diese völkischen Komödianten zu 
schonen, sie sogar den wirklichen Verfechtern eines kommen- 
den deutschen Staates vorzuziehen. Dabei sind diese Men- 
schen noch maßlos eingebildet, wollen, trotz aller Beweise 
ihrer vollkommenen Unfähigkeit, alles besser verstehen und 
werden zu einer wahren Plage für die geradlinigen und 
ehrlichen Kämpfer, denen Heldentum nicht nur in der Ver- 
gangenheit verehrungswürdig erscheint, sondern die sich 
auch bemühen, der Nachwelt durch eigenes Handeln ein 
gleiches Bild zu geben. 

Auch läßt es sich oft nur schwer unterscheiden, wer von 
diesen Leuten aus innerer Dummheit oder Unfähigkeit 
handelt, oder wer aus bestimmten Gründen nur so tut. 
Besonders bei den sogenannten religiösen Reformatoren auf 
altgermanischer Grundlage habe ich immer die Empfindung, 
als seien sie von jenen Mächten geschickt, die den Wieder- 
aufstieg unseres Volkes nicht wünschen. Führt doch ihre 
ganze Tätigkeit das Volk vom gemeinsamen Kampf gegen 
den gemeinsamen Feind, den Juden, weg, um es statt 
dessen seine Kräfte in ebenso unsinnigen wie unseligen 
inneren Religionsstreitigkeiten verzehren zu lassen. Gerade 
aus diesen Gründen aber ist die Aufrichtung einer starken 
Zentralgewalt im Sinne der unbedingten Autorität der 
Führung in der Bewegung nötig. Nur durch sie allein kann 
solchen verderblichen Elementen das Handwerk gelegt 
werden. Allerdings sind aus diesem Grunde die größten 
Feinde einer einheitlichen, stramm geführten und geleiteten 
Bewegung auch in den kreisen dieser völkischen Ahasvere 
zu finden. Sie hassen in der Bewegung die Macht, die 
ihren Unfug steuert. 

Nicht umsonst hat die junge Bewegung sich einst auf ein 
bestimmtes Programm festgelegt und das Wort „völkisch" 
dabei nicht verwendet. Der Begriff völkisch ist infolge seiner 
begrifflichen Unbegrenztheit keine mögliche Grundlage für 
eine Bewegung und bietet keinen Maßstab für die Zuge- 
hörigkeit zu einer solchen. Je undefinierbarer dieser Begriff 
praktisch ist, je mehr und umfangreichere Deutungen er 
zuläßt, um so mehr steigt aber auch die Möglichkeit, sich 



398 Ablehnung des Wortes „völkisch" 

auf ihn zu berufen. Die Einschiebung eines derart un- 
bestimmbaren und so vielseitig auslegbaren Begriffes in 
den politischen Kampf führt zur Aufhebung jeder strammen 
Kampfgemeinschaft, da diese es nicht verträgt, dem ein- 
zelnen die Bestimmung seines Glaubens und Wollens selbst 
zu überlassen. 

Es ist auch schandbar, wer sich heute alles mit dem Wort 
„völkisch" auf der Kappe herumtreibt, wieviel Leute ihre 
eigene Auffassung über diesen Begriff haben. Ein bekann- 
ter Professor in Bayern, ein berühmter Kämpfer mit gei- 
stigen Waffen und reich an ebenso geistigen Marschleistun- 
gen nach Berlin, setzt den Begriff völkisch monarchischer 
Einstellung gleich. Das gelahrte Haupt hat freilich bisher 
vergessen, die Identität unserer deutschen Monarchen der 
Vergangenheit mit einer völkischen Auffassung von heute 
näher zu erklären, ich fürchte auch, daß dies dem Herrn 
schwer gelingen würde. Denn etwas Unvölkischeres als die 
meisten deutschen monarchischen Staatsgebilde kann man 
sich gar nicht vorstellen. Wäre es anders, sie wären nie 
verschwunden, oder aber ihr Verschwinden böte den Beweis 
für die Unrichtigkeit der völkischen Weltanschauung. 

So legt jeder diesen Begriff aus, wie er es eben versteht. 
Als Grundlage aber für eine politische Kampfbewegung 
kann eine solche Vielfältigkeit der Meinungen nicht in 
Frage kommen. 

Von der Weltfremdheit und besonders der Unkenntnis 
der Volksseele dieser völkischen Johannesse des zwanzigsten 
Jahrhunderts will ich dabei ganz absehen. Sie wird ge- 
nügend illustriert durch die Lächerlichkeit, mit der sie von 
links behandelt werden. Man läßt sie schwätzen und lacht 
sie aus. 

Wer es aber auf dieser Welt nicht fertigbringt, von 
seinen Gegnern gehaßt zu werden, scheint mir als Freund 
nicht viel wert zu sein. Und so war auch die Freundschaft 
dieser Menschen für unsere Bewegung nicht nur 
wertlos, sondern immer nur schädlich, und es war auch der 
Hauptgrund, warum wir erstens den Namen „Partei" 
wählten - wir durften hoffen, daß dadurch allein schon ein 



„Geistige Waffen" - „Stille Arbeiter" 399 

ganzer Schwärm dieser völkischen Schlafwandler von uns 
zurückgescheucht würde -, und warum wir uns zweitens als 
Nationalsozialistische Deutsche Arbei- 
terpartei bezeichneten. 

Der erste Ausdruck brachte uns die Altertumsschwärmer 
vom Leibe, die Wortmenschen und äußerlichen Sprüche- 
klopfer der sogenannten „völkischen Idee", der zweite aber 
befreite uns von dem ganzen Troß der Ritter mit dem „gei- 
stigen Schwert", all der Jammerlappen, die die „geistige 
Waffe" als Schutzschild vor ihre tatsächliche Feigheit halten. 

Es versteht sich von selbst, daß wir in der Folgezeit be- 
sonders von diesen letzteren am schwersten angegriffen wur- 
den, natürlich nicht tätlich, sondern nur mit der Feder, wie 
dies von einem solchen völkischen Gänsekiel ja nicht anders 
zu erwarten ist. Für sie hatte freilich unser Grundsatz „Wer 
uns mit Gewalt entgegentritt, dessen erwehren wir uns 
mit Gewalt" etwas Unheimliches an sich. Sie warfen uns 
nicht nur die rohe Anbetung des Gummiknüppels, sondern 
den mangelnden Geist an sich auf das eindringlichste vor. 
Daß in einer Volksversammlung ein Demosthenes zum 
Schweigen gebracht werden kann, wenn nur fünfzig Idi- 
oten, gestützt auf ihr Mundwerk und ihre Fäuste, ihn nicht 
sprechen lassen wollen, berührt einen solchen Quacksalber 
allerdings nicht im geringsten. Die angeborene Feigheit 
läßt ihn nie in eine solche Gefahr geraten. Denn er 
arbeitet nicht „lärmend" und „aufdringlich", sondern im 
„stillen". 

Ich kann auch heute unsere junge Bewegung nicht genug 
davor warnen, in das Netz dieser sogenannten „stillen 
Arbeiter" zu kommen. Sie sind nicht nur Feiglinge, sondern 
auch immer Nichtskönner und Nichtstuer. Ein Mensch, der 
eine Sache weiß, eine gegebene Gefahr kennt, die Möglich- 
keit einer Abhilfe mit seinen Augen sieht, hat die ver- 
dammte Pflicht und Schuldigkeit, nicht im „stillen" zu 
arbeiten, sondern vor der Öffentlichkeit gegen das Übel 
auf- und für seine Heilung einzutreten. Tut er das nicht, 
dann ist er ein pflichtvergessener, elender Schwächling, der 
entweder aus Feigheit versagt oder aus Faulheit und Un- 



400 Die erste große Massenversammlung 

vermögen. Der Großteil dieser „stillen Arbeiter" aber tut 
meistens nur so, als ob er weiß Gott was wüßte. Sie alle 
können nichts, versuchen aber die ganze Welt mit ihren 
Kunststücken zu bemogeln; sie sind faul, erwecken aber mit 
ihrer behaupteten „stillen" Arbeit den Eindruck einer eben- 
so enormen wie emsigen Tätigkeit, kurz und gut, sie sind 
Schwindler, politische Schiebernaturen, denen die ehrliche 
Arbeit der anderen verhaßt ist. Sobald solch ein völkischer 
Nachtfalter sich auf den Wert der „Stille" beruft, kann man 
tausend gegen eins wetten, daß er in ihr nicht produziert, 
sondern stiehlt, stiehlt von den Früchten der Arbeit anderer. 

Dazu kommt noch die Arroganz, Einbildung und Frech- 
heit, mit der dieses praktisch faulenzende, lichtscheue Ge- 
sindel über die Arbeit anderer herfällt, von oben herunter 
zu bekritteln versucht und so in Wahrheit den Todfeinden 
unseres Volkes hilft. 

Jeder letzte Agitator, der den Mut besitzt, auf dem Wirts- 
tisch unter seinen Gegnern stehend, männlich und offen seine 
Anschauung zu vertreten, leistet mehr als tausend dieser 
verlogenen, heimtückischen Duckmäuser. Er wird sicherlich 
den einen oder anderen bekehren und für die Bewe- 
gung gewinnen können. Man wird seine Leistung über- 
prüfen und am Erfolg die Wirkung seines Tuns festzustel- 
len vermögen. Nur die feigen Schwindler, die ihre Arbeit 
in der „Stille" preisen und sich mithin in den Schutzmantel 
einer zu verachtenden Anonymität hüllen, taugen zu gar 
nichts und dürfen im wahrsten Sinne des Wortes als Droh- 
nen bei der Wiedererhebung unseres Volkes gelten. 

Anfang des Jahres 1920 trieb ich zur Abhaltung der 
ersten ganz großen Massenversammlung. Darüber kam es 
zu Meinungsverschiedenheiten. Einige führende Parteimit- 
glieder hielten die Sache für viel zu verfrüht und damit 
in der Wirkung für verhängnisvoll. Die rote Presse hatte 
sich mit uns zu beschäftigen angefangen, und wir waren 
glücklich genug, allmählich ihren Haß zu erringen. Wir 



Die erste große Massenversammlung 401 

hatten begonnen, als Diskussionsredner in anderen Ver- 
sammlungen aufzutreten. Natürlich wurde jeder von uns 
sofort niedergeschrien. Allein ein Erfolg war doch vorhan- 
den. Man lernte uns kennen, und in eben dem Maße, in 
dem sich diese Kenntnis vertiefte, stiegen die Abneigung 
und Wut gegen uns. So durften wir also wohl darauf hof- 
fen, bei unserer ersten großen Massenversammlung den 
Besuch unserer Freunde aus dem roten Lager in größtem 
Umfange zu erhalten. 

Auch ich war mir klar darüber, daß die Wahrscheinlich- 
keit einer Sprengung groß war. Allein der Kampf mußte 
eben ausgetragen werden, wenn nicht jetzt, dann einige 
Monate später. Es lag ganz bei uns, schon am ersten Tage 
die Bewegung durch blindes, rücksichtsloses Einstehen für 
sie zu verewigen. Ich kannte vor allem die Mentalität der 
Anhänger der roten Seiten nur zu gut, um nicht zu wissen, 
daß ein Widerstand bis zum äußersten am ehesten nicht 
nur Eindruck erweckt, sondern auch Anhänger gewinnt. Zu 
diesem Widerstand mußte man eben entschlossen sein. 

Der damalige erste Vorsitzende der Partei, Herr Harrer, 
glaubte, meinen Ansichten in bezug auf den gewählten Zeit- 
punkt nicht beipflichten zu können und trat in der Folge 
als ehrlicher, aufrechter Mann von der Führung der Be- 
wegung zurück. An seine Stelle rückte Herr Anton Drexler 
vor. Ich selber hatte mir die Organisation der Propaganda 
vorbehalten und führte diese nun auch rücksichtslos durch. 

So wurde als Termin für die Abhaltung 
dieser ersten großen Volksversammlung 
der noch unbekannten Bewegung der 24. Fe- 
bruar 1920 bestimmt. 

Die Vorbereitungen leitete ich persönlich. Sie waren sehr 
kurz. Überhaupt wurde der ganze Apparat darauf ein- 
gestellt, blitzschnelle Entscheidungen treffen zu können. Zu 
Tagesfragen sollte in Form von Massenversammlungen 
innerhalb vierundzwanzig Stunden Stellung genommen 
werden. Die Ankündigung derselben sollte durch Plakate 
und Flugblätter stattfinden, deren Tendenz nach jenen 
Gesichtspunkten bestimmt wurde, die ich in meiner Ab- 



402 Verbrüderung zwischen Marxismus und Zentrum 

handlung über Propaganda in groben Umrissen schon 
niedergelegt habe. Wirkung auf die breite Masse, Konzen- 
tration auf wenige Punkte, immerwährende Wiederholung 
derselben, selbstsichere und selbstbewußte Fassung des 
Textes in den Formen einer apodiktischen Behauptung, 
größte Beharrlichkeit in der Verbreitung und Geduld im 
Erwarten der Wirkung. 

Als Farbe wurde grundsätzlich Rot gewählt, sie ist die 
aufpeitschendste und mußte unsere Gegner am meisten 
empören und aufreizen und uns ihnen dadurch so oder so 
zur Kenntnis und in Erinnerung bringen. 

In der Folgezeit zeigte sich auch in Bayern die innere 
Verbrüderung zwischen Marxismus und Zentrum als po- 
litischer Partei am klarsten in der Sorge, mit der die hier 
regierende Bayerische Volkspartei die Wirkung unserer 
Plakate auf die roten Arbeitermassen abzuschwächen und 
später zu unterbinden versuchte. Fand die Polizei kein 
anderes Mittel, dagegen einzuschreiten, dann mußten zum 
Schluß „Verkehrsrücksichten" herhalten, bis man endlich 
dem inneren, stillen, roten Bundesgenossen zuliebe unter 
fördernder Beihilfe einer sogenannten Deutschnationalen 
Volkspartei diese Plakate, die Hunderttausende von inter- 
nationalen, verhetzten und verführten Arbeitern dem deut- 
schen Volkstum wiedergegeben hatten, gänzlich verbot. 
Diese Plakate - der ersten und zweiten Auflage dieses 
Buches als Anhang beigefügt - können am besten das ge- 
waltige Ringen belegen, das die junge Bewegung in dieser 
Zeit ausfocht. Sie werden aber auch vor der Nachwelt Zeug- 
nis ablegen für das Wollen und die Aufrichtigkeit unserer 
Gesinnung und die Willkür sogenannter nationaler Behör- 
den in der Unterbindung einer ihnen unbequemen Nationa- 
lisierung und damit Wiedergewinnung breiter Massen un- 
seres Volkstums. 

Sie werden auch die Meinung zerstören helfen, als ob 
sich in Bayern eine nationale Regierung an sich befände, 
und vor der Nachwelt noch dokumentieren, daß das natio- 
nale Bayern der Jahre 1919, 1920, 1921, 1922 und 1923 
nicht etwa das Ergebnis einer nationalen Regierung war, 



Pöhner und Frick 403 



sondern diese nur gezwungenerweise Rücksicht nehmen 
mußte auf ein allmählich national fühlendes Volk. 

Die Regierungen selber taten alles, um diesen Gesun- 
dungsprozeß zu unterbinden und unmöglich zu machen. 

Zwei Männer nur muß man dabei ausnehmen: 

Der damalige Polizeipräsident Ernst Pöhner und 
sein treuer Berater, Oberamtmann Frick, waren die ein- 
zigen höheren Staatsbeamten, die schon damals den Mut 
besaßen, erste Deutsche und dann Beamte zu sein. An ver- 
antwortlicher Stelle war Ernst Pöhner der einzige, der 
nicht um die Gunst der Massen buhlte, sondern sich seinem 
Volkstum verantwortlich fühlte und bereit war, für die 
Wiederauferstehung des von ihm über alles geliebten 
deutschen Volkes alles, auch, wenn nötig, seine persönliche 
Existenz auf das Spiel zu setzen und zu opfern. Er war 
denn auch immer der lästige Dorn in den Augen jener 
käuflichen Beamtenkreaturen, denen nicht das Interesse 
ihres Volkes und die notwendige Freiheitserhebung des- 
selben, sondern der Befehl des Brotgebers das Gesetz des 
Handelns vorschreibt, ohne Rücksicht auf das Wohl des 
ihnen anvertrauten nationalen Gutes. 

Vor allem aber gehörte er zu jenen Naturen, die im Unter- 
schied zu den meisten Hütern unserer sogenannten Staats- 
autorität die Feindschaft der Volks- und Landesverräter 
nicht fürchten, sondern sie als selbstverständliches Gut des 
anständigen Mannes ersehnen. Der Haß von Juden und 
Marxisten, ihr ganzer Kampf voll Lüge und Verleumdung 
waren für ihn das einzige Glück inmitten des Elends 
unseres Volkes. 

Ein Mann von granitener Redlichkeit, von antiker 
Schlichtheit und deutscher Geradlinigkeit, bei dem das 
Wort „lieber tot als Sklave" keine Phrase, sondern den 
Inbegriff seines ganzen Wesens bildete. 

Er und sein Mitarbeiter Dr. Frick sind in meinen Augen 
die einzigen, die von Männern in staatlicher Stellung das 
Recht besitzen, als Mithersteller eines nationalen Bayerns 
zu gelten. - 

Ehe wir nun zur Abhaltung unserer ersten Massen- 



404 Die Abfassung des Programms 

Versammlung schritten, mußte nicht nur das notwendige 
Propagandamaterial bereitgestellt, sondern mußten auch 
die Leitsätze des Programms im Druck niedergelegt werden. 

Ich werde die Richtlinien, die uns besonders bei der Ab- 
fassung des Programms vor Augen schwebten, im zweiten 
Bande auf das gründlichste entwickeln. Ich will hier nur 
feststellen, daß es geschaffen wurde, nicht nur um der 
jungen Bewegung Form und Inhalt zu geben, sondern um 
deren Ziele der breiten Masse verständlich zu machen. 

Aus sogenannten Intelligenzkreisen hat man darüber ge- 
witzelt und gespöttelt und versucht, daran Kritik zu üben. 
Die Richtigkeit unserer damaligen Auffassung aber hat die 
Wirksamkeit dieses Programms ergeben. 

Ich habe in diesen Jahren Dutzende von neuen Be- 
wegungen erstehen sehen, und sie alle sind wieder spur- 
los verschwunden und verweht. Eine einzige blieb: die 
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Und heute 
hege ich mehr denn je die Überzeugung, daß man sie be- 
kämpfen kann, daß man versuchen mag, sie zu lähmen, daß 
kleine Parteiminister uns die Rede und das Wort ver- 
bieten können, den Sieg unserer Gedanken werden sie 
nimmermehr verhindern. 

Wenn von der gesamten heutigen Staatsauffassung und 
ihren Vertretern nicht einmal die Erinnerung mehr die 
Namen künden wird, werden die Grundlagen des national- 
sozialistischen Programms die Fundamente eines kommen- 
den Staates sein. 

Die viermonatige Versammlungstätigkeit vor dem Ja- 
nuar 1920 hatte uns langsam die kleinen Mittel erübrigen 
lassen, die wir zur Drucklegung unserer ersten Flugschrift, 
unseres ersten Plakates und unseres Programms be- 
nötigten. 

Wenn ich als Abschluß dieses Bandes diese erste große 
Massenversammlung der Bewegung nehme, so geschieht es 
deshalb, weil mit ihr die Partei den engen Rahmen eines 
kleinen Vereins sprengte und an Stelle dessen zum ersten 
Male bestimmend auf den gewaltigen Faktor unserer Zeit, 
die öffentliche Meinung, einwirkte. 



Erstmalige Erläuterung des Programms 405 

Ich selbst besaß damals nur eine einzige Sorge: Wird 
der Saal gefüllt sein, oder werden wir vor gähnender 
Leere sprechen? Ich hatte die felsenfeste innere Über- 
zeugung, daß, wenn die Menschen kommen würden, der 
Tag ein großer Erfolg für die junge Bewegung werden 
müsse. So bangte ich dem damaligen Abend entgegen. 

Um 7.30 Uhr sollte die Eröffnung stattfinden. 7.15 Uhr 
betrat ich den Festsaal des Hofbräuhauses am Platzl in 
München, und das Herz wollte mir fast vor Freude zer- 
springen. Der gewaltige Raum, denn gewaltig kam er mir 
damals noch vor, war mit Menschen überfüllt, Kopf an 
Kopf, eine fast zweitausend Menschen zählende Masse. Und 
vor allem - es waren die gekommen, an die wir uns 
wenden wollten. Weit über die Hälfte des Saales schien 
von Kommunisten und Unabhängigen besetzt. Unsere erste 
große Kundgebung war von ihnen zu einem schnellen Ende 
bestimmt worden. 

Allein es kam anders. Nachdem der erste Redner geendet, 
ergriff ich das Wort. Wenige Minuten später hagelte es 
Zwischenrufe, im Saal kam es zu heftigen Zusammenstößen. 
Eine Handvoll treuester Kriegskameraden und sonstige An- 
hänger schlugen sich mit den Störenfrieden und vermochten 
erst nach und nach einige Ruhe herzustellen. Ich konnte 
wieder weitersprechen. Nach einer halben Stunde begann 
der Beifall das Schreien und Brüllen langsam zu übertönen. 

Und nun ergriff ich das Programm und begann es zum 
ersten Male zu erläutern. 

Von Viertelstunde zu Viertelstunde wurden die Zwischen- 
rufe mehr und mehr zurückgedrängt von beifälligen Zu- 
rufen. Und als ich endlich die fünfundzwanzig Thesen 
Punkt für Punkt der Masse vorlegte und sie bat, selber das 
Urteil über sie zu sprechen, da wurden sie nun eine nach 
der anderen unter immer mehr sich erhebendem Jubel an- 
genommen, einstimmig und immer wieder einstimmig, und 
als die letzte These so den Weg zum Herzen der Masse ge- 
funden hatte, stand ein Saal voll Menschen vor mir, zu- 
sammengeschlossen von einer neuen Überzeugung, einem 
neuen Glauben, von einem neuen Willen. 



406 Die Bewegung nimmt ihren Lauf 

Als sich nach fast vier Stunden der Raum zu leeren be- 
gann und die Masse sich Kopf an Kopf wie ein langsamer 
Strom dem Ausgange zuwälzte, zuschob und zudrängte, da 
wußte ich, daß nun die Grundsätze einer Bewegung in das 
deutsche Volk hinauswanderten, die nicht mehr zum Ver- 
gessen zu bringen waren. 

Ein Feuer war entzündet, aus dessen Glut dereinst das 
Schwert kommen muß, das dem germanischen Siegfried die 
Freiheit, der deutschen Nation das Leben wiedergewinnen 
soll. 

Und neben der kommenden Erhebung fühlte ich die Göt- 
tin der unerbittlichen Rache schreiten für die Meineidstat 
des 9. November 1918. 

So leerte sich langsam der Saal. 

Die Bewegung nahm ihren Lauf. 



Zweiter Band 



DIE NATIONALSOZIALISTISCHE 

BEWEGUNG 



1. Kapitel 
Weltanschauung und Partei 

Am 24. Februar 1920 fand die erste große öffentliche 
Massenkundgebung unserer jungen Bewegung statt. Im 
Festsaale des Münchener Hofbräuhauses wurden die fünf- 
undzwanzig Thesen des Programms der neuen Partei einer 
fast zweitausendköpfigen Menschenmenge unterbreitet und 
jeder einzelne Punkt unter jubelnder Zustimmung ange- 
nommen. 

Damit waren die ersten Leitsätze und Richtlinien für 
einen Kampf ausgegeben, der mit einem wahren Wust 
althergebrachter Vorstellungen und Ansichten und mit un- 
klaren, ja schädlichen Zielen aufräumen sollte. In die faule 
und feige bürgerliche Welt sowohl wie in den Siegeszug 
der marxistischen Eroberungswelle sollte eine neue Macht- 
erscheinung treten, um den Wagen des Verhängnisses in 
letzter Stunde zum Stehen zu bringen. 

Es war selbstverständlich, daß die neue Bewegung nur 
dann hoffen durfte, die nötige Bedeutung und die erforder- 
liche Stärke für diesen Riesenkampf zu erhalten, wenn es 
ihr vom ersten Tage an gelang, in den Herzen ihrer An- 
hänger die heilige Überzeugung zu erwecken, daß mit ihr 
dem politischen Leben nicht eine neue Wahlparole ok- 
troyiert, sondern eine neue Weltanschauung von prinzi- 
pieller Bedeutung vorangestellt werden sollte. 

Man muß bedenken, aus welch jämmerlichen Gesichts- 
punkten heraus sogenannte „Parteiprogramme" normal zu- 
sammengeschustert und von Zeit zu Zeit aufgeputzt oder um- 
gemodelt werden. Man muß die treibenden Motive beson- 
ders dieser bürgerlichen „Programm-Kommissionen" unter 
die Lupe nehmen, um das nötige Verständnis für die Be- 



410 Die bürgerlichen „Programm-Kommissionen" 

wertung dieser programmatischen Ausgeburten zu ge- 
winnen. 

Es ist immer eine einzige Sorge, die entweder zur Neu- 
aufstellung von Programmen oder zur Abänderung der 
vorhandenen antreibt: die Sorge um den nächsten Wahl- 
ausgang. Sowie in den Köpfen dieser parlamentarischen 
Staatskünstler die Ahnung aufzudämmern pflegt, daß das 
liebe Volk wieder einmal revoltiert und aus dem Geschirr 
des alten Parteiwagens entschlüpfen will, pflegen sie die 
Deichseln neu anzustreichen. Dann kommen die Stern- 
gucker und Parteiastrologen, die sogenannten „erfahrenen" 
und „gewiegten", meistens alten Parlamentarier, die in 
ihrer „reichen politischen Lehrzeit" sich analoger Fälle zu 
erinnern vermögen, da auch der Masse endlich die Stränge 
ihrer Geduld gerissen, und die Ähnliches wieder bedroh- 
lich nahe fühlen. So greifen sie zu den alten Rezepten, 
bilden eine „Kommission", horchen im lieben Volk herum, 
beschnüffeln die Presseerzeugnisse und riechen so langsam 
heraus, was das liebe breite Volk gerne haben möchte, was 
es verabscheut und was es sich erhofft. Jede Berufsgruppe, 
ja jede Angestelltenklasse wird genauestens studiert und 
in ihren geheimsten Wünschen erforscht. Auch die „üblen 
Schlagworte" der gefährlichen Opposition pflegen dann 
plötzlich reif für eine Überprüfung zu sein und tauchen 
nicht selten, zum größten Erstaunen ihrer ursprünglichen 
Erfinder und Verbreiter, ganz harmlos, wie selbstverständ- 
lich im Wissensschatz der alten Parteien auf. 

So treten die Kommissionen zusammen und „revidie- 
ren" das alte Programm und verfassen ein neues (die 
Herrschaften wechseln dabei ihre Überzeugungen wie der 
Soldat im Felde das Hemd, nämlich immer dann, wenn 
das alte verlaust ist!), in dem jedem das Seine gegeben 
wird. Der Bauer erhält den Schutz seiner Landwirtschaft, 
der Industrielle den Schutz seiner Ware, der Konsument 
den Schutz seines Einkaufs, den Lehrern werden die Ge- 
hälter erhöht, den Beamten die Pensionen aufgebessert, 
Witwen und Waisen soll in reichlichstem Umfang der 
Staat versorgen, der Verkehr wird gefördert, die Tarife 



Aus dem Leben der „Volksvertreter" 411 

sollen erniedrigt und gar die Steuern, wenn auch nicht 
ganz, aber doch so ziemlich abgeschafft werden. Manches 
Mal passiert es, daß man doch einen Stand vergessen oder 
von einer im Volk umlaufenden Forderung nichts gehört 
hat. Dann wird in letzter Eile noch hineingeflickt, was 
Platz hat, so lange, bis man mit gutem Gewissen hoffen 
darf, das Heer der normalen Spießer samt ihren Wei- 
bern wieder beruhigt zu haben und hochbefriedigt zu sehen. 
So kann man innerlich also gerüstet im Vertrauen auf den 
lieben Gott und die unerschütterliche Dummheit der wahl- 
berechtigten Bürger den Kampf um die „neue Gestaltung" 
des Reiches, wie man sagt, beginnen. 

Wenn dann der Wahltag vorbei ist, die Parlamentarier 
für fünf Jahre ihre letzte Volksversammlung abgehalten 
haben, um sich von der Dressur des Plebs hinweg zur Er- 
füllung ihrer höheren und angenehmeren Aufgaben zu be- 
geben, löst sich die Programm-Kommission wieder auf, und 
der Kampf um die Neugestaltung der Dinge erhält wieder 
die Formen des Ringens um das liebe tägliche Brot: Die- 
ses heißt aber beim Parlamentarier Diäten. 

Jeden Morgen begibt sich der Herr Volksvertreter in 
das Hohe Haus, und wenn schon nicht ganz hinein, so doch 
wenigstens bis in den Vorraum, in dem die Anwesen- 
heitslisten aufliegen. Im angreifenden Dienste für das 
Volk trägt er dort seinen Namen ein und nimmt als wohl- 
verdienten Lohn eine kleine Entschädigung für diese fort- 
gesetzten zermürbenden Anstrengungen entgegen. 

Nach vier Jahren oder in sonstigen kritischen Wochen, 
wenn die Auflösung der parlamentarischen Körperschaften 
wieder näher und näher zu rücken beginnt, beschleicht die 
Herren plötzlich ein unbezähmbarer Drang. So wie der 
Engerling nicht anders kann, als sich zum Maikäfer zu 
verwandeln, so verlassen diese parlamentarischen Raupen 
das große gemeinsame Puppenhaus und flattern flügel- 
begabt hinaus zum lieben Volk. Sie reden wieder zu 
ihren Wählern, erzählen von der eigenen enormen Arbeit 
und der böswilligen Verstocktheit der anderen, bekommen 
aber von der unverständigen Masse statt dankbaren Bei- 



412 Marxismus und demokratisches Prinzip 

falls manches Mal rohe, ja gehässige Ausdrücke an den 
Kopf geworfen. Wenn sich diese Undankbarkeit des Volkes 
bis zu einem gewissen Grade steigert, kann nur ein einziges 
Mittel helfen: der Glanz der Partei muß wieder aufge- 
bügelt werden, das Programm ist verbesserungsbedürftig, 
die Kommission tritt erneut ins Leben, und der Schwin- 
del beginnt von vorne. Bei der granitenen Dummheit 
unserer Menschheit wundere man sich nicht über den Er- 
folg. Geleitet durch seine Presse und geblendet vom neuen 
verlockenden Programm, kehrt das „bürgerliche" wie das 
„proletarische" Stimmvieh wieder in den gemeinsamen 
Stall zurück und wählt seine alten Betrüger. 

Damit verwandelt sich der Volksmann und Kandidat 
der schaffenden Stände wieder in die parlamentarische 
Raupe und frißt sich am Gezweig des staatlichen Lebens 
weiter dick und fett, um sich nach vier Jahren wieder in 
den schillernden Schmetterling zu verwandeln. 

Es gibt kaum etwas Deprimierenderes, als diesen ganzen 
Vorgang in der nüchternen Wirklichkeit zu beobachten, die- 
sem sich immer wiederholenden Betrug zusehen zu müssen. 

Aus solchem geistigen Nährboden schöpft man im bürger- 
lichen Lager freilich nicht die Kraft, den Kampf mit der 
organisierten Macht des Marxismus auszufechten. 

Ernstlich denken die Herrschaften auch nie daran. Bei 
aller zugegebenen Beschränktheit und geistigen Inferiorität 
dieser parlamentarischen Medizinmänner der weißen Rasse 
können sie selber sich nicht im Ernste einbilden, auf dem 
Wege einer westlichen Demokratie gegen eine Lehre anzu- 
kämpfen, für welche die Demokratie samt allem, was drum 
und dran hängt, im besten Falle ein Mittel zum Zweck 
ist, das man anwendet, um den Gegner zu lähmen und 
dem eigenen Handeln freie Bahn zu schaffen. Wenn näm- 
lich ein Teil des Marxismus zur Zeit auch in äußerst 
kluger Weise die unzertrennliche Verbindung mit den 
Grundsätzen der Demokratie vorzutäuschen versucht, dann 
möge man doch gefälligst nicht vergessen, daß in der kriti- 
schen Stunde diese Herrschaften sich um eine Majoritäts- 
entscheidung nach westlich-demokratischer Auffassung einen 



Marxismus und demokratisches Prinzip 413 

Pfifferling kümmerten! Es war dies in den Tagen, als 
die bürgerlichen Parlamentarier die Sicherheit des Reiches 
in der monumentalen Borniertheit einer überragenden 
Zahl garantiert sahen, während der Marxismus mit einem 
Haufen von Straßenstrolchen, Deserteuren, Parteibonzen 
und jüdischen Literaten kurzerhand die Macht an sich riß, 
der Demokratie solcher Art eine schallende Maulschelle 
versetzend. Daher gehört dann schon das gläubige Gemüt 
eines solchen parlamentarischen Zauberpriesters bürger- 
licher Demokratie dazu, um zu wähnen, daß jetzt oder in 
der Zukunft die brutale Entschlossenheit der Interessenten 
und Träger jener Weltpest einfach durch die Beschwö- 
rungsformeln eines westlichen Parlamentarismus gebannt 
werden könnte. 

Der Marxismus wird so lange mit der Demokratie mar- 
schieren, bis es ihm gelingt, auf indirektem Wege für seine 
verbrecherischen Ziele sogar noch die Unterstützung der von 
ihm zur Ausrottung bestimmten nationalen geistigen Welt 
zu erhalten. Käme er aber heute zu der Überzeugung, daß 
sich aus dem Hexenkessel unserer parlamentarischen Demo- 
kratie plötzlich eine Majorität zusammenbrauen ließe, die 
- und wäre es nur auf Grund ihrer zur Gesetzgebung be- 
rechtigten Mehrzahl - dem Marxismus ernstlich auf den 
Leib rückte, so wäre das parlamentarische Gaukelspiel gleich 
zu Ende. Die Bannerträger der roten Internationale wür- 
den dann, statt einen Appell an das demokratische Gewis- 
sen zu richten, einen brandigen Aufruf an die proletari- 
schen Massen erlassen, und ihr Kampf würde sich mit 
einem Schlage aus der muffigen Luft der Sitzungsäle un- 
serer Parlamente in die Fabriken und auf die Straße ver- 
pflanzen. Die Demokratie wäre damit sofort erledigt; und 
was der geistigen Gelenkigkeit jener Völkerapostel in den 
Parlamenten mißlungen war, würde dem Brecheisen und 
Schmiedehammer aufgehetzter Proletariermassen genau wie 
im Herbst 1918 blitzschnell gelingen: sie würden der bür- 
gerlichen Welt schlagend beibringen, wie verrückt es ist, 
sich einzubilden, mit dem Mittel westlicher Demokratie 
der jüdischen Welteroberung entgegentreten zu können. 



414 Weltanschauung gegen Weltanschauung 

Wie gesagt, es gehört schon ein gläubiges Gemüt dazu, 
sich einem solchen Spieler gegenüber an Regeln zu binden, 
die für diesen immer nur zum Bluff oder zum eigenen 
Nutzen vorhanden sind, die über Bord geschleudert werden, 
sobald sie seinen Vorteilen nicht mehr entsprechen. 

Da bei allen Parteien sogenannter bürgerlicher Einstel- 
lung in Wirklichkeit der ganze politische Kampf tatsächlich 
nur im Raufen um einzelne Parlamentsstühle besteht, wo- 
bei Einstellungen und Grundsätze je nach Zweckmäßigkeit 
wie Sandballast über Bord geworfen werden, so sind na- 
türlich auch ihre Programme demgemäß abgestimmt und 
- umgekehrt allerdings - auch ihre Kräfte danach be- 
messen. Es fehlt ihnen jene große magnetische Anziehung, 
der die breite Masse immer nur folgt unter dem zwingen- 
den Eindruck großer überragender Gesichtspunkte, der 
Überzeugungskraft bedingungslosen Glaubens an dieselben, 
gepaart mit dem fanatischen Kampfesmut, für sie einzu- 
stehen. 

In einer Zeit aber, in welcher die eine 
Seite, ausgerüstet mit allen Waffen einer, 
wenn auch tausendmal verbrecherischen 
Weltanschauung zum Sturm gegen eine be- 
stehende Ordnung antritt, kann die andere 
ewig nur Widerstand leisten, wenn sich die- 
ser selber in den Formen eines neuen, in 
unserem Falle politischen Glaubens klei- 
det und die Parole einer schwächlichen und 
feigen Verteidigung mit dem Schlachtruf 
mutigen und brutalen Angriffs vertauscht. 
Wenn daher heute unserer Bewegung, besonders von Seiten 
sogenannter nationaler bürgerlicher Minister, etwa des 
bayerischen Zentrums, der geistreiche Vorwurf gemacht 
wird, daß sie auf eine „Umwälzung" hinarbeite, kann 
man einem solchen politisierenden Dreikäsehoch nur eines 
zur Antwort geben: Jawohl, wir versuchen nachzuholen, 
was ihr in eurer verbrecherischen Dummheit versäumt 
habt. Ihr habt durch die Grundsätze eures parlamentari- 
schen Kuhhandels mitgeholfen, die Nation in den Abgrund 



Der Begriff „völkisch" 415 

zu zerren; wir aber werden, und zwar in den Formen des 
Angriffs, durch die Aufstellung einer neuen Weltanschau- 
ung und der fanatischen unerschütterlichen Verteidigung 
ihrer Grundsätze unserem Volke die Stufen bauen, auf 
denen es dereinst in den Tempel der Freiheit wieder empor- 
zusteigen vermag. 

So mußte in der Gründungszeit unserer Bewegung 
unsere erste Sorge immer darauf gerichtet sein, zu ver- 
hüten, daß aus der Heerschar von Kämpfern für eine neue 
hehre Überzeugung bloß ein Verein zur Förderung parla- 
mentarischer Interessen werde. 

Die erste vorbeugende Maßnahme war die Schaffung 
eines Programms, das zielmäßig zu einer Entwicklung 
drängte, die schon in ihrer inneren Größe geeignet erschien, 
die kleinen und schwächlichen Geister unserer heutigen Par- 
teipolitiker zu verscheuchen. 

Wie richtig aber unsere Auffassung von der Notwendig- 
keit programmatischer Zielpunkte schärfster Prägung ge- 
wesen ist, ging am klarsten aus jenen verhängnisvollen 
Gebrechen hervor, die endlich zum Zusammenbruche Deutsch- 
lands geführt haben. 

Aus ihrer Erkenntnis heraus mußte sich eine neue 
Staatsauffassung formen, die selber wieder ein wesentlicher 
Bestandteil einer neuen Weltauffassung ist. 

Ich habe mich schon im ersten Bande mit dem Worte 
„völkisch" insofern auseinandergesetzt, als ich feststellen 
mußte, daß diese Bezeichnung begrifflich zu wenig begrenzt 
erscheint, um die Bildung einer geschlossenen Kampfgemein- 
schaft zu gestatten. Alles Mögliche, das in allem Wesent- 
lichen seiner Ansichten himmelweit auseinanderklafft, treibt 
sich zur Zeit unter dem Deckwort „völkisch" herum. Ehe 
ich daher nun zu den Aufgaben und Zielen der National- 
sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei übergehe, möchte 
ich eine Klarstellung des Begriffes „völkisch" sowie seines 
Verhältnisses zur Parteibewegung geben. 



416 Der Begriff „völkisch" 

Der Begriff „völkisch" erscheint so wenig klar abgesteckt, 
so vielseitig auslegbar und so unbeschränkt in der prak- 
tischen Anwendung wie etwa das Wort „religiös". Man 
kann sich schwer auch unter dieser Bezeichnung etwas 
ganz Präzises vorstellen, weder im Sinne gedanklichen 
Erfassens noch in dem praktischen Auswirkens. Faßlich 
vorstellbar wird die Bezeichnung „religiös" erst in dem 
Augenblick, in dem sie sich mit einer bestimmt umrissenen 
Form dieses ihres Auswirkens verbindet. Es ist eine sehr 
schöne, meist aber auch billige Erklärung, wenn man das 
Wesen eines Menschen als „tiefinnerlich religiös" bezeich- 
net. Es wird vielleicht auch einige wenige geben, die durch 
eine solche ganz allgemeine Bezeichnung sich selbst befrie- 
digt fühlen, ja, denen sie sogar ein bestimmtes, mehr oder 
minder scharfes Bild jenes Seelenzustandes zu vermitteln 
vermag. Da aber die große Masse weder aus Philosophen 
noch aus Heiligen besteht, wird eine solche ganz allgemeine 
religiöse Idee dem einzelnen meist nur die Freigabe seines 
individuellen Denkens und Handelns bedeuten, ohne indes 
zu jener Wirksamkeit zu führen, welche der religiösen inne- 
ren Sehnsucht in dem Augenblicke erwächst, da sich aus der 
rein metaphysischen unbegrenzten Gedankenwelt ein klar 
umgrenzter Glaube formt. Sicherlich ist dieser nicht der 
Zweck an sich, sondern nur ein Mittel zum Zweck; doch ist 
er das unumgänglich notwendige Mittel, um den Zweck 
überhaupt erreichen zu können. Dieser Zweck aber ist nicht 
nur ein ideeller, sondern im letzten Grunde genommen auch 
ein eminent praktischer. Wie man sich überhaupt darüber 
klar werden muß, daß die höchsten Ideale immer einer tief- 
sten Lebensnotwendigkeit entsprechen, genau so wie der 
Adel der erhabensten Schönheit im letzten Grunde auch nur 
im logisch Zweckmäßigsten liegt. 

Indem der Glaube mithilft, den Menschen über das 
Niveau eines tierischen Dahinlebens zu erheben, trägt er 
in Wahrheit zur Festigung und Sicherung seiner Existenz 
bei. Man nehme der heutigen Menschheit die durch ihre 
Erziehung gestützten religiös-glaubensmäßigen, in ihrer 
praktischen Bedeutung aber sittlich-moralischen Grundsätze 



Vom religiösen Fühlen zum apodiktischen Glauben 417 

durch Ausscheidung dieser religiösen Erziehung und ohne 
dieselbe durch Gleichwertiges zu ersetzen, und man wird 
das Ergebnis in einer schweren Erschütterung der Funda- 
mente ihres Daseins vor sich haben. Man darf also wohl 
feststellen, daß nicht nur der Mensch lebt, um höheren 
Idealen zu dienen, sondern daß diese höheren Ideale um- 
gekehrt auch die Voraussetzung zu seinem Dasein als 
Mensch geben. So schließt sich der Kreis. 

Natürlich liegen auch schon in der allgemeinen Bezeich- 
nung „religiös" einzelne grundsätzliche Gedanken oder 
Überzeugungen, zum Beispiel die der Unzerstörbarkeit der 
Seele, der Ewigkeit ihres Daseins, der Existenz eines 
höheren Wesens usw. Allein alle diese Gedanken, und 
mögen sie für den einzelnen noch so überzeugend sein, un- 
terliegen so lange der kritischen Prüfung dieses einzelnen 
und damit so lange einer schwankenden Bejahung oder Ver- 
neinung, bis eben nicht die gefühlsmäßige Ahnung oder 
Erkenntnis die gesetzmäßige Kraft apodiktischen Glaubens 
annimmt. Dieser vor allem ist der Kampffaktor, der der 
Anerkennung religiöser Grundanschauungen Bresche schlägt 
und die Bahn frei macht. 

Ohne den klar begrenzten Glauben würde die Reli- 
giosität in ihrer unklaren Vielgestaltigkeit für das mensch- 
liche Leben nicht nur wertlos sein, sondern wahrscheinlich 
zur allgemeinen Zerrüttung beitragen. 

Ähnlich wie mit dem Begriff „religiös" verhält es sich 
mit der Bezeichnung „völkisch". Auch in ihr liegen schon 
einzelne grundsätzliche Erkenntnisse. Sie sind jedoch, wenn 
auch von eminentester Bedeutung, ihrer Form nach so 
wenig klar bestimmt, daß sie sich über den Wert einer mehr 
oder minder anzuerkennenden Meinung erst dann erheben, 
wenn sie als Grundelemente in den Rahmen einer poli- 
tischen Partei gefaßt werden. Denn die Verwirk- 
lichung w e 1 1 a n s c h a u u n g s m ä ß i g e r Ideale 
und der aus ihnen abgeleiteten Forderun- 
gen erfolgt ebensowenig durch das reine 
Gefühl oder das innere Wollen der Men- 
schen an sich, als etwa die Erringung der 

15 



418 Vom völkischen Fühlen zum politischen Bekenntnis 

Freiheit durch die allgemeine Sehnsucht 
nach ihr. Nein, erst wenn der ideale Drang 
nach Unabhängigkeit in den Formen mili- 
tärischer Machtmittel die k a m p f e s m ä ß i g e 
Organisation erhält, kann der drängende 
Wunsch eines Volkes in herrliche Wirk- 
lichkeit umgesetzt werden. 

Jede Weltanschauung, sie mag tausend- 
mal richtig und von höchstem Nutzen für die 
Menschheit sein, wird so lange für die prak- 
tische Ausgestaltung eines Völkerlebens 
ohne Bedeutung bleiben, als ihre Grund- 
sätze nicht zum Panier einer Kampfbewe- 
gung geworden sind, die ihrerseits wieder 
so lange Partei sein wird, als sich ihr Wir- 
ken nicht im Siege ihrer Ideen vollendet 
hat und ihre Parteidogmen die neuen Staats- 
grundsätze der Gemeinschaft eines Volkes 
bilden. 

Wenn aber eine geistige Vorstellung allgemeiner Art 
einer kommenden Entwicklung als Fundament dienen will, 
dann ist die erste Voraussetzung die Schaffung unbedingter 
Klarheit über Wesen, Art und Umfang dieser Vorstellung, 
da sich nur auf solcher Basis eine Bewegung bilden läßt, 
die in der inneren Homogenität ihrer Überzeugungen die 
nötige Kraft zum Kampfe zu entwickeln vermag. Aus all- 
gemeinen Vorstellungen muß ein politisches Programm, 
aus einer allgemeinen Weltanschauung ein bestimmter poli- 
tischer Glaube geprägt werden. Dieser wird, da sein Ziel 
ein praktisch erreichbares sein soll, nicht nur der Idee an 
sich zu dienen haben, sondern auch Rücksicht nehmen müs- 
sen auf die Kampfmittel, die zur Erringung des Sieges die- 
ser Idee vorhanden sind und Verwendung finden müssen. Zu 
einer abstrakt richtigen geistigen Vorstellung, die der Pro- 
grammatiker zu verkünden hat, muß sich die praktische 
Erkenntnis des Politikers gesellen. So muß sich ein ewiges 
Ideal als Leitstern einer Menschheit leider damit abfinden, 
die Schwächen dieser Menschheit zu berücksichtigen, um nicht 



Vom politischen Bekenntnis zur Kampfgemeinschaft 419 

an der allgemeinen menschlichen Unzulänglichkeit von vorn- 
herein zu scheitern. Zum Erforscher der Wahrheit hat sich 
der Kenner der Volkspsychose zu gesellen, um aus dem 
Reiche des Ewig-Wahren und Idealen das menschlich Mög- 
liche für kleine Sterbliche herauszuholen und Gestalt wer- 
den zu lassen. 

Diese Umsetzung einer allgemeinen weltanschauungs- 
mäßigen idealen Vorstellung von höchster Wahrhaftigkeit 
in eine bestimmt begrenzte, straff organisierte, geistig und 
willensmäßig einheitliche politische Glaubens- und Kampf- 
gemeinschaft ist die bedeutungsvollste Leistung, da von 
ihrer glücklichen Lösung allein die Möglichkeit eines Sieges 
der Idee abhängt. Hier muß aus dem Heer von oft Mil- 
lionen Menschen, die im einzelnen mehr oder weniger klar 
und bestimmt diese Wahrheiten ahnen, zum Teil vielleicht 
begreifen, einer hervortreten, um mit apodiktischer Kraft 
aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse 
granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf 
für ihre alleinige Richtigkeit aufzunehmen, bis sich aus 
dem Wellenspiel einer freien Gedankenwelt ein eherner 
Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbun- 
denheit erhebt. 

Das allgemeine Recht zu einer solchen Handlung liegt 
begründet in ihrer Notwendigkeit, das persönliche Recht 
im Erfolg. 



Wenn wir versuchen, aus dem Worte „völkisch" den sinn- 
gemäßen innersten Kern herauszuschälen, kommen wir zu 
folgender Feststellung: 

Unsere heutige landläufige politische Weltauffassung be- 
ruht im allgemeinen auf der Vorstellung, daß dem Staate 
zwar an sich schöpferische, kulturbildende Kraft zuzuspre- 
chen sei, daß er aber mit rassischen Voraussetzungen nichts 
zu tun habe, sondern eher noch ein Produkt wirtschaftlicher 
Notwendigkeiten, bestenfalls aber das natürliche Ergebnis 
politischen Machtdranges sei. Diese Grundanschauung führt 
in ihrer logisch-konsequenten Weiterbildung nicht nur zu 



420 Marxismus gegen Rasse und Persönlichkeit 

einer Verkennung rassischer Urkräfte, sondern auch zu einer 
Minderbewertung der Person. Denn die Ableugnung der 
Verschiedenheit der einzelnen Rassen in bezug auf ihre all- 
gemeinen kulturbildenden Kräfte muß zwangsläufig diesen 
größten Irrtum auch auf die Beurteilung der Einzelperson 
übertragen. Die Annahme von der Gleichartigkeit der 
Rassen wird dann zur Grundlage einer gleichen Betrach- 
tungsweise für die Völker und weiterhin für die einzelnen 
Menschen. Daher ist auch der internationale Marxismus 
selbst nur die durch den Juden Karl Marx vorgenommene 
Übertragung einer tatsächlich schon längst vorhandenen 
weltanschauungsmäßigen Einstellung und Auffassung in 
die Form eines bestimmten politischen Glaubensbekennt- 
nisses. Ohne den Untergrund einer derartigen, allgemein 
bereits vorhandenen Vergiftung wäre der staunenswerte 
politische Erfolg dieser Lehre auch niemals möglich gewe- 
sen. Karl Marx war wirklich nur der eine unter den 
Millionen, der in dem Sumpfe einer langsam verkommen- 
den Welt mit dem sicheren Blick des Propheten die wesent- 
lichsten Giftstoffe erkannte, sie herausgriff, um sie, einem 
Schwarzkünstler gleich, in eine konzentrierte Lösung zur 
schnelleren Vernichtung des unabhängigen Daseins freier 
Nationen auf dieser Erde zu bringen. Dieses alles aber 
im Dienste seiner Rasse. 

So ist die marxistische Lehre der kurzgefaßte geistige 
Extrakt der heute allgemein gültigen Weltanschauung. Schon 
aus diesem Grunde ist auch jeder Kampf unserer sogenann- 
ten bürgerlichen Welt gegen sie unmöglich, ja lächerlich, da 
auch diese bürgerliche Welt im wesentlichen von all diesen 
Giftstoffen durchsetzt ist und einer Weltanschauung huldigt, 
die sich von der marxistischen im allgemeinen nur mehr 
durch Grade und Personen unterscheidet. Die bürgerliche 
Welt ist marxistisch, glaubt aber an die Möglichkeit der 
Herrschaft bestimmter Menschengruppen (Bürgertum), wäh- 
rend der Marxismus selbst die Welt planmäßig in die 
Hand des Judentums überzuführen trachtet. 

Demgegenüber erkennt die völkische Weltanschauung die 
Bedeutung der Menschheit in deren rassischen Urelementen. 



Völkische Einstellung auf Rasse und Persönlichkeit 421 

Sie sieht im Staat prinzipiell nur ein Mittel zum Zweck 
und faßt als seinen Zweck die Erhaltung des rassischen 
Daseins der Menschen auf. Sie glaubt somit keineswegs an 
eine Gleichheit der Rassen, sondern erkennt mit ihrer Ver- 
schiedenheit auch ihren höheren oder minderen Wert und 
fühlt sich durch diese Erkenntnis verpflichtet, gemäß dem 
ewigen Wollen, das dieses Universum beherrscht, den Sieg 
des Besseren, Stärkeren zu fördern, die Unterordnung des 
Schlechteren und Schwächeren zu verlangen. Sie huldigt 
damit prinzipiell dem aristokratischen Grundgedanken der 
Natur und glaubt an die Geltung dieses Gesetzes bis herab 
zum letzten Einzelwesen. Sie sieht nicht nur den ver- 
schiedenen Wert der Rassen, sondern auch den verschiede- 
nen Wert der Einzelmenschen. Aus der Masse schält sich 
für sie die Bedeutung der Person heraus, dadurch aber 
wirkt sie gegenüber dem desorganisierenden Marxismus 
organisatorisch. Sie glaubt an die Notwendigkeit einer Idea- 
lisierung des Menschentums, da sie wiederum nur in dieser 
die Voraussetzung für das Dasein der Menschheit erblickt. 
Allein sie kann auch einer ethischen Idee das Existenzrecht 
nicht zubilligen, sofern diese Idee eine Gefahr für das 
rassische Leben der Träger einer höheren Ethik darstellt; 
denn in einer verbastardierten und vernegerten Welt wären 
auch alle Begriffe des menschlich Schönen und Erhabenen 
sowie alle Vorstellungen einer idealisierten Zukunft unseres 
Menschentums für immer verloren. 

Menschliche Kultur und Zivilisation sind auf diesem Erd- 
teil unzertrennlich gebunden an das Vorhandensein des 
Ariers. Sein Aussterben oder Untergehen wird auf diesen 
Erdball wieder die dunklen Schleier einer kulturlosen Zeit 
senken. 

Das Untergraben des Bestandes der menschlichen Kultur 
durch die Vernichtung ihres Trägers aber erscheint in den 
Augen einer völkischen Weltanschauung als das fluchwür- 
digste Verbrechen. Wer die Hand an das höchste Ebenbild 
des Herrn zu legen wagt, frevelt am gütigen Schöpfer 
dieses Wunders und hilft mit an der Vertreibung aus dem 
Paradies. 



422 Forderung des freien Kräftespiels 

Damit entspricht die völkische Weltanschauung dem 
innersten Wollen der Natur, da sie jenes freie Spiel der 
Kräfte wiederherstellt, das zu einer dauernden gegenseiti- 
gen Höherzüchtung führen muß, bis endlich dem besten 
Menschentum, durch den erworbenen Besitz dieser Erde, 
freie Bahn gegeben wird zur Betätigung auf Gebieten, die 
teils über, teils außer ihr liegen werden. 

Wir alle ahnen, daß in ferner Zukunft Probleme an den 
Menschen herantreten können, zu deren Bewältigung nur 
eine höchste Rasse als Herrenvolk, gestützt auf die Mittel 
und Möglichkeiten eines ganzen Erdballs, berufen sein 
wird. 

Es ist selbstverständlich, daß eine so allgemeine Fest- 
stellung des sinngemäßen Inhalts einer völkischen Welt- 
anschauung zu tausendfältiger Auslegung führen kann. Tat- 
sächlich finden wir ja auch kaum eine unserer jüngeren 
politischen Neugründungen, die sich nicht irgendwie auf 
diese Weltauffassung beruft. Sie beweist jedoch gerade 
durch ihre eigene Existenz gegenüber den vielen anderen 
die Unterschiedlichkeit ihrer Auffassungen. So tritt der von 
einer einheitlichen Spitzenorganisation geführten marxisti- 
schen Weltanschauung ein Gemengsei von Anschauungen 
entgegen, das schon ideenmäßig gegenüber der geschlosse- 
nen feindlichen Front wenig eindrucksvoll ist. Siege werden 
durch so schwächliche Waffen nicht erfochten! Erst wenn 
der - politisch durch den organisierten Marxismus ge- 
führten - internationalen Weltanschauung eine ebenso 
einheitlich organisierte und geleitete völkische gegenüber- 
tritt, wird sich bei gleicher Kampfesenergie der Erfolg auf 
die Seite der ewigen Wahrheit schlagen. 

Die organisatorische Erfassung einer 
Weltanschauung kann aber ewig nur auf 
Grund einer bestimmten Formulierung 
derselben stattfinden, und was für den 
Glauben die Dogmen darstellen, sind für 



Zusammenfassung der Partei 423 

die sich bildende politische Partei die 
Parteigrundsätze. 

Damit muß also der völkischen Welt- 
anschauung ein Instrument geschaffen 
werden, das ihr die Möglichkeit einer 
k a m p f e s m ä ß i g e n Vertretung gewährt, ähn- 
lich wie die marxistische Parteiorganisa- 
tion für den Internationalismus freie Bahn 
s c h a f f t . 

Dieses Ziel verfolgt die Nationalsozialistische Deutsche 
Arbeiterpartei. 

Daß eine solche parteimäßige Festlegung des völkischen 
Begriffes die Voraussetzung zum Siege der völkischen Welt- 
anschauung ist, wird am schärfsten bewiesen durch eine 
Tatsache, die selbst von den Gegnern einer solchen partei- 
mäßigen Bindung, wenigstens indirekt, zugegeben wird. 
Gerade diejenigen, die nicht müde werden zu betonen, daß 
die völkische Weltanschauung keineswegs „Erbpacht" eines 
einzelnen sei, sondern im Herzen von weiß Gott wie vielen 
Millionen schlummert oder „lebt", dokumentieren doch da- 
mit, daß die Tatsache des allgemeinen Vorhandenseins sol- 
cher Vorstellungen den Sieg der feindlichen Weltanschau- 
ung, die allerdings parteipolitisch klassisch vertreten wird, 
eben nicht im geringsten zu hindern vermochte. Wäre es 
anders, so müßte das deutsche Volk heute schon einen 
gigantischen Sieg errungen haben und nicht am Rande eines 
Abgrundes stehen. Was der internationalen Weltauffas- 
sung den Erfolg gab, war ihre Vertretung durch eine sturm- 
abteilungsmäßig organisierte politische Partei; was die 
gegenteilige Weltanschauung unterliegen ließ, war der bis- 
herige Mangel einer einheitlich geformten Vertretung der- 
selben. Nicht in einer unbegrenzten Freigabe der Aus- 
legung einer allgemeinen Anschauung, sondern nur in der 
begrenzten und damit zusammenfassenden Form einer poli- 
tischen Organisation kann eine Weltanschauung kämpfen 
und siegen. 

Deshalb sah ich meine eigene Aufgabe besonders darin, 
aus dem umfangreichen und ungestalteten Stoff einer 



424 Bildung des politischen Glaubensbekenntnisses 

allgemeinen Weltanschauung diejenigen Kernideen heraus- 
zuschälen und in mehr oder minder dogmatische Formen 
umzugießen, die in ihrer klaren Begrenztheit sich dazu 
eignen, jene Menschen, die sich darauf verpflichten, ein- 
heitlich zusammenzufassen. Mit anderen Worten: Die 
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter- 
partei übernimmt aus dem Grundgedanken- 
gang einer allgemeinen völkischen Welt- 
vorstellung die wesentlichen Grundzüge, 
bildet aus denselben, unter Berücksichti- 
gung der praktischen Wirklichkeit, der 
Zeit und des vorhandenen Menschenmate- 
rials sowie seiner Schwächen, ein politi- 
sches Glaubensbekenntnis, das nun seiner- 
seits in der so ermöglichten straffen orga- 
nisatorischen Erfassung großer Menschen- 
massen die Voraussetzung für die siegreiche 
D u r c h f e c h t u n g dieser Weltanschauung 

selber scha f f t . 



2. Kapitel 
Der Staat 

Schon in den Jahren 1920/21 wurde unserer jungen 
Bewegung aus den Kreisen der heutigen überlebten 
bürgerlichen Welt immer wieder vorgehalten, daß unsere 
Stellung zum heutigen Staat eine ablehnende sei, woraus 
das parteipolitische Strauchrittertum aller Richtungen die 
Berechtigung ableitete, den Unterdrückungskampf gegen 
die junge, unbequeme Verkünderin einer neuen Welt- 
anschauung mit allen Mitteln aufnehmen zu dürfen. Man 
hat dabei freilich mit Absicht vergessen, daß sich die heutige 
bürgerliche Welt selber unter dem Begriff Staat gar nichts 
Einheitliches mehr vorzustellen vermag, daß es eine ein- 
heitliche Definition dafür nicht gibt und auch nicht geben 
kann. Pflegen doch die Erklärer auf unseren staatlichen 
Hochschulen oft in Gestalt von Staatsrechtslehrern zu sitzen, 
deren höchste Aufgabe es sein muß, für die jeweilige 
mehr oder minder glückliche Existenz ihres brotspenden- 
den Nährquells Erklärungen und Deutungen zu finden. Je 
unmöglicher ein Staat beschaffen ist, um so undurchsichti- 
ger, gekünstelter und unverständlicher sind die Defini- 
tionen über seinen Daseinszweck. Was sollte z. B. ein kai- 
serlich-königlicher Universitätsprofessor über Sinn und 
Zweck des Staates schreiben in einem Lande, dessen 
staatliches Dasein wohl die größte Mißgeburt aller 
Zeiten verkörperte? Eine schwere Aufgabe, wenn man 
bedenkt, daß es für den heutigen Lehrer in staatsrecht- 
lichen Dingen weniger eine Verpflichtung zur Wahr- 
heit, als vielmehr eine Bindung an einen bestimmten 
Zweck gibt. Der Zweck aber lautet: Erhaltung um jeden 
Preis des jeweils in Frage kommenden Monstrums von 



426 Drei herrschende Auffassungen vom Staat 

menschlichem Mechanismus, jetzt Staat genannt. Da wun- 
dere man sich dann nicht, wenn man bei der Erörterung 
dieses Problems reale Gesichtspunkte möglichst vermeidet, 
um sich statt dessen in ein Gemengsei von „ethischen", „sitt- 
lichen", „moralischen" und sonstigen ideellen Werten, Auf- 
gaben und Zielen einzugraben. 

Ganz allgemein kann man drei Auffassungen unter- 
scheiden: 

a) Die Gruppe derjenigen, die im Staat einfach eine 
mehr oder weniger freiwillige Zusammenfas- 
sung von Menschen unter einer Regierungs- 
gewalt erblicken. 

Diese Gruppe ist die zahlreichste. In ihren Reihen be- 
finden sich besonders die Anbeter unseres heutigen Legiti- 
mitätsprinzips, in deren Augen der Wille der Menschen 
bei dieser ganzen Angelegenheit überhaupt keine Rolle 
spielt. In der Tatsache des Bestehens eines Staates liegt 
für sie allein schon eine geweihte Unverletzlichkeit begrün- 
det. Um diesen Wahnsinn menschlicher Gehirne zu schützen, 
braucht man eine geradezu hündische Verehrung der so- 
genannten Staatsautorität. In den Köpfen solcher 
Leute wird im Handumdrehen aus einem Mittel der end- 
gültige Zweck gemacht. Der Staat ist nicht mehr da, um 
den Menschen zu dienen, sondern die Menschen sind da, 
um eine Staatsautorität, die noch den letzten, irgendwie 
beamteten Geist umschließt, anzubeten. Damit der Zu- 
stand dieser stillen, verzückten Verehrung sich nicht in 
einen solchen der Unruhe verwandle, ist die Staatsautori- 
tät ihrerseits nur dazu da, die Ruhe und Ordnung auf- 
rechtzuerhalten. Auch sie ist jetzt kein Zweck und kein 
Mittel mehr. Die Staatsautorität hat für Ruhe und Ord- 
nung zu sorgen, und die Ruhe und Ordnung hat der 
Staatsautorität umgekehrt wieder das Dasein zu ermög- 
lichen. Innerhalb dieser beiden Pole hat das ganze Leben 
zu kreisen. 

In Bayern wird eine solche Auffassung in erster Linie 
von den Staatskünstlern des bayerischen Zentrums, ge- 
nannt „Bayerische Volkspartei", vertreten; in Österreich 



Drei herrschende Auffassungen vom Staat 427 

waren es die schwarz-gelben Legitimisten, im Reiche selber 
sind es leider häufig sogenannte konservative Elemente, 
deren Vorstellung über den Staat sich in diesen Bahnen 
bewegt. 

b) Die zweite Gruppe von Menschen ist der Zahl nach 
schon etwas kleiner, da zu ihr diejenigen gerechnet werden 
müssen, die an das Vorhandensein eines Staates wenig- 
stens einige Bedingungen knüpfen. Sie wünschen nicht nur 
gleiche Verwaltung, sondern auch, wenn möglich, gleiche 
Sprache - wenn auch nur aus allgemein verwaltungs- 
technischen Gesichtspunkten heraus. Die Staatsautorität ist 
nicht mehr der alleinige und ausschließliche Zweck des 
Staates, sondern die Förderung des Wohles der Unter- 
tanen kommt hinzu. Gedanken von „Freiheit", und zwar 
meist mißverstandener Art, schieben sich in die Staatsauf- 
fassung dieser Kreise ein. Die Regierungsform erscheint 
nicht mehr unantastbar durch die Tatsache ihres Bestehens 
an sich, sondern wird auf ihre Zweckmäßigkeit hin geprüft. 
Die Heiligkeit des Alters schützt nicht vor der Kritik der 
Gegenwart. Im übrigen ist es eine Auffassung, die vom 
Staate vor allem die günstige Gestaltung des wirtschaft- 
lichen Lebens des einzelnen erwartet, die mithin von prak- 
tischen Gesichtspunkten aus und nach allgemein wirtschaft- 
lichen Rentabilitätsanschauungen urteilt. Die hauptsächlich- 
sten Vertreter dieser Ansichten treffen wir in den Kreisen 
unseres normalen deutschen Bürgertums, besonders in 
denen unserer liberalen Demokratie. 

c) Die dritte Gruppe ist ziffernmäßig die schwächste. 

Sie erblickt im Staat bereits ein Mittel zur Verwirk- 
lichung von meist sehr unklar vorgestellten machtpoli- 
tischen Tendenzen eines sprachlich ausgeprägten 
und geeinten Staatsvolkes. Der Wille nach einer einheit- 
lichen Staatssprache äußert sich dabei nicht nur in der 
Hoffnung, diesem Staat damit ein tragfähiges Fundament 
für äußeren Machtzuwachs zu schaffen, sondern nicht min- 
der in der - übrigens grundfalschen - Meinung, dadurch 
in einer bestimmten Richtung eine Nationalisierung durch- 
führen zu können. 



428 Falsche Vorstellungen von „Germanisation" 

Es war in den letzten hundert Jahren ein wahrer Jam- 
mer, sehen zu müssen, wie in diesen Kreisen, manchmal im 
besten Glauben, mit dem Worte „Germanisieren" gespielt 
wurde. Ich selbst erinnere mich noch daran, wie in meiner 
Jugend gerade diese Bezeichnung zu ganz unglaublich fal- 
schen Vorstellungen verleitete. Selbst in alldeutschen Krei- 
sen konnte man damals die Meinung hören, daß dem öster- 
reichischen Deutschtum unter fördernder Mithilfe der Re- 
gierung sehr wohl eine Germanisation des österreichischen 
Slawentums gelingen könnte, wobei man sich nicht im ge- 
ringsten darüber klar wurde, daß Germanisation nur am 
Boden vorgenommen werden kann und niemals an Men- 
schen. Denn was man im allgemeinen unter diesem Wort 
verstand, war nur die erzwungene äußerliche Annahme der 
deutschen Sprache. Es ist aber ein kaum faßlicher Denk- 
fehler, zu glauben, daß, sagen wir, aus einem Neger oder 
einem Chinesen ein Germane wird, weil er Deutsch lernt 
und bereit ist, künftighin die deutsche Sprache zu sprechen 
und etwa einer deutschen politischen Partei seine Stimme 
zu geben. Daß jede solche Germanisation in Wirklichkeit 
eine Entgermanisation ist, wurde unserer bürgerlichen 
nationalen Welt niemals klar. Denn wenn heute durch das 
Oktroyieren einer allgemeinen Sprache bisher sichtbar in 
die Augen springende Unterschiede zwischen verschiedenen 
Völkern überbrückt und endlich verwischt werden, so be- 
deutet dies den Beginn einer Bastardierung und damit in 
unserem Fall nicht eine Germanisierung, sondern eine Ver- 
nichtung germanischen Elementes. Es kommt in der Ge- 
schichte nur zu häufig vor, daß es den äußeren Machtmitteln 
eines Eroberervolkes zwar gelingt, den Unterdrückten ihre 
Sprache aufzuzwingen, daß aber nach tausend Jahren ihre 
Sprache von einem anderen Volk geredet wird und die 
Sieger dadurch zu den eigentlich Besiegten werden. 

Da das Volkstum, besser die Rasse, eben nicht in der 
Sprache liegt, sondern im Blute, würde man von einer 
Germanisation erst dann sprechen dürfen, wenn es gelänge, 
durch einen solchen Prozeß das Blut der Unterlegenen um- 
zuwandeln. Das aber ist unmöglich. Es sei denn, es er- 



Falsche Vorstellungen von „Germanisation" 429 

folge durch eine Blutsvermischung eine Änderung, welche 
aber die Niedersenkung des Niveaus der höheren Rasse be- 
deutet. Das Endergebnis eines solchen Vorganges wäre 
also die Vernichtung gerade der Eigenschaften, welche das 
Eroberervolk einst zum Siege befähigt hatten. Besonders 
die kulturellen Kräfte würden bei einer Paarung mit einer 
minderen Rasse verschwinden, wenn auch das entstandene 
Mischprodukt tausendmal die Sprache der früher höheren 
Rasse spräche. Es wird eine Zeitlang noch ein gewisser 
Ringkampf der verschiedenen Geister stattfinden, und es 
kann sein, daß das immer tiefer sinkende Volk, gewisser- 
maßen in einem letzten Aufbäumen, überraschende kultu- 
relle Werte zutage fördert. Doch sind es nur die der 
höheren Rasse zugehörigen Einzelelemente oder auch Ba- 
starde, bei denen in erster Kreuzung das bessere Blut noch 
überwiegt und sich durchzuringen versucht; niemals aber 
Schlußprodukte der Mischung. In diesen wird sich immer 
eine kulturell rückläufige Bewegung zeigen. 

Es muß heute als ein Glück betrachtet werden, daß eine 
Germanisation im Sinne Josephs II. in Österreich unter- 
blieb. Ihr Erfolg wäre wahrscheinlich die Erhaltung des 
österreichischen Staates gewesen, allein auch eine durch 
sprachliche Gemeinschaft herbeigeführte Niedersenkung 
des rassischen Niveaus der deutschen Nation. Im Laufe der 
Jahrhundert hätte sich wohl ein gewisser Herdentrieb her- 
auskristallisiert, allein die Herde selbst wäre minderwertig 
geworden. Es wäre vielleicht ein Staatsvolk geboren wor- 
den, aber ein Kulturvolk verlorengegangen. 

Für die deutsche Nation war es besser, daß dieser Ver- 
mischungsprozeß unterblieb, wenn auch nicht infolge einer 
edlen Einsicht, sondern durch die kurzsichtige Beschränkt- 
heit der Habsburger. Wäre es anders gekommen, würde 
das deutsche Volk heute kaum mehr als Kulturfaktor an- 
gesprochen werden können. 

Aber nicht nur in Österreich, sondern auch in Deut- 
schland selbst waren und sind die sogenannten nationalen 
Kreise von ähnlich falschen Gedankengängen bewegt. Die 
von so vielen geforderte Polenpolitik im Sinne einer Ger- 



430 Nur Boden ist zu germanisieren 

manisation des Ostens fußte leider fast immer auf dem 
gleichen Trugschluß. Auch hier glaubte man eine Germani- 
sation des polnischen Elements durch eine rein sprachliche 
Eindeutschung desselben herbeiführen zu können. Auch hier 
wäre das Ergebnis ein unseliges geworden: ein fremd- 
rassiges Volk in deutscher Sprache seine fremden Gedanken 
ausdrückend, die Höhe und Würde unseres eigenen Volkstums 
durch seine eigene Minderwertigkeit kompromittierend. 

Wie entsetzlich ist doch heute schon der Schaden, der auf 
indirektem Wege unserem Deutschtum zugefügt wird, da- 
durch, daß das deutsch mauschelnde Judentum beim Betre- 
ten des amerikanischen Bodens infolge der Unkenntnis 
vieler Amerikaner auf unser deutsches Konto geschrieben 
wird! Es wird aber doch niemand einfallen, in der rein 
äußerlichen Tatsache, daß diese verlauste Völkerwanderung 
aus dem Osten meistens deutsch spricht, den Beweis für 
ihre deutsche Abstammung und Volkszugehörigkeit zu er- 
blicken. 

Was in der Geschichte nutzbringend ger- 
manisiert wurde, war der Boden, den un- 
sere Vorfahren mit dem Schwert erwarben 
und mit deutschen Bauern besiedelten. So- 
weit sie dabei unserem Volkskörper frem- 
des Blut zuführten, wirkten sie mit an jener 
unseligen Zersplitterung unseres inneren 
Wesens, die sich in dem - leider vielfach 
sogar noch gepriesenen - deutschen Über- 
individualismus auswirkt. 

Auch in dieser dritten Gruppe gilt der Staat in gewissem 
Sinne noch immer als Selbstzweck, die Staatserhaltung mit- 
hin als die höchste Aufgabe des menschlichen Daseins. 

Zusammenfassend kann festgestellt werden: Alle diese 
Anschauungen haben ihre tiefste Wurzel nicht in der Er- 
kenntnis, daß die kultur- und wertbildenden Kräfte wesent- 
lich auf rassischen Elementen beruhen, und daß der Staat 
also sinngemäß als seine höchste Aufgabe die Erhaltung 
und Steigerung der Rasse zu betrachten hat, diese Grund- 
bedingung aller menschlichen Kulturentwicklung. 



Der Staat nicht Selbstzweck 431 

Die äußerste Schlußfolgerung jener falschen Auffassun- 
gen und Ansichten über Wesen und Zweck eines Staates 
konnte dann durch den Juden Marx gezogen werden: in- 
dem die bürgerliche Welt den Staatsbegriff von rassischen 
Verpflichtungen loslöste, ohne zu irgendeiner anderen, 
gleichmäßig anerkannten Formulierung gelangen zu kön- 
nen, ebnete sie selbst einer Lehre den Weg, die den Staat 
an sich negiert. 

Schon auf diesem Gebiet muß deshalb der Kampf der 
bürgerlichen Welt gegenüber der marxistischen Internatio- 
nale glatt versagen. Sie hat die Fundamente selbst schon 
längst geopfert, die zur Stützung ihrer eigenen Ideenwelt 
unumgänglich notwendig wären. Ihr gerissener Gegner hat 
die Schwächen ihres eigenen Baues erkannt und stürmt nun 
mit den von ihnen selbst, wenn auch ungewollt, gelieferten 
Waffen dagegen an. 

Es ist deshalb die erste Verpflichtung für eine auf dem 
Boden einer völkischen Weltanschauung beruhende neue 
Bewegung, dafür zu sorgen, daß die Auffassung über das 
Wesen und den Daseinszweck des Staates eine einheitliche 
klare Form erhält. 

Die grundsätzliche Erkenntnis ist dann die, daß der 
Staat keinen Zweck, sondern ein Mittel 
darstellt. Er ist wohl die Voraussetzung zur 
Bildung einer höheren menschlichen Kul- 
tur, allein nicht die Ursache derselben. 
Diese liegt vielmehr ausschließlich im Vor- 
handensein einer zur Kultur befähigten 
Rasse. Es könnten sich auf der Erde Hunderte von 
mustergültigen Staaten befinden, im Falle des Aussterbens 
des arischen Kulturträgers würde doch keine Kultur vor- 
handen sein, die der geistigen Höhe der höchsten Völker 
von heute entspräche. Man kann noch weitergehen und 
sagen, daß die Tatsache menschlicher Staatenbildung nicht 
im geringsten die Möglichkeit der Vernichtung des mensch- 
lichen Geschlechtes ausschließen würde, sofern überlegene 
geistige Fähigkeit und Elastizität, infolge des Fehlens des 
rassischen Trägers derselben, verlorengingen. 



432 Kulturelle Höhe durch Rasse bedingt 

Würde z.B. heute die Oberfläche der Erde durch irgend- 
ein tektonisches Ereignis in Unruhe kommen und aus den 
Fluten des Ozeans sich ein neuer Himalaja erheben, so 
wäre in einer einzigen grausamen Katastrophe der Mensch- 
heit Kultur vernichtet. Kein Staat würde mehr bestehen, 
aufgelöst die Bande aller Ordnung, zertrümmert die Doku- 
mente einer tausendjährigen Entwicklung, ein einziges gro- 
ßes, wasser- und schlammüberflutetes Leichenfeld. Allein 
wenn sich aus diesem Chaos des Grauens auch nur wenige 
Menschen einer bestimmten kulturfähigen Rasse erhalten 
hätten, würde, und wenn auch nach tausendjähriger Dauer, 
die Erde nach ihrer Beruhigung wieder Zeugnisse mensch- 
licher, schöpferischer Kraft erhalten. Nur die Vernichtung 
der letzten kulturfähigen Rasse und ihrer einzelnen Träger 
würde die Erde endgültig veröden. Umgekehrt sehen wir 
selbst an Beispielen der Gegenwart, daß Staatsbildungen 
in ihren stammesmäßigen Anfängen bei mangelnder Ge- 
nialität ihrer rassischen Träger diese nicht vor dem Unter- 
gang zu bewahren vermögen. So wie große Tierarten der 
Vorzeit anderen weichen mußten und restlos vergingen, so 
muß auch der Mensch weichen, wenn ihm eine bestimmte 
geistige Kraft fehlt, die ihn allein die nötigen Waffen zu 
seiner Selbsterhaltung finden läßt. 

Nicht der Staat an sich schafft eine bestimmte kultu- 
relle Höhe, sondern er kann nur die Rasse erhalten, welche 
diese bedingt. Im anderen Falle mag der Staat als solcher 
jahrhundertelang gleichmäßig weiterbestehen, während in 
der Folge einer vom ihm nicht verhinderten Rassenvermen- 
gung die kulturelle Fähigkeit und das dadurch bedingte all- 
gemeine Lebensbild eines Volkes schon längst tiefgehende 
Veränderung erlitten haben. Der heutige Staat beispiels- 
weise kann als formaler Mechanismus sehr wohl noch so- 
undso lange Zeit sein Dasein vortäuschen, die rassenmäßige 
Vergiftung unseres Volkskörpers schafft jedoch einen kul- 
turellen Niedergang, der schon jetzt erschreckend in Er- 
scheinung tritt. 

So ist die Voraussetzung zum Bestehen 
eines höheren Menschentums nicht der 



Nationalsozialistische Auffassung vom Staat 433 

Staat, sondern das Volkstum, das hierzu 
befähigt ist. 

Diese Fähigkeit wird grundsätzlich immer vorhanden 
sein und muß nur durch bestimmte äußere Bedingungen 
zur praktischen Auswirkung aufgeweckt werden. Kulturell 
und schöpferisch begabte Nationen oder besser Rassen tra- 
gen die Nützlichkeiten latent in sich, auch wenn im Augen- 
blick ungünstige äußere Umstände eine Verwirklichung 
dieser Anlagen nicht zulassen. Daher ist es auch ein un- 
glaublicher Unfug, die Germanen der vorchristlichen Zeit 
als „kulturlos", als Barbaren hinzustellen. Sie sind es nie 
gewesen. Nur zwang sie die Herbheit ihrer nordischen 
Heimat unter Verhältnisse, die eine Entwicklung ihrer 
schöpferischen Kräfte behinderten. Wären sie, ohne irgend- 
eine antike Welt, in die günstigeren Gefilde des Südens 
gekommen, und hätten sie in dem Material niederer Völker 
die ersten technischen Hilfsmittel erhalten, so würde die 
in ihnen schlummernde kulturbildende Fähigkeit genau so 
zur leuchtendsten Blüte erwachsen sein, wie dies zum Bei- 
spiel bei den Hellenen der Fall war. Allein diese kultur- 
schaffende Urkraft selbst entspringt wieder nicht einzig 
ihrem nordischen Klima. Der Lappländer, nach dem Süden 
gebracht, würde so wenig kulturbildend wirken wie etwa 
der Eskimo. Nein, diese herrliche, schöpferisch gestaltende 
Fähigkeit ist eben gerade dem Arier verliehen, ob er sie 
schlummernd noch in sich trägt oder sie dem erwachenden 
Leben schenkt, je nachdem günstige Umstände dies ge- 
statten oder eine unwirtliche Natur verhindert. 

Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis: 

Der Staat ist ein Mittel zum Zweck. Sein 
Zweck liegt in der Erhaltung und Förde- 
rung einer Gemeinschaft physisch und see- 
lisch gleichartiger Lebewesen. Diese Er- 
haltung selber umfaßt erstlich den rassen- 
mäßigen Bestand und gestattet dadurch die 
freie Entwicklung aller in dieser Rasse 
schlummernden Kräfte. Von ihnen wird 
immer wieder ein Teil in erster Linie der 



434 Nationalsozialistische Auffassung vom Staat 

Erhaltung des physischen Lebens dienen 
und nur der andere der Förderung einer 
geistigen Weiterentwicklung. Tatsächlich 
schafft aber immer der eine die Voraus- 
setzung für das andere. 

Staaten, die nicht diesem Zwecke dienen, 
sind F e h 1 e r s c h e i n u n g e n , ja Mißgeburten. 
Die Tatsache ihres Bestehens ändert so 
wenig daran, als etwa der Erfolg einer Fli- 
b u s t i e r g e m e i n s c h a f t die Räuberei zu recht- 
fertigen vermag. 

Wir Nationalsozialisten dürfen als Verfechter einer 
neuen Weltanschauung uns niemals auf jenen berühmten 
„Boden der - noch dazu falschen - Tatsachen" stellen. 
Wir wären in diesem Falle nicht mehr die Verfechter einer 
neuen großen Idee, sondern die Kulis der heutigen Lüge. 
Wir haben schärfstens zu unterscheiden zwischen dem Staat 
als einem Gefäß und der Rasse als dem Inhalt. Dieses 
Gefäß hat nur dann einen Sinn, wenn es den Inhalt zu 
erhalten und zu schützen vermag; im anderen Falle ist es 
wertlos. 

Somit ist der höchste Zweck des völki- 
schen Staates die Sorge um die Erhaltung 
derjenigen rassischen Urelemente, die, als 
k u 1 1 u r s p e n d e n d , die Schönheit und Würde 
eines höheren Menschentums schaffen. Wir, 
als Arier, vermögen uns unter einem Staat 
also nur den lebendigen Organismus eines 
Volkstums vorzustellen, der die Erhal- 
tung dieses Volkstums nicht nur sichert, 
sondern es auch durch Weiterbildung sei- 
ner geistigen und ideellen Fähigkeiten 
zur höchsten Freiheit führt. 

Was man uns heute jedoch als Staat aufzudrängen ver- 
sucht, ist meistens nur die Ausgeburt tiefster menschlicher 
Verirrung mit unsäglichem Leid als Folgeerscheinung. 

Wir Nationalsozialisten wissen, daß wir mit dieser Auf- 
fassung als Revolutionäre in der heutigen Zeit stehen 



Gesichtspunkte für Bewertung eines Staates 435 

und auch als solche gebrandmarkt werden. Allein unser 
Denken und Handeln soll keineswegs von Beifall oder Ab- 
lehnung unserer Zeit bestimmt werden, sondern von der 
bindenden Verpflichtung an eine Wahrheit, die wir er- 
kannten. Dann dürfen wir überzeugt sein, daß die höhere 
Einsicht einer Nachwelt unser heutiges Vorgehen nicht nur 
verstehen, sondern auch als richtig bestätigen und adeln 
wird. 

Daraus ergibt sich für uns Nationalsozialisten auch der 
Maßstab für die Bewertung eines Staates. Dieser Wert 
wird ein relativer sein, vom Gesichtspunkt des einzelnen 
Volkstums aus; ein absoluter von dem der Menschheit an 
sich. Das heißt mit anderen Worten: 

Die Güte eines Staates kann nicht bewer- 
tet werden nach der kulturellen Höhe oder 
der M a c h t b e d e u t u n g dieses Staates im 
Rahmen der übrigen Welt, sondern aus- 
schließlich nur nach dem Grade der Güte 
dieser Einrichtung für das jeweils in 
Frage kommende Volkstum. 

Ein Staat kann als mustergültig bezeichnet werden, wenn 
er den Lebensbedingungen eines durch ihn zu vertretenden 
Volkstums nicht nur entspricht, sondern dieses Volkstum 
gerade durch seine eigene Existenz praktisch am Leben er- 
hält - ganz gleich, welche allgemein kulturelle Bedeutung 
diesem staatlichen Gebilde im Rahmen der übrigen Welt 
zukommt. Denn die Aufgabe des Staates ist es eben nicht, 
Fähigkeiten zu erzeugen, sondern nur die, vorhandenen 
Kräften freie Bahn zu schaffen. Also kann umgekehrt 
ein Staat als schlecht bezeichnet werden, 
wenn er, bei aller kulturellen Höhe, den 
Träger dieser Kultur in seiner rassischen 
Zusammensetzung dem Untergange weiht. 
Denn er zerstört damit praktisch die Voraussetzung für das 
Fortbestehen dieser Kultur, die ja nicht er geschaffen, son- 



436 Gesichtspunkte für Bewertung eines Staates 

dem welche die Frucht eines durch die lebendige staatliche 
Zusammenfassung gesicherten kulturschöpferischen Volks- 
tums ist. Der Staat stellt eben nicht einen Inhalt dar, son- 
dern eine Form. Es gibt also die jeweilige Kultur- 
höhe eines Volkes nicht den Wertmesser 
für die Güte des Staates a b , in welchem es lebt. 
Es ist sehr begreiflich, daß ein kulturell hochbegnadetes 
Volk ein höherwertiges Bild abgibt als ein Negerstamm; 
trotzdem kann der staatliche Organismus des ersteren, sei- 
ner Zweckerfüllung nach betrachtet, schlechter sein als der 
des Negers. Wenngleich der beste Staat und die beste 
Staatsform nicht in der Lage sind, aus einem Volke Fähig- 
keiten herauszuholen, die einfach fehlen und nie vorhan- 
den waren, so ist ein schlechter Staat sicherlich in der 
Lage, durch eine von ihm zugelassene oder gar geförderte 
Vernichtung des rassischen Kulturträgers ursprünglich vor- 
handene Fähigkeiten in der Folgezeit zum Absterben zu 
bringen. 

Mithin kann das Urteil über die Güte eines Staates in 
erster Linie nur bestimmt werden von dem relativen 
Nutzen, den er für ein bestimmtes Volkstum besitzt, und 
keineswegs von der Bedeutung, die ihm an sich in der 
Welt zukommt. 

Dieses relative Urteil kann rasch und gut gefällt werden, 
das Urteil über den absoluten Wert nur sehr schwer, da 
dieses absolute Urteil eigentlich schon nicht mehr bloß 
durch den Staat, sondern vielmehr durch die Güte und 
Höhe des jeweiligen Volkstums bestimmt wird. 

Wenn man daher von einer höheren Mission des Staates 
spricht, darf man nie vergessen, daß die höhere Mission 
wesentlich im Volkstum liegt, dem der Staat, durch die 
organische Kraft seines Daseins nur die freie Entwicklung 
zu ermöglichen hat. 

Wenn wir daher die Frage stellen, wie der Staat be- 
schaffen sein soll, den wir Deutsche brauchen, dann müssen 
wir uns erst Klarheit darüber schaffen, was für Menschen 
er erfassen und welchem Zweck er dienen soll. 

Unser deutsches Volkstum beruht leider nicht mehr auf 



Folgen unserer rassischen Zerrissenheit 437 

einem einheitlichen rassischen Kern. Der Prozeß der Ver- 
schmelzung der verschiedenen Urbestandteile ist auch noch 
nicht so weit fortgeschritten, daß man von einer dadurch 
neugebildeten Rasse sprechen könnte. Im Gegenteil: die 
blutsmäßigen Vergiftungen, die unseren Volkskörper, be- 
sonders seit dem Dreißigjährigen Kriege, trafen, führten 
nicht nur zu einer Zersetzung unseres Blutes, sondern auch 
zu einer solchen unserer Seele. Die offenen Grenzen unseres 
Vaterlandes, das Anlehnen an ungermanische Fremdkörper 
längs dieser Grenzgebiete, vor allem aber der starke lau- 
fende Zufluß fremden Blutes ins Innere des Reiches selbst, 
lassen infolge seiner dauernden Erneuerung keine Zeit übrig 
für eine absolute Verschmelzung. Es wird keine neue Rasse 
mehr herausgekocht, sondern die Rassebestandteile bleiben 
nebeneinander, mit dem Ergebnis, daß besonders in kriti- 
schen Augenblicken, in denen sich sonst eine Herde zu sam- 
meln pflegt, das deutsche Volk nach allen Windrichtungen 
auseinanderläuft. Nicht nur gebietsmäßig sind die rassischen 
Grundelemente verschieden gelagert, sondern auch im ein- 
zelnen, innerhalb des gleichen Gebietes. Neben nordischen 
Menschen ostische, neben ostischen dinarische, neben beiden 
westische und dazwischen Mischungen. Dies ist auf der einen 
Seite von großem Nachteil: Es fehlt dem deutschen Volk 
jener sichere Herdeninstinkt, der in der Einheit des Blutes 
begründet liegt und besonders in gefahrdrohenden Momen- 
ten Nationen vor dem Untergang bewahrt, insofern bei 
solchen Völkern dann alle kleineren inneren Unterschiede 
sofort zu verschwinden pflegen und dem gemeinsamen 
Feinde die geschlossene Front einer einheitlichen Herde 
gegenübertritt. In dem Nebeneinander unserer unvermischt 
gebliebenen rassischen Grundelemente verschiedenster Art 
liegt das begründet, was man bei uns mit dem Wort Über- 
individualismus bezeichnet. In friedlichen Zeitläuften mag 
er manchmal gute Dienste leisten, alles in allem genommen 
aber hat er uns um die Weltherrschaft gebracht. Würde 
das deutsche Volk in seiner geschichtlichen Entwicklung jene 
herdenmäßige Einheit besessen haben, wie sie anderen Völ- 
kern zugute kam, dann würde das Deutsche Reich heute 



438 Folgen unserer rassischen Zerrissenheit 

wohl die Herrin des Erdballs sein. Die Weltgeschichte hätte 
einen anderen Lauf genommen, und kein Mensch vermag 
zu entscheiden, ob dann nicht auf diesem Wege eingetrof- 
fen wäre, was so viele verblendete Pazifisten heute durch 
Winseln und Flennen zu erbetteln hoffen: ein Friede, 
gestützt nicht durch die Palmwedel tränen- 
reicher pazifistischer Klageweiber, son- 
dern begründet durch das siegreiche 
Schwert eines die Welt in den Dienst einer 
höheren Kultur nehmenden H e r r e n v o 1 k e s . 

Die Tatsache des Nichtvorhandenseins eines blutsmäßig 
einheitlichen Volkstums hat uns unsägliches Leid gebracht. 
Sie hat vielen kleinen deutschen Potentaten Residenzen 
geschenkt, dem deutschen Volk aber das Herrenrecht ent- 
zogen. 

Auch heute noch leidet unser Volk unter dieser inneren 
Zerrissenheit; allein, was uns in Vergangenheit und Gegen- 
wart Unglück brachte, kann für die Zukunft unser Segen 
sein. Denn so schädlich es auf der einen Seite auch war, 
daß eine restlose Vermischung unserer ursprünglichen Ras- 
senbestandteile unterblieb und dadurch die Bildung eines 
einheitlichen Volkskörpers verhindert wurde, so glücklich 
war es auf der anderen, als hierdurch wenigstens ein Teil 
unseres besten Blutes rein erhalten blieb und der rassi- 
schen Senkung entging. 

Sicher würde bei einer restlosen Vermengung unserer 
rassischen Urelemente ein geschlossener Volkskörper ent- 
standen sein, allein er wäre, wie jede Rassenkreuzung be- 
weist, von einer geringeren Kulturfähigkeit erfüllt, als sie 
der höchststehende der Urbestandteile ursprünglich besaß. 
Dies ist der Segen des Unterbleibens restloser Vermischung: 
daß wir auch heute noch in unserem deutschen Volkskörper 
große unvermischt gebliebene Bestände an nordisch-germa- 
nischen Menschen besitzen, in denen wir den wertvollsten 
Schatz für unsere Zukunft erblicken dürfen. In der trüben 
Zeit der Unkenntnis aller rassischen Gesetze, da in völliger 
Gleichwertung Mensch eben als Mensch erschien, mochte die 
Klarheit über den verschiedenen Wert der einzelnen Ur- 



Mission des deutschen Volkes 439 

demente fehlen. Heute wissen wir, daß eine restlose Durch- 
einandermischung der Bestandteile unseres Volkskörpers 
uns infolge der dadurch entstandenen Einheit vielleicht 
zwar die äußere Macht geschenkt hätte, daß jedoch das 
höchste Ziel der Menschheit unerreichbar gewesen wäre, 
da der einzige Träger, den das Schicksal ersichtlich zu die- 
ser Vollendung ausersehen hat, im allgemeinen Rassenbrei 
des Einheitsvolkes untergegangen wäre. 

Was aber ohne unser Zutun durch ein gütiges Schicksal 
verhindert wurde, haben wir heute, vom Gesichtspunkt 
unserer nun gewonnenen Erkenntnis, zu überprüfen und 
zu verwerten. 

Wer von einer Mission des deutschen Vol- 
kes auf der Erde redet, muß wissen, daß sie 
nur in der Bildung eines Staates bestehen 
kann, der seine höchste Aufgabe in der Er- 
haltung und Förderung der unverletzt ge- 
bliebenen edelsten Bestandteile unseres 
Volkstums, ja der ganzen Menschheit sieht. 

Damit erhält der Staat zum ersten Male ein inneres 
hohes Ziel. Gegenüber der lächerlichen Parole einer Siche- 
rung von Ruhe und Ordnung zur friedlichen Ermöglichung 
gegenseitiger Begaunerei erscheint die Aufgabe der Erhal- 
tung und Förderung eines durch die Güte des Allmächtigen 
dieser Erde geschenkten höchsten Menschentums als eine 
wahrhaft hohe Mission. 

Aus einem toten Mechanismus, der nur um seiner selbst 
willen da zu sein beansprucht, soll ein lebendiger Organis- 
mus geformt werden mit dem ausschließlichen Zwecke: 
einer höheren Idee zu dienen. 

Das Deutsche Reich soll als Staat alle 
Deutschen umschließen mit der Aufgabe, 
aus diesem Volke die wertvollsten Be- 
stände an rassischen Urelementen nicht 
nur zu sammeln und zu erhalten, sondern 
langsam und sicher zur beherrschenden 
Stellung e m p o r z u f ü h r e n . 



440 Der Staat - eine Waffe im Lebenskampf 

Damit tritt an die Stelle eines, im Grunde genommen 
erstarrten Zustandes eine Periode des Kampfes. Doch wie 
immer und in allem auf dieser Welt wird auch hier das 
Wort seine Geltung behalten, daß „wer rastet - rostet", 
und weiter, daß der Sieg ewig nur im Angriff liegt. Je 
größer dabei das Kampfziel, das uns vor Augen schwebt, 
und je geringer das Verständnis der breiten Masse im 
Augenblick dafür sein mag, um so ungeheurer sind aber, 
den Erfahrungen der Weltgeschichte nach, die Erfolge - 
und die Bedeutung dieser Erfolge dann, wenn das Ziel 
richtig erfaßt und der Kampf mit unerschütterlicher Be- 
harrlichkeit durchgeführt wird. 

Es mag freilich für viele unserer heutigen beamteten 
Staatslenker beruhigender sein, für die Erhaltung eines 
gegebenen Zustandes zu wirken, als für einen kommenden 
kämpfen zu müssen. Sie werden es als viel leichter emp- 
finden, im Staate einen Mechanismus zu sehen, der einfach 
dazu da ist, sich selbst am Leben zu erhalten, so wie wieder- 
um ihr Leben „dem Staate gehört" - wie sie sich auszu- 
drücken pflegen. Als ob dem Volkstum Entsprossenes logisch 
anderem dienen könnte als eben dem Volkstum, oder der 
Mensch für anderes wirken könnte als eben wieder für den 
Menschen. E s ist, wie gesagt, natürlich leich- 
ter, in der S t a a t s a u t o r i t ä t nur den forma- 
len Mechanismus einer Organisation zu 
erblicken als die souveräne Verkörperung 
des Selbsterhaltungstriebes eines Volks- 
tums auf der Erde. Denn in dem einen Fall ist für 
diese schwachen Geister der Staat sowohl als die Staats- 
autorität schon der Zweck an sich, im anderen aber nur die 
gewaltige Waffe im Dienste des großen ewigen Lebens- 
kampfes um das Dasein, eine Waffe, der sich jeder zu fügen 
hat, weil sie nicht formal mechanisch ist, sondern Ausdruck 
eines gemeinsamen Willens zur Lebenserhaltung. 

Daher werden wir auch im Kampfe für unsere neue 
Auffassung, die ganz dem Ursinn der Dinge entspricht, 
nur wenige Kampfgefährten aus einer Gesellschaft finden, 
die nicht nur körperlich, sondern leider nur zu oft auch 



Weltgeschichte wird durch Minoritäten gemacht 441 

geistig veraltet ist. Nur Ausnahmen, Greise mit jungen 
Herzen und frisch gebliebenem Sinn, werden aus jenen 
Schichten zu uns kommen, niemals die, welche in der Er- 
haltung eines gegebenen Zustandes den letzten Sinn ihrer 
Lebensaufgabe erblicken. 

Uns gegenüber steht das unendliche Heer weniger der 
böswillig Schlechten als der denkfaul Gleichgültigen und 
gar der an der Erhaltung des heutigen Zustandes Inter- 
essierten. Allein gerade in dieser scheinbaren Aussichts- 
losigkeit unseres gewaltigen Ringens liegt die Größe unse- 
rer Aufgabe und auch die Möglichkeit des Erfolges begrün- 
det. Der Schlachtruf, der die kleinen Geister entweder von 
vornherein verscheucht oder bald verzagen läßt, er wird 
zum Signal des Zusammenfindens wirklicher Kampfnaturen. 
Und darüber muß man sich klar sein: Wenn aus einem 
Volke eine bestimmte Summe höchster Ener- 
gie und Tatkraft auf ein Ziel vereint er- 
scheint und mithin der Trägheit der brei- 
ten Massen endgültig entzogen ist, sind 
diese wenigen Prozente zu Herren der ge- 
samten Zahl emporgestiegen. Weltgeschichte 
wird durch Minoritäten gemacht dann, 
wenn sich in dieser Minorität der Zahl die 
Majorität des Willens und der Entschluß- 
kraft verkörpert. 

Was deshalb heute vielen als erschwerend 
gelten mag, ist in Wirklichkeit die Voraus- 
setzung für unseren Sieg. Gerade in der 
Größe und den Schwierigkeiten unserer 
Aufgabe liegt die Wahrscheinlichkeit, 
daß sich zu ihrem Kampfe nur die besten 
Kämpfer finden werden. In dieser Auslese 
aber liegt die Bürgschaft für den Erfolg. 

Im allgemeinen pflegt schon die Natur in der Frage der 
rassischen Reinheit irdischer Lebewesen bestimmte korri- 
gierende Entscheidungen zu treffen. Sie liebt die Bastarde 



442 Unterlegenheit des Bastards 

nur wenig. Besonders die ersten Produkte solcher Kreu- 
zungen, etwa im dritten, vierten, fünften Glied, haben bit- 
ter zu leiden. Es wird ihnen nicht nur die Bedeutung des 
ursprünglich höchsten Bestandteils der Kreuzung genom- 
men, sondern es fehlt ihnen in der mangelnden Blutseinheit 
auch die Einheit der Willens- und Entschlußkraft zum 
Leben überhaupt. In allen kritischen Augenblicken, in 
denen das rassisch einheitliche Wesen richtige, und zwar 
einheitliche Entschlüsse trifft, wird das rassisch zerrissene 
unsicher werden bzw. zu halben Maßnahmen gelangen. 
Zusammen bedeutet das nicht nur eine gewisse Unterlegen- 
heit des rassisch Zerrissenen gegenüber dem rassisch Ein- 
heitlichen, sondern in der Praxis auch die Möglichkeit eines 
schnelleren Unterganges. In zahllosen Fällen, in 
denen die Rasse standhält, bricht der Ba- 
stard zusammen. Darin ist die Korrektur der Natur 
zu sehen. Sie geht aber häufig noch weiter. Sie schränkt 
die Möglichkeit einer Fortpflanzung ein. Dadurch verhin- 
dert sie die Fruchtbarkeit weitgehender Kreuzungen über- 
haupt und bringt sie so zum Aussterben. 

Würde also beispielsweise in einer bestimmten Rasse 
von einem einzelnen Subjekt eine Verbindung mit einem 
rassisch niederstehenden eingegangen, so wäre das Ergeb- 
nis zunächst eine Niedersenkung des Niveaus an sich, weiter 
aber eine Schwächung der Nachkommenschaft gegenüber 
der rassisch unvermischt gebliebenen Umgebung. Bei der 
vollständigen Verhinderung eines weiteren Blutzusatzes von 
Seiten der höchsten Rasse würden bei dauernder gegen- 
seitiger Kreuzung die Bastarde entweder infolge ihrer 
durch die Natur weise verminderten Widerstandskraft aus- 
sterben oder im Laufe von vielen Jahrtausenden eine neue 
Mischung bilden, bei welcher die ursprünglichen Einzel- 
elemente durch tausendfältige Kreuzung restlos vermischt, 
mithin nicht mehr erkennbar sind. Es hätte sich damit ein 
neues Volkstum gebildet von einer bestimmten herdenmäßi- 
gen Widerstandsfähigkeit, jedoch gegenüber der bei der 
ersten Kreuzung mitwirkenden höchsten Rasse in seiner 
geistig-kulturellen Bedeutung wesentlich vermindert. Aber 



Natürlicher Regenerationsprozeß der Rassen 443 

auch in diesem letzten Falle würde im gegenseitigen Kampf 
um das Dasein das Mischprodukt unterliegen, solange eine 
höherstehende, unvermischt gebliebene Rasseneinheit als 
Gegner noch vorhanden ist. Alle herdenmäßige, im Laufe 
der tausend Jahre gebildete innere Geschlossenheit dieses 
neuen Volkskörpers würde infolge der allgemeinen Sen- 
kung des Rassenniveaus und der dadurch bedingten Min- 
derung der geistigen Elastizität und schöpferischen Fähig- 
keit dennoch nicht genügen, um den Kampf mit einer eben- 
so einheitlichen, geistig und kulturell jedoch überlegenen 
Rasse siegreich zu bestehen. 

Somit kann man folgenden gültigen Satz aufstellen: 

Jegliche R a s s e n k r e u z u n g führt zwangs- 
läufig früher oder später zum Untergang 
des M i s c h p r o d u k t e s , solange der höher- 
stehende Teil dieser Kreuzung selbst noch 
in einer reinen irgendwie r a s s e n m ä ß i g e n 
Einheit vorhanden ist. Die Gefahr für das Misch- 
produkt ist erst beseitigt im Augenblick der Bastardierung 
des letzten höherstehenden Rassereinen. 

Darin liegt ein, wenn auch langsamer natürlicher Re- 
generationsprozeß begründet, der rassische Vergiftungen 
allmählich wieder ausscheidet, solange noch ein Grundstock 
rassisch reiner Elemente vorhanden ist und eine weitere 
Bastardierung nicht mehr stattfindet. 

Ein solcher Vorgang kann von selbst eintreten bei Lebe- 
wesen mit starkem Rasseninstinkt, die nur durch besondere 
Umstände oder irgendeinen besonderen Zwang aus der 
Bahn der normalen rassereinen Vermehrung geworfen wur- 
den. Sowie diese Zwangslage beendet ist, wird der noch 
rein gebliebene Teil sofort wieder nach Paarung unter 
Gleichen streben, der weiteren Vermischung dadurch Ein- 
halt gebietend. Die Bastardierungsergebnisse treten damit 
von selbst wieder in den Hintergrund, es wäre denn, daß 
ihre Zahl sich schon so unendlich vermehrt hätte, daß ein 
ernstlicher Widerstand der reinrassig Übriggebliebenen 
nicht mehr in Frage käme. 

Der Mensch, der einmal instinktlos geworden ist und seine 



444 Gefahren der Rassenmischung 

ihm von der Not auferlegte Verpflichtung verkennt, darf 
im allgemeinen jedoch auf solche Korrektur von Seiten der 
Natur so lange nicht hoffen, als er seinen verlorenen In- 
stinkt nicht durch sehende Erkenntnis ersetzt hat; an ihr ist 
es dann, die erforderliche Wiedergutmachungsarbeit zu lei- 
sten. Doch ist die Gefahr sehr groß, daß der einmal blind 
gewordene Mensch die Rassenschranken immer mehr ein- 
reißt, bis endlich auch der letzte Rest seines besten Teiles 
verloren ist. Dann bleibt wirklich nur mehr ein Einheits- 
brei übrig, wie er den famosen Weltverbesserern unserer 
Tage als Ideal vorschwebt; er würde aber aus dieser Welt 
in kurzer Zeit die Ideale verjagen. Freilich: eine große 
Herde könnte so gebildet werden, ein Her- 
dentier kann man zusammenbrauen, einen 
Menschen als Kulturträger aber und bes- 
ser noch als K u 1 1 u r b e g r ü n d e r und Kultur- 
schöpfer ergibt eine solche Mischung nie- 
mals. Die Mission der Menschheit könnte damit als be- 
endigt angesehen werden. 

Wer nicht will, daß die Erde diesem Zustand entgegen- 
geht, muß sich zur Auffassung bekehren, daß es die Auf- 
gabe vor allem der germanischen Staaten ist, in erster 
Linie dafür zu sorgen, daß einer weiteren Bastardierung 
grundsätzlich Einhalt geboten wird. 

Die Generation unserer heutigen notorischen Schwäch- 
linge wird selbstverständlich sofort dagegen aufschreien 
und über Eingriffe in die heiligsten Menschenrechte jam- 
mern und klagen. Nein, es gibt nur ein heilig- 
stes M e n s c h e n r e c h t , und dieses Recht ist 
zugleich die heiligste Verpflichtung, näm- 
lich: dafür zu sorgen, daß das Blut rein 
erhalten bleibt, um durch die Bewahrung 
des besten Menschentums die Möglichkeit 
einer edleren Entwicklung dieser Wesen 
zu geben. 

Ein völkischer Staat wird damit in erster 
Linie die Ehe aus dem Niveau einer 
dauernden R a s s e n s c h a n d e herauszuheben 



Gefahren der Rassenmischung 445 

haben, um ihr die Weihe jener Institution 
zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des 
Herrn zu zeugen und nicht Mißgeburten 
zwischen Mensch und Affe. 

Der Protest dagegen aus sogenannten humanen Grün- 
den steht besonders der Zeit verflucht schlecht an, die auf 
der einen Seite jedem verkommenen Degeneraten die Mög- 
lichkeit seiner Fortvermehrung gibt, den Produkten selber 
als auch den Zeitgenossen unsägliches Leid aufbürdend, 
während andererseits in jeder Drogerie und sogar bei Stra- 
ßenhändlern die Hilfsmittel zur Verhinderung der Ge- 
burten bei selbst gesündesten Eltern feilgeboten werden. 
In diesem heutigen Staate der Ruhe und Ordnung, in den 
Augen seiner Vertreter, dieser tapferen bürgerlich-natio- 
nalen Welt, ist also die Verhinderung der Zeugungsfähig- 
keit bei Syphilitikern, Tuberkulosen, erblich Belasteten, 
Krüppeln und Kretins ein Verbrechen, dagegen wird die 
praktische Unterbindung der Zeugungsfähigkeit bei Millio- 
nen der Allerbesten nicht als etwas Schlechtes angesehen 
und verstößt nicht gegen die guten Sitten dieser schein- 
heiligen Gesellschaft, nützt vielmehr der kurzsichtigen Denk- 
faulheit. Denn andernfalls müßte man sich immerhin den 
Kopf wenigstens darüber zerbrechen, wie die Voraussetzun- 
gen zu schaffen seien für die Ernährung und Erhaltung 
derjenigen Wesen, die als gesunde Träger unseres Volks- 
tums dereinst der gleichen Aufgabe bezüglich des kommen- 
den Geschlechtes dienen sollen. 

Wie grenzenlos unideal und unedel ist doch dieses ganze 
System! Man bemüht sich nicht mehr, das Beste für die 
Nachwelt heranzuzüchten, sondern läßt die Dinge laufen, 
wie sie eben laufen. Daß sich dabei auch unsere Kirchen am 
Ebenbilde des Herrn versündigen, dessen Bedeutung von 
ihnen noch am allermeisten betont wird, liegt ganz in der 
Linie ihres heutigen Wirkens, das immer vom Geiste redet 
und den Träger desselben, den Menschen, zum verkomme- 
nen Proleten degenerieren läßt. Dann allerdings staunt 
man mit blöden Gesichtern über die geringe Wirkung des 
christlichen Glaubens im eigenen Lande, über die entsetz- 



446 Völkischer Staat und Rassenhygiene 

liehe „Gottlosigkeit" dieses körperlich verhunzten und da- 
mit natürlich auch geistig verlumpten Jammerpacks und 
sucht sich dafür mit Erfolg bei Hottentotten und Zulukaf- 
fern mit dem Segen der Kirche zu entschädigen. Während 
unsere europäischen Völker, Gott sei Lob und Dank, in den 
Zustand eines körperlichen und moralischen Aussatzes ver- 
fallen, wandert der fromme Missionar nach Zentralafrika 
und errichtet Negermissionen, bis unsere „höhere Kultur" 
aus gesunden, wenn auch primitiven und tiefstehenden 
Menschenkindern auch dort eine faulige Bastardbrut ge- 
macht haben wird. 

Es würde dem Sinne des Edelsten auf dieser Welt mehr 
entsprechen, wenn unsere beiden christlichen Kirchen, statt 
die Neger mit Missionen zu belästigen, die jene weder 
wünschen noch verstehen, unsere europäische Menschheit 
gütig, aber allen Ernstes belehren würden, daß es bei nicht 
gesunden Eltern ein Gott wohlgefälligeres Werk ist, sich 
eines gesunden armen kleinen Waisenkindes zu erbarmen, 
um diesem Vater und Mutter zu schenken, als selber ein 
krankes, sich und der anderen Welt nur Unglück und Leid 
bringendes Kind ins Leben zu setzen. 

Was auf diesem Gebiete heute von allen Seiten versäumt 
wird, hat der völkische Staat nachzuholen. Er hat die 
Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen 
Lebens zu setzen. Er hat für ihre Rein- 
erhaltung zu sorgen. Er hat das Kind zum 
kostbarsten Gut eines Volkes zu erklären. 
Er muß dafür Sorge tragen, daß nur, wer 
gesund ist, Kinder zeugt; daß es nur eine 
Schande gibt: bei eigener Krankheit und 
eigenen Mängeln dennoch Kinder in die 
Welt zu setzen; doch eine höchste Ehre: dar- 
auf zu verzichten. Umgekehrt aber muß es 
als verwerflich gelten: gesunde Kinder 
der Nation vorzuenthalten. Der Staat muß 
dabei als Wahrer einer tausendjährigen 
Zukunft auftreten, der gegenüber der 
Wunsch und die Eigensucht des einzelnen 



Völkischer Staat und Rassenhygiene 447 

als nichts erscheinen und sich zu beugen 
haben. Er hat die modernsten ärztlichen 
Hilfsmittel in den Dienst dieser Erkennt- 
nis zu stellen. Er hat, was irgendwie er- 
sichtlich krank und erblich belastet und da- 
mit weiter belastend ist, zeugungsunfähig 
zu erklären und dies praktisch auch durch- 
zusetzen. Er hat umgekehrt dafür zu sorgen, 
daß die Fruchtbarkeit des gesunden Weibes 
nicht beschränkt wird durch die finanzielle 
L u d e r w i r t s c h a f t eines S t a a t s r e g i m e n t s , 
das den Kindersegen zu einem Fluch für 
die Eltern gestaltet. Er hat mit jener 
faulen, ja verbrecherischen Gleichgültig- 
keit, mit der man heute die sozialen Vor- 
aussetzungen einer kinderreichen Familie 
behandelt, aufzuräumen und muß sich an 
Stelle dessen als oberster Schirmherr die- 
ses köstlichsten Segens eines Volkes fühlen. 
Seine Sorge gehört mehr dem Kinde als dem 
Erwachsenen. 

Wer körperlich und geistig nicht gesund 
und würdig ist, darf sein Leid nicht im 
Körper seines Kindes verewigen. Der völ- 
kische Staat hat hier die ungeheuerste Er- 
ziehungsarbeit zu leisten. Sie wird aber 
dereinst auch als eine größere Tat erschei- 
nen als die siegreichsten Kriege unseres 
heutigen bürgerlichen Zeitalters sind. 
Er hat durch Erziehung den einzelnen zu 
belehren, daß es keine Schande, sondern 
nur ein bedauernswertes Unglück ist, 
krank und schwächlich zu sein, daß es aber 
ein Verbrechen und daher zugleich eine 
Schande ist, dieses Unglück durch eigenen 
Egoismus zu entehren, indem man es un- 
schuldigen Wesen wieder aufbürdet; daß 
es demgegenüber von einem Adel hoch- 



448 Völkischer Staat und Rassenhygiene 

ster Gesinnung und bewundernswertester 
Menschlichkeit zeugt, wenn der unschul- 
dig Kranke, unter Verzicht auf ein eigenes 
Kind, seine Liebe und Zärtlichkeit einem 
unbekannten armen, jungen Sprossen sei- 
nes Volkstums schenkt, der in seiner Ge- 
sundheit verspricht, dereinst ein kraft- 
volles Glied einer kraftvollen Gemein- 
schaft zu werden. Und der Staat hat in 
dieser Erziehungsarbeit die rein geistige 
Ergänzung seiner praktischen Tätigkeit 
zu leisten. Er muß ohne Rücksicht auf Ver- 
ständnis oder Unverständnis, Billigung 
oder Mißbilligung in diesem Sinne han- 
deln. 

Eine nur sechshundertjährige Verhinderung der Zeu- 
gungsfähigkeit und Zeugungsmöglichkeit seitens körperlich 
Degenerierter und geistig Erkrankter würde die Mensch- 
heit nicht nur von einem unermeßlichen Unglück befreien, 
sondern zu einer Gesundung beitragen, die heute kaum 
faßbar erscheint. Wenn so die bewußte planmäßige Förde- 
rung der Fruchtbarkeit der gesündesten Träger des Volks- 
tums verwirklicht wird, so wird das Ergebnis eine Rasse 
sein, die, zunächst wenigstens, die Keime unseres heutigen 
körperlichen und damit auch geistigen Verfalls wieder aus- 
geschieden haben wird. 

Denn hat erst ein Volk und ein Staat diesen Weg einmal 
beschritten, dann wird sich auch von selbst das Augenmerk 
darauf richten, gerade den rassisch wertvollsten Kern des 
Volkes und gerade seine Fruchtbarkeit zu steigern, um end- 
lich das gesamte Volkstum des Segens eines hochgezüch- 
teten Rassengutes teilhaftig werden zu lassen. 

Der Weg hierzu ist vor allem der, daß ein Staat die 
Besiedelung gewonnener Neuländer nicht dem Zufall über- 
läßt, sondern besonderen Normen unterwirft. Eigens ge- 
bildete Rassekommissionen haben den einzelnen das Sied- 
lungsattest auszustellen; dieses aber ist gebunden an eine 
festzulegende bestimmte rassische Reinheit. So können all- 



Rassereine Randkolonien 449 

mählich Randkolonien begründet werden, deren Bewohner 
ausschließlich Träger höchster Rassenreinheit und damit 
höchster Rassentüchtigkeit sind. Sie sind damit ein kost- 
barer nationaler Schatz des Volksganzen; ihr Wachsen muß 
jeden einzelnen Volksgenossen mit Stolz und freudiger 
Zuversicht erfüllen, liegt doch in ihnen der Keim zu einer 
letzten großen Zukunftsentwicklung des eigenen Volkes, ja 
der Menschheit geborgen. 

Der völkischen Weltanschauung muß es 
im völkischen Staat endlich gelingen, jenes 
edlere Zeitalter herbeizuführen, in dem 
die Menschen ihre Sorge nicht mehr in der 
H ö h e r z ü c h t u n g von Hunden, Pferden und 
Katzen erblicken, sondern im Emporheben 
des Menschen selbst, ein Zeitalter, in dem 
der eine erkennend schweigend verzichtet, 
der andere freudig opfert und gibt. 

Daß dies möglich ist, darf man in einer Welt nicht ver- 
neinen, in der sich hunderttausend und aber hunderttausend 
Menschen freiwillig das Zölibat auferlegen, durch nichts 
verpflichtet und gebunden als durch ein kirchliches Gebot. 

Soll der gleiche Verzicht nicht möglich sein, wenn an 
seine Stelle die Mahnung tritt, der dauernd fortwirkenden 
Erbsünde einer Rassenvergiftung endlich Einhalt zu tun 
und dem allmächtigen Schöpfer Wesen zu geben, wie er sie 
selbst erschuf? 

Freilich, das jammervolle Heer unserer heutigen Spieß- 
bürger wird dies niemals verstehen. Sie werden darüber 
lachen oder ihre schiefen Achseln zucken und ihre ewige 
Ausrede herausstöhnen: „Das wäre an sich ja ganz schön, 
aber das läßt sich ja doch nicht machen!" Mit euch läßt 
sich das freilich nicht mehr machen, eure Welt ist dafür 
nicht geeignet! Ihr kennt nur eine Sorge: euer persön- 
liches Leben, und einen Gott: euer Geld! Allein, wir 
wenden uns auch nicht an euch, sondern wenden uns an 
die große Armee derjenigen, die zu arm sind, als daß ihr 
persönliches Leben höchstes Glück der Welt bedeuten könnte, 
an diejenigen, die den Regenten ihres Daseins nicht im 

16 



450 Appell an die deutsche Jugend 

Golde sehen, sondern an andere Götter glauben. Vor allem 
wenden wir uns an das gewaltige Heer unserer deutschen 
Jugend. Sie wächst in eine große Zeitwende hinein, und was 
die Trägheit und Gleichgültigkeit ihrer Väter verschuldete, 
wird sie selbst zum Kampfe zwingen. Die deutsche Jugend 
wird dereinst entweder der Bauherr eines neuen völkischen 
Staates sein, oder sie wird als letzter Zeuge den völligen 
Zusammenbruch, das Ende der bürgerlichen Welt erleben. 

Denn wenn eine Generation unter Fehlern leidet, die sie 
erkennt, ja sogar zugibt, um sich dann trotzdem, wie dies 
heute von Seiten unserer bürgerlichen Welt geschieht, mit 
der billigen Erklärung zu begnügen, daß dagegen doch 
nichts zu machen sein, dann ist eine solche Gesellschaft dem 
Untergang verfallen. Das Charakteristische an unserer 
bürgerlichen Welt ist es aber gerade, daß sie die Gebrechen 
an sich gar nicht mehr zu leugnen vermag. Sie muß zu- 
geben, daß vieles faul und schlecht ist, aber sie findet den 
Entschluß nicht mehr, sich gegen das Übel aufzubäumen, 
die Kraft eines Sechzig- oder Siebzigmillionenvolkes mit 
verbissener Energie zusammenzuraffen und so der Gefahr 
entgegenzustemmen. Im Gegenteil: wenn es anderswo ge- 
schieht, dann werden noch blöde Glossen darüber gerissen, 
und man versucht wenigstens aus der Ferne die theoretische 
Unmöglichkeit des Verfahrens nachzuweisen und den Erfolg 
als undenkbar zu erklären. Kein Grund ist dabei einfältig 
genug, um nicht als Stütze für die eigene Zwerghaftigkeit 
und ihre geistige Einstellung zu dienen. Wenn zum Bei- 
spiel ein ganzer Kontinent der Alkoholvergiftung end- 
lich den Kampf ansagt, um ein Volk aus den Klammern 
dieses verheerenden Lasters herauszulösen, dann hat un- 
sere europäische bürgerliche Welt dafür nichts übrig als 
ein nichtssagendes Glotzen und Kopfschütteln, ein über- 
legenes Lächerlichfinden - das sich bei dieser lächer- 
lichsten Gesellschaft besonders gut ausnimmt. Wenn aber 
alles nichts nützt und dem erhabenen, unantastbaren 
Schlendrian an irgendeiner Stelle der Welt dennoch ent- 
gegengetreten wird, und gar mit Erfolg, dann muß, wie 
gesagt, wenigstens dieser angezweifelt und herunter- 



Energielosigkeit des Bürgertums 451 

gesetzt werden, wobei man sich nicht einmal scheut, bürger- 
lich-moralische Gesichtspunkte gegen einen Kampf ins 
Treffen zu bringen, der mit der größten Unmoral aufzu- 
räumen sucht. 

Nein, darüber sollen wir uns alle gar keiner Täuschung 
hingeben: Unser derzeitiges Bürgertum ist für jede er- 
habene Aufgabe der Menschheit bereits wertlos geworden, 
einfach, weil es qualitätslos, zu schlecht ist; und es ist zu 
schlecht, weniger aus - meinetwegen - gewollter 
Schlechtigkeit heraus, als vielmehr infolge der unglaub- 
lichen Indolenz und allem, was aus ihr entspringt. Daher 
sind auch jene politischen Klubs, die unter dem Sammel- 
begriff „bürgerliche Parteien" sich herumtreiben, schon 
längst nichts anderes mehr als Interessengemeinschaften 
bestimmter Berufsgruppen und Standesklassen, und ihre 
erhabenste Aufgabe ist nur mehr die bestmögliche ego- 
istische Interessenvertretung. Daß eine solche politisierende 
„Bourgeois"-Gilde zu allem eher taugt als zum Kampf, 
liegt auf der Hand; besonders aber, wenn die Gegenseite 
nicht aus vorsichtigen Pfeffersäcken, sondern aus Prole- 
tariermassen besteht, die zum äußersten aufgehetzt und 
zum letzten entschlossen sind. 

Wenn wir als erste Aufgabe des Staates im Dienste 
und zum Wohle seines Volkstums die Erhaltung, Pflege 
und Entwicklung der besten rassischen Elemente erkennen, 
so ist es natürlich, daß sich diese Sorgfalt nicht nur bis 
zur Geburt des jeweiligen kleinen jungen Volks- und Rasse- 
genossen zu erstrecken hat, sondern daß sie aus dem jungen 
Sprößling auch ein wertvolles Glied für eine spätere Wei- 
tervermehrung erziehen muß. 

Und so wie im allgemeinen die Voraussetzung geistiger 
Leistungsfähigkeit in der rassischen Qualität des gegebenen 
Menschenmaterials liegt, so muß auch im einzelnen die Er- 
ziehung zuallererst die körperliche Gesundheit ins Auge 
fassen und fördern; denn in der Masse genommen wird 



452 Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates 

sich ein gesunder, kraftvoller Geist auch nur in einem ge- 
sunden und kraftvollen Körper finden. Die Tatsache, daß 
Genies manches Mal körperlich wenig gutgebildete, ja so- 
gar kranke Wesen sind, hat nichts dagegen zu sagen. Hier 
handelt es sich um Ausnahmen, die - wie überall - die 
Regel nur bestätigen. Wenn ein Volk aber in seiner Masse 
aus körperlichen Degeneraten besteht, so wird sich aus die- 
sem Sumpf nur höchst selten ein wirklich großer Geist er- 
heben. Seinem Wirken aber wird wohl auf keinen Fall 
mehr ein großer Erfolg beschieden sein. Das heruntergekom- 
mene Pack wird ihn entweder überhaupt nicht verstehen, 
oder es wird willensmäßig so geschwächt sein, daß es dem 
Höhenflug eines solchen Adlers nicht mehr zu folgen vermag. 

Der völkische Staat hat in dieser Er- 
kenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit 
in erster Linie nicht auf das Einpumpen 
bloßen Wissens einzustellen, sondern auf 
das Heranzüchten kerngesunder Körper- 
bildung der geistigen Fähigkeiten. Hier 
aber wieder an der Spitze die Entwicklung 
des Charakters, besonders die Förderung 
der Willens- und Entschlußkraft, verbun- 
den mit der Erziehung zur Verantwortungs- 
freudigkeit, und erst als letztes die wissen- 
schaftliche Schulung. 

Der völkische Staat muß dabei von der Voraussetzung 
ausgehen, daß ein zwar wissenschaftlich 
wenig gebildeter, aber körperlich gesun- 
der Mensch mit gutem, festem Charakter, 
erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Wil- 
lenskraft, für die Volksgemeinschaft wert- 
voller ist als ein geistreicher Schwächling. 
Ein Volk von Gelehrten wird, wenn diese dabei körperlich 
degenerierte, willensschwache und feige Pazifisten sind, den 
Himmel nicht zu erobern, ja nicht einmal auf dieser Erde sich 
das Dasein zu sichern vermögen. Im schweren Schicksals- 



Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates 453 

kämpf unterliegt selten der, der am wenigsten weiß, son- 
dern immer derjenige, der aus seinem Wissen die schwäch- 
sten Konsequenzen zieht und sie am kläglichsten in die Tat 
umsetzt. Endlich muß auch hier eine bestimmte Harmonie 
vorhanden sein. E in verfaulter Körper wird durch 
einen strahlenden Geist nicht im geringsten 
ästhetischer gemacht, ja, es ließe sich höchste Gei- 
stesbildung gar nicht rechtfertigen, wenn ihre Träger gleich- 
zeitig körperlich verkommene und verkrüppelte, im Cha- 
rakter willensschwache, schwankende und feige Subjekte 
wären. Was das griechische Schönheitsideal unsterblich sein 
läßt, ist die wundervolle Verbindung herrlichster körper- 
licher Schönheit mit strahlendem Geist und edelster Seele. 

Wenn der Moltkesche Ausspruch: „Glück hat auf die 
Dauer doch nur der Tüchtige" Geltung besitzt, so sicherlich 
für das Verhältnis von Körper und Geist: Auch der Geist 
wird, wenn er gesund ist, in der Regel und auf die Dauer 
nur in gesundem Körper wohnen. 

Die körperliche Ertüchtigung ist daher im völkischen 
Staat nicht eine Sache des einzelnen, auch nicht eine An- 
gelegenheit, die in erster Linie die Eltern angeht, und die 
erst in zweiter oder dritter die Allgemeinheit interessiert, 
sondern eine Forderung der Selbsterhaltung des durch den 
Staat vertretenen und geschützten Volkstums. So wie der 
Staat, was die rein wissenschaftliche Ausbildung betrifft, 
schon heute in das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen 
eingreift und ihm gegenüber das Recht der Gesamtheit 
wahrnimmt, indem er, ohne Befragung des Wollens oder 
Nichtwollens der Eltern, das Kind dem Schulzwang unter- 
wirft, so muß in noch viel höherem Maße der völkische 
Staat dereinst seine Autorität durchsetzen gegenüber der 
Unkenntnis oder dem Unverständnis des einzelnen in den 
Fragen der Erhaltung des Volkstums. Er hat seine Erzie- 
hungsarbeit so einzuteilen, daß die jungen Körper schon in 
ihrer frühesten Kindheit zweckentsprechend behandelt wer- 
den und die notwendige Stählung für das spätere Leben 
erhalten. Er muß vor allem dafür sorgen, daß nicht eine 
Generation von Stubenhockern herangebildet wird. 



454 Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates 

Diese Pflege- und Erziehungsarbeit hat schon einzusetzen 
bei der jungen Mutter. So wie es möglich wurde, im Laufe 
einer jahrzehntelangen sorgfältigen Arbeit infektionsfreie 
Reinlichkeit bei der Geburt zu erzielen und das Kindbett- 
fieber auf wenige Fälle zu beschränken, so muß es und wird 
es möglich sein, durch gründliche Ausbildung von Schwe- 
stern und der Mütter selber schon in den ersten Jahren 
des Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die als vor- 
zügliche Grundlage für die spätere Entwicklung dient. 

Die Schule als solche muß in einem völkischen Staat un- 
endlich mehr Zeit frei machen für die körperliche Ertüchti- 
gung. Es geht nicht an, die jungen Gehirne mit einem 
Ballast zu beladen, den sie erfahrungsgemäß nur zu einem 
Bruchteil behalten, wobei zudem meist anstatt des Wesent- 
lichen die unnötigen Nebensächlichkeiten hängenbleiben, da 
das junge Menschenkind eine vernünftige Siebung des ihm 
eingetrichterten Stoffes gar nicht vorzunehmen vermag. 
Wenn heute, selbst im Lehrplan der Mittelschulen, Turnen 
in einer Woche mit knappen zwei Stunden bedacht und die 
Teilnahme daran sogar als nicht obligatorisch dem einzelnen 
freigegeben wird, so ist dies, verglichen zur rein geistigen 
Ausbildung, ein krasses Mißverhältnis. Es dürfte kein Tag 
vergehen, an dem der junge Mensch nicht mindestens vor- 
mittags und abends je eine Stunde lang körperlich geschult 
wird, und zwar in jeder Art von Sport und Turnen. Hier- 
bei darf besonders ein Sport nicht vergessen werden, der 
in den Augen von gerade sehr vielen „Völkischen" als 
roh und unwürdig gilt: das Boxen. Es ist unglaublich, 
was für falsche Meinungen darüber in den „Gebildeten"- 
kreisen verbreitet sind. Daß der junge Mensch fechten lernt 
und sich dann herumpaukt, gilt als selbstverständlich und 
ehrenwert, daß er aber boxt, das soll roh sein! Warum? 
Es gibt keinen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist in 
gleichem Maße fördert, blitzschnelle Entschlußkraft verlangt, 
den Körper zu stählerner Geschmeidigkeit erzieht. Es ist 
nicht roher, wenn zwei junge Menschen eine Meinungsver- 
schiedenheit mit den Fäusten ausfechten als mit einem ge- 
schliffenen Stück Eisen. Es ist auch nicht unedler, wenn ein 



Wert des Sportes 455 



Angegriffener sich seines Angreifers mit der Faust erwehrt, 
statt davonzulaufen und nach einem Schutzmann zu schreien. 
Vor allem aber, der junge, gesunde Knabe soll auch Schläge 
ertragen lernen. Das mag in den Augen unserer heutigen 
Geisteskämpfer natürlich als wild erscheinen. Doch hat der 
völkische Staat eben nicht die Aufgabe, eine Kolonie fried- 
samer Ästheten und körperlicher Degeneraten aufzuzüch- 
ten. Nicht im ehrbaren Spießbürger oder der tugendsamen 
alten Jungfer sieht er sein Menschheitsideal, sondern in der 
trotzigen Verkörperung männlicher Kraft und in Weibern, 
die wieder Männer zur Welt zu bringen vermögen. 

So ist überhaupt der Sport nicht nur dazu da, den ein- 
zelnen stark, gewandt und kühn zu machen, sondern er soll 
auch abhärten und lehren, Unbilden zu ertragen. 

Würde unsere gesamte geistige Oberschicht einst nicht so 
ausschließlich in vornehmen Anstandsiehren erzogen wor- 
den sein, hätte sie an Stelle dessen durchgehends Boxen ge- 
lernt, so wäre eine deutsche Revolution von Zuhältern, 
Deserteuren und ähnlichem Gesindel niemals möglich ge- 
wesen; denn was dieser Erfolg schenkte, war nicht die 
kühne, mutige Tatkraft der Revolutionsmacher, sondern die 
feige, jämmerliche Entschlußlosigkeit derjenigen, die den 
Staat leiteten und für ihn verantwortlich waren. Allein 
unsere gesamte geistige Führung war nur mehr „geistig" 
erzogen worden und mußte damit in dem Augenblick wehr- 
los sein, in dem von der gegnerischen Seite statt geistiger 
Waffen eben das Brecheisen in Aktion trat. Das war aber 
alles nur möglich, weil besonders unsere höhere Schulbil- 
dung grundsätzlich nicht Männer heranzog, sondern vielmehr 
Beamte, Ingenieure, Techniker, Chemiker, Juristen, Litera- 
ten und, damit diese Geistigkeit nicht ausstirbt, Professoren. 

Unsere geistige Führung hat immer Blendendes geleistet, 
während unsere willensmäßige meist unter aller Kritik 
blieb. 

Sicherlich wird man durch Erziehung aus einem grund- 
sätzlich feig veranlagten Menschen keinen mutigen zu machen 
vermögen, allein ebenso sicher wird auch ein an sich nicht 
mutloser Mensch in der Entfaltung seiner Eigenschaften ge- 



456 Suggestive Kraft des Selbstvertrauens 

lähmt, wenn er durch Mängel seiner Erziehung in seiner 
körperlichen Kraft und Gewandtheit dem anderen von vorn- 
herein unterlegen ist. Wie sehr die Überzeugung körper- 
licher Tüchtigkeit das eigene Mutgefühl fördert, ja den An- 
griffsgeist erweckt, kann man am besten am Heer ermessen. 
Auch hier sind grundsätzlich nicht lauter Helden vorhanden 
gewesen, sondern breiter Durchschnitt. Allein die überlegene 
Ausbildung des deutschen Soldaten in der Friedenszeit 
impfte dem ganzen Riesenorganismus jenen suggestiven 
Glauben an die eigene Überlegenheit in einem Umfange 
ein, den selbst unsere Gegner nicht für möglich gehalten 
hatten. Denn was in den ganzen Monaten des Hochsom- 
mers und Herbstes 1914 von den vorwärtsfegenden deut- 
schen Armeen an unsterblichem Angriffsgeist und Angriffs- 
mut geleistet wurde, war das Ergebnis jener unermüd- 
lichen Erziehung, die in den langen, langen Friedensjahren 
aus den oft schwächlichen Körpern die unglaublichsten Lei- 
stungen herausholte, und so jenes Selbstvertrauen erzog, 
das auch im Schrecken der größten Schlachten nicht ver- 
lorenging. 

Gerade unser deutsches Volk, das heute 
zusammengebrochen den Fußtritten der 
anderen Welt preisgegeben daliegt, 

braucht jene suggestive Kraft, die im 
Selbstvertrauen liegt. Dieses Selbstver- 
trauen aber muß schon von Kindheit auf 
dem jungen Volksgenossen anerzogen wer- 
den. Seine gesamte Erziehung und Aus- 
bildung muß darauf angelegt werden, ihm 
die Überzeugung zu geben, anderen unbe- 
dingt überlegen zu sein. Er muß in seiner 
körperlichen Kraft und Gewandtheit den 
Glauben an die U n b e s i e g b a r k e i t seines 
ganzen Volkstums wiedergewinnen. Denn 
was die deutsche Armee einst zum Siege 
führte, war die Summe des Vertrauens, 
das jeder einzelne zu sich und alle gemein- 
sam zu ihrer Führung besaßen. Was das 



Eitelkeit im Dienst der Erziehung 457 

deutsche Volk wieder emporrichten wird, 
ist die Überzeugung von der Möglichkeit 
der W i e d e r e r r i n g u n g der Freiheit. Diese 
Überzeugung aber kann nur das Schluß- 
produkt der gleichen Empfindung von Mil- 
lionen einzelner darstellen. 
Auch hier gebe man sich keiner Täuschung hin: 
Ungeheuerlich war der Zusammenbruch unseres Volkes, 
ebenso ungeheuerlich aber wird die Anstrengung sein müs- 
sen, um eines Tages diese Not zu beenden. Wer glaubt, daß 
unser Volk aus unserer jetzigen bürgerlichen Erziehungs- 
arbeit zur Ruhe und Ordnung die Kraft erhält, eines 
Tages die heutige Weltordnung, die unseren Untergang 
bedeutet, zu zerbrechen und die Kettenglieder unserer Skla- 
verei den Gegnern ins Gesicht zu schlagen, der irrt bitter. 
Nur durch ein Übermaß an nationaler Willenskraft, an 
Freiheitsdurst und höchster Leidenschaft wird wieder aus- 
geglichen werden, was uns einst fehlte. 

Auch die Kleidung der Jugend soll diesem Zwecke ange- 
paßt werden. Es ist ein wahrer Jammer, sehen zu müssen, 
wie auch unsere Jugend bereits einem Modewahnsinn un- 
terworfen ist, der so recht mithilft, den Sinn des alten 
Spruches: „Kleider machen Leute", in einen verderblichen 
umzukehren. 

Gerade bei der Jugend muß auch die Kleidung in den 
Dienst der Erziehung gestellt werden. Der Junge, der im 
Sommer mit langen Röhrenhosen herumläuft, eingehüllt 
bis an den Hals, verliert schon in seiner Bekleidung ein 
Antriebsmittel für seine körperliche Ertüchtigung. Denn 
auch der Ehrgeiz und, sagen wir es ruhig, die Eitelkeit 
muß herangezogen werden. Nicht die Eitelkeit auf schöne 
Kleider, die sich nicht jeder kaufen kann, sondern die Eitel- 
keit auf einen schönen, wohlgeformten Körper, den jeder 
mithelfen kann, zu bilden. 



458 Beaufsichtigung zwischen Schul- und Militärzeit 

Auch für später ist dies zweckmäßig. Das Mädchen soll 
seinen Ritter kennenlernen. Würde nicht die körperliche 
Schönheit heute vollkommen in den Hintergrund gedrängt 
durch unser laffiges Modewesen, wäre die Verführung von 
Hunderttausenden von Mädchen durch krummbeinige, wider- 
wärtige Judenbankerte gar nicht möglich. Auch dies ist 
im Interesse der Nation, daß sich die schönsten Körper fin- 
den und so mithelfen, dem Volkstum neue Schönheit zu 
schenken. 

Heute wäre dies alles freilich am allernötigsten, weil die 
militärische Erziehung fehlt und damit die einzige Einrich- 
tung ausgeschieden ist, die im Frieden wenigstens teilweise 
einholte, was durch unsere sonstige Erziehung versäumt 
wurde. Und auch dort war der Erfolg nicht nur in der Aus- 
bildung des einzelnen an sich zu suchen, sondern in dem 
Einfluß, den er auf das Verhältnis der beiden Geschlechter 
untereinander ausübte. Das junge Mädchen zog den Sol- 
daten dem Nichtsoldaten vor. 

Der völkische Staat hat die körperliche Ertüchtigung nicht 
nur in den offiziellen Schuljahren durchzuführen und zu 
überwachen, er muß auch in der Nachschulzeit dafür Sorge 
tragen, daß, solange ein Junge in der körperlichen Entwick- 
lung begriffen ist, diese Entwicklung zu seinem Segen aus- 
schlägt. Es ist ein Unsinn, zu glauben, daß mit dem Ende 
der Schulzeit das Recht des Staates auf die Beaufsichti- 
gung seiner jungen Bürger plötzlich aussetzt, um mit der 
Militärzeit wiederzukommen. Dieses Recht ist eine Pflicht 
und als solche immer gleichmäßig vorhanden. Der heutige 
Staat, der kein Interesse an gesunden Menschen besitzt, hat 
nur diese Pflicht in verbrecherischer Weise außer acht ge- 
lassen. Er läßt die heutige Jugend auf Straßen und in Bor- 
dells verkommen, statt sie an die Zügel zu nehmen und kör- 
perlich so lange weiterzubilden, bis eines Tages ein gesun- 
der Mann und ein gesundes Weib daraus erwachsen sind. 

In welcher Form der Staat diese Erziehung weiter- 
führt, kann heute gleichgültig sein, das Wesentliche ist, daß 
er's tut und die Wege sucht, die dem nützen. Der völkische 
Staat wird genau so wie die geistige Erziehung auch die 



Das Heer als letzte und höchste Schule 459 

körperliche Ausbildung der Nachschulzeit als staatliche Auf- 
gabe betrachten müssen und durch staatliche Einrichtungen 
durchzuführen haben. Dabei kann diese Erziehung in gro- 
ßen Zügen schon die Vorbildung für den späteren Heeres- 
dienst sein. Das Heer soll dann dem jungen Mann nicht 
mehr wie bisher die Grundbegriffe des einfachsten Exer- 
zierreglements beizubringen haben, es wird auch nicht Re- 
kruten im heutigen Sinne zugeführt erhalten, es soll viel- 
mehr den körperlich bereits tadellos vorgebildeten jungen 
Menschen nur mehr in den Soldaten verwandeln. 

Im völkischen Staat soll also das Heer nicht mehr dem ein- 
zelnen Gehen und Stehen beibringen, sondern es hat als die 
letzte und höchste Schule vaterländischer Erziehung zu gel- 
ten. Der junge Rekrut soll im Heere die nötige Waffenaus- 
bildung erhalten, er soll aber zugleich auch weitergeformt 
werden für sein sonstiges späteres Leben. An der Spitze der 
militärischen Erziehung aber hat das zu stehen, was schon 
dem alten Heer als höchstes Verdienst angerechnet werden 
mußte: In dieser Schule soll der Knabe zum Mann gewan- 
delt werden; und in dieser Schule soll er nicht nur gehor- 
chen lernen, sondern dadurch auch die Voraussetzung zum 
späteren Befehlen erwerben. Er soll lernen zu schweigen, 
nicht nur, wenn er mit Recht getadelt wird, sondern soll 
auch lernen, wenn nötig, Unrecht schweigend zu ertragen. 

Er soll weiter, gefestigt durch den Glauben an seine eigene 
Kraft, erfaßt von der Stärke des gemeinsam empfundenen 
Korpsgeistes, die Überzeugung von der Unüberwindlichkeit 
seines Volkstums gewinnen. 

Nach Beendigung der Heeresdienstleistung sind ihm zwei 
Dokumente auszustellen: sein Staatsbürgerdiplom 
als Rechtsurkunde, die ihm nunmehr öffentliche Betätigung 
gestattet, und sein Gesundheitsattest als Bestäti- 
gung körperlicher Gesundheit für die Ehe. 

Analog der Erziehung des Knaben kann der völkische 
Staat auch die Erziehung des Mädchens von den gleichen 
Gesichtspunkten aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht 
vor allem auf die körperliche Ausbildung zu legen, erst 
dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der gei- 



460 Bildung des Charakters 

stigen Werte. Das Ziel der weiblichen Erziehung hat 
unverrückbar die kommende Mutter zu sein. 

Erst in zweiter Linie hat der völkische Staat die 
Bildung des Charakters in jeder Weise zu fördern. 

Sicherlich sind die wesentlichen Charaktereigenschaften im 
einzelnen Menschen grundsätzlich vorgebildet: der egoistisch 
Veranlagte ist und bleibt dies einmal für immer, ge- 
nau so wie der Idealist im Grunde seines Wesens stets 
Idealist sein wird. Allein zwischen den restlos ausgeprägten 
Charakteren stehen doch Millionen von verschwommen und 
unklar erscheinenden. Der geborene Verbrecher wird Ver- 
brecher sein und bleiben; aber zahlreiche Menschen, bei 
denen bloß eine gewisse Hinneigung zum Verbrecherischen 
vorhanden ist, können durch richtige Erziehung noch zu 
wertvollen Gliedern der Volksgemeinschaft werden; während 
umgekehrt durch schlechte Erziehung aus schwankenden 
Charakteren wirklich schlechte Elemente erwachsen können. 

Wie oft wurde im Kriege Klage darüber geführt, daß 
unser Volk so wenig schweigen könne! Wie schwer war 
es dadurch, selbst wichtige Geheimnisse der Kenntnis der 
Feinde zu entziehen! Allein man stelle sich doch die Frage: 
Was hat vor dem Kriege die deutsche Erziehung dafür ge- 
tan, den einzelnen zur Verschwiegenheit zu bilden? Wurde 
nicht leider schon in der Schule der kleine Angeber man- 
chesmal seinen verschwiegeneren Mitgefährten gegenüber 
vorgezogen? Wurde und wird nicht Angeberei als rühm- 
liche „Offenheit" und Verschwiegenheit als schmähliche Ver- 
stocktheit angesehen? Hat man sich überhaupt bemüht, Ver- 
schwiegenheit als männlich wertvolle Tugend hinzustellen? 
Nein, denn in den Augen unserer heutigen Schulerziehung 
sind das Lappalien. Allein diese Lappalien kosten dem 
Staat ungezählte Millionen Gerichtskosten, denn 90 Pro- 
zent aller Beleidigungs- und ähnlichen Prozesse entstanden 
nur aus Mangel an Verschwiegenheit. Verantwortungslos 
getane Äußerungen werden ebenso leichtsinnig weiter- 



Erziehung zur Verschwiegenheit 461 

getratscht, unsere Volkswirtschaft wird ständig durch leicht- 
fertige Preisgabe wichtiger Fabrikationsmethoden usw. ge- 
schädigt, ja sogar alle stillen Vorbereitungen einer Landes- 
verteidigung werden illusorisch gemacht, da das Volk eben 
nicht schweigen gelernt hat, sondern alles weiterredet. Im 
Kriege aber kann diese Schwatzsucht bis zum Verlust von 
Schlachten führen und so wesentlich beitragen zum unglück- 
lichen Ausgang des Kampfes. Man soll auch hier überzeugt 
sein, daß, was in der Jugend nicht geübt wurde, im Alter 
nicht gekonnt wird. Hierher gehört es auch, daß der Lehrer 
z.B. sich grundsätzlich nicht von dummen Jungenstreichen 
Kenntnis zu verschaffen sucht durch das Heranzüchten übler 
Angeberei. Die Jugend hat ihren Staat für sich, sie steht 
dem Erwachsenen in einer gewissen geschlossenen Solidarität 
gegenüber, und dies ist selbstverständlich. Die Bindung 
des Zehnjährigen zu seinem gleich alten Gefährten ist eine 
natürlichere und größere als die zu dem Erwachsenen. Ein 
Junge, der seinen Kameraden angibt, übt Verrat und 
betätigt damit eine Gesinnung, die, schroff ausgedrückt und 
ins Große übertragen, der des Landesverräters genau ent- 
spricht. So ein Knabe kann keineswegs als „braves, 
anständiges" Kind angesehen werden, sondern als ein 
Knabe von wenig wertvollen Charaktereigenschaften. Für 
den Lehrer mag es bequem sein, zur Erhöhung seiner 
Autorität sich derartiger Untugenden zu bedienen, allein in 
das jugendliche Herz wird damit der Keim einer Gesinnung 
gelegt, die sich später verhängnisvoll auswirken kann. 
Schon mehr als einmal ist aus einem kleinen Angeber ein 
großer Schuft geworden! 

Dies soll nur ein Beispiel für viele sein. Heute ist die 
bewußte Entwicklung guter, edler Charaktereigenschaften in 
der Schule gleich Null. Dereinst muß darauf ganz anderes 
Gewicht gelegt werden. Treue, Opferwilligkeit, 
Verschwiegenheit sind Tugenden, die ein großes 
Volk nötig braucht, und deren Anerziehung und Aus- 
bildung in der Schule wichtiger ist als manches von dem, 
was zur Zeit unsere Lehrpläne ausfüllt. Auch das Ab- 
erziehen von weinerlichem Klagen, von wehleidigem Heu- 



462 Ausbildung der Willens- und Entschlußkraft 

len usw. gehört in dieses Gebiet. Wenn eine Erziehung ver- 
gißt, schon beim Kinde darauf hinzuwirken, daß auch Leiden 
und Unbill einmal schweigend ertragen werden müssen, 
darf sie sich nicht wundern, wenn später in kritischer Stunde, 
z.B. wenn einst der Mann an der Front steht, der ganze 
Postverkehr einzig der Beförderung von gegenseitigen Jam- 
mer- und Winselbriefen dient. Wenn unserer Jugend in 
den Volksschulen etwas weniger Wissen eingetrichert wor- 
den wäre und dafür mehr Selbstbeherrschung, so hätte sich 
dies in den Jahren 1915/18 reich gelohnt. 

So hat der völkische Staat in seiner Erziehungsarbeit 
neben der körperlichen gerade auf die charakterliche Aus- 
bildung höchsten Wert zu legen. Zahlreiche moralische Ge- 
brechen, die unser heutiger Volkskörper in sich trägt, kön- 
nen durch eine so eingestellte Erziehung wenn schon nicht 
ganz beseitigt, so doch sehr gemildert werden. 

Von höchster Wichtigkeit ist die Ausbil- 
dung der Willens- und Entschlußkraft so- 
wie die Pflege der Verantwortungsfreu- 
digkeit. 

Wenn beim Heer einst der Grundsatz galt, daß ein Be- 
fehl immer besser ist als keiner, so muß dies bei der Jugend 
zunächst heißen: Eine Antwort ist immer besser als keine. 
Die Furcht, aus Angst Falsches zu sagen, keine Antwort zu 
geben, muß beschämender sein als eine unrichtig gegebene 
Antwort. Von dieser primitivsten Grundlage aus ist die 
Jugend dahingehend zu erziehen, daß sie den Mut zur Tat 
erhält. 

Man hat sich oft beklagt, daß in den Zeiten des Novembers 
und Dezembers 1918 aber auch alle Stellen versagten, 
daß von den Monarchen angefangen bis herunter zum letz- 
ten Divisionär niemand mehr die Kraft zu einem selbstän- 
digen Entschluß aufzubringen vermochte. Diese furchtbare 
Tatsache ist ein Menetekel unserer Erziehung, denn in dieser 
grausamen Katastrophe hat sich nur in einem ins Riesen- 
große verzerrten Maßstab geäußert, was im Kleinen all- 



Pflege zur Verantwortungsfreudigkeit 463 

gemein vorhanden war. Dieser Mangel an Wille ist es, 
und nicht der Mangel an Waffen, der uns heute zu jedem 
ernstlichenWiderstand unfähig macht. Er sitzt in unserem 
ganzen Volk drinnen, verhindert jeden Entschluß, mit dem 
ein Risiko verbunden ist, als ob die Größe einer Tat nicht 
gerade im Wagnis bestünde. Ohne es zu ahnen, hat ein 
deutscher General es fertiggebracht, für diese jammervolle 
Willenslosigkeit die klassische Formel zu finden: „Ich handle 
nur, wenn ich mit einundfünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit 
des Erfolges zu rechnen vermag." In diesen „einundfünfzig 
Prozent" liegt die Tragik des deutschen Zusammenbruches 
begründet: wer vom Schicksal erst die Bürgschaft für den 
Erfolg fordert, verzichtet damit von selbst auf die Bedeu- 
tung einer heroischen Tat. Denn diese liegt darin, daß man 
in der Überzeugung von der Todesgefährlichkeit eines Zu- 
standes den Schritt unternimmt, der vielleicht zum Erfolg 
führen kann. Ein Krebskranker, dessen Tod andernfalls 
gewiß ist, braucht nicht erst einundfünfzig Prozent aus- 
zurechnen, um eine Operation zu wagen. Und wenn diese 
auch nur mit einem halben Prozent Wahrscheinlichkeit 
Heilung verspricht, wird ein mutiger Mann sie wagen, im 
anderen Falle mag er nicht ums Leben wimmern. 

Die Seuche der heutigen feigen Willens- und Entschluß- 
losigkeit ist aber, alles in allem genommen, hauptsächlich 
das Ergebnis unserer grundsätzlich verfehlten Jugenderzie- 
hung, deren verheerende Wirkung sich ins spätere Leben 
hinein fortpflanzt und in der mangelnden Zivilcourage 
der leitenden Staatsmänner ihren letzten Abschied und ihre 
letzte Krönung findet. 

In die gleiche Linie fällt auch die heute grassierende 
Feigheit vor Verantwortung. Auch hier liegt der Fehler 
schon in der Jugenderziehung, durchsetzt dann das ganze 
öffentliche Leben und findet in der parlamentarischen 
Regierungsinstitution seine unsterbliche Vollendung. 

Schon in der Schule legt man leider mehr Wert auf das 
„reumütige" Geständnis und das „zerknirschte Abschwören" 
des kleinen Sünders als auf ein freimütiges Bekenntnis. 
Letzteres erscheint manchem Volksbildner von heute sogar 



464 Grundsätze für die wissenschaftliche Schulung 

als sichtbarstes Merkmal einer unverbesserlichen Verworfen- 
heit, und so manchem Jungen wird unglaublicherweise 
der Galgen wegen Eigenschaften prophezeit, die von un- 
schätzbarem Werte wären, bildeten sie das Gemeingut eines 
ganzen Volkes. 

Wie der völkische Staat dereinst der Er- 
ziehung des Willens und der Entschluß- 
kraft höchste Aufmerksamkeit zu widmen 
hat, so muß er schon von klein an Verant- 
wortung s fr e u d i g k e i t und B e k e n n t n i s m u t 
in die Herzen der Jugend senken. Nur wenn 
er diese Notwendigkeit in ihrer vollen Bedeutung erkennt, 
wird er endlich, nach jahrhundertelanger Bildungsarbeit 
als Ergebnis einen Volkskörper erhalten, der nicht mehr 
jenen Schwächen unterliegen wird, die heute so verhängnis- 
voll zu unserem Untergange beigetragen haben. 

Die wissenschaftliche Schulbildung, die heutzutage ja 
eigentlich das Um und Auf der gesamten staatlichen Er- 
ziehungsarbeit ist, wird mit nur geringen Veränderungen 
vom völkischen Staat übernommen werden können. Diese 
Änderungen liegen auf drei Gebieten. 

Erstens soll das jugendliche Gehirn im 
allgemeinen nicht mit Dingen belastet 
werden, die es zu f ü n f u n d n e u n z i g Pro- 
zent nicht braucht und daher auch wieder 
vergißt. Besonders der Lehrplan von Volks- und Mit- 
telschulen stellt heute ein Zwitterding dar; in vielen 
Fällen der einzelnen Lehrgegenstände ist der Stoff des zu 
Lernenden so angeschwollen, daß nur ein Bruchteil davon 
im Kopfe des einzelnen erhalten bleibt und auch nur ein 
Bruchteil dieser Fülle Verwendung finden kann, während 
er anderseits doch wieder nicht für den Bedarf eines in 
einem bestimmten Fach Arbeitenden und sein Brot Verdie- 
nenden ausreicht. Man nehme zum Beispiel den normalen 
Staatsbeamten mit absolviertem Gymnasium oder absol- 



Keine Überlastung des Gehirns 465 

vierter Oberrealschule in seinem fünfunddreißigsten oder 
vierzigsten Lebensjahr vor und prüfe dessen einst müh- 
sam eingepauktes Schulwissen nach. Wie wenig ist von 
all dem damals eingetrichterten Zeug noch vorhanden! 
Man wird freilich zur Antwort beko